1 Fragestellung

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Das Reizdarmsyndrom ist als Symptomkomplex schon lange bekannt und wird seit Jahrzehnten als diagnostische Entität gebraucht. Die Pathogenese der Erkrankung liegt jedoch noch weitgehend im Dunkeln. Handelt es sich um eine Störung der Motilität oder der Sensorik? Ist eine Fehlfunktion des Darmnervensystems ursächlich oder liegt die Veränderung im Zentralnervensystem?

Eine erhöhte Empfindlichkeit der Darmschleimhaut gegenüber mechanischen Reizen wird bei vielen Patienten gefunden und ist als Diagnosekriterium diskutiert worden. Um die Ätiologie dieser viszeralen Hypersensitivität zu beleuchten, sind die Verfahren der funktionellen Bildgebung ein wichtiger Schritt, bei dem die zentrale Repräsentation viszeraler Reize zwischen Gesunden und Reizdarmpatienten verglichen werden kann. Jedoch gibt es keine auch nur annähernd vollständige Überblicksarbeit, so daß hier zunächst eine ausführliche Übersicht gegeben wird.

Die meisten Arbeiten postulieren eine Beteiligung emotionaler Vorgänge, beschränken sich jedoch auf die Betrachtung corticaler Strukturen (z.B. anteriores Cingulum und Präfrontalcortex) und untersuchen keine subcorticalen Strukturen, die typischerweise am emotionalen Erleben beteiligt sind (z.B. Amygdala oder Hippocampus).

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Außerdem haben die bisher verwendeten rektalen Stimuli einen großen Nachteil: bis auf eine Studie an gesunden Probanden werden ausschließlich Stimuli im deutlich wahrnehmbaren oder schmerzhaften Bereich verwendet. Typische Darmaktivität führt aber in der Regel nicht zu wahrnehmbarer Stimulation. Es gibt Hinweise, daß nicht wahrnehmbare Stimuli präattentiv anders verarbeitet werden als wahrnehmbare.

Daher sollen in dieser Arbeit folgende Frage benantwortet werden: (a) läßt sich eine zentrale Repräsentation präattentiver, also nicht bewußt wahrnehmbarer, und gerade eben wahrnehmbarer Darmreize nachweisen, (b) sind hier neben den bisher betrachteten auch subcorticale Strukturen beteiligt und (c) unterscheiden sich Gesunde und Reizdarmpatienten in der Repräsentation dieser Reizqualitäten.


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11.12.2006