1 Einleitung

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Im Rahmen des Precision Livestock Farming eröffnet der Einsatz von Sensoren und Mikroprozessoren die Möglichkeit, Tierverhalten und dessen Änderungen objektiv zu erfassen und zu bewerten, damit sie als Indikatoren und Entscheidungshilfen im Produktionsprozess zu nutzen sind. Die Anwendung solcher Systeme gewährleistet bereits in verschiedenen Tierhaltungen eine computergestützte, individuelle sowie zeitgenaue Tierkontrolle und Tierüberwachung. Von der Entwicklung sind extensive Haltungsverfahren, wie die Mutterkuhhaltung, in der Regel bisher ausgenommen,. Es wird argumentiert, dass ein extensives und an großflächige Weidenutzung gebundenes Verfahren, den Einsatz sensorgestützter Kontrollsysteme sowohl aus Kostengründen, als auch durch die flexible Nutzung verschiedener Weideflächen, erschwere.

In der Mutterkuhhaltung sind Kontakte zwischen Mensch und Tier haltungsbedingt selten bzw. auf ein Minimum reduziert. Deshalb zeigen Mutterkühe häufig eine ausgeprägte Scheuheit, mit steigenden Fluchtdistanzen sowie verschärften Abwehrreaktionen. Dieses, als natürlich einzustufende Verhalten, ebenso wie die gegebenen Ausweichmöglichkeiten auf großen, zum Teil sehr heterogenen Weideflächen, erschwert eine genaue und effektive Tierüberwachung durch den Menschen. Deshalb könnte die Integration sensorbasierter Systeme in der Mutterkuhhaltung die einzeltierbezogene Kontrolle und Überwachung unterstützen Die wichtigste wirtschaftliche Größe des Verfahrens ist das aufgezogene Kalb. Eine allgemeingültige Regel aus der Praxis verlangt die Erzeugung von einem Kalb pro Mutterkuh und Jahr. Aus diesem Grund ist die intensive Überwachung der Reproduktion ein zentraler Faktor. Sie sollte die Erzeugung eines intakten Embryos, den Ablauf einer komplikationslosen Trächtigkeit, verbunden mit der zeitgerechten sowie problemfreien Geburt eines lebensstarken Kalbes und eine zeitgerechte Wiederbelegung zum Ziel haben. Für die Ökonomie der Mutterkuhhaltung sowie für das einzelne Tier entscheidende Situationen sind folglich die Zeiträume der Abkalbung und der Brunst. Es ist bekannt, dass beide Zeiträume von Seiten der Mutterkühe mit typischen Verhaltensänderungen verbunden sind. Die sensorbasierte Erfassung von Tierreaktionen könnte diesbezüglich eine zeitnahe Erkennung eines Ereignisses ermöglichen.

Bisher ist die technische Integration von sensor- und rechnergestützten Systemen in Extensivhaltungen noch mit Problemen behaftet. Durch den stetig anhaltenden Fortschritt werden sich aber die technischen Entwicklungen auf diesem Gebiet weiterhin verbessern. Bis jetzt fehlen jedoch Kenntnisse zur Nutzbarkeit und Effizienz von messbaren Verhaltensparametern, die z. B. der Tierüberwachung von Mutterkuhherden dienen können.


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09.05.2007