Bergann, Anna : Möglichkeiten und Grenzen des Vergleichs von pränatalen sonographischen und autoptischen Untersuchungsergebnissen in der fetalen Diagnostik

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Kapitel 6. Zusammenfassung

Fallgruppe
In der vorliegenden Arbeit wurden 119 Autopsiefälle, davon 77 % induzierte Aborte, 9 % Spontanaborte und 11 % Totgeborene an der Frauenklinik der Charité Berlin aus dem Jahr 2000 ausgewertet.

Ergebnisse aller Befunde

Es wurden alle pränatalen sonographischen und postmortalen pathologischen Befunde der betrachteten Fälle miteinander verglichen und auf Übereinstimmung überprüft. Insgesamt wurden 801 Einzeldiagnosen untersucht, deren Auswertung in 38,75 % identische Befunde ergab. Bei 8 % dieser Befunde mit bestätigten klinisch-pränatalen Diagnosen wurden durch die Fetalautopsie wesentliche Zusatzbefunde mit möglichen Auswirkungen auf das Schwangerschaftsmanagement oder das Wiederholungsrisiko erhoben. Der Anteil an falsch-negativen Diagnosen betrug 24 % aller Befunde. Der Anteil an falsch-positiven Diagnosen belief sich auf 25 % aller Befunde. 12 % der pränatal-sonographisch erhobenen Diagnosen konnten nicht mehr durch die pathologische Untersuchung verifiziert werden. Bei 0,25 % waren die Befunde inkomplett und ließen sich ebenfalls nicht in der pathologischen Untersuchung bestätigen.

Im Gegensatz zu den Ergebnissen aller Einzelbefunde war die Zuverlässigkeit der sonographischen Hauptdiagnosen der betrachteten Fälle bedeutend besser. So waren unter den Totgeburten 90 % der pränatal-sonographischen Hauptdiagnosen korrekt, 5 % waren falsch-positiv und 5 % falsch-negativ. In der Gruppe der Spontanaborte und weiteren Abbrüche waren es 100 % identische Hauptdiagnosen.


Ergebnisse der Diagnosen zur Beendigung der Schwangerschaft

Bei den induzierten Aborten gab es 89 % korrekte sonographische Hauptdiagnosen, 4,3 % falsch-positive und 6,7 % nicht-verifizierbare Hauptdiagnosen. Durch die zusätzliche Einbeziehung genetischer Diagnostik zeigte sich, dass der Anteil an korrekt erhobenen Diagnosen zur Beendigung der Schwangerschaft an der Charité Berlin im Jahr 2000 sogar bei 94 % lag.


Ursachen von Fehldiagnosen in anderen Studien

Fehlerursachen aus anderen Studien in der Literatur werden im Kapitel 5.3.2 zusammengefasst. Die im Rahmen der vorliegenden Arbeit gefundenen Fehlerursachen decken sich im wesentlichen mit den Fehlerursachen, die von anderen Autoren genannt werden. Eine Häufigkeitsgruppierung der Ursachen ist bisher, wie in der vorliegenden Arbeit geschehen, in anderen Studien noch nicht vorgenommen worden.


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Ursachen der Fehldiagnosen

Dabei gehörten zu den häufigsten Ursachen:

Tabelle 49: Ursachen der Fehldiagnosen

Fehlerursachen

Häufigkeit in Prozent

Kleinheit des Objekts

32

Frühe Schwangerschaftswoche

7,2

Artifizielle Befunde durch Autolyse

7,1

Mangelnde topographische Zuordnung

6,8

Austrocknung

5

Schäden bei Passage des Geburtskanals

4,8

Sonstiges

37,1

Summe

100


Vorschläge zur Optimierung des perinatalen Managements

In dieser Arbeit wurden erstmalig Häufigkeiten von Fehlerursachen herausgearbeitet, die es ermöglichen, konkrete Verbesserungen einzuführen. Diese wurden im Abschnitt 5.3.2 erläutert und hier kurz zusammengefasst.


Untersuchungskatalog
Für die Fetalautopsie und Pränataldiagnostik ergeben sich bei einer Untersuchung der Fehlerursachen von Fehldiagnosen Möglichkeiten zur Verbesserung der eigenen Strategien und des Managements. Ein Untersuchungskatalog kann ein wertvolles Instrument der Ausbildung, Koordination und der Verbreitung von speziellem Diagnostikwissen werden. Durch die Darstellung der Arbeitsrahmen von Pränataldiagnostik und Fetalpathologie sollten die Kommunikation und die interdisziplinäre Zusammenarbeit systematisiert und stärker aufeinander bezogen werden.


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Wed Sep 24 9:44:52 2003