Otto, Grit: Untersuchungen zur postnatalen Gebißentwicklung beim Berliner Miniaturschwein

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Kapitel 6. Zusammenfassung

In der vorliegenden Arbeit wurden der Zahndurchbruch und die Okklusionsverhältnisse an 150 Schädeln verschiedener Altersgruppen einer geschlossenen Population des Berliner Miniaturschweines untersucht. Die Population wurde anhand von 92 Reinzucht-, 28 Inzuchttieren sowie 30 Schädeln von Tieren der ersten und zweiten Rückkreuzungsgeneration an das Berliner Miniaturschwein nach Einkreuzung eines Ebers der Belgischen Landrasse züchterisch untersucht. Die in der Literatur vorhandenen Kenntnisse über das Schweinegebiß wurden entsprechend der Aufgabenstellung so umfassend wie möglich dargestellt und für die Erarbeitung der Untersuchungsmethoden analysiert.

Es erfolgte eine eindeutige Definition des Begriffes des Zahndurchbruchs und eine ausführliche Beschreibung der Methoden der Einzeluntersuchungen, um eine Wertung und Vergleichbarkeit der gewonnenen Ergebnisse zu ermöglichen. Der Prozeß des Zahndurchbruchs dauert bei den einzelnen Zähnen unterschiedlich lange. Die Reihenfolge des Durchbruchs stellte sich wie erwartet als im wesentlichen übereinstimmend mit anderen Schweinerassen dar. Unterschiedliche Zahndurchbruchzeiten der gleichnamigen Zähne im Ober- und Unterkiefer konnten deutlich gemacht werden.

Die beim Berliner Miniaturschwein auftretende Zahnunterzahl zeigte sich mit Ausnahme von P1 UK nur sporadisch. Dagegen ist der Anteil fehlender unterer erster Prämolaren im Gegensatz zu anderen Rassen sehr hoch. Der geringere Anteil an fehlenden P1 UK bei den Rückkreuzungstieren bestätigte die Rassenabhängigkeit dieses Merkmals.

Die erstmals ausführliche Bestimmung der transversalen, vertikalen und sagittalen Okklusionsverhältnisse beim Schwein erfolgte vor allem im Hinblick auf eine Nutzung als Modelltier in der Zahnmedizin mit Hilfe der Begriffe der kieferorthopädischen Diagnostikmethoden des Menschen unter Beachtung der morphologischen Unterschiede.

Die transversalen Beziehungen im Seitenzahngebiet des Schweines müssen im Gegensatz zum Menschen an zwei verschiedenen Zahnformen untersucht werden und bedingen somit unterschiedliche Okklusionsverhältnisse. Bei den sekodonten Seitenzähnen erschwerte die große Vielfalt der an einem Schädel auftretenden Okklusionsbeziehungen vor allem bei älteren Tieren die Systematisierung.


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Die Methoden zur Bestimmung der vertikalen Okklusionsbeziehungen ließen sich vom Menschen auf das Schwein übertragen. Es wurden keine schweren Anomalien festgestellt.

Die sagittalen Okklusionsverhältnisse erwiesen sich im Front-, Eck- und Seitenzahnbereich nach den beim Menschen geltenden Grundsätzen sowohl als normal als auch als anormal.

Die Ergebnisse im Frontzahngebiet, die ein Überwiegen, von einer beim Menschen als anormal bezeichneten Okklusionsform erbrachten, stellen den Normalitätsbegriff in Frage. Es werden dazu morphologische, funktionelle sowie rassenspezifische Aspekte diskutiert.

Im Eckzahnbereich wurde die Alveole des unteren Eckzahnes zur Bestimmung der Lage genutzt, da die betreffenden Zähne durch ihre Form und Neigung verschiedene Positionen einnehmen können. Eine signifikant häufigere Ausprägung zeigten die Rückkreuzungstiere in der Ausbildung von mesialen Verschiebungen des unteren Eckzahnes um 1/1 Zahnbreite, die sich darin manifestiert, daß der untere Eckzahn mesial des oberen dritten Schneidezahnes steht.

Die Ausprägung der sagittalen Okklusionsbeziehungen im Bereich der Seitenzähne erwies sich beim Berliner Miniaturschwein als sehr ausgeglichen. Der auch von anderen Autoren festgestellte Neutralbiß wird nach den gleichen Grundsätzen wie beim Menschen bestimmt.

Die Untersuchung der Reinzucht-, Inzucht- und Rückkreuzungstiere erbrachte signifikante Unterschiede in der Ausprägung einiger Merkmale.

Ebenso wurde die Ausbildung der untersuchten Merkmale der Eberlinien und Sauenfamilien verglichen, wobei sich vereinzelt Tendenzen einer Unterschiedlichkeit zeigten.

Der mit dieser Arbeit erzielte Wissenszuwachs über das Schweinegebiß ist als Basismaterial für spezielle zahnmedizinische Versuche und für die Ableitung züchterischer Maßnahmen zur Entwicklung eines standardisierten Modelltieres für die Zahnmedizin noch nicht ausreichend.


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