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5  Zusammenfassung

1. Die Medizin kann sich faktisch zwei verschiedener Gesundheitsdefinitionen bedienen und sich damit auf die klinische Gesundheit stützen, welche sich in erster Linie auf Referenzwerte klinischer und paraklinischer Befunde bezieht und auf die Gesundheit nach der WHO- Definition, welche den Menschen als biopsychosoziale Einheit betrachtet.

2. Diese Tatsache führt aber zu Konflikten, wenn es z.B. gilt gesundheitsschädigende Wirkungen von Lärm und elektromagnetischer Felder zu beurteilen und Immissionsrichtwerte aufzustellen oder wenn Invalidität begutachtet werden soll.

Dieser Konflikt belastet nicht nur die Medizin, sondern wird gegenwärtig offensichtlich z.B. im Zusammenhang mit dem Einsatz von Mobiltelefonen diskutiert. Dies führt zu Unsicherheit in breiten Kreisen der Bevölkerung, die nicht zuletzt wieder als Stressfaktor wirkt.

3. Die Literaturübersicht reflektiert den Komplex Psychophysiologie und Chronobiologie ausführlich, um den Begriff Chronopsychobiologie umfassend zu erläutern.

Unter Psychophysiologie wird eine Lehre bzw. eine Fachdisziplin verstanden, die sich mit den Zusammenhängen und Wechselbeziehungen psychischer und physiologischer Prozesse des ganzen Menschen befasst.

Die Chronobiologie ist die Lehre von den biologischen Zeitfunktionen, die in einer Hierarchie von biologischen und psychobiologischen Rhythmen die Homöostase eines Individuums bestimmen und die Synchronisation mit den Umweltrhythmen regulieren. Unter Chronopsychobiologie verstehen wir folglich auch alle psychophysiologischen Prozesse, die sich in Beziehung zur Zeit und damit zu den Rhythmen vollziehen. Alle Vorgänge sind messbar.

4. Die Literaturübersicht analysiert die Begriffe und Definitionen Gesundheit, Krankheit und Normwerte kritisch.

5. Angesichts dieser Problemlage verschiedener Auffassungen und Anwendungen der Gesundheits- und Krankheitsdefinitionen entstand die Aufgabe, mittels der chronopsychobiologischen Regulationsdiagnostik zwei unter verschiedenen Aspekten als gesund bezeichnete Gruppen miteinander zu untersuchen.

6. Es handelt sich dabei um eine Gruppe, die auch als klinisch gesund vom Gesetzgeber deklariert werden konnte und als Kontrollgruppe für Pharmastudien geeignet befunden wurde.

Eine weitere Gruppe, bei der eine gesundheitsbewusste Lebensweise dominierte, entsprach außerdem den Anforderungen der WHO- Definition.


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Die dritte Gruppe zum Vergleich bildeten Patienten mit einer chronisch psychophysiologischen Insomnie ohne klinische Befunde, um auch die funktionellen Störungen mit zu beurteilen.

7. Von der chronopsychobiologischen Regulationsdiagnostik eignete sich der Dreiphasenentspannungstest, der wie folgt ablief (Hecht 2001).

Die Versuchsperson setzte sich halbliegend in einen Sessel mit hochgelagerten Beinen. Dabei erhielt der Proband die Aufgabe, 25 Minuten zu relaxieren und sich dabei mit geschlossenen Augen auf eine ruhige und gleichmäßige Atmung zu konzentrieren, somit ein gedankliches Mitschwingen im Atemrhythmus in entspannter Atmosphäre zu empfinden. Während dieser Zeit registrierten wir den in Impuls umgewandelten Hautwiderstand in Form von Zeitreihendaten.

Von der 10. bis 11. Minute wurde über Kopfhörer ein Stressor in Form vorher aufgezeichneten Straßenverkehrslärms von ca. 80 dB appliziert.

Die Messdaten werden nach 3 Phasen analysiert.

1.Phase: Erwartungsstress

2.Phase: Erleben des Stressors

3.Phase: Stressverarbeitung

8. Die Analyse der Zeitreihendaten erfolgte mit einem biorhythmometrischen Softwareprogramm nach dem Prinzip der Periodenvariabilität. Analog zum Schlaf-EEG und der Herzfrequenzvariabilität konnten die Funktionszustände bestimmt werden (z.B. Beanspruchung, Relaxation, Stabilitätszustände und die 6 Gesundheitsstufen).

9. Es wurden folgende wesentlichen Ergebnisse erzielt:

9.1. Die chronopsychobiologische Regulationsdiagnostik (CPR) erweist sich als eine brauchbare Methode in der es möglich war, klinisch Gesunde und Gesunde nach der WHO-Definition zu differenzieren und zu klassifizieren.

9.2 . Ergebnisse, die mit der chronopsychobiologischen Regulationsdiagnostik und mittels eines psychosozial ausgerichteten Fragebogens erzielt wurden, korrelierten miteinander. Eine Differenzierung und Klassifizierung zwischen klinisch Gesunden und Gesunden nach WHO-Definition konnte damit erfolgen.

9.3. Die mit den oben beschriebenen angewendeten Methoden erbrachten Daten wiesen aus, dass zwischen den klinisch Gesunden und der zur Kontrolle mitgeführten psychophysiologischenInsomnikern mehr Ähnlichkeiten vorhanden waren als von der ursprünglichen Gruppeneinteilung der Probanden zu vermuten war. Dagegen zeigte selbiger Vergleich zwischen den klinisch Gesunden und Gesunden nach der WHO- Definition sogar hochsignifikante Unterschiede.


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9.4. Paraklinische und klinische Befunde zeigten bei allen drei Gruppen analoge Werte im international festgelegten Referenzbereich. Mit ihnen war keine Differenzierung zwischen klinisch Gesunden, Gesunden nach WHO- Definition und psychophysiologischen Insomnikern möglich.

10. Bei Bezugnahme auf die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, in dieser Arbeit speziell die ICD 10F, haben die von uns untersuchten klinisch Gesunden mehr oder weniger stark ausgeprägte Symptomatik von psychischen Störungen. Dies müsste bei der Beurteilung von Schadstoff-, Lärm- und EMF-Wirkungen auf den Menschen beachtet werden, wie auch bei den klinisch-pharmakologischen Untersuchungen.

11. Die in der Arbeit erzielten Ergebnisse bedürfen durch weitere Untersuchungen eine Fundierung. Sie signalisiert aber sowohl unter praktischen als auch unter theoretischen Aspekten einen dringenden Forschungsbedarf.


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17.12.2003