C Ergebnisse I: Analyse des Outcome

C.1  Perinatale Parameter

C.1.1  Patientenpopulation

C.1.1.1 Anzahl der Frühgeborenen und Verteilung der Gewichtsgruppen

↓25

Die jährlich im VONN erfasste Population wurde von 1997 bis 2001 stetig größer. 1997 wurden vom VONN insgesamt die Daten von 19.581 Frühgeborenen mit einem Geburtsgewicht unter 1500 g ausgewertet, während es 2001 schon über 30.000 VLBW-Frühgeborene waren. Dieser Zuwachs ist überwiegend durch eine Zunahme der Anzahl beteiligter Zentren zu erklären.

In der Neo-CCM wurden von 1997 bis 2001 pro Jahr zwischen 68 und 75 Neugeborene mit einem Geburtsgewicht unter 1500 g in die Datenbank aufgenommen. Bezogen auf die einzelnen Gewichtsgruppen waren das pro Jahr im Durchschnitt 11 Frühgeborene mit einem Geburtsgewicht von 501 bis 750 g, 17 Frühgeborene mit 751 bis 1000 g und 19 Frühgeborene in der Gewichtsgruppe 1001 bis 1250 g. Am größten war die Gruppe der VLBW-Frühgeborenen mit einem Geburtsgewicht von 1251 bis 1500 g. In dieser Gewichtsgruppe wurden im Durchschnitt 23 Kinder pro Jahr geboren.

↓26

Die Neo-UKI nimmt seit 1998 an der Datenerfassung des VONN teil. In den ausgewerteten Jahren 1998 bis 2001 kamen dort pro Jahr durchschnittlich zwischen 49 und 74 VLBW-Frühgeborene auf die Welt. Im Durchschnitt waren dies 10 Frühgeborene in der Gewichtsgruppe 501 bis 750 g, 12 Frühgeborene in der Gruppe der 751 bis 1000 g, 18 zwischen 1001 bis 1250 g und 24 zwischen 1251 bis 1500 g.

Im direkten Vergleich der beiden Kliniken findet sich kein signifikanter Unterschied in der Anzahl der Patienten der einzelnen Gewichtsgruppen (p = 0,344) und es zeigt sich, dass die beiden Neonatologien vergleichbare Patientenpopulationen haben [Tabelle 4].

C.1.1.2 Geschlechterverteilung

Wie Tabelle 4 darstellt, wurden in der Gesamtpopulation des VONN im Durchschnitt in allen Jahren zwischen 51 und 52 % männliche VLBW-Kinder geboren.

↓27

Im Vergleich dazu zeigt sich, dass in der Neo-CCM in den Jahren 1997 bis 2001 mit durchschnittlich 57 % männlicher Frühgeborener mehr Jungen als im Durchschnitt der Gesamt-population auf die Welt kamen. In der Neo-UKI waren es dagegen, ähnlich wie in der Gesamtpopulation, im Durchschnitt 51 % männliche Frühgeborene. Der Unterschied in der Geschlechterverteilung zwischen den beiden Kliniken ist jedoch statistisch nicht signifikant
(p = 0,116).

Tabelle 4: Anzahl der Frühgeborenen pro Jahr
und Gewichtsgruppe
und prozentualer Anteil an männlichen Frühgeborenen in der Gesamtpopulation des VONN, in Berlin (CCM) und in Innsbruck (UKI) dargestellt für die untersuchten Jahre 1997 bis 2001.
Der Unterschied zwischen den beiden Kliniken CCM und UKI ist in beiden Fällen nicht signifikant (Anzahl der Frühgeborenen p = 0,344; Anteil an männlichen Frühgeborenen p = 0,116).

Tabelle 5: Prozentualer Anteil der Mütter mit Schwangerenvorsorge in der Gesamtpopulation des VONN, in Berlin (Neo-CCM) und in Innsbruck (Neo-UKI) in den Jahren 1997 bis 2001. Der Unterschied zwischen den beiden Kliniken Neo-CCM und Neo-UKI ist nicht signifikant (p = 0,239).

C.1.1.3 Inborn-Rate

Im VONN wurden von 1997 bis 2001 durchschnittlich 84 % der Frühgeborenen in der Klinik zur Welt gebracht. Bei der näheren Betrachtung der einzelnen Gewichtsgruppen finden sich durchgehend ähnliche Inborn-Raten für alle Klassen.

↓28

In Berlin wurden in den Jahren 1997 bis 2001 nahezu alle Frühgeborenen (ca. 98 %) in der Klinik geboren und in Innsbruck kamen mit 96 % ebenfalls deutlich mehr Frühgeborene im Krankenhaus zur Welt als in der Gesamtpopulation des VONN und somit ähnlich viele wie in Berlin. Beide Kliniken liegen hier im „Exzellenz“-Bereich. Es findet sich kein signifikanter Unterschied zwischen den Kliniken (p = 0,235).

C.1.2 Perinatale Betreuung

C.1.2.1 Schwangerenvorsorge

In der Gesamtpopulation des VONN erhielten im Median 95 % der Mütter von den Frühgeborenen unter 1500 g eine Schwangerenvorsorge (IQR: 92 - 98 %). Mütter von Frühgeborenen der oberen Gewichtsgruppe hatten häufiger eine Schwangerenvorsorge als Mütter ganz leichter VLBWs.

In der Neo-CCM wurden dagegen mit durchschnittlich 98 % nahezu alle Schwangeren ärztlich betreut. In den drei unteren Gewichtsgruppen zeigt sich eine nahezu 100prozentige Vorsorge. Die Vorsorgerate bei den Frühgeborenen mit einem Gewicht von 1251 bis 1500 g hingegen lag bei durchschnittlich 96 %.

↓29

In der Neo-UKI erhielten in den ersten beiden Jahren 93 bis 94 % eine Schwangerenvorsorge, während in den anderen Jahren in jeder Gewichtsgruppe 100 % durch eine Schwangerenvorsorge ärztlich betreut wurden.

Es zeigen sich für beide Kliniken sehr gute Ergebnisse („Exzellenz“-Parameter) im Vergleich zur Gesamtpopulation [Tabelle 5]. Die beiden Kliniken unterscheiden sich in der Schwangeren-vorsorge nicht signifikant (p = 0,239).

C.1.2.2 Gabe von antenatalen Steroiden

Die pränatale Lungenreifeinduktion durch Gabe von Glukokortikoiden an die Mutter führt bei VLBW-Frühgeborenen zu einer signifikanten Reduktion der Häufigkeit des Atemnotsyndroms, sie ist daher bei drohender Frühgeburt empfohlen. Von einer vollständigen pränatalen Lungenreifeinduktion wird nach einer dreimaligen Gabe innerhalb von 24 Stunden gesprochen. Erfolgt nur eine Gabe bis zur Geburt, wird von einer partiellen Lungenreifeinduktion gesprochen.

↓30

Die Analyse der Gesamtpopulation des VONN zeigt im Vergleich der einzelnen Jahre eine relativ gleichmäßige Anwendung von antenatalen Steroiden. Eine vollständige pränatale Lungenreifeinduktion erfolgte im Median bei 45 bis 49 % der Mütter (25. Perzentil: 35 bis 39 %, 75. Perzentil: 54 bis 60 %), ungefähr 30 % erhielten keine Steroide (25. Perzentil: 21 bis 22 %, 75. Perzentil: 36 bis 41 %).

In den Jahren 1997 bis 2000 wurden dagegen in der Neo-CCM 62 bis 75 % der Mütter bei einer drohenden Frühgeburt mit einer kompletten Gabe von antenatalen Steroiden versorgt. Die Anzahl der Mütter, welche keine Steroide bekam, blieb mit Werten von 15 bis 26 % relativ konstant [Abb. 1].Eine Ausnahme stellt das Jahr 2001 dar. Hier kam es zu einer Abnahme der kompletten und partiellen Induktion. Diese Veränderung betraf alle Gewichtsgruppen außer die Gruppe der 751 bis 1000 g schweren Frühgeborenen.

In der Neo-UKI entsprach die Häufigkeit der Lungenreifeinduktion 1998 dem Median des VONN. Dagegen bekamen in den folgenden Jahren 65 bis 81 % der werdenden Mütter bei drohender Frühgeburt einen kompletten Zyklus an antenatalen Steroiden, zwischen 9 und 13 % der Mütter bekamen keine Steroide [Abb. 1].

↓31

Die Lungenreifeinduktion ist für beide Kliniken als „Exzellenz“-Parameter zu beurteilen. Der Vergleich zwischen den beiden Kliniken zeigt keine signifikanten Unterschiede bezüglich kompletter (p = 0,092) oder partieller (p = 0,096). Allerdings fanden sich in der Neo-CCM signifikant mehr Frauen ohne Lungenreifeinduktion (p = 0,001).

C.1.2.3 Entbindungen per Kaiserschnitt

Im VONN werden im Median etwa 65 % (IQR: durchschnittlich 57 bis 69 %) der Frühgeborenen per Sectio cesarea zur Welt gebracht. In den letzten Jahren kam es zu einem geringfügigen Anstieg.

Die Neo-CCM liegt mit einer Sectio-Rate um 80 % meist über dem 90. Perzentil (mit Ausnahme des Jahres 1999).

↓32

In der Neo-UKI wurden in den Jahren 1998 bis 2001 zwischen 80 und 87 % der VLBWs per Kaiserschnitt geboren (94. bis 98. Perzentil).

Im direkten Vergleich der beiden Kliniken zeigt sich für beide eine hohe Rate (oberhalb des
90. Perzentils) an Kaiserschnitten [Abb. 2] und es findet sich kein signifikanter Unterschied
(p = 0,117).

Abbildung 1: Gabe antenataler Steroide differenziert nach kompletter Gabe (3 mal innerhalb von 24 Stunden), partieller Gabe und nicht erfolgter Gabe. Gezeigt werden für die einzelnen Jahrgänge 1997 bis 2001 die Häufigkeiten in Prozent für die Gesamtpopulation des VONN, die Neo-CCM und die Neo-UKI. Dabei sind für das VONN der Median durch einen Querbalken und die IQR durch einen vertikalen Strich dargestellt, wobei die untere Begrenzung die Häufigkeiten zum 25. Perzentil und die obere Begrenzung die Häufigkeiten zum 75. Perzentil zeigt. Die Neo-CCM ist dargestellt durch einen Kreis und die Neo-UKI durch einen Stern. Für die komplette (p = 0,092) und partielle Gabe (p = 0,096) findet sich kein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Kliniken Neo-UKI und Neo-CCM. Für Frauen ohne Lungenreifeinduktion zeigt sich dagegen ein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Kliniken (p = 0,001).

Abbildung 2: Häufigkeit an Kaiserschnitten in der Gesamtpopulation des VONN (Median und IQR), in der Neo-CCM und der Neo-UKI, dargestellt für die Jahre 1997 bis 2001. Detaillierte Erklärung zur Legende siehe Abbildung 1. Der Unterschied zwischen der Neo-CCM und der Neo-UKI in den Häufigkeiten ist statistisch nicht signifikant (p = 0,117).

C.2 Akute und chronische Morbidität

C.2.1  Pulmonale Morbidität

C.2.1.1 Atemnotsyndrom (ANS)

↓33

In der Gesamtpopulation des VONN lässt sich im Verlauf der untersuchten Jahre ein leichter Anstieg der Anzahl der Kinder mit einem ANS beobachten [Abb. 3]. Im Jahr 2001 entwickelten im Median 72 % (IQR: 63 bis 82 %) der Kinder ein ANS. Die Häufigkeit des ANS in den einzelnen Gewichtsgruppen stellt Abbildung 4 dar.

Die Häufigkeit des ANS in der Neo-CCM konnte in den letzten Jahren auf 41 % gesenkt werden (4. Perzentil) [Abb. 3]. Die Analyse der einzelnen Gewichtsgruppen zeigt für alle vier Klassen Ergebnisse weit unterhalb des 25. Perzentil [Abb. 4].

Die Neo-UKI weist in drei von vier untersuchten Jahren eine sehr hohe Inzidenz des ANS auf (oberhalb des 80. Perzentils) mit einem deutlichen Anstieg im Jahr 2001 auf 97 % [Abb. 3]. Während in der unteren Gewichtsgruppe die Ergebnisse in der IQR des VONN lagen, befand sich die Abteilung in den anderen Gewichtsgruppen meistens oberhalb des 75. Perzentils
[Abb. 4].

↓34

Während die Neo-CCM bezüglich der Inzidenz des ANS im „Exzellenz“-Bereich liegt und ihre Ergebnisse in den letzten Jahren noch weiter verbessern konnte, zeigt die Neo-UKI hier einen deutlichen „Problem“-Parameter auf. Es ergibt sich ein signifikanter Unterschied (p < 0,0001) zwischen den beiden Kliniken. Daher bietet sich das Atemnotsyndrom für ein Benchmarking-
Projekt an.

Abbildung 3: Häufigkeit des Atemnotsyndrom in der Gesamtpopulation des VONN (Median und IQR), der Neo-CCM und der Neo-UKI dargestellt für die Jahre 1997 bis 2001. Detaillierte Legende siehe Abbildung 1. Der Unterschied zwischen der Neo-CCM und der Neo-UKI in den Häufigkeiten ist statistisch signifikant (p < 0,0001).

Abbildung 4: Häufigkeit des Atemnotsyndrom in der Gesamtpopulation des VONN (Median und IQR), der Neo-CCM und der Neo-UKI, geordnet nach den einzelnen Gewichtsgruppen und Jahrgängen. Detaillierte Legende siehe Abbildung 1.

C.2.1.2 Bronchopulmonale Dysplasie (BPD)

Die bronchopulmonale Dysplasie wird vom VONN nach zwei unterschiedlichen Definitionen beziehungsweise Parametern ausgewertet. Dies sind die Sauerstofftherapie oder Beatmungsbedarf am 28. Lebenstag beziehungsweise in der 36. Schwangerschaftswoche p. c. (post conceptionem). Die nähere Analyse nach den einzelnen Definitionen ergibt folgendes Bild:

C.2.1.3 Sauerstofftherapie beziehungsweise Beatmung am 28. Lebenstag

↓35

In der Gesamtpopulation zeigt sich in den Jahren 1997 bis 2001 ein Anstieg von 48 auf 54 % der Frühgeborenen, die am 28. Lebenstag noch Sauerstoff benötigten [Abb. 5]. Dieser tendenzielle Anstieg lässt sich in allen Gewichtsgruppen beobachten. Bei den leichtesten Frühgeborenen (501 bis 751 g) stieg die BPD-Inzidenz von 88 auf 93 %, bei den 751 bis 1000 g schweren stieg sie von 67 auf 76 %, bei den 1001 bis 1251 g von 38 auf 43 % und bei den schweren Frühgeborenen (1251 bis 1500 g) von 17 auf 23 % [Abb. 6].

Während die Neo-CCM 1997 und 1998 mit einer BPD-Häufigkeit von ungefähr 40 % eher im Bereich des 25. Perzentils lag, stieg die Inzidenz in den Folgejahren in Richtung Median
(52. und 48. Perzentil) und sank 2001 mit 34 % auf das 13. Perzentil [Abb. 5]. Bei der detaillierten Betrachtung der einzelnen Gewichtsgruppen zeigt sich, dass insbesondere in der Gewichtsgruppe der leichten Frühgeborenen in Berlin bessere Ergebnisse als im VONN erreicht wurden [Abb. 6].

In drei von vier untersuchten Jahren lag die Neo-UKI mit einem Sauerstoffbedarf am
28. Lebenstag bei 42 bis 58 % ihrer Frühgeborenen im Bereich der IQR. Im Jahr 1999 hatte es mit 32 % eine sehr geringe Inzidenz (16. Perzentil) [Abb. 5]. Wie Abbildung 6 zeigt, findet sich bis auf wenige Ausreißer die Verteilung in den Gewichtsgruppen meist im Bereich der IQR.

↓36

Die beiden Kliniken zeigen nach dieser Definition bei der Betrachtung aller untersuchten Frühgeborenen keine signifikanten Unterschiede auf (p = 0,676) und liegen im Durchschnitt der Gesamtpopulation des VONN. Während in Berlin in der Gruppe der leichtesten VLBW-Frühgeborenen teilweise Ergebnisse unterhalb des 25. Perzentils erreicht werden, weist Innsbruck teilweise eine Inzidenz von 100 % auf. Aufgrund der recht ähnlichen Ergebnisse in der Gesamtklasse im Bereich der IQR würde sich daher ein Benchmarking nur für die Gruppe der leichtesten Frühgeborenen anbieten.

C.2.1.4 Sauerstofftherapie in der 36. Schwangerschaftswoche p. c.

Auch unter dieser Definition der BPD stieg in der Gesamtpopulation von 1997 bis 2001 die Häufigkeit der chronischen Lungenerkrankung von 29 auf 38 % der VLBW-Frühgeborenen
[Abb. 5]. Dieser Anstieg zeigt sich auch bei der Aufschlüsselung in die einzelnen Gewichts-klassen in jeder Klasse [Abb. 7].

Die BPD-Häufigkeit in der Neo-CCM betrug durchschnittlich 15 % und lag damit in vier von fünf Jahren unter dem 25. Perzentil im „Exzellenz“-Bereich [Abb. 5]. Betrachtet man die einzelnen Gewichtsgruppen, so lag die BPD-Inzidenz in der Gruppe der leichtesten VLBWs ebenfalls fast immer unter dem 25. Perzentil (in drei von fünf Jahren). Hingegen lag sie bei den drei anderen Gruppen meistens zwischen dem 25. und 50. Perzentil im Bereich der IQR
[Abb. 7].

↓37

Während in der Neo-UKI in den Jahren 1998 bis 2000 zwischen 21 und 40 % der VLBW-Früh-geborenen noch in der 36. Schwangerschaftswoche Sauerstoff benötigten (29. bis 65. Perzentil), waren es im Jahre 2001 nur 15 % (12. Perzentil) [Abb. 5]. In der näheren Betrachtung der einzelnen Gewichtsgruppen zeigt Abbildung 7, dass dort eher die leichtesten Frühgeborenen noch pulmonale Probleme mit der Lunge haben. Insgesamt liegt die Klinik meistens im Bereich der IQR.

Im direkten Vergleich beider Kliniken zeigt sich ein signifikanter Unterschied (p = 0,015). Jedoch weisen beide Kliniken im Vergleich zur Gesamtpopulation des VONN eher eine niedrige Häufigkeit auf, wobei die Neo-CCM in der Klasse der leichtesten VLBWs bessere Ergebnisse erzielt als die Neo-UKI.

Abbildung 5: Häufigkeit der bronchopulmonalen Dysplasie definiert nach Sauerstoffgabe am 28. Lebenstag beziehungsweise in der 36. SSW p. c. in den Jahren 1997 bis 2001, dargestellt für die Gesamtpopulation des VONN (Median und IQR), die Neo-CCM und die Neo-UKI. Detaillierte Legende siehe Abbildung 1. Der Unterschied zwischen der Neo-CCM und der Neo-UKI in den Häufigkeiten der BPD am 28. Lebenstag ist nicht signifikant
(p = 0,676), der Unterschied in den Häufigkeiten der BPD in der 36. SSW ist signifikant
(p = 0,015).

Abbildung 6: Häufigkeit der bronchopulmonalen Dysplasie definiert nach Sauerstoff therapie am 28. Lebenstag und geordnet nach einzelnen Gewichtsgruppen und Jahrgängen; Gesamtpopulation des VONN (Median und IQR), Neo-CCM und Neo-UKI. Detaillierte Legende siehe Abbildung 1.

↓38

Abbildung 7: Häufigkeit der bronchopulmonalen Dysplasie definiert nach Sauerstoff therapie in der 36. SSW p. c., geordnet nach Jahrgängen und einzelnen Gewichtsgruppen und dargestellt für die Gesamtpopulation des VONN (Median und IQR), die Neo-CCM und die Neo-UKI. Detaillierte Legende siehe Abbildung 1.

Abbildung 8: Pneumothoraxrate in den Jahren 1997 bis 2001 dargestellt für die Gesamtpopulation des VONN (Median und IQR), die Neo-CCM und die Neo-UKI. Detaillierte Legende siehe Abbildung 1. Der Unterschied zwischen der Neo-CCM und der Neo-UKI in der Pneumothoraxrate ist nicht signifikant (p = 0,386).

C.2.1.5 Pneumothorax

In der Gesamtpopulation des VONN ist die Inzidenz des Pneumothorax mit 6 % (25. Perzentil bei 3 %, 75. Perzentil bei 8 %) über die Jahre relativ konstant.

Während die Neo-CCM 1997 mit 6 % noch genau im Median lag, zeigt sich bis 1999 eine Senkung der Inzidenz auf nur 1 %. Danach findet sich wieder ein leichter Anstieg, worauf im Jahr 2001 in Berlin 4 % der Frühgeborenen einen Pneumothorax erlitten [Abb. 8].

↓39

Die Neo-UKI zeigt in den Jahren 1998 bis 2000 Werte im Bereich zwischen 3 und 4 % (23. bis 37. Perzentil), während es auch hier im letzten Jahr der Untersuchung zu einem erheblichen Anstieg auf 11 % kam (88. Perzentil) [Abb. 8].

Beide Kliniken liegen im „Exzellenz“-Bereich und es findet sich kein signifikanter Unterschied (p = 0,386). Die Pneumothoraxrate bleibt durch die in beiden Kliniken ähnlich geringe Häufigkeit (Ausnahmejahr 2001) als Benchmarking-Ziel irrelevant.

C.2.2 Symptomatischer persistierender Ductus Arteriosus (PDA)

In der Gesamtpopulation des VONN ist die Inzidenz eines symptomatischen PDA über die untersuchten Jahre nahezu konstant, wobei in den letzten beiden Jahren ein leichter Anstieg zu verzeichnen ist [Abb. 9]. Im Median zeigt die Gesamtpopulation eine Inzidenz von 29 bis 33 % (25. Perzentil: 17 bis 22 %, 75. Perzentil: 39 bis 40 %). Abbildung 9 verdeutlicht, dass sich dieses Muster auch in der Analyse der einzelnen Gewichtsgruppen darstellt.

↓40

Die Werte der Neo-CCM in der Gesamtgruppe stellen im Vergleich zur Gesamtpopulation des VONN einen diskontinuierlichen Verlauf dar. Die Inzidenz bleibt aber im Bereich zwischen dem
25. und dem 75. Perzentil oder liegt in unmittelbarer Nähe. Bei der Analyse der Gewichtsgruppen liegt die Neo-CCM ebenfalls meist in der IQR, wobei es zu vereinzelten Ausreißern kommt [Abb. 9].

Für die Neo-UKI fanden sich recht hohe Inzidenzen für den symptomatischen PDA. Die Klinik lag dort mit Inzidenzen von 36 bis 58 % meist außerhalb der IQR (86. bis 95. Perzentil, außer 1999: 72. Perzentil). Die Analyse der Gewichtsgruppen zeigt in Abbildung 9 für alle Gewichts-klassen erhöhte Werte.

Während in Berlin der symptomatische PDA eine Inzidenz zeigt, die im durchschnittlichen Bereich der Gesamtpopulation liegt, findet sich für Innsbruck eine deutlich höhere Inzidenz des symptomatischen PDA („Problem“-Parameter). Der Unterschied zwischen den beiden Kliniken ist signifikant (p < 0,0001). Daher könnte der PDA als ein Benchmarking-Ziel von Interesse sein.

↓41

Abbildung 9: Häufigkeit des symptomatischen Ductus Arteriosus geordnet nach Gewichtsgruppen und Jahrgängen, dargestellt sind die Gesamtpopulation des VONN (Median und IQR), Neo-CCM und Neo-UKI.

C.2.3 Nekrotisierende Enterokolitis (NEC)

Im Durchschnitt erkrankten in der Gesamtpopulation des VONN von 1997 bis 2001 zwischen
6 und 7 % der Frühgeborenen unter 1500 g an einer NEC (IQR: 3 bis 8 %) [Abb. 10]. Die Inzidenzen in den Gewichtsgruppen zeigt Abbildung 11.

Für das Auftreten einer NEC bei den Frühgeborenen der Neo-CCM findet sich dagegen ein schwankender Verlauf, es liegt aber fast immer zwischen dem 25. und 75. Perzentil des VONN und zeigt somit ein durchschnittliches Outc o me. Im Jahr 2001 erkrankte sogar nur eines der Frühgeborenen aus der Gruppe 501 bis 750 g an einer NEC [Abb. 10]. Des Weiteren ergibt die nähere Analyse der einzelnen Gewichtsgruppen bis auf wenige Ausreißer ein ähnliches Bild, das heißt ein Auftreten der NEC im Bereich der IQR der Gesamtpopulation des VONN, wobei in einigen Jahren die NEC in manchen Gewichtsgruppen sogar überhaupt nicht vorkam [Abb. 11].

↓42

In den ersten drei Jahren der Untersuchung zeigt die Neo-UKI mit einem Auftreten der NEC bei 10 bis 12 % (> 80. Perzentil) eine hohe Inzidenz und liegt dort im „Problem“-Bereich. Im Jahr 2001 konnte die Inzidenz der NEC auf 3 % gesenkt werden, womit die Innsbrucker Klinik auf dem 34. Perzentil lag [Abb. 10]. Die Analyse der Gewichtsgruppen zeigt, dass in den Jahren 1998 bis 2000 die Gruppe der leichtesten Kinder am stärksten betroffen war [Abb. 11].

Abbildung 10: Häufigkeit der nekrotisierenden Enterokolitis in den Jahren 1997 bis 2001 dargestellt für die Gesamtpopulation des VONN (Median und IQR), die Neo-CCM und die Neo-UKI. Detaillierte Legende siehe Abbildung 1. Der Unterschied zwischen der Neo-CCM und der Neo-UKI ist knapp nicht signifikant (p = 0,054).

Abbildung 11: Häufigkeit der nekrotisierenden Enterokolitis geordnet nach Gewichts gruppen und Jahrgängen in der Gesamtpopulation des VONN (Median und IQR), in der Neo-CCM und der Neo-UKI. Detaillierte Legende siehe Abbildung 1.

Der Unterschied in der Häufigkeit der NEC in den beiden Kliniken ist mit einem p-Wert von 0,054 knapp nicht signifikant. Das im Verhältnis zur Gesamtpopulation und zur Neo-CCM erhöhte Auftreten einer nekrotisierenden Enterokolitis in Innsbruck in den Jahren 1998 bis 2000 könnte jedoch trotzdem ein Ansatzpunkt für ein Benchmarking sein.

C.2.4 Bakterielle Infektionen

↓43

Die bakteriellen Infektionen wurden nochmals in frühe (early-onset: Auftreten innerhalb der ersten drei Lebenstage) und späte (late-onset: Auftreten nach dem dritten Lebenstag) Sepsis eingeteilt. Die Inzidenzen von Früh- und Spätsepsis beider Kliniken im direkten Vergleich sind in Abbildung 12 und der Anteil an nosokomialen Infektionen und an reinen koagulase negativen Staphylokokken Infektionen in Abbildung 13 dargestellt.

C.2.4.1 Frühsepsis

Die Infektionsrate innerhalb der ersten drei Lebenstage blieb in der Gesamtpopulation der Frühgeborenen unter 1500 g von 1997 bis 2001 über die Jahre hinweg konstant bei 2 % [Abb. 12]. Auch die Analyse der Gewichtsgruppen ergibt konstante Werte. Alle Gewichtsgruppen zeigen insgesamt eine sehr niedrige Inzidenz. Dabei erkranken bei den leichteren VLBW-Früh-geborenen zwischen 3 und 4 % (IQR: durchschnittlich 0 bis 5 %) und bei den schwereren VLBW-Frühgeborenen nur 1 bis 2 % (IQR: 0 bis 2 %) [Abb. 14].

Die Neo-CCM lag bis zum Jahre 2000 mit einer Inzidenz der Frühsepsis von 4 bis 15 % immer über dem 75. Perzentil (85. bis 97. Perzentil) im „Problem“-Bereich, während es im Jahr 2001 mit einer Inzidenz von 3 % erstmals zu einer Senkung in den Bereich der IQR (73. Perzentil) kam [Abb. 12 und 14]. Diese deutlich höhere Inzidenz als im VONN ist in allen Gewichtsgruppen zu beobachten, wobei in manchen Jahren in einzelnen Gewichtsgruppen auch keine Infektionen zu verzeichnen sind.

↓44

Die Neo-UKI lag in allen Jahren über dem oberen Quartil [Abb. 12]. Während in drei von vier untersuchten Jahren die Klinik jeweils über dem 90. Perzentil im „Problem“-Bereich lag, konnte im Jahr 2000 mit einer Inzidenz von 3 % das 78. Perzentil erreicht werden. Wie Abbildung 14 zeigt, sind alle Gewichtsgruppen betroffen, wobei auch hier in manchen Jahren in einzelnen Gewichtsgruppen keine Infektion auftrat.

Die Kliniken zeigen beide eine erhöhte Inzidenz der Frühsepsis („Problem“-Parameter). Während es in Berlin ab 1999 zu einer Senkung der Inzidenz kommt, zeigt Innsbruck nach einer Phase der Senkung einen erneuten Anstieg. Es findet sich kein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Kliniken (p = 0,336). Durch den diskontinuierlichen Verlauf in beiden Kliniken und die eher schlechten Ergebnisse im Vergleich zum VONN könnte hier trotzdem eine Qualitätsverbesserung gefordert werden.

C.2.4.2 Spätsepsis

An einer bakteriellen Infektion nach mehr als drei Lebenstagen erkrankten in der Gesamt-population im Durchschnitt 11 % (IQR: 5 bis 14 %) der VLBW-Frühgeborenen [Abb. 12]. Auch hier zeigen sich über die untersuchten Jahre hinweg konstante Werte in den einzelnen Gewichts-
gruppen. Während es bei den 501 bis 750 g schweren Frühgeborenen noch bei 21 bis 23 % zu einer Spätsepsis kommt (IQR: durchschnittlich 7 bis 32 %), sind es bei den schwersten VLBWs (1251 bis 1500 g) nur noch 4 % (IQR: 5 bis 14 %) [Abb. 15].

↓45

Die Neo-CCM zeigt in drei von fünf untersuchten Jahren sehr gute Ergebnisse (20. bis
38. Perzentil), während es im Jahr 1999 mit einer Inzidenz der Spätsepsis von 20 % zu einem Ausreißer kam (87. Perzentil) [Abb. 12]. Wie in Abbildung 15 zu erkennen ist, spiegelt sich dieses Bild in den einzelnen Gewichtsgruppen wider. Für das Jahr 1999 findet sich in allen Gewichtsgruppen ein Perzentilenrang oberhalb des 73. Perzentils, wogegen in den übrigen Jahren Ränge in der IQR oder besser erreicht werden konnten und es teilweise zu keiner Infektion kam. Eine Ausnahme stellt die Gruppe der schwersten Kinder dar, in welcher es in zwei weiteren Jahren mit einer Inzidenz von 8 bis 10 % zu erhöhten Werten kam.

Während die Neo-UKI zu Beginn der Untersuchung mit dem Auftreten einer Infektion nach dem dritten Lebenstag bei 36 % der Frühgeborenen auf dem 99. Perzentil lag, konnte dort die Inzidenz in den Folgejahren stark gesenkt werden und lag dann im unteren Bereich der IQR [Abb. 12]. Diese Tendenz lässt sich auch in den einzelnen Gewichtsgruppen wiedererkennen: Wo anfangs noch Ränge über dem 80. Perzentil erreicht wurden, konnte die Inzidenz auf Bereiche in die IQR gesenkt werden, wobei in manchen Jahren sogar keine Infektion mehr vorkam [Abb. 15].

Der Vergleich beider Kliniken zeigt für die untersuchten Jahre einen signifikanten Unterschied (p = 0,003). Während Innsbruck zu Beginn jedoch noch eine stark erhöhte Häufigkeit einer späten Sepsis aufweist („Problem“-Parameter), tritt die Spätsepsis in den Kliniken in den letzten beiden Jahren der Untersuchung zwar ähnlich häufig auf. Die großen Schwankungen in Berlin und die starke Verbesserung der Innsbrucker Klinik könnten Ziel einer näheren Analyse sein.

↓46

Abbildung 12: Häufigkeit bakterieller Infektionen in den Jahren 1997 bis 2001 differenziert nach früher und später Sepsis, dargestellt für die Gesamtpopulation des VONN (Median und IQR), die Neo-CCM und die Neo-UKI. Detaillierte Legende siehe Abbildung 1. Der Unterschied zwischen der Neo-CCM und der Neo-UKI ist für die Frühespsis nicht signifikant (p = 0,336), für die Spätsepsis zeigt sich ein signifikanter Unterschied (p = 0,003).

Abbildung 13: Anteil an nosokomialen Infektionen gesamt und Infektionen mit koagulase negativen Staphylokokken; dargestellt für die Gesamtpopulation des VONN (Median und IQR), die Neo-CCM und die Neo-UKI in den Jahren 1997 bis 2001. Detaillierte Legende siehe Abbildung 1.

Abbildung 14: Häufigkeit früher bakterieller Infektionen (< 3. Lebenstag) geordnet nach Gewichtsgruppen und Jahrgängen, dargestellt für die Gesamtpopulation des VONN (Median und IQR), die Neo-CCM und die Neo-UKI. Detaillierte Legende siehe Abbildung 1.

Abbildung 15: Häufigkeit später bakterieller Infektionen (> 3. Lebenstag) geordnet nach Gewichtsgruppen und Jahrgängen, dargestellt für die Gesamtpopulation des VONN (Median und IQR), die Neo-CCM und die Neo-UKI. Detaillierte Legende siehe Abbildung 1.

C.2.5 Zentrales Nervensystem

C.2.5.1 Neugeborenenretinopathie (Retinopathia praematorum – ROP)

Während das erste Stadium der ROP noch relativ häufig bei ca. 20 % (25. Perzentil: 9 bis 10 %, 75. Perzentil: 26 bis 28 %) der Frühgeborenen der Gesamtpopulation auftritt, ist die ROP höherer Stadien immer seltener und zeigt im vierten Stadium nur noch eine Inzidenz von höchstens 1 % [Abb. 16].

↓47

Die Neo-CCM weist ein zur Gesamtpopulation unterschiedliches Bild auf. Während eine ROP des ersten Stadiums sehr selten auftrat (0 bis 3 %), kamen eine ROP des zweiten und dritten Stadiums etwas häufiger vor. Letztere lagen mit Inzidenzen zwischen 0 und 12 % aber trotzdem meist unterhalb des 25. Perzentils [Abb. 16]. Dagegen stieg die Anzahl der Frühgeborenen,
die an einer ROP im vierten Stadium erkrankten, von 1997 bis 2001 von 0 auf 4 % an und lag im Jahr 2001 auf dem 97. Perzentil.

In der Neo-UKI lässt sich beobachten, dass die ROP in den beiden ersten Stadien weniger häufig als im Durchschnitt der Gesamtpopulation des VONN auftritt. Sie liegt dort meist im Bereich zwischen dem 25. Perzentil und dem Median. Auch das dritte Stadium der ROP zeigt noch eine Inzidenz, welche im Bereich der IQR liegt (Ausnahme 1999). Wie Abbildung 16 verdeutlicht, kommt das vierte Stadium in zwei Jahren nicht und in den anderen beiden Jahren mit 2 und
3 % häufiger als in der Gesamtpopulation vor (85. und 95. Perzentil).

Beide Kliniken weisen im ersten und dritten Stadium der Neugeborenenretinopathie eine Inzidenz auf, welche unterhalb oder im Bereich der IQR der Gesamtpopulation liegt. In beiden Kliniken scheint eher die ROP im vierten Stadium der „Problem“-Parameter zu sein. Es finden sich signifikante Unterschiede in den ersten drei Stadien der ROP (Stadium 1: p < 0,0001; Stadium 2: p = 0,022 und Stadium 3: p = 0,004). Für das vierte Stadium zeigt sich kein signifikanter Unterschied (p = 0,804). Angesichts der guten Ergebnisse („Exzellenz“- oder „IQR“- Bereich) in den ersten drei Stadien der ROP und der geringen Fallzahl im vierten Stadium erscheint der Sinn einer Benchmarking-Aktivität hier jedoch fraglich.

↓48

Abbildung 16: Häufigkeit der Neugeborenenretinopathie in den Stadien 1 bis 4 in den Jahren 1997 bis 2001 dargestellt für Gesamtpopulation des VONN (Median und IQR), die Neo-CCM und die Neo-UKI. Detaillierte Legende siehe Abbildung 1. Die Unterschiede zwischen der Neo-CCM und der Neo-UKI in den Stadien 1 bis 3 sind signifikant (Stadium 1: p < 0,0001, Stadium 2: p = 0,022, Stadium 3: p = 0,004). Der Unterschied im vierten Stadium ist nicht signifikant (p = 0,804).

Abbildung 17: Häufigkeit der intraventrikulären Hämorrhagie in den Jahren 1997 bis 2001 differenziert nach Grad 1 bis 4 und dargestellt für die Gesamtpopulation des VONN (Median und IQR), die Neo-CCM und die Neo-UKI. Detaillierte Legende siehe Abbildung 1. Der Unterschied zwischen der Neo-CCM und der Neo-UKI einer IVH ersten Grades ist signifikant (p < 0,0001), der Unterschied einer IVH ersten bis dritten Grades ist nicht signifikant (Grad 2: p = 0,613, Grad 3: 0,449 und Grad 4: 0,617).

C.2.5.2 Intraventrikuläre Hämorrhagie (IVH)

In den Jahren 1997 bis 2001 kam es in der Gesamtpopulation bei 11 bis 12 % der Frühgeborenen zu einer IVH ersten Grades (IQR = 6 bis 15 %). Zu einer IVH zweiten Grades kam es im Durchschnitt nur noch bei 6 % der Frühgeborenen unter 1500 g und zu einer IVH dritten und vierten Grades sogar nur noch bei durchschnittlich 4 % [Abb. 17].

Die Neo-CCM zeigt für die IVH ersten Grades in allen Jahren eine geringere Inzidenz als der Durchschnitt der Gesamtpopulation des VONN und liegt in vier von fünf untersuchten Jahren sogar unterhalb des 25. Perzentils. Wie Abbildung 17 darstellt, finden sich für die IVH zweiten bis vierten Grades meist Ergebnisse im Bereich der IQR.

↓49

Für die Neo-UKI finden sich für die IVH ersten Grades in drei von vier untersuchten Jahren Ergebnisse oberhalb des 75. Perzentils. Die IVH zweiten und dritten Grades weist dagegen tendenziell eine Inzidenz auf, welche im IQR der Gesamtpopulation des VONN liegt. Die IVH vierten Grades lag sogar in zwei der untersuchten Jahre unterhalb des 25. Perzentils [Abb. 17].

Im Vergleich der beiden Kliniken zeigt sich ein deutlicher Unterschied in der Häufigkeit der IVH nur bei der IVH ersten Grades (p < 0,0001), bei welcher die Charité unterhalb der IQR liegt und die Innsbrucker Klinik eher oberhalb des 75. Perzentils. Wegen der geringen Fallzahl und den ähnlichen Ergebnissen im Bereich der IQR bei der IVH zweiten bis vierten Grades (Grad 2: p = 0,613; Grad 3: p = 0,449 und Grad 4: p = 0,617) bleibt die IVH als Benchmarking-Ziel eher irrelevant.

C.2.5.3 Periventrikuläre Leukomalazie (PVL)

In der Gesamtpopulation kam es im Durchschnitt bei 4 % der Frühgeborenen zu einer PVL (IQR: durchschnittlich 1 bis 5 %) [Abb. 18]. Die Analyse der einzelnen Gewichtsgruppen zeigt ein konstantes Bild, wobei in der Gewichtsgruppe der 501 bis 750 g schweren Frühgeborenen die Inzidenz der PVL bei 5 bis 6 % lag und in der Klasse der schwersten Kinder nur noch bei 2 % [Abb. 19].

↓50

Nach einer sehr geringen Inzidenz der PVL im ersten Jahr der Untersuchung (Inzidenz von 2 %; 26. Perzentil), trat die PVL mit 11 % im Folgejahr sehr häufig in der Neo-CCM auf
(96. Perzentil). In den Jahren 1999 bis 2001 konnte die Inzidenz der PVL kontinuierlich wieder gesenkt werden bis sie schließlich im Jahr 2001 mit 4 % im Bereich des Median lag [Abb. 18]. Die nähere Betrachtung der einzelnen Gewichtsgruppen zeigt, dass die PVL in der Gruppe der leichtesten Kinder (501 bis 750 g) außer im Jahr 1999 nicht vorkam. Auch die nächste Gruppe (750 bis 1000 g) lag mit Werten zwischen dem Median und dem 75. Perzentil im Bereich der IQR. Obwohl die PVL in manchen Jahren bei den 1001 bis 1250 g und 1251 bis 1500 g schweren Kindern überhaupt nicht vorkam, findet sich in den anderen Jahren dort eine erhöhte Inzidenz mit Plätzen oberhalb des 75. Perzentils [Abb. 19].

Die Inzidenz der PVL in der Neo-UKI konnte zwar stetig gesenkt werden, lag aber in den ersten drei Jahren der Untersuchung mit einem Auftreten (der PVL) bei 10 bis 16 % der VLBW-Frühgeborenen stets oberhalb des 90. Perzentils. Im Jahr 2001 konnte sie auf 2 % gesenkt werden und lag damit auf dem 34. Perzentil [Abb. 18]. Bei der näheren Analyse der einzelnen Gewichtsgruppen findet sich eine erhöhte Inzidenz in den Jahren 1998 bis 2000 in fast allen Gewichtsgruppen (Ausnahme die Gruppe 751 bis 1000 g) [Abb.19]. Im Jahr 2001 kam die PVL nur in der Gruppe der leichtesten Kinder vor.

Beide Kliniken weisen zu Beginn der Untersuchung eine sehr hohe Inzidenz der periventrikulären Leukomalazie auf und liegen in drei der untersuchten Jahre im „Problem“-Bereich. In beiden Kliniken kommt es im letzten Jahr zu einer Senkung in die IQR. Es findet sich kein signifikanter Unterschied zwischen den Kliniken (p = 0,103). Insgesamt dürfte die kleine Fallzahl für ein Benchmarking eher ungeeignet ein.

↓51

Abbildung 18: Häufigkeit der periventrikulären Leukomalazie in den Jahren 1997 bis 2001 dargestellt für die Gesamtpopulation des VONN (Median und IQR), die Neo-CCM und die Neo-UKI. Detaillierte Legende siehe Abbildung 1. Der Unterschied zwischen der Neo-CCM und der Neo-UKI ist nicht signifikant (p = 0,103).

Abbildung 19: Häufigkeit der periventrikulären Leukomalazie geordnet nach Gewichts-gruppen und Jahrgängen, dargestellt für die Gesamtpopulation des VONN (Median und IQR), die Neo-CCM und die Neo-UKI. Detaillierte Legende siehe Abbildung 1.

C.3 Mortalität

C.3.1 Neonatale Mortalität

In der Gesamtpopulation des VONN verstarben in den fünf Jahren der Untersuchung im Median konstant jedes Jahr 12 % der VLBW-Kinder unter 1500 g innerhalb der ersten 28 Lebenstage (IQR: 8 bis 15 %) [Abb. 20]. Hier zeigt sich, dass diejenigen Frühgeborenen, die mit einem sehr geringen Geburtsgewicht (501 bis 750 g) zur Welt kommen, mit einer neonatalen Mortalität von durchschnittlich 36 % die größte Sterblichkeitsrate aufweisen. In den folgenden Gewichtsgruppen sinkt die Sterblichkeitsrate von 11 % bei den 751 bis 1000 g schweren Frühgeborenen bis zu nur noch 3 % in der Gruppe der schwersten VLBW-Frühgeborenen [Abb. 21].

↓52

In drei von fünf untersuchten Jahren lag die Neo-CCM mit einer neonatalen Sterblichkeitsrate von 8 bis 13 % im Bereich der IQR (28. bis 63. Perzentil) und in den Jahren 1998 und 2001 lag sie mit einer Sterblichkeit von 1 und 5 % sogar unter dem 10. Perzentil [Abb. 20].
Bei der näheren Betrachtung der einzelnen Gewichtsgruppen zeigt sich für die Neo-CCM die höchste Sterblichkeitsrate in der Gruppe der leichtesten Kinder [Abb. 21].

Wie Abbildung 20 darstellt, findet sich für die Neo-UKI zu Beginn der Untersuchung mit 20 % eine eher hohe Sterblichkeitsrate (93. Perzentil), welche sich aber in den darauf folgenden Jahren auf 8 bis 11 % senken ließ (26. bis 48. Perzentil). Die Analyse der einzelnen Gewichtsgruppen spiegelt die hohe Sterblichkeitsrate im Jahre 1998 in fast allen Gruppen wider, während in den anderen drei Jahren eine geringe bis mittlere Sterblichkeit in drei der Gruppen zu verzeichnen ist [Abb. 21].

Es lässt sich festhalten, dass sowohl die Neo-CCM als auch die Neo-UKI im Durchschnitt eine eher geringe bis mittlere neonatale Mortalität aufweisen. Während sich in den einzelnen Gewichtsgruppen Unterschiede finden, unterscheiden sich die beiden Kliniken im Durchschnitt in ihrer neonatalen Mortalität nicht signifikant (p = 0,111), womit die Mortalität für Benchmarking-Aktivitäten nicht geeignet zu sein scheint.

C.3.2 Stationäre Mortalität

↓53

Die stationäre Mortalität, das heißt ein Versterben der Frühgeborenen nach mehr als
28 Lebenstagen, entspricht überwiegend der neonatalen Sterblichkeit und ist in Abbildung 20 im Vergleich zu dieser dargestellt. Auch hier findet sich kein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Kliniken (p = 0,232).

Abbildung 20: Häufigkeit neonataler und stationärer Mortalität im Vergleich in den Jahren 1997 bis 2001 dargestellt für die Gesamtpopulation des VONN (Median und IQR), die Neo-CCM und die Neo-UKI. Detaillierte Legende siehe Abbildung 1. Der Unterschied zwischen der Neo-CCM und der Neo-UKI in der Mortalität ist nicht signifikant (neonatale Mortalität: p = 0,111, stationäre Mortalität: p = 0,232).

Abbildung 21: Häufigkeit neonataler Mortalität geordnet nach Gewichtsgruppen und Jahrgängen, dargestellt für die Gesamtpopulation des VONN (Median und IQR), die Neo-CCM und die Neo-UKI. Detaillierte Legende siehe Abbildung 1.

C.4 Liegedauer

↓54

Die durchschnittliche Liegedauer bis zur Entlassung nach Hause lag bei den Frühgeborenen des VONN in den Jahren 1997 bis 2001 bei 61 Tagen (Standardabweichung: plus/minus 31 Tage). Bei der detaillierten Betrachtung der vier Gewichtsgruppen zeigt sich: Je kleiner das Geburtsgewicht der Frühgeborenen war, desto länger war die Liegezeit. Die Liegedauer der einzelnen Gewichtsgruppen und die Standardabweichung (SD) sind in Tabelle 6 dargestellt.

Die Neo-CCM konnte ihre VLBW-Frühgeborenen in den untersuchten Jahren nach 61 bis
74 Tagen nach Hause entlassen und weist damit Liegezeiten zwischen dem Median der Gesamt-population des VONN und der oberen Standardabweichung auf (51. bis 74. Perzentil, Ausnahme 1999: 92. Perzentil). Während die Neo-CCM in den beiden unteren Gewichtsgruppen immer im Bereich der IQR liegt, weist die Gruppe der 1001 bis 1250 g schweren Frühgeborenen in zwei Jahren Werte größer als das 75. Perzentil auf [Tabelle 6]. Den deutlichsten Unterschied in der Länge der Liegedauer im Vergleich zur Gesamtpopulation zeigt die Neo-CCM in der Gruppe der schwersten Kinder (71. bis 98. Perzentil).

In der Neo-UKI wurden in den untersuchten Jahren die VLBW-Frühgeborenen nach 65 bis
70 Tagen nach Hause entlassen (75. bis 88. Perzentil). In den einzelnen Gewichtsgruppen zeigen sich in fast allen Gewichtsgruppen Perzentilränge über dem 75. Perzentil [Tabelle 6].

↓55

Während in Berlin (Neo-CCM) eher die schwereren Frühgeborenen eine im Vergleich zur Gesamtpopulation längere Liegezeit aufweisen, scheint dies in Innsbruck (Neo-UKI) alle Gewichtsgruppen zu betreffen. Trotz der im Bereich der Standardabweichung liegenden Verweildauer der VLBW-Frühgeborenen in Innsbruck und Berlin kann aufgrund der insgesamt eher hohen Perzentilränge der beiden Kliniken (meist oberhalb des 50. Perzentils) die Liegedauer der Frühgeborenen in beiden Kliniken als „Problem“-Parameter gesehen werden. Da in beiden Kliniken längere Liegezeiten vorliegen und sich zwischen den beiden Kliniken kein signifikanter Unterschied zeigt (p > 0,05), bietet sich die Liegedauer allerdings als Benchmarking-Ziel nicht an.

Tabelle 6: Liegezeiten in Tagen; Gesamtpopulation des VONN (Median und Standardabweichung (SD) in Tagen), Neo-CCM und Neo-UKI jeweils mit der Durchschnittsliegezeit in Tagen und dem Perzentilrang (Perz.) in den Jahren 1997 bis 2001.

C.5 Bilanz: Auswertung des Outcome

Eine zusammenfassende Beurteilung der analysierten Parameter (Kapitel C.1 bis C.3) zeigt Tabelle 7. Dabei wurde für jede Klinik definiert, ob der jeweilige Parameter besser als der Durchschnitt ist (E: „Exzellenz“-Parameter), ob durchschnittliche Werte im Bereich der Interquartildistanz der Gesamtpopulation des VONN erreicht wurden (IQR) oder ob der analysierte Parameter schlechter als der Durchschnitt ist (P: „Problem“-Parameter).

↓56

Für das Benchmarking-Projekt wurden das Atemnotsyndrom, die nekrotisierende Enterokolitis und die bakteriellen Infektionen ausgewählt. Die ersten beiden Bereiche wurden aufgrund der in den beiden Kliniken unterschiedlichen Inzidenz aufgenommen („Problem“- versus „Exzellenz“- und „Problem“- versus „IQR“- Bereich), womit die Grundlage für ein Benchmarking-Projekt zwischen den beiden Kliniken gegeben ist.

Die bakteriellen Infektionen wurden dagegen aus folgenden Gründen mit ausgesucht: Erstens liegen beide Klinken bei der Frühsepsis im „Problem“-Bereich, womit eine Verbesserung in diesem Bereich gefordert werden kann. Zweitens zeigt die Neo-CCM bei der Spätsepsis über die Untersuchung hinweg durchschnittliche Ergebnisse in der IQR, die Neo-UKI dagegen zunächst noch einen „Problem“-Parameter (signifikanter Unterschied). Drittens gibt es gerade im Bereich Infektionsmanagement große Unterschiede bezüglich der Handlungsrichtlinien und -prozessen. Daher bieten sich die bakteriellen Infektionen besonders für ein Benchmarking-Projekt an.

Der persistierende Ductus Arteriosus wurde nicht in das Benchmarking-Projekt eingeschlossen, da sich bei der näheren Analyse herausstellte, dass sich die hohe Inzidenz in Innsbruck durch eine unterschiedliche Auffassung der Definition des symptomatischen Ductus erklären ließ. Während in Berlin nur die Frühgeborenen gezählt wurden, welche klinisch eine Symptomatik aufwiesen, wurden in Innsbruck zu dieser Zeit alle Frühgeborenen innerhalb der ersten
48 Stunden einer echokardiografischen Untersuchung unterzogen und dort festgestellte PDA mit angegeben.

↓57

Aufgrund der kleinen Fallzahl wurde auch die periventrikuläre Leukomalazie nicht mit in das Benchmarking aufgenommen.

Tabelle 7: Outcome der beiden neonatologischen Abteilungen CCM und UKI in den ver schiedenen Bereichen (IQR = durchschnittliches Outcome im Bereich zwischen dem 25. und 75. Perzentil der Gesamtpopulation des VONN, E = „Exzellenz“-Parameter, P = Problem“-Parameter.

Outcome

Neo-CCM

Neo-UKI

Inbornrate

E

E

Schwangerenvorsorge

E

E

antenatale Steroide

E

E

Kaiserschnitte

keine Aussage

keine Aussage

Atemnotsyndrom

E

P

bronchopulmonale Dysplasie (O2 am 28. Lebenstag)

IQR

IQR

bronchopulmonale Dysplasie (O2 in der 36. SSW)

IQR

IQR

Pneumothorax

IQR

IQR

persistierender Ductus Arteriosus

IQR

P

nekrotisierende Enterokolitis

IQR

P

bakterielle Infektionen (Frühsepsis)

P

P

bakterielle Infektionen (Spätsepsis)

IQR

P

Neugeborenenretinopathie

IQR

IQR

intraventrikuläre Hämorrhagie

IQR

IQR

periventrikuläre Leukomalazie

P

P

Mortalität

IQR

IQR

Liegedauer

P

P


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01.09.2006