Anhang

Gerichtsreport zum Templiner Wiederaufbau

1. Fall

Am 16. April 1737, die Stadt ist mitten im Wiederaufbau, schreiben einige Bürger der Templiner Gewercke an den Steuerrat Wittich631:

Ihro Königl. Majestät haben allergnädigst resolvirt, daß in dero gantzen Lande eine Collecte geschehen, vor die abgebrannte Bürger in Templin. Da nun viele aus unserer Bürgerschafft, so jetzo im Bau begriffen, nicht capabel sind, sich allein mit den Feuer-Cassen-Geldern im bauen zu helfen. So haben wir gesamte abgebrante Bürger an Euer Hochwohlgeboren gehorsamst Ansuchung thun wollen, ob uns, zu Fortsetzung unseres Baues, die Collecten Gelder nicht ausgezahlet werden könten, damit wir desto eher aus unsern Hütten in die neuen Häuser ziehen, auch uns desto bequemer in unsere Nahrung setzen könten.
So auch aus unserer Bürger-Heyde eine gewisse Quantität an Buchen Stab-Holtz, Eichenen und Kiehnen Balcken, an dem Kauffmann und Holtz-Händler, Schirrmeister, in Zehdenick verkaufft; So wollen doch wohl die gesamte Bürgerschafft gerne wißen, unter was vor protext solches Holtz verkaufft, auch worzu diese, davor empfangene Gelder sollen emploirt werden.
Ueberdem, da es ist nicht genug, daß das alte Holtz aus der Bürger-Heyde verkaufft, sondern auch ein vieles an Jungen Buchenen Holtze, zu Schritten abgehauen, welches des Herrn Bürgermeister Anfrage nach, ohne des Herrn Bürgermeister, Rath-Herrn, Verordneten, Bürgers und Heyde-Läufers Bewilligung und Vorbewußt geschehen, dadurch doch unsere Heyde total ruinirt wird.
Getrösten uns wegen Auszahlung derer Collecten Gelder gnädige Erhörung. Wegen des verkaufften Holtzes deutliche Resolution. Und wegen des abgehauenen Jungen Holtzes, die Antwort, ob solches der Außage nach, ohne Herrn Bürgermeister, Raths-Herrn, Verordneten und Heydeläuffers Vorbewußt abgehauen, wer uns den deshalb erlittenen Schaden ersetzen soll.
Ersterben [...]
Christian Pegelow, Johann Sturme, Johann Albrecht Goltz, Johann Gustav Kämpffe

Christian Pegelow ist nach der Bürgerrolle von 1735 Becker, aber wegen seines liederlichen Lebens und seiner Truncksucht verdient er sein Geld als Tagelöhner und hat nur ein kümmerliches Auskommen.632 Johann Sturm ist Apotheker und als solcher einer der wichtigsten Bürger, dasselbe gilt von dem Chirurgus Kaempffe und von dem bemittelten Goltz, der seiner Profession (Tuchmacher) nicht nachgehen muß, da er doch sonst zu leben hat.

Dieses Schreiben wird Wittich bei seiner Anwesenheit in Templin am 18. April persönlich übergeben und er notirt auf der Rückseite seine Antwort:

Denen Supplicanten wird zur Resolution ertheilet; daß wegen der Collecten Gelder, eine Repartition gemachet, zur Königl. approbation fordersamst eingesand, und hiernegst nach dem 22§ des Bau Reglements, gegen asignation und quitung zum Bau außgezahlet werden sollen.
Unter was vor praetext daß Holtz aus der Stadt. Heyde verkauffet worden, solches müßen die Stadt-Verordneten von selbst wißen, da ihnen allemahl die Königl. Resolution bekand gemachet worden; Sie selbst auch bey Verkauffung des Holtzes gegenwärtig gewesen sind. übrigens ist es eine gantz unnütze Frage, worzu das Holtz Geld employert werden soll, da ihne bekand genug ist, daß solches Geld, nach geschehenen Brande an hundert ohrten zu publiquen Sachen gebrauchet werden muß.
Wegen deß 3ten puncts müßen die Supplicanten die näher Untersuchung der Sache abwahrten, weil noch nicht bekand, weniger denunciret worden wer die Jungen Höltzer herunter gehauen.

Soweit es die Einforderung von versprochenen Geldern betrifft, sind die Verzögerungen bei der Auszahlung der Gelder ein normaler und bei Wiederaufbauarbeiten im Zusammenhang mit königlicher Förderung scheinbar fast zwangsläufig auftretender Vorgang.633 Die Unklarheiten um den Raubbau an der Bürgerheide sind jedoch besondere Templiner Probleme. Für die Dringlichkeit und die allgemeine Unzufriedenheit spricht, daß nicht etwa nur die Templiner Ackerbürger, sondern wie Wittich betont, einige Bürger der Gewercke als Vertreter der gesamten Bürgerschaft die Beschwerde führen. Nicht ganz klar ist, gegen wen sich die Klage richtet. Sehr vorsichtig deuten die Verfasser wohl einen Vorwurf gegen den Magistrat an. Der Kriegsrat Wittich betont die Aufsichtspflicht der Templiner Stadtverordneten und wirft ihnen vor, sie seien doch beim Verkauf anwesend gewesen. Als Begründung für die Notwendigkeit des Holzverkaufs verweist er die Bürgerschaft ganz allgemein auf die vielen publiquen Sachen, die nach einem solchen Brand zu besorgen seien. Hier genau scheint die eigentliche Ursache für die Klage zu liegen: Die Templiner Bürgerschaft fordert genauere Einsicht in die Geschäfte des Magistrats und die Kassen der städtischen Kämmerei. Dabei ist es gleichgültig, ob deren Arbeit gut ist oder nicht. Der Steuerrat jedoch ist nicht bereit, über diese versteckte Forderung auch nur zu sprechen. Die königlichen Bestimmungen sind in diesem Punkt eindeutig und bedürfen keiner Erläuterung. Zwar verspricht Wittich eine nähere Untersuchung, doch dürfte die Bürgerschaft mit dieser Antwort kaum zufrieden gewesen sein.

Hatten sich die Templiner bisher an die formalen Gepflogenheiten und an den übliche Dienstweg gehalten, dabei in Kauf nehmend, daß die Angelegeheit dann ihren üblichen, langen Weg gehen würde, so änderte sich dies nun. Dann aber erreicht den König der folgende anonyme Brief, abgefaßt in Potsdam am 14. Mai 1737:

Sämtliche Bürgerschafft zu Templin stellen hiedurch allerunterthänigst vor, daß der Magistrat ihre Heyde sehr ruiniret und täglich viele Masttragende Bäume darinn fällen läßet, ohne ihnen kundt zu thun, wozu so viel Holtz, oder die daraus gelöhnte Gelder emloyret werden, und da ihnen solches mehr schaden als der Brandt thut;
So bitten sie allerunterthänigst und höchst flehentlichst, Eur: Königl. Maj. wollen allergnädigst geruhen, dem Landt-Jäger-Meister v. Schwerin von hier aus vermittelst einer Cabinetts-Ordre in Hohen Gnaden anzubefehlen, diese nebst noch andern der Templinischen Bürgerschafft richtige Beschwerden gründlich untersuchen und pflichtmäßig davon zu berichten; denn soferne an der Hoch. ChurMärck. Krieges- und Domainen- Cammer diese anliegende Verordnung ergehen möchte, würden sie in noch mehr Kosten gestürtzet und doch nur Hülfloß gelaßen werden.

Die anonymen Autoren dieses Schreibens fordern also eine ‚unparteiliche’ Untersuchung dieser Angelegenheit. Sie werfen nicht nur dem Magistrat vor, er vergreife sich ohne Recht und ohne begründete Not an der in gemeinschaftlichem bürgerlichen Besitz befindlichen Bürgerheide, sondern sie setzen auch den zuständigen Steuerrat und die Kurmärkischen Kammer in ein ungünstiges Licht, indem sie diese verdächtigen, die Handlungen des Magistrats zu decken, parteilich zu sein. Hier offenbar sich sehr deutlich die grundsetzliche Befindlichkeit der Templiner Bürger: Sie mißtrauen der ihnen direkt vorgesetzten Obrigkeit. Keineswegs haben sich diese Bürger mit der obrigkeitlichen Funktion des Magistrats abgefunden; sie versuchen sich Einsicht in die Geschäfte der Stadtverwaltung zu verschaffen und erkennen weder den Magistrat, noch den Steuerrat oder die Kurmärkische Kammer als vertrauensvolle Vertretung ihrer Interessen an. Direkt an den König geht ihre Eingabe.

Der König reagiert prompt. Schon am 17. Mai wird der General Fiscal Gerbett per Kabinettsordre angewiesen, die von einigen Bürgern zu Templin, wider dem Magistrat angegebene Devastation der Stadt Heyde gründlich zu untersuchen. Gerbett beauftragt dann seinerseits einen Forstbedienten der Kurmärkischen Kammer, den Hoff-Jäger Uhlen, zusammen mit den Steuerrat Wittich und dem Jagd-Fiscal Krimpffen, die Untersuchungen vor Ort durchzuführen. Die Ergebnisse faßt das Generaldirektorium am 20. Februar 1738 in einem Schreiben an den König zusammen:

Es hat sich aber nach der ChurMärkischen Cammer Bericht befunden, daß an denen Orten wo einige Eichen abgehauen worden, es die Forstmäßige Haußwirthschaft erforderte, solche Eichen zu fällen, weil fast alle durch eingefaulete Äste dergestallt verdorben, daß unter 50. stück kaum eine noch vor gesund, und kauffmanns guth zu halten, solche abstämmung auch von dem magistrat nicht eigenmächtiger Weise geschehen, sondern diese Eichen unter den von Er. Königl. Majestät allergnädigst concedirten Quanto mit begriffen gewesen, welches zu Aufbauung der abgebrandten Gebäude in der Stadt Templin verwendet werden sollen. Der Augenschein hätte aufgezeiget, daß die Stadt Heyde nicht zu starck angegriffen sey, wie denn auch der Magistrat nicht überführet werden können, daß er ohne Concession Holtz fällen laßen und sey bey dieser dick bewachsenen heyde viel mehr zuträglich gewesen daß das Holtz, welches mit Er. Königl. Maj. allergnädigster Bewilligung geschlagen und verkauffet worden, aus dem Wege gekommen, weil die jungen Büchen durch diese Lüfftung gerade in die Höhe gehen, und in kurtzen völlig Mast tragen werden könten.
Wie sich nun hieraus ergiebet, daß das angeben der Templinschen Bürger ungegründet; So würden dieselben deshalb billig zu bestraffen seyn.
Es bittet aber die ChurMärckische Cammer allerunterthänigst daß dieselben in ansehung des erlittenen Brandes, mit würcklicher Straffe vor diesesmahl allergnädigst verschonet , und sie ernstlich verwarnet werden möchten, bey harter Straffe ins künfftige dergleichen ungegründete Denunciationen nicht mehr vorzubringen, welches Er. Königl. Maj. allergnädigst zu approbiren geruhen werden.

In diesem Punkt aber, der Durchsetzung seiner Macht, ist Friedrich Wilhelm I. unerbittlich. Er schickt diesen Bericht sechs Tage später, am 26. Februar, an den würcklichen Geheimen Etats Minister von Cocceji, teilt diesem das Schreiben des Generaldirektoriums mit und unterrichtet ihn von seiner Entscheidung: Diejenigen Bürger, welche wieder vorerwehnten Magistrat ohne fundament und wieder die Wahrheit geklaget, auf 3 Monath nach Spandow in die Carre gebracht werden sollen. Cocceji soll nun untersuchen, wer der Uhrheber desjenigen memorials gewesen, welches gedachte Bürger immediate eingereichet, auch wenn solche ausgemachet worden, davon an Sr. Königl. Maj. zu berichten, als welche wollen, daß derselbige concipient wegen solches seines Verbrechens halber, zu Berlin in dem Pranger gestellet, auch wenn es ein advocat oder Procurator ist, noch dafür cassirt werden soll. Einen Monat später, am 26. März, berichtet das Generaldirektorium an Cocceji, daß der Kommandeur des Printz Henrichschen Regiments zwei Tage zuvor die Königliche Ordre erhalten habe, zwei Templiner Bürger (Joachim Hasebanck und Joachim Maecker) wegen dieser Sache aufheben und anhero zur Hausvogtey abliefern zu laßen. Die Vernehmung leitet weiter Gerbett. Er weist am 8. April das Amt Zehdenick an, die Templiner Bürger Parisius und Zahl durch einen Landreiter ebenfalls nach Berlin bringen zu lassen. Dort hat er bereits Hasebanck und Maeker verhört und schickt nun am 10. April die Aussagen dieser beiden und der ebenfalls in der Hausvogtei sitzenden Parisius und Zahl zusammen mit einer sogenannten defensions Schrifft des Parisius an Cocceji.

Aus dem Protokoll des Gerbett und den in den Akten befindlichen Unterlagen läßt sich nun folgender Verlauf rekonstruieren. Im April oder Mai 1737, wohl nach der ergebnislosen Beschwerde bei Wittich, hatte eine Gruppe von Templiner Bürgern Mathies Zahl Bürger und Schneider wie auch Christoph Dionisius Parrhysius alß deßen assistenten [...] gedruckte und subscribirte Vollmachten erteilt. Diese Vollmachten wegen ruin ihrer Bürger Heyde, und andern puncten [...] wider den Magistrat in Templin wurde von 34 Bürgern unterzeichnet, darunter beispielsweise der wohlhabende Nadler Martin Heinrich Fehdeler, oder der einflußreiche Tuchmacher Gebhard Christoff Bohm, zu diesem Zeitpunkt immerhin Altmeister der Tuchmachergewerks. Ob die Wahl des Matthies Zahl so glücklich war, ist zu bezweifeln. Schon 1735 war er der Obrigkeit in der Bürgerrolle als sehr zänckisch aufgefallen. Zahl und Parisius zogen nun nach Potsdam. Dort wandten sie sich an einen Grenadier Müller beim Königlichen Regiment. Dieser sollte das Memorial an den König überreichen und dabei darauf achten, daß der Landjägermeister von Schwerin die Sache untersuche und diese nicht an die churm. Kriegs und Domainen Cammer gewiesen werde. Zusammen, wohl unter der Federführung des hofgewandten Müller, setzten sie nun die Immediat-Eingabe auf und der Grenadier Heinicke, Sohn eines Templiner Stadtschreibers, schrieb sie nieder.

Am schlimmsten endete diese Angelegenheit für die beiden Soldaten. Ihr Vorgesetzter, der Hauptmann und Hofjägermeister von Hacke verurteite beide auf den Bericht Coccejis hin kurzerhand dazu, durch 300 Mann Spieß Ruthen lauffen zu müssen. Hasebanck und Maeker wurden entlassen, da sie ja nur nach dem exempel der vornehmsten Gewercke eine Vollmacht unterschrieben hatten. Für Zahl und Parisius aber sah es nicht so gut aus. In einer längeren Verteidigungsschrift versuchte letzterer seine Unschuld, besser die Richtigkeit der erhobenen Klage, darzulegen:

So muß ich zu meiner Defension anführen, daß der Bürgerschaft in Templin zu viel gesche, wenn sie angeklagt wird, als hätte selbe eine gantz und gar ungegründete Klage bey Ihro Königl. Majestäten geführet. Denn es seynd auff ihre geführte Beschwerde, nach geendigter Commission folgende Effecte geschehen. I. Ist einen jeden Bürger das Collecten-Geldt, als auff ein 40 füßiges Hauß, nach Abzug des Stammgeldes, des Empfangenen Holtzes von Königl. Heyde, und was sonst mehr gewesen ist, 16 rtl. gezahlet. 2. Haben einige Bürger ihre consumtialia mit baaren Gelde versteuren müßen. Da aber Geh. Rath zugegen war, wurden diese Bürgern durch den Visitator, Wincklern geruffen und Ihnen ihr erlegtes baares Geldt wieder ausgezahlet. Außer Joachim Mäcker, der 1 Ducaten (wo mir recht ist) an accise erlegt hatt, der es aber bis diese Stunde nicht wieder kriegen, raison wird er selbst sagen. 3. Ist auch seit dem in der Heyde kein Schaden geschehen, sondern alles stille gewesen. 4. 8000 rtl. pro Cent-Gelder sind repartiret worden, wovon ein 40 füßiges Hauß 24 rtl. 12 gr. etliche pf. bekommen. 5. Die massive Keller sind bezahlt vor ungefehr drey Wochen a dato. Und 6tens fehlet nicht mehr, als daß wegen der vor dem Brandt Neu-erbauten Scheunen, der Bürgermeister Berger Sen: welcher in Geh. Raths praesance zu denen Bürgern gesprochen, das Geldt wäre schon da, es solte so gleich, wenn Krieges Rath käme, repartirt werden; Nunmehro zu Jochim Hasebancken, Christian Dochow und Matthies Zahl, letzteren Aussage nach gesprochen, Es wäre nicht da.
Wegen der Heyde aber hat sich befunden, daß auff Einmahl das starcke Kiehnen Holtz aus der Bürger Heyde gehauen, und das Geldt nicht ihnen zum Bau, sondern an die Cämmerey bezahlet worden, und daß die, an den Bürger Aeckern stehende einzelne Mast-Eichen und die Mast-Buchen, welche die Bürgerschafft noch lange Zeit zur Schweine Zucht nützen können, ohne Noth und zum Schaden der Nahrhafften Bürger abgehauen worden. [...]
Euer Königl. Majestät bitte um Allergnädigste Erbarmung meiner armen Frau und 5 Kinder, daß ich nicht untüchtig gemacht werde, mich als ein Schulhalter ferner ehrlich und ohne Vorwurff ernehren, und bleibe bis an das Ende meines Lebens [...]

Doch auch diese geschickte Verteidigung hilft Parisius nicht mehr. Am 10. Mai 1738 wird er gemeinsam mit Zahl auf Ordre des Königs für drey Monat zur Vestungs-Arbeit nach Spandau gebracht.

Zufrieden konnte die Templiner Bürgerschaft mit diesem Ende nicht sein. Weder war ihr die verlangte Erklärung über die genaue Verwendung der Gelder aus dem Holzverkauf gegeben worden, noch hatte sie Einsicht in beziehnungsweise Einfluß auf die Geschäfte des Magistrats erhalten. Deutlich war sie mit diesem Urteil in ihre Schranken verwiesen worden. Sie hatte sich möglichst anstandslos unter die Obrigkeit, bis hin zum Magistrat zu begeben. Der Versuch einer Klage, ob berechtigt oder nicht ist heute kaum noch zu beurteilen, barg schon als solcher den Keim der Widersetzlichkeit und Undisziplinierheit in sich.

2. Fall

Daß der bürgerliche Widerspruchsgeist trotz dieses harten Urteils bei weitem nicht gebrochen war, zeigt zunächst der Fall des nun schon wohlbekannten Matthies Zahl.634 Wie auch Parisius, der in der Diakonatstraße (heute Lutherstraße) ein kleines Bürgerhaus errichtet, kehrt Matthies Zahl nach verbüßter Strafe in seine Heimatstadt Templin zurück und baut in der Diakonatstraße.

Sogleich gerät dieser zänkische Schneider wieder in Konflikt mit seinem Nachbarn Christian Lindner und dem Magistrat. Wie wohl die meisten Templiner hatte er sich gleich nach dem Brand eine Hütte gebaut, in welcher er übergangsweise wohnte. Diese Hütten sollten nach einer königlichen Anweisung wegen ihrer Feuergefährlichkeit weggerissen werden: Actum Templin den 28ten Jul. 1738
Nachdem Sr: Königl. Majestat, bey Dero vorjährigen Durchreyse, allerhöchst verordnet und befohlen, daß die Hütten in dieser abgebrandten Stadt, mit dem fordersamsten abgebrochen, und weggeschaffet werden sollen, und dann zur Verhüthung aller Feuers Gefahr, die höchste Nothwendigkeit erfordert, daß die Hütten, sonderlich so zwischen denen Häusern, in der Stadt stehen mit Spohn gedeckt und keine massive Schornsteine haben, unverzüglich abgebrochen, und weggeschaffet werden sollen, um so viel mehr, verwichenen Pfingst feste, in des Postilion Schmochens seiner Hütte ein Brandt entstanden, wordurch leichtlich ein groß Unglück in der Stadt wiederumb auf neue verursachet werden können; als hat der Herr Krieges Rath Züllich Hochedelgeb. den Magistrat committiret, und anbefohlen, mit allen Ernst, ohne alle weitern Conniventz, dahin zu trachten, daß solche Hütten längstens mit Ablauf des Monaths Augusti c. a. weggeschaffet werden, und in Fall ein oder der ander damit länger zögerte, selbiger mit Militairischer Execution, darzu obligiret werden solle; Da auch verschiedene Häuser vorhanden, welche noch keine Massive Schornsteine aufgeführet, und worinnen das Feuer unter den bloßen Tach gemacht wird, dadurch aber nicht weniger Schaden und Unglück verursachet werden kann, so ist denselben gleichfals von Stund an zubefehlen, daß sie nöthige anstalt zu Aufführung der Schornsteine machen, und solche vor Winters in Stand bringen, wiedrigenfals sie darzu gleichfals durch Militairische Execution angehalten werden sollen.635

Der Tischler Christian Lindner beschwert sich am 28. Juli 1738 bei dem Kriegsrat Zülich über Matthies Zahl:

Ich habe mit vieler Mühe und Kosten, auf Ordre Magistratus meine erbauete Hütte, von dem Hof-Raum des Herrn Diaconi, weil sie einige Fuß ihme zu nahe gewesen, weg bringen müßen. Da nun des Bürgers und Schneiders Mathies Zahl seine Hütte auf meinem Hofe meistentheils stehet, und denselben schon öffters ersuchet, daß er selbige weg bringen möchte, damit ich meinen Hofe feste machen könte, und überdem zu meiner Handthierung sehr in wege stehet, so will doch keine Güte bey gedachten Zahlen helffen, und ob derselbe gleich schon ein gantzes Jahr in seinen neuerbaueten Hause wohnet, so ist er meines Erachtens gar nicht willens, diese Hütte von meinen Hofe weg zu bringen. Wann nun Hochedelgeb. Herr, ich habe räumen müßen, darzu meinen Hoff zu meiner Arbeit sehr nöthig habe, und denselben gerne feste machen will, Alß ersuche ich Er. Hochedelgeb. hiermit gehorsamst, Sie wollen hochgütigst geruhen, und mehr gedachten Mathis Zahlen mit Ernst darzu anzuhalten, daß er die Hütte von meinem Grund und Boden weg schaffen möchte, damit ich ferner klagloß gestellet werde, und meiner Profession, desto füglicher und ohngehindert treiben könne.

Der Steuerrat Zülich befiehlt daraufhin am 29. Juli 1738 dem Templiner Magistrat, die königliche Ordre sofort durchzusetzen und gegen Zahl in Casu renitentio mit der Execution vorzugehen. Erst neun Jahre später, im Herbst oder Winter 1747, wird dieser Befehl ausgeführt. Matthies Zahl bringt daraufhin unverzüglich beim König vor, daß er von dem Magistrath zu Templin gedruckt werde:

Diesen Druck nun, habe ich bereits lange Jahre ausgehalten, welchen Druck ich aber ferner nicht länger auß zu stehen vermag. Allergnädigster König und Herr! Ich bin nicht im stande mit meine Gegner in einen weitläuftigen Process mich ein zu laßen, angesehe ich fast ruiniret bin, folglich darzu keine Mittel übrig habe. Ew. Königl. Majestat communicire hierbey meine Gravamina, mit allerdemüthigster Bitte, allergnädigst zu geruhen, allerhöchst erlaucht ein zu sehen, und allegnädigst zu verordnen, daß mich wegen erlittenen schaden des Gebäudes vergütigung geschehe, mithin die amovirte Diehlen wieder an mich heraus gegeben werden; Besonders aber wollen Ewr: Königl. Majestat allergnädigst geruhen, mich in dero Großmüthigen Schutz zu nehmen und dem Bürgermeister zu Templin Kraffell, so gnädig alß ernstlich an zu befehlen, daß er mich in ruhe laßen solle, sich auch nicht an meiner Persohn vergreiffe, und mich in meiner function fernerhin ruhig laßen solle. [...]
Notificatio Wie ich von dem Bürgermeister in Templin turbiret werde.
1) Als nach geschehenen Brand zu Templin die Stellen ordentlich ausgemeßen: so ist mir von dem dazu verordneten Bau Inspectore nebst dem Magistratu eine Stelle angewiesen worden, da ich den vorerst ein Hinter Gebäude erbauet, woselbst ich einen Winter und zwey Sommer darin gewohnet; nachgehends aber hat der Bürgermeister Berger mich wieder zurück verwiesen; (als ich aber das Gebäude, weil es albereits gantz fertig nicht zu rücken vermögend) so hat mit consul regens das Gebäude durch 100 Mann einhauen, und solchen von Grund auf ruiniren laßen; dabey noch merklich über 2000 Dachsteine waren (welche ich zum neuen Gebäude brauchen wollte) mit hin 2 Schock neue Dielen, welche vor baare Bezahlung angeschaffet, kurtz und klein mache lassen, wofür ich billiger maßen Satisfaction verlange
2.) Da ich den Bürgermeister Berger auf seine Ziegel Scheune 2000 Dachsteine, das 1000 a 5 rtl. bezahlet, so hat er mir selbige wegfahren, und auf sein Haus deken laßen, wodurch es geschehen, mein Vieh den gantzen Winter unter freyen Himmel hat liegen müßen, als ich ihn aber deßhalb befraget, warum er solches gethan? hat er mir in folgenden Jahr 1650 Stück wieder gegeben, worauf er mir also 350 Stück schuldig geblieben.

Kurz darauf, so fährt Zahl in seinem langen Bericht fort, legte Berger sein Amt nieder und bewirkte beim König, daß der Zehdenicksche Amts Acuartuis Kräffell sein Nachfolger wurde, welcher seines Bruders Tochter geheiratet hatte, worunter die Stadt aber nicht glücklich gefahren, indem er eben so wunderlich wie dieser Berger regiret, und in deßen Fußstapffen tritt. Eine weitere Sache bringt Zahl beim König zu Sprache: Bei einem Windbruch vor einem viertel Jahr sei in der Bürgerheide großer Schaden entstanden. Kröffell habe draufhin den Bürgern untersagt, sich in der Hede sehen zu laßen, und auf diese Art ihnen ihre eigene Heyde untersaget, da sie doch von dem Wind Bruch zu ihren Nutzen vieles hätten anwenden können. […] Da aber der erwehnte Bürgermeister Kräffell sein Genüge von dem Windbruch hatte: so habe ich, da ich gesehen, wie andere Mitbürger sich zu ihren Nutzen etwas Holtz daher geholet, mich auch dahin verfüget, und als ich ein Stück Holtz daher geholet, welches zu Dielen tauglich war, so habe mir das Stück Holtz in Templin schneiden laßen, welches ich zu meinen Bau doch hoch benöthiget war. Als nun Kräffell, sein Feind, dies erfuhr, kam er zu ihm, fuhr die Dielen mit Gewalt ab und wandte sie zu seinen Nutzen an. Am 6. Juni 1748 wiederholt Zahl seine Klage beim König Friedrich II.:

Ewr. Königlichen Majestät habe ich unterm 3ten April ao: mit heißen Thränen und innigster Wehmuth allerunterthänigst vorgestellet, wie himmelschreiend und unverantwortlich der Bürgermeister Kraffell zu Templin mich drücket und wie höchst strafbahr derselbe an mir gehandelt, [...].

Drei Dinge klagt Zahl in diesen beiden Schreiben ein: 1. seine von Kräffel gestohlenen Dielen, 2. die Erstattung des Schadens an seiner Hütte und 3. die noch fehlenden Dachsteine. Ganz nebenbei bezichtigt der den Magistrat und seine vorgesetzten Behörden der Vetternwirtschaft und die beiden Bürgermeister Berger und Kräffel der schlechten Regierung und Vorteilsnahme. Schwere Anschuldigungen also.

Nun endlich befielt der Staats- und Justizminister sowie Präsident des Berliner Kammergerichts von Bismarck, vor den der Fall gekommen war, dem Templiner Magistrat, ex officio auf Pflicht und Gewißen zu berichten, wie der wahre Hergang der von Zahl vorgetragenen Angelegenheit gewesen sei. Da aber der Magistrat zunächst untätig bleibt, wiederholt von Bismark auf Sr. Königl. Maj. allergnädigsten special befehl seine Forderung nach einem Bericht. Nun reagiert der Templiner Magistrat. In einem ausführlichen, 14 Seiten langen Bericht verzeichnet dieser alle Punkte der endlosen Streitsache und beschuldigt Matthies Zahl seinerseits schwer:

Zu 1. Es haben gleich nach dem Brand Ao 1735 in welchen die hiesige gantze Stadt in Asche geleget worden, die abgebrandte Bürger sich einige Hütten in der Stadt erbauet, um darin ad interim biß ihre Häuser fertig gebauet, zu wohnen, unter welchen sich auch der Bürger Matthias Zahl befunden; Wie nun die Stadt wieder aufgebauet, und alles in gehörigen Stand gesetzet worden, so haben Se. höchstseeligste Königl. Majestaet bey Dero Anno 1737 gehaltenen Durchreise dahier, allergnädigst anbefohlen, daß die Hütten in dieser abgebrandten Stadt mit dem fordersamsten abgebrochen und weggeschaffet werden solten, [...]. Dieser halsstarrige beständig unruhige Bürger Mattias Zahl nun hat seine mit Brettern ohne massiven Schornstein gebauete Hütte auf des hiesigen Bürgers und Tischler Mstr. Christian Lindners Hoffe gebauet, welcher letztere uns unzehlige mahle bittendlich angegangen, dem Matthias Zahl dahin anzuhalten, daß derselbe solche von seinem Hoffe wegbringen möchte, wie denn auch wir nach obbemeldter Königl. allergnädisgter Verordnung und Befehl, den Zahlen unzehlige mahle bey Straffe und execution angedeutet, sothane Hütte als ein gefährl. Feuer-Nest der hiesigen Stadt, wegzuschaffen, [...].

Zahl aber, so der Magistrat weiter, reagierte nicht. Lindner beschwerte sich schließlich 1738 bei Zülich und dieser befahl dem Magistrat, Zahl auch mit Gewalt zum Abbruch der Hütte zu bringen. Da Zahl wieder nicht reagiert, sah sich der Magistarat gezwungen, um den Bürger Lindner klagloß zu stellen, auch die Stadt für Feuers-Gefahr, welche leichtlich von dieser Hütte entstehen können, in Sicherheit zu setzen, alß daß wir mit der würklichen execution wieder den Zahl verfahren müßen, dahero einige Zimmer Leute gefordert worden, welche auf Befehl des Magistrats, des Matthias Zahls Hütte an den einen Giebel herunter brechen solten, selbige haben dann auch würcklich den einen Giebel nach es Bürgers Lindners Hoff zu, loß gemachet und herunter gebrochen; Daß aber 100 Mann bey dieser actu executionis gegenwärtig gewesen, solche Hütte von Grund auf ruiniret worden, und bey dieser execution 2000. Dachsteine und 2 Schock neue Dielen zerschlagen, kurtz und klein gehauen wurden ist calumniose und grundfalsch von Matthias Zahleneingeklagt worden. Zahls Hütte war, so der Magistrat weiter, mit Brettern und nicht mit Ziegeln gedeckt; auch sei nicht mehr als der Giebel weggebrochen worden, Zahl habe selbst den Rest nach und nach abgebrochen. Zu den angeblich noch zu liefernden 350 Stück Dachsteine wird auf die originalen Ziegeleirechungen Bergers verwiesen, nach welchen Zahl niemals einen Dachstein bei Berger gekauft habe. Nun geht es um Zahls schwerwiegendste Anschuldigung, um die Verleumdung der Bürgermeister Berger und Kräffell:

Kraffell sei nicht Adjunct des Berger, sondern vom König mittels Kabinetsordre zum wirklichen Bürgermeister und Stadt-Richterbestimmt, welches auch der Bürgerschaft ordnungsgemäß mitgeteilt wurde, überhaupt aber dürffte dem Matthias Zahl als einem Bürger wohl nicht anständig seyn, daß derselbe so verächtl. von seinen Vorgesetzten regirenden Bürgermeister und Richter raisoniret.Der Magistrat fordert eineharte Bestrafung, denn sonsten dürffte solche gethane calumnion und Injurien des Magistrats Respect nicht wenig nachtheilig fallen, und insonderheit die erforderl. autoritas judicis großen abbruch leiden. Zu dem Holzschaden in der Heide berichtet der Magistrat, daß der Schaden auf königlichen Befehl von dem Förster Schleeficke besichtigt und taxieret worden sei und man den Erlös des Verkaufs wie üblich an die Kämmereikasse überwiesen habe. Der Magistrat verweist auf die Holzordnung, nach welcher kein Bürger ohne Assignation des Magistrats und Anschlagung des Raths Schützens brauchbares Holt schlagen dürfe. Wer dies trotzdem tut muß mit 2 Talern Strafe rechnen. Der Bürger Zahl nun,welcher sich keinen Obrigkeitlichen Befehl unterwerffen will holte sich verbotener Maßen eine Eiche und wollte diese in der städtischen Schneidemühle schneiden lassen. Da aber der Mühlenmeister Lange ordnungsgemäß die erforderliche Assignation verlangt, flog Zahls Tat auf und kam vor den Bügermeister Kräffell. Dieser bestellte den Straftäter daraufhin ins Rathhaus, doch der Bürger Matthies Zahl erschien nicht. Da letzterer daraufhin beim König klagte, war der Fall nicht weiter verhandelbar. Eindringlich mahnt der Magistrat an dieser Stelle, wenn Zahl Recht bekämewürde daraus nichts als lauter Unordnung entstehen, nehmlich der Bürger würde sich aller Ordnung und Befehle wiedersetzen, nach seinen Belieben in denen Forsten wirtschafften, nutzbahres Holtz, stehende Bäume de facto abhauen, in seinen Nutzen verwenden, auch wohl damit gar zu marchandiren suchen, mithin die Heyden so ruiniren, daß ins künfftige die Cämmerey aus solche nicht den geringsten Nutzen für zu verkauffendes Holtz mehr zu gewarten haben dürffte. Ebenso flasch und strafbar sei im übrigen Zahls Behauptung, Kräffell habe sich zu seinem privaten Nutzen vom Windbruch aus der Heyde bedient. Da Zahl nach all dem aufgeführten nur darauf sinne, seine Vorgesetzten, die ihn an seinen Straftaten hindern wollenzu chiquaniren und zu injuriren, auch wohl noch andere Mitbürger aufzuwiegeln suchet, wozu noch kommt, daß Zahl einer derungehorsamstenBürger sei, ständig mit seinen MitbürgernZänkerey und Schlägerey hat, empfielt der Magistrat, die Klage nicht nur abzuweisen, sondern auch so wohl den Matthias Zahl als auch den Schritfsteller zur gehörigen Vernehmung und Bestraffung ziehen zu laßen.

Das Urteil in diesem aufschlußreichen Fall ist leider nicht überliefert. Nach all diesen Anschuldigungen aber dürfte Zahl die Festung Spandau für einige Zeit wiedergesehen haben.

3. Fall

Nun zum letzten der drei im Zusammenhang mit dem Templiner Wiederaufbau überlieferten gerichtlichen Streitfälle.636 1753 werden Joachim Möcker, auch dieser ist schon vom ersten Fall bekannt, der Schuster Balthasar Völker und der Tischler Alexander Raticke wegen eigenmächtigen collegirens von Geldern bei den Mitbürgern angeklagt. Das strafbare Geschehen selbst lag da bereits einige Zeit zurück. Wohl im Jahr 1748 war dem Steuerrat Gerber von der Kurmärkischen Kammer befohlen worden, die den Templinern von Friedrich II. geschenckte Bau-ProCent-Gelder, und zwar die 2te Post davon mit 4892 rtl. 7 gr. 2 pf.auszuzahlen. Dies hatte Gerber dann auch getan und bei seinem daraufhin fälligen Bericht mitgeteilt, daß bey seiner Anwesenheit in Templin, einige unruhige Bürger, unter andern der Nadler Möcker sich verlauten laßen, daß das repartirte Geld noch nicht all dasjenige sey, so sie zu fordern hätten, sie wolten nun auch das übrige suchen.

Bei dieser Gelegenheit erfuhr Gerber auch noch von einer anderen Sache. Möcker, Völker und Raticke waren durch die Stadt gegangen und hatten bei ihren Mitbürgern von diesem geschenkten Geld insgesamt 150 rtl. eingesammelt. Auf diesen Bericht Gerbers hin wird der Hoffiscal Fuhrmann mit der Untersuchung des Falls beauftragt. Er vernimmt zuerst Möcker, welcher sich mit den Worten verteidigt:, es wäre grund falsch, daß, nachdem die ersten pro-Cent-Gelder gefallen, er bey der Bürgerschafft Hauß für Hauß herum gegangen, und ihnen eingebildet, solches wären Königl. geschenckte Gelder und nun wolte er auch die procent Gelder herbey schaffen, es hätten vielmehr einige Bürger freywillig eine Collecte zu geben offeriret, und ein jeder nach seinen freyen willen einige groschen gegeben, ihn auch eine Vollmacht ausgestellet, welche er dem Procureur Richter zu prosequirung der Sache eingehändiget; Er hätte dieser Collection halber bey dem Krieges-Rath und Magistrat sich vielfältig gemeldet, wäre aber auf kein gewißes beschieden, wie er dann deshalb ein Memorial cum decreto produciret, welches aber von anno 1748 datiret, und bloß der Templiner Bürger gesuch wegen der Pro Cent Gelder, von dem colligiren der Gelder aber nichts in sich hält. Als Grund für sein Handeln gibt er an, er sei ein armer Bürgerund dergleichen mehr in Templin wären, so beständig auf die versprochene pro-Cent-Gelder gehoffet. Er habe sich daher durch die Unterschriften der Bürger verleiten lasse, die Anfrage einzureichen, wollte aber keineswegsklagbahrwerden.

Die Parallelen mit dem ersten Fall sind unübersehbar. Wieder geht es in erster Linie um das sehr zögerlich ausgezahlte, vom König versprochene Geld. Im Verlauf des Verhörs kommt es dann zu einem Zwischenfall. Möcker beschimpft Fuhrmann mit den Worten Kerl, du dummerjahn, ihr seyd ein Narr, lecke p p, du Hunds Voigt und rennt türenschlagend aus dem Haus. Balthasar Voelker gesteht Fuhrmann, Möcker sei, nachdem die ersten Bauprozentgelder ausgezahlt worden seien, zu ihm gekommen und habe sich angeboten, die restliche Prozentgelder herbeytreiben zu wollen. Für die dazu nötigen Auslagen verlangte er einen Vorschuß. Wenn dann vielleicht noch Geld zum Process nöthig gewesen wäre, würde sich Möcker nochmals melden. Nach Empfang der Königl. Bau-pro Cent Gelder habe Moecker gesagt, es müsten nun noch etzliche Tausend Thaler pro Cent Gelder fallen.

Die Angelegenheit und die drei Angeklagten kommen schließlich, wie im ersten Fall, nach Berlin in die Hauvogtei und werden dort erneut verhört. Die zum Criminal Senat verordnete Director und Räthe verurteilen Möcker und die zwei andern dazu, das eingesammelte Geld zurückzuzahlen. Möcker muß Fuhrmann vor Gericht eine abbitte und ehren Erklärung Salva tamen Existimatione leisten, und dann für zwei Monate zur Festungsarbeit nach Spandau. Völcker wird mit 4 Wochen und Raticke mit 6 Wochen im Bürger gehorsahm zu Templin bestraft.

Alle drei Fälle zeigen, daß sich die Templiner Bürgerschaft durchaus nicht mit der obrigkeitlichen Machtfülle von Magistrat und Steuerrat abgefunden hatte, daß sie immer wieder versuchte, unter Umgehung der unteren staatlichen Verwaltungs-ebenen (Magistrat, Steuerrat und sogar Kurmärkische Kammer) wieder Einsicht in und Einfluß auf die städtischen Geschäfte zu gewinnen. Ebenso eindeutig zeigt aber der Verlauf dieser Streitsachen wie die Kräfteverhältnisse lagen. Ob zurecht oder zuunrecht, nicht in einem der überlieferten Fälle bekam die Bürgerschaft Recht zugesprochen. Alle drei Fälle endeten mit empfindlichen Strafen für die beteiligten Bürger.

Gerichtsreport vom Zehdenicker Wiederaufbau

Aufruhe und Zusammenlauf in Zehdenick im Mai 1802

Im Mai 1802, ein Jahr nach dem Brand der Stadt, kam es in Zehdenick zu Unruhen. Der zu den Retablissements Geschäften alhier verordnete Königl. Commissarius Ludolf stattete der Kurmärkischen Kammer darüber den folgenden Bericht ab:637

Am 15ten d. M. wurde mir von einem wohlgesinnten Bürger aus Zehdenick angezeigt, daß in der Stadt ein Zettel von Haus zu Haus geschicket werde, welcher einen Aufruf zu einer allgemeinen Versammlung auf dem Platz hinter dem Holz Magazin enthielt, [...] Obgleich ich mich von einem solchen Aufstande von den Bürgern, für deren bestes ich mit Tüchtigkeit gearbeitet, nicht überzeugen konnte, und die De[nunt]iatur für ein bloßes Gerücht hielt, so traf ich doch die nöthigen Vorkehrungen zur Unterdrückung dieses strafbaren Auflaufs, um so mehr als ich am 16ten noch zur Regulierung des Retablissements zu Althüttendorf reisen wollte, und nicht wünschte, daß in meiner Abwesenheit etwas versäumt werde.
Nach meiner am 20. erfolgten Wiederkehr von Branitz [?] habe ich nun leider in Erfahrung bringen müßen, daß die Bürger würklich am 16ten d. M. den Versuch gemacht haben, ihr schändliches Vorhaben auszuführen. Dieser Versuch ist ihnen indessen durch die getroffenen Vorkehrungen nicht geglückt, und durch die tüchtigen Vorstellungen des Kämmerer Tramnitz und des Amts Assistenten Kriele sind sie auseinander gelaufen. Der dirigirende Bürgermeister Heyder soll das Original von dem anliegenden Aufruf schon am 15ten d. M. in Händen gehabt jedoch zur Unterdrückung des Auflaufs gar nichts gethan haben, sondern am 16ten ganz ruhig in seiner Behausung geblieben seyn. Diese unverantwortliche Unthätigkeit ist ein neuer Beweis, wie wenig sich der p. Heyder zum Politey [sic!] Bürgermeister schickt, und wie sehr er von der Bürgerschaft abhängig seyn muß, da er es nicht gewagt hat mit Nachdruck zu Werke zu gehen und bis jetzt auch kein Unterricht von der Schaffung des Zettels ohne ein Aufforderung einzuholen angestellt hat.
Bis jetzt scheint nun zwar die Bürgerschaft über den fehlgeschlagenen Auflauf beruhigt zu seyn, allein der Aufruhe brütet noch in der Stille, wie ich, vor einigen Tags in meine Stube von den beyden Menschen, Leitner und Wegner die Erfahrung habe machen müßen. Diese Leute [...] wollten sich in Güte nicht abweisen laßen, und ich sah auch genau Zeit, ihnen die Thüre zu weisen, worauf sie denn in so respecktlosen Ausdrücken sich [hören] ließen, daß ich sie sogleich als Aufruhestifter arretieren laßen. Sie sind indeßen entwischt, [...].

Weiter vermeldet Ludolf, daß der Bürgermeister Haeger (= Heyder), dem er die Untersuchung aufgetragen habe, die Zusammenarbeit verweigere und behaupte, diese, wie auch die Sache des Zusammenlaufs fiele in das Ressort der Stadt und damit sei er allein für deren Untersuchung verantwortlich. Soweit Ludolfs Bericht.

Einen Tag bevor der Kammersassessor Ludolf zu einer Dienstreise aufbrach, hatte er also von Unruhen in der Bürgerschaft und der Vorbereitung einer verbotenen Zusammenkunft erfahren. Doch hatte er die Reise nicht verschoben, sondern lediglich zuvor in einer Aktenotiz vermerkt:

Die hiesigen Bürger wollen aller Ordung zuwieder in großer Anzahl von mir über Ansprüche befriedigung erhalten, die ich ihnen nicht gewähren kann. Da ich ihnen schon mehrmahls erörtert und mit Nachdruck verboten habe, wenn sie von mir etwas verlangen, nicht in Masse, sondern in einzelnen Deputationen von 2 bis 3 Personen zu erscheinen; so sind die heute erschienenen Bürger straffällig, und wird daher das hiesige Militair Commando aufgefordert, sogleich 3 bis 4 von den, in Masse erschienenen Bürgern auszuheben, und solche nach der Stadt Templin zur gefänglichen Haft zu bringen, des Endes dem dortigen Magistrat die beiligende Verfügung zu übergeben, und die Kosten dieser Verhaftung und Reise bey mir zu liquidiren.

Vorsorglich hatte Ludolf ach dieses Hilfsgesuch an den Templiner Magistrat vorbereitet, doch scheint am 16. Mai noch zu keinen Verhaftungen gekommen zu sein. In Abwesenheit des höchsten vor Ort verantwortlichen Vertreters der königlichen Gewalt scheute man diese Zuspitzung des Konflikts. Nach der Wiederkehr Ludolfs war die Unruhe noch lange nicht aus der Stadt. Als nun drei Bürger gar Ludolf selbst mit Worten und Gebärden bedrohten, befahl dieser dem Bürgermeister Haeger, der auch das Amt des Stadtrichters inne hatte, die drei zu arretieren. Haeger aber hielt es in dieser Angelegenheit mit den Bürgern. Eindeutig stellte er sich auf die Seite der Bürgerschaft und begründete dies gegenüber Ludolf mit den Worten:

Auf Er. Wohlgeboren Anzeige, wieder die hiesigen Bürger Meisner, Leitner und Wagener wegen [...] wiedrigen Betragens habe ich solche sofort anfordern laßen und ihnen die [...] Folgen vorgestellt. Sie sind gerne bereit sich bei Eur. Wohlgeboren zu jeder Zeit zu gestellen und wegen ihres Vergehens um Verzeihung zu bitten worüber ich vorläufig beikommende Registratur aufgenommen. In Ansehung der Aufforderung Er. Wohlgeboren, daß ich diese Leute sofort durch den Gerichtsdiener in dero Wohnung auf dem Amte gestellen, mich auch selbst einfinden, und sie dort zu Verantwortung ziehen solte; bemerke ich gehorsamst, daß dieses den gesetzlich vorgeschriebenen Gang nicht angemeßen sein dürfte; weil sowohl diese jetzige Sache, als auch die erstere wegen des Zusammenlaufs am Sontage gegenwertig Justitz Sache sein zum Resort des Stadtgerichts gehören und solche von mir als Richter in loco judicii würde vorgenommen werden müßen. Ich stelle nunmehro gehorstamst anheim; ob Er. Wohlgeboren die Sache wegen des ungebührlichen Betragens der p. Leitner et Consorte bei einer Abbitte wollen bewenden laßen und wenn solche bei Er. Wohlgeboren sich dieserhalb gestellen sollen: oder rechtliche Entscheidung verlangen, in welchen letzten Fall ich mir das vorläufige Protocoll zurück erbitten würde. Übrigens werde ich in Ansehung des Zusammenlaufs morgen mit der Untersuchung nach den Urhebern den Anfang machen.

Haeger widersetzt sich der Anordnung Ludolfs und beruft sich auf den gesetzlich vorgeschriebenen Gang. Schon im Vorfeld der Zusammenrottung vom 16. Mai hatte er sich nicht wie der Vertreter der königlichen Obrigkeit verhalten. Wie alle anderen Bürger hatte er um die geplante öffentliche Versammlung gewußt. Weder hatte er versucht, sie im Vorfeld zu verhindern, noch am 16. Mai ruhestiftend eingegriffen. Der Bürgermeister vertrat hier nicht die königlichen, sondern die Interessen der Bürgerschaft. Einerseits ist diese Verhalten von Eigeninteresse bestimmt, denn die Forderungen der Bürger betrafen auch ihn selbst. Andererseits zeigt sich hier eine um seit Ende des 18. Jahrhunderts generell zunehmende Neigung der unteren Ebenen der königlichen Verwaltung, eher die Meinung Untertanen, in diesem Falle der Zehdenicker Bürgerschaft, als die der Obrigkeit zu vertreten.

Welche Gründe aber hatten Bürgerschaft und Bürgermeister, sich auf eine derart hitzige Konfrontation mit der königlichen Verwaltung einzulassen? Ludolf beschreibt in seinem Bericht, die Versammlung habe den Zweck gehabt, mich am 16ten d.M. mit Gewalt zu zwingen, die noch bey mir angeblich vorhandenen 18000 rtl milder Beiträge auszuzahlen, und den Bürgern eine Unterstützung zum Holzbau zuzusichern. Dies sind zwei klarvoneinander zu trennende Gründe.

Zunächst zur Auszahlung der Spenden. Wie schon nach dem Brand von Neuruppin lag auch im Fall Zehdenicks die Organisation einer Spendenaktion in den Händen vor allem der bürgerlichen Öffentlichkeit Berlins. Eine solche Aktion war in Berlin von dem Geheimen Justizrat Gerresheim, dem Professor Hartung, dem Kaufmann Köppen und dem Buchhändler Sander organisiert worden. Diese unterrichteten den Magistrat Zehdenicks am 8. Juni 1801 nicht nur vom Erfolg der Spendensammlung, sondern sie erklärten auch, die gerechte Verteilung selbst organisieren zu wollen. Sie schrieben:

Aus der Zeitung wird ihnen bekannt sein, daß wir für die abgebrannten Zehdenicker eine Collecte an Kleidern u. s. w. und eine andere an Gelde sammeln. Das Publicum beweiset uns dabei ungemein viel Zutrauen, welchem Beispiele auch Sr. Majestät der König gefolgt ist; und uns seinen beitrag, so wie jeder andere unbedingt übergeben hat. Daher müssen wir auch von unserer Seite bei der Vertheilung dieses Geldes äußerst vorsichtig sein, um nachher Rechenschaft über die Verwendung jedes Thalers ablegen zu können. Sie meine Herren werden uns hierbei als Sachverständigen und unparteiische Männer gewiss unterstützen. Es wird Ihnen und uns sehr erleichtert werden, wenn Sie gefälligst auf folgende Punkte genaue Rücksicht nehmen.
1. Alle abgebrandte Zehdenicker, sowohl in der Stadt als auf der Schmelze, dem Kampf, der Hast, der Amtsfreiheit, sie mögen nun, zum Bauer oder Bürger-Civil- und Militair Stande gehören, sie mögen sich zum Christen- oder Judenthume bekennen, werden verhältnißmäßig unterstützet, dafern sie nicht ihre Mobilien oder Waarenlager in einer Feuergesellschaft versichert haben.
2. Alle Abgebrandten werden in 4 allgemeine Classen gebracht, und jede dieser Classen zerfällt wieder in drey Unterabtheilungen.
3. zur ersten Classe gehören.
1, diejenigen, deren Gewerbe viel Vorlag an Geräthschaften, Materialien pp. erfordert, folglich Kauf- und Handelsleute, Brauer, Bäkker pp.
2, alle Königl. Civilisten
3, von den geistlichen die Prediger, den Rektor und den Kantor und
4, von Militair die Officiere
4. Zur zweiten Classe gehören
1, sämtliche Handwerker und Gewerbetreibende, welche inn- und außerhalb der eigentlichen Stadt weniger zu ihren Einrichtungen brauchen
2, alle Hüttenleute welche man als Meister und Gesellen, und nicht als Tagelöhner behandelt, und endlich
3, vom Militair die Wachtmeister
5. Zur dritten Classe gehören
1, alle Ackerbürger, in soferne sie keine Gewerbe nebenher treiben; treiben sie aber ein Gewerbe, so bestimmt dies ihre Classe
2, alle Bauern, insofern sie sich als Fuhrleute den Akkerbürgern nähern, und endlich
3, vom Militair die Unterofficiere
6. Zur vierten Classe gehören
1, alle Handarbeiter folglich Schiffer, Tagelöhner, Dienstboten
2, alle Hüttenleute, welche als gemeine Arbeiter bezahlet und betrachtet werden, und endlich
3, vom Militair alle Gemeinen, insofern sie kein Gewerbe treiben, treiben sie aber ein Gewerbe, so bestimmt dies auch hier, so wie oben bei No. 5 ihre Classe
AnmerkungDie Wittwen überhaupt genommen gehören, dafern sie ein Gewerbe treiben, zu derjenigen Classe, wozu dies Gewerbe sie bestimmt, und wenn sie kein Gewerbe treiben zu derjenigen Classe, zu welcher man sie beim Leben ihrer Männer zählen würde.
7. Jede dieser Vier allgemeinen Classen zerfällt wie auch schon bemerkt worden ist, in drei Unterabtheilungen. Zur ersten Abtheilung jeder Classe gehören die, welche verhältnismäßig am mehrsten, zur zweiten welche weniger und zur dritten welche am wenigsten verloren haben.
8. Da wir Sie als Freunde und Anhänger ihrer unglücklichen Stadt, als rechtliche und Einsichtsvolle Männer größtentheils persönlich kennen und achten, und da wir überdies nicht nur vom theilnehmenden und beitragenden Publicum stillschweigend, sondern auch von Sr. Majestät dem Könige durch ein gnädiges Handschreiben zu den Vertheilern der eingegangenen Gelder, gleichsam authorisirt sind: so können wir nun auch von Ihnen hochgeehrte Herren erwarten, daß Sie uns
1, gern und willig unterstützen, folglich
2, die Classifikation ihrer Abgebrandten Mitbürger nach dem vorgeschriebenen Plane sorgfältig bearbeiten
3, den Tauf und Geschlechtsnahmen nebst Stand, Gewerbe, Anzahl der Familie pp. der Verunglückten in die angegebenen 12 Rubriken kurz und bestimmt eintragen und uns endlich
4, diese Listen so bald als möglich durch Unterschriften und Siegel gehörig beurkundet nach Berlin schicken werden.
9. Damit Sie aber in Rücksicht Ihrer zu wählenden Gehülfen und in Rücksicht der verschiedenen Jurisdictionen nicht in Verlegenheit kommen, so wünschen wir mit allen den dreyßig rechtlichen Berlinern welche uns vier Direktoren des Ganzen so thätig unterstützet haben, daß Sie gefälligst hiebei so verführen,
A, in der Stadt besorgen auf unsere Bitte Herr Bürgermeister Heger, Herr Cämmerer Tramnitz die Herren Stadtverordneten Pape, Griebel sen: Kühn sen. Zillemann und andere rechtliche Bürger gedachte Liste
B, auf der Schmelze wird gewiß Herr Factor Braune dies Geschäft übernehmen
C, auf der Hast, der Kampf, wird der Herr Justiz Amtmann Cortum in Vereinigung des Herren Domaine Beamten, des Herren Amts Assistenen und der Herren Schulzen und Schöppen, und anderer rechtlicher Männer, das Geschäft ohne Zweifel gern besorgen
D, Wenn auf die Art in den verschiedenen Revieren die Listen angefertiget sind, so wünschen wir, daß sie von den sämtlichen Herren gemeinschaftlich noch einmal revidirt, und sind die mehrsten Stimmen dafür, abgeändert und nachher durch die Unterschriften aller der Herren, welche sich dieser Arbeit unterzogen und durch Aufdrückung des Magistrats, Justiz Amts, Berg Amts Siegels beurkundet an die Behörde gesendet werden.
Freilich erschweret dies den überdies schon so mühsamen Gang des Geschäfts, aber es ist zu Ihrer und zu unserer Rechenschaft höchst nothwendig.638

Im Zusammenhang mit dem strittigen Rechtsfall gilt es hier zu betonen, daß die Verteilung dieser Spenden, vor allem die Beachtung größtmöglicher Gerechtigkeit, in den Händen der Zehdenicker und Berliner Bürger lag. Selbst der König beteiligte sich an der öffentlichen, nicht behördlich organisierten Spendenaktion in Berlin. An zwei Terminen sollten die in Berlin gesammelten Spenden dann in Zehdenick verteilt werden. Auch dabei sollte die königliche Verwaltung nicht in Erscheinung treten. Zunächst wurde eine Deputation nach Zehdenick geschickt, deren Mitglieder639 die zu Wasser abgesandten Kleidungsstücke, Wäsche pp. zu sortieren hatten. Dann kündigten die Direktoren der Berliner Spendenaktion an:

Kommenden Donnerstag, den 25. d. M. werden wir in Zehdenick eintreffen, und die Vertheilung der eingesammelten Gelder, Kleider pp. veranstalten. Auch Ihnen haben verschiedene Stadte beiträge vom Belange geschickt. Wäre es nun nicht gut, wenn Sie mit uns gemeinschaftliche Sache machten, und unmittelbar mit uns ihre Vertheilung nach unsern Grundsätzen [...] veranstalteten? [...]. Indeßen würden Sie uns wahrlich sehr verkennen, wenn Sie nur vermutheten, daß wir auf die art in Ihre angelegenheiten uns zu mischen die Absicht hätten, Nein nur das Elend Ihrer unglücklichen Stadt so viel als möglich zu vermindern konnte bei uns diese Frage veranlaßen, [...].

Dieser letzte Vorschlag wurde anscheinend nicht aufgegriffen. Auch über die Verteilung der Geldspenden aus Berlin gab es schließlich Streitigkeiten. In einem Schreiben vom 17. Juni 1801 legte die Kurmärkische Kammer dem Kurmärkischen Departement die folgenden Bedenken vor, welche größtenteils auf einem Bericht des in Zehdenick zuständigen Steuerrats Laue basierten. Man berichtet, gerüchteweise solle es sich um 30.000 Taler handeln, was wohl übertrieben sei, da aber allein der König 2.000 Taler und eine Anzahl von Spendern Beträge von 10 bis 500 Talern gespendet habe, sei die Spendensumme doch recht beachtlich. Dann bezieht man sich auf die Forderung des Geheimen Justizrats Gerresheim, des Professors Hartung und ihrer Genossen, die Gelder sofort nach ihrem Plan und ihren Grundsätzen zu verteilen. Dagegen meinte Laue, daß diese Verteilung wenigstens bey den Eigenthümern vor der Hand noch aussetzen und bis zum Anfang des Wiederaufbaus zu asserviren seyn werde, indem jetzt beym mangel eines hinreichenden Obdachs doch Niemand an Wiederherstellung seines vorigen Nahrungsbetriebs sofort denken, und sich dazu Vorräthe oder sonstige Erfordernisse ankaufen könne. Den königlichen Beamten war es zu ungewiß, den Bürgern Geld einfach so, ohne Auflagen in die Hand zu geben. Sie wollten nicht, daß die Zehdenicker die Spendengelder für anscheinend nebensächliche Dinge verschwendeten, oder gar unnötig ‚verpraßten’. Das Geld sollte zum Wiederaufbau der Gewerbe und damit zur schnellstmöglichen Wiederherstellung des Akziseflusses genutzt werden. Ohne viel auf die sicher lautstarken Proteste zu geben, nahm die Verwaltung das in einer öffentlichen Aktion gesammelte Geld an sich und gedachte es mehr zur Durchsetzung eigener Forderungen, zur Belohnung bauwilliger Bürger, als zur allgemeinen, ausnahmslosen Unterstützung, wofür sie eigentlich gedacht waren, anzuwenden. Es ist wohl anzunehmen, daß bei der Geldverteilung generell nach denselben Richtlinien verfahren wurde, die schon die Berliner Spender erarbeitet hatten. Die Bindung der Auszahlung an einen konkreten Zweck, an die Anschaffung von Arbeitsmitteln und die Verschiebung auf einen Zeitpunkt, wenn der Wiederaufbau in Gang gekommen sei, verzögerten die Auszahlung. Zudem mußte nun jede Entscheidung des Kammerassessors Ludolff und des Steuerrats Laue erst von der Kurmärkischen Kammer und schließlich vom Kurmärkischen Departement bestätigt werden. Dies dauerte seine Zeit. Da aber der Vorgang der Kontrolle und der Übersicht der Bürgerschaft entzogen war, entstand sofort Mißtrauen. Es wundert fast, daß die Bürger erst ein Jahr später versuchten, daß ihnen zustehende Spendengeld endlich zu bekommen. Nun aber war die Empörung der Hingehaltenen umso größer.

Der zweite Grund für den Aufstand unter den Bürgern in der Stadt Zehdenick war die königliche Baupolitik. Von Beginn an war verwaltungsintern auf höchster Ebene klar, daß nur der Massivbau gefördert werden sollte. In herkömmlicher Weise wollte man so die Bauförderung mit der Durchsetzung baulicher Verbesserungen verknüpfen. Vor allem in den ersten zwei Jahren des Wiederaufbaus entschied sich jedoch die Mehrzahl der Bürger, ihre Häuser auf traditionelle Art in Fachwerk aufzubauen. Neben den geringeren Kosten, die beim Fachwerk- wie auch beim Massivbau zunächst vom Bauherren vorzuschießen waren, versprach der Fachwerkbau vor allem eine sehr viel kürzere Bauzeit. Der im gesamten 18. Jahrhundert größtenteils erfolgreich betriebenen Koppelung der Bauförderung an die Durchsetzung moderner Bauformen im Inneren wie auch im Äußeren der Bürgerhäuser wollten sich die Zehdenicker Bürger nicht mehr beugen. Sie fingen ihre Häuser zunächst in Fachwerk an und versuchten dann, mit allen Mitteln auch für diese selbstgewählte Bauart staatliche Unterstützen zu bekommen. Dabei traten sie nicht nur bittend und flehend sondern auch immer wieder drohend auf. Gedroht wurde mit der unabwendbaren Verzögerung oder gar dem endgültigen Scheitern des Wiederaufbaus oder dem langfristigen Ausbleiben der Steuereinnahmen.

Mit dem Bericht des Kammerassessors Ludolff war die Sache bei der Kurmärkischen Kammer gelandet. Dort entschied man sich, dem Justiz-Beamten Kortum aufzutragen, die angebliche Zusammenrottirung und den Auflauf der Bürger, sowie den von einigen Bürgern gegen den p Ludolff bewiesenen Trotz zu untersuchen.640 Der Kammerassessor Nagel, der inszwischen an Ludolffs Stelle getreten war, sollte zu Haegers unterlassener Unterdrückung des Tumults sowie dessen Ablehnung und Einhaltung der Untersuchung ermitteln. Schließlich gab die Kammer dem Assessor Nagel auf:

Auch habt ihr die Gründe des Tumults und inwieferne sich solchen abhelfen läßt, auch ob die noch vorhandenen milden beiträge nicht vertheilt werden können zu untersuchen.

Zur Beurteilung des Verhaltens von Haeger zog Nagel den §15 des ersten Abschnitts der No. XCV Circular Verordnung wegen genauerer Bestimmung verschiedener im allgemeinen Landrecht und der Gerichtsordnung enthaltenen Vorschriften641 vom 30. Dezember 1798 zu rate. Darin heißt es:

In der Straferkenntnis muß vorzüglich auf die mehrere oder mindere Beharrlichkeit im Ungehorsam gegen obrigkeitliche Verfügungen und hauptsächlich auf die größere oder geringere Gefahr gesehen werden, welche durch den Tumult entstanden ist, oder leicht hätte entstehen können. Dem richterlichen Ermessen bleibt daher überlassen, nach Befinden auch auf außerordentliche Strafen zu erkennen, von welchen sich nach den Zeitumständen der wirksamste Eindruck erwarten läßt.

Haeger seinerseits strafte die Untersuchungen Nagels durch Mißachtung und erschien erst auf eine zweite Vorladung, nachdem er den ersten Termin ohne Entschuldigung hatte verstreichen lassen. In seinem Bericht an die Kammer stellt Nagel fest, daß Haegers Entschuldigungen äußerst dürtig und seine Schuld bei der Nichtvereitelung des Auflaufs offensichtlich sei.

Ein bloßer Verweis scheint mir daher nicht hinreichend und bin ich der Meinung, daß der Häger in einer Ordnungs Strafe zu nehmen seyn wird.

Wieder hatte Haeger angeführt, daß es in Zehdenick von jeher ein vom Magistrat ganz abgesondertes Stadtgericht gegeben habe. Doch läßt Nagel dieses Argument nicht gelten und merkt nur an, daß die festzusetzende Strafe angesichts des Schadens durch den Brand nicht zu hoch ausfallen sollte. Haeger wird schließlich recht milde zur Zahlung von 5 Talern Strafe verurteilt. Bezugnehmend auf seine Untersuchung der Gründe des Aufruhrs bemerkte Nagel, daß er zu der geforderten Zusicherung der Unterstützung des Holzbaus nichts sagen könne, daß er aber die Verteilung der milden Gaben, die sich bei den übrigen Geschäften bis jetzt verzögert hat, sofort in Angriff nehmen werde.

Drei Punkte sind an dieser Rechtssache bemerkenswert. Zum einen der Umstand, daß die Zehdenicker zur Durchsetzung von Forderungen überhaupt zu dem Mittel der öffentlichen Versammlung griffen. Zweitens ist es beachtlich, daß sich der Bürgermeister Haeger so eindeutig auf die Seite der Bürgerschaft stellte und dafür auch eine Bestrafung in Kauf nahm. Schließlich ist drittens verwunderlich, mit welcher Nachsicht die königlichen Behörden auf diesen Tumult, auf ein derartigen Ungehorsam reagierten. Außer Haeger scheint kein einziger Bürger bestraft worden zu sein. Im Gegenteil, wenigstens im Bezug auf die Verteilung der Spendengelder hatten die Zehdenicker sogar Erfolg mit ihrem Aufstand. Vom Standpunkt einer absolutistischen Staatsauffassung wird diese Milde umso unverständlicher, wenn man die aggressive Stimmung bedenkt, die aus dem folgenden Bericht642 der Kurmärkischen Kammer spricht: Am 27. Mai 1802 war im Haus des Kornschippers Pohle im Kathagen erneut ein Feuer ausgebrochen. Zwar konnte der Brand gelöscht werden, doch vermutete die Kammer, da das Feuer exakt ein Jahr nach dem großen von 1801, genau wie damals um 11 Uhr entstand, eine Brandstiftung. Weiter wird berichtet:

Der p Nagel hat hiebey einen unangenehmen Vorfall gehabt. Er ist mit den Bau-Conducteur Lietzmann zur Brandstelle geeilt, und da er vor der Ankunft des Spritzenmeisters bemerkt, daß der Schlauch der Amtssprütze von einem Mauergesellen nicht zweckmäßig regirt wurde, und demselben deshalb die Arbeit abgenommen, so ist er nicht nur von diesem, sondern auch von der umstehenden Menge dergestalt inhaltirt worden, daß es ihm geschienen, als wenn es darauf ankommen solle, zu Thätlichkeiten zu schreiten.643 Der p Nagel hat sich durch diesen Vorfall überzeugt, wie wenig die dortigen Einwohner geneigt sind, sich in Güte zur Ordnung zu bequemen, und wie wenig Veranlaßung es nur bedürfe, die seit einiger Zeit empörten Gemüther in Aufruhe zu bringen, von dem er alles besorgt, wenn demselben nicht gleich mit Kraft entgegen geabreitet werde. Zu dem Ende hält der p Nagel eine Verstärkung des dortigen Militair Commando durchaus nötig, weil nicht sowohl bey der Vertheilung der milden Beiträge Unruhen vorfallen mögten, zu deren Hemmung 5 mann nicht hinreichend sind, sondern auch schon Verstärkung des Commando um deswillen nötig ist, daß die Anlage zweckmäßiger Feuerungen unserer Anordnung gemäs mit Strenge durchgesezt werden könne.

Die deshalb bei dem Komandeur des Grenadierbattalions in Templin beantragte Verstärkung des Zehdenicker Kommandos auf 20 Grenadiere plus 2 Unteroffiziere und einen Offizier, wurde nach Rücksprache des Ministers von Voß beim General der Infanterie von Kleist genehmigt. Mitnichten also kann die milde Reaktion auf die Vorfälle in Zehdenick vom 16. Mai als wohlwollendes ‚Gnade vor Recht ergehen lassen’ angesehen werden. Vielmehr war die königliche Verwaltung in einem sich wandelnden Kräfteverhältnis um Schadensbegrenzung bemüht.

Der Fall des Schneidermeisters Schlaewicke

Wie eingeschränkt der Handlungsspielraum der königlichen Verwaltung innerhalb der Sphäre privater Eigentumsrechte geworden war, offenbart exemplarisch der Fall des Schneidermeisters Schläwicke. Die Kathagenstraße, in welcher Schläwickes Haus lag, war eine der wenigen Straßen, die aufgrund ihrer besonderen Enge laut Reglement erweitert werden sollten. Diese Aufgabe hatte der Kammerassessor Ludolff Ende 1801 begonnen. Im April 1802 berichtet die Kurmärkische Kammer dem Kurmärkischen Departement über Erfolg und Mißerfolg dieser bescheidenen städtebaulichen Verbesserung:

Der Kammer Assessor Ludolff hat daher die Erweiterung der Straße hiernach regulirt, und es ist ihm geglückt, 3 Haus Eigenthümer, welche hinter ihren Bau Plätzen keine Gärten haben, dahin zu vermögen, daß sie andere Baustellen annehmen, um von den ihrigen die übrigen Haus Eigenthümer, welche durch Einrückung nach den Gärten sonst an ihren schon sehr eingeschränkten Stellen verlieren würden, zu entschädigen. Sämtliche Hauseigenthümer im Kathagen haben sich auch unter der Bedingung einer Entschädigung von den auszuhebenden Stellen die Einrückung der Häuser nach den Gärten zu, gefallen lassen. Es liegt in der Natur der Sache, daß wenn 3 bis 4 mit ihren Bauplätzen an einander liegende Interessenten durch Zerteilung einer zwischen ihnen liegenden Baustelle entschädigt werden sollen, eine Verrückung ihrer Baustellen entsteht, dergestalt, daß nach der neben gezeichneten Figur, wenn a, die zur Entschädigung bestimmte Stelle ist, und c und b wegen Einrückung entschädigt werden soll, c aber durch d nicht entschädigt werden kann, b dem c einen Theil von seiner ursprünglichen Stelle abgeben muß, wo für er aber um so viel mehr an der Stelle a erhält. Dieser Fall liegt auch bey der Erweiterung des Kathagens ein, der Schneidermeister Schlaewicke [b] soll dem Stadt Musicus Böttcher [c] einige ڤFuß von seiner Stelle abgeben, und dafür von der verlassenen Stelle der Wittwe Woltersdorff [a] hinlänglich entschädigt werden. Der p Schlaewicke ob er auch gleich zur Einrückung seiner Baustelle bereit ist, weigert sich jedoch, dem p Böttcher die nöthigen ڤFuß abzutreten, weil dadurch ein zum Theil noch brauchbares Fundament, und ein Theil eines kleinen, jedoch nicht gewölbten Kellers verlohren geht, auch der Garten hierdurch nicht in der vormaligen Richtung unmittelbar hinter dem Haues bleibt, und hinter a, unter x wohin er rückt, ein Garten liegt, dessen Zaun in dem künftigen Hof einen Winckel bilden würde. Der p Ludolff hat dem p Schlaevicke vorgestellt, daß er nach den Landesgesetzen sich den, zur Erreichung des allgemeinen Wohls angeordneten Vorschriften unterwerfen müsse, und daß die angegebenen kleinen Vortheile, welche er bei der völligen Innebehaltung seiner vormaligen Stelle habe, den größeren Vortheilen zum allgemeinen Besten weichen müßten; es will sich aber der p. Schaevicke hiermit nicht abweisen lassen, und hat mit strafbarer Widersetzlichkeit schon verschiedene mal die zur künftigen Grenze des p Bötticher von dem Conducteur gesezten Pfähle weggeschafft, und mit anzüglichen Reden widersprochen. Da der p. Schlaevicke nach dem urschriftlich anliegenden Protocoll vom 19. Marty d. J. völlig entschädigt wird, der p. Ludolff aber nicht erwarten zu können glaubt, daß dieser unruhige Mensch auch auf die nachdrücklichen Vorstellungen, wozu er den Magistrat nach der Anlage aufgefordert hat, achten werde, so hat er um Bescheidung gebeten: ob auf die Widersprüche des p. Schlaevicke geachtet werden könne, und ob demselben die Entscheidung der Sache im Wege Rechtens nachzusuchen überlassen werden könne. Unseres Erachtens kann dem p Schlaevicke durchaus nicht gestattet werden, auf einer andern als der ihm angewiesenen Stelle zu bauen, zumal das Nachgeben in diesem Fall für den ganzen Wiederaufbau von nachtheiligen Folgen seyn möchte und diese Auseinanderbauung beym Kathagen, wie wir schon einmal aus einandergesetzt haben, äußerst nötig ist; und es wird dem p. Schlaevicke, wenn er sich nicht in Güte abfinden lassen will, überlassen werden müssen, im Wege Rechtens den Ersaz zu fordern; welcher ihm denn auch zum allgemeinen Besten extraordinarie zu vergütigen seyn wird, wenn er rechtlich festgesetzt ist. Wir haben dieses hauptsächlich Euer Königlichen Majestaet anzuzeigen nicht verfehlen wollen, da hiernach leicht die Anweisung einiger Kosten nothwendig werden kann, und heute verfügt, daß der p Schlaewicke nöthigenfalls mit Strenge zum Gehorsam angehalten werde.644

Mit der schon wenige Tage später verfaßten Antwort des Departements schien der Fall geklärt zu sein:

Auf diesen Widerspruch des p. Schlaewicke kann nun allerdings, wenngleich derselbe nach Eurer Bemerkung durch die Einrückung seiner Bau-Stelle einen Theil des Fundaments und eines Kellers verliert, nicht Rücksicht genommen werden, weil dadurch der ganze Retablissements-Plan gestört und vereitelt werden würde. Wir genehmigen daher daß Ihr diesem gemäß bereits das Nöthige verfügt habt. Aber auch eine Entschädigung der Haus-Eigenthümer aus den öffentlichen fonds, worauf Ihr in Ansehung des vorliegenden Falles vorläufig antragt und solche für ähnliche Fälle nothwenig findet, können Wir nicht einräumen, den theils dies eine Menge von Exemplifikationen veranlaßen und die Kräfte des Retablissements-Fonds übersteigen, theils ist es nicht unbillig, wenn von den Eigenthümern verlangt wird, dergleichen kleine Aufopferungen, als wovon hier die Rede ist, mit den bedeutenden von Unserer Alerhöchsten Person bewilligten Unterstützungs-Geldern zu compensiren. Dies ist also den Hauseigenthümern und insbesondere dem p. Schlaewicke mit dem Bedeuten zu eröffnen, daß sie sich durch Eigensinn und Widerspenstigkeit der Königlichen Gnade verlustig machen würden.645

Mit der verärgerten Androhung der Ungnade und dem Verweis auf die königlichen Bauhilfsgelder, die immerhin beachtlichen Umfang hatten und als hinreichende Entschädigung für solch kleine Nachteile verstanden wurden, lehnte die Behörde Schläwickes Forderung nach einer Sonderentschädigung ab und rief diesen zur Ordnung. Das Departement vertrat also eine harte Haltung. Schläwicke dagegen erkannte weder das Argument des Gemeinen Besten noch die Modalität der Entschädigung an und hielt an den Eigentumsrechten an seinem Grund und Boden fest. Der Streit um diese kleine Budenstelle des Schläwicke, die der sehr bescheidenen Regulierung der Kathagen-Straße und damit einer der wenigen punktuellen Regulierungen im Wege stand, zog sich über mehrere Monate hin. Anders als das Departement versuchte die Kammer, in dieser als exemplarisch verstandenen Sache ausgleichend zu wirken, die Konfrontation zu umgehen. In einem Bericht an das Departement heißt es, daß es zwar bedenklich wäre, Schläwickes Forderung nachzugeben, da dadurch eine Menge von Exemplificationen veranlaßt würden und daß es überhaupt durchaus nicht unbillig sein, von einem Einzelnen eine so kleine Aufopferung zu verlangen. Dennoch aber, so betont die Kammer, sehe man nicht die Nothwendigkeit, an dem einmal beschlossenen Wiederaufbauplan unverrückt festzuhalten und jeden Bürgermit Strenge zu dessen Befolgung anzuhalten. Jedem Interessenten, meint die Kammer der wie Schläwicke nicht von den Bauhilfsgeldern Gebrauch mache, müsse letztlich doch die rechtlich festgesetzteEntschädigung gewährt werden. Diesem sei durch eine generelle Regelung zuvorzukommen, wodurch auch die wenigen derartigen Fälle in Güte beizulegen wären. Schließlich berichtet die Kammer, Schläwicke habe sich, nachdem er auf Anweisung des Kurmärkischen Departements mit Nachdruck zurechtgewiesen worden war und von der Parteinahme der Kammer gehört hatte den Anordnungen nach dem Retablissements Plan unterworfen, und auf der Stelle, die ihm angewiesen ist, bereits sein Haus von Fachwerk eine Etage hoch erbauet. Doch war die neue Haltung Schläwickes, die er in raschem Tempo bauliche Form werden ließ, nicht von Einsicht geprägt. Immernoch war Schläwicke auf eine Entschädigung aus, die über die bereitgestellte Gartenfläche hinausging. Er wollte unbedingt auch seinen alten hölzernen Balkenkeller, den er aufgeben mußte, ersetzt bekommen. Tatsächlich setzte er diese Forderung durch und am 18. August 1802 stimmte das Kurmärkiche Departement der von dem Assessor Nagel vorgeschlagenen Entschädigungssumme von 20 Talern zu.

Damit sprengt Schläwicke eine Kontinuität, welche es der staatlichen Verwaltung seit Anfang des 18. Jahrhunderts erlaubt hatte, über das Mittel der Bauhilfsgelder Verbesserungen der einzelnen Häuser und des Stadtgrundrisses durchzusetzen. Grundlage dafür war die neue Bedeutung der ‚Rechtlichkeit’ und der selbstbewußte Umgang der Bürger mit ihren gesetzlich festgelegten Rechten.

Retablissements- oder Wiederaufbauungs Plan für Zehdenick

Bericht des Steuerrats Laue an die Kurmärkische Kammer vom 11. Juni 1801 über die am selben Tag abgehaltene Konferenz in Zehdenick. Der Bericht enthält unter anderem den von dem Kriegs- und Steuerrat Laue entworfener Wiederaufbauungs Plan der Stadt Zehdenick in XVII Punkten:

Nachdem heute Vormittag die Vernehmung der Abgebrandten beendigt, und die Umstände ins gehörige Licht gesetzt worden, welche auf die Anfertigung der Feuer Liquidation, und den Entwurf eines befohlenen Retablissements Plans einen wesentlichen Einfluß haben, so wurde nachmittags unter Zuziehung des Amts-Assistenten Herrn Kriele, des Magistrats. und der Stadtverordneten ingl. des Bau-Inspektors Herrn Sensse und Conducteur Herrn Woehner in Überlegung genommen, wie der Wiederaufbau der Stadt am zweckmäßigsten geschehen könne. Alle waren der Meynung, daß in Absicht der zu wählenden Bauart der massive Bau allen andern Arten vorzuziehen, weil dadurch die Feuergefährlichkeit am besten verhindert, der außerordentliche Mangel an Holz ihn nothwendig machte und der unglückliche Vorfall selbst diese Bauart, welche in den Städten durch ansehnliche Procente von Bauhülfs Geldern verfaßungs mäßig unterstüzt zu werden [pflegt], um so mehr anzurathen schien, als ohne Zweifel die Stadt Vereinigung aller widrigen Umstände ohnerachtet, nicht abgebrandt sein würde, wenn sie anstatt der hölzernen Gebäude mit Stroh Dach mehrere massive Häuser gehabt hätte. [...]
In Absicht des aus einander Baues der Gebäude, und Erweiterung auch völlige Gerade richtung der Straßen, Regelmäßigkeit der Abtheilungen in quarrees und aufeinandertreffen der die Hauptstraße durchschneidenden Queerstraßen überhaupt der äußeren Gestalt der Stadt wurde dahin einige Vereinigung getroffen, daß ob es gleich viel zur Verschönerung und äußeren Zierde derselben beitragen würde, wenn breitere Straßen und völlig grade Straßen angelegt, die Stadt in gleiche Quarrees und Viertheile eingetheilet und ihr eine länglich viereckige Figur gegeben würde, dieses alles auch dadurch möglich gemacht werden könnte, wenn, ohne auf die Abtheilungen der Reviere, Richtung der bisherigen Straßen, und Lage der gegenwärtigen Baustellen nenst dahinter befindlichen Garten Räumen Rücksicht zu nehmen, mit Zuhülfe nehmung und Einverleibung eines Theils der Vorstadt Damm bis an die große Havel Brücke, dieselbe zu einen länglichen Viereck gebildet, in völlig gleiche Reviere abgetheilt die Straßen in geraden Richtungen abgestochen, und jeden Abgebrandten nach Beschaffenheit seines Nahrungsstandes, Profeßions Betrieb, und der Größe seines eingeäscherten Hauses die Baustelle angewiesen und zugemeßen würde: ein solcher völliger Umsturz der gegen wärtigen Situation der Stadt doch um des willen nicht anzurathen, sondern so viel möglich die alten Bau-Stellen beizubehalten, und dem Eigenthümer zu conserviren auch nur dahin zu sehen, daß auffallende Irregularite und Haupt-Fehler ingl. zu befürchtende Feuer Gefährlichkeit vermieden werde, weil
1./ überhaupt die Haupt und Nebenstraßen wovon die erstere 4 Ruthen die letztere hingegen 2. bis 3. Ruthen gewöhnlich an Breite enthielten, nach der Größe dem Umfang und Nahrungs betrieb der Stadt nicht zu enge, die alsdenn
2./ nothwendig werdende Ausgleichung der Abgebrandten unter sich sowohl als die Ausmittelung und der Fond zur Entschädigung, wo nicht unmöglich wenigstens unabsehbaren Schwierigkeiten und Bedenken unterworfen, und
3./ wenn dieses alles durch herculische Arbeiten unerschütterliche Standhaftigkeit und eiserner Fleiß auch noch aus dem Wege zu räumen, und ein vorzüglich des armseligen Vermögen Zustandes der abgebrandten wegen nöthiger Entschädigungs Fond auszumitteln, doch wenigstens die Eigenthümer und Besitzer der alten Baustellen sich dabei nicht beruhigen, und ohne Anwendung der äußersten Zwangs Mittel der Wiederaufbau auf den neu anlegenden andern Stellen entschließen würde.
4./ bei dem gänzlichen Umsturz der bisherigen Lage der Stadt der Wiederaufbau derselben viele Jahre hinaus zum gänzlichen Ruin auch derjenigen, so au eigenen Mitteln noch manches anzuwenden vermögend wären verschoben werden würde.
5./ Die äußere Gestalt der Stadt und innere Eintheilung derselben in Reviere nicht von der Art [ist], daß sie gänzlich und auffallend fehlerhaft sey, und daher einer unumgänglich nothwendigen Abänderung bedürfe. und
6./ Endlich das äußere Ansehen eines wieder aufzubauenden Orts immer der Nützlichkeit und Bequemlichkeit der Einwohner, so wie einer durch den Drang dr Umstände erzeugten Nothwenigkeit nachstehen müßte. Dies vorausgesetzt würden folgende nähere Bestimmungen und Vorschläge zur Ausführung des Retablissements der Stadt Zehdenick beliebt, und verabredet.
I. So wie nur diejenigen auf königl. Allerhöchste Unterstützung Anspruch machen können, welche massiv bauen, so schränkt sich die allerunterthänigst nachzusuchende Bewilligung von 50 pCent Bauhülfs Geldern bloß auf die an der Straße belegenen Wohn- und Seitengebäude ein, die in Anregung gebrachte Begünstigung beim Bauholz hingegen erstreckten sich aber auch auf andere Seiten Hinter und Quer Gebäude, ingl. Ställe und Scheunen, welche übrigens von den Abgebrandten lediglich aus eigenen Mitteln mit Hülfe der Feuer Cassen Gelder erbauet werden müßen.
II. Die innere Einrichtung der massiven Wohnhäuser und ob sie von 2. oder 1. Etage bauen wollen, hängt blos von der Willkühr der abgebrandten ab. Es müßen aber Anschläge von jeden Hause des fördersamst angefertigt, des fördersamsten eingereicht, und nach denselben unter gehöriger Aufsicht gebauet werden.
III auf gleiche Weise hängt es auch von dem Gutbefinden derselben ab, wie und auf welche Art sie die Seitengebäude. Scheunen und Ställe wieder herstellen wollen, es muß aber dabei darauf Rücksicht genommen werden, daß dergl. Gebäude vorzüglich zur Befriedung des innern Hofraums verwendet werden, und so wie dabei kein Spohn oder Stroh Dach ferner hin mehr geduldet werden kann, noch darf, so sind die Aufbauenden gehalten von ihren Vorhaben zu förderst dem Magistrat, oder dem etwa zur Aufsicht angestellt werdenden bau-Bedienten oder Conducteur Anzeige zu machen, damit derselbe ihr vorhaben vorher untersuchen und auch hier die Feuer Gefährlichkeit möglichst vermindern werde.
IV. Die Giebel Häuser nach der Straße zu, können bei dem massiven Aufbau ferner nicht statt finden, und insofern bei einigen Häusern der Fall eintreten sollte, daß nach der Straße zu die Ställe zu bauen oder bloße Befriedigung des Hofraums angebracht werden müßte, so sind die Eigenthümer dahin möglichst zu disponiren, daß wenigstens nach der Straße zu massive Mauern angebracht, und die Befriedigung überhaupt so gewählt werde, daß dadurch kein Übelstand bei dem massiven Bau erregt werde.
V. Die bisher zwischen zwei Häusern mehrentheils statt gefundenen Lücken und zwischen Räume fallen gänzlich weg, und die Häuser werden so vile möglich dicht aneinander gebauet, auch könne zwei Häuser auf einer gemeinschaftlichen Brand Gieben Mauer zwar erbauet werden, jedoch muß die Giebelmauer wenigstens 1 Fuß über das Dach hervorragen.
VI. Die vier in der Stadt befindlichen Töpfer können zwar nicht mit ihren Wohnhäusern und Brenn Ofen aus der Stadt verwiesen werden, zumal es gar sehr an diesen nothwendigen Utensilien, womit die gegenwärtigen 4. Töpfer noch einen besonderen Handel von auswertigen Orten treiben, gar sehr ermangelt, und außerhalb der Stadt der erforderliche Platz zu ihren Unterkommen auf keine Weise ausgemittelt werden kann, sie müßen aber die Oefen feuerfest bauen, und darf die Heizung nicht wie bisher von manchen geschehen sein soll, von der Küche aus erfolgen.
VII. Der massive Wiederaufbau der Häuser wird nicht durch Entrepreneurs oder auf Rechnung ausgeführt sondern ist dem Eigenthümer selbst überlaßen, damit die unglücklichen Abgebrandten noch Gelegenheit erhalten durch Leistung der Fuhren mit eigenen Gespann, und Hand Arbeiten bei ihren geringen Vermögens Umständen einen Theil, das was sie aus eigenen Mittlen an Baukosten beitragen müßen zuverdienen, und den Gewinn profitiren, worauf Entrepreneur speculirt; dahingegen sind dieselben gehalten, sich den bei Bauhülfsgeldern vorgeschriebenen Formalitäten, und der etwa anzuordnenden Aussicht eines Bau Conducteurs zu unterwerfen, auch müßen sie sich anheischig machen so bald sie zum Bau gelangen können, den Aufbau eines massiven Hauses in einen Jahr gänzlich zu vollenden.
VIII. Zur Erleichterung des Ankaufs der Materialien wird es überhaupt sehr gut sein, wenn nicht nur Entreprenneurs ausgemittelt werden können, welche dieselben zu billigen Preisenliefern, sondern mehrere Ziegeleien auf Torfbrand in der Nähe der Stadt oder eines nach derselben führenden schifbaren Strohms oder Canals angelegt, und besonders dafür gesorgt würde, daß es nicht an dem auf dem Stadt Gebiet seltenen Lehm fehlt.
IX. Die beiden wieder alle Polizey Vorschriften noch in der Stadt befindlichen Kirchhöfe der Stadt und Armen Kirchhof müßen schlechterdings aus der Stadt geschafft werden und da sich zu beiden kein auf dem Stadt Gebiet belegenes Terrain eignet, sondern der einzige schickliche Platz hinter der Amts-Schäferei am grünen Wege auf dem Amts-Gebiet ausgemittelt werden kann, so wird es nur darauf ankommen, daß mit dem Amte ein Übereinkommen wegen der Abtretung und hinreichender Entschädigung getroffen, und der Platz genau bestimmt werde, wo beide Kirchhöfe mit einander vereinigt und nach dem in Rücksicht der bisherigen Mortalität ohngefähr 61 Personen [...] erforderliche Raum angewiesen werde.
X. Da bei künftiger Rückkehr der Garnision, welche zur Erhaltung des Nahrungsstandes der Bürgerhschaft sehr zu wünschen, der einzelne bequartirte Bürger sehr soulagirt und vorzüglich der Ackerwirth von einer sehr drückenden Last befreit auch der bei mancher Stellen so sehr mangelnde Hofraum herbei geschafft werden könnte, wenn die bisher in der Stadt gewesenen Einrichtungen, daß die Reuterpferde in Bürgerställen untergebracht worden, aufgehoben werden könnte, so wieder höhern Ermeßen anheim gestellt ob nicht bei gegenwärtigen gänzlichen Wiederaufbau der Stadt, zu mal sich auf dem zu verlegenden Stadtkirchhof, dazu die beste Gelegenheit vorfindet, 1. oder 2. große Pferdeställe, die sämtl. Pferde der ganzen Esquadron in sicl faßen könnten, nach der Seite zu, wo bisher einige Reuter Casernen gestanden, und quer vor dem Giebel der Kirche auf öffentliche Kosten zu erbauen sein möchten, und ist die Bürgerschaft nöthigen fals erbötig, nach möglichsten Kräfften beizutragen.
XI. Die enge Straße, der Katagen genannt, wo die Häuser auf beiden Seiten sehr dichte und so feuergefährlich in einander gebaut, daß nicht gut 2. Wagen sich ausbiegen auch bei Feuer Gefahr, mit einer Sprütze nicht wohl anzukommen, ist in Absicht der Breite denen übrigen Straßen gleich zu machen, und ihr eine solche gerade Richtung zu geben, der sie am Ende nach der so genannten grünen Straße zu einen rechten Winkel bildet, wodurch jene Straße zugleich ebenfalls völlig gerade gerichtet wird. Zu dem Ende sind die Wohnhäuser so viel möglich, und der Raum zuläßt, auf beiden Seiten einwärts nach den Gärten zu einzurücken, insofernen dieses aber zur Erreichung der Absicht nicht hinreichenden Raum verschaffen solte 1. bis 2. Häuser heraus zu heben, und nach den Kapellenberg und der Herrenstraße auf die dort befindlichen wüsten Plätze zu verlegen, wobei diejenigen Eigenthümer, auszuheben, welche hinter den Häusern keine Gärten haben, und bei der Veränderung der Lage ihrer Wohnungen an ihrer Nahrung und Professions Betrieb am wenigsten leiden.
XII. Auf gleiche Weise ist die sonst mit gehöriger Breite versehene Herrenstraße durch Einrückung der nach der Mühlenstraßen Ecke zu befindlichen Wohnhäuser, welche dort einen hervorragenden Bauch formiren eine solche gerade Richtung zu geben, daß sie an der Mühlenstraßen Ecke einen geraden Winkel formirt, und dagegen die auf der anderen Seite befindlichen Wohnhäuser um soviel heraus zurücken, zumal der dort hinreichende Raum keine Aushebung und Verlegung einer Brandstelle nothwendig macht.
XIII. Die Hirtenstraße ist wie der Katagen zu 2. bis 3. Ruthen Breite zu erweitern, und in sofern eine oder 2. Häuser dort weggenommen werden müßen, sind vorzüglich die Hirten Häuser dazu zu wählen, und nach dem Armen Kirchhof zu verlegen.
XIV. Die in der Hauptstraße durch Vorbauung der Apotheque und Zurückweichung der übrigen nach dem Markte zu, auf der nemlichen Seite befindlichen Gebäude entstehende Irregulitat würde dadurch vermieden werden können, wenn die Apotheque eines Theils zurück gebauet, andern Theils die darüber befindlichen Gebäude nach dem Marckte zu etwas vorgerückt werden könnten, wenn indeßen diese Veränderung vielen Schwierigkeiten von Seiten der Interessenten, wie vorher zu sehen, ausgesezt sein möchte, so wird es bei der gegenwärtigen Lage um so mehr belassen werden könne, als diese Irregularite wegen dem dazwischenliegenden Marckt, und da auf der rechten Seite der Straße keine Häuser befindlich sind, weniger bemerckbar wird.
XV. Die vor dem Thore auf der Amts Freiheit abgebrandten Bürger Scheunen könne nicht verlegt werden, weil dazu aller angewandter Mühe ohnerachtet kein anderer Fleck [...] ausgemittelt werden kann, weil aber die dazwischen liegende sogenannte Erb Scheune herausgehoben, und nach der Schäferei verlegt werden soll, so müßen dieselben in 2. Abtheilungen mit gehörigen Zwischenraum nach Vorschrift des neuen Feuer Societäts Reglements mit Ziegeldach auf der alten Stelle aufgebauet werden.
XVI. Da es nicht möglich, daß die hiesigen Zimmer, Maurer, Tischler, Schmiede, Schlosser u.s.w. die bei den Wiederaufbau vorfallenden Arbeiten sämtlich alleine bestreiten können, so kann denen bauenden zwar nicht verwehrt werden, aus allen Städten der Provinz Meister und Gesellen zum Bau ihrer abgebrandten Gebäudeherbeizuholen und zu gebrauchen, es muß aber dahin gesehen werden, daß kein Bau einem Pfuscher oder ausländischen Meister übertragen werde.
XVII. Um die besorglichen übertriebenen Forderungen der Gesellen und Arbeitsleute überhaupt einigermaßen in Schranken zu halten, wird es nöthig sein, daß eine Tage des Gesellen und Arbeits Lohnes mit Rücksicht auf den besorglichen Mangel an dergleichen Subjecten allgemein festgesetzt, und vorgeschrieben werde. [...]
Haeger, Tramnitz, Pape
Kriele, Sensse, Wöhner
wie auch Stadtverordnete Gerdesius, Feltner, Ulrich, Köhnsen
Laue

Reglement wornach beim dem Wiederaufbau der Stadt Zehdenick verfahren werden soll647

Nachdem Seine Königl. Majestät von Preußen, Unser allergnädigster Herr Allerhöchst Selbst beschlossen haben, der im vorigen Jahre durch Brand verunglückten Stadt Zehdenick eine außerordentliche Unterstützung zur Beförderung des Wiederaufbaus derselben zu bewilligen, und diese landesväterliche Absicht hiebey dahin geht, nur diejenigen Hauseigenthümer daran Theil nehmen zu lassen, welche ihre Häuser entweder massiv, oder, wenn gleich von Holz in Fachwerk, doch mit massiven Giebeln wieder aufbauen werden, damit durch diese Bauart theils die Forsten geschonet werden, theils auch der Stadt selbst, welche nach dem vorgelegten Plan zu ihrem Wiederaufbau bey der Unzulässigkeit, sie in ihren Grenzen und Straßen zu erweitern, größtentheils in ihrer vorherigen Lage wieder angelegt werden muß, mehrere Sicherheit für Feuers=Gefahr zu verschaffen; zur Erreichung dieses Endzwecks aber die Bauenden unterrichtet werden müssen, was sie bey dem Bau selbst zu beachten haben, wenn sie an der Unterstützung Theil nehmen wollen, endlich aber auch diejenigen, welche nicht Theil an dieser Unterstützung nehmen, und von Holz ganz in Fachwerk bauen, kürzlich vorgeschrieben werden soll, wie sie den bereits bestehenden Polizeygesetzen gemäß, bauen müssen, so wird durch folgendes, auf den Grund des Direktorial=Rescripts vom 2. Juny d. J. ausgefertigtes Reglement diejenige Verfahrungsart bestimmen und festsetzen, welche zum Zweck führet.

§ I.

Es dürfen, so wie es in dem genehmigten Plane zum Wiederaufbau schon vorgeschrieben ist, keine mit den Giebeln an der Straße stehende Häuser weiter gebauet werden, und alsdann die vormals zwischen den Häusern statt gefundenen Gassen nicht mehr nötig sind, so können solche zu den Bauplätzen gezogen werden. Es muß jedoch der Bauende, falls sein Nachbar auf einen Theil einer solchen Gasse Anspruch macht, sich dieserhalb bey der Gerichtsobrigkeit mit ihm vereinigen, und muß dabey zugleich festgesetzt werden, auf welche Art das Wasser von den Höfen geschafft werden soll.

§ 2.

Die Seiten= oder Hintergebäude, welche solche nothwendig an die Straße gebauet werden müssen, sollen zur Vermeidung des Uebelstandes, mit einem schicklichen äußern Putz versehen werden, und der Bauende muß, in Ansehung der Stellung solcher Gebäude sich der Anweisung des bey dem Wiederaufbau der Stadt angestellten Bauverständigen unterwerfen.

§ 3.

Da auch leicht der Fall eintreten kann, daß die vormalige Garnison, zur Erhaltung des Nahrungs=Standes der Bürger, in die Stadt, nach beendigtem Wiederaufbau derselben zurückkehrt, der, zur Erleichterung der bequartierten Bürger, in Vorschlag gebrachte, allgemeine Reuterpferdestall aber, wegen Mangel des nöthigen Raums, und bey der Theuerung der Baumaterialien, nicht angelegt werden kann, so soll dahin gesehen werden, daß diejenigen Bürger, welche vormals Pferdeställe für die Reuter gehabt haben, die Plätze zu diesen Stellen aufbewahren.

§ 4.

Soll ein Jeder, sobald er das Fundament zu seinem Wohnhause anlegen lassen will, sich zuförderst bey dem Magistrate und dem Bau=Condukteur mit Ueberreichung des Anschlages und Risses, wonach das Gebäude aufgeführt werden soll, melden, den Mauer= und Zimmermeister, welche den Bau aufführen werden, nahmhaft machen, und den Tag, an welchem mit der Arbeit der Anfang gemacht werden soll, bestimmen, damit sodann der Condukteur in Beysein eines Magistrats=Mitgliedes, den Bauplatz mit Rücksicht auf die bestimmte Fluchtlinie, innerhalb welche die Häuser zur Erhaltung grader Straßen gebauet werden sollen, auf das genaueste abstecken kann.

§ 5.

Damit die Gebäude wirklich so aufgebauet werden, wie die Baupolizey=Gesetze es bestimmen, und wie es erforderlich ist, um die verheißene Unterstützung darauf zu erhalten, soll jeder Bauende den Anschlag, den er sich zum Bau seines Hauses hat anfertigen lassen, dem Bau=Condukteur zur Prüfung vorlegen, und sich demjenigen unterwerfen, was derselbe daran, nach Anleitung der schon gedachten Bau=Polizeygesetze, zu ändern findet, und soll ein solcher von dem Bau=Condukteur unterzeichneter Anschlag, wofür übrigens keine Gebühren bezahlt werden dürfen, auch nur für den gültigen Anschlag in Ansehung der zu erhaltenden Unterstützung, angesehen werden.

§ 6.

Obgleich dem bauenden Eigenthümer überlassen bleiben soll, seinem Wohnhause in Ansehung der Höhe der Stockwerke, der Grundfläche, der äußern Form und der innern Einrichtung eine solche Gestalt zu geben, wie er es nach seinem Geschmack, und seinen häuslichen, auch wirthschaftlichen Bedürfnissen für gut findet, auch ihm deshalb frey steht, den hierzu erforderlichen Anschlag nebst der Zeichnung sich von einem, ihm beliebigen Sachverständigen anfertigen zu lassen, so muß er dennoch, zur Verhütung eines gegen die Grundsätze der Kunst sowohl als gegen die Polizey=Vorschriften anstoßenden Baues, besonders in Ansehung zweckmäßiger Anlagen der Feuerungen, Behufs der Feuersicherheit und Holz=Ersparniß nach den Normal=Anschlägen richten, überhaupt aber sich folgenden Vorschriften unterwerfen:

A. In Absicht der Bauart, besonders von massiven Gebäuden.

1) Muß alles Mauerwerk mit gutem Kalkmörtel aufgeführt werden.

2) Spaarkalk wird bey 50 Rthlr. Strafe verboten.

3) Lehm darf bey der Mauer=Arbeit nur zu den Schornsteinen, und außer diesen zum Mauern der Wände von Luftsteinen gebraucht werden.

4) Alle Fundamente müssen auf festen Grund gesetzt werden, und darnach muß sich also ihre Tiefe in der Erde richten.

5) Auch bey gutem Grunde müssen die Fundamente der zwey Stockwerk hohen Wohnhäuser, und der größern Wohnhäuser von Einem Stockwerke da, wo keine Keller sind, drey Fuß tief in vesten Erdboden gelegt werden, nur bey kleinen Häusern von Einem Stockwerke wird 2 ½ Fuß tiefes Fundament auf vestem Boden verstattet, dagegen solches bey den Kellern zu 1 ½ Fuß tief unter dem Fußboden des Kellers hinreichend ist, wie dies auch in den Normal=Anschlägen angenommen worden ist.

6) Alle Keller müssen gewölbt, und mit massiven Treppen versehen werden.

7) Wenn die Fundamente von Feldsteinen gemacht werden, wie in den Normal=Anschlägen angenommen ist, so müssen die Feldsteine, besonders zu dem Theil des Fundaments über der Erde, gesprengt und zerschlagen werden, damit solche dadurch zu einem guten Lager und guten Verband des Mauerwerks geformt werden.

8) Die Höhe der Stockwerke darf auch bey kleinen Häusern nicht unter 9 Fuß seyn, damit das äußere Ansehen nicht zu sehr leidet, bey großen Gebäuden wird es gut seyn, wenn sie zu 9 ½ bis 10 Fuß gegeben wird, welche letztere Höhe in den Normal=Anschlägen angenommen ist.

9) Alle Vorgelege zu den Heitzungen, auch in dem zweiten Stockwerke müssen, so wie die Brandmauern, von Grund aus aufgeführt werden.

10) Massive Wände auf Holz und Balken zu setzen, wird verboten.

11) Alle Schornsteinröhren müssen im Lichten 18 Zoll im Quadrat weit, und bey mehreren Röhren in Einem Schornsteine, die Zungen ½ Stein stark gemacht werden.

12) Das Schleifen der Schornsteine muß so viel als möglich, das Lagern derselben auf Holz aber gänzlich vermieden werden, um deswillen müssen solche soviel als möglich in der Mitte der Tiefe eines Gebäudes angeordnet werden, damit sie, wenn auch nicht ganz in der Mitte, doch mit Einer Seite an dem Dachforst nach hinten zu, ohne eine Kehle hinter sich zu lassen, herausgeführt werden können.

13) Die Küchen=Feuerungen müssen in solcher Art geordnet werden, daß die Röhren auf zwey massive Wände aufgesetzt werden können, und daß die Rauchfänge nicht zu flach werden, auch müssen die Rauchfangbalken gehörig feuersicher angelegt werden.

14) An den Brandmauern und Schornsteinröhren darf kein Holz liegen, ohne daß es mindestens einen halben Mauerstein von mittlerer oder großer Form stark, gegen die Feuerseite verblendet ist, noch weniger kann solches also in dem Schornstein selbst verstattet werden.

15) Die Vorschriften in Ansehung der Feuerungen müssen auch bey allen hölzernen Wohngebäuden ohne Unterschied beobachtet, und die Brandmauern darin Einen Stein stark aufgeführt werden.

16) Luftsteine müssen genau das Maaß der gebrannten Steine haben, und völlig ausgetrocknet seyn, ehe sie verbraucht werden, und es wird in Ansehung ihrer verstattet, daß sie bey tiefen Gebäuden von Einem Stockwerk zu den innern Queer=Scheidewänden, also mit Ausschluß der langen Mittelwand, die von gebrannten Steinen gemacht werden muß, desgleichen bey tiefen Gebäuden von zwey Stockwerken zu eben dergleichen Wänden des obern Stockwerks.

17) Die Dächer zu einfacher Dachstein Deckung dürfen nicht mehr als 7 ½ Zoll bis 7 Zoll weit von der Oberkante einer Latte zu der andern gelattet werden, und die Dachsteine müssen im Verband aufgelegt, auch inwendig mit Haarkalk verstrichen werden.

Obgleich diese Vorschriften zum Theil dey den Häusern von Fachwerk Abänderungen leiden können, so müssen doch selbige bey letzterer Bauart ebenfalls in Ansehung der Fundamente, Keller, Brandmauern, Feuerungen und Dächer strenge angewendet werden.

Jeder Bauende, der noch die gute Absicht heget, seine Feuerungen besonders auf den Torfbrand und auf Holzersparung einrichten zu lassen, kann sich dieserhalb zu unentgeldlichen Unterweisung an den Bau=Condukteur wenden, der dieserhalb mit besonderen Vorschriften versehen worden ist.

B. In Ansicht der Meister und Gesellen, imgleichen der Arbeitszeit, und des Tagelohns.

1) Nur ein würklicher Meister kann die Bauarbeiten übernehmen, und er allein muß für die zweckmäßige Anlage und für die vorschriftsmäßige Ausführung haften. Da sowohl hierüber, als auch über das Verhältniß der Meister und Gesellen die gesetzlichen Vorschriften und Strafen in den Gewerks=Provolegien enthalten sind, so müssen solche darnach bekannt gemacht werden, auch bey vorkommenden Fällen darnach zur Richtschnur dienen.

2) Die Arbeitszeit wird, sowie in Berlin eingeführt ist, nehmlich:
in den langen Tagen von 5 Uhr des Morgens bis 7 Uhr des Abends,
in den mittel Tagen von 6 Uhr des Morgens bis 6 Uhr des Abends, und
in den kurzen Tagen von 7 Uhr des Morgens bis 5 Uhr des Abends,
festgesetzt, wobey jedoch von 12 bis 1 Uhr eine Stunde zum Mittag, desgleichen die zum Frühstück und Vesper=Essen erforderliche Zeit verstattet wird.

3) Das Tagelohn wird in den langen Tagen auf 10 Groschen, in den mittel Tagen auf 9 Groschen, und in den kurzen Tagen auf 8 Groschen mit dem Einschluß des Meistergroschens festgesetzt, auch wird genehmigt, daß, wenn die Gesellen über die festgesetzte Zeit arbeiten wollen, ihnen noch außerdem für jede Stunde Ein Groschen gegeben werden kann.

4) Mehr Tagelohn darf durchaus nicht gegeben werden, bey der für die Churmark angeordneten Strafe, nehmlich
Achttägige Gefängniß=Strafe für einen Gesellen oder Handlanger, welcher zuviel Lohn nimmt, oder die Arbeit fortzusetzen verweigert, oder nicht gehörige Zeit die Arbeit anfängt, auch
Zehn Thaler Geldstrafe für den Bauenden, oder im Fall des Unvermögens eine verhältnißmäßige Leibesstrafe.

5) Da aber fremde Meister und Gesellen herbey gezogen werden müssen, so steht es jedem Eigenthümer und Meister frey, sich in solchem Fall über ein verhältnißmäßiges Reisegeld zu vereinigen, es dürfen jedoch dazu keine andern, als nur Meister aus der Churmark genommen werden, oder es muß im gegenseitigen Fall bey erheblichen Ursachen die Erlaubniß dazu gesucht werden.
Wegen derjenigen Häuser, worauf eine Unterstützung gereicht werden soll, ist es vorzüglich nöthig: daß der Bau=Condukteur von der ganzen Beschaffenheit des Baues unterrichtet wird, damit er über die Tüchtigkeit des aufgeführten Gebäudes ein glaubwürdiges Zeugniß ausstellen kann, daher sowohl er, wi er hierdurch angewiesen wird, die Anlage und Aufmauerung des Fundaments, ehe solches verfüllet wird, besehen, und dessen Beschaffenheit genau bemerken muß, als auch der Eigenthümer selbst dafür, daß solches geschieht, zu sorgen hat. Uebrigens bleibt es jedem Eigenthümer unbenommen, im Fall er über den Bau=Condukteur Beschwerden zu haben glaubt, entweder selbst, oder durch den Magistrat seine Beschwerden bey der Königl. Kammer anzubringen.

§ 7

Alle hiergegen vorfallenden Missbräuche, Unordnungen und Abweichungen müssen sofort bey der vorgesetzten Gerichtsbehörde zur Entscheidung gebracht, und letztere muß beschleuniget werden, als wozu die erwähnten Gerichtsbehörden hierdurch ausdrücklich angewiesen werden, und wenn dessen ungeachtet noch Widerspenstigkeit gezeigt, oder Anordnung der Gerichtsbehörden nicht genügt wird, sollen die Schuldigen durchaus als öffentliche –Ruhestörer angesehen, und darnach gegen sie verfahren werden.

§ 8

Wenn bey Bekanntmachung dieses Reglements, im Baue selbst, schon gegen die angeführten Vorschriften gehandelt werden sollte, so kommt es darauf an, ob es wesentliche Fehler gegen schon bestehende Polizey=Gesetze, oder ob es nur jetzige Anordnungen zu zweckmäßigen Einrichtung der Gebäude betrifft.

Im erstern Falle werden der Bauherr und die Handwerksmeister die Fehler zu vertreten haben, und auf jeden Fall deren Abänderung bewirken müssen, es koste was es wolle, wenn sie aber schon Warnungen dagegen zur gehörigen Zeit erhalten, solches aber vorsätzlich nicht befolgt haben sollten, so werden sie noch besonders als widerspenstige Unterthanen zur Bestrafung gezogen werden müssen, als wornach die vorgesetzten Behörden und der Bau=Condukteur sich zu achten haben

Im zweiten Falle wird es wieder darauf ankommen, ob dadurch von den Bestimmungen der Normal=Anschläge abgewichen ist, und in solchem Fall wird, wenn es thunlich ist, die Abänderung von dem Bauherrn noch zu bewürken seyn, oder wenn es durchaus nicht thunlich ist, nach Verhältniß des Kostenbedarfs ein Abszug von den verheißenen Unterstützungsgeldern geschehen müssen.

§ 9

Schließlich wird dem Stuerrath, dem Magistrat zu Zehdenick, und den bey dem Wiederaufbau der Stadt angestellten Bau=Officianten anempfohlen, auf alle Vorschriften dieses Reglements sowohl, als des dabey zum Grunde gelegten Plans zum Wiederaufbau der Stadt mit Nachdruck zu halten, und zur Erreichung der landesväterlichen Absicht aus allen kräften um so mehr beizutragen, als im Unterlassungs=Falle der Schuldige besonders dafür verstrafet bleibt.

Dagegen wird aber auch von den Zehdenickschen Bürgern erwartet, daß sie zunächst dem Magistrate, und dem Bau=Condukteur, bey der Ausübung ihrer Pflichten keine Hindernisse in den Weg legen, sondern sich ihren Anordnungen unterwerfen, widrigenfalls solches strenge geahndet, und die widerspenstigen und ungehorsamen Bürger, nach den Umständen, von der ihnen zugedachten Wohlthat nicht allein ganz ausgeschlossen, sondern überdem auch mit harter Leibesstrafe belegt werden sollen.

Berlin, den 8 July 1802

Königl. Churmärkische Krieges= und Domainen=Kammer.

v. Gerlach. Grothe. v. Bornstädt. v. Kropff. v. Kahle. Meinhart. Litzmann. v. Könen. v. Lamprecht. v. Winderfeld. Garn. Bonsery. Wittke. Diederichs. Heinsius. Balkow. Brese. Wiesiger. v. Bassewitz. Schütz. Borsche


Fußnoten und Endnoten

631  So das Rotulus Actorum. Sämtliche Zitate zu diesem ersten Fall aus: GStA PK, I. HA Rep. 21, Nr. 166, Fasz. 2 [Akten wegen der Immediatklage einiger Templiner Bürger gegen den Templiner Magistrat 1737ff].

632  Diese und die folgenden persönlichen Daten nach der Bürgerrolle von 1735. BLHA, Pr.Br. Rep. 8 Templin, Nr. 322.

633  Nach einer Übersicht waren 1739 in der Kurmark 124764 Taler königl. Unterstützungsgelder überfällig, die schon zum Dezember 1736 versprochen waren. Selbst die kurmärkische Kammer betont in einem Schreiben an den König vom 8. Februar 1739: Damit nun die Neu-Anbauenden, wovon die mehresten um von denen per Edicta publicirten Beneficiis zu profitiren, mit Schulden gebauet, dahero jetzo von denen Creditoribus hart gedrungen werden, aber ob sie gleich verordnungsmässig und gut gebauet, dennoch viele schon einige Jahre zu ihren grosten Schaden auf die ihnen versprochenen und zukommenden Baufreyheits-Gelder vergeblich warten müssen, einmal befriediget und dadurch conserviret werden mögen, [...] GStA PK, II. HA GD, Kurmark, Tit. 103, Nr. 1, Bl. 4.

634  Sämtliche Zitate zu diesem zweiten Fall aus: GStA PK, Rep. 21, Nr. 166, Fasc. 3.

635  Abschriftlich als Anlage A, die Abschrift unterzeichnet von den Templiner Bürgern Kraeffel, Gebell, Berger, Adami, Hildebrand, D. F. Freyschmidt. Ebenda.

636  Zitate wie im zweiten Fall aus: GStA PK, Rep. 21, Nr. 166, Fasc. 3.

637  Dieser Bericht und die folgenden Zitate und Daten aus: Archivnummer 47 (Acta wegen des Aufstandes unter den Bürgern in der Stadt Zehdenick de 1802).

638  Stadtarchiv Zehdenick, Archivnummer 70.

639  Dies waren die Deputirten H. Gerichtsschöppe Zeschke, H. Kommissarius Schulze, die H. Kaufleute Protzen und Jacquino und die Herren Gohlmann und Reicheke. Ebenda.

640  Stadtarchiv Zehdenick, Archivnummer 47, Schreiben der Kurmärkischen Kammer an den Kammerassessor Nagel vom 24. Mai 1802. Gezeichnet Grothe, Bonsery, Schütze.

641  Eingeheftete Abschrift. Stadtarchiv Zehdenick, Archivnummer 47, Bl. 9.

642  GStA PK, Zehdenickretabl. Vol. IV, Bl. 64f.

643  Genauer schildert Nagel selbst diesen Vorfall in seinem Schreiben an den Commandeur von Sydow vom 28. Mai 1802: Als die größte Gefahr vorüber war und ich aus dem hause trat, fiel mich ein Maurer oder zimmer Geselle an: behauptete von mir geschlagen worden zu sein, hielt mich bey der Brust fest und stellte mich auf eine höchst grobe Art zur Rede. Ich rief nach dem in der Nähe stehenden Unterofficir, der mir zwar gleich mit zwey Mann zur Hülfe kam, allein es hatte sich inzwischen eine so große menge von Maurer und Zimmergesellen mit Axten und Haken um mich (...) versammelt, die nach ihren Drohungen zu urtheilen auch zu thätlichkeiten sehr geneigt waren, daher ich es für besser hielt von der Wache gar keinen Gebrauch zu machen, sondern mich eiligst zu entfernen. GStA PK, Zehdenickretabl. Vol. IV, Bl. 68.

644  Schreiben der Kurmärkischen Kammer an das Kurmärkische Departement, gez. v. Gerlach, Grothe, Bonsery. GStA PK, Zehdenickretabl. Vol. III, Bl. 27f.

645  Das Schreiben des Kurmärkischen Departements an die Kurmärkische Kammer gez. von Borgstede, Schmid. Ebenda, Bl. 29f.

647  Stadtarchiv Zehdenick, Archivnummer 474.



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23.01.2007