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Einleitung

Das zentrale Nervensystem reagiert auf Erfahrungen durch Änderungen der synaptischen Übertragung. Diese Änderungen können auf verschiedenen Zeitskalen stattfinden. Damit wird entweder die Kurzzeitdynamik synaptischer Übertragung oder die dauerhafte Speicherung neuer Gedächtnisinhalte beeinflusst. Die Mechanismen der synaptischen Plastizität beinhalten sowohl prä- als auch postsynaptische Änderungen. Kürzlich wurden in verschiedenen Systemen Hinweise auf einen neuen Mechanismus der präsynaptischen Plastizität gefunden: Die Konzentration von Neurotransmittern in synaptischen Terminalen scheint unter physiologischen und pathophysiologischen Bedingungen variabel zu sein ((21). Im Falle des inhibitorischen Neurotransmitters GABA ist gezeigt worden, dass nach der Induktion epileptischer Ereignisse kompensatorisch die GABA-Produktion verstärkt wird ((7,(9). Dieser Effekt ist auch pharmakologisch relevant, weil antiepileptische Medikamente wie Vigabatrin oder auch Valproat (neben anderen Effekten) den GABA-Abbau verringern.

Um den Mechanismus dieser klinisch wichtigen Beobachtung auf zellulärer Ebene zu verstehen, haben verschiedene Arbeitsgruppen einschliesslich meiner eigenen die Wirkung einer Erhöhung der präsynaptischen Konzentration von GABA durch Applikation von Vigabatrin in vitro untersucht. Es hat sich gezeigt, dass nicht nur der Füllungszustand der synaptischen Vesikel erhöht war („Amplitudeneffekt“), sondern auch ein Einfluss auf die Freisetzung synaptischer Vesikel besteht („Frequenzeffekt“). Diese Experimente wurden in Hirnschnitten des Hippocampus der Ratte durchgeführt, da diese Struktur sowohl physiologisch eine hohe Plastizität aufweist als auch für die Pathogenese von Temporallappen-Epilepsien relevant ist, der häufigsten Form fokaler Epilepsien. Je nach Präparation wurde nach Applikation von Vigabatrin eine verstärkte ((6) oder eine verminderte ((16,(3) Freisetzung GABAerger Vesikel beobachtet.


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08.06.2005