Kapitel V
Zusammenfassung


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Mit dem Ziel einer möglichen regelmäßigen Senkung der Leukozytenkontamination in Thrombozytapheresekonzentraten unter die kritische Grenze für eine Alloimmunisierung mit 1 x 106 Leukozyten pro Transfusionseinheit ("critical immunological load of leukocytes" (cill)) wurden in der vorliegenden Arbeit zwei Thrombozytaphereseprotokolle des kontinuierlich arbeitenden Zellseparators FRESENIUS AS 104 verglichen. Bei je 50 Thrombozytapheresen wurde das Standardprogramm mit konstanter Trenngrenze bzw. die Programm-Modifikation mit periodischer Trenngrenzenposition eingesetzt. Der Vergleich der beiden Trenngrenzeneinstellungen erfolgte auf der Basis der ermittelten Leukozytenkontaminationen in den Thrombozytapheresekonzentraten sowie den errechneten Qualitätsparametern Plättchenausbeute und Separationseffizienz.

Die Ausgangswerte der Spender unterschieden sich nicht signifikant hinsichtlich Leukozyten- und Thrombozytenkonzentration. Die charakteristischen Thrombozytapherese-Parameter Separationsvolumen, Separationsdauer und Konzentratvolumen weisen ebenfalls keine signifikanten Unterschiede auf.

Hingegen weichen die Effektivitätsparameter beider Thrombozytaphereseverfahren signifikant voneinander ab: Der Thrombozyten-Ertrag ist bei Anwendung der konstanten Trenngrenze im Mittel mit 3,6 x 1011 /TE signifikant höher als bei Anwendung der periodischen Trenngrenze mit 3,3 x 1011 /TE (t-Test:p = 0,017). Dementsprechend sind bei vergleichbaren Mittelwerten für Separationsdauer (63min vs. 64min) und Separationsvolumen (3588 ml vs. 3737 ml) sowohl die Separationsleistung (5,9 x 109 /min vs. 5,2 x 109 /min; t-Test: p = 0,018), als auch die Separationseffizienz (48,0% vs. 43,3%; t-Test: p = 0,005) signifikant niedriger bei r Anwendung der periodischen Trenngrenzenposition.

Die Bestimmung und damit der Vergleich der Leukozytenkontaminationen in Thrombozytapherese-konzentraten stellt ein bekanntes methodisches Problem dar, da es sich um den niedrigen Konzentrationsbereich von unter 5 Leukozyten pro Mikroliter handelt. Als "Gold-Standard" hat sich die mikroskopische Auszählung der Zellen mit Hilfe der modifizierten Nageotte-Kammer etabliert. Diese Methode ist zeitaufwendig und schwierig durchzuführen und besitzt nur eine geringe Präzision mit einem Variationskoeffizienten um 50 %.

Deshalb kamen in der vorliegenden Arbeit neben der modifizierten Nageotte-Kammer zwei Alternativmethoden zur Anwendung: Zum einen wurde ein neuartiger Blutbildautomat (Abbott CD 3500) verwendet, zum anderen kam eine durchflußzytometrische Methode zum Einsatz, die eine deutlich bessere Präzision mit einem Variationskoeffizienten um 20 % aufweist als die Kammer-Zählung.


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Beim Vergleich zwischen Nageotte-Kammer-Zählung und Blutbildautomat zeigt der Blutbildautomat Abbott CD 3500 bei Leukozyten-Konzentrationen unter 50 bis 80 pro Mikroliter eine unzureichende Genauigkeit (r = 0,546). Zwischen Nageotte-Kammer-Zählung und FACS-Methode findet sich hingegen eine gute Korrelation (r = 0,930). Es fällt allerdings auf, daß im unteren Meßbereich unter 10 pro Mikroliter die FACS-Methode im Mittel niedrigere Werte ermittelte als die Nageotte-Kammer. Die Ursache dürfte darin zu suchen sein, daß bei der Kammerzählung die Diskriminierung von Leukozyten teilweise sehr subjektiv ist und die Genauigkeit der Methode von der Erfahrung der zählenden Person abhängt. Dagegen setzt die FACS-Methode lediglich genaues Pipettieren voraus.
In der vorliegenden Arbeit lassen sich diese Erklärungen dadurch belegen, daß die Korrelation zwischen beiden Methoden bei den ersten fünfzig Messungen deutlich schlechter ist als bei den letzten fünfzig Messungen.

Die mit der Durchflußzytometrie ermittelten Leukozytenkonzentrationen sind auch deshalb als präziser anzusehen, da im Vergleich zur Nageotte-Kammer ein größeres Messvolumen analysiert wird.

Die Leukozytenkontamination ist signifikant niedriger bei Anwendung der periodischen Trenngrenze: Je nach angewandter Methode liegt die mittlere Leukozyten-Kontamination bei Anwendung der konstanten Trenngrenze bei 4,9 x 106 /TE, bei Anwendung der periodischen Trenngrenze bei 2,1 bzw. 1,2 x 106 /TE (U-Test: p < 0,0001).

Die mittels der FACS-Methode ermittelten Leukozytenkontaminationen liegen vor allem bei niedrigen Leukozytenkonzentrationen im Mittel unter den mit der Nageotte-Kammer-Zählung ermittelten Werten. Bei Anwendung der konstanten Trenngrenze liegt die Leukozytenkontamination bei sechs (Nageotte-Kammer-Zählung) bzw. neun (FACS-Methode) Thrombozytapheresekonzentraten unter dem cill-Wert, bei Anwendung der periodischen Trenngrenze bei 23 bzw. 46 Konzentraten.

Bei beiden Separationsverfahren findet sich je ein Ausreißer mit deutlich höherer Kontamination.

Basierend auf den Leukozytenkonzentrationen der FACS- Methode zeigt sich, daß die Modifikation des Thrombozytenseparationsverfahrens mit periodischer Verschiebung der Trenngrenze eine signifikante Senkung der Leukozytenkontamination bewirkt. Bei 46 von 50 Thrombozytapheresen lag die Leukozytenkontamination unter dem angestrebten Wert von 1 x 106 /TE, lediglich bei einer Thrombozytapherese über 5 x 106 /TE. Der Thrombozytenertrag und die Separationseffizienz werden um etwa 10% gegenüber dem Standardverfahren mit konstanter Trenngrenze gesenkt. Dieser Thrombozytenverlust ist jedoch bedeutungslos, da die notwendige Filterung des Standard-Thrombozytapheresekonzentrats zur Leukozytendepletion ebenfalls zu einem Thrombozytenverlust führt, der in derselben Größenordnung liegt.

Im Laufe des letzten Jahres hat sich als Alternative zur Leukozytendepletion mittels Filter die Modifikation des Zellseparators bezüglich periodischer Trenngrenzenpositionen durchgesetzt.


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Nach den „neuen Richtlinien zur Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen und zur Anwendung von Blutprodukten (Hämotherapie)“ muß dabei ein Restleukozytengehalt von unter 1 x 106 pro Transfusionseinheit in leukozytendepletierten Apherese-Thrombozytenkonzentraten eingehalten werden.


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22.10.2003