Zusammenfassung:

↓56

Die Peritonealdialyse gehört zu den etablierten Nierenersatzverfahren. Peritonealdialyse-lösungen können die Vitalität und Funktion von humanen peritonealen Mesothelzellen beeinflussen. PH-Wert, Osmolalität und verwendeter Puffer gehören zu den für peritoneale Mesothelzellen (HPMC) akut toxisch wirkenden Faktoren. Während der Hitzesterilisation von glukosehaltigen Peritonealdialyselösungen (PDL) gebildete Glukosedegradationsprodukte (GDP) führen eher zu einer chronischen Funktionsstörung der HPMC. Alternativen zu glukosehaltigen PDL stellen aminosäuren- oder icodextrinhaltige PDL dar. Des Weiteren wurden alternativ sterilisierte glukosehaltige PDL entwickelt, die aufgrund der Sterilisation in Zweikammersystemen nur sehr wenige GDP enthalten. Bislang war nur wenig über die chronische Wirkung dieser verschiedenen PDL auf das peritoneale Mesothel bekannt. Daher wurden in dieser Arbeit sowohl die akuten als auch chronischen Effekte der unterschiedlichen PDL auf Vitalität und Funktion von HPMC untersucht. Alle verwendeten Lösungen wurden auf einen pH-Wert um 7.4 eingestellt, um den bekannten, akut toxischen Effekt des sauren Milieus auszuschließen. Die Zellvitalität wurde mittels des MTT-Assays und die spezifische Synthesefunktion der Zellen mittels der IL-1β-stimulierten IL-6-Freisetzung der HPMC untersucht. Die akute und chronische Exposition von HPMC gegenüber hitzesteriliserten Peritonealdialyselösungen führte zu einer signifkanten Reduktion von Vitalität und Funktion der Zellen. Demgegenüber führte die Inkubation mit filtersteriliserten PDL und GDP-armen PDL zu einer weniger starken Beeinflussung von Vitalität und Funktion. Die aminosäurenhaltige PDL als Alternative zu glukosehaltigen PDL beeinflusste weder akut noch chronisch die Vitalität bzw. Funktion der Zellen negativ. Hingegen unterschied sich in den akuten und chronischen Experimenten die icodextrinhaltige Lösung in ihrer negativen Wirkung auf Vitalität und Funktion von HPMC nicht wesentlich von der hitzesteriliserten PDL mit hohem Glukoseanteil. Zusammengefasst hat die Verringerung des Gehaltes an Glukosedegradationsprodukten in PDL mittels Filtersterilisation bzw. alternativer Sterilisation in Zweikammerbeuteln einen positiven Einfluss auf Vitalität und Funktion von HPMC in vitro. Der Ersatz des osmotischen Agenz hingegen bedeutet nicht zwansgläufig eine bessere Biokompatibilität. So beeinflussen aminosäurenhaltige PDL zwar weder Vitalität noch Funktion von HPMC wesentlich, doch führen icodextrinhaltige PDL zu keinem Biokompatibilitätsvorteil gegenüber konventionellen hitzesteriliserten PDL mit hohem GDP-Gehalt. Insgesamt bleibt zu hoffen, dass mit der klinischen Einführung neuer Peritonealdialyselösungen ein wichtiger Schritt in Richtung der längerfristigen Erhaltung der peritonealen Membranfunktion gelingt.


© Die inhaltliche Zusammenstellung und Aufmachung dieser Publikation sowie die elektronische Verarbeitung sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, die nicht ausdrücklich vom Urheberrechtsgesetz zugelassen ist, bedarf der vorherigen Zustimmung. Das gilt insbesondere für die Vervielfältigung, die Bearbeitung und Einspeicherung und Verarbeitung in elektronische Systeme.
DiML DTD Version 4.0Zertifizierter Dokumentenserver
der Humboldt-Universität zu Berlin
HTML-Version erstellt am:
11.12.2006