6 Ausblick

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Wie in der vorliegenden Arbeit festgestellt werden konnte, ist die zell-assoziierte Phospholipase PlaB ein stark reaktives Enzym mit Substratspezifitäten für vorwiegend negativ geladene Phospholipide. Interessanterweise enthalten z. B. E. coli und B. subtilis, aber auch A. castelanii einen erheblichen Anteil negativ geladener Phospholipide in ihren Membranen. So könnten zum einen fluoreszenzmarkierte Phospholipide eukaryonter Zellen Aufschluss über die tatsächlichen Aktivitäten des Enzyms an der Wirtszellmembran während einer Legionelleninfektion geben. Zum anderen sollte eine putative Bakteriozinfunktion in weiterführenden Biofilmexperimenten durchgeführt werden. Informationsreich wäre hierbei die Zugabe gereinigten PlaB Proteins. Daher sollten weitere Expressionssysteme, z. B. in B.  subtilis, näher untersucht werden. Gereinigtes PlaB könnte im Folgenden auf Stabilität unter verschiedenen Bedingungen getestet werden, da reaktive Lipasen/Phospholipasen auch biotechnologische Anwendung finden können.

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Ein weiterer interessanter Punkt kann die Untersuchung von Phospholipaseinhibitoren an PlaB darstellen. Eine neuartige Familie lipolytischer Faktoren, die keine Homologie zu humanen Phospholipasen besitzt, könnte durch besondere Ausbildung der katalytischen Zentren spezifisch inhibiert werden. Ein solcher Vorgang würde neben Experimenten an Wildtyp und Mutante oder gereinigtem PlaB die Kristallisation und Begutachtung der speziellen dreidimensionalen Struktur erfordern. Da es während der Legionärserkrankung zu immenser Zellzerstörung kommt, könnte so durch gezielte Therapie der bakterielle Beitrag zur Zytolyse vermindert werden.

Neben der Zellzerstörung können auch vermehrt Signalmoleküle auf Lipidbasis generiert werden. Wie in der Arbeit beschrieben, könnte die Aufklärung des Signalweges der PlaB-vermittelten Chemokinsekretion wesentlich zum Verständnis der molekularen Abläufe während eines Infektionszyklus’ beitragen. Interessanterweise konnte gezeigt werden, dass Legionellen die TIMP-2 Sekretion negativ regulieren. Dies ist ein völlig neuer Aspekt der zellulären Immunantwort auf eine Pathogeninteraktion. Da in vitro Versuche starken Schwankungen unterlagen, sollte der tatsächliche Beitrag von PlaB zur beobachteten Zytokinausschüttung in vivo durch real-time RT-PCR bestätigt werden.

Wie dargestellt, weist PlaB einen verlängerten C-terminalen Bereich auf. Da dieser neben dem Beitrag zur Aktivität des Enzyms noch weitere Funktionen, wie z. B. eine Sekretionsfunktion, übernehmen könnte, sollte dessen Relevanz für das zytotoxische Protein weiter untersucht werden.


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25.08.2010