Bardt, Tillman: Multimodales zerebrales Monitoring bei Patienten mit schwerem Schädel-Hirn-Trauma

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Kapitel 6. Zusammenfassung und Ausblick

Die Etablierung des multimodalen zerebralen Monitoring wurde notwendig durch die steigende Zahl von Parametern zur Überwachung von Patienten mit einem schweren Schädel-Hirn-Trauma. Die heutigen Bedingungen lassen vermuten, daß sich die Zahl der Monitoringparameter weiter erhöhen wird. Zum Zeitpunkt der Niederschrift dieser Arbeit werden im Rahmen des multimodalen zerebralen Monitoring bereits neuere Sensoren zur simultanen Messung des pO2, der Temperatur, des pH und des pCO2 im Hirngewebe eingesetzt. Die intrazerebrale Mikrodialyse befindet sich ebenfalls in der klinischen Einführung und stellt wertvolle biochemische und metabolische Informationen über die Pathophysiologie des schweren Schädel-Hirn-Traumas in Aussicht.

Zukünftige Weiterentwicklungen der Nah-Infrarot-Spektroskopie könnten zusätzliche Daten über zelluläre, enzymatische Veränderungen liefern. Schließlich versprechen die präliminären, technischen Errungenschaften in der Mikrosensorik, beispielsweise durch neuartige bioelektronische Hybridkomponenten, die Möglichkeit der on-line Überwachung des zellulären Stoffwechsels, welche bislang nicht oder nur unter aufwendigen Laborbedingungen möglich waren. Es bleibt zu hoffen, daß die heutigen technischen Errungenschaften auf dem Gebiet des nicht-invasiven zerebralen Monitoring konsequent weiterentwickelt werden.

Eine zentrale Rolle wird weiterhin die Computertechnologie spielen. Höhere Leistungsfähigkeit bei gleichzeitig sinkenden Kosten machen den breiten Einsatz von Computern auf einer Intensivstation oder im Operationssaal immer wirtschaftlicher. Das „Gehirn“ des Computer ist jedoch nutzlos ohne die „Anleitung zum Denken“, also eine entsprechende Software. Während die in dieser Arbeit


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vorgestellte Software ein Produkt universitärer Forschung ist, werden zukünftige Entwicklungen von Firmen gemacht werden, die den finanziellen Anreiz des multimodalen zerebralen Monitoring für sich bereits entdeckt haben. Der Maßstab für weitere Entwicklungen werden jedoch weiterhin die neurochirurgischen Kliniken sein, in denen die Monitoringtechnologien erprobt werden. Dies gilt insbesondere für neue Methoden der mehrdimensionalen Visualisierung von Informationen zur Erleichterung von Therapieentscheidungen, da deren Nutzen sich ausschließich im klinischen Einsatz zeigen kann (Rampil, 1993; Coiera, 1994).

Aus diesen Aspekten ergibt sich die Perspektive, daß das multimodale zerebrale Monitoring möglicherweise zu einem wichtigen Standard in der neurochirurgischen Überwachung von Patienten mit schwerem Schädel-Hirn-Trauma werden kann und dieses nicht nur das Verständnis der Pathophysiologie erweitern wird, sondern in zunehmendem Maße als eine therapeutische Entscheidungshilfe Einsatz findet.


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Wed Aug 14 15:13:46 2002