Anhang C: Ergänzungen zur Verfahrensentwicklung (Abschnitt 4.3)

Beschreibung der Stichprobe der Pilotstudie

Der Zugang zu den im Rahmen der Pilotuntersuchung befragten Frauen erfolgte über 24 niedergelassene Gynäkologen Berlins. Die 48 nichtschwangeren Frauen hatten in den letzten 4 Jahren mindestens eine Fehlgeburt erlitten. Die Frauen waren zum Zeitpunkt der Erhebung durchschnittlich 30 Jahre alt (M=29,8, sd=4,6) und zu 84,7% verheiratet bzw. lebten mit einem festen Partner zusammen. 45,7% der Frauen hatten bereits Kinder. Ihre letzte Fehlgeburt lag im Durchschnitt 22 Monate zurück (M=21,9, sd=30,5). 10 der Frauen (21,7%) hatten bereits mehrere Fehlgeburt erlitten, davon 6 Frauen (13%) zwei (rezidivierende Aborte) und 4 Frauen (8,7%) drei und mehr Fehlgeburten (habituelle Aborte). An dieser Stichprobe wurden der „Fragebogen zur Attribution der Fehlgeburt“ und der „Fragebogen zur Bewältigung der Fehlgeburt“ entwickelt.

Die Befragung von 130 Schwangeren in der Pilotstudie diente der Konstruktion bzw. Überarbeitung von Messverfahren für die Merkmale „Bewältigung der Anforderungen in einer Schwangerschaft“, „Schwangerschaftsbezogene Kontrollüberzeugungen“ und „psychische Repräsentation des Kindes in der Schwangerschaft“. Es wurden alle Schwangeren befragt, die sich bereit erklärten, an der Pilotstudie teilzunehmen, unabhängig davon, ob sie in der Vergangenheit bereits ungewollte Schwangerschaftsverluste erlitten hatten. Die Frauen waren im Durchschnitt 28 Jahre alt (M=28,5 sd=4,7) und lebten zu 89,3% in einer festen Partnerschaft bzw. waren verheiratet. 30% der Schwangeren hatten bereits Kinder. Die Frauen befanden sich zum Erhebungszeitpunkt durchschnittlich in der 28. Schwangerschaftswoche (M=27,8, sd=8,5). 82,3% der Frauen gaben an, dass die aktuelle Schwangerschaft erwünscht sei. 20 der Befragten (15,3%) hatten vor der jetzigen Schwangerschaft eine Fehlgeburt erlitten, wovon 16 Frauen (12,2%) eine und 4 Frauen (3,1%) mehrere Fehlgeburten erlitten hatten.

Endformen der Fragebogen

Der Fragebogen zur Bewältigung der Fehlgeburt (Endform)

Tabelle 44: Fragebogen zur Bewältigung der Fehlgeburt: Fragebogen-Endform, entwickelt an n=48 Frauen nach einer Fehlgeburt

Fragebogen zur Bewältigung der Fehlgeburt (Endform)

Skalen

Reliabilität (Cro n bach’s alpha)

Items

Item-Trennschä r fe
r

Skala 1:

Depressive Verarbe i tung

r r =0,88

Ungeduldig und gereizt auf andere reagieren

0,63

Sich selbst bemitleiden

0,59

Ins Grübeln kommen

0,77

Mit dem Schicksal hadern

0,63

Sich von anderen Menschen zurückziehen

0,78

Sich selbst die Schuld geben

0,79

Skala 2:

Aktives problemorie n tiertes Coping

r r =0,73

Informationen über Fehlgeburten, Behandlung und Ursachen suchen

0,30

Aktive Anstrengungen zur Lösung der Probleme unternehmen

0,42

Einen Plan machen und danach handeln

0,61

Entschlossen gegen das Geschehene ankämpfen

0,46

Sich vornehmen intensiver zu leben

0,76

Skala 3:

Ablenkung und Selbstaufbau

r r =0,73

Sich mehr gönnen

0,44

Sich selbst Mut machen

0,37

Erfolge und Selbstbestätigung suchen

0,58

Abstand zu gewinnen versuchen

0,31

Anderen Gutes tun wollen

0,63

Sich gerne umsorgen lassen

0,42

Skala 4:

Sinnsuche

r r =0,79

Die Fehlgeburt als Schicksal annehmen

0,64

Versuch, in dem Verlust einen Sinn zu sehen

0,53

Sich damit trösten, daß es andere noch schlimmer getroffen hat

0,71

Skala 5:

Bagatellisierung und Wunsc h denken

r r =0,71

Nicht-Wahrhaben-Wollen des Geschehenen

0,52

Herunterspielen der Bedeutung des Verlustes

0,56

Wunschdenken und Tagträumen nachhängen

0,53

Skala 6:

Resignation, Mißtra u en und Substan z mißbrauch

r r =0,64

Stimmungsverbesserung durch Alkohol oder Beruhigungsmittel suchen

0,32

Sich vornehmen intensiver zu leben

0,58

Den Ärzten Mißtrauen, andere Ärzte aufsuchen

0,49

Genau den ärztlichen Rat befolgen umg e polt

0,38

Der Fragebogen zur Attribution der Fehlgeburt (Endform)

Tabelle 45: Fragebogen zur Attribution der Fehlgeburt: Fragebogen-Endform, entwickelt an n=48 Frauen nach einer Fehlgeburt

Fragebogen zur Attribution der Fehlgeburt (Endform)

Skalen

Reliabilität (Cro n bach’s alpha)

Items

Item-Trennschärfe
r

Meine Fehlgeburt führe ich darauf zurück, daß ...

Skala 1:

Merkmale der eigenen Person

α = 0,84

... ich irgendwie nicht glücklich werden darf.

0,67

...ich so viel Angst hatte, es könnte etwas schief gehen, dass es dann auch wirklichpassiert ist.

0,63

... ich vom Schicksal verfolgt bin.

0,64

... ich psychisch sehr anfällig bin.

0,69

... mein Körper stark auf psychische Probleme reagiert.

0,62

Skala 2:

Streß in der Schwa n gerschaft

α = 0,86

... ich zu viel Streß hatte.

0,73

... ich wegen eines besonderen Ereignisses (Umzug, Urlaub im Ausland, Hochzeit o.ä.) viel Hektik hatte.

0,71

... ich mir während der Schwangerschaft zu viel auf einmal vorgenommen hatte.

0,74

... ich psychisch sehr stark unter Druck gestanden hatte.

0,70

Skala 3:

Mangelnde ärztliche Betreuung

α = 0,95

... der Arzt nicht gründlich genug war, er hatte Dinge übersehen.

0,92

... die Ärzte nicht schnell genug reagiert haben.

0,86

... nicht alle medizinischen Möglichkeiten zur Verfügung gestanden hatten.

0,88

Skala 4:

Regulativ Natur

α = 0,82

... es reiner Zufall war, das kann jeder Frau passieren.

0,62

... mein Kind nicht gesund gewesen wäre – daher hat die Natur eingegriffen.

0,72

... es eine Entscheidung der Natur war.

0,65

... Chromosomenschäden der Frucht verantwortlich sind.

0,61

Skala 5:

Schwangerschaftsgefährde n des Verhalten

α =0,74

... das Kind nicht wirklich gewollt war.

0,52

... ich zu wenig über notwendige Verhaltensmaßnahmen in der Schwangerschaft informiert war.

0,58

... ich während der Schwangerschaft geraucht hatte.

0,68

Skala 6:

Erkrankungen oder Krisen in der Schwa n gerschaft

α =0,62

...ein krisenhaftes Ereignis vorgefallen war (z.B. Tod, Unfall, schwere Krankheit).

0,48

...ich während der Schwangerschaft erkrankte (Erkältung, Grippe etc.).

0,48

Der Fragebogen zur Bewältigung der Anforderungen in einer neuen Schwangerschaft (Endform)

Tabelle 46: Fragebogen zur Bewältigung der Anforderungen in einer Schwangerschaft: Fragebogen-Endform, entwickelt an n=130 Schwangeren

Fragebogen zur Bewältigung der Anforderungen in einer Schwangerschaft (En d form)

Skalen

Reliabilität (Cro n bach’s alpha)

Items

Item-Trennschärfe
r

Skala 1:

Schwangerschaftsfö r derndes Verhalten

α =0,79

Ich lese viel über die Schwangerschaft.

0,56

Ich versuche, mich umfassend über die Schwangerschaft zu informieren.

0,68

Ich achte darauf, daß ich nur von kompetenten Ärzten behandelt werde.

0,51

Ich vermeide Streßsituationen soweit es geht.

0,53

Ich nehme mir vor, mich jetzt besonders zu schonen.

0,68

Ich nehme mir mehr Zeit für mich selbst.

0,58

Skala 2:

Gedankliche Auseinanderse t zung mit der Rolle als Mutter

α =0,85

Ich setze mich jetzt oft mit Fragen der Erziehung auseinander.

0,56

Ich denke oft darüber nach, wie ich mich als Mutter verhalten werde.

0,67

Ich mache mir Gedanken über die Verantwortung, die ich gegenüber meinem Kind haben werde.

0,59

Ich denke darüber nach, ob ich eine gute Mutter sein werde

0,60

Skala 3:

Sozialer Rückzug

α =0,76

Meine Schwangerschaft geht nur mich etwas an.

0,42

Weil mein Partner* so wie so nie verstehen wird, was momentan in mir vorgeht, rede ich nicht über alles mit ihm.

0,40

Ich versuche, meine Gefühle für mich zu behalten.

0,53

Wenn ich Angst habe, suche ich Trost bei meinem Partner oder anderen mir wichtigen Personen.

0,46

Skala 4:

(Selbst-) Beruhigung bei Äng s ten und Befürchtu n gen

α =0,72

Wenn ich Angst um die Schwangerschaft habe, spreche ich mir selbst Mut zu.

0,52

Wenn ich Angst habe, kann mich das Ultraschallbild in der Regel beruhigen.

0,38

Wenn ich Angst habe, versuche ich mich zu entspannen.

0,42

Wenn ich Angst habe, dem Kind könnte etwas geschehen, suche ich nach Anhaltspunkten, die mir Sicherheit geben.

0,36

Die schwangerschaftstypischen Veränderungen meines Körpers beruhigen mich.

 

Wenn ich Angst um die Schwangerschaft habe, suche ich die Nähe anderer.

 

Skala 5:

Vermeiden, sich em o tional auf die Schwangerschaft einzula s sen

α =0,67

Ich grüble viel darüber nach, ob alles gut gehen wird.

0,43

Ich rechne mit dem Schlimmsten, um nachher nicht so enttäuscht zu sein.

0,46

Ich behalte meine Ängste und Befürchtungen lieber für mich.

0,34

Ich lenke mich überwiegend von Gedanken an die Schwangerschaft ab.

0,54

Ich versuche, mich nicht zu sehr von meinen Gefühlen leiten zu lassen.

0,41

Der Fragebogen zur psychischen Repräsentation des Kindes in der Schwangerschaft (Endform)

Tabelle 47: Fragebogen zur psychischen Repräsentation des Kindes in einer Schwangerschaft: Fragebogen-Endform, entwickelt an n=130 Schwangeren

Fragebogen zur psychischen Repräsentation des Kindes in einer Schwangerschaft (Endform)

Skalen

Reliabilität (Cro n bach’s alpha)

Items

Item-Trennschärfe
r

Skala 1:

Wahrnehmung des Kindes als getrenntes Wesen

Bis jetzt ist mir mein Kind noch fremd. umgepolt

0,50

Ich empfinde mein Kind schon als eigenständiges Wesen.

0,57

Ich glaube, daß mein Kind bereits eigene Gefühle und Wahrnehmungen hat.

0,75

Ich glaube, daß mein Kind schon wahrnehmen kann, was in seiner Umwelt geschieht.

0,72

Ich glaube, daß mir mein Kind durch die Erfahrung der Schwangerschaft schon vertraut ist.

0,61

Ich glaube, mein Kind besitzt schon so etwas wie eine eigene Persönlichkeit.

0,72

Skala 2:

Sorge um eine gesunde En t wicklung des Ki n des

r r =0,78

Bei dem Gedanken an das Kind habe ich manchmal ein Gefühl von Angst und Unsicherheit.

0,44

Ich frage mich im Moment öfter, ob sich das Kind in meinen Bauch normal und gesund entwickelt.

0,64

Ich habe Angst vor der Feststellung einer Erkrankung oder Fehlbildung des Kindes vor der Geburt.

0,64

Ich habe Angst, mein Kind zu verletzen.

0,49

Mir kommt immer wieder die Frage, ob mein Kind nach der Geburt eine körperliche oder geistige Behinderung haben wird.

0,59

Skala 3:

Wahrnehmung emot i onaler Nähe zum Kind

r r =0,82

Ich empfinde das Kind als einen Teil von mir.

0,63

Ich fühle mich meinem Kind sehr nahe.

0,76

Ich genieße es, daß mein Kind noch so eng bei mir ist.

0,66

Skala 4:

Beziehung zum Kind/ Kontak t aufnahme

r r =0,85

Ich habe inzwischen eine Beziehung zu meinem Kind.

0,68

Ich spreche oft mit dem Kind.

0,71

Ich streichle mein Kind oft.

0,68

Ich versuche, meinem Kind schon jetzt Zuwendung zu geben.

0,73

Skala 5:

Phantasien und Vo r stellungen über Auss e hen des Kindes und die Zukunft mit dem Kind

r r =0,81

Ich denke oft darüber nach, ob mein Kind eher ein lebhaftes, temperamentvolles oder eher ein ruhiges Kind sein wird.

0,38

Ich stelle mir in letzter Zeit oft vor, wie ich mit meinem Kind zusammen sein werde.

0,69

Ich stelle mir schon vor, wie ich für mein Kind sorgen werde.

0,73

Ich stelle mir vor, wie das Kind mich ansieht.

0,75

Ich stelle mir vor, wie mein Kind später aussehen wird.

0,50


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24.07.2006