Philipp, Ute: Charakterisierung von Heterosiseffekten für Wurfgröße bei der Maus durch DNA-Marker-Analysen

54

Kapitel 4. Ergebnisse

4.1. Zuchtversuch

4.1.1. Wurfgrößen der Tiere der Inzuchtlinienkreuzung C57BL/6J x Balb/cJ

Die Fruchtbarkeitsleistungen in den verschiedenen Generationen der Inzuchtlinienkreuzung C57BL/6J x Balb/cJ, gemessen anhand der Wurfgröße, werden in Tabelle 13 aufgeführt. Die Wurfgrößen von F2-Tieren mit zweifacher Anpaarung wurden zu einem Durchschnittswert zusammengefaßt.

Tab. 13: Wurfgrößen in verschiedenen Generationen der Inzuchtlinienkreuzung C57BL/6J x Balb/cJ

Inzuchtstamm/

Generation

n

Mittel-

wert ± s

Median

Min

Max

männlich

weiblich

C57BL/6J (C)

30

50

7,2 ± 2,13

7

1

11

Balb/cJ (B)

31

42

6,7 ± 2,78

7

2

11

F1 (CB)

135

135

9,8 ± 3,06

10

1

16

F1 (BC)

138 169

10,3 ± 2,57

10

1

14

F1-Gesamtpopulation

304

10,1 ± 2,82

10

1

16

F2 (F1 CB x F1 CB)

135

398

8,3 ± 2,51

8

1

18

F2 (F1 BC x F1 BC)

185

550

7,8 ± 2,64

8

1

15

F2-Gesamtpopulation

948

8,0 ± 2,60

8

1

18

C: Inzuchtstamm C57BL/6J

CB: C57BL/6J x Balb/cJ

s: Standardabweichung

B: Inzuchtstamm Balb/cJ

BC: Balb/cJ x C57BL/6J


55

4.1.2. Heterosiseffekte für das Leistungsmerkmal Wurfgröße

Die Tabelle 14 enthält die ermittelten Heterosiseffekte für die Wurfgröße sowie die Höhe der Maternaleffekte in den Kreuzungsgenerationen.

Tab. 14: Heterosis für Wurfgröße der Inzuchtlinienkreuzung C57BL/6J x Balb/cJ

Inzuchtstamm/

Wurfgröße

Heterosiseffekte

Maternaleffekte

Generation

(geborene Tiere/Wurf)

absolut

%

absolut

%

C57BL/6J

7,2

-

-

-

-

Balb/cJ

6,7

-

-

-

-

F1

10,1

3,2

45,3

0,5

4,9

F2

8,0

1,1

15,1

0,5

6,2

Die Abbildung 6 zeigt die durchschnittlichen Wurfgrößen der F1 und der F2 gegenüber den jeweiligen Mittelwerten der Wurfgrößen beider Inzuchtstämme.

Abb. 4: Ermittelte Wurfgrößen in den verschiedenen Generationen (P, F1, F2)


56

4.1.3. Wurfgrößen von Tieren verschiedener Leistungsgruppen

Für die Bildung von Leistungsgruppen mit Tieren extrem hoher und niedriger Wurfgröße standen 948 F2-Tiere zur Verfügung. Für die Hochleistungsgruppe 1 mit einer Mindestleistung von 13 Nachkommen ergaben sich die in Tabelle 15 aufgeführten Wurfgrößen.

Tab. 15: Zusammensetzung der Hochleistungsgruppe 1 bezüglich Tierzahlen und Wurfgrößen

Anzahl der F2-Tiere

Wurfgröße (geborene Tiere/Wurf)

11

13

4

14

2

15

1

18

Gesamttierzahl: 18

Durchschnittliche Wurfgröße: 13,7

Für die Tiere der Niedrigleistungsgruppe 1, die in zwei aufeinanderfolgenden Würfen eine Wurfgröße jeweils von le 5 Nachkommen aufwiesen, wurden die Ergebnisse in Tabelle 16 zusammengefaßt.

Tab. 16: Zusammensetzung der Niedrigleistungsgruppe 1 bezüglich Tierzahlen und Wurfgrößen

Anzahl der F2-Tiere

Wurfgröße in zwei Würfen

(geborene Tiere/Wurf)

14

davon: 9

le 5

le 4

4

1

le 3

le 2

Gesamttierzahl: 14

Durchschnittliche Wurfgröße: 3,3


57

Bei den 18 Tieren mit extrem hoher Leistung und 14 Tieren mit extrem niedriger Leistung handelte es sich um 3,38% der Tiere der F2-Gesamtpopulation (Abb. 5). Die Leistungsdifferenz zwischen den extremen Leistungsgruppen betrug 10,4 Nachkommen.

Abb. 5: Darstellung der extremen Leistungsgruppen für Wurfgröße in der F2

(HLG 1: Hochleistungsgruppe 1, NLG 1: Niedrigleistungsgruppe 1)

Spezifische Mikrosatelliten, die die mit Fruchtbarkeit assoziierten DNA-Loci Cyp21a1, Ped, H2, Pmv12, Ryr1, Prl und Pl1 charakterisieren, wurden an einer größeren Stichprobe von F2-Tieren getestet. Durch die Vergrößerung der Tierzahl der Hoch- und Niedrigleistungsgruppe verringerte sich die Leistungsdifferenz zwischen den beiden Gruppen von 10,4 Nachkommen auf 7,6 Nachkommen. Zusätzlich erfolgte die Bildung einer Mittelleistungsgruppe, deren Tiere Wurfgrößen von 8 Nachkommen im ersten Wurf und 9 Nachkommen im zweiten Wurf aufwiesen. Die F2-Tiere der erweiterten Leistungsgruppen, die mit spezifischen Mikrosatelliten untersucht wurden, sind in der Tabelle 17 dargestellt.

Tab. 17: Leistungsgruppen für Wurfgröße in der F2 zur Untersuchung spezifischer Mikrosatelliten

Leistungsgruppen

Hoch (HLG 2)

Niedrig (NLG 2)

Mittel (MLG)

Tierzahlen

100

33

30

Auswahlkriterium für die Wurfgröße

(geborene Tiere/Wurf)

ge 11

le 6

(in 2 Würfen)

1. Wurf 8

2. Wurf 9

_ Wurfgröße in den Leistungsgruppen

11,7

4,1

8,5


58

Die Abbildung 6 zeigt die erweiterten Leistungsgruppen für Wurfgröße in der F2.

Abb. 6: Darstellung der erweiterten Leistungsgruppen für Wurfgröße in der F2 (HLG 2: Hochleistungsgruppe 2, NLG 2: Niedrigleistungsgruppe 2, MLG: Mittelleistungsgruppe)

4.2. DNA-Analytik zur Typisierung von Mikrosatelliten

4.2.1. Isolierung genomischer DNA aus Gewebe

Bei der DNA-Isolierung aus einem Ohr bzw. Schwanzstück konnten 40 - 150 µg DNA pro Tier gewonnen werden. Die DNA-Qualität ist sowohl spektralphotometrisch als auch über ein 0,8%-iges Agarosegel kontrolliert worden. Das Extinktionsverhältnis von E260/280 als Maß für Proteinverunreinigungen lag im Durchschnitt bei 1,8. Dabei konnte festgestellt werden, daß die aus einem Schwanzstück extrahierte DNA, gegenüber der DNA aus einem Ohr, in einem höheren Reinheitsgrad vorlag.


59

4.2.2. Darstellung der Mikrosatelliten im Polyacrylamidgel

Mit unmarkierten Primern amplifizierte Mikrosatelliten wurden mit der Silbernitratfärbung im Polyacrylamidgel nachgewiesen. Abbildung 7 stellt als Beispiel den Mikrosatelliten DXMit130 dar.

Abb. 7: Mikrosatellit DXMit130 nach Silbernitratfärbung im Polyacrylamidgel (Nach Einscannen vergrößerte, nicht nachbehandelte Fragmentlängenmuster
C: C57BL/6J, B: Balb/cJ, F1: C57BL/6J x Balb/cJ
CC: Homozygoter Genotyp vom Inzuchtstamm C57BL/6J
BB: Homozygoter Genotyp vom Inzuchtstamm Balb/cJ
CB: Heterozygoter Genotyp)

Mit fluoreszenzmarkierten Primern amplifizierte Mikrosatelliten wurden durch die Laserdetektion nachgewiesen. Die Abbildung 8 stellt als Beispiel für den Multiplex-Ansatz 1 (Tab. 11, S. 49) für drei Mikrosatelliten jeweils die Genotypen eines Tieres der Inzuchtlinien C57BL/6J und Balb/cJ sowie eines heterozygoten F1-Tieres dar. Dabei zeigte sich für den Locus D17Mit52, daß bei heterozygoten Genotypen stets ein Allel stärker als das andere amplifiziert wurde. Dies beeinflußte jedoch nicht die Differenzierbarkeit der Genotypen, wie anhand umfangreicher Wiederholungsanalysen zu erkennen war.


60

Abb. 8: Multiplex-Darstellung von drei Mikrosatelliten

4.2.3. Schätzung des Dominanzgrades

Um sowohl Superdominanz als auch Dominanz als Erklärung für Heterosiseffekte bei der Auswertung der Ergebnisse der DNA-Marker-Analysen zu berücksichtigen, wurde der Dominanzgrad anhand der Mikrosatellitenloci geschätzt. Die Tabelle 18 beinhaltet Mikrosatelliten-Genotypen, die mit einem Dominanzgrad von > 1 assoziiert auftraten.


61

Tab. 18: Mikrosatelliten-Genotypen, die mit einem Dominanzgrad > 1 assoziiert auftraten

Mikrosatelliten-

Durchschnittliche Wurfgröße (geborene Tiere/Wurf) bei Tieren mit den Genotypen

locus

CC

CB

BB

Dominanzgrad

D1Mit211

7,70

11,14

8,00

21,90

D1Mit23

7,16

10,75

9,87

1,65

D1Mit192

7,82

10,46

8,50

6,76

D1Mit113

7,26

9,81

9,80

1,01

D2Mit372

2,50

10,45

7,20

2,38

D2Mit410

8,23

10,59

5,62

2,81

D5Mit236

5,20

10,83

8,56

2,35

D7Mit22

9,68

10,12

9,03

2,35

D7Mit301

9,22

10,56

5,25

1,67

D8Mit112

8,60

10,18

7,50

3,87

D9Mit162

9,15

10,00

7,50

2,03

D9Mit35

6,77

10,78

9,11

2,42

D11Mit339

7,64

10,12

8,56

4,39

D13Mit13

8,78

9,50

8,87

15,00

D13Mit130

6,66

10,00

8,50

2,63

D16Mit189

7,66

9,71

8,16

7,20

D17Mit16

8,99

10,33

9,56

3,70

D17Mit52

9,10

11,70

8,40

8,43

D17Mit142

8,28

9,71

9,50

1,34

D18Mit106

4,83

10,89

8,28

2,50

D19Mit28

8,19

10,90

8,36

30,88

D19Mit36

8,68

9,03

8,50

4,88

DXMit73

4,93

10,55

9,83

1,29

CC Homozygoter Genotyp vom Inzuchtstamm C57BL/6J

CB Heterozygoter Genotyp der Kreuzung C57BL/6J x Balb/cJ

BB Homozygoter Genotyp vom Inzuchtstamm Balb/cJ


62

Die Tabelle 19 beinhaltet Mikrosatelliten-Genotypen, die in Verbindung mit einem Dominanzgrad von > 0 < 1 assoziiert auftraten.

Tab. 19: Mikrosatelliten-Genotypen, die mit einem Dominanzgrad zwischen 0 und 1 assoziiert auftraten

Mikrosatelliten-

Durchschnittliche Wurfgröße (geborene Tiere/Wurf) bei Tieren mit den Genotypen

locus

CC

CB

BB

Dominanzgrad

D2Mit58

6,66

10,16

10,20

0,98

D4Mit175

11,72

9,64

6,87

0,14

D4Mit148

10,55

10,43

8,30

0,89

D5Mit30

8,30

9,90

10,30

0,60

D5Mit101

5,40

10,53

11,00

0,83

D7Mit158

10,55

8,84

5,33

0,34

D11Mit162

9,83

9,25

8,33

0,23

D11Mit213

8,91

10,07

10,87

0,18

D12Mit54

7,64

9,41

10,00

0,50

D13Mit136

10,29

9,84

8,56

0,48

D14Mit141

4,92

9,50

11,09

0,48

D14Mit265

5,87

9,00

12,10

0,01

D15Mit121

6,00

9,88

10,90

0,58

CC Homozygoter Genotyp vom Inzuchtstamm C57BL/6J

CB Heterozygoter Genotyp der Kreuzung C57BL/6J x Balb/cJ

BB Homozygoter Genotyp vom Inzuchtstamm Balb/cJ

Die Mikrosatellitenloci aus den Tabellen 18 und 19 wurden hinsichtlich ihrer Assoziation zu Superdominanz- bzw. Dominanzwirkung statistisch geprüft.


63

Die Tabelle 20 beinhaltet Mikrosatelliten-Genotypen, die in Verbindung mit einem negativen Dominanzgrad erschienen.

Tab. 20: Mikrosatelliten-Genotypen, die mit einem negativen Dominanzgrad assoziiert auftraten

Mikrosatelliten-

Durchschnittliche Wurfgröße (geborene Tiere/Wurf) bei Tieren mit den Genotypen

locus

CC

CB

BB

Dominanzgrad

D3Mit120

10,78

8,40

7,35

-0,38

D3Mit127

12,75

9,53

6,95

-0,11

D4Mit193

11,83

9,31

7,83

-0,26

D5Mit148

11,40

8,60

9,00

-1,37

D6Mit93

D6Mit290

9,44

7,64

8,66

8,67

10,00

13,40

-3,78

-0,64

D8Mit191

9,77

8,44

8,77

-1,66

D10Mit2

D10Mit117

10,57

13,20

9,00

8,95

8,25

7,00

-0,35

-0,37

D12Mit20

13,00

9,11

8,94

-0,92

D13Mit115

9,50

7,33

11,25

-3,48

D15Mit158

10,08

8,29

10,27

-19,48

D16Mit166

10,33

9,03

8,75

-0,65

D18Mit123

7,6

8,55

10,93

-0,43

DXMit130

9,2

8,81

10,50

-1,60

CC Homozygoter Genotyp vom Inzuchtstamm C57BL/6J

CB Heterozygoter Genotyp der Kreuzung C57BL/6J x Balb/cJ

BB Homozygoter Genotyp vom Inzuchtstamm Balb/cJ


64

Für Mikrosatelliten, die an F2-Tieren erweiterter Leistungsgruppen getestet wurden, erfolgte die Schätzung des Dominanzgrades vergleichend mit Tieren extremer bzw. erweiterter Leistungsgruppen (Tab. 21).

Tab. 21: Schätzung des Dominanzgrades vergleichend mit F2-Tieren extremer und erweiterter Leistungsgruppen

Dominanzgrad

Mikrosatelliten-

locus

extreme Leistungsgruppen

(HLG 1 und NLG 1)

erweiterte Leistungsgruppen

(HLG 2, NLG 2 und MLG)

D5Mit30

0,19

0,46

D7Mit22

1,31

2,35

D8Mit191

-16,73

-1,66

D11Mit213

0,68

0,18

D13Mit136

0,89

0,48

D17Mit52

24,02

11,14

D17Mit16

2,36

3,7

HLG 1/-2

Hochleistungsgruppe 1/-2

NLG 1/-2

Niedrigleistungsgruppe 1/-2

MLG

Mittelleistungsgruppe

4.2.4. Ergebnisse der statistischen Analyse von Geneffekten

Mikrosatellitenloci, deren Genotypen mit unterschiedlicher Genwirkung assoziiert auftraten (Tab. 18 und 19), wurden mit dem für die betreffende Genwirkung entsprechenden Modell (vgl. S. 52) ausgewertet. Die Anzahl bestimmter Genotypen pro Mikrosatellit und Leistungsgruppe und die Ergebnisse der statistischen Analyse wurden, getrennt nach Genwirkungsmodell, in den Tabellen 22 bis 25 dargestellt.

Mikrosatelliten, die mit superdominanter Genwirkung assoziiert auftraten, wurden auf der Grundlage des Superdominanzmodells auf signifikante Abweichungen im Heterozygotiegrad zwischen den Leistungsgruppen mit hoher und niedriger Wurfgröße geprüft (Tab. 22).


65

Tab. 22: Mikrosatellitenloci, deren Genotypen mit superdominanter Genwirkung assoziiert auftraten

-Superdominanzmodell-

F2-Tiere mit heterozygotem Genotyp Aa

Mikrosatelliten-

Hochleistungsgruppe

Niedrigleistungsgruppe

p

locus

Anzahl

%

Anzahl

%

D1Mit211

D1Mit23

D1Mit192

D1Mit113

11

9

10

13

61

50

56

72

4

3

5

8

29

21

36

57

0,08

0,15

0,31

0,37

D2Mit372

D2Mit410

14

12

78

67

7

5

50

36

0,14

0,15

D5Mit236

13

72

5

36

0,07

D7Mit22 F

D7Mit301

54

12

54

67

13

5

42

36

0,24

0,15

D8Mit112

10

56

6

43

0,48

D9Mit162

D9Mit35

9

10

50

56

6

4

43

29

0,69

0,16

D11Mit339

11

61

6

43

0,30

D13Mit13

D13Mit130

10

14

56

78

7

8

50

57

1,00

0,27

D16Mit189

12

67

7

50

0,34

D17Mit16 F

D17Mit52 F

D17Mit142

76

45

11

63

62

61

16

9

6

50

35

43

0,19

0,01*

0,30

D18Mit106

14

78

5

36

0,03*

D19Mit28

D19Mit36

16

11

89

61

6

7

43

50

0,008*

0,53

DXMit73

13

72

6

43

0,15

F

Genotypisierung der Mikrosatelliten an F2-Tieren erweiterter Leistungsgruppen

p

Wahrscheinlichkeit nach Pearson bzw. Fisher

*

Signifikant (p le 0,05)


66

Wie aus der Tabelle 22 hervorgeht, waren drei der 23 berücksichtigten Markerloci signifikant mit Superdominanz assoziiert. Die durchschnittlichen Wurfgrößen der F2-Tiere mit den Genotypen AA, Aa und aa sind für diese Mikrosatelliten in Abbildung 9 dargestellt.

Abb. 9: Durchschnittliche Wurfgrößen (geborene Tiere/Wurf) der F2-Tiere mit den Genotypen AA, Aa und aa für Mikrosatelliten mit signifikanter Beziehung zwischen Heterozygotiegrad und Heterosis für Wurfgröße

Für Mikrosatelliten, die mit fluoreszenzmarkierten Primern amplifiziert und an F2-Tieren erweiterter Leistungsgruppen getestet wurden, erfolgte zusätzlich ein Vergleich der Ergebnisse unter Einbeziehung von Tieren extremer und erweiterter Leistungsgruppen (Tab. 23). Aufgrund der hochsignifikanten Beziehung zwischen dem Heterozygotiegrad und der Heterosis für Wurfgröße für den Mikrosatelliten D19Mit28, wurden für diesen Mikrosatellitenlocus zusätzlich Tiere der erweiterten Leistungsgruppen typisiert.

Tab. 23: Vergleich der Wahrscheinlichkeit p unter Einbeziehung von F2-Tieren verschiedener Wurfgrößen

Mikrosatelliten-

Wahrscheinlichkeit p unter Einbeziehung von F2-Tieren verschiedener Wurfgrößen (geborene Tiere/Wurf)

locus

le 5 harr ge 11

le 6 harr ge 11

le 5 harr ge 13

le 6 harr ge 13

D7Mit22

0,25

0,24

0,18

0,13

D17Mit16

0,68

0,19

0,13

0,016*

D17Mit52

0,38

0,01*

0,02*

0,0005*

D19Mit28

0,086

0,003*

0,008*

0,0002*

* Signifikant (p le 0,05)


67

Mikrosatelliten der Tabelle 24 wurden auf der Grundlage des Dominanzmodells auf signifikante Abweichungen im Anteil Genotypen mit Dominanz assoziirtem Allel zwischen den Leistungsgruppen mit hoher und niedriger Wurfgröße geprüft. Zu diesem Zweck erfolgte ein statistischer Vergleich der Tiere mit verschiedenen Mikrosatelliten-Genotypen innerhalb der Hoch- und Niedrigleistungsgruppe. Die Genotypen von zwei Mikrosatellitenloci traten signifikant mit dominanter Genwirkung assoziiert auf.

Tab. 24: Mikrosatellitenloci, deren Genotypen mit dominanter Genwirkung assoziiert auftraten

- Dominanzmodell -

Anzahl an Genotypen

Mikrosatelliten-

Hochleistungsgruppe

Niedrigleistungsgruppe

p

locus

AA + Aa

aa

AA + Aa

aa

D2Mit58

15

3

8

6

0,13

D4Mit175

14

4

6

8

0,06

D4Mit148

11

7

5

8

0,28

D5Mit30 F

83

16

19

13

0,004*

D5Mit101

16

2

7

7

0,02*

D7Mit158

17

1

9

5

0,06

D11Mit162

15

3

11

3

1,00

D11Mit213 F

46

8

16

5

0,49

D12Mit54

15

3

10

4

0,67

D13Mit136 F

35

19

12

8

0,70

D14Mit141

10

8

11

3

0,06

D14Mit265

10

8

12

2

0,12

D15Mit121

17

1

9

3

0,27

F

Genotypisierung der Mikrosatelliten an F2-Tieren erweiterter Leistungsgruppen

p

Wahrscheinlichkeit nach Pearson bzw. Fisher

*

Signifikant (p le 0,05)


68

Zusätzlich erfolgte der Vergleich der Wahrscheinlichkeit p unter Berücksichtigung von F2-Tieren extremer und erweiterter Leistungsgruppen (Tab. 25). Für den Mikrosatelliten D5Mit30, der an Tieren extremer Leistungsgruppen signifikant mit dominanter Genwirkung assoziiert auftrat, galt dies in ähnlicher Weise auch unter Berücksichtigung von Tieren erweiterter Leistungsgruppen.

Tab. 25: Vergleich der Wahrscheinlichkeit p unter Einbeziehung von F2-Tieren verschiedener Wurfgrößen

- Dominanzmodell -

Mikrosatelliten

Wahrscheinlichkeit p unter Einbeziehung von F2-Tieren verschiedener Wurfgrößen (geborene Tiere/Wurf)

locus

le 5 harr ge 13

le 6 harr ge 11

D5Mit30

0,02*

0,004*

D11Mit213

0,33

0,49

D13Mit136

0,44

0,70

* Signifikant (p le 0,05)


69

4.2.5. Heterozygotiegrad von F2-Tieren verschiedener Leistungsgruppen für Wurfgröße

Der durchschnittliche Heterozygotiegrad von F2-Tieren der Hochleistungsgruppe 1 (ge 13 Nachkommen) und der Niedrigleistungsgruppe 1 (le 5 Nachkommen) wurde anhand von 56 Mikrosatelliten berechnet und signifikante Abweichungen von den zu erwartenden 50 % statistisch geprüft (Abb. 10).

Abb. 10: Durchschnittlicher Heterozygotiegrad von F2-Tieren der

Hoch- und Niedrigleistungsgruppe 1 (HLG 1 und NLG 1)

Sieben mit fluoreszenzmarkierten Primern amplifizierte Mikrosatelliten wurden an F2-Tieren einer größeren Stichprobe untersucht, von denen sich entsprechend der Werte des Dominanzgrades drei (D7Mit22, D17Mit16 und D17Mit52) in das Modell der Superdominanz und drei (D5Mit30, D11Mit213 und D13Mit136) in das Modell der Dominanz einordnen ließen (vgl. Tab. 22 u. 24, S. 65 u. 67). Für diese sechs Mikrosatelliten wurden die Heterozygotiegrade an Tieren der erweiterten Leistungsgruppen (HLG 2, NLG 2 und MLG) ermittelt und in Abbildung 11 dargestellt.


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Abb. 11: Heterozygotiegrade für Mikrosatellitenloci, vergleichend an F2-Tieren verschiedener Leistungsgruppen für Wurfgröße (geborene Tiere/Wurf)
a) Locus D7Mit22
b) Locus D17Mit16
c) Locus D17Mit52
d) Locus D5Mit30
e) Locus D11Mit213
f) Locus D13Mit136


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4.2.6. Allelfrequenzen von Mikrosatellitenloci

Durch die Kreuzung zweier Inzuchtlinien und den anschließenden Intercross der F1-Tiere wurde eine F2 mit einer für jeden Locus zu erwartenden Allelfrequenz von 0,5 erzeugt. Für Mikrosatelliten, die mit fluoreszenzmarkierten Primern amplifiziert und an einer größeren Stichprobe von F2-Tieren untersucht wurden, sind die Allelfrequenzen bestimmt und auf signifikante Abweichungen statistisch geprüft worden (Tab. 26).

Tab. 26: Allelfrequenzen von Mikrosatellitenloci, die an F2-Tieren erweiterter Leistungsgruppen typisiert wurden

Mikrosatelliten-

Allelfrequenzen

locus

C

B

p

D5Mit30

0,50

0,50

1,00

D7Mit22

0,52

0,48

0,65

D8Mit191

0,58

0,42

0,15

D11Mit213

0,50

0,50

1,00

D13Mit136

0,60

0,40

0,10

D17Mit16

0,52

0,48

0,68

D17Mit52

0,53

0,47

0,59

C

Allel vom Inzuchtstamm C57BL/6J

B

Allel vom Inzuchtstamm Balb/cJ

p

Wahrscheinlichkeit nach Pearson für ein Abweichen der Allelfrequenzen von 0,5

Die zu erwartenden Allelfrequenzen eines Locus von 0,5 treffen auch für die Allele aller Loci zu. Eine für alle 56 Mikrosatelliten zusammengefaßte Auswertung der Allelfrequenzen erfolgte für die Hoch- bzw. Niedrigleistungsgruppe 1. Die Ergebnisse gehen aus Tabelle 27 hervor.


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Tab. 27: Allelfrequenzen von 56 Mikrosatellitenloci der Hoch- und Niedrigleistungsgruppe 1

Allelfrequenzen

C

B

p

Hochleistungsgruppe 1 (ge 13 Nachkommen)

0,47

0,53

0,25

Niedrigleistungsgruppe 1 (le 5 Nachkommen)

0,49

0,51

0,75

C:

Allele vom Inzuchtstamm C57BL/6J

B:

Allele vom Inzuchtstamm Balb/cJ

p:

Wahrscheinlichkeit p nach Pearson für ein Abweichen der Allelfrequenzen von 0,5

4.2.7. Vergleichende Analyse von zwei eng gekoppelten Mikrosatellitenloci

Der Dominanzgrad zweier eng gekoppelter Mikrosatellitenloci wurde vergleichend mit den F2-Tieren extremer Leistungsgruppen (HLG 1 und NLG 1) geschätzt (Tab. 28).

Tab. 28: Genotypen von zwei Mikrosatellitenloci, die einen Chromosomenbereich charakterisieren, und dazugehörige Dominanzgrade

Mikrosatelliten-

Chromosom/

Durchschnittliche Wurfgröße von

F2-Tieren mit den Genotypen

locus

cM

CC

CB

BB

Dominanzgrad

D2Mit372

2 / 27,0

2,5

10,4

7,2

2,38

D2Mit368

2 / 27,0

7,3

10,4

2,5

2,29

D5Mit148

5 / 18,0

11,4

8,6

9,0

-1,37

D5Mit229

5 / 18,0

11,4

8,7

9,1

-1,34

D13Mit130

13 / 58,5

6,7

10,0

8,5

2,63

D13Mit76

13 / 59,0

6,7

10,0

8,5

2,63

D17Mit52

D17Mit11

17 / 22,3

17 / 21,6

5,4

5,6

10,8

10,4

4,9

5,5

24,02

80,50

D19Mit28

19 / 12,0

3,3

11,0

6,8

30,88

D19Mit61

19 / 8,0

3,3

10,4

6,8

3,07

CC

Homozygoter Genotyp vom Inzuchtstamm C57BL/6J

CB

Heterozygoter Genotyp der Kreuzung C57BL/6J x Balb/cJ

BB

Homozygoter Genotyp vom Inzuchtstamm Balb/cJ


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Mit Ausnahme der Mikrosatelliten D5Mit148 und D5Mit229 konnte bei den übrigen Loci aus den berechneten Dominanzgraden eine mit Superdominanz assoziierte Genwirkung festgestellt werden. Entsprechend des Modellansatzes der Superdominanztheorie der Heterosis (vgl. S. 52) wurde die Wahrscheinlichkeit berechnet, mit der die Anteile heterozygoter Genotypen zwischen den Tieren extremer Leistungsgruppen (HLG 1 und NLG 1) differieren. Die Ergebnisse sind in Tabelle 29 enthalten. Wie zu erkennen ist, entsprachen sich die Ergebnisse bei Analyse von zwei eng gekoppelten Markerloci durchgehend.

Tab. 29: Heterozygotiegrade für jeweils zwei eng gekoppelte Mikrosatellitenloci von F2-Tieren der Hoch- und Niedrigleistungsgruppe 1

- Superdominanzmodell -

F2-Tiere mit heterozygotem Genotyp Aa

Mikrosatelliten-

Hochleistungsgruppe 1

Niedrigleistungsgruppe 1

locus

Anzahl

%

Anzahl

%

p

D2Mit372

D2Mit368

14

14

78

78

7

7

50

50

0,14

0,14

D13Mit130

14

78

8

57

0,27

D13Mit76

14

78

8

57

0,27

D17Mit52

D17Mit11

16

16

89

89

7

8

50

57

0,02*

0,045*

D19Mit28

16

89

6

43

0,008*

D19Mit61

16

89

6

43

0,008*

*

Signifikant (p le 0,05)

p

Wahrscheinlichkeit nach Pearson bzw. Fisher


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