Barth, Klaus: Funktionelle postoperative Befunde bei Patienten mit oropharyngealen Tumoren

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Kapitel 5. ZUSAMMENFASSUNG

Bei der Therapie oropharyngealer Karzinome treten infolge der chirurgischen und strahlentherapeutischen Behandlung teilweise erhebliche funktionelle Beeinträchtigungen des Schluckens und des Sprechens auf. Die Untersuchung der Schluck- und Sprechfunktion erfolgte durch Einschätzung der subjektiven Beeinträchtigung durch die Patienten anhand eines Fragebogens, objektive Befunde wurden durch eine Röntgenkinematographie des Schluckaktes und durch drei unterschiedliche Tests der Sprachverständlichkeit erhoben. Die Röntgenkinematographie beurteilten wir dichotom anhand von insgesamt 13 Einzelparametern der oralen, der pharyngealen und der oesophagealen Phase des Schluckaktes. Zur Untersuchung des Sprechens verwendeten wir den inversen Freiburger Sprachverständnistest (iFST), den Göttinger Satzverständlichkeitstest (GST) und einen Textverständlichkeitstest (TVT). Die Erhebung eines kompletten HNO-Status mit transnasaler Endoskopie des Nasopharynx vervollständigte die Untersuchung.

In der vorliegenden Arbeit wurden 54 Patienten mit Oropharynxkarzinomen im Bereich der Tonsilla palatinauntersucht, die im Zeitraum zwischen März 1990 und Mai 1998 in der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde der Charité behandelt wurden. Die Patienten teilten wir zur Auswertung in Gruppen ein, die nach den Operationsmethoden definiert wurden. Zusätzlich untersuchten wir eine Kontrollgruppe mit 18 gesunden Probanden für die Auswertung der Sprachverständlichkeitstests. Die geringsten funktionellen Beeinträchtigungen fanden sich bei den Patienten nach Tumortonsillektomien mit sekundärer Wundheilung, deutlich ausgeprägter waren die Beeinträchtigungen nach Oropharynxteilresektionen mit primärem Wundverschluß bzw. plastischer Rekonstruktion. Zwischen den beiden letztgenannten Gruppen ließen sich nur geringfügige Unterschiede des Grades der funktionellen Beeinträchtigung feststellen. Durch die plastische Rekonstruktion der Resektionsdefekte im Oropharynx werden gleichwertige funktionelle Ergebnisse im Vergleich zum primären Wundverschluß erreicht, obwohl in der Regel das Defektvolumen und der Anteil der resezierten, funktionell bedeutsamen Strukturen (Velum, Zunge und Zungengrund) deutlich größer ist. Die Optionen der plastisch-rekonstruktiven Chirurgie werden deshalb auch weiterhin ein unverzichtbarer Bestandteil des Repertoires der Kopf-Hals-Chirurgie bleiben.


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Die statistische Analyse der Ergebnisse von iFST, GST und TVT zeigte positive Korrelationen. Jeder der drei Tests gibt die Verständlichkeitsunterschiede adäquat wieder. Die Verständlichkeitsunterschiede sind beim iFST deutlicher als beim GST und beim TVT, durch die beiden letztgenannten Tests wird jedoch die Verständlichkeit der Patienten in Alltagssituationen besser widergespiegelt.

Durch die vorliegende Untersuchung wurden bei den untersuchten Patienten gleichwertige funktionelle Ergebnisse nach Oropharynxteilresektionen mit primärem Wundverschluß bzw. mit plastischer Rekonstruktion festgestellt. Diese Ergebnisse stehen im Widerspruch zu einem Teil der Literaturangaben, die nach plastischen Rekonstruktionen schlechtere funktionelle Ergebnisse fanden. Die Untersuchung konnte außerdem nachweisen, daß die angewandten drei Sprachverständlichkeitstest für die Beurteilung der Verständlichkeit nach tumorchirurgischen Eingriffen im Oropharynx geeignet sind.


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Thu Mar 29 14:16:22 2001