Bergann, Anna : Möglichkeiten und Grenzen des Vergleichs von pränatalen sonographischen und autoptischen Untersuchungsergebnissen in der fetalen Diagnostik

43

Kapitel 4. Ergebnisse

4.1 Durchführung der retrospektiven Studie

Bisher erfolgte die Darstellung der Methodenspektren und Zielsetzungen von Pränataldiagnostik und Pathologie und die Vorstellung des Kataloges der Fehlerursachen für abweichende Befunde. In diesem Kapitel folgte die Analyse von Autopsiefällen aus der Pathologie der Charité Berlin. Alle nicht identischen Befunde wurden auf die Ursache der Fehldiagnose untersucht und einer Fehlerursache zugeordnet. Die entstehenden Zusammenhänge zwischen einzelnen Fehlerquellen und Befunden wurden nach ihren Häufigkeiten ausgewertet. Bei abweichenden Befunden wurden sie auf die Möglichkeit einer Optimierung der Pränataldiagnostik überprüft.

In der vorliegenden Studie wurden 119 Autopsiefälle (77 % induzierte Aborte, 9 % Spontanaborte und 11 % Totgeborene) an der Charité Berlin aus dem Jahr 2000 ausgewertet. Insgesamt gab es 195 Schwangerschaftsbeendigungen, die alle pränatal-sonographisch auf Fehlbildungen und Auffälligkeiten hin untersucht worden waren. Es handelte sich um Feten zwischen der 13. und 36. Schwangerschaftswoche.

Dabei wurden die einzelnen sonographischen und pathologischen Befunde der betrachteten Fälle miteinander verglichen und auf Übereinstimmung überprüft. Insgesamt wurden 801 Einzeldiagnosen untersucht. Ein Teil davon, 67 Diagnosen, wurden in der sonographischen Untersuchung als Verdachtsdiagnosen gestellt.

Es wurden alle falsch-positiven, falsch-negativen, inkompletten und nicht verifizierbaren Diagnosen nach signifikanten Assoziationen zu verschiedenen Einflussfaktoren untersucht. Im Zentrum steht deren Bedeutung für Pränatalmediziner und Pathologen. Der Anteil der Verdachtsdiagnosen an den falsch-positiven und falsch-negativen und den identischen Befunden wurde in Zusammenhang mit dem Einfluss des Untersuchers auf den Fehler untersucht.

4.2 Vergleich aller pränatalen und autoptischen Diagnosen

Es wurden alle pränatalen sonographischen und postmortalen pathologischen Befunde der betrachteten Fälle miteinander verglichen und auf Übereinstimmung überprüft. Insgesamt wurden 801 Einzeldiagnosen untersucht, deren Auswertung in 38,75 % identische Befunde ergab. Bei 8 % dieser Befunde mit bestätigten klinisch-pränatalen Diagnosen wurden durch die Fetalautopsie wesentliche Zusatzbefunde mit möglichen Auswirkungen auf das Schwangerschaftsmanagement oder das Wiederholungsrisiko erhoben. Der Anteil an falsch-negativen Diagnosen betrug 24 % aller Befunde. Der Anteil an falsch-positiven Diagnosen belief sich auf 25 % aller Befunde. 12 % der pränatal-sonographisch erhobenen Diagnosen konnten nicht mehr durch die pathologische Untersuchung verifiziert werden. Bei 0,25 % waren die Befunde inkomplett und ließen sich ebenfalls nicht in der pathologischen Untersuchung bestätigen.

Im Gegensatz zu den Ergebnissen aller Einzelbefunde war die Zuverlässigkeit der sonographischen Hauptdiagnosen der betrachteten Fälle bedeutend besser. So waren unter den Totgeburten 90 % der pränatal-sonographischen Hauptdiagnosen korrekt, 5 % waren falsch-positiv


44

und 5 % falsch-negativ. In der Gruppe der Spontanaborte und weiteren Abbrüche waren es 100 % identische Hauptdiagnosen.

In 1,1 % der Fälle war die pränatale Diagnostik nur unvollständig durchgeführt worden, da zum Untersuchungszeitpunkt bereits positive zytogenetische Befunde oder bereits diagnostizierte Fehlbildungen vorlagen. In diesen Fällen wurden die autoptischen Diagnosen der pränatal nicht untersuchten Organe nicht ausgewertet.

Tabelle 19: Ergebnis des Vergleich autoptischer Diagnosen mit pränatalen Diagnosen und Verdachtsdiagnosen

Ergebnis des Vergleichs

Anzahl der pränatalen und autoptischen Diagnosen

Prozentuale Beteiligung

Anzahl der pränatalen und autoptischen Verdachtsdiagnosen

Prozentuale Beteiligung

Identisch

239

30,75

25

38

Identisch-zusätzlich

66

8

9

13

Falsch-positiv

203

25

23

34

Falsch-negativ

196

24

4

6

Inkomplett

2

0,25

0

0

Nicht-verifizierbar

95

12

6

9

Total

801

100

67

100

Abbildung 8: Auswertung der Gesamtgruppe und Verdachtsdiagnosen

Bei der Auswertung der Befunde, die unter Verdacht auf eine Diagnose erhoben wurden, zeigte sich, dass in 38 % identische Befunde vorlagen. Bei 13 % der Verdachtsbefunde mit bestätigten klinisch-pränatalen Diagnosen wurden durch die Fetalautopsie Zusatzbefunde erhoben.

Der Anteil an falsch-negativen Diagnosen betrug 6 % und an falsch-positiven Diagnosen 34 %.


45

9 % der pränatal-sonographisch erhobenen Diagnosen konnten nicht mehr verifiziert werden.

Dabei entstand ein auffälliger Unterschied zwischen den Ergebnissen bei den Diagnosen und den Verdachtsdiagnosen. Der Wert von falsch-positiven Diagnosen lag bei 25 %, er war bei den Verdachtsdiagnosen mit 34 % höher. Der Anteil der falsch-negativen Diagnosen (24 %) war bei den Verdachtsdiagnosen mit 6 % niedriger.

4.3 Diagnosen zur Beendigung der Schwangerschaft

Die Auswertung der Diagnosen zur Beendigung der Schwangerschaft diente dem Vergleich mit anderen Studien. Dabei wurde jeder Hauptdiagnose ein Übereinstimmungswert zugeteilt.

Tabelle 20: Auswertung der Diagnosen zur Beendigung der Schwangerschaft

Organsystem u.a.

Identisch

falsch-positiv

nicht-verifizierbar

Inkomplett

Zentralnervensystem

11

1

3

1

Kardiovaskuläres System

31

3

 

 

Urogenitaltrakt

11

 

 

 

Gastrointestinaltrakt

5

 

 

 

Skelettsystem

20

 

 

 

Respiratorisches System

4

 

 

 

Sonstiges

9

1

 

 

Wachstumsbed. Befunde

7

 

 

 

Positive zytogen. Befunde

12

 

 

 

TOTAL

110 (92 %)

5 (4,1 %)

3 (2,5 %)

1 (0,8 %)

Inkl. genetischem Befund

115 (97 %)

2 (1,5 %)

2 (1,5 %)

 


Ergebnisse der Diagnosen zur Beendigung der Schwangerschaft

Bei den induzierten Aborten gab es 89 % korrekte sonographische Hauptdiagnosen, 4,3 % falsch-positive und 6,7 % nicht-verifizierbare Hauptdiagnosen. Durch die zusätzliche Einbeziehung genetischer Diagnostik zeigte sich, dass der Anteil an korrekt erhobenen Diagnosen zur Beendigung der Schwangerschaft an der Charité Berlin im Jahr 2000 sogar bei 94 % lag.

Der einzige inkomplette Befund entstand in einem Fall eines Hydrocephalus. Dort war ein pathologischer genetischer Befund für den Abbruch der Schwangerschaft maßgeblich. Ein pathologischer genetischer Befund fand sich ebenso bei einem nicht-verifizierbaren Befund des Zentralnervensystems, einer Ventrikulomegalie, da das Gehirn bereits autolytisch verändert war .

Bei den falsch- positiven Befunden mit 5 Fällen handelte es sich um einen Befund des Zentralnervensystems (Ventrikulomegalie), drei Befunde aus dem kardiovaskulären System und einen Befund aus dem nicht organgebundenem Spektrum.

Bei zwei der kardiovaskulären Befunde waren pathologische genetische Befunde für den Abbruch der Schwangerschaft maßgeblich, ebenso wie bei dem nicht organgebundenem Befund, wo es sich um ein falsch-positives Amnionstrangsyndrom bei vorliegender Trisomie 21 handelte.

Damit waren nur zwei Befunde, der des Zentralnervensystems und dem kardiovaskulären Bereich entsprechend der Definition falsch-positiv. Der Anteil an korrekt erhobenen Hauptdiagnosen bei zwei falsch-positiven und zwei nicht-verifizierbaren Diagnosen stieg damit auf 94 %.


46

4.4 Fehlerkategorien

Zieht man von den insgesamt ausgewerteten 801 Diagnosen die 305 identischen Diagnosen ab, erhält man 496 divergente Diagnosen. In Analogie ergeben sich bei den 67 Verdachtsdiagnosen durch Abzug der identischen 34 Verdachtsdiagnosen 33 divergente Verdachtsdiagnosen.

Damit liegen neben den identischen Ergebnissen bei 62 % der Fälle abweichende Befunde vor. Für die abweichenden Befunde wurden die Fehlerursachen entsprechend den in Kapitel 3.3.2 definierten Fehlerkategorien ausgewertet.

Tabelle 21: Auswertung der Fehlerkategorie

Fehlerursachen

allg.

Falsch-positiv

Falsch-negativ

Inkomplett

Nicht-verifizierbar

Total

Prozent

1. fetal

23

111

103

 

2

239

33

2. maternal

49

 

 

 

 

49

6,7

3. temporär

43

21

5

 

18

87

11,8

4. artifiziell

16

9

3

2

45

75

10,2

5. organgebunden

 

39

63

 

40

142

19

6. ausbildungsbed.

 

1

 

 

 

1

0,14

7. technisch

45

6

7

 

 

58

8

8.dokumentationsbedingt

2

 

 

 

 

2

2

9. dynamisch

 

13

5

 

12

30

4,1

10. Ausfall der Untersuchung

8

5

16

 

11

40

4,3

TOTAL

187

205

203

2

127

724

100


Die häufigsten Fehler wurden durch Schwierigkeiten beim Fetus (Kleinheit des Organs, fetale Bewegungen: 33 %) verursacht. Die zweithäufigste Fehlerursache war organspezifisch. An dritter Stelle standen die Einflüsse durch temporäre Veränderungen (Autolyse), gefolgt von den artifiziellen Einflüssen.

Geringen Einfluss hatte die Ausbildung der Untersucher und die mangelnde Dokumentation der diagnostizierten Befunde auf die Entstehung von Fehldiagnosen.

Abbildung 9: Auswertung anhand der Fehlerkategorie


47

In die Auswertung wurden die allgemeinen Fehlerursachen mit einbezogen. Diese wirkten sich sowohl auf den Einzelbefund als auch auf den kompletten Fall aus (z. B. Fruchtwassermangel, Lageartefakte, Adipositas, globale Autolyse etc.). Durch diese Fehlerursachen wurden alle Befunde des entsprechenden Falles beeinflusst. Die Fehlerursachen erhielten keinen speziellen Score-Wert.


Häufigkeiten der Fehlerursachen

Es gehörten zu den häufigsten Ursachen:

Tabelle 22: Häufigste Fehlerursachen aller Befunde

Fehlerursache

Häufigkeit in Prozent

Kleinheit des Objekts

32

frühe Schwangerschaftswoche

7,2

artifizielle Befunde durch Autolyse

7,1

mangelnde topographische Zuordnung

6,8

Austrocknung

5

Schäden bei Passage des Geburtskanals

4,8


Zu den zweitrangigen Einflussfaktoren gehörte der mangelnde Erfahrungstand der Untersucher, der nur zu 0,3 % der Fehldiagnosen führt.

Die aufgetretenen Fehlerkategorien wurden in Tabelle 23 entsprechend der Reihenfolge aus Tabelle 16 im Abschnitt 3.3.2 Fehlerursachen genannt.


48

Tabelle 23: Häufigkeit der Fehlerursachen

Kategorie

Ursachen

Anzahl

Prozent

1.Fetal

1.1. Ungünstige Lage des Feten: Schallauslöschung

22

3,2 %

 

1.2. Kleinheit des Organs: schlechte Erkennbarkeit

218

32 %

2.Maternal

2.1 Adipositas: schlechte Sichtbarkeit

8

1,2 %

 

2.2. Fruchtwassermangel: Verwechslung oberflächlicher Strukturen

22

3,4 %

2.3. Fruchtwassermangel: Verwechslung von Nackenödem und Amnionhöhle

1

0,15 %

 

2.4. Unbekannte/ ausreichende Untersuchungsbedingungen

16

2,4 %

 

2.5. Fehlbildungen/Erkrankungen der Schwangeren

1

0,15 %

3.Temporal

3.1. Autolyseprozesse im ZNS
3.2. Austrocknungsprozesse an den Extremitäten

48
34

7,1 %
5 %

4.Artifiziell

4.1. Schäden bei Passage des Geburtskanals: ZNS, Extremitäten

18

2,9 %

4.2. Passage des Geburtskanals: Omphalozelen, Encephalozelen, korrelierende Befunde destruiert/ abgerissen

11

1,5 %

4.3. Bei Passage des Geburtskanals Kontusion von Thorax Lunge und Herz

3

0,5 %

4.4. Bei Passage des Geburtskanals Eröffnung von Körperhöhlen

35

4,8 %

5.Organ-spez.

5.1. Bei der Beurteilung des Thymus Differenzierung erst in späten SSW möglich

8

1,2 %

 

5.2. Bei der Beurteilung des Pankreas Differenzierung erst in späten SSW möglich

1

0,15 %

 

5.3. Bei der Beurteilung der Niere Differenzierung erst in späten SSW möglich: Verwechslung von Agenesie, kleine Zystenniere, Hufeisenniere

24

3,5 %

 

5.4. Beurteilung der Lunge: Fehlbeurteilung durch unscharfes Lungenparenchym

20

3 %

 

5.5. Bei der Beurteilung des Darmes Differenzierung erst in späten SSW möglich

6

1,1 %

 

5.6. Topographische Einordnung nicht möglich, wie Dextrokardie, Situs inversus, rechter Aortenbogen

46

6,8 %

6. Ausbildung

6. Junge Kollegen: keine Konsultation erfahrener Kollegen.

2

0,3 %

7. Technik

7.1. Abhängigkeit der Darstellbarkeit von der Schwangerschaftswoche: Befunde zu früh diagnostiziert

49

7,2 %

 

7.2. Auslöschungsphänomene, schlechte kardiale Voreinstellung im Gerät

9

1,3 %

8. Fach-spezifisch

8.1.unzureichende Information für den Pathologen durch fehlerhafte oder unzureichende Dokumentation

1

0,15 %

 

8.2. unterschiedliche Nomenklatur von Pränataldiagnostik und Fetalpathologie

1

0,15 %

 

8.3. Definitiv nicht erhebbare Befunde: Dynamische Befunde

30

4,4 %

 

8.4. Beendigung der Untersuchung bei ausreichender Diagnosestellung

9

1,3 %

 

8.5. Keine Untersuchung

21

3,1 %


Bei der Bewertung der Fehldiagnosen nach dem vorgestellten Schema ließen sich einzelne Fehlerkategorien aus der Bewertung herausnehmen. Dazu gehören:


49

Tabelle 24: Entfallende Fehlerkategorien

Kategorie

Ursachen

1.Fetusbewegung

Shunts, Fisteln etc. übersehen

Hohe fetale Herzfrequenz

Ab einer bestimmten Herzfrequenz Verlust der Differenzierung, Slow motion-Technik: kein weiterer Informationsgewinn

Fetale kardiovaskuläre Situation

Besonderheiten der kardiovaskulären Situation: Verwechslung von Befunden
Fetales Herz: kein Druckgradient zw. beiden Kreisläufen, Kompensation des Ausfalls einer Herzhälfte: Übersehen einer Ventrikelhypoplasie

5.Milz

Milz: Fehlbeurteilung durch Parenchymähnlichkeit und Kleinheit, Differenzierung von pathologischen Befunden erst in späten SSW möglich

Dysmorphie

Extremitäten und Skelettsystem: nur dysmorphes Stigmatum

6.Mangelnde Erfahrung

Fehlende langjährige Erfahrung

Spezialisierung

Subspezialisierung der Pränataldiagnostiker, Vernachlässigung anderer Gebiete

7.Grauwertauf-lösung

Fehlende Grauwertauflösung: Übersehen oder Verwechslung durch Ählichkeit der Parenchymstrukturen: falsch-negative Befunde

Doppler

Kein Nachweis der Flußrichtung: Verwechslung bei Gefäßen, falsche Befunde bei Nabelschnur, Koronarien und TGA

CPA

Artefakte durch Fetusbewegungen: falsch-positive Diagnosen von Shunts und Fisteln

CW

Keine Tiefenselektivität, mangelnde Differenzierung von Gefäßen:falsche Diagnosen bei TGA und VCC

Schallkopf am kindlichen Körper

Fehlende Ankopplung des Schallkopfes an den kindlichen Körper: falsche Menge an Kontaktgel, Druckintensität und die Größe des Schallkopfes

Vierkammer-blick

Alleinige Verwendung des Vierkammerblicks: nur eine Ebene: falsch-negative Befunde bei unauffälligen Vierkammerblick

Überlagerung von Organen

Überlagerung von Organen, speziell bei abdominellen Befunden ohne Verschulden durch den Untersucher oder Kleinheit des Organs

Schnitte

Ultraschalldiagnostik:im Gegensatz zur Pathologie verschiedene Schnittebenen


Diese Kategorien mussten nicht herangezogen werden, da sie keine Fehldiagnose verursachten. Die Fehlerursachen aus der Kategorie "1. Fetusbewegungen" lassen sich durch Verwendung der Funktion "Freeze", die in der Charité Berlin jedes Ultraschallgerät besitzt, beseitigen. Die Ursachen aus Kategorie "6. Mangelnde Erfahrung" haben durch die gute Ausbildung der Untersucher keinen Einfluss. Zusätzlich garantiert der hohe zeitliche Aufwand einer Ultraschalluntersuchung, d.h. dass die Untersuchung ausreichend lange mit einem vertrauten Gerät durchgeführt wird, dass alle Organe vollständig untersucht sind und ihr Status dokumentiert ist. Die Ursachen der Kategorie "7. Technik" lassen sich durch den ausreichend hohen technischen Standard am Charité Universitäts-Klinikum als Fehlerursachen ausschließen.

4.5 Organsysteme

Die Score-Werte der Fehldiagnosen wurden nach Assoziationen zu einzelnen Organsystemen untersucht.


50

Tabelle 25: Auswertung der Organsysteme

Ergebnis

Kardio.

Resp.

Urogen.

Gastro.

ZNS

Skelett

Sonst.

total

Identisch

71

15

16

16

12

57

54

241

Ident-zusätz

14

1

15

6

1

23

6

66

Fal-positiv

64

9

14

6

47

27

39

206

Fal-negativ

17

22

33

14

2

74

34

196

Inkomplett

1

0

0

0

1

0

0

2

Nicht-verif

16

3

2

4

9

11

45

90

Total

183

50

80

47

72

192

178

801


Die häufigsten identischen Diagnosen betrafen das kardiovaskuläre System und das Skelettsystem. Die häufigsten falsch-positiven Diagnosen betrafen das kardiovaskuläre System und das zentralnervöse System und die häufigsten falsch-negativen Diagnosen kamen beim Skelettsystem und dem Urogenital-System vor (Tab. 25).


Weiterhin wurde bei fehlender Übereinstimmung eine Verbindung der einzelnen Organsysteme zu bestimmten Fehlerkategoriengruppen ausgewertet. Die Angaben beziehen sich auf die Anzahl der Fälle.

Tabelle 26: Fehlerursachen in Bezug zum Organsystem

Fehlerkategorie

Kardio.

Resp

Uro.

Gastro.

ZNS

Skel.

Sonst.

1. fetal

62

 

23

6

44

63

21

2. maternal

 

 

 

 

 

1

 

3. temporär

2

1

1

2

8

8

19

4. artifiziell

4

6

1

5

10

1

35

5. organgebunden

8

30

24

8

 

24

10

6. ausbildungsbed.

1

 

1

 

 

 

 

7. technisch

 

1

 

1

3

8

1

8. dokumentationsbed.

 

 

 

2

 

1

6

9. dynamisch

20

 

 

 

1

 

3

10. Ausfall der Unters.

1

 

1

2

1

7

10

Total

98

38

51

26

67

113

105


Dabei fällt auf, dass besonders beim Skelettsystem die Fehlerursachen hauptsächlich beim Fetus lagen. Fehlerursachen, die sich nur auf ein Organ beziehen, waren bei der Lunge besonders häufig. Die meisten dynamisch bedingten Fehler entstanden beim fetalen Herzen und dem vaskulären System.

4.6 Nicht identische Vergleichs-Kategorien

Neben den identischen Ergebnissen lagen bei 64 % der Fälle abweichende Befunde und damit nicht identische Befunde vor. Diese abweichenden Befunde ließen sich nach einzelnen Vergleichs-Werten aufteilen. Dabei sollten die Häufigkeiten der falsch-positiven und falsch-negativen Befunde und deren Bezug zu einzelnen Organsystemen betrachtet werden, um spezielle Fehlerursachen bewerten zu können. Häufungen bei einzelnen Befunden oder Organen wurden herausgearbeitet. Damit soll die Aufmerksamkeit auf das betroffene Organsystem gelenkt werden.


51

Des weiteren ließen sich auch die Häufigkeiten von inkompletten, nicht-verifizierbaren und zusätzlichen Befunden in Bezug auf einzelne Organsysteme mit einer Auswertung der Fehlerursachen darstellen.


A. Falsch-positive Befunde

Abbildung 10: Falsch-positive Befunde nach Organsystemen


Die häufigsten falsch-positiven Diagnosen gab es beim kardiovaskulären System und dem Zentralnervensystem. Wenige falsch-positive Befunde gab es beim Gastrointestinaltrakt (Abbildung 10). Dabei lag die Hauptursache für die aufgetretenen Fehldiagnosen in der Kleinheit des Objektes (Tabelle 16, Kategorie 1.2). Die häufigsten falsch-positiven Fehldiagnosen sind:

Tabelle 27: Fehlerursachen für falsch-positive Fehldiagnosen

Fehlerursachen

Anzahl

VSD: Hauptursache Kleinheit des Objekts

13

Ventrikulomegalie: Hauptursache Kleinheit des Objekts

8

Hydrocephalus: Hauptursache topographische Zuordnung

8

Agenesie der Vermis cerebelli: Kleinheit des Objekts, Autolyse

8

Lemon sign : Hauptursache Kleinheit des Objekts

5

Trikuspidalinsuffizienz: Hauptursache Kleinheit des Objekts

5

AVSD: Hauptursache Kleinheit des Objekts

4


Bei zwei Befunden, die zunächst als falsch-positiv bewertet wurden, war durch eine Korrektur seitens der Pathologen der Befund mit ein- bis zweimonatiger Verspätung bestätigt worden. Dabei handelte es sich um einen Ventrikelseptumdefekt und den Befund polyzystischer Nieren. Diese Befunde wurden dem Score-Wert falsch-positiv zugerechnet und in die Fehlerkategorie 6: Mangelnde Erfahrung der Untersucher eingeordnet.



52

B. Falsch-negative Befunde


Es wurden die falsch-negativen Befunde nach den einzelnen Organsystemen sortiert. Abbildung 11 stellt eine Zusammenfassung der falsch-negativen Befunde aller Organsysteme dar.

Abbildung 11: Falsch-negative Befunde nach Organsystemen


Die häufigsten falsch-negativen Diagnosen gab es beim Skelettsystem und dem Urogenitaltrakt. Wenig falsch-negative Befunde gab es im Zentralnervensystem. Auch hier lag die Hauptfehlerursache für die aufgetretenen Fehldiagnosen in der Kleinheit des Objektes (Tabelle 16, Kategorie 1.2.).


Die häufigsten falsch-negativen Fehldiagnosen waren:

Tabelle 28: Fehlerursachen für falsch-negative Fehldiagnosen

Fehlerursachen

Anzahl

Lungenhypoplasie: Hauptursache organspezifisch: Lunge

13

Beckenfehlbildung: Hauptursache Kleinheit des Objekts

8

Thymushypoplasie: Hauptursache organspezifisch: Thymus

7

Fehlendes unteres Rippenpaar: Hauptursache keine Untersuchung

6

Mikrocephalie: Hauptursache frühe Schwangerschaftswoche

5

SUA: Hauptursache Dynamische Befunde

5


C. Inkomplette Befunde

Tabelle 29: Inkomplette Befunde in Bezug zum Organsystem

Diagnosen

Anzahl der inkompletten Befunde

Prozentanteil

Zentralnervensystem

1

50 %

Kardiovaskuläres System

1

50 %

TOTAL

2

100 %


53


Bei den beiden inkompletten Diagnosen waren das Zentralnervensystem und das kardiovaskuläre System gleichermaßen betroffen. Dabei lag es einmal an einer Schädigung des Schädels und im anderen Fall an der Zerstückelung des gesamten Fetus. Die Hauptfehlerursache waren in beiden Fällen Passageschäden.


D. Nicht-verifizierbare Befunde


Es werden die einzelnen Organsysteme mit den nicht-verifizierbaren Befunden dargestellt. Abbildung 12 stellt eine Zusammenfassung der nicht-verifizierbaren Befunde aller Organsysteme dar.

Abbildung 12: Nicht-verifizierbare Befunde nach Organsystemen


Die häufigsten nicht-verifizierbaren Diagnosen gab es bei den sonstigen Befunden und beim kardiovaskulären System. Die wenigsten nicht-verifizierbaren Befunde gab es beim Urogenitaltrakt. Die Hauptfehlerursachen sind bei Passageschäden, Autolyse, Austrocknung, dynamische Befunde und fehlende Untersuchung zu suchen.

Die häufigsten nicht-verifizierbaren Fehldiagnosen waren:

Tabelle 30: Fehlerursachen für nicht-verifizierbare Fehldiagnosen

Fehlerursachen

Anzahl

Polyhydramnie: Hauptursache Passageschäden

12

Oligohydramnie: Hauptursache Passageschäden

8

Anhydramnie: Hauptursache Passageschäden

8

Nackenödem: Hauptursache Austrocknung

4

Pleuraerguss: Hauptursache Passageschäden

4

Hochpathologische Dopplerwerte: Hauptursache dynamische Befunde

3



54

Ein hoher Anteil nicht-verifizierbarer Diagnosen ist auf Abbruchartefakte zurückzuführen.

In den Abbildungen 13 und 14 werden alle möglichen Ursachen für Zeit- und Abbruchartefakte vorgestellt, im Abschnitt 3.3.4 wurde die Definition für nicht-verifizierbare und inkomplette Befunde erläutert. Man muss zwischen Abbruchartefakten und Zeitartefakten als Ursachen unterscheiden. Bei den Zeitartefakten waren die nicht-verifizierbaren Befunde besonders durch Austrocknungsvorgänge (5 %) betroffen. Dazu gehörten Befunde von Nackenödemen und fetalen Extremitäten.

Abbildung 13: Häufigkeiten bei Zeitartefakten durch die klinische Organisation


Abbruchartefakte umfassen alle Artefakte, die durch den Einfluss von Untersucher und verwendeter Technik hervorgerufen werden.

Dabei waren in dieser Arbeit in 30 % Befunde des Fruchtwasser wie Polyhydramnie oder Anhydramnie durch die verwendete Technik des Schwangerschaftsabbruches nicht mehr verifizierbar. Weitere 5 %, die sich auf Flüssigkeitsansammlungen im Körper des Feten bezogen, waren betroffen. Durch die Destruktion von weiteren 5 % der Befunde, die durch Abreißen unter der Geburt entstanden, waren Befunde wie Omphalozelen, Encephalozelen, Schäden an fetalen Extremitäten, fetalem Kopf und Thorakopagus nicht mehr verifizierbar.


55

Abbildung 14: Häufigkeit bei Abbruchartefakten während des Schwangerschaftsabbruchs


56

4.7 Beispielfall

In diesem Beispiel kam es nach der Diagnose einer Omphalocele zu einer Beendigung der Schwangerschaft. Die Omphalocele, die man im Ultraschallbild erkennen kann, ließ sich auch in der autoptischen Untersuchung bestätigen. Zusätzlich wurde autoptisch ein Zwerchfelldefekt diagnostiziert, der in der pathologischen Aufnahme erkennbar ist. Dieser war in der Ultraschalluntersuchung nicht gesehen worden und stellt damit eine falsch-negative Diagnose dar.

Abbildung 15: Beispielfall 21. SSW, Hauptdiagnose: Omphalocele, weitere Diagnose Zwerchfelldefekt


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