Barth, Klaus: Funktionelle postoperative Befunde bei Patienten mit oropharyngealen Tumoren

22

Kapitel 2. PATIENTEN UND METHODEN

In die Untersuchung wurden Patienten eingeschlossen, die im Zeitraum von März 1990 bis Mai 1998 an der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde der Charité an Tumoren im Bereich des Oropharynx operiert wurden. Innerhalb dieses Zeitraums erfolgte die Behandlung von insgesamt 217 Patienten, die an oropharyngealen Tumoren unterschiedlicher Lokalisationen erkrankt waren. Im Rahmen dieser Arbeit wurden 54 Patienten mit Primärtumoren im Bereich der Tonsilla palatina untersucht, bei denen nach kompletter Tumorresektion unterschiedliche Rekonstruktionsverfahren zur Anwendung kamen. Anhand der Krankenakten erfolgte die retrospektive Datenerhebung mit einem standardisierten Dokumentationsbogen (Abb. 1). Die Patienten wurden zu einer klinischen Nachuntersuchung einbestellt, diese erfolgte in einem Mindestabstand von 4 Monaten zum Abschluß der Primärtumorbehandlung (Operation, ggf. postoperative Radiatio). Bei der Untersuchung wurden funktionelle Befunde hinsichtlich Schluckfunktion und Sprache durch einen Fragebogen, einen hno-ärztlichen Status (teilweise videodokumentiert), Sprachaufzeichnungen auf DAT-Kasetten (drei unterschiedliche Sprachverständlichkeitstests) und eine Röntgenkinematographie des Schluckaktes erhoben.

Abb. 1: Dokumentationsbogen für die Auswertung der Krankenakten

Dokumentationsbogen für die Krankenaktenauswertung
bei Patienten mit oropharyngealen Tumoren

 

· Name:

· Geburtsdatum:

· Diagnose:

· Datum der Erstdiagnose:

· Tumorlokalisation:

· Stadium: T .... N .... M .... R .... G ....

· Histologie:

 

· Operationsmethode:

· Operationsdatum:

· Art der Rekonstruktion:

· Neck dissection:

· Radiatio: (ggf. Dosis)

· Datum des Bestrahlungsbeginns:

· Logopädische Sprechübungsbehandlung:

(ggf. Behandlungsdauer)

· Gewichtsveränderung im letzten ¼ Jahr:

(ggf. PEG-Sonde)

· Rezidiv ?:

· Zweittumor ?:


23

2.1 Operationsmethoden

2.1.1 Tumortonsillektomie

Der Eingriff erfolgt analog der klassischen Tonsillektomie am hängenden Kopf mit eingesetztem Mundsperrer. Die Tumorresektion beschränkt sich jedoch nicht darauf, die Tonsilla palatina entlang der bindegewebigen Kapsel aus ihrem Bett auszulösen, es werden zusätzlich Anteile des vorderen und hinteren Gaumenbogens, des Gaumensegels, des Zungengrundes und des retrotonsillären Muskel- und Bindegewebsraums mitreseziert.

2.1.2 Oropharynxteilresektion

Der Eingriff bezeichnet eine Erweiterung der beschriebenen Tumortonsillektomie, dabei werden größere Substanzdefekte vor allem im Bereich des Gaumensegels, des Zungengrundes und des retrotonsillären Bindegewebsraumes verursacht, die je nach Infiltrationsgrad des Tumors in die benachbarten Strukturen variieren. Teilweise erfolgt die Resektion aufgrund der besseren Übersichtlichkeit zusätzlich über eine laterale Pharyngotomie.

2.1.3 Primäre Wundheilung

Eine Heilung per primam intentionem (Riede 1993[ 81 ]) liegt in der Regel bei chirurgischen Wunden vor, wenn glatte Wundränder durch Adaptationsnähte eng aneinandergelegt werden. Alle Phasen der Wundheilung laufen in diesem Fall relativ schnell ab, da nur geringe Gewebereparaturen notwendig sind. Die Wundheilung ist in der Regel nach 7-14 Tagen abgeschlossen. Bei einem Teil der untersuchten Patienten erfolgte ein primärer Wundverschluß durch Mobilisation und Raffung angrenzender Schleimhautareale.

2.1.4 Sekundäre Wundheilung

Eine Heilung per secundam intentionem (Riede 1993[ 81 ]) liegt vor, wenn die Wundränder weit voneinander entfernt sind und dazwischen ein Gewebedefekt besteht. Der Defekt muß zunächst von Granulationsgewebe überbrückt werden, bevor eine narbige Umwandlung und anschließende Reepithelisierung erfolgen kann. Die Dauer bis zum Abschluß der Wundheilung kann je nach Defektgröße mehrere Wochen betragen. Bei einem Teil der untersuchten Patienten wurde das Wundbett im Oropharynx offen belassen, es kam zu einer sekundären Wundheilung.


24

2.1.5 Plastische Rekonstruktion

Die bei großen Tumoren entstehenden, ausgedehnten Gewebedefekte können einerseits nicht mehr primär verschlossen, andererseits kann die Wunde, wegen der Gefährdung der darunterliegenden Strukturen, nicht einer sekundären Wundheilung überlassen werden. In diesen Fällen besteht die Möglichkeit, Gewebe aus entfernteren Körperregionen zum Verschluß des Defektes zu verwenden. Bei einem Teil der untersuchten Patienten erfolgte die Defektdeckung mit dem Temporalis-Lappen bzw. dem radialen Unterarmlappen.

2.1.5.1 Rekonstruktion mit dem Temporalis-Lappen

Der zur Kaumuskulatur gehörende Musculus temporalis hat seinen Ursprung in der Fossa temporalis und inseriert am Processus coronoideus mandibulae. Über einen bogenförmigen Hautschnitt erfolgt die Entnahme als Muskel-Faszien-Lappen unter Belassung des Gefäßstiels im Bereich des Ansatzes. Nach stumpfer Bildung eines Tunnels zwischen Oropharynx und Muskelansatz wird der Lappen unter dem Jochbogen durchgezogen und in die Mundhöhle verlagert. Dort wird er zur Auffüllung des Volumendefekts eingenäht und epithelisiert innerhalb weniger Wochen (Hüttenbrink 1986[ 44 ]).

2.1.5.2 Rekonstruktion mit dem radialen Unterarmlappen

Der fasziokutane Unterarmlappen (Bootz et al. 1989[ 15 ]) wird mit der A. radialis und Begleitvenen als Gefäßstiel von der volaren Unterarmfläche entnommen und in den oropharyngealen Defekt eingesetzt. Bevorzugt wird der distale Unterarmlappen eingesetzt, da der längere Gefäßstiel die Anastomosierung erleichtert. Die mikrochirurgische Revaskularisierung erfolgt meist durch arterielle Anastomosierung zur A. thyroidea superior und venöse Anastomosierung zur V. jugularis interna. Der Lappenentnahmedefekt am Unterarm kann beispielsweise durch Spalthaut vom Oberschenkel oder Vollhaut aus der Leiste gedeckt werden.

2.1.6 Neck dissection

Der Eingriff wird zur Resektion manifester und occulter Metastasen durchgeführt, dabei werden vor allem die Lymphknoten und das Fettgewebe entfernt. In elektiver bzw. kurativer Intention erfolgt der Eingriff in Abhängigkeit von der beim präoperativen Staging festgestellten Lymphknotenmetastasierung und Primärtumorausdehnung als funktionelle oder radikale Variante. Zur Vereinheitlichung unterteilte die American Academy of Otolaryngology-Head and


25

Neck Surgery die cervikalen Lymphknotenregionen in die Level I bis V (Abb. 2). Nahezu weltweit stellt diese Klassifikation heute den akzeptierten Standard dar (Robbins 1998[ 82 ]). Bei der radikalen Neck dissection erfolgt eine Blockentfernung der Lymphknoten, des Fettgewebes, der Muskulatur und zum Teil der Gefäße zwischen oberflächlicher und tiefer Halsfaszie. Bei der modifiziert radikalen Neck dissection werden die Lymphknoten und das Fettgewebe der Level I bis V ausgeräumt und der Erhalt des M. sternocleidomastoideus, der V. jugularis externa und des N. accessorius angestrebt. Bei der selektiven Neck dissection erfolgt die gezielte Ausräumung einzelner Level unter Erhalt vaskulärer, nervaler und muskulärer Strukturen. Das Resektionsgebiets wird begrenzt durch die Mandibula, den Vorderrand des M. trapezius, die Clavicula und die Halsmittellinie. Gelegentlich werden die Submentalregion, Schilddrüse und Parotisloge in den Eingriff einbezogen (Theissing 1999[ 99 ]).

Abb. 2: Einteilung der Neck dissection nach Robbins et al. (1991)[83]

2.1.7 Sprechübungsbehandlung

Direkt postoperativ kämpfen die Patienten, die nach großen Oropharynx-Tumor-Operationen häufig auch tracheotomiert sind, vor allem mit Schluckproblemen und der Hypersalivation. Meist tritt jedoch eine rasche Besserung dieser Probleme ein. Im Verlauf der postoperativen Radiatio kommt es durch die Strahlenmucositis häufig zu einer erneuten Verschlechterung der Schluckfunktion, jetzt mit einer Xerostomie. Die operationsbedingt beeinträchtigte Sprechfunktion erfährt häufig ebenfalls eine weitere radiogene Verschlechterung, bedingt durch Mucositis und Strahlenfibrose. Mit einer Sprechübungsbehandlung wird deshalb meist erst während der Anschlußheilbehandlung begonnen. Im Gegensatz zu den laryngektomierten Patienten, die meist ein großes Engagement zum Wiedererwerb der Stimme aufbringen, zeigt ein Großteil der Patienten nach Behandlung von Oropharynx-Tumoren nur geringe Anstren


26

gungen zur Verbesserung der beeinträchtigten Sprechfunktion. Die Tendenz in dieser Patientengruppe geht eher dahin, sich mit der Verschlechterung dauerhaft zu arrangieren.

2.2 Untersuchungsmethoden

2.2.1 Fragebogen

Mit einem Fragebogen wurden Angaben zum subjektiven Beschwerdebild erfasst (Abb. 3a und 3b), als Grundlage hierfür diente der EORTC-H&N 35 (European Organisation for Research and Treatment of Cancer - Head and Neck) - Fragebogen (Bjordal et al. 1992[ 11 ]). Der EORTC-H&N 35 wurde aufgrund seiner durch Befragung von über 500 Patienten gut dokumentierten Validität ausgewählt (Rogers et al. 1998[ 85 ], Bjordal et al. 1999[ 10 ]).

Die Befragung der Patienten erfolgte zu den Komplexen Nahrungsaufnahme, Empfindungsstörungen im Mund- und Rachenraum, Stimm- und Sprechschwierigkeiten, Verständlichkeitsprobleme, Einschränkungen der Sozialkontakte, Belastbarkeitsprobleme und Schmerzen.

Abb. 3a: Fragebogen für Patienten mit oropharyngealen Tumoren

Fragebogen für Patienten mit oropharyngealen Tumoren

 

 

 

 

· Nahrungsaufnahme

 

 

 

 

1. Beeinträchtigung des Kauens? a)

0

1

2

3

2. Beeinträchtigung des Trinkens? a)

0

1

2

3

3. Beeinträchtigung des Schluckens? a)

0

1

2

3

4. Husten beim Essen bzw. Trinken? / Verschlucken? b)

0

1

2

3

5. Rückfluß von Nahrung bzw. Flüssigkeit in die Nase? b)

0

1

2

3

6. Bevorzugte Zusammensetzung / Konsistenz der Nahrung? c)

0

1

2

3

· Empfindungsstörungen

 

 

 

 

7. Engegefühl im Mund-Rachen-Raum? a)

0

1

2

3

8. Mißempfindungen im Mund-Rachen-Raum? a)

0

1

2

3

9. Trockenheit im Mund-Rachen-Raum? a)

0

1

2

3

10. Geschmacksbeeinträchtigung? a)

0

1

2

3

· Stimm- und Sprechschwierigkeiten

 

 

 

 

11. Veränderung des Stimmklangs? a)

0

1

2

3

12. Wetterabhängigkeit der Stimmklangsveränderungen? a)

0

1

2

3

13. Einschränkung der Stimmbelastbarkeit? a)

0

1

2

3

14. Schwierigkeiten beim Sprechen? a)

0

1

2

3


27

Abb. 3b: Fragebogen für Patienten mit oropharyngealen Tumoren (Fortsetzung)

Fragebogen für Patienten mit oropharyngealen Tumoren

 

 

 

 

· Verständlichkeitsschwierigkeiten

 

 

 

 

15. Verständigungsprobleme am Telefon? a)

0

1

2

3

16. Verständigungsprobleme in der Familie? a)

0

1

2

3

17. Verständigungsprobleme unter Freunden? a)

0

1

2

3

18. Verständigungsprobleme unter Fremden? a)

0

1

2

3

· Sozialkontakte

 

 

 

 

19. Einschränkung der Aktivitäten in der Öffentlichkeit? a)

0

1

2

3

20. Probleme im Verhältnis zur Familie? a)

0

1

2

3

21. Probleme im Verhältnis zu Freunden? a)

0

1

2

3

22. Probleme im Verhältnis zu Fremden? a)

0

1

2

3

· Allgemeine Belastbarkeit

 

 

 

 

23. Belastbarkeitsprobleme am Arbeitsplatz? a)

0

1

2

3

24. Belastbarkeitsprobleme in der Freizeit? a)

0

1

2

3

· Schmerzen

 

 

 

 

25. Beeinträchtigung durch Schmerzen? a)

0

1

2

3

26. Verwendung von Schmerzmitteln? b)

0

1

2

3

a)

0 = keine

1 = geringgradig

2 = mittelgradig

3 = hochgradig

b)

0 = nie

1 = selten

2 = häufiger

3 = regelmäßig

c)

0 = fest

1 = weich

2 = breiig

3 = flüssig

Die Fragen wurden anhand vierstufiger Skalen beantwortet, zusätzlich durch den Untersucher Notizen zu den angegebenen Beschwerden angefertigt. Auf der Grundlage der langjährigen Erfahrungen aus der Tumorsprechstunde der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde der Charité wurden leichte Veränderungen am EORTC-H&N 35 vorgenommen. Einige Fragen wurden zusammengezogen (Schmerzen im Mund? / Schmerzen im Kiefer? / Schmerzhafter Rachen? = Schmerzen im Mund-Rachen-Raum?; Schluckprobleme mit breiigen Speisen? / Schluckprobleme mit festen Speisen? = Beeinträchtigung des Schluckens; Mundtrockenheit? / Zäher Speichel? = Trockenheit im Mund-Rachen-Raum), einige Fragen weggelassen (Geruchsminderung?; Probleme beim Essen mit der Familie / unter anderen Menschen?; Freudlosigkeit beim Essen?) und einige Fragen bereits beim Ausfüllen des Anamnese- und Dokumentationsbogens gestellt (PEG-Sonde?; Gewichts-veränderung?).


28

2.2.2 HNO-Untersuchungsbefund

Bei der Erhebung des HNO-Untersuchungsbefundes wurden insbesondere die operativ bedingten Veränderungen der Anatomie von Mundhöhle und Oropharynx, Schleimhautbefund, Einschränkung der Mundöffnung, Zahnstatus und Motilitätsstörungen der Zunge, der Gaumenbögen und des Gaumensegels dokumentiert. Die Resektionsausdehnung (reseziertes Zungengrund- und Velumvolumen) wurde in Sechsteln des normalen Volumens geschätzt, die Schleimhautbefunde in die drei Kategorien „rosig und feucht“, „rosig und trocken“ und „gerötet und trocken“ eingeteilt. Die Mundöffnung wurde als „normal“ oder „eingeschränkt“ beurteilt. Zur Prüfung des Bewegungsumfangs und der Grobmotorik der Zunge wurde der Patient aufgefordert, diese herauszustrecken und so weit wie möglich nach rechts, links, oben und unten zu bewegen. Zur Prüfung der Feinmotorik wurde der Patient aufgefordert, mit der Zungenspitze im und entgegen dem Uhrzeigersinn am Lippenrot entlangzugleiten; zur Prüfung der Diadochokinese mußte die Zunge wiederholt so rasch wie möglich heraus und herein sowie von rechts nach links bewegt werden. Die Prüfung der Gaumenbögen- und Gaumensegelmotilität erfolgte nach Einsetzen eines Mundspatels durch Aufforderung zur Phonation („A“ und „Ach“). Die Suffizienz des velopharyngealen Abschlusses wurde durch eine transnasale Endoskopie des Nasopharynx beurteilt. Die erhobenen Befunde wurden videodokumentiert, die Auswertung erfolgte nach dichotomem Muster in „möglich“ oder „nicht möglich“ beziehungsweise „normal“ oder „eingeschränkt“. Als zusätzliches Merkmal zur Beurteilung der Suffizienz der velopharyngealen Funktion nahmen zwei klinische Sprechwissenschaftler anhand von DAT-Aufnahmen des Textes „Gleich am Walde...“ (Anhang III) eine Nasalitätsbewertung vor. Die Bewertungsskala hierfür reichte von 0 (normale Nasalität) bis 4 (stark ausgeprägte Hyperrhinophonie).

2.2.3 Untersuchung der Schluckfunktion

Zur differenzierten Untersuchung der Schluckfunktion wurde eine Röntgenkinematographie durchgeführt. Die Untersuchung wurde am stehenden Patienten in 3 Ebenen (sagittal, 45°-seitlich und 90°-seitlich) mit Bariumsulfat als Kontrastmittel durchgeführt. Bei anamnestisch zu erwartender, massiver Aspiration wurde ein isomolares, wasserlösliches Kontrastmittel verwendet.

Die Befundung erfolgte durch den untersuchenden Radiologen, unterschieden wurden eine orale Phase, eine pharyngeale Phase und eine ösophageale Phase. Zur Auswertung wurde ein Analysebogen (Abb. 4) zur Beurteilung der Schluckfunktion verwendet, der einzelne Aspekte


29

der Schluckpassage dichotom bewertet. Der Analysebogen orientiert sich an den Bewertungsvorschlägen von Krappen et al. (1997)[ 53 ], auf die zur Funktionskontrolle des Jejunumsiphons verwendeten Einzelparameter (Luft anblasen; Siphonverschluß; Passage Neopharynx) wurde verzichtet. Die Einzelparameter „Bolushaltevermögen“ und „Boluslateralisation“ gehen in dem Einzelparameter „Boluskontrolle“ auf.

Abb. 4: Analysebogen zur Beurteilung der Schluckfunktion

Analysebogen zur Beurteilung der Schluckfunktion

 

 

Orale Phase

 

 

1. Lippenschluß

\|[squ ]\| möglich

\|[squ ]\| nicht möglich

2. Boluskontrolle

\|[squ ]\| normal

\|[squ ]\| eingeschränkt

3. Mundhöhlenentleerung

\|[squ ]\| vollständig

\|[squ ]\| unvollständig

4. Kontrastmitteldepot

\|[squ ]\| nein

\|[squ ]\| ja

5. Zungengrundmotilität

\|[squ ]\| normal

\|[squ ]\| eingeschränkt

Pharyngeale Phase

 

 

6. Zungengrunddorsalbewegung

\|[squ ]\| normal

\|[squ ]\| eingeschränkt

7. Nasaler Reflux (Nasopharynxabschluß)

\|[squ ]\| nein

\|[squ ]\| ja

8. Larynxelevation

\|[squ ]\| normal

\|[squ ]\| eingeschränkt

9. Epiglottisschluß

\|[squ ]\| normal

\|[squ ]\| eingeschränkt

10. Aspiration

\|[squ ]\| nein

\|[squ ]\| ja

11. Pharynxmotilität

\|[squ ]\| normal

\|[squ ]\| eingeschränkt

12. Pharynxentleerung

\|[squ ]\| normal

\|[squ ]\| eingeschränkt

Ösophageale Phase

 

 

13. Ösophagussphinkteröffnung

\|[squ ]\| normal

\|[squ ]\| eingeschränkt


30

2.2.4 Untersuchung des Sprechens

Die Untersuchung der Sprechfunktion erfolgte durch Verwendung des Freiburger Sprachverständnistests (siehe Anhang I), des Göttinger Satzverständlichkeitstests (siehe Anhang II) und eines Textes („Gleich am Walde....“), der in der Abteilung für Phoniatrie und Pädaudiologie der Charité seit Jahren zur Dokumentation von Stimm- und Sprachbefunden verwendet wird (siehe Anhang III). Die Sprachaufzeichnung auf DAT-Kasetten erfolgte in Studioqualität in einer schallisolierten Kabine des Stimm- und Sprachlabors der Abteilung für Phoniatrie und Pädaudiologie der Charité. Es wurden Sprachaufzeichnungen aller Patienten sowie eine Kontrollgruppe von 18 gesunden Personen angefertigt. Die Aufzeichnung der Sprachbefunde erfolgte unter den gleichen Bedingungen wie für die Patienten. Um eine gute Lesbarkeit sicherzustellen, wurde das Testmaterial in Schriftgröße 24, Times New Roman, Fettdruck vorgelegt. Die Patienten bzw. Probanden wurden aufgefordert, deutlich und mit normaler Geschwindigkeit zu sprechen. Um mögliche Schwierigkeiten beim Vorlesen zu vermindern, konnten sie sich zuvor mit dem Testinventar vertraut machen. Die Aufnahme wurde wiederholt, wenn der Patient bzw. Proband sich offensichtlich versprochen oder „verhaspelt“ hatte.

Die Auswertung erfolgte durch Laienhörergruppen von je 5 Personen, bei allen Hörern wurde im Vorfeld eine Hörstörung ausgeschlossen. Die Hörer wurden zunächst verbal zu den Modalitäten der Auswertung instruiert, zusätzlich waren die Instruktionen auf den Auswertungsbögen abgedruckt. Die Sprachaufnahmen wurden durch die Hörergruppe bei einer Lautstärke von 70 dB im freien Schallfeld abgehört, beim Freiburger und Göttinger Test wurden die Aufnahmen mit einem kontinuierlichen Rauschsignal überlagert. Entsprechend der Empfehlung von Zenner et al. (1986)[ 108 ] wurde ein Störgeräusch zur Verbesserung der Verständlichkeitsunterschiede eingesetzt. Verwendet wurde ein sprachbewertetes CCITT-Rauschen (Comité Consultatif International Telegraphique et Telephonique) mit einem Signal-/Rausch-Verhältnis von +6 dB (Martin et al. 1979)[ 64 ], das dem Sprachgewirr einer Cocktailparty entspricht (Fastl 1987[ 31 ]).


31

2.2.4.1 Inverser Freiburger Sprachverständnistest

Der Freiburger Sprachverständnistest (Hahlbrock 1957[37]) besteht aus 20 Gruppen zu je 20 einsilbigen Wörtern. Nach Zenner et al. (1986)[ 108 ] kann der Test invers zur Messung der Sprechqualität verwendet werden. Jeder Patient bzw. Proband wurde zum Vorlesen je einer Gruppe aufgefordert. Die Verständlichkeit resultiert aus der Anzahl der von den Hörern verstandenen und korrekt niedergeschriebenen Wörter, diese wurden auf einem Auswertungsbogen (Abb. 5) notiert. Die maximale Verständlichkeit von 100% wird durch die korrekte Wiedergabe aller 20 Wörter erreicht, die Verständlichkeit reduziert sich pro falsch wiedergegebenem Wort um 5%.

Abb. 5: Auswertungsbogen für den Inversen Freiburger Sprachverständnistest

Inverser Freiburger Sprachverständnistest

(Auswertungsbogen)

Instruktion: Im folgenden Test hören Sie jeweils 20 Wörter. Bitte notieren Sie die Wörter

im Wortlaut bei den Nummern 1 - 20. Wenn Sie das genannte Wort verstanden haben,

beziehungsweise meinen, es verstanden zu haben, notieren Sie es entsprechend. Sollten sie

eines der Wörter nicht verstanden haben, lassen Sie die Stelle offen.

1. ...............

2. ............... etc.

2.2.4.2 Göttinger Satzverständlichkeitstest

Der Göttinger Satzverständlichkeitstest (siehe Anhang II) besteht aus 20 Listen, die jeweils 10 Sätze mit nahezu identischen Diskriminationsfunktionen sowie gleicher Wort- und Phonemanzahl (mit jeweils an die deutsche Sprache angepasster Phonemverteilung) bein-halten (Wesselkamp et al. 1992[ 106 ]). Ursprünglich wurde der Test zur Messung der Übertragungsgüte von Telekommunikationssystemen entwickelt, Kollmeier et al. (1997)[ 52 ] setzten ihn erstmals für die Sprachaudiometrie ein. Jeder Patient bzw. Proband wurde zum Vorlesen je einer Liste aufgefordert. Die Verständlichkeit resultiert aus der Anzahl der von den Hörern verstandenen und korrekt niedergeschriebenen Wörter, diese wurden auf einem


32

Auswertungsbogen (Abb. 6) notiert. Werden alle Wörter korrekt wiedergegeben, liegt die Verständlichkeit bei 100%, werden Wörter nicht korrekt wiedergegeben, reduziert sich die Verständlichkeit entsprechend ihrem Anteil an der Gesamtzahl der Wörter.

Abb. 6: Auswertungsbogens für den Göttinger Satzverständlichkeitstest

Göttinger Satzverständlichkeitstest

(Auswertungsbogen)

Instruktion: Im folgenden Test hören Sie jeweils 10 Sätze. Bitte notieren Sie die Sätze im Wortlaut bei den Nummern 1 - 10. Notieren Sie den Satz so, wie Sie ihn verstanden haben. Sollten Sie einzelne Wörter oder den gesamten Satz nicht verstanden haben, lassen Sie die betreffende Stelle bzw. Zeile offen.

1. ...............

2. ............... etc.

2.2.4.3 Textverständlichkeitstest

Preminger et al. (1995)[ 77 ] verwendeten zur Bewertung von Sprachqualität und Sprachverständlichkeit die Beurteilungskategorien Verständlichkeit, Lautstärke, Klang, Höranstrengung und Gesamteindruck bzw. Allgemeine Qualität. Für die Auswertung wurden die einzelnen Kategorien auf einer Skala von 0-100 Punkten eingeschätzt. Nach Aussage der Autoren entspricht dies bei einem realistischen Konfidenzintervall von 20 Punkten einer fünfstufigen Skala. Im vorliegenden Test wurde auf die Bewertung der Kategorie Lautstärke verzichtet, da zur Qualitätsverbesserung eine Aussteuerung der DAT-Aufnahmen erfolgt war. Auf einem Auswertungsbogen (Abb. 7a und 7b) wurden für die übrigen vier Kategorien zur Bewertung Skalen von 1-5 vorgegeben und jedem Wert der Skalen eine Beschreibung zugeordnet. Die Reduktion auf fünfstufige Skalen erfolgte unter Berücksichtigung der Arbeiten von Schönpflug (1969)[ 90 ] zu Urteilstendenzen beim psychologischen Skalieren.

Dem Test liegt der Text „Gleich am Walde...“ zugrunde (siehe Anhang III), jeder Patient bzw. Proband wurde zum Vorlesen des Textes aufgefordert. Im Gegensatz zu den beiden vorhergehenden Tests ist den Hörern der Text bekannt.

Abb. 7a: Auswertungsbogen für den Textverständlichkeitstest


33

Auswertungsbogen des Textverständlichkeitstest

 

Verständlichkeit

 

Die Verständlichkeit bezeichnet den Prozentsatz an gesprochenen Wörtern, die verständlich waren. Wenn Sie Ihre Einschätzung abgeben, bedenken Sie ob es möglich war jedes Wort zu verstehen. Treffen sie Ihre Einschätzung nicht auf der Grundlage jeden Laut oder Satz verstanden zu haben. Entscheiden Sie sich anhand der Skala ausschließlich danach, wie verständlich sich die gesprochenen Worte für Sie anhören, unbeeinflußt von anderen Aspekten der Sprechqualität.

 

5

- alle Wörter voll verständlich -

4

- Wörter zum größten Teil verständlich -

3

- Wörter teilweise verständlich (etwa 50%) -

2

- Wörter zum größten Teil unverständlich -

1

- alle Wörter unverständlich -

Klangqualität

 

Diese Einschätzung soll wiedergeben, wie angenehm sich der Klang der Stimme für Sie anhört. Der Klang der Stimme setzt sich unter anderem aus Höhen und Tiefen, Klarheit bzw. Heiserkeit, Härte bzw. Weichheit, Umfang und „Farbigkeit“ zusammen. Treffen Sie Ihre Entscheidung anhand der Skala ausschließlich danach, wie angenehm oder unangenehm sich die Stimme für Sie anhört, unbeeinflußt von anderen Aspekten der Sprachqualität wie beispielsweise der Verständlichkeit.

 

5

- äußerst wohlklingend -

4

- angenehm -

3

- unauffällig -

2

- unangenehm -

1

- irritierend, störend -

Höranstrengung

 

Diese Einschätzung soll wiedergeben, welches Maß an Anstrengung Sie aufbringen müssen, um so viel wie möglich vom Text zu verstehen. Treffen Sie Ihre Entscheidung anhand der Skala ausschließlich danach, wie anstrengend das Zuhören für Sie ist, unbeeinflußt von anderen Aspekten der Sprachqualität wie der Verständlichkeit.

 

4

- Aufmerksamkeit nötig, keine merkbare Anstrengung -

5

- vollständige Entspannung, keinerlei Anstrengung -

3

- mäßige Anstrengung erforderlich -

2

- beträchtliche Anstrengung erforderlich -

1

- trotz aller verfügbaren Anstrengung unverständlich -

Abb. 7b: Auswertungsbogen für den Textverständlichkeitstest (Fortsetzung)


34

Gesamteindruck / Allgemeine Qualität

 

Diese Einschätzung soll Ihr Urteil über die gesamte Qualität und Genauigkeit der Sprache wiedergeben. Treffen Sie Ihre Entscheidung anhand der folgenden Skala, lassen Sie dabei alle Aspekte der Sprachqualität in die Beurteilung einfließen.

 

5

- ausgezeichnet -

4

- gut -

3

- ordentlich -

2

- dürftig -

1

- schlecht -


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Thu Mar 29 14:16:22 2001