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2  Methodik

2.1 Untersuchte Personengruppen

Die Untersuchungen wurden an drei verschiedenen Gruppen vorgenommen:

Bei den klinisch Gesunden handelte es sich um Frauen, die freiwillig für eine klinisch-pharmakologische Studie zur Verfügung standen. Als Kontrollgruppe erfüllten sie die vom Gesetzgeber geforderten Bedingungen. Der psychosoziale Status wurde durch die Anamnese festgestellt.

Bei der zweiten Gruppe handelte es sich ebenfalls um klinisch Gesunde, die unter Berücksichtigung eines Eustress-Status auf Grund ihrer Anamnese ausgewählt wurden.

Die Probanden in der dritten Gruppe entsprachen der Definition im Sinne einer Insomnie (Hajak und Rüther 1995) den Bedingungen der chronisch Schlafgestörten.

Nachfolgend sind die Charakteristika aufgeführt:

2.1.1 Charakteristik: Gruppe 1 = Klinisch Gesunde

Es handelt sich hier um 40 Frauen, die sich freiwillig für zwei Pharmastudien zur Verfügung gestellt hatten und nach Doppelblindprinzip als Kontrollpersonen dienten (Placebo). Sie erfüllten die vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Bedingungen, klinisch gesund für Pharmastudien zu sein.

Zahl:

40 Frauen

Alter:

23 Frauen bis 44 Jahre alt (mittleres Alter: 28 Jahre alt)

Untersuchungsort:

Institut für Stressforschung (I.S.F.) 1996 bis 1999

2.1.2 Charakteristik: Gruppe 2 = Biopsychosozial Gesunde

Es handelt sich um 40 Probanden, die freiwillig in die Stressberatungsstelle kamen, um sich einer Gesundheitskontrolle zu unterziehen und eine Konsultation bei Prof. Dr. Karl Hecht in Anspruch nahmen. Anlass dazu gaben das von ihm herausgegebene Buch „Gesund im Stress“ und Vorträge in der URANIA sowie in der Presse veröffentlichte Berichte über die objektive Stressdiagnostik des Instituts für Stressforschung Berlin.

Zahl:

40 Personen; 22 weiblich, 18 männlich

Alter:

15 bis 56 Jahre alt (mittleres Alter: 34 Jahre alt)

Untersuchungsort:

I.S.F. (1996 bis 1999), im Rahmen einer angebotenen präventiven

Untersuchung (Stress-Check up)


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2.1.3  Charakteristik: Gruppe 3 = Patienten mit chronischen nicht organischen Schlafstörungen

„Chronische Schlafstörungen im Sinne einer Insomnie (Schlaflosigkeit) liegen entsprechend des internationalen Diagnostik- und Code – Manuals dann vor, wenn mindestens dreimal in der Woche für die Dauer von mindestens einen Monat verminderte Schlafqualität nachgewiesen wird (u.a. Einschlafdauer > 30 Minuten, Schlafdauer < 6 Stunden und nächtliches Erwachen > 60 Minuten), die zur permanenten Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit, des Wohlbefindens und der Lebensqualität führt.“(APA 1987; ASDA 1990; WHO 1991; Hajak und Rüther 1995; Hecht 2001)

Es handelt sich in dieser Gruppe um Patienten, die sich im Institut für Stressforschung einfanden und bezüglich stressinduzierter Schlafstörungen (Psychophysiologische Insomnie) eine Beratung in Anspruch nahmen.

Zahl:

40 Frauen

Alter:

15-65 Jahre alt ( mittleres Alter: 46 Jahre alt )

Untersuchungsort:

Institut für Stressforschung (I.S.F.) 1996 bis 1999

Untersucht wurden Frauen. Bezüglich des Alters liegt diese Gruppe im Durchschnitt deutlich höher. Jüngere Schlafgestörte dieser Kategorie standen uns nicht zur Verfügung. Lediglich die Gruppe biopsychosozial Gesunden enthält männliche Probanden. Da wir nicht genügend Personen dieser Gruppe zur Verfügung hatten, der statistische Vergleich eine annähernd gleiche Anzahl aller 3 Gruppen forderte, haben wir diese mit Männern aufgefüllt.

2.1.4 Klinische Befunde und Laborwertbestimmungen aller Gruppen

Einschlusskriterium für die untersuchten Gruppen war das Vorliegen eines klinischen Normalbefundes bzw. die Laborwerte befanden sich im international gebräuchlichen Norm- bzw. Referenzbereich (Dormann und Wege 1997).

Es wurden folgende Untersuchungen durchgeführt:

Tabelle 3 Medizinische Parameter

Parameter

Bemerkungen

Blutdruck

nach RR

EKG

einfaches EKG

Blutsenkungsreaktion

 

Urinstatus

ph-Wert, Eiweiß

Blutbild

Leukozyten, Erythrozyten, Thrombozyten, Hämoglobin, Hämatokrit

Stoffwechsel

Postprandialer Blutzucker, Triglyceride, Harnsäure, Cholesterin

Leberfunktion

Gamma GT, GPT (ALAT), GOT (ASAT), Bilirubin, alkalische Phosphatase, Pankreas Lipase, Amylase

Nierenfunktion

Kreatinin i.Serum, Kalium i.S., saure Phosphatase, Harnstoff

Gerinnung

Plasmathrombinzeit


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Nach diesen Befunderhebungen sind die Untersuchten dieser Gruppen entsprechend der Normwerte und Referenzbereiche als klinisch gesund eingestuft worden. Aus der Analyse der Anamnesefragen ergeben sich aber psychosoziale Unterschiede.

2.1.5 Analyse der Anamnesedaten

2.1.5.1 Vergleich der Anamnesedaten der beiden gesunden Gruppen

Einen Vergleich aller gesunden Gruppen und ihren Anamnesedaten soll in der folgenden Tabelle gezeigt werden.

Tabelle 4: Anamnesedaten der untersuchten Gruppen

Anamnesedaten

Klinisch Gesunde

Angaben in %

Biopsychosozial Gesunde

Angaben in %

Chronische nicht organische Schlafgestörte

Angaben in %

Arbeitslos, Jobsuche

59

0

0

Studentenstress (Prüfung)

29

0

0

Stress am Arbeitsplatz

12

100

72

Familienstress

86

27

86

Optimistische Grundeinstellung

12

100

8

Pessimistische Grundeinstellung

88

0

92

Gesundheitsbewusste Lebensweise

8

100

29

Regelmäßiger Lebensstil, guter Umgang mit der Zeit

10

85

0

Regelmäßige sportliche Betätigung

0

87

2

Regelmäßige Entspannungsübungen (Autogenes Training, Joga, Meditation u.ä.)

0

82

9

Schlafprobleme, Schlafstörungen

65

20

100

Minischlaf am Tage

0

45

0

Konflikte, unterdrückte Emotionen

86

12

96

Depressive Verstimmungen, Grübeln

88

20

100

Chronische Ängste

84

5

84

Regelmäßiger Genuß koffeinhaltiger Getränke

100

70

45

Rauchen

76

10

27

Gelegentlicher Alkoholgenuss

45

45

45

Regelmäßige Einnahme von Analgetika, Hypnotika, Tranquilizern oder Naturmittel

63

22

70

Regelmäßige Einnahme von Vitaminen, Mineralien (Nahrungsergänzungsmitteln)

4

80

45


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2.1.5.2  Ergebnisse des Schlafprotokolls und Symptombefragung der Gruppe chronischer Insomniker ohne organische Befunde

Die Schlafprotokolle dieser Probanden wurden alle über 4 Wochen lang geführt um nachzuweisen, dass der Definition chronischer Schlafstörungen entsprochen wurde. Die Dauer der chronischen Schlafstörungen betrug 6 Monate bis über 5 Jahre (im Durchschnitt 2,3 Jahre).

Angaben zur Anamnese sind der folgenden Tabelle zu entnehmen.

Tabelle 5 Anamnesedaten

Angaben aus den Schlafprotokollen

Angaben absolut

und in %

Einschlafdauer größer 30 Minuten

40

(100%)

Nächtliches Aufwachen mehr als 3 mal

38

(95%)

Dauer des nächtlichen Erwachens größer als 30 Minuten

32

(80%)

Schlafdauer kleiner als 6 Stunden

34

(85%)

Subjektive Angaben zu Schlafqualität und Stress

 

Schlechte Schlafqualität

34

(85%)

Mittlere mäßige Schlafqualität

6

(15%)

Stress am Tage

40

(100%)

Minischlaf am Tage

2

(5%)

Bisherige Therapieversuche

 

Schlafmittel (klassische)

18

(45%)

Naturheilmittel (Phytopharmaka, Akupunktur, Autogenes Training u.a.)

36

(90%)

Weitere Symptome der chronisch schlafgestörten Patienten sind aus der folgenden Tabelle zu entnehmen.

Tabelle 6 Symptome der Gruppe chronisch Schlafgestörter

Psychophysiologische Insomnie

(stressinduzierte Schlaflosigkeit)

Symptome

n = 40 Frauen (100%)

Angaben absolut

und in %

1.

Erhöhtes psychophysiologisches Anpassungsniveau (Hyperarousal)

38

(95%)

2.

Verminderte geistige und körperliche Leistungsfähigkeit, leicht erschöpfbar

34

(85%)

3.

Innere Unruhe, Neigung zur Unstetigkeit

32

(80%)

4.

Anzeichen schlafverhindernder Assoziation

40

(100%)

4.1.

Schlafenwollen (wird zur Anstrengung) wirkt schlafverhindernd

40

(100%)

4.2.

Gewohnte Schlafräumlichkeit stoppt das Einschlafen (plötzlich hellwach)

38

(95%)

4.3.

Gefühl der körperlichen Anpassung, besonders stark im Gesicht und um die Augen

36

(90%)

4.4.

Schlafangst und Bettgrübeln (meist negative Gedankenspiele)

40

(100%)

5.

Verlust der Zeitstruktur des Schlaf – Wach - Zyklus

32

(80%)


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2.2  Chronopsychobiologische Regulationsdiagnostik

2.2.1 Dreiphasenentspannungstest (DET)

Zu den sensiblen und heute zugleich leicht messbaren Vitalparametern für die CPR gehören neben Blutdruck und Herzfrequenz auch die Körpertemperatur und der Hautwiderstand.

Der Einsatz eines Dreiphasenentspannungstests erfolgt gewöhnlich mit dem Gerät HIMEM (später ausführliche Gerätebeschreibung) bei der Betriebsart „10 Sekunden“.

Abbildung 10:Proband im relaxierten Zustand während des Dreiphasenentspannungstests
(nach Hecht 2001)

Gewöhnlich wurde diese Selbstentspannung in einem diesem vorausgehenden Blutdruckentspannungstest (BET) geübt und gleichzeitig damit auch als Mittel der Prävention und Therapie allen Untersuchten empfohlen.

Dabei hatte die Versuchsperson anfangs die Aufgabe, sich 25 Minuten körperlich, geistig und seelisch zu entspannen. Der Proband erhielt dafür konkrete Instruktionen. In angenehmer Atmosphäre, bei zuvor empfohlener bequemer Kleidung sollte er sich halbliegend in den Sessel setzten, mit geschlossenen Augen auf eine ruhige und gleichmäßige Atmung konzentrieren und dabei möglichst die Atemfrequenz als ein gedankliches Mitschwingen empfinden. Die meisten Untersuchten lernten so sich gezielt in einen ruhigen Zustand zu versetzten und bauten gleichzeitig ein Vertrauensverhältnis zu dem untersuchenden Arzt auf.


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Unmittelbar vor dem Dreiphasenentspannungstest (DET) wurden alle Probanden zusätzlich kurz mit dem Stressor bekannt gemacht und erhielten wiederholt die erwähnten Anweisungen zur Selbstentspannung. Während der folgenden gesamten Untersuchungsdauer registrierten wir mit dem Gerät HIMEM (Betriebsart „10 Sekunden“) die Zeitreihendaten des Hautwiderstandes.

Die drei Phasen werden dabei wie folgt definiert:

1. Phase:

1. -10. Minute

= Erwartungsphase = Erwartungsstress

2. Phase:

10.-11. Minute

= Erleben des Stressors durch Stressoreinwirkung.
Hierzu dient ein über Kopfhörer applizierter Strassenbahnlärm von ca. 80 dB

3. Phase:

11.-20. (25.) Minute

= Stressverarbeitung

Auf diese Weise ist es möglich, die gesamte Regulationsbreite des Individuums unter Ruhebedingungen und auf der Grundlage einer Leistungsvereinbarung zu prüfen. Der individuelle Grenzwert sowohl in der Richtung der Erregung (Stress) als auch in Richtung Relaxation lässt sich so bestimmen. Ohne Handlungseinschränkungen können so die individuellen Begrenzungen der Regulation in zwei Richtungen definiert werden.

2.2.2 Das Messgerät HIMEM

Das Gerät HIMEM wird seit 1990 zur Messung des Hautwiderstandes eingesetzt. Es wurde nach Ideen und Vorgaben von Hecht von der Firma GeTeMed produziert.

Wie auch in dieser Arbeit werden die chronopsychobiologischen Untersuchungen noch heute mit dem Gerät HIMEM zur Messung des Hautwiderstandes durchgeführt.

Kontrolluntersuchungen, mit denen ebenfalls kontinuierliche Zeitreihenmessungen vorgenommen und der biorhythmischen Analyse unterzogen wurden (Hecht 2001), erfolgten [Seite 41↓]mittels Hauttemperaturmessgerät (Sensor ebenfalls am Handgelenk), Herzfrequenzmessgerät der Firma Polar (Sensor am Brustkorb) und Aufzeichnung eines Myogramms (Elektroden am Unterarm).

Das Gerät HIMEM (siehe untere Abbildung 12) misst den elektrischen Hautwiderstand über zwei Elektroden am Handgelenk (Innenseite). Die erhobenen Messwerte werden in einem Speicher aufgenommen, dessen Kapazität von drei verschiedenen Betriebsarten abhängig ist:

Betriebsart „direkt“: Messwerte werden ohne Umrechnung direkt in den Speicher eingelesen (Speicherkapazität ca. 1 bis 8 Stunden Messzeit).

Betriebsart „10 Sekunden“: Messwerte werden im 10-Sekunden Takt eingelesen (Speicherkapazität 72 Stunden Messzeit).

Betriebsart „60 Sekunden“: Messwerte werden im 60-Sekunden Takt eingelesen (Speicherkapazität 23 Tage Messzeit). Wir arbeiteten grundsätzlich mit der Betriebsart 10 Sekunden.

Abbildung 12: Gerät HIMEM mit Handelektroden (nach Hecht 2001)

Das Gerät ermöglicht so eine hochsensible kontinuierliche Messung emotionell-vegetativer Regulationsveränderungen unter verschiedenen Bedingungen.

Die Auswertung dieser Daten erfolgt dann mit spezieller Software für biorhythmische Analyseverfahren über einen PC (Balzer und Hecht 1989a, b).


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Messprinzip

Exosomatische Messung des Hautwiderstandes mit Gleichstrom (Stromstärke 1-5 µA) mit Rf-Wandlung

Messort

Unterarm, Innenseite, Nähe Handgelenk

Gerätebeschreibung

Tabelle 7 technische Daten zum Gerät HIMEM

Elektroden

Knopfelektroden (Chrom), am Armband, Durchmesser 8 mm

Elektrodenkabel

Länge ca. 1m

Datenspeicherung

Kapazität = 120 KByte, Festwertspeicher

Zeitfunktion

Datum und Uhrzeit, PC gesteuert

Resetfunktion

Taste oder PC gesteuert

Interface

RS 232, serielle Schnittstelle

Markerfunktion

Taste

Batteriezustandskontrolle

Optische Anzeige (LED)

Speicherzustandskontrolle

Optische Anzeige (LED)

Betriebsdauer mit 1 Batterie

Ca. 4 Wochen

Stromversorgung

Batterie, 9 V nur DURACELL

Gewicht

ca. 150 g

Abmessungen

60 mm x 25 mm x 115 mm

2.2.3 Vorbereitung des Messvorgangs am Gerät HIMEM

Für die reibungslose Datenaufzeichnung sind folgende Bedingungen erforderlich:

Das Armband des Gerätes, welches die zwei Elektroden enthält, wird am linken oder rechten Handgelenk wie eine Armbanduhr befestigt (ca. 1 cm von der Handgelenksfurche entfernt; bei Rechtshändern am linken Handgelenk, bei Linkshändern am rechten Handgelenk um die Be­we­gungsfreiheit so gut wie nicht einzuschränken). Die beiden Elektroden sollten an der Innenseite des Handgelenkes auf der Haut dort liegen, wo gewöhnlich der Puls gemessen wird. Ein sanftes Anliegen des Armbandes (nicht zu straff, aber auch nicht zu locker) ist für einen optimalen Elektrodenkontakt sehr wichtig. Weiterhin ist ein zu festes Anlegen des Armbandes unbedingt zu vermeiden, da sonst die Gefahr einer Stauung des Blutes am Unterarm besteht, die wiederum das Befinden des Probanden beeinträchtigt. Nach der sachgemäßen Platzierung der Elektroden benötigt man ca. zwei Minuten bis sich das Mikroklima im Haut-Elektrodenbereich stabilisiert hat. Danach wird das Gerät auf Eichung geschaltet. Ein akustischer Impuls wird hörbar. Mittels eines Einstellreglers kann die Impulsfolge reguliert und danach fixiert werden. Die gewünschte Betriebsart ist auszuwählen, dadurch wird auch der gewünschte Messbereich eingestellt. Bei Bedarf können auch Zeitmarken gesetzt werden. Die Markertaste muss dazu aber mindestens 2-3 Sekunden gedrückt werden.


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2.3  Biorhythmometrische Zeitreihenanalyse

Mittels spezieller Software für das Gerät „HIMEM“ werden die im Messgerät gespeicherten Daten im PC gesichert. Danach erfolgt die biorhythmometrische Zeitreihenanalyse (Balzer und Hecht 1989a, 2000a und b, Hecht 2001).

Eine Zeitreihe enthält die folgenden Anteile:

1: Als quasistationäre Anteile werden solche Änderungen der gemessenen oder beobachteten Daten betrachtet, deren Trend (linear oder nichtlinear) sich im untersuchten Zeitintervall stetig und nicht periodisch ändert.

2: Als stochastische Anteile werden solche Änderungen der gemessenen oder beobachteten Daten betrachtet, die keinen Trend enthalten und die innerhalb eines definierten Zeitfensters keine reproduzierbaren Ereignisse enthalten (Balzer und Hecht 1989a).

3: Als periodische Anteile werden solche Änderungen der gemessenen oder beobachteten Daten betrachtet, die keinen Trend aufweisen und die innerhalb eines definierten Zeitintervalls reproduzierbare Maxima oder Minima aufweisen.

2.3.1 Analyseschritte zur Verifizierung der Regulationsprozesse

Zur Analyse von Regulationserscheinungen werden die periodischen Anteile untersucht.

Als erster Schritt werden dafür mittels gleitender Mittelung die quasistationären von den periodischen und stochastischen Anteilen getrennt.

Der zweite Analyseschritt dient der Verifizierung von Perioden. Dabei erfolgt die Analyse der Perioden innerhalb eines Datenfensters von 20 Daten nach folgenden Verfahren: Berechnung oder Bestimmung

  1. der normierten Autokorrelationsfunktion,
  2. des positiven Maximums der ACF (verifizierte Periodizität T1) und des entsprechenden Korrelationskoeffizienten,
  3. des Leistungsdichtespektrums (PS über die Autokovarianz) und
  4. des relativen Maximums des PS (verifizierte Periodizität T2),
  5. von Modellfunktionen mit den Perioden T1 und T2 (Sinusmodelle) sowie
  6. Vergleich der berechneten Modellfunktionen mit den korrigierten Originaldaten (Methode der kleinsten Quadrate) und
  7. Verifizierung des „besten“ Modells, d.h. der für das gewählte Datenfenster wahrscheinlichsten Periode.


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Der Vergleich der Analysemethoden von ACF (verifizierte Periodizität T1) und PS (verifizierte Periodizität T2) muss notwendigerweise generell durchgeführt werden, um innerhalb eines Datenfensters zwei oder mehr ähnliche Periodizitäten mit ähnlicher Auftrittswahrscheinlichkeit sicher voneinander abgrenzen zu können.

Der dritte Analyseschritt dient der Verifizierung der Frequenzvariabilität und der Erstellung des Periodendynamogramms.

Über einen längeren Zeitabschnitt unterliegen die Periodenlängen eines psychobiologischen Prozesses gewöhnlich einer mehr oder weniger intensiven Frequenzvariabilität. In dieser Erscheinung sahen bisher die Chronobiologen Probleme, gehen doch infolgedessen wertvolle Informationen verloren.

Balzer und Hecht (1989a und b, 2000a und b, Hecht 2001) haben folgende Lösung gefunden:

Zur Bestimmung der Variabilität der Periodenlängen über die Zeit der Untersuchung wird das gewählte Datenfenster durch die Zeitreihe schrittweise, Messpunkt für Messpunkt, geschoben und die oben beschriebene Methode der Analyse von Perioden in jedem Datenfenster wiederholt. Das Ergebnis wird als Dynamikfunktion, die Zeitreihendarstellung der Periodenvariabilität als Perioden- bzw. Frequenzdynamogramm bezeichnet (Balzer und Hecht 1989a, Fietze et al. 1989, Walter et al. 1989, Balzer et al. 1990).

In unterer Abbildung 13 sind Dynamogramme für den Hautwiderstand und Hauttemperatur dargestellt. Es werden in diesem Fall Minutenrhythmen in ihrer Frequenzvariabilität während eines 10 Minuten untersuchten Regulationsprozesses verifiziert. Auf der Ordinate sind die Periodenlängen angegeben. Dem Diagramm ist sowohl die Konstanz einer bestimmten Periodenlänge (waagerechte Linie) als auch die Variabilität der Periodenlängen über einen bestimmten Zeitabschnitt (Oszillationen, Sprünge) zu entnehmen. Aus dieser Abbildung geht hervor, dass die elektrodermale Aktivität und die Hauttemperatur nicht völlig übereinstimmende Verläufe der Dynamogramme zeigen. Als Ursache dafür sehen wir die elektrodermale Aktivität, die die emotionell-vegetative Regulation reflektiert und dominant vom Sympathikus allein gesteuert wird, gegenüber der Hauttemperatur als Ausdruck der vagosympatikusgesteuerten Thermoregulation auf der Basis verschiedener Stoffwechselprozesse.

Die nun in einem definierten Zeitabschnitt verifizierten Periodenlängen lassen sich in einer Häufigkeitsverteilung darstellen. Dies ist sowohl für Einzelpersonen als auch für Gruppen möglich. Im vorliegenden Fall wird die Häufigkeitsverteilung einer Person für beide untersuchten Parameter über die Dauer von 100 Minuten dargestellt. Die einzelnen Periodenschritte dieser biorhythmometrischen Zeitreihenanalyse sind in den folgenden Abbildungen dargestellt.


[Seite 45↓]

Abbildung 13:Analyseschritte der Biorhythmometrie zur Verifizierung von biologischen Rhythmen,
R = Intervalle der Impulsfolgen der umgewandelten Hautwiderstandswerte in msec
(nach Hecht 2001)

2.3.2 Grundlagen zur Analyse des Dynamogramms

2.3.2.1 Periodenklassifizierung

Die Periodenvariabilität lässt mit Bezug auf das Wirkungsquantum Funktionszustände beschreiben. Das Dynamogramm wurde unter diesem Aspekt in 6 Stufen gegliedert:

Tabelle 8 Funktionszustandsstufen abgeleitet aus dem Dynamogramm

K1

hyperaktiviert

10- 40 sec Wellenlänge

K2

aktiviert

41- 60 sec Wellenlänge

L1

deaktiviert

61- 80 sec Wellenlänge

L2

hyperdeaktiviert

81- 100 sec Wellenlänge

H1

Hemmung

101- 120 sec Wellenlänge

H2

Überlastungshemmung

>120 sec Wellenlänge


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Die Dynamikanalyse ist die Grundlage für die Bestimmung folgender Grundcharakteristika der chronobiologischen Regulation:

Abbildung 14: Dynamogramm mit Einteilung der Frequenzbereiche (nach Hecht 2001)

2.3.2.2 Häufigkeitsverteilungen der Perioden eines Dynamogramms eines Dreiphasenentspannungstests und Ableitung des „Periodischen Systems“ der chronopsychobiologischen Regulationsdiagnostik

Die Aufstellung des „Periodischen Systems“ der chronopsychobiologischen Diagnostik zur Bestimmung von Regulationszuständen erfolgte auf der Grundlage von (Hecht 2001):

Auswertungen von über 500 Probanden mit 24-Stunden Monitoring-Untersuchungen


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In dem Dreiphasenentspannungstest werden die Häufigkeitsverteilungen jeweils der ersten 10-Minuten- und der dritten 10-Minuten-Testphase aufgestellt. Aus den Konfigurationen der Häufigkeitsverteilung der in der I. und III. Testphase vorkommenden Periodenlängen werden aus dem empirisch ermittelten „Periodischen System“ die Regulationsgüte bestimmt (Hecht und Balzer 1999b, Balzer und Hecht 2000b, Hecht 2001).

Abbildung 15:Periodisches System der chronopsychobiologischen Regulationsdiagnostik auf der
Grundlage der Häufigkeitsverteilungen, Histogramme der Perioden eines Dynamogramms
eines Dreiphasenentspannungstests (nach Hecht 2001)

Wie von Hecht und Balzer (1999b), Balzer und Hecht (2000b) und Hecht (2001) gezeigt wurde, korrelieren die Histogramme der Frequenzvariabilität bestimmter Konfigurationen mit unterschiedlichen Beanspruchungszuständen.

Auch Grigoriew und Baewskij (2001) zeigten Veränderungen der Konfiguration von Histogrammen der Herzfrequenzvariabilität zur Bestimmung des „Stressniveaus“, wie wir die verschiedenen Beanspruchungszustände, die bereits in der Raumfahrtmedizin Verwendung [Seite 48↓]finden. Die dabei benutzte Einteilung ist der Definition der Regulationsgütestufen von Hecht (2001) ähnlich, wie folgender Vergleich zeigt:

Grigoriew und Baewskij (2001)

Funktionszustand

Hecht (2001)

Norm

Beanspruchung

Funktionelle Beanspruchung

Starke Beanspruchung

Überbeanspruchung

Stereotype Beanspruchung

Bruch der Adaptation

Dysregulation

2.3.2.3 Beanspruchung – Belastung

Zum besseren Verständnis sollen nachfolgend einige Ausführungen zur Beziehung zwischen Beanspruchung und Belastung gemacht werden.

Bereits Levi (1974), Rohnert und Laurig (1972) beschrieben im Zusammenhang mit den psychobiologisch ausgerichteten Stress- und Aktivierungskonzeptionen die Beziehungen zwischen den Belastungen und Beanspruchungen.

Die Belastung verstehen sie im Sinne von einer Einwirkung (Stressor) und die Beanspruchung als Reaktion auf eine Belastung. Zur Erklärung dieser Beziehung wird die Balkentheorie herangezogen. Diese sagt aus, dass die Auswirkungen einer Belastung vom Zustand der Materie (Holz) abhängen und sich somit in verschiedenen Zuständen der Beanspruchung darstellen können. Folglich ist die Belastungs-Beanspruchungsbeziehung aller Systeme keine lineare Kausalkette, sondern ist abhängig vom Zustand des belasteten Systems, auf das die Belastung einwirkt. Das muss dann ebenfalls für psychobiologische Systeme und zwar in weitaus vielfältiger Weise als für einen Balken gelten.

In der Chronopsychobiologie verstehen Hecht und Balzer (2000a und b, Hecht 2001) unter Belastung jede Einwirkung auf psychische oder körperliche Prozesse, die zu Änderungen von Aktivierungszuständen führt und Reaktionen auslöst, die zunächst der Aufrechterhaltung der Homöostase und der Adaptation dienen. Sie können erlebbar oder nicht erlebbar sein und in Extremfällen Zustands- bzw. Regulationsstörungen oder pathologische Prozesse auslösen oder beschleunigen.

Unter dem Begriff der Belastungen werden heute eine Vielzahl, vor allem exogenen Einwirkungen eingeschlossen wie z.B.: Bedrohungen, frustrierende Sozialverhältnisse, klimatische Extrembedingungen, Arbeitsanforderungen, generelle Über- und Unterforderungen, Verletzungen, Infektionen, Umweltschadfaktoren. Dabei ist die Belastungsfähigkeit individuell sehr unterschiedlich und variabel. Sie wird u.a. bestimmt von dem jeweiligen Aktivierungs- und Deaktivierungszustand. In der heutigen Zeit gewinnt gerade die Belastbarkeit des Menschen [Seite 49↓]bzw. einer Bevölkerungsgruppe bezüglich sozio- und psychohygienischer sowie eignungsdiagnostischer Gesichtspunkte unter dem Einfluss bestimmter Umweltfaktoren in der begutachterlichen Tätigkeit zunehmende praktische Relevanz.

Dabei ist die Belastbarkeit jedes Individuums – auch die des Menschen – immer im Zusammenhang mit der Beanspruchung bzw. seiner Beanspruchungsfähigkeit zu betrachten und zu beurteilen. Die Beanspruchung ist ein gesamtorganismischer Prozess, oftmals auch unter dem Synonym Stress bzw. emotioneller Stress oder Hyperaktivierung geführt. Er ist gekennzeichnet durch totale oder partielle, temporäre oder permanente Veränderungen der psychobiologischen Homöostase. Belastbarkeit kann subjektiv erlebbar und auch nicht erlebbar sein und wird objektiv zentral- oder/und peripher nerval sowie in den hormonellen Funktionen reflektiert. Das wiederum ermöglicht uns die Messbarkeit der Beanspruchung. Ausgehend von dem maximalen Stabilitätszustand der Beanspruchung als Vorgang in einem psychobiologischen Systems zeigt auch sich jede Veränderung der Stabilität (Rohnert und Laurig 1972). Wenn die Beanspruchung subjektiv erlebt wird, so zeigt sie sich oft in Form von Anspannung, Wachheit, Aktivität, Motivation, hohe Konzentration oder auch als innere Unruhe, Überaktivität, Ruhelosigkeit und Unzufriedenheit. Eine Beanspruchung kann sich auch als Hemmungsprozess, z.B. als Überlastungshemmung zeigen.

Je nach Stärke der Beanspruchung im psychobiologischen Funktionssystem kann sie sich in Beziehung zum Aktivierungsgrad sehr unterschiedlich präsentieren.

Als Grundstufe verstehen Hecht und Balzer (2000, Hecht 2001) die allgemeine Beanspruchung, die bei jeder Tätigkeit auftritt. Selbst der schlafende oder relaxierte Mensch unterliegt einer bestimmten Beanspruchung mit seiner psychobiologischen Regulation (siehe Koella 1988). Anforderungen die auch erhöhte Leistungen vom Menschen abverlangen, z.B. in Situationen der Bedrohung, Prüfungen, stärkere körperliche Belastungen usw., erfordern , wenn auch individuell sehr verschieden, eine starke Beanspruchung. Nachgewiesenerweise kann aber auch eine Beanspruchung auf einem sehr hohen Leistungs- und Aktivierungsniveau oder eine dauerhafte hohe Belastung umschlagen in eine Fehlbelastung, die wiederum negative Folgen für das psychobiologische Regulationssystem hat. Die Überschreitung der Adaptationsgrenze für kurze oder längere Zeit führt zu einer stereotypen Beanspruchung. Auch hier sind die Adaptations- und Leistungsgrenzen individuell sehr unterschiedlich, die bei Überschreiten dieser zu Störungen der Regulation, z.B. in Form von Ermüdung, Erschöpfung, verminderte Leistungs- und Handlungsfähigkeit führen. Diese, je nach Intensität auch als Dysregulation , starke Dysregulation, stereotype Dysregulation bezeichnet, kann temporär reversibel oder auch permanent irreversibel sein.


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2.4  Definitionen weiterer Parameter des Dreiphasenentspannungstests (DET)

2.4.1 Regulationsstabilität

Die Einteilung in Stressregulationstypen erfolgt nach dem jeweiligen Verhältnis (Dominanz) zwischen Regulationsstabilität und Regulationsinstabilität in der zweiten und dritten Phase des Dreiphasenentspannungstests (DET) zueinander.

Tabelle 9 Stressregulationstypen

Regulationstyp

Regulationsstabilität

2.Testphase

Erleben des Stresses

3.Testphase

Verarbeiten des Stresses

Beherrscher (BH)=

Stabil

stabil

stabil

Bewältiger (BW)=

nicht stabil

instabil

stabil

Kompensierer (KP)=

nicht mehr stabil

stabil

instabil

Nichtbewältiger (NBW)=

Instabil

instabil

instabil

2.4.2 Fähigkeit zur Entspannung

Ein Proband ist entspannt, wenn sich eine Tendenz von kurzen zu langen Perioden im Verlauf eines festgelegten Zeitabschnittes (I. und III: Testphase) auf der Grundlage einer Regressionsgeraden zeigt.

Demnach ist lt. Definition ein Proband nicht entspannt, wenn sich keine Tendenz von kurzen zu langen Wellen (I. und III. Testphase) auf der Grundlage einer Regressionsgeraden zeigt.

Somit kann die Entspannungsfähigkeit bestimmt werden:

Zusätzlich zum DET wird mit dem Blutdruckentspannungstest eine Aussage zur Entspannung in sozialer Kommunikation getroffen.


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2.4.3  Überlastungshemmung (I. P. Pawlow 1927)

Die Überlastung des vegetativ-emotionellen Systems (z.B. in einer Stresssituation) zeigt sich durch spontan auftretende kurze oder länger dauernde Episoden in den äußersten Deaktivierungsbereichen (lange Wellen).

Hecht (2001) beschreibt drei Formen der Überlastungshemmung:

2.4.3.1 Überlastungshemmung als Schutzfunktion

Sprunghafte, aus den Bereichen 1-60 sec. Wellenlänge (K1 und K2) ihren Ursprung nehmende , über das Niveau 120 sec. Wellenlänge (H2) hinausgehende Ausschläge mit einer Einzel- oder Gesamtdauer von kleiner als 1 Minute in einem 10-Minutenabschnitt (= 10% eines Zeitabschnitts) Verharrenszeit. Sie wird als Schutzfunktion bezeichnet und mit ■ symbolisiert.

2.4.3.2 Überlastungshemmung als kurzzeitige Erschöpfung oder kurzzeitige Ermüdung

Sprunghafte, aus den Bereichen 61 – 120 sec. Wellenlänge (L1, L2, H1) ihren Ursprung nehmende, über das Niveau 120 sec. Wellenlänge (H2) hinausgehende Ausschläge mit einer Einzel- und Gesamtdauer von kleiner als 1 Minute in einem 10-Minutenabschnitt (= 10% eines Zeitabschnitts) Verharrenszeit. Sie wird als Überforderung bzw. kurzzeitige Ermüdung oder kurzzeitige Erschöpfung bezeichnet und mit ▲ symbolisiert.

2.4.3.3 Überlastungshemmung als Ermüdung, Erschöpfung

Sprunghafte, aus allen Bereichen (1-120 sec. Wellenlänge; K1, K2, L1, L2, H1) ihren Ursprung nehmende, über das Niveau 120 sec. Wellenlänge (H2) hinausgehende Ausschläge mit einer Einzel- oder Gesamtdauer von größer als 1 Minute in einem 10-Minutenabschnitt

(= 10% eines Zeitabschnitts) Verharrenszeit. Sie wird als Ermüdung oder Erschöpfung bezeichnet und mit ● symbolisiert (siehe Abbildung 16).

Des weiteren wird die Anzahl der in einem Zeitabschnitt vorkommenden Überlastungshemmungen analysiert und angegeben.


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Abbildung 16:Dynamogramm mit Definition der Überlastungshemmungsformen
■Schutzfunktion
▲Kurzzeitige Ermüdung oder Erschöpfung
●Ermüdung oder Erschöpfung

2.4.4 Stereotype Regulationsabläufe

Über mehr als 2,5 Minuten dauernde Abschnitte in einem 10-Minuten Zeitraum mit Verharren auf einer bestimmten Periodenlänge im Dynamogramm oder Verharren von Sägezahn-Oszillationen auf einem bestimmten Niveau von mehr als 2,5 Minuten (25%) kennzeichnen stereotype Regulationsabläufe.


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2.4.5  Hypersensibilität

Wie bereits erwähnt, wurde die elektrodermale Aktivität mit dem Gerät HIMEM (Hecht 2001) exosomatisch gemessen. Hierbei ist ein Gleichstrom von 1-5 µA angelegt. Im Gerät ist ein Messkondensator eingebaut, der impulsartig durch einen Gleichstrom aufgeladen wird. Bei Normalanforderung kommt es durch diesen impulsförmig fließenden Gleichstrom zu einer definierten Polarisierung der Elektroden. Danach wird der Messkondensator „passiv“ in Abhängigkeit vom Hautwiderstand entladen (Widerstands-Frequenzwandler). Die Entladezeit zeigt bei geringen Hautwiderständen Werte bis zu 600-800 ms.

Im Falle der Hypersensibilität erfolgt eine Umpolarisierung des Zellmembranpotentials. Dabei ist die Reizschwelle herabgesetzt und bereits geringe Zusatzreize führen zu Aktionspotentialen mit positiven Werten im sogenannten Overshoot- Bereich (Deetjan und Speckmann 1999). Dadurch wird der Messkondensator durch eine gegenpolige „Spannungsquelle“ praktisch kurzgeschlossen und damit die Entladezeit auf Werte unter 20 ms extrem verringert. Das Auftreten derartig kurzer Entladezeiten wird als unspezifische Sensibilität bezeichnet (Balzer und Hecht 2000b, Hecht 2001). Impulsabstände von 50-100 ms bedeuten bereits starke Erregungszustände als Vorstadium, zur Hypersensibilität.

Tabelle 10: Hypersensible Werte im Vergleich zu Messwerten ohne Hypersensibilität

Entladezeiten

ohne Hypersensibilität

in ms

Entladezeiten

bei Hypersensibilität

in ms

787,667

16,904

777,500

15,956

769,000

24,543

760,333

59,484

751,667

19,177

744,615

12,441

734,167

31,714

728,308

31,125

720,462

12,168

712,462

23,807

703,077

23,061

696,857

42,697

688,154

13,555

683,143

32,865

675,846

13,267

672,000

37,280

667,143

16,652

661,714

20,266

699,657

21,486

651,467

19,590

644,286

18,958

Die Impulsabstände (Daten) werden mit Hilfe gerätespezifischer Software weiterverarbeitet.


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2.5  Gesundheits- bzw. Befindungsstufen der emotionell- vegetativen Regulation

Die Gesundheitsstufen werden aus einem empirisch ermittelten Punktesystem, welches den einzelnen Parametern zugeordnet ist, bestimmt (Hecht 2001).

Dabei werden 90 mögliche Punkte auf 6 Stufen verteilt:

Tabelle 11 Gesundheitstufen

Stufe 1

bis 15 Punkte

sehr gut

Stufe 2

16 – 30 Punkte

Gut

Stufe 3

31 – 45 Punkte

noch gut

Stufe 4

46 – 60 Punkte

nicht mehr gut

Stufe 5

61 – 75 Punkte

Schlecht

Stufe 6

76 – 90 Punkte

sehr schlecht

Die Punkte wurden wie folgt bewertet:

Tabelle 12 Punktebewertung nach Hecht (2001)

Stressregulationstypen

BH = 1, BW = 2, KP = 3, NBW = 4 Punkte

Berliner Stress-Skala (BSS)

1 bis 16 Punkte

Regulationsgütezustände

Phasen 1 und 3 (DET)

(+)10 = 1 Punkt

20 = 4 Punkte

30 = 6 Punkte

40 = 8 Punkte

50 = 10 Punkte

(-)60 = 12 Punkte

Relaxationsfähigkeit

Phasen 1 und 3 (DET)

Und für BET

Entspannen (+)

Nichtentspannen (-)

= 1 Punkt für Phase DET bzw. BET

= 6 Punkte für Phase DET bzw. BET

Überlastungshemmung

= 2 Punkte

Hypersensibilität

= 5 Punkte

stereotype Regulation

= 5 Punkte

Regulationssprünge

= 5 Punkte

Die Einstufung bezieht sich auf die vegetativ-emotionelle Regulation und erfolgt in Anlehnung an das Postulat von R. Virchow (1869). Danach beginnt eine Krankheit, wenn der regulatorische Apparat insuffizient wird. Eine Weiterführung dieser Grunderkenntnis finden wir in dem bereits erwähnten Gesundheits-Krankheitsmodell von Hecht und Baumann, siehe Abbildung 1 (Hecht und Baumann 1974, Hecht 1984a, 1993a).


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2.6  Definitionen der Kriterien zur Befundung der emotionell-vegetativen Regulation während des Dreiphasenentspannungstests (DET)

Zur Verwendung der Testergebnisse in der Klinik wurden Kriterien zur Befundung der gestörten und intakten emotional-vegetativen Regulation definiert.

2.6.1 Entspannungsfähigkeit

Die Entspannungsfähigkeit wird anhand der drei Situationen bestimmt:

1. Testphase des DET, 3. Testphase des DET und Blutdruckentspannungstest (BET).

Gute

= Entspannung in allen drei Situationen

Nur in Erwartung eines Stressors

= Entspannung in DET 1. Phase

Nur während der Stressverarbeitung

= Entspannung nur in der DET 3. Phase

Nur in soziale Kommunikation

= Entspannung nur im BET

Eingeschränkt

= Entspannung nur in einer oder zwei Situationen

Verlust

= Entspannung in keiner Situation

Partielle Hyperaktivierung

= fehlende Entspannung in einer

Situation und kurze Perioden in 1 bis 2

Phasen des DET und aktivierte oder

verteilt aktivierte Regulation in 1 Phase des DET

Generalisierte Hyperaktivierung

= fehlende Entspannung in 2 bis 3

Situationen und kurze Perioden in 2 bis

3 Phasen des DET und aktivierte oder

verteilt aktivierte Regulation in 2 Phasen

2.6.2 Erwartungsstress

sehr stabile Gelassenheit

= Entspannung und Regulationsstabilität BET 1

Und RZ der Güte 0 bis 3 in DET 1

Stabile Gelassenheit

= Entspannung und Regulationsstabilität

In DET 1

Erwartungsstress

= fehlende Entspannung

oder Regulationsinstabilität in DET 1

Starker Erwartungsstress

= fehlende Entspannung

und Regulationsinstabilität in DET 1

2.6.3 Belastbarkeit gegenüber Stressoren

gute Belastbarkeit

= Regulationszustand der Güte 0 bis 2 in DET 3

Borderline- Beanspruchung

= Regulationszustand der Güte 3 in DET

3 (Adaptationsgrenze erreicht)

oder Regulationszustand der Güte 1

bis 2 in DET 3 nach Dysregulation

(Regulationszustand der Güte 4 bis 6) in DET 1

eingeschränkte Belastbarkeit

= Dysregulation (Regulationszustand

der Güte 4 bis 5) in DET 3

2.6.4 Stressverarbeitung

Gut

= Regulationsstabilität in DET 3 (BH und BW)

eingeschränkt

= Regulationsinstabilität in DET 3 (KP und NB)

Liegt eine eingeschränkte Stressverarbeitung bei guter Belastbarkeit gegenüber Stressoren vor, kann eine akute Situation noch gemeistert werden. Dauerbelastungen werden jedoch in der Regel nicht mehr verkraftet.

partielle Erschöpfung

= deaktivierte oder verteilt aktivierte Dysregulation

(Regulationszustand der Güte 4 bis 6) in DET 3 und

eingeschränkter Entspannung

allgemeine Erschöpfung

= mehr als 3 UH unmittelbar hintereinander oder

deaktiviert oder verteilt aktivierte Dysregulation

(Regulationszustand der Güte 4 bis 6) in DET 1

und 3 bei eingeschränkter Entspannungsfähigkeit

und langen Wellen in allen 3 Phasen des DET.


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2.7  Statistische Bearbeitung

Zum Vergleich der einzelnen Gruppen wurde der Chi- Quadrat-Unabhängigkeitstest verwendet. Beurteilt wurde der Chi- Quadrat-Wert auf der Grundlage des Tabellen- Chi- Quadrat-Wertes als Prüfgröße.

Bezogen auf den Alpha Faktor wurde beurteilt:

Der Chi-Quadrat- Unabhängigkeitstest ist ein Signifikanztest zum Prüfen der Hypothese, ob zwei Merkmale (x,y) aus einer Grundgesamtheit voneinander statistisch unabhängig sind.

Die Grundlage des Tests bildet eine (r⋅c) Kontingenztabelle, die aus einer Zufallsstichprobe mit einem Umfang von n Merkmalsträgern erstellt wurde.

Der χ2 – Unabhängigkeitstest basiert auf dem Testvariablenwert

χ 2 =

dessen zugehörige Testvariable χ2 unter der Nullhypothese H0: x und y sind statistisch unabhängig asymptotisch einer χ2 –Verteilung mit df = (r-1)⋅(c-1) Freiheitsgraden genügt. Die Null- oder Unabhängigkeitshypothese wird abgelehnt, sobald a*<α gilt. Dabei kennzeichnet a* das empirische und α das vorgegebene Signifikanzniveau.

Kontingenzmaß

Mit Hilfe der Kontingenzmaße ist man nicht nur in der Lage, eine statistische Kontingenz zwischen zwei Merkmalen aufzuzeigen, sondern auch noch eine deskriptive Aussage über deren Stärke zu treffen.

Kontingenzmaß V nach CRAMER

Ist für n Merkmalsträger eine (r⋅c)-Kontingenztabelle zweier nominal skalierter Merkmale x und y gegeben und aus der Kontingenztabelle das χ2 –Maß nach PEARSON berechnet worden, dann heißt das Maß

V =

Nominales Kontingenzmaß V nach CRAMER.


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mögliche Aussagen:

Angegebener Wert von 0,000 bedeutet, dass das berechnete Signifikanzniveau kleiner ist, als 0,0005.

Abkürzungen in den folgenden Tabellen :

n

= Anzahl der gültigen Fälle

BH

= Stressbeherrscher

BW

= Stressbewältiger

KP

= Stresskompensierer

NBW

= Stress-Nichtbewältiger

Gruppen:

(1)

= WHO-Gesunde

(2)

= klinisch Gesunde

(3)

= chronisch Schlafgestörte


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17.12.2003