F Zusammenfassung

F.1 Einleitung

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In der Neonatologie stellt die Langzeitmorbidität und die damit verbundene lange Liegezeit der Frühgeborenen ein zentrales Problem dar. Eine erfolgreiche Methode, um die Qualität der medizinischen Versorgung zu verbessern, ist das klinische Benchmarking. In der vorliegenden Arbeit wird anhand der im Rahmen des Vermont-Oxford-Neonatal-Networks (VONN) erhobenen Daten an der Berliner Klinik für Neonatologie der Charité Campus Mitte (Neo-CCM) und der Abteilung für neonatologische Intensivmedizin der Universitätskinderklinik in Innsbruck (Neo-UKI) ein Benchmarking-Projekt für die Jahre 1997 bis 2001 durchgeführt.

F.2 Material und Methoden

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Das VONN erfasst 45 Eckdaten von der Pränatalzeit bis zur Entlassung. Diese Daten wurden für die Gesamtpopulation des VONN (IQR: 25. bis 75. Perzentil), die Neo-CCM und die Neo-UKI analysiert. Nach der Definition von „Problem“- und „Exzellenz“-Parametern (d. h. Perzentilrang der Klinik außerhalb des IQR liegend) in beiden Kliniken wurde eine Analyse der externen Evidenz anhand von Literatursuche in PubMed und der Cochrane Datenbank für systematische Reviews durchgeführt. Danach wurde ein Fragebogen entworfen, der gezielt Handlungsstrategien und -richtlinien der bezüglich der relevanten Outcome-Parameter erfragt. Die Auswertung stellt vorhandene Unterschiede in den Prozessabläufen und Handlungsrichtlinien der beiden Kliniken dar.

F.3 Ergebnisse

Für die Neo-CCM fanden sich als „Problem“-Parameter die bakteriellen Infektionen (Frühsepsis) und die periventrikuläre Leukomalazie. Als „Exzellenz“-Parameter wurden die Inborn-Rate, die Schwangerenvorsorge, die komplette Gabe von antenatalen Steroiden und das Atemnotsyndrom ermittelt. Die Neo-UKI zeigte ebenfalls sehr gute Ergebnisse bezüglich der Inborn-Rate, der Schwangerenvorsorge und der Gabe von antenatalen Steroiden. In Innsbruck wurden das Atemnotsyndrom, der persistierende Ductus Arteriosus, die nekrotisierende Enterokolitis, die bakteriellen Infektionen und die periventrikuläre Leukomalazie als „Problem“-Parameter gefunden. In beiden Kliniken lag die Rate an Kaiserschnitten über der IQR.

Für das Benchmarking-Projekt wurden das Atemnotsyndrom, die nekrotisierende Enterokolitis und die bakteriellen Infektionen ausgewählt. Die Analyse der Handlungsstrategien durch den Fragebogen zeigte, dass in den folgenden drei Bereichen Unterschiede vorlagen: Respiratorische Interventionen und Handlungsrichtlinien, Nahrung und Ernährung sowie Infektionsmanagement.

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Die respiratorischen Interventionen wiesen eine Differenz in der Sauerstoffsupplementation auf (Kreißsaal und Station), die internen Handlungsrichtlinien zeigten einen Unterschied im Grenzwert für Thrombozytentransfusionen. Weiterhin zeigten sich Unterschiede bei den Grenzwerten zur Detektion der Hypoxie und Hyperoxie.

Im Bereich Nahrung und Ernährung fanden sich unterschiedliche Handlungsweisen bei der routinemäßigen Pasteurisierung der Muttermilch, der Anzahl der Mahlzeiten pro Tag in der Gruppe der 501 bis 750 g schweren Kinder, der Liegedauer einer Magensonde und einer prophylaktischen Antimykotikagabe bei Lage einer Magensonde.

Im Infektionsmanagement zeigten sich Unterschiede in den Handlungsweisen bei der Abnahme von Blutkulturen (Existenz eines standardisierten Protokolls und Mindestmenge), bei Lage eines Blasenkatheters (Antibiotikaprophylaxe), bei den Liegezeiten von Nabelvenen- und Nabelarterienzugängen sowie bei der Heparinprophylaxe bei peripherem Einschwemmkatheter, Nabelvenen- und Nabelarterienzugang.

F.4 Diskussion

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Die Literatursuche gestaltete sich teilweise unergiebig und es zeigte sich, dass in vielen Bereichen noch Bedarf nach guter externer Evidenz und weiterer Forschung besteht. Daher sollten beide Kliniken das begonnene Benchmarking fortsetzen. Zukünftig sollten für Berlin zusätzliche Benchmarking-Partner gesucht werden.

Zusammenfassend kann der Neo-CCM die Überprüfung der Heparinprophylaxe bei Lage von arteriellen und venösen zentralen Zugängen (nötige Heparinmenge) empfohlen werden.

In der Innsbrucker Neonatologie sollten überprüft werden: die Pasteurisierung der Muttermilch, eine Nahrungsgabe von zwölf mal pro Tag bei den VLBW-Frühgeborenen mit einem Gewicht von 501 bis 750 g, eine Antimykotikaprophylaxe bei Lage einer Magensonde und der Grenzwert für Thrombozytentransfusionen (eventuell ein Heruntersetzen auf 30.000/μl).

F.5 Ausblick

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Sollte sich nach Überprüfung und Einführung einer Prozessänderung eine Senkung der Häufigkeiten oben genannter Erkrankungen zeigen, könnten die Kliniken ihre Handlungsrichtlinien gemeinsam neu erstellen. Danach sollte eine erneute Evaluation erfolgen. Wünschenswert wäre eine deutschland- oder europaweite Datenerfassung ähnlich dem VONN.


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01.09.2006