Zumbach, Birgit: Schätzung von Kreuzungsparametern unter besonderer Berücksichtigung von epistatischen Effekten und einer Optimierung des Kreuzungszuchtverfahren beim Meerschweinchen in Bolivien

142

Kapitel 4. Ergebnisse

4.1. Gewichts- und Wachstumsleistung

4.1.1. Verteilungsprofile

Als erster Gesamtüberblick über die Gewichts- und Wachstumsleistung beim Meerschweinchen dienen die Verteilungsprofile, die für das Gesamtmaterial nach Wurf getrennt in der Abbildung 4.1 dargestellt sind. Außer über die durch genetische und nicht genetische Einflüsse bedingte Variation geben sie auch Aufschluss über das Leistungspotential der Population.

Die Mittelwerte der einzelnen Merkmale stimmen in beiden Würfen in etwa überein. Mit einem unterschiedlichen Beitrag der einzelnen Zuchtgruppen, der sich insgesamt wieder ausgleicht, kann gerechnet werden. Beim Vergleich der Standardabweichungen in den beiden Würfen sind je nach Entwicklungsphase unterschiedliche Tendenzen festzustellen: Beim Geburtsgewicht sind sie etwa gleich, während der Aufzucht und beim Absetzen ist die Streuung im 2. Wurf höher. Bei der Gewichtsentwicklung bis zur Mastmitte und dem 56-Tage-Gewicht stimmen die Standardabweichungen beider Würfen wieder in etwa überein; bei der Gewichtsentwicklung während der Endmastphase sowie beim Mastendgewicht ist im 1. Wurf eine größere Streuung zu beobachten. Diese unterschiedlichen Streuungen zwischen den Würfen können im wesentlichen auf die unterschiedlichen Umweltbedingungen während der verschiedenen Entwicklungsphasen der Tiere zurückgeführt werden und sind ein Indiz für mögliche Genotyp x Umwelt-Interaktionen.

Das Geburtsgewicht (nur lebend geborene Tiere) reicht von weniger als 50 bis über 200 g (Mittelwert ca. 110 g), wobei die Einflussfaktoren Zuchtgruppe und Wurfgröße zu den bedeutendsten gehören. Das mittlere Absetzgewicht (195 g) ist ca. 75% höher als das Geburtsgewicht, während das Mindestgewicht in etwa dem unteren Ende des Geburtsgewichtes entspricht und das Maximum mit ca. 400 g ungefähr doppelt so hoch ist wie das bei der Geburt. Ungünstige Umweltbedingungen (Krankheit, Tod der Mutter, unzureichende Fütterung, u.a.) können zu Gewichtsverlusten während der Aufzucht führen. Ein dem Genotyp entsprechend hohes Geburtsgewicht ist daher von selektivem Vorteil für das spätere Überleben unter ungünstigen Bedingungen. Die durchschnittlichen Zunahmen in dieser Phase liegen bei zwischen 80 und 90 g (etwa 6 g pro Tag) mit einer Standardabweichung um 35 bis 40 g.

Die Gewichtszunahmen vom Absetzen bis zur Mastmitte, durchschnittlich 260 bis 270 g (SD: ca. 72 g), sind sämtliche positiv und weisen eine beträchtlichen Spannweite von ca. 500 g auf. Die mittleren täglichen Zunahmen in diesem Mastabschnitt liegen entsprechend bei 6.2 bzw. 6.4 g. Im Alter von 56 Tagen (Mastmitte) wiegen die Tiere im Durchschnitt ca. 460 g (SD: ca. 100 g).

Während der Endmast sind Gewichtszunahmen von durchschnittlich 110 bis120 g zu beobachten, was eine tägliche Zunahme in diesem Abschnitt (56. bis 84. Lebenstag) von ca. 4 g pro Tag bedeutet. Auch negative Gewichtszunahmen sind festzustellen (ca. 2.5% der Tiere). Das Mastendgewicht beträgt im Durchschnitt ca. 580 g (SD: ca. 120-130 g), wobei ca. 0.5-0.6% der Population ein Gewicht von 1 kg und mehr erreichen.

Die Gewichtszunahmen von der Geburt bis zum Mastende bzw. während der Mastphase entsprechen der Summe der verschiedenen Einzelabschnitten. Sie liegen im Durschschnitt zwischen 460 und 470 g bzw. bei ca. 380 g, wobei die Standardabweichungen im 1. Wurf (112 g bzw. 120 g um jeweils 20 g höher sind als im zweiten. Die mittleren täglichen Zunahmen liegen in beiden betrachteten Abschnitten um ca. 5.5 g.


143

Abb.4.1: Verteilungsprofile von Gewichts- und Wachstumsmerkmalen auf der Basis des Gesamtmaterials.
Figure 4.1: Distribution profiles for body weight and growth traits


144

Abb.4.1: Fortsetzung.
Figure 4.1: continued


145

Abb.4.1: Fortsetzung.
Figure 4.1: continued


146

4.1.2. Varianzkomponenten und Heritabilitätsschätzungen

In der Tab.4.1 sind die Schätzwerte für die Varianzkomponenten sowie deren Verhältnisse dargestellt, die als Einsetzwerte für die Schätzung der GLS-Zuchtgruppenmittelwerte und -Kreuzungsparameter dienen.

Tab. 4.1: Varianzkomponentenschätzwerte und Varianzenverhältnisse für Gewichts- und Wachstumsmerkmale bei den Zuchtlinien (Gesamtdatenmaterial).
Table 4.1: Variance components estimates and ratios for body weight and growth traits

Merkmal

n

Va

Vc

Ve

Va/Vt (S.E.)

Vc/Vt (S.E.)

Ve/Vt (S.E.)

Geburtsgewicht

7701

105.8

196.5

66.8

0.287 (.023)

0.532 (.012)

0.181 (.014)

14-Tage-Gewicht (Absetzen)

7038

432.6

926.4

212.8

0.275 (.024)

0.589 (.012)

0.135 (.014)

56-Tage-Gewicht (Mastmitte)

6688

1550.2

2050.1

2069.2

0.273 (.025)

0.362 (.013)

0.365 (.018)

84-Tage-Gewicht (Mastende)

6540

2585.2

2985.2

3737.5

0.278 (.027)

0.321 (.013)

0.402 (.020)

Zunahme Geburt - Absetzen

7038

174.6

568.4

166.6

0.192 (.022)

0.625 (.012)

0.183 (.013)

Zunahme Absetzen - Mastmitte

6677

602.2

1349.3

1863.9

0.158 (.021)

0.354 (.012)

0.489 (.017)

Zunahme Mastmitte - Mastende

6519

80.8

1112.1

1824.2

0.027 (.012)

0.369 (.011)

0.605 (.012)

Zunahme Geburt - Mastende

6539

1630.5

2764.0

3808.6

0.199 (.023)

0.337 (.013)

0.464 (.018)

Zunahme Absetzen - Mastende

6529

1303.8

2392.0

3617.1

0.178 (.023)

0.327 (.013)

0.495 (.018)

Va: Additive Varianz; Vc: Wurfumwelt-Varianz; Ve: Restvarianz; Vt: Gesamtvarianz

Die Heritabilitätsschätzwerte (Va/Vt) liegen bei den Gewichtsmerkmalen von der Geburt bis zum Mastende ungefähr auf dem selben Niveau (0.27 bis 0.29), wobei der Schätzwert für das Geburtsgewicht mit 0.29 der höchste von sämtlichen Merkmalen überhaupt ist. Die REML-Schätzwerte von LIZECA (1997) an den beiden Reinzuchtlinien (Vatermodell ohne Berücksichtigung der Verwandtschaftsstruktur) sind für das Geburts- und Absetzgewicht (BB: 0.12 und 0.06; PP: 0.12 und 0.14) deutlich niedriger, für das 56-Tage-Gewicht (BB: 0.31; PP: 0.37) um etwas höher (siehe Tab.2.18).

Bei den Gewichtszunahmen in den einzelnen Entwicklungsabschnitten nehmen die Heritabilitätsschätzwerte mit zunehmendem Alter ab, von 0.19 während der Aufzucht, 0.16 zwischen Absetzen und Mastmitte auf 0.03 während der Endmast. Für die Gesamtzunahme sowie für die Zunahme während der Mastphase insgesamt sind die Schätzwerte mit 0.20 und 0.18 höher als für den höchsten Schätzwert in einer der darin zusammengefassten Einzelphasen.

Die Wurfumwelt ist bei der Geburt und bis zum Absetzen von überragender Bedeutung mit Anteilen an der Gesamtvarianz von 53 (Geburtsgewicht) bis 63% (Zunahme während der Aufzucht). Bei der Mastmitte und am Mastende liegt (incl. Zunahmen) liegt der Anteil zwischen 33 und


147

37% und ist damit in allen Merkmalen deutlich höher als der der additiven Varianz.

Der Anteil der Restvarianz ist bei den im wesentlichen von der Wurfumwelt geprägten Merkmalen (Geburt bis Absetzen) am niedrigsten (14 und 18%), steigt entsprechend der Abnahme der Additiv-Varianz - die Wurfumweltvarianz bleibt in etwa konstant - und erreicht bei den Zunahmen von der Mastmitte bis zum Mastende das höchste Niveau von ca. 60%.

Während in der Tierzucht allgemein mit einer Zunahme der Heritabilität von der Geburt bis zum Mastende zu erwarten ist, scheint bei der untersuchten Population das Gegenteil der Fall zu sein. Nicht kontrollierbare Umwelteinflüsse - LIZECA (1997) nennt in dieser Hinsicht die mit der Pubertät einhergehenden heftigen Rangkämpfe, die jedoch in diesem Ausmaß nur bei männlichen Tieren auftreten - gewinnen Oberhand. Unzureichende Fütterung, Wassermangel und zu hohe Besatzdichten, d.h. Faktoren, bei denen der Bedarf mit zunehmender Körpergröße steigt, können dazugezählt werden.

4.1.3. Schätzung von Zuchtgruppenmittelwerten und Kreuzungsparametern für die Gewichts- und Wachstumsentwicklung bis zum Ende der Aufzucht

Im folgenden werden zunächst die Leistungen der verschiedenen Zuchtgruppen miteinander verglichen und anschließend die mit drei genetischen Modellen (Dickerson-Modell: gi, hi, ri, gm, hm; Jakubec-Modell: gi, di, aai, gm dm bzw. gi, di, ddi, gm, dm) geschätzten Kreuzungsparameter dargestellt (siehe Punkt 3.5). Abschließend erfolgt eine Untersuchung der Überlebensrate nach Zuchtgruppe und Jahr-Saison.

4.1.3.1. GLS-Mittelwertsvergleiche nach Zuchtgruppen für die Gewichtsentwicklung von der Geburt bis zum Absetzen

In der Tabelle 4.2 sind die verschiedenen GLS-Zuchtgruppenmittelwerte im Vergleich für das Geburts- und Absetzgewicht sowie für die Zunahme zwischen Geburt und Absetzen aufgeführt, die in der Abbildung 4.2 grafisch dargestellt sind.

Die GLS-Mittelwerte der Reinzuchtlinien für das Geburtsgewicht stellen praktisch die obere und untere Grenze, zwischen denen sich die Kreuzungsgruppenmittelwerte bewegen, dar. Sie variieren zwischen 85 g (bolivianische Reinzucht) und 120 g im 1. Wurf (peruanische Reinzucht) bzw. zwischen 87 g und 127 g im 2.Wurf, d.h. um 1.2 bzw. 1.3 Standardabweichungen.

Die Kreuzungsgruppen BP und RKP’, denen gemeinsam ist, dass sie von peruanischen Reinzuchtmüttern stammen, unterscheiden sich im Geburtsgewicht nicht von denen der peruanischen Reinzucht (1. Wurf) bzw. liegen in der Rangfolge gleich an zweiter Stelle (2. Wurf). Ein solch deutlicher maternaler Einfluss ist bei den Nachkommen bolivianischer Mütter nicht zu erkennen. Nur im 2. Wurf entspricht das Geburtsgewicht der Gruppe PB dem der bolivianischen Reinzucht (87.0 g); im 1. Wurf (100.9 g) hingegen kommt der individuelle Genotyp stärker zum Ausdruck. Auch innerhalb Wurfnummer gibt es deutliche Unterschiede zwischen vom erwarteten Genniveau auf mütterlicher und individueller Ebene ähnlichen Kreuzungsgruppen (z.B. 1. Wurf: Rot2B: 100.6 g; Rot3B: 85.8 g), die sich genetisch nicht erklären lassen.

Auch beim Absetzgewicht stellen die beiden Reinzuchtlinien die obere und untere Grenze der Spannbreite der Zuchtgruppenmittelwerte dar. Sie liegen zwischen 147 und 190 g im 1. Wurf (0.8 SD) und zwischen 196 und 250 g (1.0 SD) im zweiten, wobei die Spannweite beim 2. Wurf um ca. 10 g höher ist. Das um ca. 50 bis 60 g höhere Gewicht im 2. Wurf (bei vergleichbarem Mittelwert) ergibt sich durch die unterschiedliche Einwirkung der weiteren Effekte im Modell,


148

insbesondere des Jahr-Saisoneffektes, dessen Ausmaß 0.9 (2. Wurf) bis 1.3 Standardabweichungen (1. Wurf) beträgt. Wesentlich für den Vergleich der Mittelwerte ist der Unterschied zwischen den Zuchtgruppen und nicht der einzelne absolute Schätzwert.

Wie bereits bei der Geburt erreichen die Nachkommen peruanischer Mütter auch beim Absetzen die höchsten Gewichte. Im 1. Wurf ist eine Tendenz von mit zunehmendem peruanischen Genanteil steigenden Gewichten der Zuchtgruppen zu erkennen, wobei nur die Gruppen F2 und BP eine Ausnahme bilden. Die Schätzwerte der Rückkreuzungsgruppen sind mit einem relativ hohen Standardfehler behaftet, so dass sie sich fast nur von den Reinzuchtmittelwerten signifikant unterscheiden. Im 2. Wurf nähern sich die Leistungen der Kreuzungsgruppen mit wenigen Ausnahmen (F2, BP, RKP, RKP’) eher der Ebene der bolivianischen Reinzuchtlinie, von der sich die Zuchtgruppen SYN und PB nicht signifikant unterscheiden. Es ist insgesamt keine klare Tendenz zu beobachten.

Bei den Zunahmen während der Aufzucht nimmt die bolivianische Reinzuchtlinie den untersten Wert der Spannweite der GLS-Zuchtgruppenmittelwerte (0.6 SD) mit 59.4 g im 1. Wurf zusammen mit den Zuchtgruppen RKB’ (59.7 g) Rot2B (63.5 g) und Rot2P (64.2 g) ein. Im 2. Wurf (0.7 SD) ist dies die Rot3P (91.2 g) zusammen mit der bolivianischen Linie (92.5 g), die sich von den meisten Kreuzungsgruppen (RKB’, Rot2B, Rot3B, PB, SYN, Rot3P, Rot2P) nicht signifikant unterscheiden.

Die höchsten Zunahmen weist im 1. Wurf nicht die peruanische Linie sondern die F2 (80.4 g) zusammen mit den Gruppen Rot3P (78.4 g) und Rot3B (73.4 g) auf. Die relativ niedrige Leistung der peruanischen Meerschweinchen (68.8 g) könnte in diesem Falle im Zusammenhang mit der in den Monaten April und Mai 1993 aufgetauchten Krankheit stehen, in welchen über 50% der untersuchten Tiere dieser Linie geboren wurde (siehe Punkt 3.6.1), wobei dieser sich depressiv auf das Wachstum auswirkende Effekt trotz Korrektur nicht ganz ausgeschaltet werden konnte. Die Untersuchung der Mortalitätsraten zwischen Geburt und Absetzen (siehe unten) verstärken diese Annahme.

Im 2. Wurf entspricht die Rangfolge auf dem oberen Niveau der des Geburts- und Absetzgewichts, mit den höchsten Zunahmen bei der Peruanischen Linie (118.6 g), die sich nicht signifikant von den Zuchtgruppen RKP’ (116.1 g), BP (114.9 g) und RKP (110.7 g) unterscheiden. Es ist weder im 1. noch im 2. Wurf eine konsistente Tendenz der Zunahmen nach dem individuellen oder dem mütterlichen Genanteil zu erkennen.

Die durch Linienunterschiede nicht zu erklärende Variation zwischen den Zuchtgruppen kann mehrere Ursachen haben: Zum einen ist es sehr wahrscheinlich, dass unter den Versuchsbedingungen, die eher einem Feldversuch entsprechen, nicht kontrollierbare Umwelteffekte zur Wirkung gekommen sind, die in einer solchen Variation zum Ausdruck kommen. Zum anderen ist es möglich, dass nicht-additive Genwirkungen von Bedeutung sind (siehe unten).


149

Tab. 4.2: GLS-Zuchtgruppenmittelwerte (GLSM) und Standardfehler für Merkmale der Gewichtsentwicklung von der Geburt bis zum Absetzen.
Table 4.2 GLS breeding group means and standard errors for body weight development from birth to weaning

Zucht-

Geburtsgewicht

Absetzgewicht

Zunahme Geburt - Absetzen

gruppe

1.Wurf

2.Wurf

1.Wurf

2.Wurf

1.Wurf

2.Wurf


GLSM

S.E.


GLSM

S.E.


GLSM

S.E.


GLSM

S.E.


GLSM

S.E.


GLSM

S.E.


BB

85.8

1.9

a

88.4

2.6

a

147.5

4.3

a

196.1

3.8

a

59.4

3.0

a

92.5

2.5

a

RKB’

92.9

2.6

bcd

100.1

3.0

bcd

154.5

5.6

ab

212.5

4.9

bc

59.7

3.9

ab

100.0

3.4

abcd

RKB

95.3

2.5

cde

109.6

3.0

e

169.3

5.4

bcdef

227.6

5.1

cd

72.8

3.8

bcde

106.3

3.2

bcde

Rot2B

100.6

2.3

ef

98.4

2.1

bc

165.7

3.9

bcd

209.7

5.2

b

63.5

2.8

ab

99.7

3.1

abc

Rot3B

85.8

1.7

ab

99.2

2.1

bc

162.7

3.7

bc

209.5

5.2

b

73.4

2.6

cde

96.7

3.0

ab

PB

100.9

2.2

ef

87.0

2.6

a

169.8

4.7

def

197.8

4.3

ab

68.5

3.3

abcd

97.4

2.9

ab

F2

102.1

2.3

ef

107.2

2.8

de

184.1

5.0

ghi

232.2

4.5

d

80.4

3.5

e

111.6

3.1

def

SYN

97.2

2.5

de

94.5

2.1

b

169.7

4.6

cde

201.5

4.7

ab

70.0

3.1

bc

95.0

3.5

a

BP

114.8

2.1

g

120.3

2.5

f

185.7

4.4

hi

249.3

4.6

ef

69.2

3.1

bcd

114.9

2.9

ef

Rot3P

91.3

2.2

c

97.7

2.4

bc

173.9

3.5

defg

199.0

5.2

ab

78.4

2.4

de

91.2

3.6

a

Rot2P

98.0

2.5

e

100.2

2.1

c

163.9

4.2

bcd

211.7

4.2

b

64.2

3.0

ab

99.7

3.5

abc

RKP

105.7

2.7

f

109.0

3.0

e

172.6

5.6

defgh

234.1

4.2

de

65.2

3.9

abc

110.7

3.5

cdef

RKP’

114.4

2.6

g

119.1

3.0

f

182.3

5.4

fghi

248.7

4.8

e

67.1

3.8

abcd

116.1

3.4

ef

PP

119.2

2.4

g

126.3

2.4

g

189.9

3.7

i

257.7

5.2

f

68.8

2.6

bc

118.6

3.2

f

Werte mit unterschiedlichem Buchstaben innerhalb Spalte unterscheiden sich signifikant (p<0.05) Erläuterung der Zuchtgruppen, siehe Tab.3.3, Stichprobenumfang je Zuchtgruppe und Merkmal siehe Tab. 3.19


150

Abb. 4.2: Jungtierentwicklung während der Aufzucht im Vergleich der Zuchtgruppen (GLS-Mittelwerte).
Figure 4.2: Breeding group comparison for body weight development from birth to weaning (GLS means)

1. Wurf

2. Wurf


151

4.1.3.2. GLS-Kreuzungsparameterschätzung für die Gewichtsentwicklung von der Geburt bis zum Absetzen

Ein erster Überblick über die geschätzten Kreuzungsparameter, die in der Tabelle 4.3 und in der Abbildung 4.3 dargestellt sind, zeigt die vorherrschende Wirkung von Liniendifferenzen auf individueller und maternaler Ebene. Die individuellen (gi) und maternalen additiven Effekte (gm) sind in allen Merkmalen und genetischen Modellen, mit Ausnahme der Zunahme von der Geburt bis zum Absetzen im 1. Wurf, hoch signifikant, wobei im 1. Wurf die individuellen und im 2. Wurf die maternalen Effekte dominieren. Den Bezug (µ) stellt der GLS-Zuchtgruppenmittelwert für die bolivianische Reinzuchtlinie dar (siehe Punkt 3.5).

Beim Geburtsgewicht entsprechen die individuellen additiven Effekte im 1. Wurf (ca. 18 g) 21% des Gewichts der bolivianischen Reinzuchtlinie, die maternal additiven (14 g) liegen bei 16%. Im 2. Wurf erreichen die maternal additiven Effekte (24 g) 27%, die individuellen (9 g) ca. 10%. Individuelle Dominanzeffekte sind im 1. Wurf nur im Jakubec-Modell mit Dominanz x Dominanz-Interaktionen als epistatischem Effekt mit 16 g bzw. 18% signifikant. Der entsprechende Effekt ist im 2. Wurf nur beim Dickerson-Modell signifikant, allerdings mit negativem Vorzeichen (-3.3 g bzw. -3.7%). Nur im 1. Wurf erreichen Dominanzeffekte auf maternaler Ebene Signifikanz und zwar nach allen drei Modellen. Die Schätzwerte sind negativ mit einem Ausmaß von -4 bis -6%. Die geschätzten epistatischen Effekte erreichen im 1. Wurf nur in Form von Dominanz x Dominanz-Interaktionen ein Signifikanzniveau von weniger als 5%; Rekombiniationsverluste und Additiv-Additiv-Interaktionen liegen an der Signifikanzschwelle (p=0.052). Im 2. Wurf sind nur die Rekombinationsverluste und Additiv x Additiv-Interaktionen deutlich von null verschieden. Sämtliche Schätzwerte für diese epistatischen Effekte sind negativ mit einem Ausmaß von ca. 20% bei den Dominanz x Dominanz-Interaktionen im 1. Wurf, 8% bei den Rekombinationsverlust und 17% bei den Additiv x Additiv-Interaktionen. Die Standardfehler für Rekombinationsverluste und Additiv x Additiv-Interaktionen entsprechen dabei fast der Hälfte des Schätzwertes. Im 1. Wurf könnte beim Jakubec-Modell mit Dominanz x Dominanz-Interaktionen Multikollinearität bei den Schätzwerten für die individuellen Dominanz sowie die Dominanz x Dominanz-Ineraktionen eine Rolle spielen (siehe Punkt 3.5.3).

Bei den Kreuzungsparametern für das Absetzgewicht herrschen wie beim Geburtsgewicht im wesentlichen die additiven Effekte auf individueller und mütterlicher Ebene vor, jedoch in etwas geringerem Maße. Sie entsprechen im 1. Wurf ca 15% (gi) bzw. 10% (gm) der bolivianischen Reinzuchtlinie, im 2. Wurf jeweils 8% (gi) und 21% (gm). Individuelle Dominanzeffekte (ca.4%) sind nur im 1. Wurf beim Dickerson-Modell signifikant; maternale Dominanz ist in beiden Würfen nach allen drei Modellen nicht nachzuweisen. Die Irrtumswahrscheinlichkeit der Schätzwerte für den Rekombinationseffekt und die Additiv x Additiv-Interaktionen im 1. Wurf, die positive Vorzeichen haben, liegt knapp unter 10%. Im 2. Wurf liegen lediglich die Dominanz x Dominanz-Interaktionen im Signifikanzbereich (p=0.07) und sind negativ.

Bei der Gewichtszunahme während der Aufzuchtphase sind additive Effekte im 1. Wurf sowohl auf individueller als auch auf maternaler Ebene nicht nachzuweisen. Im 2. Wurf sind es die einzigen Kreuzungseffekte, die sich signifikant von null unterscheiden. Die individuellen Effekte (gi) liegen dabei mit einem Ausmaß von 9% auf etwa demselben Niveau wie beim Geburts- (10%) und Absetzgewicht (8%). Die maternalen Additiv-Effekte (gm) sind mit 17.6% deutlich niedriger als beim Geburtsgewicht (27%), wobei sie beim Absetzgewicht (21%) eine Zwischenstellung einnehmen. Nicht-Additive Effekte sind nur im 1. Wurf signifikant, wobei die Schätzwerte für individuelle Dominanzeffekte (hi/di) in Richtung und Signifikanz nach den verschiedenen Modellen sehr unterschiedlich sind. Nach dem Dickerson-Modell sind sie hochsignifikant


152

und positiv und entsprechen 11% der Zunahme der bolivianischen Reinzuchtlinie. Auch nach dem Jakubec-Modell mit Additiv x Additiv-Interaktionen als epistatischem Effekt sind sie deutlich von null verschieden (p=0.046), jedoch negativ mit einem Ausmaß von -18%; Dominanz x Dominanz-Interaktionen sind nicht nachzuweisen. Die maternalen Dominanzeffekte sind nach allen Modellen signifikant und positiv bei Schätzwerten von 6.6 bis 8.6%. Ähnlich sieht es bei den epistatischen Effekte aus: Sie sind nach allen Modellen signifikant positiv, wobei sich die Schätzwerte für den Rekombinationsverlust (29.3%) und die Dominanz x Dominanz-Interaktionen (23.7%) in etwa vergleichbar sind; die Additiv x Additiv-Interaktionen sind mit 58.6% ungefähr doppelt so groß.

Insgesamt betrachtet, überwiegen während der Aufzuchtphase Linienunterschiede sowohl auf individueller als auch auf maternaler Ebene, wobei die Gewichtung beider Ebenen je nach Umweltbedingungen (hier Wurfnummer) unterschiedlich sein kann. Über die nicht-additiven Effekte kann keine allgemeine Aussage gemacht werden. Heterosis im Sinne des Begriffes, d.h. ein sich auf die Konstitution der Jungtiere positiv manifestierender Effekt, der hier in Form der Dominanzeffekte (di/hi) gemessen wird, kann bei sämtlichen drei Modellen nur für die maternale Dominanz bei der Gewichtszunahme zwischen Geburt und Absetzen im 1. Wurf festgestellt werden. Vereinzelt positiven individuellen Schätzwerten nach dem Dickerson-Modell stehen negative oder nicht signifikante Effekte nach dem Jakubec-Modell gegenüber und umgekehrt. Die epistatischen Effekte gemessen als Rekombinationsverlust bzw. als Additiv x Additiv-Interaktionen, wenn sie annähernd Signifikanz erreichen, stehen (ebenso wie ihre Standardfehler) im erwarteten Verhältnis 1:2 (r=½ aa), wobei die Schätzwerte zum Teil positiv sind (Zunahme Geburt-Absetzen im 1. Wurf), zum Teil negativ (Geburtsgewicht im 2. Wurf). Mit Artefakten durch spezifische Erkrankung in der Peruanischen Linie muss vor allem im 1. Wurf bei den postnatalen Merkmalen gerechnet werden.


153

Tab. 4.3: GLS-Kreuzungsparameter und Standardfehler für Merkmale der Gewichtsentwicklung von der Geburt bis zum Absetzen [g].
Table 4.3: GLS crossbreeding parameter estimates and standard errors for body weight development from birth to weaning [g]

Kreuzungs-

Geburtsgewicht

Absetzgewicht

Zunahme Geburt - Absetzen

parameter

1.Wurf

2.Wurf

1.Wurf

2.Wurf

1.Wurf

2.Wurf

GLSM BB

85.8

S.E.

88.4

S.E.

147.5

S.E.

196.1

S.E.

59.4

S.E.

92.5

S.E.

giD

17.8

2.3***

9.0

2.4***

22.7

4.7***

15.8

4.8***

4.6

3.2

8.5

3.2**

giJAaa

17.8

2.3***

9.0

2.4***

22.7

4.7***

16.1

4.8***

4.6

3.2

8.7

3.2**

giJAdd

18.1

2.3***

8.7

2.4***

23.3

4.7***

16.1

4.8***

4.9

3.2

8.9

3.2**

hiD

-1.3

1.2

-3.3

1.3**

5.8

2.5*

-3.9

2.6

6.6

1.7***

0.4

1.8

diJAaa

5.9

4.0

4.3

3.8

-6.5

8.0

3.9

7.6

-10.8

5.4*

-0.3

5.1

diJAdd

15.8

5.4**

2.7

5.2

6.0

10.8

14.0

10.4

-7.6

7.3

8.9

7.1

riD

-7.1

3.7+

-7.4

3.7*

12.3

7.4+

-10.6

7.4

17.4

5.0***

-2.0

5.0

aaiJAaa

-14.3

7.3+

-15.1

7.0*

24.7

14.7+

-16.1

14.1

34.8

9.9***

1.0

9.5

ddiJAdd

-16.6

5.0***

-5.9

4.9

0.2

10.1

-17.6

9.7+

14.1

6.8*

-8.4

6.6

gmD

13.7

1.1***

23.8

1.2***

15.1

2.3***

40.9

2.5***

2.0

1.6

16.3

1.8***

gmJAaa

13.7

1.1***

23.8

1.2***

15.1

2.3***

40.8

2.5***

2.0

1.6

16.3

1.8***

gmJAdd

13.7

1.1***

23.8

1.2***

15.0

2.3***

40.8

2.5***

2.0

1.6

16.3

1.8**

hmD

-5.1

1.4***

0.8

1.3

-0.9

2.8

1.1

2.7

3.9

1.9*

0.9

1.8

dmJAaa

-5.1

1.4***

0.9

1.3

-0.9

2.8

0.6

2.6

3.9

1.9*

0.4

1.8

dmJAdd

-3.5

1.5*

0.3

1.4

1.8

2.9

2.0

2.8

5.1

2.0*

2.0

1.9

+: 0.05 le p < 0.10; *: 0.01 le p < 0.05; **: 0.001 le p < 0.01; ***: p < 0.001; Erläuterung der Kreuzungsparameter, siehe Punkt 3.5


154

Abb. 4.3: Kreuzungsparameter für die Gewichtsentwicklung von der Geburt bis zum Absetzen in % des GLS-Mittelwerts der bolivianischen Reinzuchtlinie.
Figure 4.3: Crossbreeding parameter estimates for body weight development from birth to weaning in % of the GLS mean of the Bolivian line
nur signifikante (p<0.05) Schätzwerte; D: Dickerson-Modell; JAaa: Jakubec-Modell aa; JAdd: Jakubec-Modell dd (siehe Punkt 3.5)

Jungtiergewicht und Gewichtszunahmen


155

4.1.3.3. Überlebensrate während der Aufzucht

Die Überlebensrate während der Aufzucht ist in erster Linie vom Gesundheitszustand des Muttertiers abhängig. Jahr-Saison-Einflüsse (siehe Punkt 3.6.2) spielen dabei eine wichtige Rolle. Da nicht alle Zuchtgruppen während aller hier erfassten Jahr-Monatsklassen vertreten sind (siehe Datenstruktur, Anhang Tabelle A1), ist eine gleichzeitige Analyse beider Effekte nicht möglich. Die Überlebensraten werden deshalb nach Zuchtgruppen und nach Jahr-Saison-Monatsklassen getrennt verglichen.

Tab. 4.4: Überlebensraten während der Aufzucht im Vergleich der Zuchtgruppen im 1. und 2. Wurf.
Table 4.4 Survival rates from birth to weaning (breeding group comparison)

Zucht-


1. Wurf



2. Wurf


gruppe

n1

n2

Überlebens-rate [%]1

n1

n2

Überlebens-rate [%]2

BB

648

616

95.06

633

585

92.42

RKB'

89

89

100.00

132

121

91.67

RKB

104

102

98.08

150

144

96.00

Rot2B

293

276

94.20

266

248

93.23

Rot3B

289

257

88.93

211

194

91.94

PB

139

129

92.81

174

156

89.66

F2

201

193

96.02

266

247

92.86

SYN

575

535

93.04

495

444

89.70

BP

163

156

95.71

169

152

89.94

Rot3P

269

241

89.59

186

165

88.71

Rot2P

299

285

95.32

247

222

89.88

RKP

100

97

97.00

140

132

94.29

RKP'

119

110

92.44

148

134

90.54

PP

656

526

80.18

536

489

91.23

Gesamt

3944

3612

91.58

3753

3433

91.47

n1: Anzahl lebender Tiere bei der Geburt; n2: Anzahl der lebend geborenen Tiere, die bis zum Absetzen überlebt haben;

1) Effekt Zuchtgruppe ist signifikant (p<0.0001)

2) Effekt Zuchtgruppe ist nicht signifikant (p=0.47)

Die Überlebensraten im Vergleich der Zuchtgruppen sind in der Tabelle 4.4 dargestellt. Sie liegen im Durchschnitt bei ca. 91.5% in beiden Würfen. Im 1. Wurf ist der Effekt Zuchtgruppe nach dem Chi²-Test signifikant. Die Spannweite zwischen der höchsten (RKB’: 100%) und der niedrigsten (PP: 80.2%) Überlebensrate beträgt ca. 20%. Dieser niedrige Wert der peruanischen Reinzuchtlinie stellt insgesamt betrachtet eine Ausnahme dar: Während die Werte der anderen Zuchtgruppen relativ kontinuierlich zwischen 88.9% (Rot3B) und 100% verteilt sind, erscheint der Abfall von 88.9% auf 80.2% sprunghaft.

Bei der Betrachtung der Überlebensraten nach Jahr-Monats-Klassen (Tab.4.5) ergibt sich für den 1. Wurf ein ähnliches Bild: Die Spannweite zwischen der besten und schlechtesten Klasse beträgt über 20%, bedingt durch die extrem schlechten Überlebenschancen der in den Monaten April und Mai des Jahres 1993 geborenen Jungtiere (93/4-5: 76.15%). Der Abstand zur nächst höheren


156

Überlebensrate (Februar und März desselben Jahres bzw. 93/2-3: 91.34%) beträgt mehr als zwei Drittel der gesamten Spannweite.

Tab. 4.5: Überlebensraten während der Aufzucht im Vergleich der Jahr-Saison-Monats-Klassen im 1. und 2. Wurf.
Table 4.5: Survival rates from birth to weaning (year season month comparison)

Jahr / Monats-


1. Wurf



2. Wurf


Klassen

n1

n2

Überlebens-rate [%]1

n1

n2

Überlebens-rate [%]1

90/5-6

490

461

94.08

65

64

98.46

90/7




362

327

90.33

90/8-12

305

300

98.36

639

592

92.64

92/5

409

387

94.62




92/6-8

654

618

94.50

353

346

98.02

92/9-12

477

449

94.13

1170

1027

87.78

93/2-3

1131

1033

91.34




93/4-5

478

364

76.15

561

503

89.66

93/6-8




603

574

95.19

Gesamt

3944

3612

91.58

3753

3433

91.47

n1: Anzahl lebender Tiere bei der Geburt; n2: Anzahl der lebend geborenen Tiere, die bis zum Absetzen überlebt haben;

1) Effekt Jahr-Saison-Monat ist signifikant (p<0.0001)

Wie bereits unter Punkt 3.6.1 beschrieben, sind die hohen Mortalitäten im April und Mai 1993 auf einen starken Krankheitsdruck zurückzuführen, auf Grund dessen auf einen Teil des Materials verzichtet werden musste. Über 78% der Tiere, die in dieser Jahr-Saison-Klasse im 1. Wurf geboren und berücksichtigt wurden, gehören der peruanischen Reinzuchtlinie an. Ihre Überlebensrate in dieser Periode beträgt ca. 73%; die der bolivianischen Linie (ca. 18% der Tiere) liegt mit 90.6% deutlich höher.

Im 2. Wurf bewegen sich die Überlebensraten der verschiedenen Zuchtgruppen zwischen 96% (RKB) und 88.7% (Rot3P), wobei mit dem Chi²-Test keine Unterschiede zwischen den Zuchtgruppen nachweisbar sind. Die Spannweite bei den Jahr-Saison-Klassen (90/5-6: 98.46%; 92/9-12: 87.78%) ist etwas höher und liegt bei 10.7%. Nach dem Chi²-Test ist der Effekt Jahr-Saison auch im 2. Wurf hochsignifikant.

4.1.4. Schätzung von Zuchtgruppenmittelwerten und Kreuzungsparametern für die Gewichts- und Wachstumsentwicklung nach dem Absetzen und insgesamt

Die Gewichts- und Wachstumsleistung nach dem Absetzen stellt die Leistung der Produktebene dar, d.h. der Ebene, die vermarktet wird und somit den möglichen Erlös pro ausgemästetes Tier repräsentiert. Im folgenden werden entsprechend den Ausführungen zur Gewichtsentwicklung bis zum Absetzen zunächst die Leistungen der verschiedenen Zuchtgruppen, anschließend die Kreuzungsparameter und zum Schluß die Überlebensrate vom Absetzen bis zum Mastende dargestellt.


157

4.1.4.1. GLS-Mittelwertsvergleiche nach Zuchtgruppen für die Gewichts- und Wachstumsentwicklung nach dem Absetzen und insgesamt

Beim ersten Blick auf die Ergebnisse (siehe Tab.4.6 und Abb.4.4) ist bei sämtlichen Merkmalen und in beiden Würfen eine klare Tendenz zu höheren Gewichten bzw. Zunahmen mit zunehmendem peruanischen Genanteil festzustellen.

Im 1. Wurf kann man bei den Kreuzungsgruppen drei verschiedene Blöcke erkennen, die zwischen der bolivianischen und der peruanischen Reinzuchtlinie liegen: Zum einen die Zuchtgruppen der Rückkreuzungen und Rotationen auf die bolivianische Linie, die durch einen Genanteil an der peruanischen Linie von weniger als 50% (25-34.4%) charakterisiert sind, zum anderen die reziproke F1, die F2 und die Synthetics, mit jeweils 50% peruanischem Genanteil, und schließlich die Rückkreuzungen und Rotationen auf die peruanische Linie mit 65.6 bis 75% peruanischem Genanteil.

Im 2. Wurf sind Differenzierungen in den zwei oberen Blöcken zu beobachten: Im oberen Bereich erreicht die Rückkreuzung mit peruanischer Reinzuchtmutter (RKP’) deutlich höhere Gewichte bzw. Zunahmen als die Rotationen (Rot2P, Rot3P) oder die Rückkreuzung mit peruanischem Vater (RKP). Sie bildet die obere Grenze der Spannweite der Zuchtgruppenmittelwerte, unterscheidet sich aber nicht signifikant von der peruanischen Reinzuchtlinie. Im mittleren Block überragt beim 56- und 84- Tage-Gewicht sowie bei den Zunahmen bis zur Mastmitte die Gruppe BP, die sich durch eine peruanische Mutter auszeichnet; die reziproke Gruppe (PB) erreicht bei sämtlichen Zunahmen dasselbe Niveau wie BP. Die Synthetics liegen bei allen Merkmalen an der Grenze zum unteren Block.

Die Unterschiede zwischen der Zuchtgruppe mit höchsten und niedrigsten Gewichten nimmt, in Standardabweichungen gemessen, von der Mastmitte bis zum Mastende zu. Beim 56-Tage-Gewicht entsprechen sie ca. 1.1 SD in beiden Würfen, beim 84-Tage-Gewicht 1.8 SD im 1. Wurf und ca. 2 SD im zweiten. Die Unterschiede bei den Zunahmen in den einzelnen Entwicklungsabschnitten liegen im Ausmaß mit ca. 1.5 SD bei der Zunahme vom Absetzen bis zur Mastmitte bzw. 1.4 SD bei den Zunahmen von der Mastmitte bis zum Mastende dazwischen. Die Gesamtzunahmen (Geburt bis Mastende) entsprechen im Ausmaß in etwa dem 84-Tage-Gewicht; die Spannweite der Zunahmen während der Mastphase liegt mit 1.6 bis 1.7 SD etwas darunter.

Bei den sogenannten Störeffekten, um die korrigiert wurde, stellt der Jahr-Saison-Effekt mit einer Spannweite von 0.6 bis 1.3 SD den wichtigsten dar, wobei dieser bei den Gewichtszunahmen im 2. Wurf (1.1 bis 1.3 SD) in etwa doppelt so hoch ist (Ausnahme: Gesamtzunahme) wie im ersten. Der Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Tieren liegt im 1. Wurf bei allen Merkmalen zwischen 0.25 und 0.3 SD (Ausnahme: Zunahme zwischen Mastmitte und Mastende mit 0.14 SD). Im 2. Wurf kommen die Geschlechtsunterschiede im Ausmaß von 0.33 bis 0.4 SD deutlicher zum Ausdruck. Auch hier sind diese Unterschiede bei der Zunahme von Mastmitte bis Mastende (0.26 SD) deutlich niedriger im Vergleich zu den anderen Merkmalen.


158

Tab. 4.6: GLS-Zuchtgruppenmittelwerte (GLSM) und Standardfehler für Merkmale der Gewichts- und Wachstumsentwicklung nach dem Absetzen sowie insgesamt.
Table 4.6: GLS Breeding group means and standard errors for body weight and growth development after weaning and in total

Zucht-

56-Tage-Gewicht (Mastmitte)

84-Tage-Gewicht (Mastende)

Zunahme Geburt - Mastende

gruppe

1.Wurf

2.Wurf

1.Wurf

2.Wurf

1.Wurf

2.Wurf


GLSM

S.E.


GLSM

S.E.


GLSM

S.E.


GLSM

S.E.


GLSM

S.E.


GLSM

S.E.


BB

394.7

10.8

a

360.6

7.7

a

392.3

10.8

a

527.6

10.6

a

302.1

9.2

a

423.2

8.9

a

RKB’

424.1

13.6

ab

397.0

11.3

b

448.8

15.2

b

588.8

15.5

b

352.0

13.4

bc

474.7

13.5

b

RKB

436.4

13.1

bc

428.0

10.9

bcde

457.8

14.4

bc

607.5

15.0

bc

358.8

12.7

bc

485.2

13.1

bc

Rot2B

440.8

8.8

bc

413.4

8.7

bc

467.7

12.6

bc

604.9

12.3

bc

361.9

10.8

b

495.2

10.8

bc

Rot3B

434.1

8.7

b

411.3

9.9

bc

464.0

10.0

b

612.3

13.2

bc

369.5

8.8

bc

498.7

11.7

bc

PB

457.9

10.9

bcd

433.1

8.9

cde

509.2

12.4

cde

649.1

12.9

de

406.7

10.8

cde

546.4

11.2

ef

F2

476.6

12.2

de

455.7

10.2

ef

524.4

13.2

def

660.1

14.1

ef

417.6

11.6

def

538.5

12.2

de

SYN

459.3

8.6

cd

423.6

8.3

bcd

492.5

13.4

bcd

624.7

11.7

cd

392.2

11.2

cd

515.4

10.2

cd

BP

476.4

10.5

de

497.4

8.7

gh

516.5

11.8

de

699.0

12.8

h

399.4

10.2

bc

565.5

11.1

ef

Rot3P

488.9

9.5

ef

446.4

10.6

def

541.8

12.4

efg

661.0

14.2

efg

444.6

10.7

ef

549.7

12.6

ef

Rot2P

494.3

9.0

ef

473.9

9.1

fgh

555.3

14.1

fg

691.8

12.8

gh

452.0

12.1

f

576.5

11.3

f

RKP

497.7

13.4

ef

468.4

11.5

fg

556.7

15.3

fg

690.1

15.8

fgh

445.7

13.4

ef

566.3

13.7

ef

RKP’

518.6

13.1

f

516.9

11.2

hi

579.7

15.0

g

765.5

15.5

i

460.8

13.1

f

631.8

13.4

g

PP

549.7

10.1

g

533.5

9.0

i

632.0

13.1

h

753.1

12.3

i

506.9

11.1

g

612.1

10.3

g

Werte mit unterschiedlichem Buchstaben innerhalb Spalte unterscheiden sich signifikant (p<0.05)

Erläuterung der Zuchtgruppen, siehe Tab.3.3, Stichprobenumfang je Zuchtgruppe und Merkmal siehe Tab. 3.19


159

Tab. 4.6: Fortsetzung.
Table 4.6 continued

Zucht-

Zunahme Absetzen - Mastmitte

Zunahme Mastmitte - Mastende

Zunahme Absetzen - Mastende

gruppe

1.Wurf

2.Wurf

1.Wurf

2.Wurf

1.Wurf

2.Wurf


GLSM

S.E.


GLSM

S.E.


GLSM

S.E.


GLSM

S.E.


GLSM

S.E.


GLSM

S.E.


BB

225.4

7.7

a

178.8

5.3

a

42.3

3.9

a

109.2

3.5

a

245.2

8.5

a

334.6

7.8

a

RKB’

246.5

10.2

abc

200.2

8.0

ab

65.0

6.6

bc

133.0

6.4

bcd

292.8

12.6

bc

379.9

11.5

b

RKB

242.6

9.8

abcd

216.5

7.6

bc

68.7

6.3

bc

126.3

6.1

ab

287.4

11.9

b

386.0

10.9

b

Rot2B

252.4

6.3

cd

220.7

7.1

bc

66.5

4.5

b

131.8

5.0

bc

301.1

10.0

bc

402.5

10.4

b

Rot3B

250.0

6.8

bcd

218.8

7.3

bc

64.9

4.0

b

140.3

5.7

bcd

298.3

8.2

b

406.2

10.5

bc

PB

267.1

8.1

cde

247.7

6.7

de

98.1

5.1

cd

157.0

5.2

cde

340.9

10.0

cde

455.0

9.6

de

F2

268.4

9.1

cde

238.0

7.0

cd

85.8

5.5

bcd

150.1

5.6

bcde

338.5

10.8

cde

431.2

10.2

cd

SYN

269.4

6.1

cd

235.8

7.7

cd

74.6

3.9

b

140.6

4.6

bcd

324.1

10.3

bcd

424.9

11.1

c

BP

270.0

7.7

de

263.3

6.7

ef

90.9

4.7

bcd

149.3

5.3

bcde

334.5

9.5

bcde

458.2

9.7

de

Rot3P

292.8

7.1

ef

258.1

8.6

de

95.4

4.3

cd

152.9

6.1

bcde

367.9

9.9

def

459.4

12.3

de

Rot2P

307.7

6.5

f

271.8

8.0

ef

105.8

4.8

de

160.5

5.2

de

390.9

11.1

f

481.4

11.6

ef

RKP

299.4

10.0

ef

252.8

8.1

de

103.3

6.4

cde

162.5

6.3

def

380.3

12.4

ef

461.8

11.8

def

RKP’

310.7

9.8

fg

284.8

8.0

f

107.8

6.3

de

190.6

6.3

f

393.9

12.2

f

521.1

11.5

g

PP

331.7

7.4

g

282.4

7.0

f

128.3

4.1

e

168.3

3.9

ef

437.5

10.2

g

492.2

10.2

fg

Werte mit unterschiedlichem Buchstaben innerhalb Spalte unterscheiden sich signifikant (p<0.05)

Erläuterung der Zuchtgruppen, siehe Tab.3.3, Stichprobenumfang je Zuchtgruppe und Merkmal siehe Tab. 3.19


160

Abb. 4.4: Gewichtsentwicklung und Wachstumsentwicklung vom Absetzen bis zum Mastende sowie insgesamt im Vergleich der Zuchtgruppen (GLS-Mittelwerte).
Figure 4.4: Breeding group comparison for body weight and growth development from weaning to the end of fattening and in total (GLS means)

1. Wurf

2. Wurf


161

Abb. 4.4: Fortsetzung
Figure 4.4 continued

1. Wurf

2. Wurf


162

4.1.4.2. GLS-Kreuzungsparameterschätzung für die Gewichtsentwicklung nach dem Absetzen und insgesamt

Nach den Ergebnissen, die in der Tabelle 4.7 und der Abbildung 4.5 dargestellt sind, ist die Gewichtsentwicklung nach dem Absetzen im wesentlichen durch individuelle Liniendifferenzen (gi) geprägt. Diese sind bei allen Merkmalen nach allen drei genetischen Modellen hochsignifikant und reichen von 36% bis 85% des GLS-Schätzwertes für die bolivianische Reinzuchtlinie. Ein außergewöhlich hoher Schätzwert (213%) liegt für die Zunahme während der Endmast im 1. Wurf vor.

Im Vergleich zu den anderen Merkmalen nach dem Absetzen sind die individuellen Linienunterschiede beim 56-Tage-Gewicht mit 36 bis 37% am niedrigsten und in beiden Würfen auf demselben Niveau. Im 2. Wurf sind außerdem noch positive maternale Linienunterschiede wirksam mit einem Ausmaß von ca. 12%. Die Dominanzeffekte, die ebenfalls nur im 2. Wurf auftreten, sind positiv und liegen nach dem Dickerson-Modell bei ca 5%, nach dem Jakubec-Modell zwischen 10 und 12%, wobei die Irrtumswahrscheinlichkeit beim Modell mit Dominanz x Dominanz-Interaktionen als epistatischem Effekt über 5% (p=0.057) liegt. Epistatische Effekte sind weder im ersten noch im 2. Wurf nachzuweisen.

Auch beim 84-Tage-Gewicht sind im 1. Wurf die individuellen Linienunterschiede die einzigen Kreuzungsparameter, die Signifikanz erreichen. Mit knapp 60% ist ihr Ausmaß nahezu doppelt so hoch wie im 2. Wurf, wo sie bei 37% liegen. Die positiven maternalen Liniendifferenzen von 7.5% im 2. Wurf haben, verglichen mit dem 56-Tage-Gewicht, an Bedeutung verloren. Neben signifkanten positiven individuellen Dominanzeffekten (6.0% nach dem Dickerson-Modell, 8.2% nach dem Jakubec-Modell aa) treten auch negative maternale Dominanzeffekte auf, jedoch in einem relativ geringen Ausmaß von 2.5 bis 3.4%, die nur beim Jakubec-Modell dd ein Signifikanzniveau von unter 5% erreichen (Dickerson-Modell: 2.8% p=0.055, Jakubec-Modell aa: 2.5% p=0.084). Epistatische Effekte sind nicht nachzuweisen.

Die Kreuzungsparameter für die Gesamtzunahmen entsprechen im großen und ganzen denen des Mastendgewichtes: Im ersten Wurf sind nur individuelle Linienunterschiede nachzuweisen, die mit 70.3% deutlich höher sind als im zweiten (43.7%). In diesem wirken außerdem maternale additive Effekte, die mit ca. 4.3% im Vergleich zum 56- und 84-Tage-Gewichten weniger Bedeutung haben. Dominanzeffekte sind je nach Modell sowohl auf individueller (Dickerson-Modell: 8.9%; Jakubec-Modell aa: 9.8%) als auch auf maternaler Ebene nachzuweisen (Dickerson-Modell: -3.3%; Jakubec-Modell aa: -3.0%; Jakubec-Modell dd: -3.9%), jedoch mit entgegengesetzten Richtungen.

Die individuellen Linienunterschiede bei der Zunahme vom Absetzen bis zur Mastmitte im ersten (53%) und 2. Wurf (58%) sind in etwa vergleichbar. Negative maternale Linienunterschiede in der Größenordnung von 3.6% könnten im 1. Wurf von Bedeutung sein. Sie liegen bei einer Irrtumswahrscheinlichkeit von 5% an der Signifikanzschwelle. Individuelle Dominanzeffekte erreichen im ersten Wurf nur nach dem Dickerson-Modell Signifikanz, allerdings mit negativem Vorzeichen (-3.9%). Im zweiten Wurf sind sie positiv gerichtet mit einem Ausmaß von 13-18%, je nach genetischem Modell. Maternale Dominanz und epistatische Effekte können in beiden Würfen nicht nachgewiesen werden.

Die Schätzwerte für die Kreuzungsparameter bei den Zunahmen während der Endmast, ausgedrückt in der prozentualen Abweichung vom GLS-Mittelwerte der bolivianischen Linie, sind im ersten Wurf besonders auffallend durch die im Vergleich zu den anderen Merkmalen ungewöhn-


163

lich hohen Schätzwerte. Der individuelle Linienunterschied erreicht ein Ausmaß von 90.2 g bzw. 213%; die individuellen Dominanzeffekte mit einem Signifikanzniveau von unter 5% entsprechen 71.6% (30.3 g) (Jakubec-Modell aa) bzw. 100.7% (42.6 g) (Jakubec-Modell dd) der Zunahmen des GLS-Schätzwertes für die bolivianische Reinzuchtlinie. Die epistatischen Effekte sind nur in diesem Merkmal und Wurf nach allen drei Modellen hochsignifikant (Rekombinationsverlust: -56.5% (-23.9 g); Additiv x Additiv-Interaktionen: -113% (-47.8 g); Dominanz x Dominanz-Interaktionen: -83.9% (-35.5 g). Negative maternale Additiv-Effekte (ca -15% bzw. -6.2 g)) liegen an der Signifikanzschwelle (p=0.06-0.07). Im zweiten Wurf liegt das Ausmaß der individuellen Liniendifferenzen bei ca. 60% (64 g); auf maternaler Ebene sind sie nicht von Bedeutung. Individuelle Dominanzeffekte (ca. 15% bzw. 16.7 g) sind nur nach dem Dickerson-Modell signifikant, maternale nach allen drei Modellen (-7.3 bis -9.4% bzw. -8.0 bis -10.3 g), allerdings in negativer Richtung. Bei den epistatischen Effekten erreichen die Dominanz x Dominanz-Interaktionen bei einer Irrtumswahrscheinlichkeit von knapp 10% ein Ausmaß von ca. 16% (17.3 g).

Bei den Zunahmen während der Mastphase insgesamt erreichen die individuellen Liniendifferenzen ein Ausmaß von 84% im 1. Wurf und von 51% im zweiten. Die maternalen Additiv-Effekte (-5.1%), die sich im 1. Wurf sowohl bei der Zunahme zwischen Absetzen und Mastmitte als auch bei der Zunahme zwischen Mastmitte und Mastende angedeutet hatten, haben ein Signifikanzniveau von unter 5%. Nicht-additve Effekte sind im 1. Wurf nicht nachzuweisen. Im zweiten Wurf sind neben den individuellen additiven Effekten sowohl individuelle als auch maternale Dominanzeffekte signifikant. Die positiven individuellen Dominanzeffekte liegen nach dem Dickerson- und Jakubec-Modell aa zwischen 12 und 13%, die negativen maternalen, die nach allen drei genetischen Modellen signifikant sind, zwischen -4 und -5.5%.

Neben den dominierenden individuellen Liniendifferenzen in sämtlichen Merkmalen nach dem Absetzen sind die anderen Kreuzungseffekte von untergeordneter Bedeutung und je nach Wurfnummer unterschiedlich. Im 1. Wurf deuten sich bei den Gewichtszunahmen negative maternale Additiv-Effekte im Ausmaß von 3 bis 5% an, die mit relativ hohen Standardfehlern behaftet sind. Dies bedeutet praktisch, dass es für die Gewichtsentwicklung der Tiere besser ist, den peruanischen Genanteil vom Vater und nicht von der Mutter zu nutzen. Im Vergleich zu den individuellen additiven Effekte sind die maternalen eher vernachlässigbar.

Im 2. Wurf sind bei den Gewichten sowie bei der Gesamtzunahme positive maternale Linienunterschiede festzustellen, die mit zunehmendem Alter der Nachkommen abnehmen. Da diese bei den Zunahmen nach dem Absetzen nicht auftreten, kann daraus geschlossen werden, dass sich die stark einwirkenden Maternaleffekte während der Aufzucht bis zum Mastende bemerkbar machen. Auch sind in sämtlichen Merkmalen Heterosiseffekte auf individueller Ebene von ca. 10% festzustellen. Negative maternale Dominanzeffekte von -3 bis -5%, die im Schwellenbereich der Signifikanz liegen, deuten sich an. Epistatische Effekte sind in der Gewichtsentwicklung nach dem Absetzen i.a. nicht nachzuweisen.

Die geschätzten Kreuzungsparameter für die Zunahmen während der Endmast nehmen vor allem im 1. Wurf eine Sonderstellung ein. Auf Grund der besonderen Einwirkung der Störeffekte ist das Niveau der Schätzwerte insgesamt sehr niedrig, so dass die in Prozent beschriebenen Schätzwerte deutlich überhöht sind. Wie bereits bei der Varianzkomponentenschätzung für dieses Merkmal deutlich wurde, überwiegen die nicht kontrollierbaren Umwelteffekte (siehe Punkt 4.1.2). Es ist möglich, dass es sich bei den geschätzten nicht-additiven Effekten im 1. Wurf um Artefakte handelt.


164

Tab. 4.7: GLS-Kreuzungsparameter und Standardfehler für Merkmale der Gewichts- und Wachstumsentwicklung nach dem Absetzen und insgesamt [g].
Table 4.7: GLS crossbreeding parameter estimates and standard errors for body weight development after weaning and in total [g]

Kreuzungs-

56-Tage-Gewicht (Mastmitte)

84-Tage-Gewicht (Mastende)

Zunahme Geburt - Mastende

parameter

1.Wurf

2.Wurf

1.Wurf

2.Wurf

1.Wurf

2.Wurf

GLSM BB

394.7

S.E.

360.6

S.E.

392.3

S.E.

527.6

S.E.

302.1

S.E.

423.2

S.E.

giD

146.1

10.0***

129.2

10.1***

230.4

13.8***

196.5

13.3***

212.5

11.3***

184.9

11.3***

giJAaa

146.1

10.0***

129.1

10.1***

230.3

13.1***

196.0

13.3***

212.5

11.3***

184.6

11.3***

giJAdd

146.2

10.0***

128.7

10.1***

230.5

13.1***

195.1

13.2***

212.5

11.3***

184.0

11.3***

hiD

-7.2

5.5

17.0

5.7**

-2.2

7.7

31.9

7.5***

-0.1

6.5

37.7

6.6***

diJAaa

-2.4

16.9

38.4

16.2*

11.8

22.2

43.0

21.3*

8.5

19.1

41.3

18.4*

diJAdd

3.0

23.1

42.5

22.3+

21.4

30.5

18.3

29.4

11.5

26.4

21.0

25.4

riD

-4.9

15.6

-18.9

15.6

-13.2

21.6

-2.7

20.5

-8.6

17.6

2.4

17.6

aaiJAaa

-9.7

31.2

-42.6

30.1

-28.2

50.0

-21.1

39.6

-17.2

35.1

-6.4

34.1

ddiJAdd

-10.0

21.7

-24.8

21.0

-23.1

28.5

13.7

27.6

-11.4

24.6

16.6

23.9

gmD

8.2

5.3

42.5

5.7***

5.3

7.3

39.5

7.5***

-10.2

6.4

18.4

6.7**

gmJAaa

8.2

5.3

42.5

5.7***

5.0

7.0

39.4

7.5***

-10.2

6.4

18.3

6.7**

gmJAdd

8.2

5.3

42.4

5.7***

5.0

7.0

39.3

7.5***

-10.2

6.4

18.3

6.7**

hmD

0.6

6.0

-3.9

5.8

3.8

8.4

-14.6

7.6+

7.5

7.0

-14.0

6.7*

dmJAaa

0.6

6.0

-3.4

5.7

4.2

8.0

-13.0

7.5+

7.5

7.0

-12.9

6.6+

dmJAdd

1.4

6.4

-3.6

6.0

5.5

8.5

-17.7

7.9*

7.8

7.5

-16.5

6.9*

+: 0.05 le p < 0.10; *: 0.01 le p < 0.05; **: 0.001 le p < 0.01; ***: p < 0.001; Erläuterung der Kreuzungsparameter, siehe Punkt 3.5


165

Tab. 4.7: Fortsetzung.
Table 4.7: continued

Kreuzungs-

Zunahme Absetzen - Mastmitte

Zunahme Mastmitte - Mastende

Zunahme Absetzen- Mastende

parameter

1.Wurf

2.Wurf

1.Wurf

2.Wurf

1.Wurf

2.Wurf

GLSM BB

225.4

S.E.

178.8

S.E.

42.3

S.E.

109.2

S.E.

245.2

S.E.

334.6

S.E.

giD

119.3

7.2***

103.5

7.2***

90.2

4.5***

64.2

4.6***

205.3

10.4***

169.6

10.5***

giJAaa

119.3

7.2***

103.3

7.2***

90.2

4.5***

64.2

4.6***

205.3

10.4***

169.2

10.5***

giJAdd

118.9

7.2***

103.0

7.2***

90.3

4.5***

63.9

4.6***

205.1

10.4***

168.4

10.5***

hiD

-8.9

4.2*

24.0

4.3***

6.3

3.3+

16.7

3.3***

-4.2

6.1

40.0

6.2***

diJAaa

5.4

12.1

32.8

11.87**

30.3

7.9***

12.3

7.9

22.5

17.6

42.2

17.0*

diJAdd

1.2

16.8

27.9

16.3+

42.6

11.2***

-0.8

11.1

25.4

24.4

13.8

23.6

riD

-14.3

11.2

-5.9

11.2

-23.9

7.1***

6.0

7.3

-26.7

16.2

4.9

16.2

aaiJAaa

-28.6

22.4

-17.2

21.8

-47.8

14.2***

9.1

14.4

-53.3

32.4

-3.3

31.6

ddiJAdd

-10.1

0.5

-3.6

15.3

-35.5

10.3***

17.3

10.3+

-29.1

22.8

26.0

22.2

gmD

-8.2

4.2+

6.3

4.4

-6.2

3.3+

1.4

3.4

-12.5

6.0*

4.8

6.3

gmJAaa

-8.2

4.2+

6.3

4.4

-6.2

3.3+

1.3

3.4

-12.5

6.0*

4.8

6.3

gmJAdd

-8.2

4.2+

6.3

4.4

-6.2

3.3+

1.3

3.4

-12.4

6.0*

4.7

6.3

hmD

0.4

4.5

-4.5

4.3

1.4

3.3

-8.3

3.1**

4.1

6.5

-14.8

6.2*

dmJAaa

0.4

4.5

-3.9

4.3

1.4

3.3

-8.0

3.1*

4.1

6.5

-13.5

6.1*

dmJAdd

-0.9

4.8

-5.2

4.5

3.1

3.6

-10.3

3.3**

3.7

7.0

-18.5

6.5**

+: 0.05 le p < 0.10; *: 0.01 le p < 0.05; **: 0.001 le p < 0.01; ***: p < 0.001; Erläuterung der Kreuzungsparameter, siehe Punkt 3.5


166

Abb.4.5: Kreuzungsparameter für die Gewichts- und Wachstumsentwicklung vom Absetzen bis zum Mastende sowie insgesamt in % des GLS-Mittelwerts der bolivianischen Reinzuchtlinie.
Figure 4.5: Crossbreeding parameter estimates for body weight and growth development from weaning to the end of fattening and in total in % of the GLS mean of the Bolivian line
nur signifikante (p<0.05) Schätzwerte; D: Dickerson-Modell; JAaa: Jakubec-Modell aa; JAdd: Jakubec-Modell dd (siehe Punkt 3.5)

Jungtiergewicht und Gewichtszunahmen


167

Abb. 4.5: Fortsetzung.
Figure 4.5: continued

Jungtiergewicht und Gewichtszunahmen


168

4.1.4.3. Überlebensrate vom Absetzen bis zum Mastende

Die Überlebensraten vom Absetzen bis zum Mastende sind in beiden Würfen mit ca. 94 bis 95% in etwa gleich. Jedoch ist eine beträchtliche Variation infolge von Jahr-Saison- und eventuell Zuchtgruppen-Effekten erkennbar (siehe Tab. 4.8 und 4.9).

Tab. 4.8: Überlebensraten vom Absetzen bis zum Mastende im Vergleich der Zuchtgruppen im 1. und 2. Wurf.
Table 4.8: Survival rates from weaning to the end of fattening (breeding gropup comparison)

Zucht-


1. Wurf



2. Wurf


gruppe

n1

n2

Überlebens-rate [%]1

n1

n2

Überlebens-rate [%]2

BB

613

597

97.39

579

549

94.82

RKB'

89

79

88.76

121

116

95.87

RKB

102

92

90.20

144

138

95.83

Rot2B

268

255

95.15

242

231

95.45

Rot3B

257

249

96.89

194

187

96.39

PB

125

123

98.40

152

141

92.76

F2

193

172

89.12

247

228

92.31

SYN

528

507

96.02

430

410

95.35

BP

156

149

95.51

141

134

95.04

Rot3P

241

235

97.51

165

159

96.36

Rot2P

275

267

97.09

214

204

95.33

RKP

97

94

96.91

132

123

93.18

RKP'

108

96

88.89

134

128

95.52

PP

522

476

91.19

442

399

90.27

Gesamt

3574

3391

94.88

3337

3147

94.31

n1: Anzahl abgesetzter Jungtiere; n2: Anzahl der abgesetzten Tiere, die bis zum Mastende überlebt haben;

1) Effekt Zuchtgruppe ist signifikant (p<0.0001)

2) Effekt Zuchtgruppe ist nicht signifikant (p=0.06)

Die Spannweite der Überlebensraten im Vergleich der Zuchtgruppen reicht im 1. Wurf von ca. 89% (RKB’, F2, RKP’) bis 98% (PB), während sie sich im zweiten von ca. 90 (PP) bis 96% (Rot3B, Rot3P) bewegt. Der Effekt Zuchtgruppe - ohne Berücksichtigung der Jahr-Saison-Effekte - ist im 1. Wurf hochsignifikant, im zweiten liegt er knapp über der Signifikanzschwelle von 5%. Wie bereits bei der Überlebensrate während der Aufzucht erwähnt, ist eine gleichzeitige Berücksichtigung der beiden Effekte auf Grund der vorliegenden Datenstruktur nicht möglich.

Die niedrigsten Überlebensraten im 1. Wurf können auf die ungünstigen Umweltverhältnisse in den Monaten Mai und Juni des Jahres 1990 zurückgeführt werden, in denen die Mehrzahl der Tiere sämtlicher Rückkreuzungen und der F2 geboren wurden (Tab.4.8). Auffallend hierbei ist, dass die ”normale“ Rückkreuzung P (RKP) mit einer Überlebensrate von ca. 97% davon nicht betroffen ist. Da zu dieser Periode keine weiteren Hintergrundinformationen vorliegen, kann nicht beurteilt werden, ob es sich hierbei um eine Genotyp x Umwelt-Interaktion handelt, oder ob sonstige spezifische Einflüsse eine Rolle spielen.


169

Die Überlebensrate der Peruanischen Reinzuchtlinie nimmt, die oben genannten Zuchtgruppen außer Acht gelassen, sowohl im ersten als auch im 2. Wurf mit 91.2% bzw. 90.3% den niedrigsten Rang ein, der sich im 2. Wurf nicht durch die allgemeinen Jahr-Saison-Verhältnisse erklären lässt. Im 1. Wurf könnte sich die erhöhte Sterblichkeit durch die in den Monaten April und Mai aufgetretene Krankheit, von der vorwiegend diese Tiere betroffen waren, erklären lassen. Die durch die Krankeit bedingten niedrigen Zuwachsraten während der Aufzucht könnten für eine Schwächung der Tiere beim Absetzen verantwortlich sein, was sich in einer erhöhten Mortalität in der ersten Zeit danach ausdrückt.

Die höchsten Überlebensraten weisen im 1. Wurf - nach der Zuchtgruppe PB - die bolivianische Reinzuchtlinie und die Rotationsgruppen mit über 97% auf. Im 2. Wurf zählt die Gruppe PB eher zu den niedrigeren Rängen. Insgesamt bewegen sich die Überlebensraten dort, wenn man die peruanische Reinzuchtlinie nicht mitzählt, in einem recht engen Spektrum von ca. 4%.

Tab. 4.9: Überlebensraten vom Absetzen bis zum Mastende im Vergleich der Jahr-Saison-Monats-Klassen im 1. und 2. Wurf.
Table 4.9: Survival rates from weaning to the end of fattening (year season month comparison)

Jahr / Monats-


1. Wurf



2. Wurf


Klassen

n1

n2

Überlebens-rate [%]1

n1

n2

Überlebens-rate [%]2

90/5-6

458

403

87.99

64

55

85.94

90/7




327

303

92.66

90/8-12

300

287

95.67

592

557

94.09

92/5

378

366

96.83




92/6-8

612

581

94.93

345

329

95.36

92/9-12

430

414

96.28

945

880

93.12

93/2-3

1033

1002

97.00




93/4-5

363

338

93.11

503

485

96.42

93/6-8




561

538

95.90

Gesamt

3574

3391

94.88

3337

3147

94.31

n1: Anzahl abgesetzter Jungtiere; n2: Anzahl der abgesetzten Tiere, die bis zum Mastende überlebt haben;

1) Effekt Jahr-Saison-Monat ist signifikant (p<0.0001)

2) Effekt Jahr-Saison-Monat ist signifikant (p=0.0043)

Wie bei den Überlebensraten während der Aufzucht ist durch die Signifikanz oder Nicht-Signifikanz der geprüften Effekte nicht unbedingt eine den tatsächlichen Verhältnissen entsprechende Interpretation möglich, da nicht-prüfbare Interaktionen eine nicht zu vernachlässigende Rollen spielen können. Jahr-Saison-Effekte scheinen zweifellos von größerer Bedeutung zu sein als Zuchtgruppeneffekte. Bei den letzteren deutet sich eine Unterlegenheit der peruanischen Reinzuchtlinie bei den spezifischen im Projekt Mejocuy bestehenden Haltungsbedingungen an.


170

4.1.4.4. Östrusexpression weiblicher Tiere bis zum Alter von 84 Tagen

Wie unter Punkt 3.4.1 bereits angedeutet, soll die Östrusexpression bis zum Alter von 84 Tagen im Vergleich der Zuchtgruppen einen Hinweis auf die Empfindlichkeit gegenüber widrigen Umwelteinflüssen geben. Eine Beziehung zwischen der Östrusexpression und der Frühreifeentwicklung hingegen erscheint zweifelhaft. Entsprechend der Überlebensraten wurde die Analyse getrennt nach den Effekten Zuchtgruppe und Jahr-Saison bzw. Monat durchgeführt. Bei dieser Untersuchung handelt es sich um eine Stichprobe aus den beiden Würfen der Generationen 4 und 5, wobei auch die Zusatzanpaarungen II mitberücksichtigt worden sind. Die Ergebnisse sind in den Tabellen 4.10 und 4.11 dargestellt.

Tab. 4.10: Östrusexpression bis zum 84. Lebenstag im Vergleich der Zuchtgruppen.
Table 4.10: Oestrus expression till the 84th day of age (breeding group comparison)

Zucht-gruppe

n1

n2

Östrus-expression [%]1

BB

95

61

64.21

Rot2B

58

46

79.31

Rot3B

64

32

50.00

PB

56

41

73.21

F2

56

37

66.07

SYN

137

68

49.64

BP

59

48

81.36

Rot3P

68

36

52.94

Rot2P

59

37

62.71

PP

91

37

40.66

Gesamt

743

443

59.62

n1: Anzahl untersuchter Tiere; n2: Anzahl der untersuchten Tiere mit mindestens einem Östrus bis zum Alter von 84 Tagen;
1) Effekt Zuchtgruppe ist signifikant (p<0.0001)

Insgesamt sind bei ca. 60% der untersuchten Tiere bis zum Alter von 84 Tagen Östrusmerkmale (Ruptur der Vaginalmembran, Kirschrotfärbung der Vulva) nachzuweisen. Dabei ist sowohl der Effekt Zuchtgruppe als auch der Jahr-Saison-Monats-Effekt hochsignifikant. Die Zuchtgruppe mit dem höchsten Anteil von Tieren, die einen Östrus aufweisen, ist die Gruppe BP mit 81.4%, d.h. die F1-Tiere mit peruanischer Mutter, gefolgt von der Rot2B mit 79.3%. Diese könnten durch den positiven maternalen Einfluss einer Mutter mit hohem peruanischen Genanteil auf das Geburtsgewicht und die Entwicklung während der Aufzucht unter günstigen Umweltbedingungen einen Vorteil haben. Zu den Gruppen mit der niedrigsten Östrusexpression gehören die peruanische Reinzuchtlinie (40.7%), gefolgt von den Synthetics und der Rot3B mit jeweils 50%. Bei diesen Gruppen wurde allerdings ein beträchtlicher Teil in den ungünstigsten Jahr-Saison-Monatsklassen geboren (siehe Datenstruktur Anhang Tab. A5). Die bolivianische Reinzuchtlinie liegt mit 64% etwas über dem Durchschnitt.

Die Spannweite der Östrusexpression der Tiere nach Jahr-Monats-Klassen variiert zwischen 33.3 und 82.1% und ist um fast 10% höher als die der Zuchtgruppen. Die schlechtesten Umweltbedingungen sind durch den starken Krankheitsdruck im April und Mai 1993 bedingt, die günstigsten in den Monaten Juni und Juli desselben Jahres auf indirekte Weise ebenfalls: Durch die hohe


171

Sterblichkeit der betroffenen Muttertiere im 1. Wurf ergaben sich für die überlebenden im 2. Wurf bessere Haltungsbedingungen wie ein größeres Platzangebot und eine bessere Futterversorgung.

Tab. 4.11: Östrusexpression bis zum 84. Lebenstag im Vergleich der Jahr-Saison-Monats-Klassen.
Table 4.11: Oestrus expression till the 84th day of age (year season month comparison)

Jahr / Monats-Klassen

n1

n2

Östrus-expression [%]1

92/8-9

186

122

65.59

92/11

167

118

70.66

93/2-3

89

48

53.93

93/4-5

189

63

33.33

93/6-7

112

92

82.14

Gesamt

743

443

59.62

n1: Anzahl untersuchter Tiere; n2: Anzahl der untersuchten Tiere mit mindestens einem Östrus bis zum Alter von 84 Tagen;
1) Effekt Jahr-Saison-Monat ist signifikant (p<0.0001)

Wie bei den Überlebensraten können auf Grund der sehr wahrscheinlichen Genotyp x Umwelt-Interaktionen abschließend keine eindeutigen Aussagen zu den einzelnen Effekten gemacht werden. Aus den Ergebnissen kann jedoch geschlossen werden, dass Jahr-Saison-Effekte eine bedeutende Rolle spielen, auf die die einzelnen Zuchtgruppen unterschiedlich reagieren, wobei die peruanische Reinzuchtlinie am empfindlichsten auf widrige Umweltbedingungen zu reagieren scheint.


172

4.2. Schlachtleistung

Die Vermarktung der Meerschweinchen in Bolivien und insbesondere am Untersuchungsstandort findet zwar in Form des Lebendtierhandels statt. Dennoch ist es von züchterischer Bedeutung, die wesentlichen zuchtgruppenspezifischen Schlachtleistungsmerkmale zu kennen. Der folgenden Untersuchung liegt nur ein Teilmaterial zu Grunde, das ausschließlich aus männlichen Tieren besteht. Wie bei der Untersuchung der Östrusexpression handelt es sich um Tiere der Generationen 4 und 5, wobei die Zusatzanpaarungen II (siehe Abb.3.3) mitberücksichtigt sind.

4.2.1. Verteilungsprofile

Die Verteilungen der Rohdaten des untersuchten Materials sind in der Abbildung 4.6 dargestellt. Die Schlachtleistungsprüfung wurde ca. 24 Stunden (Nüchterung) nach dem Erreichen des Mastendes (84. Lebenstag) durchgeführt, wobei die Tiere im Durchschnitt ca. 7.5% ihres Mastendgewichtes verloren. Eine detaillierte Beschreibung des Schlachtvorganges erfolgte unter Punkt 3.2.5.4.

Der Ausschlachtungsanteil, der Haut, Kopf und Pfoten miteinschließt, variiert zwischen 53 und 67% und liegt im Durchschnitt bei 61 bis 62%. Ein Effekt der Zuchtgruppe konnte bei diesem Merkmal nicht nachgewiesen werden, jedoch signifikante Jahr-Saison-Einflüsse.

Das Schlachtkörpergewicht variiert von knapp unter 200 g bis ca. 600 g (: 347.5 g), was ca. 5.6 phänotypischen Standardabweichungen entspricht. Die Spannweite der auf das Schlachtkörpergewicht bezogenen Schlachtkörperlänge liegt bei 0.9 SD ((: 7.97 cm/g*100; SD: 1.22 cm/g*100).

Die Verteilung des Rückenfetts bezogen auf das Schlachtkörpergewicht reicht von 0.12 bis 1.45%, wobei der Mittelwert 0.57% (SD: 0.21%) beträgt. Die Werte bewegen sich auf einer sehr niedrigen Ebene.

Abb. 4.6: Verteilungsprofile von Schlachtleistungsmerkmalen auf der Basis eines Teilmaterials.
Figure 4.6: Distribution profiles of carcass traits


173

Abb.4.6: Fortsetzung.
Figure 4.6 continued

4.2.2. LS-Mittelwertsvergleiche nach Zuchtgruppen für Schlachtleistungsmerkmale

Beim Vergleich der LS-Zuchtgruppenmittelwerte (siehe Tab.4.12 und Abb.4.7) ist beim Schlachtkörpergewicht und beim Rückenfettanteil die Tendenz einer mit peruanischen Genanteil wachsenden Zunahme zu erkennen, bei der auf das Schlachtkörpergewicht bezogenen Schlachtkörperlänge hingegen eine Abnahme.

Die beiden Reinzuchtlinien stellen bei sämtlichen hier erfassten Merkmalen die äußeren Grenzen dar, zwischen denen sich die Kreuzungsgruppen bewegen.

Beim Schlachtkörpergewicht entspricht die Spannweite zwischen dem höchsten und niedrigsten Zuchtgruppenmittelwert 1.5 phänotypischen Standardabweichungen. Während sich die bolivianische Reinzuchtlinie deutlich von allen anderen Zuchtgruppen abgrenzt, sind die Unterschiede zwischen den Kreuzungsgruppen mit einem peruanischen Genanteil von über 50% (inkl. die Zuchtgruppe BP) von der peruanischen Reinzuchtlinie nicht signifikant. Eine Ausnahme bildet die Rot3P, die zusammen mit der Rot3B und F2 gegenüber vergleichbaren Zuchtgruppen etwas niedrigere Leistungen erbringen. Es handelt sich dabei um die Zuchtgruppen, die im 1. Wurf von der oben bereits mehrmals erwähnten Krankheit betroffen waren. Es besteht daher die Möglichkeit, dass dieser Effekt mit der Jahr-Saison-Korrektur nicht ganz ausgeschaltet werden konnte.

Insgesamt betrachtet wird deutlich, daß es nur eines geringen peruanischen Genanteils bedarf, um das Schlachtgewicht im Vergleich zur bolivianischen Reinzuchtlinie merklich zu erhöhen. Ab einem peruanischen Genanteil von 50% sind unter den gegebenen Haltungsbedingungen keine Unterschiede im Schlachtkörpergewicht zu erwarten.

Der Unterschied zwischen den beiden Reinzuchtlinien in der auf das Körpergewicht bezogenen Schlachtkörperlänge liegt bei ca. 1.8 phänotypischen Standardabweichungen. Die relative Schlachtkörperlänge ist bei der bolivianischen Linie mit 8.95 cm/g*100 deutlich länger als bei allen anderen Zuchtgruppen. Die Kreuzungsgruppen bis zu einem peruanischen Genanteil von 50% - mit Ausnahme der Zuchtgruppe BP - , deren relative Schlachtkörperlänge zwischen 8.09


174

und 8.41 cm/g*100 variiert, unterscheiden sich nicht signifikant voneinander. Bei den anderen ist i.a. eine kontinuierliche Abnahme mit zunehmendem peruanischen Genanteil zu erkennen. Während beim Schlachtkörpergewicht die Zuchtgruppenmittelwerte für die Rot3B, Rot3P und F2 vergleichsweise niedrig waren, sind sie bei der relativen Schlachtkörperlänge etwas erhöht, was auf dieselbe Ursache zurückzuführen ist.

Tab. 4.12: LS-Zuchtgruppenmittelwerte und Standardfehler für Schlachtleistungsmerkmale.
Table 4.12: LS breeding group means and standard errors for carcass traitsTable 4.12: LS breeding group means and standard errors for carcass traits

Zucht-gruppe

Schlachtkörper-gewicht kalt1 [g]

Schlachtkörperlänge / Schlachtkörpergewicht [cm/g*100]

Anteil Rückenfett am Schlachtkörpergewicht [%]


LSM

S.E.


LSM

S.E.


LSM

S.E.


BB

280.5

9.4

a

8.95

0.18

f

0.52

0.036

A

Rot2B

340.8

11.9

bcde

8.23

0.22

de

0.54

0.046

A

Rot3B

317.2

10.9

b

8.41

0.20

e

0.51

0.042

a

PB

347.1

12.0

cde

8.10

0.23

cde

0.54

0.046

a

F2

334.1

11.4

bc

8.24

0.21

de

0.51

0.044

a

SYN

341.1

8.8

cd

8.09

0.16

cde

0.56

0.033

a

BP

365.1

11.8

ef

7.71

0.22

bc

0.54

0.045

a

Rot3P

357.1

11.0

de

7.92

0.21

cd

0.57

0.042

ab

Rot2P

385.2

12.0

f

7.37

0.23

ab

0.65

0.046

bc

PP

385.5

9.9

f

7.17

0.20

a

0.70

0.038

c

1) mit Haut

Werte mit unterschiedlichem Buchstaben innerhalb Spalte unterscheiden sich signifikant (p<0.05)

Stichprobenumfang je Zuchtgruppe siehe Tab. 3.22

Die Spannweite der Zuchtgruppenmittelwerte beim Rückenfettanteil ist, gemessen in phänotypischen Standardabweichungen, mit 0.9 SD geringer als beim Schlachtkörpergewicht und der relativen Schlachtkörperlänge. Sie reicht von 0.51 bis 0.70%. Es sind keine signifikanten Unterschiede zwischen der bolivianischen Reinzuchtlinie und sämtlichen Zuchtgruppen bis zu einem peruanischen Genanteil von 50% zu erkennen. Die Fetteinlagerung bei den Zuchtgruppen mit mehr als 50% Genanteil ist deutlich höher als bei den anderen.

Bei den Störeffekten sind die Jahr-Saison-Effekte mit einem Ausmaß von ca. 1.6 SD bzw. 1.5 SD beim Schlachtkörpergewicht bzw. bei der relativen Schlachtkörperlänge die wichtigsten. Beim Rückenfettanteil sind es 1.0 SD. Der Effekt der Wurfgröße spielt vor allem bei den Größenmerkmalen eine Rolle (Ausmaß: 0.7-0.75 SD), beim Rückenfettanteil ist er nicht signifikant. Der Wurfnummereffekt liegt sowohl für das Schlachtkörpergewicht als auch für die relative Schlachtkörperlänge im Ausmaß bei 0.3-0.4 SD (Schlachtkörperlänge). Beim Rückenfettanteil ist er nicht signifikant.


175

Abb. 4.7: Schlachtleistungsmerkmale im Vergleich der Zuchtgruppen (LS-Mittelwerte).
Figure 4.7: Breeding group comparison for carcass traits (LS means)


176

4.2.3. LS-Kreuzungsparameterschätzung für Schlachtleistungsmerkmale

Die Ergebnisse der Kreuzungsparameterschätzung, die in der Tabelle 4.13 und in der Abbildung 4.8 dargestellt sind, zeigen - wie bei den Gewichts- und Wachstumsmerkmalen nach dem Absetzen - das Vorherrschen individueller Linienunterschiede.

Tab. 4.13: LS-Kreuzungsparameter und Standardfehler für Schlachtleistungsmerkmale.
Table 4.13: LS crossbreeding parameter estimates and standard errors for carcass traits

Kreuzungs-parameter

Schlachkörper-gewicht kalt 1 [g]

Schlachtkörperlänge / Schlachtkörper- gewicht [cm/g*100]

Anteil Rückenfett am Schlachtkörper-gewicht [%]

LSM BB

280.5

S.E.

8.95

S.E.

0.52

S.E.

giD

giJAaa

giJAdd

105.0

105.0

105.0

11.7***

11.7***

11.7***

-1.71

-1.71

-1.71

0.23***

0.23***

0.23***

0.19

0.19

0.19

0.045***

0.045***

0.045***

hiD

diJAaa

diJAdd

15.6

26.2

29.7

8.9+

18.6

28.0

-0.02

-0.24

-0.31

0.17

0.35

0.52

-0.08

-0.04

-0.04

0.034*

0.071

0.107

riD

aaiJAaa

ddiJAdd

-10.6

-21.3

-13.8

17.6

35.2

27.4

0.21

0.43

0.29

0.33

0.66

0.52

-0.04

-0.08

-0.04

0.067

0.013

0.104

gmD

gmJAaa

gmJAdd

4.6

4.6

4.6

9.2

9.2

9.2

-0.20

-0.20

-0.20

0.17

0.17

0.17

-0.01

-0.01

-0.01

0.035

0.035

0.035

hmD

dmJAaa

dmJAdd

8.5

8.5

8.9

11.1

11.1

12.9

-0.05

-0.05

-0.06

0.21

0.21

0.24

0.00

0.00

0.00

0.042

0.042

0.049

1) mit Haut

+: 0.05 le p < 0.10; *: 0.01 le p < 0.05; **: 0.001 le p < 0.01; ***: p<0.001

Erläuterung der Kreuzungsparameter, siehe Punkt 3.5

Beim Schlachtkörpergewicht und der auf das Schlachtkörpergewicht bezogenen Schlachtkörperlänge sind die individuellen Liniendifferenzen die einzigen signifikanten Kreuzungseffekte. Beim Schlachtkörpergewicht sind sie positiv gerichtet, bei der relativen Schlachtkörperlänge negativ, mit einem Ausmaß von jeweils 37.4% bzw. -19.1%. Der Schätzwert für den individuellen Dominanzeffekte für das Schlachtkörpergewicht nach dem Dickerson-Modell von ca. 5.5% ist mit einer Irrtumswahrscheinlichkeit von über 8% (p=0.082) und einem hohen Standardfehler recht unsicher.

Die individuellen Linienunterschiede für das auf das Schlachtkörpergewicht bezogene Rückenfett liegen bei 36.5%. An nicht-additiven Effekten erreicht nur nach dem Dickerson-Modell die individuelle Dominanz (-15%) ein Signifikanzniveau von unter 5%.


177

Abb. 4.8: Kreuzungsparameter für Schlachtleistungsmerkmale in % des LS-Mittelwerts der bolivianischen Reinzuchtlinie.
Figure 4.8: Crossbreeding parameter estimates in % of the LS mean of the Bolivian line
nur signifikante (p<0.05) Schätzwerte; D: Dickerson-Modell; JAaa: Jakubec-Modell aa; JAdd: Jakubec-Modell dd (siehe Punkt 3.5)


178

4.3. Reproduktionsleistung

4.3.1. Verteilungsprofile

Die Verteilungen der verschiedenen Wurfgrößen-, Wurfgewichts- und Reproduktionsfrequenzmerkmale sind in der Abbildung 4.9 dargestellt.

Die Spannweite der Wurfgrößen reicht von 1 bis 6 (1.Wurf) bzw. bis 7 (2.Wurf) bei etwas höheren Mittelwerten und Standardabweichungen im 2. Wurf. Auch bei den Wurfgewichten, die bei der Geburt in beiden Würfen in etwa übereinstimmen, ist in der Folge im 2. Wurf eine Tendenz zu höheren Mittelwerten und Standardabweichungen zu verzeichnen. Während die Verteilungsprofile dieser Merkmale in beiden Würfen ein ähnliches Bild ergeben, bestehen deutliche Unterschiede zwischen dem des Erstlingswurfintervalls, der Zeit von der ersten Anpaarung bis zum 1. Wurf, und dem der Zwischenwurfzeit. Auf die Verteilung der einzelnen Merkmale wird im folgenden näher eingegangen.

Die Wurfgröße insgesamt bei der Geburt liegt bei durchschnittlich 2.79 Jungtieren (SD: 0.94) im 1. Wurf bzw. 2.82 (SD: 1.08) im zweiten, die Anzahl der lebend geborenen bei 2.71 (1. Wurf) bzw. 2.77 (2. Wurf). Von diesen Werten kann jedoch nicht auf die perinatale Mortalität geschlossen werden, da Gesamtverluste, d.h. Wurfgrößen von null hier nicht berücksichtigt sind. Diese belaufen sich in beiden Würfen auf ca. 1% der insgesamt erfassten Würfe. Die Wurfgröße drei bildet den Modalwert in beiden Würfen, wobei der Unterschied zur Häufigkeit von Zweierwürfen im 2. Wurf nur 3.7% bei den insgesamt geborenen bzw. 2.25% bei den lebend geborenen beträgt. Sowohl die Häufigkeit von Einzelwürfen (1. Wurf: 7.31-8.54%) als auch die von Wurfgrößen mit mehr als drei Jungtieren (1. Wurf: 21.72-18.78%) ist im 2. Wurf mit 9.50% (gesamt geborene) bis 9.97% (lebend geborene) bzw. 24.49-22.51% höher als im ersten.

Die durchschnittliche Wurfgröße beim Absetzen ist mit 2.57 Jungtieren im 1. Wurf (SD: 0.89) bzw. 2.61 im zweiten (SD: 1.01) in beiden Würfen um ca. 0.15 Jungtiere geringer als bei der Geburt (lebend geborene), wobei auch hier wiederum Gesamtverluste nicht berücksichtigt sind. Diese liegen in beiden Würfen bei ca. 4% der erfassten Würfe. Während im 2. Wurf die Wurfgröße zwei am häufigsten vorkommt, ist es im 1. Wurf immer noch die Wurfgröße drei.

Die Wurfgewichte stehen in erster Linie in Abhängigkeit von der Wurfgröße. Auch der Genotyp spielt bei den im Gewicht sehr unterschiedlichen Reinzuchtlinien eine bedeutende Rolle. Die Spannweite reicht beim Wurfgeburtsgewicht, bei dem nur lebend geborene Jungtiere erfasst sind, von unter 100 g bis ca. 700 g. Der Mittelwert liegt in beiden Würfen bei ca. 300 g; auch die Standardabweichungen befinden sich in beiden Würfen in derselben Größenordnung (1. Wurf: SD: 92.0 g, 2 Wurf: SD: 96.3 g).

Das Wurfgewicht beim Absetzen liegt mit durchschnittlich 495 g (1. Wurf; SD: 154.6 g) bzw. 511 g (2. Wurf, SD: 185.3 g) um ca. 65 bis 75% über dem des Wurfgeburtsgewichtes, wobei die Spannweite von ca. 100 g bis 1200 g reicht.

Die gemessenen Intervalle zwischen Anpaarungen und Wurf variieren zwischen 61 und 150 Tagen. Während das Intervall nach unten seine biologische Grenze in Form der Trächtigkeitsdauer hat, sind die Grenzen nach oben offen bzw. abhängig vom Zuchtmanagement. Unter intensiven Haltungsbedingungen werden die Tiere, die spätestens 2 Monate nach der Anpaarung keine Trächtigkeitsanzeichen haben, gemerzt (MONCAYO, 1991). In der vorliegenden Untersuchung wird bei der Analyse ein Intervall von maximal 105 Tagen berücksichtigt. In diesem sind


179

über 96% der Erst- als auch Zweitwürfe berücksichtigt.

Bei beiden Intervallen ist ein steiler Anstieg in der Häufigkeit von 65 bis 70 Tagen zu beobachten. Während der Abfall beim Erstlingswurfintervall relativ kontinuierlich verläuft, ist er bei der Zwischenwurfzeit ebenso steil wie der Anstieg. Danach ist eine erneuter Anstieg auf einem sehr niedrigen Niveau bis zum 85. Tag zu erkennen. Der anschließende Abfall ist sehr allmählich. Da diese zweite Verteilung um ca. 15-18 Tage gegenüber der ersten verschoben ist, ist es naheliegend, dass es sich hierbei um die Tiere handeln könnte, die erst beim zweiten Östrus post partum trächtig geworden sind. Beim ersten Wurf scheint der Kontakt zum Bock ausschlaggebend für die Östrusinduktion und anschließende Trächtigkeit zu sein; beim zweiten Wurf handelt es sich bei der ersten Verteilung um die erfolgreiche Paarung beim Post-partum-Östrus, bei der zweiten um die Paarung beim darauffolgenden Östrus, der vom inherenten Brunstzyklus der weiblichen Tiere bestimmt ist (sponante Ovulation), siehe hierzu auch Punkt 2.3.1.1. Im Durchschnitt ist die Zwischenwurfzeit mit 71.2 Tagen (SD: 8.7 Tage) um ca. 4 Tage kürzer als das Erstlingswurfintervall von 75.4 Tagen (SD: 6.5 Tage).

Bei der Anzahl Würfe pro Muttertier im ersten Produktionshalbjahr gibt es eine beträchtliche Anzahl von Zuchttieren (ca. 150), die insgesamt nur einen Wurf erbringen. Ihr Anteil liegt bei knapp 10%, wobei ungefähr die Hälfte davon auf die erhöhte Mortalität nach der Geburt des ersten Wurfes zurückgeführt werden kann (siehe Punkte 4.3.3 und 4.3.4). Für die Analyse der Anzahl Würfe pro Muttertier im ersten Produktionshalbjahr wurden nur Tiere mit insgesamt zwei Würfen berücksichtigt. Die Verteilung zeigt einen langsamen Anstieg von 1.6 bis 2.4 Würfen pro Mutter und Halbjahr, nimmt dann sprunghaft zu, wobei das Maximum mit 2.5 bis 2.6 Würfen erreicht wird, und fällt danach genauso steil wieder ab. Die obere Grenze der Spannweite wird durch die Trächtigkeitsdauer in den beiden Würfen bestimmt. Sie liegt mit 2.8 Würfen im ersten Produktionshalbjahr relativ nahe dem Verteilungsmaximum. Der Mittelwert von 2.46 Würfen pro Muttertier und Halbjahr (SD: 0.22) liegt um ca. 0.1 Würfe unter dem Modalwert von 2.58 Würfen.


180

Abb.4.9: Verteilungsprofile von Reproduktionsmerkmalen auf der Basis des Gesamtmaterials.
Figure 4.9: Distribution profiles for reproduction traits


181

Abb.4.9: Fortsetzung.
Figure 4.9: continued


182

Abb.4.9: Fortsetzung.
Figure 4.9: continued


183

4.3.2. Kriterien der Reproduktionsfrequenz

Der Untersuchung der Reproduktionsfrequenz liegen in der folgenden Analyse nur 2 Würfe zu Grunde, so dass es sich dabei um die Zeit zwischen der ersten Anpaarung und dem 1. Wurf, dem Erstlingswurfintervall, und der Zeit zwischen dem 1. und dem 2. Wurf, der Zwischenwurfzeit, handelt. Diese beiden Intervalle werden im folgenden sowohl getrennt analysiert als auch gemeinsam in Form der Anzahl Würfe pro Muttertier und Halbjahr.

4.3.2.1. LS-Mittelwertsvergleiche nach Zuchtgruppen für das Erstlingswurfintervall, die Zwischenwurfzeit und die Anzahl Würfe pro Muttertier und Halbjahr

Wie bei der Beschreibung der Verteilungsprofile bereits erwähnt, beschränkt sich die folgende Analyse auf Intervalle von maximal 105 Tagen. Bei knapp 4% der Tiere wurde ein längeres Intervall zwischen Paarung und Wurf beobachtet. Beim Erstlingswurfintervall sind davon 46 Tiere betroffen, die mit einer Ausnahme in bezug auf den Stichprobenumfang auf die verschiedenen Zuchtgruppen gleichmäßig verteilt sind mit (0-8 pro Zuchtgruppe). Die Ausnahme bildet die Zuchtgruppe BBxPP, bei der 9 Tiere mit einem Erstlingswurfintervall zwischen 105 und 150 Tagen beobachtet wurden. Bei der Zwischenwurfzeit weisen insgesamt 49 Tiere ein Intervall zwischen 105 und 145 Tagen auf. Auch hier sind sie relativ gleichmäßig über die Zuchtgruppen verteilt. Auffallend ist, dass die in starkem Umfang vertretenen Synthetics nicht davon betroffen sind.

Die Wurffrequenz, d.h. die Anzahl Würfe pro Muttertier kann in einem längeren Zeitraum von größerer Bedeutung sein als die Wurfgröße. Sie ist bei der Berechnung der Gesamtproduktivitätskriterien in Form des Gesamtintervalles bereits mitberücksichtigt (siehe Punkt 3.4.2). Wie bereits bei den Verteilungsprofilen erwähnt, sind Mütter mit nur einem Wurf bei der Varianzanalyse nicht mitberücksichtigt. Es sind davon insgesamt 151 Tiere betroffen. Bei 13 davon konnte ein Spätabort nach der 1. Anpaarung beobachtet werden, der nicht als Wurf gezählt wird, mit einer daraufhin normal verlaufenden Trächtigkeit. Es handelt sich hierbei vornehmlich um Rotationstiere und Synthetics der Generation fünf (9). Ein äußerer Einfluss ist naheliegend, da um den Wurfzeitpunkt, der in die Regenperiode fiel, Dacharbeiten, ausgeführt werden mussten, die mit einem für die Tiere ungewohnten Lärm verbunden waren. Die anderen betroffenen Tiere gehören der bolivianischen (1) und der peruanischen Reinzuchtlinie (1) sowie der Rot1P (2) an.

Bei den meisten Tieren mit nur einem Wurf handelt es sich jedoch um Muttertiere, die nach der Geburt des 1. Wurfes nicht mehr trächtig wurden, sei es aus Fruchtbarkeitsgründen oder in Folge von Mortalität. Fast die Hälfte dieser Fälle beschränkt sich auf peruanische Reinzuchtmütter (62), danach folgen die bolivianischen (18). Die Rotationen (Rot1P: 13; Rot1B: 13) und Synthetics (9) der Generation 4 sind stärker betroffen als die der Generation 5 (Rot2P: 6; Rot2B: 4; SYN: 5). Bei F1-Müttern wurden 8 Fälle beobachtet.

Ein Blick auf die Ergebnisse der Varianzanalyse (siehe Anhang Tab. A9) zeigt, dass die Intervallkriterien noch mehr als die Wurfgröße nicht kontrollierbaren Einflüssen unterliegen, wie durch das sehr niedrige Bestimmtheitsmaß (Erstlingswurfintervall: 6.8%; Zwischenwurfzeit: 5.95%; Anzahl Würfe pro Muttertier und Halbjahr: 5.2%) zum Ausdruck kommt. Sowohl der Effekt der Zuchtgruppe als auch der Effekt Anpaarungssaison sind signifikant. Die Ergebnisse der LS-Zuchtgruppenmittelwerte sind in der Tabelle 4.14 sowie in der Abbildung 4.10 dargestellt.


184

Tab. 4.14: LS-Zuchtgruppenmittelwerte und Standardfehler für Erstlingwurfintervall, Zwischenwurfzeit und Anzahl Würfe pro Muttertier und Halbjahr.
Table 4.14: LS breeding group means and standard errors for the interval beween mating and first litter, the interval between litters and the number of litters per dam and half year

Zuchtgruppe

Erstlingswurf- intervall [Tage]

Zwischenwurfzeit [Tage]

Anzahl Würfe pro Muttertier und Halbjahr [n]


LSM

S.E.


LSM

S.E.


LSM

S.E.


BBxBB

73.6

0.9

abc

72.0

1.2

cde

2.50

0.019

f

F1xBB

74.4

0.5

abcd

68.7

0.9

ab

2.63

0.038

g

BBxF1

74.5

1.1

abcdf

69.1

1.5

abcd

2.53

0.036

ef

BBxRot1P

77.6

0.5

g

73.1

0.9

e

2.44

0.026

bcd

BBxRot2P

73.8

0.7

ad

70.8

1.1

abcde

2.47

0.029

cdef

PPxBB

76.2

0.9

deg

69.9

1.2

abcd

2.46

0.031

bcdef

F1xF1

77.1

0.7

fg

72.5

1.1

e

2.50

0.030

def

SYNxSYN

75.3

0.9

abcdef

69.3

1.2

abc

2.45

0.020

bcde

BBxPP

73.4

1.1

ab

67.0

1.5

a

2.41

0.030

abc

PPxRot2B

74.6

0.8

abcde

71.3

1.5

abcde

2.50

0.029

def

PPxRot1B

76.3

1.1

cdeg

70.0

1.6

abcde

2.40

0.026

ab

PPxF1

77.2

1.0

eg

70.1

1.5

abcde

2.49

0.037

bcdef

F1xPP

73.9

0.8

abcd

70.8

1.5

abcde

2.49

0.037

bcdef

PPxPP

75.5

0.6

bce

71.1

1.0

bcde

2.37

0.019

a

Werte mit unterschiedlichem Buchstaben innerhalb Spalte unterscheiden sich signifikant (p<0.05); Erläuterung der Zuchtgruppen, siehe Tab. 3.3; Stichprobenumfang je Zuchtgruppe und Merkmal siehe Tab. 3.20

Die Spannweite der LS-Zuchtgruppenmittelwerte für das Erstlingswurfintervall reicht von 73.4 Tagen (BBxPP) bis 77.6 Tagen (BBxRot1P), was einen Abstand von 0.65 Standardabweichungen bedeutet. Es ist keinerlei dem Genotyp entsprechende Tendenz festzustellen, weder hinsichtlich des Genotyps des weiblichen Zuchttieres, noch des Paarungspartners und auch nicht des gesamten Paarungstyps. Ob die Zuchtgruppenunterschiede genetischer Natur sind, kann in Frage gestellt werden. Insgesondere der deutliche Unterschied zwischen den sehr ähnlichen Zuchtgruppen BBxRot1P, die die obere Grenze der Spannweite bildet, und BBxRot2P, die sich durch eines der niedrigsten Intervalle (73.8 Tage) auszeichnet, ist genetisch nicht plausibel. Hinzu kommt der recht geringe Stichprobenumfang vor allem bei den Rückkreuzungsgruppen (siehe Tab.3.20).

Das Zwischenwurfintervall liegt im Vergleich der Zuchtgruppen zwischen 67.0 Tagen (BBxPP) und 73.1 Tagen (BBxRot1P), wobei dieselben Zuchtgruppen wie beim Erstlingsintervall diese Grenzen bestimmen. Auch hier ist keinerlei Tendenz der Intervallänge nach irgendeinem Genotyp oder Paarungstyp zu erkennen. Ein großer Teil der geschätzten Zuchtgruppenmittelwerte ist so ungenau, dass sie sich von keinen anderen unterscheiden. Auch hier ist es naheliegend, dass die statistischen Unterschiede zwischen den Zuchtgruppen nicht genetisch bedingt sind.

Die Spannweite der LS-Zuchtgruppenmittelwerte für die Wurfzahl pro Muttertier im ersten Produktionshalbjahr reicht von 2.37 bis 2.63, wobei die peruanische Reinzuchtlinie die untere und die F1xBB die obere Grenze darstellen. Die Wurffrequenz von Zuchtgruppen mit bolivianischen Reinzuchtmüttern ist in der Tendenz höher als die von peruanischen Reinzuchtmüttern. Wie bei den Einzelintervallen sind einige statistische Unterschiede zwischen Zuchtgruppen genetisch nicht erklärbar, wie z.B. der zwischen PPxRot1B (2.40 Würfe) und PPxRot2B (2.50 Würfe). Auch ist der Stichprobenumfang, vor allem bei den Rückkreuzungsgruppen, zu gering, um sichere Aussagen treffen zu können.


185

Abb. 4.10: Erstlingswurfintervall, Zwischenwurfzeit und Anzahl Würfe pro Muttertier und Halbjahr im Vergleich der Zuchtgruppen (LS-Mittelwerte).
Figure 4.10: Breeding group mean comparison for the interval between mating and first litter, the interval between litters and the number of litters per dam and half year (LS means)


186

4.3.2.2. LS-Kreuzungsparameterschätzung für das Erstlingswurfintervall, die Zwischenwurfzeit und die Anzahl Würfe pro Muttertier und Halbjahr

Während nach der Analyse der Zuchtgruppenmittelwerte nicht von genetischen Unterschieden zwischen den Zuchtgruppen ausgegangen werden kann, weisen die Ergebnisse der Kreuzungsparameterschätzung eindeutig auf die Wirkung von Liniendifferenzen hin (siehe Tab.4.15 und Abbildung 4.11).

Beim Erstlingswurfintervall sind die Linienunterschiede auf der Nachkommenebene (gnk) von 5.2% nach allen drei genetischen Modellen hochsignifikant. Es kann davon ausgegangen werden, dass der Genotyp des Paarungspartners, der bei der Schätzung des Nachkommeneffektes mit enthalten ist (gnk + 2gPA, siehe Punkt 3.5.1.1), eine wichtige Rolle spielt. Dominanzeffekte, ebenfalls auf der Nachkommenebene, erreichen sowohl nach dem Dickerson- (-3%) als auch nach dem Jakubec-Modell (-4.2%) ein Signifikanzniveau von unter 5%. Das heißt, je heterozygoter die Nachkommen, bzw. je unterschiedlicher der Genotyp der beiden Paarungspartner, desto kürzer das Intervall.

Bei der Zwischenwurfzeit sind die Linienunterschiede von 3.1-3.5% sowohl auf der Nachkommen- als auch auf der individuellen Ebene signifikant. Es ist dementsprechend damit zu rechnen, dass sich das Intervall zwischen dem 1. und dem 2. Wurf mit zunehmendem peruanischen Genanteil der beiden Paarungspartner verlängert. Nicht-additive Effekte sind nicht nachzuweisen.

Die Kreuzungsparameter für die Wurfzahl entsprechen in etwa denen für die Zwischenwurfzeit, jedoch mit umgekehrtem Vorzeichen: Es sind deutliche Linienunterschiede auf individueller und auf der Nachkommenebene nachzuweisen. Sie liegen jeweils bei -2.8%. Das heißt, mit zunehmendem peruanischen Genanteil beider Paarungspartner verringert sich die Anzahl Würfe pro Muttertier und Halbjahr. Von den nicht-additiven Effekte erreichen nur positive Dominanz x Dominanz-Interaktionen eine Irrtumswahrscheinlichkeit von unter 10% (p=0.054).

Den Ergebnissen zufolge sind für die Reproduktionsfrequenz die Genotypen beider Paarungspartner von Bedeutung. Es ist möglich, dass es einen genetischen Unterschied in der Trächtigkeitsdauer zwischen den beiden Reinzuchtlinien gibt (siehe Punkt 2.3.1.2). Die günstig gerichteten Dominanzeffekte beim Erstlingswurfintervall stehen im Widerspruch zu den negativ gerichteten Dominanzeffekten in der Wurfgröße, angesichts der Tatsache, dass sich die Trächtigkeitsdauer mit zunehmender Wurfgröße verkürzt. Andererseits können auch ungünstige Bedingungen zu einer leichten Verkürzung führen (siehe Punkt 2.3.1.2). Ob es sich bei diesem Effekt um ein Artefakt handelt oder nicht, kann abschließend nicht beurteilt werden.


187

Tab. 4.15: LS-Kreuzungsparameter und Standardfehler für Erstlingswurfintervall, Zwischenwurfzeit und Anzahl Würfe pro Muttertier und Halbjahr.
Table 4.15: LS crossbreeding parameters and standard errors for the interval between mating and first litter, the interval between litters and the number of litters per dam and half year

Kreuzungs-parameter

Erstlingswurf- intervall [Tage]

Zwischenwurfzeit [Tage]

Anzahl Würfe pro Muttertier und Halbjahr [n]

LSM BBxBB

74.4

S.E.

68.7

S.E.

2.50

S.E.

gnkD

gnkJAaa

gnkJAdd

3.9

3.9

3.9

0.8***

0.8***

0.8***

2.4

2.4

2.4

1.1*

1.1*

1.1*

-0.07

-0.07

-0.07

0.03*

0.03*

0.03*

hnkD

dnkJAaa

dnkJAdd

-2.2

-3.1

-3.3

0.7**

1.5*

2.1

-0.4

0.7

1.7

1.1

2.1

2.9

0.03

-0.03

-0.10

0.02

0.05

0.07

rnkD

aankJAaa

ddnkJAdd

0.9

1.9

1.1

1.3

2.6

1.9

-1.1

-2.2

-2.1

1.9

3.8

2.8

0.07

0.13

0.13

0.04

0.09

0.06+

giD

giJAaa

giJAdd

-0.5

-0.5

-0.5

0.7

0.7

0.7

2.1

2.1

2.1

1.0*

1.0*

1.0*

-0.07

-0.07

-0.07

0.02**

0.02**

0.02**

hiD

diJAaa

diJAdd

0.1

0.1

0.2

0.7

0.7

0.7

0.8

0.8

0.9

0.9

0.9

1.0

-0.02

-0.02

-0.03

0.02

0.02

0.03

+: 0.05lep<0.10; *: 0.01lep<0.05; **: 0.001lep<0.01; ***: p<0.001; Erläuterung der Kreuzungsparameter siehe Punkt 3.5

Abb. 4.11: Kreuzungsparameter für Merkmale der Reproduktionsfrequenz in % des LS-Mittelwerts der bolivianischen Reinzuchtlinie.
Figure 4.11: Crossbreeding parameter estimates for reproduction frequency traits in % of the LS mean of the Bolivian line
nur signifikante (p<0.05) Schätzwerte; D: Dickerson-Modell; JAaa: Jakubec-Modell aa; JAdd: Jakubec-Modell dd; (siehe Punkt 3.5)


188

4.3.3. Wurfrate

Die Wurfrate ist ein wichtiges Merkmal, das Aufschluss über das Fruchtbarkeitspotential der Herde gibt. Eine ausschließliche Beschränkung auf Reproduktionsparameter wie Wurfgröße oder Wurfgewicht, bei denen nur die Tiere berücksichtigt werden, die einen Wurf erbringen, könnte bei einer Gesamtbewertung irreführend sein. Die Untersuchung der Wurfrate muss sich auf Grund fehlender Informationen zur Generation 2 auf die Tiere der Generationen 4 und 5 beschränken. Die Ergebnisse dazu sind in den Tabellen 4.16 und 4.17 dargestellt.

Bei den Tieren, die keinen Wurf haben, kommen folgende Ursachen in Betracht:

Tab. 4.16: Wurfrate im Vergleich der Zuchtgruppen im 1. und 2. Wurf.
Table 4.16: Litter rate (breeding group comparison) in the 1st and 2nd litter

Zucht-


1. Wurf



2. Wurf


Gruppe

n1

n2

Wurfrate [%]1

n1

n2

Wurfrate [%]2

BBxBB

210

201

95.71

201

190

94.53

BBxRot1P

109

107

98.17

109

96

88.07

BBxRot2P

100

93

93.00

95

90

94.74

PPxBB

49

48

97.96

48

47

97.92

SYNxSYN

209

201

96.17

201

190

94.53

BBxPP

65

64

98.46

64

48

75.00

PPxRot2B

99

93

93.94

96

88

91.67

PPxRot1B

110

110

100.00

110

99

90.00

PPxPP

232

219

94.40

224

180

80.36

Gesamt

1183

1136

96.03

1147

1028

89.55

n1: Anzahl angepaarter weiblicher Zuchttiere; n2: Anzahl der weiblichen Zuchttiere mit Wurf;

1) Effekt Zuchtgruppe ist nicht signifikant (p=0.16)

2) Effekt Zuchtgruppe ist signifikant (p<0.0001)

Die Wurfrate nach der ersten Anpaarung variiert je nach Zuchtgruppe zwischen 93 und 100% und liegt im Durchschnitt bei ca. 96%. Ein Effekt der Zuchtgruppe kann nicht nachgewiesen werden (siehe Tab.4.16). Der signifikante jahreszeitlich bedingte Einfluss hingegen (Tab.4.17) scheint von größerer Bedeutung zu sein. Die Wurfrate der im Dezember 1992 bis Januar 1993 angepaarten Tiere ist mit ca. 93.8% deutlich niedriger als die der im April/Mai und Juni bis August 1992 angepaarten Tiere von 97.6 bzw. 98.6%.

Im zweiten Wurf spielen sowohl Zuchtgruppe als auch Jahr-Saison eine bedeutende Rolle. Der Anteil Tiere, die einen Wurf haben, ist mit insgesamt 89.6% um 6.5% niedriger als bei der ersten Anpaarung. Hierbei ist anzumerken, dass der Anpaarungszeitpunkt zum 2. Wurf dem Wurfdatum des 1. Wurfes entspricht, auf Grund des beim Meerschweinchen typischen Post-Partum-Östrus. Das heißt, die Anpaarung findet in einer Phase statt, in der das Muttertier besonders physisch beansprucht ist durch den Geburtsvorgang und die einsetzende Laktation und dementsprechend einen höheren Anspruch an Umweltbedingungen (Fütterung, Wasser, Platz, u.a.) stellt. Wenn der


189

Bedarf der Tiere in dieser Phase und bis zum Ende der Aufzucht des 1. Wurfes nicht gedeckt wird, muss mit einer Beeinträchtigung in der Fruchtbarkeit und / oder einer erhöhten Mortalität der weiblichen Zuchttiere gerechnet werden.

Die Zuchtgruppe mit der niedrigsten Wurfrate im 2. Wurf stellt mit 75% die Zuchtgruppe BBxPP dar, d.h. die peruanischen Weibchen, die mit bolivianischen Böcken angepaart wurden, während die reziproke Zuchtgruppe PPxBB, die zeitgleich (September/Oktober 1992) angepaart wurde, die höchste Wurfrate von ca. 98% aufweist. Auch der Unterschied zwischen der bolivianischen (94.5%) und der peruanischen Reinzuchtlinie (80.4%) ist mit fast 15% beträchtlich. Die Wurfrate der anderen Kreuzungsgruppen variieren zwischen 88.1 und 94.7%, wobei die jahreszeitlich bedingten Effekte nicht berücksichtigt sind.

Tab. 4.17: Wurfraten im Vergleich der Jahr-Saison-Monats-Klassen im 1. und 2. Wurf.
Table 4.17: Litter rate (year season month comparison) in the 1st and 2nd litter

Jahr / Monats-


1. Wurf



2. Wurf


Klassen

n1

n2

Wurfrate [%]1

n1

n2

Wurfrate [%]2

92/4-5

329

321

97.57

317

294

92.74

92/6-8

293

289

98.63

109

101

92.66

92/9-10




187

151

80.75

92/12-93/1

561

526

93.76




93/2-3




277

263

94.95

93/4-5




258

219

84.88

Gesamt

1182

1135

96.03

1147

1028

89.55

n1: Anzahl angepaarter weiblicher Zuchttiere; n2: Anzahl der weiblichen Zuchttiere mit Wurf;

1) Effekt Jahr-Saison-Monat ist signifikant (p<0.0009)

2) Effekt Jahr-Saison-Monat ist signifikant (p<0.0001)

Die Anpaarungssaisons mit den niedrigsten Wurfraten sind die Monate September/Oktober 1992 (80.75%) sowie April/Mai 1993 (84.9%). Wie auch aus der Tabelle 4.19 hervorgeht, handelt es sich hierbei um besonders kritische Zeiten, die mit einer hohen Zuchttiermortalität verbunden sind. Und es sind genau die Zeiten, in denen die Zuchtgruppe BBxPP bzw. ein großer Teil der peruanischen Reinzuchtlinie ihren 1. Wurf hatten. Die höchste Wurfrate im 2. Wurf erreichen mit ca. 95% die in den Monaten Februar und März 1993 angepaarten Tiere. Es handelt sich hierbei ausschließlich um die Kreuzungsmütter der Rotation 2 sowie um die Synthetics.

Insgesamt ist festzuhalten, dass die Variation in der Fertilität der weiblichen Tiere im 1. Wurf im wesentlichen durch Umwelteinflüsse bedingt ist, wobei genetische Unterschiede zwischen Zuchtgruppen kaum eine Rolle spielen dürften. Im 2. Wurf ist die Wurfrate der peruanischen Meerschweinchen unter den im Projekt Mejocuy gegebenen Umweltbedingungen im Vergleich zu den anderen Zuchtgruppen deutlich niedriger.

Die Fertilität der männlichen Zuchttiere liegt bei nahezu 100%. Im Untersuchungszeitraum 1992 bis 1993 wurde nur ein steriler Bock, bei dem es sich um ein peruanisches Reinzuchttier handelte, gefunden.


190

4.3.4. Überlebensrate der Zuchttiere

Die Überlebensrate der Zuchttiere ist ebenso wie die Wurfrate ein Merkmal, das sich auf die Herdenleistung bezieht und bei einer Gesamtbewertung unbedingt mitberücksichtigt werden muss. Sie kann Aufschluss über die Widerstandsfähigkeit bestimmter Genotypen geben bzw. Anregungen dazu, das Management so zu ändern, um den jeweiligen Tieren die größtmöglichen Überlebensschancen zu bieten. Da die genetische Gruppe des Paarungspartners keinen Einfluss auf den Gesundheitszustand des Zuchtweibchens haben dürfte, wird dieser beim Zuchtgruppenvergleich nicht mitberücksichtigt. Die Ergebnisse der Untersuchung sind in den Tabellen 4.18 und 4.19 dargestellt.

Tab. 4.18: Überlebensrate der weiblichen Zuchttiere im Vergleich der Zuchtgruppen im 1. und 2. Wurf.
Table 4.18: Dams‘ survival rate (breeding group comparison) in the 1st and 2nd litter

Zucht-


1. Wurf



2. Wurf


Gruppe

n1

n2

Überlebens-rate [%]1

n1

n2

Überlebens-rate [%]2

BB

259

257

99.23

249

245

98.39

Rot2B

99

99

100.00

96

96

100.00

Rot1B

110

110

100.00

110

105

95.41

SYN

209

209

100.00

201

198

98.51

Rot1P

109

109

100.00

109

103

94.50

Rot2P

100

99

99.00

95

94

98.95

PP

297

290

97.64

288

259

89.93

Gesamt

1183

1173

99.15

1148

1100

95.82

n1: Anzahl angepaarter weiblicher Zuchttiere; n2: Anzahl der weiblichen Zuchttiere, die bis nach der Geburt des Wurfes überlebt haben;

1) Effekt Zuchtgruppe ist signifikant (p<0.03)

2) Effekt Zuchtgruppe ist signifikant (p<0.0001)

Die durchschnittliche Überlebensrate von der Anpaarung bis zur Geburt des 1. Wurfes liegt insgesamt bei über 99%. Im Vergleich der Zuchtgruppen ist sie bei den peruanischen Reinzuchtmüttern mit 97.6% am niedrigsten, bei den anderen liegt sie zwischen 99.2 und 100%. Der Effekt der Zuchtgruppe ist statistisch signifikant; ein jahreszeitlich bedingter Effekt hingegen ist nicht nachzuweisen.

Während der Phase nach der Geburt des 1. Wurfes bis zur Geburt des zweiten ist sowohl der Effekt der Zuchtgruppe als auch der Jahr-Monats-Effekt hochsignifikant. Die Überlebensrate ist mit ca. 96% um etwas über 3% niedriger als die bis zum 1. Wurf. Peruanische Reinzuchtmütter weisen - wie bis zum 1. Wurf - die niedrigste Überlebensrate, die bei ca. 90% liegt, auf. Es folgen darauf die Mütter der Rotation 1 (Rot1B, Rot1P) mit ca. 95%. Die bolivianischen Reinzuchtmütter sowie die der Rotation 2 haben mit 98.4 bis 100% die höchsten Überlebensraten. Die relativ niedrige Leistung der Mütter der Rotation 1 ist durch die ungünstigen Umweltbedingungen in den Monaten September/Oktober des Jahres 1992 zu erklären. Ein negativer Effekt des Genotyps auf die Überlebensrate unter den gegebenen Umweltbedingungen kommt nur bei den peruanischen Reinzuchtmüttern zum Ausdruck.

Wie bereits bei der Wurfrate, von der die Überlebensrate eine Komponente bildet, stellen die Monate September/Oktober 1992 sowie April/Mai 1993 die für die Tiere kritischste Phase mit


191

den höchsten Mortalitäten dar.

Insgesamt betrachtet wird kein Unterschied in der Überlebensrate zwischen den Zuchtgruppen mit einem peruanischen Genanteil von unter 100% deutlich. Die Sterblichkeit der peruanischen Reinzuchtmüttern ist unter den gegebenen Umweltbedingungen gegenüber den anderen Zuchtgruppen erhöht. Kritische Umweltverhältnisse haben allgemein eine erhöhte Zuchttiermortalität zur Folge. Peruanische Reinzuchtmütter sind jedoch in besonders hohem Maße davon betroffen.

Tab. 4.19: Überlebensraten der weiblichen Zuchttiere im Vergleich der Jahr-Saison-Monats-Klassen im 1. und 2. Wurf.
Table 4.19: Dams‘ survival rate (year season month comparison) in the 1st and 2nd litter

Jahr / Monats-


1. Wurf



2. Wurf


Klassen

n1

n2

Überlebens-rate [%]1

n1

n2

Überlebens-rate [%]2

92/4-5

329

325

98.78

317

309

97.48

92/6-8

293

293

100.00

109

109

100.00

92/9-10




187

171

91.44

92/12-93/1

561

555

98.93




93/2-3




277

276

99.64

93/4-5




258

235

91.09

Gesamt

1183

1173

99.15

1148

1100

95.82

n1: Anzahl angepaarter weiblicher Zuchttiere; n2: Anzahl der weiblichen Zuchttiere, die bis nach der Geburt des Wurfes überlebt haben;

1) Effekt Jahr-Saison-Monat ist nicht signifikant (p=0.19)

2) Effekt Jahr-Saison-Monat ist signifikant (p<0.0001)

Wie bei der Wurfrate sind auch die Überlebensraten männlicher Zuchttiere bei nahezu 100%. Im Untersuchungszeitraum 1992 bis 1993 starb ein Bock, der der Zuchtgruppe der Synthetics angehörte.


192

4.3.5. Schätzung von Zuchtgruppenmittelwerten und Kreuzungsparametern für die Wurfgrößen- und Wurfgewichtsentwicklung von der Geburt bis zum Absetzen

Bei den Einzelmerkmalen der Reproduktionsleistung kann die Wurfgröße beim Absetzen als das wichtigste Merkmal betrachtet werden. Sie ist in erster Linie durch das Muttertier, d.h. deren Reproduktions- und Aufzuchtvermögen bestimmt. Dabei ist nicht nur die Anzahl der Nachkommen von Bedeutung, sondern auch deren Gesundheitszustand. Die zuchtgruppenspezifische Gewichtszunahme der Jungtiere zwischen Geburt und Absetzen kann als ein wichtiges Kriterium dafür betrachtet werden. Die Überlebensrate nach dem Absetzen, hängt vorwiegend von den herrschenden Umweltbedingungen ab. Das Wurfgewicht steht in enger Beziehung zur Wurfgröße (r=0.73), bei dem der Genotyp des Paarungspartners von der Geburt bis zum Mastende immer mehr an Bedeutung gewinnt.

4.3.5.1. LS-Mittelwertsvergleiche nach Zuchtgruppen für die Wurfgrößenentwicklung von der Geburt bis zum Absetzen

Die Wurfgrößenentwicklung im Vergleich der Zuchtgruppen ist in der Tabelle 4.20 sowie in der Abbildung 4.12 dargestellt. In den Fällen, in denen der Zuchtgruppeneffekt die Signifikanzschwelle von über 5% überschreitet, wird auf einen Vergleich verzichtet. Bei den Rückkreuzungsgruppen ist anzumerken, dass diese auf einem sehr geringen Stichprobenumfang zwischen 40 und 50 Tieren beruhen (siehe Tab.3.20), was zu einer größeren Ungenauigkeit der Schätzwerte sowie zu einer höheren Wahrscheinlichkeit von Artefakten führen kann.

Die Ergebnisse der Varianzanalyse sind im Anhang (Tabelle A9a) dargestellt. Beim Bestimmtheitsmaß ist ein deutlicher Unterschied in der Größenordnung zwischen dem ersten und dem zweiten Wurf zu erkennen: Im 1. Wurf variiert es zwischen 15.45% (Wurfgröße beim Absetzen) und 23.25% (Wurfgröße bei der Geburt insgesamt), beim zweiten zwischen 8.28 und 9.13%. Die Irrtumswahrscheinlichkeit für den Zuchtgruppeneffekt bewegt sich im 1. Wurf immer unter 5%. Beim 2. Wurf hingegen ist dies nur für die Wurfgröße insgesamt der Fall. Bei der Wurfgröße lebend und beim Absetzen liegt die Irrtumswahrscheinlichkeit bei jeweils 5.5 und 6.4%. Der Jahr-Saison-Effekt ist in beiden Würfen in allen Merkmalen signifikant und variiert je nach Wurfnummer und Merkmal zwischen 0.8 und 1.2 phänotypischen Standardabweichungen.

Die Zuchtgruppenmittelwerte für die Wurfgröße bei der Geburt variieren zwischen 2.39 und 3.02 Jungtieren im 1. Wurf und zwischen 2.56 und 3.03 im zweiten, d.h. die Spannweite liegt bei jeweils 0.67 bzw. 0.44 phänotypischen Standardabweichungen. Die Zuchtgruppen mit den höchsten Wurfgrößen sind im 1. Wurf die Synthetics (2.97 Jungtiere), die Rotationen 1 (PPxRot1B: 3.02; BBxRot1P: 2.96), die BBxRot2P (2.96) sowie die bolivianische Reinzuchtlinie (2.88 Nachkommen). Die niedrigsten Wurfgrößen haben die bolivianischen Reinzuchtmütter, die mit einem F1-Bock verpaart wurden, sowie die Anpaarungen zur reziproken F1 (BBxPP und PPxBB).

Im zweiten Wurf erreicht die bolivianische Reinzuchtlinie (3.03 Jungtiere) zusammen mit den Synthetics (2.96 Jungtiere) die höchsten Wurfgrößen, von denen sich jedoch nur wenige Zuchtgruppen signifikant unterscheiden. Zu diesen gehören die peruanische Reinzuchtlinie (2.77 Jungtiere), die Zuchtgruppe PPxRot1B mit 2.56 Nachkommen pro Wurf, die im 1. Wurf die höchste Wurfgröße aufwies, sowie bolivianische Reinzuchtmütter, die mit F1- (2.56 Jungtiere) oder peruanischen Reinzuchtböcken (2.71 Jungtiere) angepaart worden sind.


193

Tab. 4.20: LS-Zuchtgruppenmittelwerte und Standardfehler für Merkmale derWurfgröße von der Geburt bis zum Absetzen.
Table 4.20: LS breeding group means and standard errors for litter size at birth and weaning

Zucht-

Wurfgröße bei der Geburt

Wurfgröße lebend bei der Geburt

Wurfgröße beim Absetzen

Gruppe

1. Wurf

2. Wurf

1. Wurf

2. Wurf

1. Wurf

2. Wurf


LSM

S.E.


LSM

S.E.


LSM

S.E.


LSM

S.E.


LSM

S.E.


LSM

S.E.


BBxBB

2.88

0.07

bcde

3.03

0.09

c

2.85

0.07

fg

2.95

0.09

c

2.76

0.07

df

2.79

0.09

c

F1xBB

2.39

0.15

a

2.56

0.19

ab

2.33

0.15

a

2.55

0.18

abc

2.23

0.15

a

2.60

0.18

abc

BBxF1

2.60

0.15

abcd

2.78

0.18

abc

2.51

0.15

abcde

2.82

0.18

abc

2.39

0.15

ab

2.86

0.17

bc

BBxRot1P

2.96

0.11

cde

2.82

0.12

abc

2.91

0.11

g

2.77

0.12

abc

2.75

0.11

bcdef

2.61

0.11

bc

BBxRot2P

2.96

0.12

de

2.79

0.16

abc

2.81

0.12

cdefg

2.78

0.16

abc

2.60

0.12

abcdef

2.67

0.15

abc

PPxBB

2.61

0.12

ab

2.71

0.14

ab

2.55

0.12

abc

2.69

0.14

abc

2.48

0.12

abcd

2.55

0.13

abc

F1xF1

2.69

0.12

abcde

2.78

0.15

abc

2.62

0.12

abcdefg

2.75

0.15

abc

2.49

0.12

abcdef

2.79

0.15

bc

SYNxSYN

2.97

0.08

e

2.96

0.10

bc

2.85

0.08

eg

2.90

0.10

bc

2.69

0.08

bcdef

2.68

0.09

bc

BBxPP

2.45

0.11

a

2.72

0.14

abc

2.40

0.11

ab

2.65

0.14

abc

2.32

0.11

a

2.48

0.13

ab

PPxRot2B

2.71

0.12

abc

2.67

0.16

abc

2.59

0.12

abcdf

2.66

0.16

abc

2.47

0.13

abcdef

2.48

0.16

abc

PPxRot1B

3.02

0.11

e

2.56

0.12

a

2.89

0.11

defg

2.50

0.12

a

2.79

0.11

ef

2.31

0.11

a

PPxF1

2.68

0.15

abcde

2.70

0.18

abc

2.66

0.15

abcdefg

2.72

0.18

abc

2.49

0.15

abcdef

2.68

0.17

abc

F1xPP

2.74

0.14

abcde

2.84

0.18

abc

2.70

0.14

bcdefg

2.79

0.18

abc

2.53

0.15

abcdef

2.71

0.17

abc

PPxPP

2.78

0.08

bcde

2.77

0.09

ab

2.70

0.08

cdefg

2.67

0.09

ab

2.51

0.08

abce

2.52

0.09

ab

Werte mit unterschiedlichem Buchstaben innerhalb Spalte unterscheiden sich signifikant (p<0.05)

Erläuterung der Zuchtgruppen, siehe Tab. 3.3; Stichprobenumfang je Zuchtgruppe und Merkmal, siehe Tab. 3.20


194

Abb. 4.12: Wurfgrößen von der Geburt bis zum Absetzen im Vergleich der Zuchtgruppen (LS-Mittelwerte).
Figure 4.12: Breeding group comparison for litter size from birth to weaning (LS means)

1. Wurf

2. Wurf


195

Da die Wurfgröße bei der Geburt im wesentlichen durch den Genotyp der Mutter bestimmt wird ( WRIGHT , 1922b), sind die beschriebenen Ergebnisse für die Wurfgröße bei der Geburt insgesamt sehr widersprüchlich. Als Beispiel seien die bolivianischen Mütter genannt, die sowohl im ersten als auch im 2. Wurf bei der Verpaarung mit bolivianischen Böcken höchste Wurfgrößen erbringen, bei der Verpaarung mit peruanischen Böcken sich jedoch auf einem unteren Leistungsniveau befinden. Entsprechendes gilt für die weiblichen peruanischen Zuchttiere im 1. Wurf. Abgesehen von unkontrollierbaren Umwelt- oder Zufallseffekten bei diesen Zuchtgruppenunterschieden, ist zu vermuten, dass es bei der Verpaarung zwischen den in der Körpergröße stark unterschiedlichen Reinzuchtlinien bestimmte Probleme geben kann, die sich in einer erniedrigten Wurfgröße äußern.

Bei der Wurfgröße lebend sind bei der Analyse, wie bereits unter Punkt 4.2.1 erwähnt, Wurfgrößen von null nicht mitberücksichtigt. Die Rangfolge der Zuchtgruppen im 1. Wurf entspricht der der Wurfgröße insgesamt; im 2. Wurf ist der Zuchtgruppeneffekt nicht signifikant.

Informationen zu den Gesamtverlusten bei der Geburt liegen nur zu den Generationen 4 und 5 vor. Ob es sich dabei um Totgeburten, bei oder kurz nach der der Geburt gestorbene Tiere handelt, konnte nicht untersucht werden. Es wurden sowohl im ersten als auch im 2. Wurf jeweils 14 Würfe mit Gesamtverlusten festgestellt. Beim 1. Wurf handelt es sich dabei hauptsächlich um Drillingswürfe (6), außerdem um jeweils drei Zweier- und Vierer-Würfe sowie um einen Einlingswurf. Die betroffenen weiblichen Zuchttiere gehören den Zuchtgruppen PP (5), SYN (4), BB (2), Rot2P (2) und Rot2B (1) an. Beim 2. Wurf sind es vor allem Einlingswürfe, die tot geboren werden oder bei der Geburt sterben (9). Gesamtverluste bei Zweier- (2) und Dreier-Würfen (3) sind seltener. Die betroffenen Zuchtgruppen sind dieselben wie im 1. Wurf mit jeweils 2 bis 6 Würfen ohne lebende Jungtiere (SYN: 6; PP:3; Rot2B: 3; BB: 2).

Tab. 4.21: Perinatale Mortalität (inkl. Totgeburtenrate) im Vergleich der Zuchtgruppen im 1. und 2. Wurf.
Table 4.21: Perinatal mortality (incl. still born) (breeding group comparison) in the 1st and 2nd litter

Zucht-


1. Wurf



2. Wurf


Gruppe

n1

n2

Mortalitäts-rate [%]1

n1

n2

Mortalitäts-rate [%]2

BBxBB

612

19

3.10

559

18

3.22

BBxRot1P

294

0

0.00

134

3

2.24

BBxRot2P

311

22

7.07

497

20

4.02

PPxBB

105

1

0.95

195

9

4.62

SYNxSYN

607

32

5.27

251

4

1.59

BBxPP

131

0

0.00

214

3

1.40

PPxRot2B

284

15

5.28

269

3

1.12

PPxRot1B

308

8

2.60

136

1

0.74

PPxPP

637

40

6.28

522

26

4.98

Gesamt

3289

137

4.17

2777

87

3.13

n1: Anzahl geborener Jungtiere; n2: Anzahl lebend geborener Jungtiere;

1) Effekt Zuchtgruppe ist signifikant (p<0.0001)

2) Effekt Zuchtgruppe ist signifikant (p<0.02)

Der Anteil tot geborener bzw. bei der Geburt gestorbenen Tiere insgesamt liegt im 1. Wurf bei ca. 4.2% im zweiten bei ca. 3.1% (siehe Tab. 4.20 und 4.21). Die beiden Effekte Zuchtgruppe und Jahr-Saison sind bei der getrennten Analyse in beiden Würfen signifikant. Es ist jedoch


196

möglich, dass die Signifikanz beim Zuchtgruppeneffekt auf jahreszeitlich bedingten Effekten beruht, die nicht gleichzeitig berücksichtigt werden können. Das umgekehrte gilt für den Jahr-Saison-Effekt.

Tab. 4.22: Perinatale Mortalität (inkl. Totgeburtenrate) im Vergleich der Jahr-Saison-Monats-Klassen im 1. und 2. Wurf.
Table 4.22: Perinatal mortality (incl. still born) (year season month comparison) in the 1st and 2nd litter

Jahr / Monats-


1. Wurf



2. Wurf


Klassen

n1

n2

Mortalitäts-rate [%]1

n1

n2

Mortalitäts-rate [%]2

92/5

417

8

1.92




92/6-8

672

17

2.53

360

7

1.94

92/9-12

485

6

1.24

1196

23

1.92

93/2-3

1206

75

6.22

584

23

3.94

93/4-5

509

31

6.09




93/6-8




637

34

5.34

Gesamt

3289

137

4.17

2777

87

3.13

n1: Anzahl geborener Jungtiere; n2: Anzahl lebend geborener Jungtiere;

1) Effekt Jahr-Saison-Monat ist signifikant (p<0.0001)

2) Effekt Jahr-Saison-Monat ist signifikant (p<0.0001)

Die Totalverluste beim Absetzen, die in der Varianzanalyse nicht berücksichtigt werden, sind - ausgehend von der Wurfgröße lebend - mit insgesamt 44 Wurfgrößen von null im 1. Wurf und 41 im zweiten deutlich höher als die perinatalen (inkl. Totgeburten), wobei diese gleichmäßig über alle Wurfgrößen verteilt sind. Bei den Totalverlusten im 1. Wurf ist vor allem die peruanische Reinzuchtlinie mit insgesamt 25 Würfen, in denen kein Jungtier bis zum Absetzen überlebt hat, betroffen. Dies steht in direktem Zusammenhang mit der bakteriellen Infektionskrankheit im April/Mai 1993, von der bei den ausgewerteten Daten insbesondere die peruanische Reinzuchtlinie betroffen war (siehe auch Punkt 4.1.3.3). Bei den anderen Zuchtgruppen verlieren nur 1 bis 3 Mütter alle Jungtiere bis zum Absetzen. Im 2. Wurf sind die Gesamtverluste insgesamt zwar ungefähr so hoch wie im ersten, jedoch ist die Anzahl der Totalverluste bei der peruanischen Reinzuchtlinie (9) deutlich niedriger, bei den anderen Zuchtgruppen mit (1 bis 5) höher.

Auf Grund der unterschiedlichen Aufzuchtverluste ergibt sich bei der Wurfgröße beim Absetzen im 1. Wurf eine geringfügige Verschiebung in der Rangfolge verglichen mit der Wurfgröße bei der Geburt. Während die Peruanische Reinzuchtlinie zuvor einen oberen Rang einnahm, unterscheidet sie sich in der Wurfgröße beim Absetzen signifikant von der bolivianischen Reinzuchtlinie, was auch durch die oben erwähnte Krankheit bedingt sein kann. Von den sonstigen Zuchtgruppen der oberen Ränge, den Rotationen-1 und der Synthetics, die sich ihrerseits nicht signifikant von BBxBB unterscheiden, jedoch von den Zuchtgruppen mit den niedrigsten Wurfgrößen (F1xBB, PPxBB, BBxPP), hebt sich die peruanische Reinzuchtlinie nicht ab.


197

4.3.5.2. LS-Kreuzungsparameterschätzung für die Wurfgrößenentwicklung von der Geburt bis zum Absetzen

Bei den geschätzten Kreuzungsparametern, die in der Tabelle 4.23 sowie in der Abbildung 4.13 dargestellt sind, erreichen nur Kreuzungseffekte auf der Nachkommenebene ein Signifikanzniveau von unter 5%. Im ersten Wurf sind es negative Dominanzeffekte, im zweiten vornehmlich die ebenfalls negative Liniendifferenz.

Bei der Wurfgröße bei der Geburt (insgesamt und lebend) sind die negativ gerichteten Dominanzeffekte im 1. Wurf nach allen drei genetischen Modellen signifikant. Ihr Ausmaß variiert je nach genetischem Modell von -12.5% (Dickerson-Modell) bis ca. -23% (Jakubec-Modell dd) des LS-Schätzwertes für die bolivianische Reinzuchtlinie. Im 2. Wurf sind deutliche Linienunterschiede auf der Nachkommenebene von -12.2 bis -12.5% festzustellen. Dominanzeffekte - ebenfalls negativ gerichtet - erreichen nur nach dem Jakubec-Modell aa (-19.8%) ein Signifikanzniveau von unter 5%, nach dem Dickerson-Modell (-7.3%) und dem Jakubec-Modell dd (-21.8%) liegen sie mit einer Irrtumswahrscheinlichkeit zwischen 5 und 6% an der Signifikanzschwelle. Rekombinationsverluste sowie Additiv x Additiv-Interaktionen sind mit einem hohen Standardfehler behaftet und mit einer relativ hohen Irrtumswahrscheinlichkeit von 8.5%.

Bei der Wurfgröße beim Absetzen sind im 1. Wurf negative Dominanzeffekte von ca. -12% nur nach dem Dickerson-Modell signifikant. Im 2. Wurf haben die Linienunterschiede auf der Nachkommenebene von ca. -14.0% gegenüber der Wurfgröße bei der Geburt leicht zugenommen. Von den nicht-additiven Effekten erreichen lediglich Dominanzeffekte nach dem Jakubec-Modell aa ein Signifikanzniveau von ca. 6%.

Von Bedeutung scheinen nur die negativen Dominanzeffekte insbesondere im 1. Wurf sowie die negativen Linienunterschiede im 2. Wurf, jeweils auf der Nachkommenebene, zu sein, wenn sie nicht auf Artefakten beruhen. Negative Dominanzeffekte auf der Nachkommenebene bedeuten praktisch, dass die Wurfgröße mit zunehmender Heterozygotie der Nachkommen, bzw. mit zunehmendem entgegengesetzten Genanteil des Paarungspartners abnimmt. Von Heterosis im Sinne des Wortes kann daher keine Rede sein. Es wäre denkbar, daß je unterschiedlicher die Körpergröße zwischen den Paarungspartnern ist, desto größer die Schwierigkeiten bei der Anpaarung und damit in Verbindung desto niedriger die Ovulations- und / oder Befruchtungsrate.

Die im 2. Wurf hinzukommenden negativen Linienunterschiede auf der Nachkommenebene besagen, dass je größer der peruanische Genanteil der Jungtiere ist, desto niedriger die Wurfgröße. Dabei ist der Beitrag von beiden Elternteilen von Bedeutung, d.h. insbesondere bei der peruanischen Reinzuchtlinie ist im 2. Wurf mit einer gegenüber den anderen Zuchtgruppen verringerten Wurfgröße bereits bei der Geburt und in stärkerem Maße beim Absetzen unter den gegebenen Umweltbedingungen zu rechnen.


198

Tab. 4.23: LS-Kreuzungsparameter und Standardfehler die Wurfgröße von der Geburt bis zum Absetzen.
Table 4.23: LS crossbreeding parameter estimates and standard errors for litter size from birth to weaning

Kreuzungs-

Wurfgröße bei der Geburt

Wurfgröße lebend bei der Geburt

Wurfgröße beim Absetzen

Parameter

1.Wurf

2.Wurf

1.Wurf

2.Wurf

1.Wurf

2.Wurf

LSM BBxBB

2.88

S.E.

3.03

S.E.

2.85

S.E.

2.95

S.E.

2.76

S.E.

2.79

S.E.

gnkD

gnkJAaa

gnkJAdd

-0.06

-0.06

-0.06

0.11

0.11

0.11

-0.37

-0.37

-0.37

0.13**

0.13**

0.13**

-0.10

-0.10

-0.10

0.11

0.11

0.11

-0.37

-0.37

-0.37

0.13**

0.13**

0.13**

-0.11

-0.09

-0.11

0.11

0.11

0.11

-0.39

-0.39

-0.39

0.13**

0.13**

0.13**

hnkD

dnkJAaa

dnkJAdd

-0.36

-0.54

-0.67

0.12**

0.20**

0.27*

-0.22

-0.60

-0.66

0.11+

0.25*

0.34+

-0.38

-0.50

-0.60

0.12**

0.20*

0.27*

-0.17

-0.51

-0.56

0.11

0.25*

0.34

-0.33

-0.22

-0.45

0.12**

0.20

0.27

-0.18

-0.44

-0.49

0.11

0.24+

0.33

rnkD

aankJAaa

ddnkJAdd

0.18

0.37

0.31

0.18

0.36

0.26

0.38

0.76

0.43

0.22+

0.44+

0.32

0.13

0.25

0.22

0.18

0.36

0.26

0.33

0.67

0.38

0.22

0.44

0.32

0.07

-0.26

0.12

0.18

0.37

0.26

0.27

0.53

0.30

0.21

0.43

0.31

giD

giJAaa

giJAdd

0.02

0.02

0.02

0.09

0.09

0.09

0.14

0.12

0.14

0.12

0.12

0.12

0.02

0.02

0.02

0.09

0.09

0.09

0.12

0.12

0.12

0.12

0.12

0.12

-0.05

-0.09

-0.05

0.09

0.09

0.09

0.13

0.13

0.13

0.11

0.11

0.11

hiD

diJAaa

diJAdd

0.14

0.14

0.12

0.08

0.09

0.09

-0.13

-0.09

-0.13

0.11

0.11

0.12

0.13

0.13

0.11

0.09

0.09

0.09

-0.09

-0.09

-0.08

0.11

0.11

0.12

0.11

0.16

0.10

0.09

0.09+

0.09

-0.02

-0.02

-0.01

0.10

0.10

0.11

+: 0.05 le p < 0.10; *: 0.01 lep < 0.05; **: 0.001 le p < 0.01; ***: p<0.001; Erläuterung der Kreuzungsparameter, siehe Punkt 3.5


199

Abb. 4.13: Kreuzungsparameter für die Wurfgrößen von der Geburt bis zum Absetzen in % des LS-Mittelwerts der bolivianischen Reinzuchtlinie.
Figure 4.13: Crossbreeding parameter estimates for litter size from birth to weaning in % of the LS mean of the Bolivian line
nur signifikante (p<0.05) Schätzwerte; D: Dickerson-Modell; JAaa: Jakubec-Modell aa; JAdd: Jakubec-Modell dd (siehe Punkt 3.5)

Wurfgröße von der Geburt bis zum Absetzen


200

4.3.5.3. LS-Mittelwertsvergleiche nach Zuchtgruppen für die Wurfgewichtsentwicklung von der Geburt bis zum Absetzen

Bei den Wurfgewichten spielen sowohl die Wurfgröße als auch das individuelle Jungtiergewicht eine wichtige Rolle, die je nach Zuchtgruppe und Umweltbedingungen stark variieren können. Wurfgewichte von null wurden bei der Analyse nicht mitberücksichtigt. Die Anzahl der Gesamtverluste, hier der Wurfgewichte von null, wurde bereits bei den Wurfgrößen beschrieben. Dabei sind im 1. Wurf, insbesondere bei der Geburt und beim Absetzen, Tiere der peruanischen Reinzuchtlinie betroffen, die einem erhöhten Krankheitsdruck ausgesetzt waren. Die Ergebnisse der Zuchtgruppenmittelwertvergleiche sind in der Tabelle 4.24 sowie in der Abbildung 4.14 dargestellt.

Nach den Ergebnissen der Varianzanalyse (siehe Anhang Tabelle A9a) sind sowohl der Zuchtgruppen- als auch der Jahr-Saison-Effekt in beiden Würfen vom Wurfgewicht bei der Geburt bis zum Absetzen hochsignifikant. Das Ausmaß des Zuchtgruppeneffekts gemessen in phänotypischen Standardabweichungen variiert im1. Wurf zwischen 1.1 und 1.35 SD, im zweiten ist es mit 0.9 bis 1.1 SD etwas niedriger. Die Spannweite zwischen günstigster und ungünstigster Jahreszeit ist mit 1.1 SD im 1. Wurf beim Wurfgeburtsgewicht am höchsten und im 2. Wurf mit 0.7 SD im selben Merkmal am niedrigsten.

Das Bestimmtheitsmaß im 1. Wurf, das von 23.5% beim Wurfgeburtsgewicht auf 12.2% beim Wurfgewicht beim Absetzen abnimmt, entspricht in etwa dem der Wurfgröße. Im 2. Wurf ist es beim Wurfabsetzgewicht (23.2%) am höchsten, beim Wurfgewicht bei der Geburt liegt es bei 19.2% und ist damit mehr als doppelt so hoch wie bei der entsprechenden Analyse der Wurfgröße.

Bei den LS-Zuchtgruppenmittelwerte ist in beiden Würfen die Tendenz zu höheren Wurfgewichten mit zunehmendem peruanischen Genanteil der Muttertiere zu erkennen.

Beim Wurfgewicht bei der Geburt nehmen im 1. Wurf die mit F1-Böcken verpaarten bolivianischen Zuchtweibchen (F1xBB) den untersten Rang von 231 g ein. Auf gleicher Ebene liegen nur noch die dazu reziproke Anpaarung BBxF1 (264 g), PPxBB (267 g) sowie PPxRot2B (270 g). Die höchsten Wurfgewichte (355 g) werden von der peruanischen Reinzuchtlinie erreicht. Lediglich die Zuchtgruppe F1xPP (326 g) unterscheidet sich nicht signifikant davon. Trotz ähnlichen Genotyps sind deutliche Unterschiede im Wurfgeburtsgewicht zwischen den beiden Rotationsgenerationen zu erkennen.

Im 2. Wurf sind es fast genau dieselben Zuchtgruppen, die die höchsten und niedrigsten Positionen einnehmen: Auf der unteren Ebene sind es die mit peruanischen Böcken verpaarten bolivianischen Weibchen (PPxBB: 250 g), F1xBB (261 g), die bolivianische Reinzuchtlinie (273 g) sowie PPxRot2B (277 g), auf der oberen wiederum die peruanische Reinzuchtlinie (359 g) zusammen mit F1xPP (348 g).

Beim Wurfabsetzgewicht im 1. Wurf gibt es nur eine Zuchtgruppe, die sich deutlich von den anderen abhebt, und zwar F1xBB mit dem niedrigsten Wurfabsetzgewicht von 379 g. Das höchste wird von der peruanischen Reinzuchtlinie mit 551 g erreicht, wobei F1xPP (516 g), F1xF1 (514 g), BBxRot1P (513 g), PPxRot1B (511 g) und PPxF1 (492 g) sich nicht signifikant davon unterscheiden. Im 2. Wurf entsprechen die Ränge in etwa dem des Wurfgeburtsgewichtes: Die peruanische Reinzuchtlinie (624 g) und die F1xPP (606 g) erzielen die höchsten Wurfabsetzgewichte; die Zuchtgruppen PPxBB (455 g), BBxBB (466 g), F1xBB (468 g), PPxRot2B (478 g), PPxRot1B (497 g) und BBxRot1P (501 g) nehmen die untersten Ränge ein.


201

Die Zuchtgruppendifferenzen bei den Wurfgewichten von der Geburt bis zum Absetzen scheinen im wesentlichen durch das Jungtiergewicht bestimmt zu sein, was durch die hohen Wurfgewichte peruanischer Muttertiere zum Ausdruck kommt. Die Zuchtgruppe BBxPP, die einen mittleren bis unteren Rang einnimmt, ist dabei eine Ausnahme. Die sehr niedrigen Wurfgrößen werfen sie trotz höchster Jungtiergewichte bei Geburt und Absetzen im Rang zurück.

Die bolivianische Reinzuchtlinie, die sich zwar in den unteren Rängen befindet, nimmt nicht mehr den letzten Platz ein wie bei den Jungtiergewichten. Je nach Merkmal und Wurfnummer hingegen steigt sie um ein paar Ränge, bedingt durch eine vergleichsweise hohe Wurfgöße. Der Unterschied zur peruanischen Reinzuchtlinie, die wie bei den Jungtiergewichten sowohl bei der Geburt als auch beim Absetzen den höchsten Rang einnimmt, ist immer signifikant.

Tab. 4.24: LS-Zuchtgruppenmittelwerte und Standardfehler für das Wurfgewicht bei der Geburt und beim Absetzen.
Table 4.24: LS breeding group means and standard errors for litter weight at birth and weaning

Zucht-

Wurfgewicht bei der Geburt

Wurfgewicht beim Absetzen

gruppe

1. Wurf

2. Wurf

1. Wurf

2. Wurf


LSM

S.E.


LSM

S.E.


LSM

S.E.


LSM

S.E.


BBxBB

275.6

7.2

bc

272.9

7.7

ab

469.2

19.7

b

465.7

14.5

a

F1xBB

230.7

14.9

a

261.0

15.7

abc

378.9

13.0

b

468.2

30.3

ab

BBxF1

263.9

14.2

ab

319.2

15.4

def

464.2

25.6

b

582.2

29.2

def

BBxRot1P

322.4

10.7

fh

288.5

10.2

bcd

513.1

14.5

c

501.3

19.3

abc

BBxRot2P

282.9

11.4

bcde

299.1

13.4

bcde

470.7

19.4

bc

521.7

25.6

abcd

PPxBB

266.6

11.6

abc

250.2

11.7

a

481.7

21.4

bc

454.8

22.3

a

F1xF1

289.2

11.8

bcdef

315.6

12.8

de

514.3

19.3

bc

600.6

24.5

ef

SYNxSYN

300.2

8.0

deg

298.7

8.3

cd

504.0

21.6

b

519.5

15.7

bcd

BBxPP

280.4

10.8

bcd

330.9

11.7

ef

479.9

26.9

a

559.5

22.4

de

PPxRot2B

270.1

12.1

abc

276.9

13.8

abcd

476.2

20.8

b

477.9

26.2

ab

PPxRot1B

310.2

10.6

efgh

284.1

10.0

bcd

511.3

26.4

bc

497.4

19.1

abc

PPxF1

302.7

14.6

cdefgh

315.4

15.5

def

492.3

25.8

bc

564.0

29.2

cdef

F1xPP

326.3

14.1

ghi

347.8

15.4

fg

516.4

22.4

b

606.0

29.2

ef

PPxPP

355.0

7.9

i

359.3

7.8

g

550.8

14.6

b

624.3

14.8

f

Werte mit unterschiedlichem Buchstaben innerhalb Spalte unterscheiden sich signifikant (p<0.083)

Erläuterung der Zuchtgruppen, siehe Tab. 3.3; Stichprobenumfang je Zuchtgruppe und Merkmal, siehe Tab. 3.20


202

Abb. 4.14: Wurfgewichtsentwicklung von der Geburt bis zum Absetzen im Vergleich der Zuchtgruppen (LS-Mittelwerte).
Figure 4.14: Breeding group comparison for litter weight at birth and weaning (LS means)

1. Wurf

2. Wurf


203

4.3.5.4. LS-Kreuzungsparameterschätzung für die Wurfgewichtsentwicklung von der Geburt bis zum Absetzen

Die geschätzten Kreuzungsparameter, die in der Tabelle 4.25 absolut und in der Abbildung 4.15 in % dargestellt sind, ergeben im Bild eine Kombination der geschätzten Kreuzungsparameter für die Jungtiergewichte und die Wurfgrößen im jeweiligen Entwicklungsstadium.

Beim Wurfgewicht bei der Geburt herrschen im 1. Wurf positive Linienunterschiede vor, sowohl auf der Nachkommen- als auch auf individueller Ebene, mit einem Ausmaß von jeweils 14 bis 15%. Die Dominanzeffekte auf der Ebene der Nachkommen sind - wie bei der Wurfgröße - negativ. Im 2. Wurf haben sich die positiven Linienunterschiede der Nachkommengewichte durch die negativen der Wurfgröße kompensiert und sind nicht signifikant. Die individuellen Liniendifferenzen sind mit 27.5% von größter Bedeutung. Negative Dominanzeffekte auf der Nachkommenebene sind nur nach dem Dickerson-Modell signifikant.

Am Ende der Aufzuchtphase sind beim Wurfgewicht im 1. Wurf immer noch die Linienunterschiede auf individueller (11.4%) und der Nachkommenebene (7.3%) dominierend. Der negative Dominanzeffekt ist nur nach dem Dickerson-Modell signifikant bei einem Ausmaß von -10.2%. Beim 2. Wurf ist eine ähnliche Tendenz festzustellen, wobei den Linienunterschieden der individuellen Ebene eine deutlich größere Bedeutung zukommt. Sie erreichen ein Ausmaß von ca. 25%. Differenzen auf der Nachkommenebene (8.1%) sind nur andeutungsweise vorhanden (p=0.832). Negative Dominanzeffekte (-11%) sind wiederum nur nach dem Dickerson-Modell signifikant, nach dem Jakubec-Modell aa liegt die Irrtumswahrscheinlichkeit bei 7.3%.

Insgesamt kann festgehalten werden, dass die additiven Effekte bei den Wurfgewichten die dominierenden sind, wobei je nach Umweltbedingungen der Ebene der Nachkommen und / oder der individuellen mehr oder weniger Bedeutung zukommt. Das heißt: je höher der peruanische Genanteil der Mütter und / oder der Nachkommen, desto höher das Wurfgewicht. Negative Dominanzeffekte, die auf die Komponente der Wurfgröße zurückzuführen sind, deuten sich an. Es könnte sich dabei um eine Art Inkompatibilität bei der Verpaarung der in der Körpergröße extrem unterschiedlichen Linien handeln, wenn dieser Effekt nicht durch ein Artefakt zustande gekommen ist.


204

Tab. 4.25: LS-Kreuzungsparameter und Standardfehler für Wurfgewichtsmerkmale.
Table 4.25: LS crossbreeding parameter estimates and standard errors for litter weight at birth and weaning

Kreuzungs-

Wurfgewicht bei der Geburt (g)

Wurfgewicht beim Absetzen (g)

parameter

1.Wurf

2.Wurf

1.Wurf

2.Wurf

LSM BBxBB

275.6

S.E.

272.9

S.E.

469.2

S.E.

465.7

S.E.

gnkD

gnkJAaa

gnkJAdd

39.8

39.8

39.8

10.6***

10.6***

10.6***

12.8

12.8

12.8

11.3

11.3

11.3

53.6

53.6

54.0

19.3**

19.3**

19.3**

37.5

37.5

37.5

21.6+

21.6+

21.7+

hnkD

dnkJAaa

dnkJAdd

-54.5

-48.5

-46.7

11.4***

19.3*

26.4+

-30.2

-33.0

-25.8

9.5**

21.1

29.2

-47.7

-54.1

-33.2

20.8*

35.1

48.1

-50.5

-72.1

-55.5

18.3**

40.2+

55.8

rnkD

aankJAaa

ddnkJAdd

-6.1

-12.1

-7.6

17.6

35.2

25.5

2.8

5.6

-4.4

18.9

37.8

27.2

6.5

12.9

-16.0

31.8

63.6

46.2

21.6

43.3

4.88

36.0

72.0

51.9

giD

giJAaa

giJAdd

41.3

41.3

41.3

8.9***

8.9***

8.9***

75.1

75.1

75.1

9.9***

9.9***

9.9***

34.2

34.2

34.4

16.2*

16.2*

16.2*

117.8

117.8

117.9

18.9***

18.9***

18.9***

hiD

diJAaa

diJAdd

11.0

11.0

11.1

8.5

8.5

9.1

0.2

0.2

2.0

9.2

9.2

9.9

21.1

21.1

26.4

15.3

15.3

16.5

16.5

16.5

21.4

17.5

17.5

18.8

+: 0.05 le p < 0.10; *: 0.01 le p < 0.05; **: 0.001 le p < 0.01; ***: p<0.001

Erläuterung der Kreuzungsparameter, siehe Punkt 3.5


205

Abb. 4.15: Kreuzungsparameter für das Wurfgewicht bei der Geburt und beim Absetzen in % des LS-Mittelwerts der bolivianischen Reinzuchtlinie.
Figure 4.15: Crossbreeding parameter estimates for litter weight at birth and weaning in % of the LS mean of the Bolivian line
nur signifikante (p<0.05) Schätzwerte; D: Dickerson-Modell; JAaa: Jakubec-Modell aa; JAdd: Jakubec-Modell dd (siehe Punkt 3.5)

Wurfgewicht bei der Geburt und beim Absetzen


206

4.4. Kriterien der Gesamtproduktivität

Als Kriterien der Gesamtproduktivität werden die Anzahl und das Gesamtgewicht der Nachkommen bezogen auf das Muttertier und das metabolische Körpergewicht der Mutter im ersten Produktionshalbjahr betrachtet (siehe Punkt 3.4.2). Wichtige Leistungsdaten wie Fertilität und Überlebensrate auf der Ebene der Eltern und Nachkommengeneration sowie die Wurffrequenz sind im wesentlichen dabei mitberücksichtigt. Jedoch werden auch hier bei der Analyse nur Tiere mit einer Gesamtleistung, die größer als null ist, erfasst. Ergänzend dazu erfolgt daher eine Angabe über Anzahl und Zuchtgruppenzugehörigkeit der davon betroffenen Fälle. Die Wurffrequenz wird in Form der Anzahl Würfe pro Muttertier und Halbjahr gesondert dargestellt. Schließlich sei noch darauf verwiesen, dass beim Kreuzungsexperiment II 27 Tiere von der Analyse ausgeschlossen werden mussten, da bei diesen der 1. Wurf nicht erfasst worden war. Davon betroffen sind insbesondere die Rückkreuzungsgruppen und die F1xF1 mit jeweils 2 bis 5 Tieren.

4.4.1. Verteilungsprofile

Bei den Verteilungsprofilen, die in der Abbildung 4.16 dargestellt sind, fällt bei den Wurfgrößenkriterien ein Unterschied zwischen den Bezugsebenen auf: Die Verteilungen der auf das Muttertiere bezogenen Nachkommenzahl laufen sehr spitz zu, d.h. die mittlere Klasse - hier die Tiere mit insgesamt 6 bis 7 Nachkommen (mehr als 20%) - ist besonders häufig vertreten. Ebenso ist ein deutlicher Abfall in der Häufigkeit bei Nachkommenzahlen unter 5 und über 8 festzustellen. Die Verteilung der auf das metabolische Muttergewicht bezogenen Nachkommenzahl verläuft relativ gleichmäßig und entspricht weitestgehend der Kurve der Normalverteilung.

Im ersten Produktionshalbjahr werden pro weibliches Zuchttier im Durchschnitt 6.5 Jungtiere geboren, wobei die Spannweite von 1 bis 14 reicht. Bezogen auf das metabolische Körpergewicht ist das Spektrum (0.9 bis 18 Nachkommen) etwas weiter, was hauptsächlich auf die im Gewicht sehr unterschliedlichen Reinzuchtlinien zurückzuführen sein dürfte. Der Mittelwert liegt bei 7.7 Nachkommen (SD: 2.94). Die Anzahl lebend geborener Jungtiere ist im Durchschnitt um 0.2 geringer als die der gesamt geborenen, sowohl bezogen auf das Muttertier als auch auf das metabolische Körpergewicht. Der Anteil von Gesamtverlusten, der hier nicht mitberücksichtigt ist, liegt bei 0.27%.

Beim Absetzen ist die Anzahl der Nachkommen im Vergleich zu den lebend geborenen um 0.43 bezogen auf das Muttertier (: 5.88; SD: 2.21) bzw. um 0.53 bezogen auf das metablische Körpergewicht (: 6.95; SD: 2.86) zurückgegangen. Der Anteil der auf Grund von Gesamtverlusten nicht berücksichtigten Tiere liegt - bezogen auf die Anzahl der Tiere mit lebend geborenen Nachkommen - bei 1.15%.

Die Anzahl der ausgemästeten Nachkommen im ersten Produktionshalbjahr beträgt im Durchschnitt 5.58 (SD: 2.17) pro Muttertier bzw. 6.65 (SD: 2.82) pro metabolisches Muttergewicht. Gesamtverluste nach dem Absetzen sind mit einer Häufigkeit von 0.6% sehr gering.

Bei den Gesamtgewichten sind die Verteilungsprofile bezogen auf das Muttertier und auf das metabolische Muttergewicht sehr ähnlich. Die absolute Spannweite beider Bezugsebenen ist in etwa vergleichbar, Mittelwerte und Standardabweichungen sind jedoch beim Bezug auf das metabolische Körpergewicht höher.


207

Das Gesamtgewicht im ersten Produktionshalbjahr der lebend geborenen Jungtiere pro Muttertier beträgt im Durchschnitt 686 g (SD: 227.5 g) und liegt beim Absetzen (1127.7 g; SD: 410.1 g) um 60 bis 70% darüber. Das Gesamtgewicht am Mastende (3201.1 g; SD: 1286.8 g) hat sich gegenüber dem Gewicht der abgesetzten Nachkommen - wie bei den Einzelwurfgewichten - in etwa verdreifacht und gegenüber dem der geborenen Nachkommen fast verfünffacht. Bei den auf das metabolische Körpergewicht bezogenen Gewichte stimmt diese Proportionalität überein.

Abb. 4.16: Verteilungsprofile von Kriterien der Gesamtproduktivität.
Figure 4.16: Distribution profiles for productivity traits


208

Abb. 4.16: Fortsetzung.
Figure 4.16: continued


209

Abb. 4.16: Fortsetzung.
Figure 4.16: continued


210

4.4.2. Schätzung von Zuchtgruppenmittelwerten und Kreuzungsparametern für Hilfskriterien der Gesamtproduktivität: Muttergewicht

Das Muttergewicht ist ein Kriterium, das neben den besprochenen Merkmalen der Reproduktionsleistung eine wichtige Rolle spielt. Es ist insofern von Bedeutung, da es die Fütterungskosten auf der Ebene der Zuchttiere repräsentiert. Um den Erhaltungsbedarf zwischen den in der Körpergröße und im Körpergewicht sehr unterschiedlichen Zuchtgruppen vergleichbar zu machen, wird das Muttergewicht in Form des metabolischen Körpergewichts berechnet. Das metabolische Körpergewicht stellt beim Gesamtproduktivitätsvergleich die Bezugsgröße dar.

4.4.2.1. LS-Zuchtgruppenmittelwertvergleich und Kreuzungsparameterschätzung für das Muttergewicht und das metabolische Muttergewicht

Die Ergebnisse der Varianzanalyse und des Zuchtgruppenmittelwertvergleiches für das Muttergewicht und das metabolische Muttergewicht sind nahezu identisch. Die Effekte Zuchtgruppe und Jahr-Saison sind hochsignifikant, das Bestimmtheitsmaß von ca. 68.5% ist recht hoch (siehe Anhang Tab. A10). Zur besseren Vergleichbarkeit der Mittelwerte wurde das metabolische Körpergewicht mit 1000 multipliziert. Das mittlere Muttergewicht liegt bei 836.8 g (SD: 183.8 g); das mittlere metabolische Muttergewicht bei 871.0 kg*1000/kg0.75 (SD: 143.1).

Tab. 4.26 LS-Zuchtgruppenmittelwerte und Standardfehler für das Muttergewicht und das metabolische Muttergewicht.
Table 4.26: LS breeding group means and standard errors for dam weight and metabolic dam weight

Zucht-gruppe

n

Muttergewicht [g]

Metabolisches Muttergewicht [kg0.75*1000]



LSM

S.E.


LSM

S.E.


BB

323

638.3

6.5

a

713.4

5.0

a

Rot2B

92

738.6

15.7

b

794.5

12.2

b

Rot1B

109

767.3

12.2

b

818.3

9.4

b

PB

98

843.2

13.0

cd

876.9

10.1

c

SYN

203

830.5

9.4

c

868.4

7.3

c

BP

76

881.6

14.1

e

907.6

11.0

d

Rot1P

110

884.5

12.1

e

910.9

9.4

d

Rot2P

96

884.2

14.4

de

911.1

11.1

d

PP

370

1040.1

6.7

f

1028.3

5.2

e

Werte mit unterschiedlichem Buchstaben innerhalb Spalte unterscheiden sich signifikant (p<0.05)

Die Spannweite der Zuchtgruppenmittelwerte, die in der Tabelle 4.26 und Abbildung 4.17 dargestellt sind, wird durch die beiden Reinzuchtlinien begrenzt. Der Unterschied zwischen der bolivianischen und der peruanischen Linie entspricht sowohl beim Muttergewicht als auch beim metabolischen 2.2 phänotypischen Standardabweichungen. Bei den Kreuzungsgruppen ist eine deutliche Gewichtszunahme mit zunehmendem peruanischen Genanteil zu erkennen. Eine Ausnahme bildet die Zuchtgruppe BP, d.h. die F1 mit peruanischer Mutter, deren peruanischer Genanteil bei 50% liegt, das Gewicht jedoch dem der peruanischen Rotation (62.5-68.75% peruanischer Genanteil) entspricht.


211

Abb. 4.17: Muttergewicht und metabolisches Muttergewicht im Vergleich der Zuchtgruppen (LS-Mittelwerte).
Figure 4.17: Breeding group comparison for dam weight and metabolic dam weight (LS means)

Bei der Schätzung der Kreuzungsparameter (siehe Tab. 4.27 und Abb. 4.18) stellen die individuellen Linienunterschiede die bedeutendsten Effekte dar, mit einem Ausmaß von 61% des LS-Zuchtgruppenwertes der bolivianischen Reinzuchtlinie beim Muttergewicht und von 43% beim metabolischen. An zweiter Stelle stehen die negativen Dominanzeffekte auf maternaler Ebene, die nach allen drei Modellen sowohl beim Muttergewicht (-10 bis -11%) als auch beim metabolischen (-7.0 bis -7.7%) ein Signifikanzniveau von weniger als 1% erreichen. Individuelle Dominanzeffekte erreichen nur beim Muttergewicht und nach dem Dickerson-Modell eine Irrtumswahrscheinlichkeit von weniger als 10%. Weitere Kreuzungseffekte können nicht nachgewiesen werden.

Während die individuellen Linienunterschiede offensichtlich und plausibel sind, erscheinen die negativen Dominanzeffekte auf maternaler Ebene fragwürdig, angesichts der Tatsache, dass es sich um ein Gewichtsmerkmal in einem Alter handelt, wo maternale Einflüsse und nicht-additive Effekte in der Regel keine Rolle spielen. Nicht erfassbare Umwelteffekte die mit den Zuchtgruppeneffekten vermengt auftreten, z.B. ein unterschiedliches Alter bei der ersten Anpaarung, könnten eine Rolle spielen.


212

Tab. 4.27: LS-Kreuzungsparameter und Standardfehler für das Muttergewicht [g] und das metabolische Muttergewicht [kg0.75*1000].
Table 4.27: LS crossbreeding parameter estimates and standard errors for dam weight [g] and metabolic dam weight [kg0.75*1000].

Kreuzungs-parameter

Muttergewicht

Metabolisches Muttergewicht

LSM BB

638.3

S.E.

713.4

S.E.

giD

giJAaa

giJAdd

390.7

390.7

390.7

14.0***

14.0***

14.0***

306.8

306.8

306.8

10.9***

10.9***

10.9***

hiD

diJAaa

diJAdd

21.2

-4.9

-20.4

10.9+

27.5

42.2

19.9

-4.8

-19.6

8.5

21.3

32.8

riD

aaiJAaa

ddiJAdd

26.1

52.2

41.5

25.7

51.4

41.2

24.7

49.4

39.4

20.0

39.9

31.9

gmD

gmJAaa

gmJAdd

13.3

13.3

13.3

12.2

12.2

12.2

10.2

10.2

10.2

9.5

9.5

9.5

hmD

dmJAaa

dmJAdd

-65.5

-65.5

-70.6

23.7**

23.7**

26.7**

-49.9

-49.9

-54.7

18.4**

18.4**

20.4**

n= 1477; +: 0.05 le p < 0.10; *: 0.01 le p < 0.05; **: 0.001 le p < 0.01; ***: p<0.001

Abb. 4.18: Kreuzungsparameter für das Muttergewicht und das metabolisches Muttergewicht in % des LS-Mittelwerts der bolivianischen Reinzuchtlinie.
Figure 4.18: Crossbreeding parameter estimates for dam weight and metabolic dam weight in % of the LS mean of the Bolivian line
nur signifikante (p<0.05) Schätzwerte; D: Dickerson-Modell; JAaa: Jakubec-Modell aa; JAdd: Jakubec-Modell dd; (siehe Punkt 3.5)


213

4.4.3. Schätzung von LS-Zuchtgruppenmittelwerten und Kreuzungsparametern für Kriterien der Gesamtproduktivität: Anzahl und Gesamtgewicht der Nachkommen von der Geburt bis 84 Tage post partum

Ein Zuchtgruppenvergleich der Gesamtproduktivitätskriterien birgt bereits einen Vergleich von Zuchtsystemen in sich, da die verschiedenen Zuchtgruppen bereits diese Systeme oder Teilsysteme verkörpern. Insofern ist die folgende Analyse ein wichtiger Anhaltspunkt für die Beurteilung der Effizienz der verschiedenen Zuchtsysteme unter den gegebenen Umwelt- und Managementbedingungen.

4.4.3.1. LS-Zuchtgruppenmittelwertvergleiche für die Anzahl Nachkommen pro Muttertier und pro metabolisches Muttergewicht im ersten Produktionshalbjahr

Nach den Ergebnissen der Varianzanalyse (siehe Anhang A10) ist der Effekt der Zuchtgruppe für die Anzahl der Nachkommen von der Geburt bis zum Mastende bezogen auf das Muttertiere und auf das metabolische Muttergewicht hochsignifikant. Der Jahr-Saison-Effekt ist nur für die Nachkommenzahl pro metabolisches Körpergewicht bei der Geburt nicht signifikant. Das Bestimmtheitsmaß für die auf das Muttertier bezogenen Nachkommenzahl ist sehr niedrig und variiert zwischen 7% (Anzahl gesamt geborene Nachkommen) und 8.1% (Anzahl abgesetzte). Durch den Bezug auf das metabolische Körpergewicht erhöht sich das Bestimmtheitsmaß um mehr als das dreifache auf 23.8% (Anzahl lebend geborene Nachkommen) bis 25.4% (Anzahl gesamt geborene).

Die Tiere mit Gesamtverlusten, d.h. Tiere, die Nachkommen geboren haben, von denen keines die jeweilige Entwicklungsphase überlebt hat, sind bei der Varianzanalyse nicht mitberücksichtigt. Solche Verluste sind eher Ausnahmefälle. Es wurden 4 Muttertiere ohne lebende Nachkommen beobachtet, die alle der peruanischen Reinzuchtlinie angehören und ihren 1. Wurf in den Monaten April bis Mai 1993 hatten, d.h. in der Jahreszeit des erhöhten Krankheitsdruckes. Von den Gesamtverlusten bis zum Absetzen sind 17 Muttertiere betroffen. Es handelt sich dabei vornehmlich um Mütter der peruanischen Reinzuchtlinie (11), von denen 8 in der genannten kritischen Jahreszeit ihren Wurf hatten. Es sind in der Regel sehr geschwächte Muttertiere, die während oder kurz nach der Aufzucht des 1. Wurf sterben. Verschiedene andere Zuchtgruppen sind in geringerem Maße davon betroffen: PPxBB (3), F1xF1 (1), PPxRot2B (1), SYNxSYN (1). Die Gesamtverluste nach dem Absetzen (9) sind wiederum bei der peruanischen Reinzuchtlinie (7) am höchsten, von denen 5 erste Würfe in die Monate erhöhten Krankheitsdruck fallen. Weiterhin betroffen sind die Zuchtgruppen BBxF1 (1) und BBxRot1P (1).

Der Vergleich der Zuchtgruppenmittelwerte, die in der Tabelle 4.28 und Abbildung 4.19 dargestellt sind, zeigt eine deutliche Überlegenheit der bolivianischen Reinzuchtlinie in der Nachkommenzahl von der Geburt bis zum Mastende gegenüber der peruanischen sowohl beim Bezug auf das Muttertier (ca. 0.6 phänotypische Standardabweichungen) und in noch stärkerem Maße beim Bezug auf das metabolische Körpergewicht (ca. 1.4 SD). Die Anpaarungen zur reziproken F1 entsprechen den beiden Reinzuchtlinien insofern, als bolivianische Mütter, die mit peruanischen Böcken angepaart werden, mit die höchsten Nachkommenzahlen erreichen, dagegen peruanische Mütter, angepaart mit bolivianischen Böcken, den niedrigsten Nachkommenumfang aufweisen.

Die Rotationsgruppen und die Synthetics nehmen eine mittlere Position ein. Es können keine Unterschiede in der Nachkommenzahl weder bezogen auf das Muttertier noch auf das metabolische Körpergewicht von der Geburt bis zum Mastende festgestellt werden. Die absolute Nachkommenzahl von RotP-Müttern ist in der Tendenz höher als die der RotB-Mütter. Jedoch sind die Schätzwerte zu ungenau, als dass sich ein signifikanter Unterschied ergäbe. Daher ergibt sich


214

auch beim Bezug auf das metabolische Körpergewicht, das bei den RotP-Müttern deutlich höher ist, (siehe Punkt 4.4.2.1) kein signifikanter Unterschied.

Auch zwischen den Synthetics und der F1xF1 sind weder beim Bezug auf das Muttertier noch beim Bezug auf das metabolische Körpergewicht Unterschiede in der Nachkommenzahl von der Geburt bis zum Mastende festzustellen. Die Schätzwerte der F1xF1 sind jedoch relativ ungenau mit einer nach unten gerichteten Tendenz.

Was die Rückkreuzungsgruppen betrifft, so ist der Stichprobenumfang zu niedrig, um eine gesicherte Aussage treffen zu können. An Hand der Schätzwerte, bezogen auf das Muttertier, ist zwischen diesen einzelnen Zuchtgruppen kein Unterschied statistisch nachweisbar. Mit dem Bezug auf das Muttergewicht sind die bolivianischen Mütter, die mit einem F1-Bock angepaart werden, den ebenfalls mit einem F1-Bock angepaarten peruanischen Müttern deutlich überlegen. Zwischen F1-Müttern, die mit einem bolivianischen oder peruanischen Bock angepaart wurden, besteht kein Unterschied. Sie nehmen eine Mittelstellung ein und unterscheiden sich sowohl von den Rückkreuzungen mit bolivianischen Müttern als auch von denen mit peruanischen Müttern signifikant.

Den Ergebnissen der Zuchtgruppenmittelwerte zufolge stellen die bolivianische Reinzuchtlinie zusammen mit einer Gebrauchskreuzung von peruanischen Böcken mit bolivianischen Müttern sowohl mit Bezug auf das Muttertier als auch mit Bezug auf das metabolische Körpergewicht unter den gegebenen Umwelt- und Managementbedingungen die erfolgversprechendsten Zuchtsysteme hinsichtlich der Nachkommenzahl dar. Mit Bezug auf das Muttertier erreichen die Synthetics vergleichbare Nachkommenzahlen.


215

Tab. 4.28: LS-Zuchtgruppenmittelwerte und Standardfehler für Gesamtleistungs-kriterien: Anzahl Nachkommen pro Muttertier sowie pro metabolisches Muttergewicht im ersten Produktionshalbjahr von der Geburt bis 84 Tage post partum.
Table 4.28: LS breeding group means and standard errors for number of progeny per dam and per metabolic dam weight in the first half year of production from birth to 84 days post partum

Zucht-

Anzahl geborener Jungtiere

Anzahl lebend geborener Jungtiere

gruppe

pro Muttertier und Halbjahr

pro metabolisches Muttergewicht und Halbjahr

pro Muttertier und Halbjahr

pro metabolisches Muttergewicht und Halbjahr


LSM

S.E.


LSM

S.E.


LSM

S.E.


LSM

S.E.


BBxBB

7.32

0.19

d

10.11

0.23

g

7.11

0.19

d

9.82

0.23

e

F1xBB

6.22

0.39

abc

8.89

0.47

ef

6.14

0.39

abc

8.77

0.47

de

BBxF1

6.51

0.38

abcd

7.41

0.45

bcd

6.41

0.38

abcd

7.29

0.45

bc

BBxRot1P

6.71

0.28

bcd

7.39

0.34

bc

6.58

0.28

cd

7.24

0.34

bc

BBxRot2P

6.65

0.30

bcd

7.29

0.36

bc

6.50

0.30

bcd

7.14

0.36

bc

PPxBB

6.56

0.31

bcd

9.57

0.37

fg

6.42

0.31

bcd

9.38

0.37

e

F1xF1

6.43

0.32

abc

7.38

0.37

bcd

6.26

0.32

abc

7.18

0.38

bc

SYNxSYN

6.99

0.21

cd

8.14

0.26

de

6.69

0.21

cd

7.76

0.26

cd

BBxPP

5.70

0.29

a

5.63

0.34

a

5.57

0.29

a

5.48

0.34

a

PPxRot2B

6.34

0.33

ab

8.03

0.39

cde

6.24

0.33

abc

7.88

0.40

cd

PPxRot1B

6.37

0.28

ab

7.81

0.34

cde

6.14

0.28

abc

7.53

0.34

c

PPxF1

6.49

0.39

abcd

7.56

0.46

cd

6.43

0.39

abcd

7.50

0.46

c

F1xPP

6.47

0.38

abcd

6.49

0.45

ab

6.32

0.38

abcd

6.34

0.45

ab

PPxPP

5.95

0.21

ab

5.82

0.25

a

5.74

0.21

ab

5.62

0.25

a

Werte mit unterschiedlichem Buchstaben innerhalb Spalte unterscheiden sich signifikant (p<0.05);


216

Tab. 4.28: Fortsetzung.
Table 4.28: continued

Zucht-

Anzahl abgesetzter Jungtiere

Anzahl ausgemästeter Nachkommen

gruppe

pro Muttertier und Halbjahr

Pro metabolisches Muttergewicht und Halbjahr

pro Muttertier und Halbjahr

pro metabolisches Muttergewicht und Halbjahr


LSM

S.E.


LSM

S.E.


LSM

S.E.


LSM

S.E.


BBxBB

6.66

0.19

d

9.19

0.22

f

6.42

0.19

d

8.84

0.22

fg

F1xBB

5.82

0.39

abcd

8.28

0.46

ef

5.64

0.39

abcd

8.00

0.45

f

BBxF1

6.17

0.38

bcd

7.02

0.44

cd

6.06

0.37

bcd

6.92

0.44

de

BBxRot1P

6.19

0.28

cd

6.82

0.33

bcd

5.76

0.28

bcd

6.34

0.33

bcd

BBxRot2P

5.86

0.30

abc

6.41

0.35

bc

5.50

0.30

abc

6.00

0.35

bd

PPxBB

6.38

0.32

cd

9.22

0.38

f

6.15

0.32

cd

8.89

0.38

fg

F1xF1

5.93

0.32

abcd

6.81

0.37

cd

5.61

0.31

abc

6.46

0.37

bcd

SYNxSYN

6.15

0.21

cd

7.10

0.25

d

5.68

0.22

bc

6.55

0.25

bcd

BBxPP

5.25

0.28

ab

5.24

0.33

a

4.99

0.28

a

4.97

0.33

a

PPxRot2B

5.76

0.33

abc

7.24

0.39

de

5.38

0.33

abc

6.79

0.39

cef

PPxRot1B

5.78

0.28

abc

7.08

0.33

cd

5.39

0.28

ab

6.61

0.34

bcd

PPxF1

6.03

0.39

abcd

7.04

0.45

cd

5.93

0.38

bcd

6.94

0.45

de

F1xPP

5.72

0.37

abc

5.73

0.44

ab

5.58

0.37

abcd

5.64

0.43

abc

PPxPP

5.25

0.21

a

5.15

0.25

a

4.87

0.22

a

4.83

0.26

a

Werte mit unterschiedlichem Buchstaben innerhalb Spalte unterscheiden sich signifikant (p<0.05); Erläuterung der Zuchtgruppen, siehe Tab. 3.3; Stichprobenumfang je Zuchtgruppe und Merkmal siehe Tab. 3.21


217

Abb. 4.19: Anzahl Nachkommen pro Muttertier sowie pro metabolisches Muttergewicht im ersten Produktionshalbjahr von der Geburt bis 84 Tage post partum (Mastende) im Vergleich der Zuchtgruppen (LS-Mittelwerte).
Figure 4.19: Breeding group comparison for number of progeny per dam and per metabolic dam weight in the first half year of production from birth to 84 days post partum (LS means)

pro Muttertier und Halbjahr

pro metabolisches Muttergewicht und Halbjahr


218

4.4.3.2. LS-Kreuzungsparameter für die Anzahl Nachkommen pro Muttertier und pro metabolisches Muttergewicht im ersten Produktionshalbjahr

Bei den geschätzten Kreuzungsparametern für die Nachkommenzahlen, die in der Tabelle 4.29 und in der Abbildung 4.20 dargestellt sind, dominieren insgesamt die negativ gerichteten Linienunterschiede sowohl auf der Nachkommen- als auch auf individueller Ebene. Während beim Bezug auf das Muttertier der Ebene der Nachkommen besondere Bedeutung zukommt, so herrschen beim Bezug auf das metabolische Muttergewicht die Liniendifferenzen auf individueller Ebene vor.

Die Nachkommenzahlen bei der Geburt, insbesondere die Anzahl der gesamt geborenen, werden neben additiven Effekten auch von nicht-additiven bestimmt. Wie bereits bei den Wurfgrößen ist mit negativen Dominanzeffekten auf der Nachkommenebene zu rechnen. Bei der Anzahl der gesamt geborenen Jungtieren pro Muttertier sind sie nach allen drei genetischen Modellen signifikant mit einem Ausmaß von -8 (Dickerson-Modell) bis -27.7% (Jakubec-Modell dd). Bei den lebend geborenen sind sie nur im Bezug auf das Muttertier nach dem Jakubec-Modell signifikant. Epistatische Effekte auf der Nachkommenebene sind ebenso nur im Bezug auf das Muttertier und nur bei der Anzahl gesamt geborener Nachkommen deutlich von null verschieden und mit positivem Vorzeichen. Sie variieren zwischen 13.7% (Rekombinationsverluste) und 27.3% (Additiv x Additiv-Interaktionen) des LS-Zuchtgruppenmittelwertes für die bolivianische Reinzuchtlinie und kompensieren damit die negativen Dominanzeffekte.

Die Liniendifferenzen auf der Ebene der Nachkommen für sämtliche Nachkommenzahlen pro Muttertier von der Geburt bis zum Mastende sind relativ konstant und liegen zwischen -11% und -13%. Auf individueller Ebene sind sie erst beim Absetzen nachweisbar (-8.4%) und nehmen bis zum Mastende (-9.7%) leicht zu. Beim Bezug auf das metabolische Muttergewicht variieren die Linienunterschiede auf der Nachkommenebene für sämtliche Nachkommenzahlen zwischen -7.5 und -8%. Die individuellen Differenzen (-32.8%) sind bereits bei der Geburt hochsignifikant und um mehr als das 4-fache größer als die auf der Nachkommenebene. Auch sie nehmen bis zum Mastende noch etwas zu und liegen dort bei -36%. Die negativen Liniendifferenzen auf der Nachkommenebene bewegen sich beim Bezug auf das Muttertier und auf das metabolische Muttergewicht in etwa derselben Größenordung, d.h. mit zunehmendem peruanischen Genanteil der Nachkommen bzw. des Bockes ist mit einer Verringerung der Nachkommenzahl von bis zu 8 bis 13% gegenüber der bolivianischen Reinzuchtlinie zu rechnen.

Da die individuellen Linienunterschiede beim Bezug auf das Muttertier erst beim Absetzen auftreten, ist davon auszugehen, dass der Grund dafür in einer verminderten Aufzuchtleistung peruanischer Reinzuchtmütter liegt. Die Differenzen auf individueller Ebene beim Bezug auf das metabolische Muttergewicht sind im wesentlichen auf die deutlichen Gewichtsunterschiede der Mütter in den beiden Reinzuchtlinien zurückzuführen. Die negativen Dominanzeffekte auf der Nachkommenebene bei der Anzahl der geborenen Nachkommen wirft erneut die Frage auf, ob es eine Art Inkompatibilität im Paarungsverhalten oder in der Fortpflanzungsphysiologie bei der reziproken Anpaarung der beiden Reinzuchtlinien gibt. Bei der Anpaarung von bolivianischen Zuchtweibchen mit peruanischen Böcken wird dieser Effekt bei den LS-Zuchtgruppenmittelwerten - im Gegensatz zur reziproken Anpaarung - nicht offensichtlich.

Eine Optimierung der Zuchtsysteme nach den Kreuzungseffekten zeichnet unter den gegebenen Bedingungen sowohl beim Bezug auf das Muttertier als auch auf das metaboliche Muttergewicht eine Reinzucht mit der bolivianischen Linie als das optimale Zuchtverfahren bezüglich der Anzahl Nachkommen aus.


219

Tab. 4.29 LS-Kreuzungsparameter und Standardfehler für Gesamtleistungsmerkmale: Anzahl Nachkommen pro Muttertier und Halbjahr sowie pro metabolisches Muttergewicht und Halbjahr von der Geburt bis 84 Tage post partum.
Table 4.29: LS crossbreeding parameter estimates and standard errors for productivity traits: Number of progeny per dam and per metabolic dam weight in the first half year of production from birth to 84 days post partum

Kreu-zungs-

Anzahl geborener Jungtiere

Anzahl lebend geborener Jungtiere

Anzahl abgesetzter Jungtiere

Anzahl ausgemästeter Jungtiere

param.

pro Muttertier und Halbjahr

pro metab. Muttergewicht und Halbjahr

pro Muttertier und Halbjahr

pro metab. Muttergewicht und Halbjahr

pro Muttertier und Halbjahr

pro metab. Muttergewicht und Halbjahr

pro Muttertier und Halbjahr

pro metab. Muttergewicht und Halbjahr

BBxBB

7.32

S.E.

10.11

S.E.

7.11

S.E.

9.82

S.E.

6.66

S.E.

9.19

S.E.

6.42

S.E.

8.84

S.E.

gnkD

-0.85

0.28**

-0.77

0.33*

-0.87

0.28**

-0.78

0.33*

-0.77

0.28**

-0.69

0.33*

-0.83

0.28**

-0.70

0.33*

gnkJAaa

-0.85

0.28**

-0.77

0.33*

-0.87

0.28**

-0.78

0.33*

-0.77

0.28**

-0.69

0.33*

-0.83

0.28**

-0.70

0.33*

gnkJAdd

-0.86

0.28**

-0.78

0.33*

-0.87

0.28**

-0.78

0.33*

-0.77

0.28**

-0.69

0.33*

-0.83

0.28**

-0.70

0.33*

hnkD

-0.60

0.31*

-0.46

0.36

-0.49

0.31

-0.33

0.36

-0.28

0.31

-0.09

0.36

-0.20

0.30

-0.03

0.36

dnkJAaa

-1.60

0.51**

-1.34

0.60*

-1.17

0.51*

-0.80

0.61

-0.67

0.51

-0.19

0.60

-0.30

0.51

0.26

0.60

dnkJAdd

-2.03

0.70*

-1.71

0.83*

-1.50

0.70*

-1.05

0.83

-0.79

0.70

-0.16

0.82

-0.34

0.70

0.40

0.83

rnkD

1.00

0.46*

0.88

0.55

0.67

0.46

0.46

0.55

0.38

0.46

0.10

0.54

0.10

0.46

-0.29

0.54

aankJAaa

2.00

0.93*

1.77

1.10

1.34

0.93

0.93

1.10

0.77

0.92

0.19

1.08

0.20

0.92

-0.57

1.09

ddnkJAdd

1.40

0.68*

1.22

0.80

0.99

0.67

0.71

0.80

0.50

0.67

0.06

0.78

0.14

0.67

-0.42

0.79

giD

-0.36

0.23

-3.32

0.28***

-0.36

0.23

-3.25

0.28***

-0.56

0.24*

-3.26

0.28***

-0.62

0.24**

-3.19

0.28***

giJAaa

-0.36

0.23

-3.32

0.28***

-0.36

0.23

-3.25

0.28***

-0.56

0.24*

-3.26

0.28***

-0.62

0.24**

-3.19

0.28***

giJAdd

-0.37

0.23

-3.32

0.28***

-0.36

0.23

-3.25

0.28***

-0.56

0.24*

-3.26

0.28***

-0.62

0.24**

-3.19

0.28***

hiD

-0.09

0.22

-0.49

0.27

0.01

0.22

-0.36

0.27

0.07

0.22

-0.26

0.26

0.08

0.22

-0.22

0.26

diJAaa

-0.09

0.22

-0.49

0.27

0.01

0.22

-0.36

0.27

0.07

0.22

-0.26

0.26

0.08

0.22

-0.22

0.26

diJAdd

-0.14

0.24

-0.53

0.29

-0.04

0.24

-0.39

0.29

0.06

0.24

-0.25

0.28

0.08

0.24

-0.20

0.28

+: 0.05 le p < 0.10; *: 0.01 le p < 0.05; **: 0.001 le p < 0.01; ***: p<0.001; Erläuterung der Kreuzungsparameter, siehe Punkt 3.5


220

Abb. 4.20: Kreuzungsparameter für die Anzahl Nachkommen pro Muttertier bzw. metabolisches Muttergewicht im ersten Produktionshalbjahr von der Geburt bis 84 Tage post partum in % des LS-Mittelwerts der bolivianischen Reinzuchtlinie.
Figure 4.20: Crossbreeding parameter estimates for the number of progeny per dam and per metabolic dam weight in the first half year of production from birth to 84 days post partum in % of the LS mean of the Bolivian line
nur signifikante (p<0.05) Schätzwerte; D: Dickerson-Modell; JAaa: Jakubec-Modell aa; JAdd: Jakubec-Modell dd (siehe Punkt 3.5)

Anzahl Nachkommen


221

4.4.3.3. LS-Zuchtgruppenmittelwertvergleiche für das Gesamtgewicht der Nachkommen pro Muttertier und pro metabolisches Muttergewicht im ersten Produktionshalbjahr von der Geburt bis 84 Tage post partum

Das Gesamtgewicht der Nachkommen wird - wie die Nachkommenzahlen - im wesentlichen durch nicht erfassbare Umwelteffekte bestimmt. Das Bestimmtheitsmaß für die auf das Muttertier bezogenen Gesamtgewichte variiert zwischen 7.2% (Mastende) und 12.05% (Absetzen), beim Bezug auf das metabolische Muttergewicht zwischen 11.9% (Geburt) und 18.8% (Absetzen). Die Effekte Zuchtgruppe und Jahr-Saison sind für alle untersuchten Merkmale signifikant (siehe Anhang Tab. A10). Die Anzahl und Zuchtgruppenzugehörigkeit der auf Grund von Gesamtverlusten nicht berücksichtigten Tiere wurde bereits bei den Nachkommenzahlen (Punkt 4.4.3.1) beschrieben.

Die LS-Zuchtgruppenmittelwerte für das Gesamtgewicht der lebend geborenen Nachkommen pro Muttertier und Halbjahr, die in der Tabelle 4.30 und in der Abbildung 4.21 dargestellt sind, variieren zwischen 623.7 und 790.2 g, wobei die Spannweite 0.73 phänotypischen Standardabweichungen entspricht. Wenn auch die Schätzwerte verschiedener Zuchtgruppen so ungenau sind, dass sie sich kaum untereinander unterscheiden, so ist doch die Tendenz zu höheren Gesamtgewichten bei Müttern mit 50% und mehr peruanischem Genanteil zu erkennen. Das Gesamtgewicht der geborenen Jungtiere der peruanischen Reinzuchtlinie (758.5 g) ist deutlich dem der bolivianischen (665.2 g) überlegen.

Beim Bezug auf das metabolische Körpergewicht sind die Tendenzen noch stärker ausgeprägt, jedoch in umgekehrter Richtung. Dies zeigt gleichzeitig die generelle Bedeutung einer ex ante Festlegung ”richtiger“ Leistungskriterien für die Formulierung von Zuchtstrategien. Die höchsten Gesamtgewichte der Nachkommen erreichen bolivianische Reinzuchtmütter, peruanische die niedrigsten. Die obere und untere Grenze der Spannweite, die ca. 1 phänotypische Standardabweichung auseinanderliegen, wird durch die Anpaarungen zur reziproken F1 repräsentiert (PPxBB: 928.9 kg*1000/kg0.75; BBxPP: 676.6 kg*1000/kg0.75). Die Zuchtgruppen mit Kreuzungsmüttern nehmen eine mittlere Position ein, die sich im großen und ganzen nicht signifikant voneinander unterscheiden.

Bei den Gesamtgewichten beim Absetzen pro Muttertier gibt es nur wenige Zuchtgruppen, die sich signifikant voneinander unterscheiden. Dazu gehören u.a. die beiden Reinzuchtlinien, wobei die peruanische ein Gesamtabsetzgewicht von 1198 g erreicht, die bolivianische eines von 1110 g.

Dem Genotyp des Paarungspartners scheint insgesamt mehr Bedeutung als bei der Geburt zuzukommen, auch dürften nicht erfassbare Umwelteffekte während der Aufzuchtphase eine nicht zu vernachlässigende Rolle spielen. Eine klare Rangierung des Gesamtgewichts der abgesetzten Nachkommen nach dem Genanteil von Zuchtgruppen ist nicht zu erkennen.

Wird das Gesamtgewicht der abgesetzten Nachkommen auf das metabolische Muttergewicht bezogen, so ist eine klare Tendenz zu höheren Gewichten bei Müttern mit einem niedrigen peruanischen Genanteil, die mit peruanischen Vätern angepaart werden, und umgekehrt zu erkennen. Die Zuchtgruppe PPxBB erbringt die höchsten Gesamtabsetzgewichte (1706 kg*1000/kg0.75), die Zuchtgruppe BBxPP die niedrigsten (1706 kg*1000/kg0.75), wobei die Spannweite bei 1.24 SD liegt. Die Leistung der bolivianischen Reinzuchtlinie (1533 kg*1000/kg0.75) rangiert an zweiter Stelle und übertrifft deutlich die Leistung der Rotationsmütter mit peruanischem Paarungspartner, was im wesentlichen durch die überragenden Wurfabsetzgrößen bedingt ist. Die peruanische Reinzuchtlinie rangiert an zweitletzter Stelle, d.h. das


222

hohe metabolische Körpergewicht peruanischer Mütter überkompensiert bei weitem das beim Bezug auf das Muttertier erreichte Gesamtabsetzgewicht der Nachkommen. Zwischen den einzelnen Rotationsgruppen können keine signifikanten Unterschiede festgestellt werden, jedoch eine Tendenz zu höheren Gewichten bei den Rotationen mit peruanischem Bock. Die Synthetics nehmen eine mittlere Position ein.

Das Gesamtgewicht der ausgemästeten Nachkommen pro Muttertier ist bei den Paarungstypen mit 50% und mehr peruanischem Genanteil tendenziell höher als bei den mehr bolivianisch geprägten. Die peruanischen Rückkreuzungsgruppen erreichen mit 3856 g die höchsten Gewichte, das der peruanischen Reinzuchtlinie von 3428 g unterscheidet sich davon nicht signifikant. Auch nicht von dem der bolivianischen Reinzuchtlinie, bei der die ausgemästeten Nachkommen ein Gesamtgewicht von 3029 g erreichen. Zwischen den einzelnen Rotationsgruppen und den Synthetics sind keine statistisch gesicherten Unterschiede nachzuweisen.

Mit dem Bezug auf das metabolische Körpergewicht nehmen die Zuchtgruppen PPxBB (5064 kg*1000/kg0.75) und BBxPP (3047 kg*1000/kg0.75) wiederum die äußersten Positionen ein, wobei die Spannweite sich auf 1.36 SD erweitert hat. Die peruanische Rückkreuzung (PPxF1), die sich nicht signifikant von PPxBB unterscheidet, liegt mit 4457 kg*1000/kg0.75 an zweiter Stelle. Wie zuvor bereits erwähnt, beruhen die Zuchtgruppenmittelwerte der Rückkreuzungen auf einem recht niedrigen Stichprobenumfang von 40 bis 50 Tieren je Zuchtgruppe, so dass insbesondere bei diesen mit zufälligen Abweichungen gerechnet werden muss. Ein Vergleich der beiden Reinzuchtlinien zeigt eine deutliche Überlegenheit der bolivianischen (4168 kg*1000/kg0.75) gegenüber der peruanischen (3399.2 kg*1000/kg0.75). Der Unterschied zwischen den reziproken Rotationen, der sich beim Absetzen tendenziell angedeutet hatte, ist am Mastende signifikant zu Gunsten der RotB-Mütter, die mit peruanischen Böcken angepaart werden. Die Synthetics liegen in ihrer Leistung dazwischen.

Eine Bewertung der einzelnen Zuchtgruppen bzw. Zuchtsysteme nach dem Gesamtgewicht der Nachkommen bei der Geburt spiegelt in erster Linie den Genotyp der Mutter wider. Beim Absetzen scheint es eher zufällig zu sein, welche Bedeutung dem Genotyp der Nachkommen zukommt. Erst nach der Aufzuchtphase kommt dieser in vollem Ausmaß zum Tragen (siehe Punkt 4.1.4). Unter den gegebenen Umweltbedingungen erreicht nicht nur die peruanische Reinzuchtlinie die höchsten Nachkommengewichte beim Absetzen und am Mastende, sondern auch die Einfachkreuzung bolivianischer Mütter mit peruanischen Böcken, die peruanischen Rückkreuzungen und die F1xF1.

Der Bezug auf das metabolische Muttergewicht stellt eine Standardisierung der Futterkosten der Zuchttiere dar, die beim Bezug auf das Muttertier nicht berücksichtigt sind. Werden diese bei der Effizienzberechnung von Kreuzungssystemen miteinbezogen, rangiert die oben genannte Einfachkreuzung (PPxBB) zusammen mit der peruanischen Rückkreuzung (PPxF1) an erster Stelle. Es folgt die bolivianische Reinzuchtlinie zusammen mit der Rückkreuzung F1xBB. Die Leistungen der kontinuierlichen Kreuzungssysteme Rotationen und Synthetics sind vergleichbar.


223

Tab. 4.30: LS-Zuchtgruppenmittelwerte und Standardfehler für Gesamtleistungsmerkmale: Gewicht der Nachkommen pro Muttertier und Halbjahr [g] sowie pro metabolisches Muttergewicht und Halbjahr [kg / kg0.75 *1000] von der Gebut bis 84 Tage post partum.
Table 4.30: LS breeding group means for productivity traits: Progeny weight per dam [g] and per metabolic dam weight [kg / kg0.75 *1000] in the first half year of production from birth to 84 days post partum

Zucht-

Gesamtgewicht der Nachkommen bei der Geburt

Gesamtgewicht der Nachkommen beim Absetzen

Gesamtgewicht der Nachkommen 84 Tage post partum

gruppe

pro Muttertier und Halbjahr

pro metabolisches Muttergewicht und Halbjahr

pro Muttertier und Halbjahr

pro metabolisches Muttergewicht und Halbjahr

pro Muttertier und Halbjahr

pro metabolisches Muttergewicht und Halbjahr


LSM

S.E.


LSM

S.E.


LSM

S.E.


LSM

S.E.


LSM

S.E.


LSM

S.E.


BBxBB

665.2

19.3

abc

916.7

21.1

f

1109.6

34.5

abcd

1532.7

37.9

g

3028.9

113.5

ac

4168.2

127.5

ef

F1xBB

623.7

39.7

a

888.3

43.0

ef

1020.0

71.9

a

1462.5

78.2

efg

2990.9

229.9

ab

4211.7

256.0

ef

BBxF1

711.2

38.1

abcde

801.1

41.4

bcde

1198.9

69.0

bcde

1362.1

75.1

cdef

3349.0

222.7

abcd

3780.7

248.0

bcde

BBxRot1P

700.9

28.4

abcde

764.2

30.9

bcd

1154.3

50.9

abcde

1252.8

55.7

abcd

3083.2

169.8

ab

3367.5

190.0

abc

BBxRot2P

656.8

30.7

abc

719.3

33.2

ab

1042.6

54.9

ab

1132.1

59.7

a

2875.9

178.4

a

3108.4

198.8

ab

PPxBB

643.7

31.2

ab

928.9

33.8

f

1208.5

58.5

cde

1705.9

63.7

h

3543.0

193.3

cde

5063.5

215.4

g

F1xF1

717.2

31.8

bcde

817.0

34.5

bcde

1285.0

57.5

e

1470.4

62.6

fg

3438.2

185.6

bcde

3918.2

206.8

cde

SYNxSYN

684.4

21.6

abc

787.4

23.5

cde

1133.5

38.9

abcde

1292.6

42.5

bcde

3127.1

128.7

abc

3581.6

143.7

cd

BBxPP

691.2

28.7

abcd

676.6

31.2

a

1169.2

51.8

abcde

1155.6

56.4

a

3064.6

169.6

ab

3046.5

189.1

a

PPxRot2B

629.0

33.5

ab

785.1

36.4

bcde

1048.6

60.5

abc

1302.5

65.8

bcdef

3152.9

196.6

abc

3969.2

219.0

def

PPxRot1B

675.3

28.4

abc

824.1

31.0

de

1137.1

51.2

abcde

1379.1

56.0

cdef

3317.7

171.2

abcde

4052.3

191.5

ef

PPxF1

746.6

39.3

cde

862.4

42.7

def

1251.3

70.6

de

1447.6

76.8

defg

3855.7

227.8

de

4456.6

253.8

fg

F1xPP

790.2

37.8

e

785.9

41.0

bcd

1228.1

68.0

bcde

1226.0

74.0

abc

3856.0

219.4

e

3860.0

244.4

cde

PPxPP

758.5

21.4

de

738.0

23.3

abc

1198.0

38.8

e

1171.3

42.3

ab

3427.6

129.6

bcde

3399.2

144.8

abcd

Werte mit unterschiedlichem Buchstaben innerhalb Spalte unterscheiden sich signifikant (p<0.05); Stichprobenumfang siehe Tab.3.21


224

Abb.4.21: Nachkommengewicht pro Muttertier sowie pro metabolisches Muttergewicht im ersten Produktionshalbjahr von der Geburt bis 84 Tage post partum (Mastende) im Vergleich der Zuchtgruppen (LS-Mittelwerte).
Figure 4.21: Breeding group comparison for progeny weight per dam and per metabolic dam weight in the first half year of production from birth to 84 days post partum (LS means)

pro Muttertier und Halbjahr

pro metabolisches Muttergewicht und Halbjahr


225

4.4.3.4. LS-Kreuzungsparameter für das Gesamtgewicht der Nachkommen pro Muttertier und pro metabolisches Muttergewicht im ersten Produktionshalbjahr

Das Bild der geschätzten Kreuzungsparameter für die Nachkommengewichte pro Muttertier sowie pro metabolisches Muttergewicht im ersten Produktionshalbjahr ist geprägt von Liniendifferenzen auf individueller und auf der Nachkommenebene (siehe Tab. 4.31 und Abbildung 4.22).

Beim Gesamtgewicht bei der Geburt ist einzig der Genotyp der Mutter, d.h. die individuellen Linienunterschiede, von Bedeutung. Während diese beim Bezug auf das Muttertier positiv sind bei einem Ausmaß von ca. 12%, so erweist sich ein zunehmender peruanischer Genanteil der Mütter beim Bezug auf das metabolische Körpergewicht in viel stärkerem Maße (-23%) als negativ.

Am Ende der Aufzuchtphase sind für das auf das Muttertier bezogene Gesamtgewicht der Nachkommen gar keine Kreuzungseffekte nachzuweisen. Mit dem Bezug auf das metabolische Muttergewicht verstärken sich die negativen Linienunterschiede auf individueller Ebene auf etwa -30%. Gleichzeitig deuten sich positive Linienunterschiede auf der Ebene der Nachkommen an, jedoch mit einer Irrtumswahrscheinlich von ca. 8%.

Das Gesamtgewicht der Nachkommen am Mastende ist bezogen auf das Muttertier in erster Linie von den Liniendifferenzen auf der Nachkommenebene bestimmt. Diese erreichen ein Ausmaß von 22.7% des LS-Zuchtgruppenmittelwertes der bolivianischen Reinzuchtlinie. Weitere Kreuzungseffekte sind nicht nachzuweisen. Das auf das metabolische Muttergewicht bezogene Gesamtgewicht am Mastende wird von den individuellen Liniendifferenzen (ca. -40%), die gegenüber dem Absetzzeitpunkt um weitere 10% zugenommen haben, bestimmt. Die Linienunterschiede auf der Nachkommenebene sind positiv und hochsignifikant bei einem Ausmaß von 23.3%.

Den Ergebnissen zufolge kommt der Genotyp der Nachkommen in Form der Linienunterschiede erst nach dem Absetzen zum Ausdruck und zwar sowohl beim Bezug auf das Muttertier als auch auf das metabolische Muttergewicht. Da die Liniendifferenzen auf individueller Ebene nicht signifikant (Bezug auf das Muttertier) oder negativ (Bezug auf das metabolische Muttergewicht) sind, bedeutet dies eine Erhöhung des Gesamtgewichts der Nachkommen mit zunehmendem peruanischen Genanteil des männlichen Paarungspartners während der Mast.

Die Bedeutung der Wahl des ”richtigen“ Leistungskriteriums für die Formulierung von Zuchtstrategien kommt hier durch den deutlichen Unterschied zwischen den beiden Bezugsebenen in Form der geschätzten Linienunterschieden auf inidividueller Ebene zum Ausdruck. Beim Bezug auf das Muttertier sind sie nicht nachzuweisen; beim Bezug auf das metabolische Muttergewicht sind sie die bestimmenden Kreuzungseffekte von der Geburt bis zum Mastende.

Nach dem Kriterium des Nachkommengewichts pro Muttertier am Mastende, wäre auf der Basis der geschätzten Kreuzungsparameter (ausschließlich positive Linienunterschiede auf der Nachkommenebene) die peruanische Reinzucht das optimale Zuchtsystem; nach dem Kriterium des Nachkommengewichts pro metabolisches Muttergewicht (sehr hohe negative individuelle Linienunterschiede und positive Differenzen auf der Nachkommenebene) die Einfachkreuzung PPxBB.


226

Tab. 4.31: LS-Kreuzungsparameter und Standardfehler für Gesamtleistungsmerkmale: Gewicht der Nachkommen pro Muttertier und Halbjahr [g] sowie pro metabolisches Muttergewicht und Halbjahr [kg / kg0.75 *1000] von der Geburt bis 84 Tage post partum.
Table 4.31: Crosssbreeding parameter estimates and standard errors for productivity traits: Progeny weight per dam [g] and per metabolic dam weight [kg / kg0.75 *1000] in the first half year of production from birth to 84 days post partum

Kreuzungs-

Gesamtgewicht der Nachkommen bei der Geburt

Gesamtgewicht der Nachkommen beim Absetzen

Gesamtgewicht der Nachkommen 84 Tage post partum

parameter

pro Muttertier und Halbjahr

pro metabolisches Muttergewicht und Halbjahr

pro Muttertier und Halbjahr

pro metabolisches Muttergewicht und Halbjahr

pro Muttertier und Halbjahr

pro metabolisches Muttergewicht und Halbjahr

LSM BBxBB

665.2

S.E.

916.7

S.E.

1109.9

S.E.

1532.7

S.E.

3028.9

S.E.

4168.2

S.E.

gnkD

20.2

28.2

39.1

30.6

59.2

51.1

97.3

55.7+

688.6

169.6***

971.8

189.1***

gnkJAaa

20.2

28.2

39.1

30.6

59.2

51.1

97.3

55.7+

688.6

169.6***

971.8

189.1***

gnkJAdd

20.2

28.2

39.1

30.6

60.5

51.1

98.7

55.7+

688.6

169.7***

972.6

189.1***

hnkD

-56.8

30.7+

-35.0

33.4

-3.5

55.9

42.9

61.0

10.8

182.6

204.3

204.1

dnkJAaa

-69.9

51.3

-34.0

55.7

34.5

92.9

55.7

101.2

77.7

307.5

482.3

342.6

dnkJAdd

-74.0

70.3

-35.0

76.2

24.5

127.2

140.0

138.5

99.8

420.0

609.4

468.0

rnkD

13.1

46.7

-1.1

50.7

31.0

84.0

-12.9

91.6

-66.9

276.7

-278.0

308.5

aankJAaa

26.2

93.5

-2.1

101.5

62.1

168.1

-25.7

183.1

-133.8

553.3

-556.0

617.0

ddnkJAdd

16.8

67.9

0.1

73.7

-33.5

122.2

-102.2

133.2

-87.1

401.3

-399.3

447.6

giD

79.2

23.6***

-210.0

25.6***

30.8

43.0

-457.1

46.8***

-206.4

141.4

-1657.6

157.5***

giJAaa

79.2

23.6***

-210.0

25.6***

30.8

43.0

-457.1

46.8***

-206.4

141.4

-1657.6

157.5***

giJAdd

79.2

23.6***

-210.0

25.6***

31.2

43.0

-456.7

46.8***

-206.5

141.4

-1657.8

157.5***

hiD

8.3

22.5

-15.2

24.4

33.9

40.5

-5.2

44.1

65.6

132.1

-42.3

147.3

diJAaa

8.3

22.5

-15.2

24.4

33.9

40.5

-5.2

44.1

65.6

132.1

-42.3

147.3

diJAdd

7.9

24.3

-15.5

26.3

49.5

43.7

14.1

47.5

67.5

142.0

-26.3

158.2

+: 0.05 le p < 0.10; *: 0.01 le p < 0.05; **: 0.001 le p < 0.01; ***: p<0.001; Erläuterung der Kreuzungsparameter, siehe Punkt 3.5


227

Abb. 4.22: Kreuzungsparameter für das Gesamtgewicht der Nachkommen pro Muttertier und pro metabolisches Muttergewicht im ersten Produktionshalbjahr von der Geburt bis 84 Tage post partum in % des LS-Mittelwerts der bolivianischen Reinzuchtlinie.
Figure 4.22: Crossbreeding parameter estimates for the progeny weight per dam and per metabolic dam weight in the first half year of production from birth to 84 days post partum in % of the LS mean of the Bolivian line
nur signifikante (p<0.05) Schätzwerte; D: Dickerson-Modell; JAaa: Jakubec-Modell aa; JAdd: Jakubec-Modell dd (siehe Punkt 3.5)

Gesamtgewicht der Nachkommen


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Tue Mar 16 17:16:09 1999