Badakhshi , Harun R : Thymustumoren Die Rolle der Chirurgie im multimodalen Therapiekonzept - Prognosefaktoren anhand des Krankengutes der Charité zwischen 1983-1998 und einer systmatischen Literaturanalyse

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Kapitel 3. Material und Methoden

3.1 Eigene Patientendaten

Im Rahmen einer retrospektiven Untersuchung wurden die Daten von 40 Patienten erfasst, die zwischen 1983 und 1998 in der Chirurgischen Klinik der Charité in Berlin einer Thymektomie unterzogen wurden und bei denen konsekutiv die Diagnose Thymustumor gestellt wurde.

Bei allen Patienten stützt sich die Diagnose auf die Anamnese und klinische Befunde sowie auf die Ergebnisse der bildgebenden Verfahren wie Röntgendarstellung, Computertomographie und Magnetresonanztomographie. Bei Patienten mit Myasthenia gravis kamen die Klassifikation nach Osserman, die Antikörperbestimmung (Acethylcholin-AK) und das EMG dazu.

Die Indikation zur Thymektomie war:

  1. Thymustumor oder Verdacht auf Thymom
  2. Myasthenia gravis mit Thymomverdacht (klassifiziert nach Ossermann)

Als operativer Zugang wurde die laterale Thorakotomie, die mediane Sternotomie und die Thorakoskopie verwendet.

Sämtliche Präparate wurden im Pathologischen Institut der Charité Berlin begutachtet. Im Rahmen der Studie wurden die pathologischen Berichte notwendigerweise an die neueren Klassifikationssysteme nach Masaoka (1989), Rosai u. Levine 1976) und Müller-Hermelink (1989), adaptiert. Dies war erforderlich, da die Klassifikationssysteme sich im Erhebungszeitraum aufgrund neuer Erkenntnisse über die Pathogenese der Thymome und der verbesserten histochemischen

Methoden verändert haben. Alle relevanten Patientendaten wurden berücksichtigt, die Nachuntersuchungszeit bestimmt und die fehlenden Informationen telefonisch oder postal eingeholt.

3.1.1 Studiendesign, Statistik, Software

Es handelt sich um eine retrospektive Studie.

Einschlusskriterien waren: Nachweis oder Verdacht auf ein Thymustumor und elektive Thymektomie.

Ausschlusskriterien waren: MG-Patienten ohne Nachweis eines Thymustumors, die thymektomiert sind, das Fehlen von relevanten Daten in der perioperativen Phase und im follow up: demographische Daten.

Die Daten der Nachuntersuchungen wurden aus den Archiven der Charité ergänzt, zusätzlich wurden 21 Patienten per Post und Telefon befragt oder ambulant nachuntersucht. Dadurch konnten initiale klinische Informationen, Rezidive oder Tod (und Todesursache) bei Patienten überprüft werden.

Der Vergleich zwischen den Gruppen bezüglich der Verteilung der kategorialen Variablen wurde durch den Chi-Quadrat-Test durchgeführt. Die Mittelwerte stetiger Variablen wurden durch den T-Test überprüft.

Zur Berechnung und Darstellung des Überlebens und der Funktion der Überlebenswahrscheinlichkeit und zur univariaten Analyse der Variablen (potentielle Prädiktivfaktoren) wurde die Kaplan-Meier-Methode verwendet (product limit methode). Diese Methode berechnet die kumulative Wahrscheinlichkeit des Überlebens in der Zeit des Ereignisses (z.B. der Tod) als die Überlebensfunktion S (t). Ein Anteil der Fälle ist zensiert, d.h. für sie ist das Ereignis nicht eingetreten. Der Vergleich zwischen den Gruppen von verschiedenen Variablen wurde durch den Log-rank-Test durchgeführt.

Zur multivariaten Analyse der Variablen wurde das Cox-Regressionsmodel verwendet. In diesem Modell wird ein linearer Zusammenhang zwischen der Einflussgröße und dem lo-garithmierten relativen Risiko angenommen (Sauerbrei, Schumacher 1999). Im Rahmen der onkologischen Studien der Prognosefaktoren wird dieser Test für Überlebenszeiten mit zensierten Daten angewandt.

Das Signifikanzniveau der statistischen Ermittlung wurde bei p=0,05 festgelegt.


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3.2 Systematische Literaturanalyse (systematic review)

In einer Analyse der Literatur ("systematic review") aus dem Zeitraum 1970-1999, haben wir die Publikationen über Thymome bezüglich der prädiktiven Faktoren einerseits und der Ergebnisse der multimodalen Therapieregime anderseits untersucht.

Damit gewinnt man einen Überblick über den historischen Verlauf und Wandel der operativen und konservativen Therapiemodalitäten, die verschiedenen Klassifikationen und deren Relevanz. Die Analyse kann die Erkentnisse über die Prädiktivfaktoren für den Verlauf der Erkrankung zusammenfassen.

3.2.1 Methode

Wir haben eine systematische Literaturstudie der relevanten Publikationen in dem Zeitraum 1970-1999 durchgeführt.

Als Datenquellen wurden die folgenden elektronischen Datenbanken durchsucht: PubMed: MedLine + PreMedLine (National Institut of Health, USA), Embase (CD-ROM WinSpirs 2.0), CancerLit (CD-ROM WinSpirs 2.0). Medizinische Datenbanken im Internet: ScienceDirekt, SpringerLink, MedScape, Ideal und Cochrane Library.

Als Suchwörter wurden benutzt: thymoma, cortical, medullary thymoma, thymus carcinoma, thymic carcinoid, thymectomy, thoracoscopy, pathological classification of thymus, Masaoka staging, radiotherapy, chemotherapy.

Zusätzlich wurde eine systematische Handsuche in den englisch- und deutschsprachigen Referenzzeitschriften durchgeführt. Formal haben wir uns nach den Empfehlungen des Cochrane Institut und anderen statistisch-epidemiologischen Institutionen für die Durchführung von systematischen Rückblicken und metaanalytischen Methoden gerichtet.

Einschlusskriterien:

  1. Klinische diagnostik- und therapiebezogene Studien mit Outcome-Parametern der chirurgischen, strahlentherapeutischen und chemotherapeutischen Therapie.
  2. Englisch- und deutschsprachige Publikationen
  3. Histologisch nachgewiesene Thymome und Thymuskarzinome, konkrete Angaben demographischer Daten.

Ausschlusskriterien:

  1. Ausschließlich experimentelle Arbeiten (biochemisch, immunulogisch, molekularbiologisch) ohne Bezug auf die Klinik.

Datensynthese

Es ist schwierig, aus Studien mit sehr heterogenen Zielsetzungen und Methoden, allgemein gültige und klinisch brauchbare Informationen zu extrahieren. Durch eine systematische Analyse der Literatur kann man verschiedene Daten aus heterogenen Studien sammeln und in Bezug auf ihre klinische Relevanz untersuchen. Es müssen Kriterien einer "externen Validität" definiert werden. Um die Ergebnisse der Arbeiten adäquat und klinisch anwendbar wiederzugeben, mussten einige Kriterien zur Evaluation der Studien bestimmt werden.


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Tabelle 2: Die Auswahlkriterien

Kriterien zur Evaluation der Studien

Beschreibung des Ziels der Studie

Klar/ Unklar

Einschlusskriterien

Klar/ Unklar

Design

Prospektiv/ Retrospektiv

Kontrolle

Konkurrent/ Historisch/ Keine

Therapieregime

Klar/ Unklar

Beschreibung der OP-Technik

Klar/ Keine

Angabe zur Statistik

Allgemein/ Konkret/ Keine

Angabe von negativen Ergebnissen

Ja/ Nein

Die Datenerhebung aus den Archiven der Charité erfolgte anhand von Erfassungsbögen, die konsekutive Eingabe in eine dafür entworfene Maske (Word 97, Microsoft ®). Als Datenbank wurde Exel verwendet (Microsoft®). Der Reference Manager Version 8.0 diente zur Verwaltung der Literatur. Zur statistischen Bearbeitung der Daten wurde die Software SPSS (Version 8.0 Inc., Chicagow). Als Rechner diente ein IBM-kompatibler Personalcomputer mit einem Pentium-II-Prozessor mit dem Betriebsystem Windows 98.


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Mon Sep 24 14:29:09 2001