Behrend, , Anke: Kinetik des Ingestaflusses bei Rehen (Capreolus capreolus) und Mufflons (Ovis ammon musimon) im saisonalen Verlauf

37

Kapitel 3. Ergebnisse

Die in den folgenden Kapiteln dargestellten Ergebnisse sind Ergebnisse von jeweils einer kleinen Gruppe handaufgezogener Rehe und Mufflons unter bestimmten Gehegebedingungen und Zusatzfütterung (Kapitel 2.2.3) sowie der in dem Versuchszeitraum 1997/98 zufällig aufgetretenen Witterung (Kapitel 2.3). Die Tiere stellen keine zufällige Stichprobe von Wildtieren dar. Somit können die Ergebnisse nur als explorativ betrachtet werden und nicht generell auf die jeweilige Art verallgemeinert werden. Alle Ergebnisse der statistischen Tests und Aussagen über Signifikanzen sind in diesem Sinne zu verstehen.

3.1. Verweildauer von Flüssigkeit distal des Ruminoretikulums bei Jungtieren mit Flaschenfütterung

Bei 8 Rehkitzen (1995: n = 2, 1996: n = 3, 1997: n = 3) und 8 Mufflonlämmern (1996: n = 4, 1997: n = 4) wurde zu jeweils zwei verschiedenen Altersstufen zu einer Flaschenfütterung Cr-EDTA als Flüssigkeitsmarker vermischt mit dem Milchaustauscher verabreicht. Die Bestimmung der Verweildauer von Flüssigkeit distal des Ruminoretikulums konnte aufgrund des Schlundrinnenreflexes, der die Milch zusammen mit dem Marker an dem Vormagen vorbei direkt in den Labmagen leitet, durchgeführt werden. Hierzu wurden insgesamt 480 Kotproben (Reh: 234, Mufflon: 246) gesammelt und analysiert.

Die mittlere Retentionszeit der Flüssigkeit distal des Ruminoretikulums war bei den jüngeren Rehkitzen signifikant (Wilcoxon-Test, p = 0,391, n = 8) länger als bei den älteren Rehkitzen (Abb. 9).

Abb. 9: Verweildauer des Flüssigkeitsmarkers Cr-EDTA distal des Ruminoretikulums bei Rehkitzen (1995: n = 2, 1996: n = 3, 1997: n = 3) in zwei verschiedenen Altersstufen


38

Bei den Mufflonlämmern gibt es während der Versuche 1996 im Alter von 55 bis 68 Tagen einen Hinweis auf eine längere Retentionszeit der Ingesta distal des RR als im Alter von 140 bis 154 Tagen (gepaarter T-Test, p = 0,0051, n = 4). Beim Vergleich der Ingestaverweildauer distal des RR während der Versuche 1997 in den Altersstufen 83 bis 97 und 140 bis 154 Tagen wurde kein derartiger Hinweis mehr festgestellt (gepaarter T-Test, p = 0,3298, n = 4) (Abb. 10).

Abb. 10: Verweildauer des Flüssigkeitsmarkers Cr-EDTA distal des Ruminoretikulums bei Mufflonlämmern (1996: n = 4, 1997: n = 4) in drei verschiedenen Altersstufen

Die Verweilzeit der Flüssigkeit distal des Ruminoretikulums wurde zwischen den beiden Tierarten nur in einer Altersstufe verglichen. Sie war beim Rehkitz im Alter von 68 bis 75 Tagen signifikant länger als beim Mufflonlamm im Alter von 83 bis 97 Tagen (Mann-Whitney U-Test, p = 0,0162, nReh = 8, nMufflon = 4).


39

3.2. Verweildauer von Flüssigkeit und Partikeln im Magen-Darm-Kanal von Rehen und Mufflons im saisonalen Verlauf

Die Untersuchungen zur Retentionszeit von Flüssigkeit und Partikeln im Gastro-Intestinal-Trakt wurden an maximal zwei Rehen und fünf Mufflons von April 1997 bis Juni 1998 in monatlichen Abständen (15 Versuchsdurchgänge) durchgeführt (Tab. 11). Insgesamt wurden von 2207 Kotproben (Reh: 646, Mufflon: 1561) und 112 Pansensaftproben (Reh: 22, Mufflon: 90) die Markerkonzentrationen gemessen. Die durchschnittlich gesammelte Kotprobenanzahl je Tier und Versuch betrug 25,5 ± 5,8 Proben.

Tab. 11: Anzahl der Tiere (n) für die Eingabe von Co-EDTA und Cr-Heu zu den Versuchsdurchgängen

Monat

Rehe

Co-EDTA

Rehe

Cr-Heu

Mufflons

Co-EDTA

Mufflons

Cr-Heu

Apr 97

21

21

32

22

Mai 97

11

11

3

3

Jun 97

21

11

3

3

Jul 97

1

0

43

43

Aug 97

2

2

3

2

Sep 97

2

2

2

0

Okt 97

2

2

4

2

Nov 97

2

2

5

3

Dez 97

2

1

5

5

Jan 97

2

1

5

5

Feb 98

2

1

5

5

Mär 98

2

1

5

5

Apr 98

2

1

5

5

Mai 98

2

1

4

4

Jun 98

2

1

43

43

1 Rehe (Ali, Bobby) für Vorversuche, ab Juli 1997 wegen Durchfall gestorben

2 zwei Mufflonschafe hoch tragend

3 ein Tier nach Narkose


40

Die Ergebnisse von folgenden Tieren wurden aus verschiedenen Gründen nicht in die saisonale Auswertung einbezogen:

Der Verlauf der Flüssigkeits- und Partikelmarkerkonzentrationen im Kot in Abhängigkeit von der Zeit nach der Markereingabe war beim Reh (Abb. 11) und Mufflon (Abb. 12) sehr unterschiedlich. Bei beiden Tierarten stiegen die Markerkonzentrationen nach etwa 8 bis 10 h stark an. Das Maximum der Flüssigkeitsmarkerkonzentration wurde bei beiden Tierarten etwa zur gleichen Zeit (nach ca. 12 h) erreicht, hingegen erschien das Maximum der Partikelmarkerkonzentration im Kot beim Reh (nach ca. 17 - 19 h) eher als beim Mufflon (nach ca. 20 - 25 h). Der Abfall der Co- und Cr-Konzentrationen im Kot erfolgte beim Reh fast gleichzeitig, während beim Mufflon die Cr-Konzentrationen bedeutend später abfielen als die Co-Konzentrationen. Beim Reh war im Gegensatz zum Mufflon nach kürzerer Zeit im Kot kein Marker mehr meßbar.

Abb. 11: Verlauf der Markerkonzentrationen im Kot vom Reh nach der Eingabe von 10 ml Co-EDTA und 1g Cr-Heu (Beispiel: Reh Ulla, November 1997)


41

Abb. 12: Verlauf der Markerkonzentrationen im Kot vom Mufflon nach der Eingabe von 11 ml Co-EDTA und 2 g Cr-Heu (Beispiel: Mufflon Tom, November 1997)

Bevor in den folgenden Kapiteln die Versuchsergebnisse saisonal dargestellt werden, sollen Faktoren und Besonderheiten (Temperatur, Niederschlag, Fütterung, Insekten) während des Versuchszeitraumes zusammengefaßt werden, die möglicherweise einen Einfluß auf das Verhalten und somit auf die Retentionszeiten im Magen-Darm-Kanal haben könnten (Abb. 13).

Insgesamt kann die Witterung in den einzelnen Versuchswochen (Tab. 8) während des gesamten Versuchszeitraumes von April 1997 bis Juni 1998 folgendermaßen zusammengefaßt werden: heißer trockener Sommer, milder Herbst mit Schauern, relativ milder Winter mit wenig Frost, kaum Schnee aber viel Regen, mildes feuchtes Frühjahr und zeitiger Beginn der Vegetationsperiode (ab März 1998).

Hohe Tagestemperaturen (Juni bis August 1997) verursachten lange Ruheperioden und eine verringerte Futteraufnahme am Tage sowie eine erhöhte Futteraufnahmeaktivität der Tiere in der Nacht. Weiterhin beeinträchtigte Dauerregen (Januar bis April 1998) das Verhalten der Tiere, indem sie Deckung suchten und die Futteraufnahme verringerten.

Eine deutliche Beunruhigung der Tiere durch Insekten, die sich aufgrund der feuchtwarmen Witterung und des Oder-Hochwassers besonders stark vermehren konnten, wurde von Juni bis September 1997 beobachtet.


42

Im Hinblick auf eine Übertragbarkeit der gemessenen Werte auf die ökologische Situation in freier Wildbahn ist die Zusatzfütterung der Tiere mit Saftfutter (Rehe: Apfeltrester, Möhren; Mufflons: Futterrüben, Möhren) und Heu von Oktober bis April, die die Futteraufnahme aus der natürlichen Vegetation vermindert, kritisch zu betrachten.

Abb. 13: Temperaturen, Witterung, Insekten und Zusatzfütterung während des Versuchszeitraumes


43

3.2.1. Mittlere Retentionszeit von Flüssigkeit im Gastro-Intestinal-Trakt

Die Retentionszeit der Flüssigkeit im gesamten Gastro-Intestinal-Trakt beim Reh betrug im Herbst 16,4 h und erreichte im Winter ein Maximum von 21,5 h und im Frühling ein Minimum von 14,1 h. Beim Mufflon zeigte sich ein ähnlicher Jahresverlauf wie beim Reh. Die Verweildauer von Flüssigkeit im Gastro-Intestinal-Trakt betrug beim Mufflon im Frühjahr 22 h und sank im August auf 17,4 h ab. Im Winter stieg die Verweilzeit der Flüssigkeit auf 29,7 h an und sank zum Frühjahr auf 22,8 h wieder ab. (Abb. 14) Beim Reh wurden im Vergleich zum Mufflon im Jahresmittel kürzere Flüssigkeitsretentionszeiten gemessen (Reh: 18,1 ± 2,4 h, Mufflon: 22,5 ± 3,9 h).

Zum statistischen Vergleich wurden die Werte der Mufflons in 4 Abschnitte eingeteilt: Sommer (Juni - August 1997), Herbst (September - November 1997), Winter (Dezember 1997 - Februar 1998) und Frühling (März - Mai 98). Es konnte ein signifikanter Unterschied zwischen den Jahreszeiten beim Mufflon festgestellt werden (Friedman Test, p = 0,012, n = 5). Die Verweilzeit der Flüssigkeit im GIT beim Mufflon ist im Winter signifikant länger als im Herbst (Dunn´s Test).

Abb. 14: Verweildauer der Flüssigkeit im Gastro-Intestinal-Trakt bei Rehen und Mufflons


44

3.2.2. Mittlere Retentionszeit von Partikeln im Gastro-Intestinal-Trakt

Die mittlere Verweilzeit von Partikeln im gesamten Magen-Darm-Kanal verringerte sich beim Reh von 24,4 h im Sommer auf 20 h im Herbst und beim Mufflon von 34,4 h auf 29,3 h. Sie verlängerte sich im Winter beim Reh bis auf 29,6 h und beim Mufflon bis auf 43,8 h. Während die Retentionszeit sich beim Reh erst ab Mai auf 20 h verkürzte, wurde beim Mufflon bereits ab März eine Verkürzung der Partikelverweilzeit auf 35,3 h gemessen (Abb. 15). Die Werte vom Reh lagen stets bedeutend unterhalb der Werte vom Mufflon. Im Jahresmittel verweilten die Partikel im Gastro-Intestinal-Trakt beim Reh 23,6 ± 3,8 h und beim Mufflon 36,0 ± 4,2 h.

Es konnte ein signifikanter Einfluß der Jahreszeit auf die Verweilzeit der Partikel im Gastro-Intestinal-Trakt beim Mufflon nachgewiesen werden (Friedman Test, p = 0,0018, n = 5). Die Retentionszeit der Partikel beim Mufflon im Dezember bis Februar ist signifikant länger als im September bis November (Dunn´s Test).

Abb. 15: Verweildauer der Partikel im Gastro-Intestinal-Trakt bei Rehen und Mufflons


45

3.2.3. Mittlere Retentionszeit von Flüssigkeit im Ruminoretikulum

3.2.3.1. Vergleich der Bestimmung der Verweildauer der Flüssigkeit im Ruminoretikulum über Kot- und Pansensaftproben

Die Entnahme von Pansensaftproben zur Bestimmung der mittleren Retentionszeit der Flüssigkeit im Ruminoretikulum konnte in den ersten Versuchsdurchgängen 4 mal beim Reh und 12 mal beim Mufflon durchgeführt werden. Gleichzeitig wurde die Flüssigkeitsverweildauer im RR über die Co-Konzentrationsänderung im Kot errechnet (Kapitel 2.6.4 und 2.7.2). Die ermittelten Retentionszeiten der Flüssigkeit im Ruminoretikulum sowohl über Pansensaftproben als auch über Kotproben wurden miteinander verglichen.

Die mittlere relative Abweichung (Abw. in %) zwischen den Ergebnissen aus beiden Methoden (M1, M2) wurde wie folgt berechnet:

M1

=

Ergebnis aus Methode 1

M2

=

Ergebnis aus Methode 2

n

=

Anzahl der Messungen

Sie betrug beim Mufflon 16,7 ± 11,1 %. Bei beiden Tierarten konnten keine Unterschiede zwischen den Retentionszeiten - berechnet über Pansensaft- und Kotproben - festgestellt werden (Abb. 16). Ein statistischer Vergleich wurde aufgrund abhängiger Stichproben (Poolen von Daten bei Meßwiederholungen) nicht durchgeführt.

Abb. 16: Vergleich der MRTFlüss. RR bestimmt nach zwei verschiedenen Methoden bei Rehen (Juli 96: n = 2, August 96: n = 1, Juni 97: n = 1) und Mufflons (April 97: n = 2, Mai 97: n = 2, Juni 97: n = 3, Juli 97: n = 4, August 97: n = 1)


46

In den weiteren Versuchen wurde aufgrund dieser Ergebnisse auf die recht aufwendige Pansensaftentnahme verzichtet und die Passagedauer der Flüssigkeit im Ruminoretikulum über die Kotproben bestimmt.

3.2.3.2. Ergebnisse der Verweilzeitbestimmung für Flüssigkeit im Ruminoretikulum über Kotproben

Die mittlere Retentionszeit von Flüssigkeit im RR betrug beim Reh im Sommer 7,9 h und sank bis zum November auf 6,5 h ab. Beim Mufflon lag sie im Sommer und Herbst bei 9,7 h. Bei beiden Tierarten erhöhte sich die Verweildauer der Flüssigkeit im RR von November bis Januar auf 15,3 h (Mufflon) bzw. 8,6 h (Reh). Die Verweilzeit der Flüssigkeit verkürzte sich beim Mufflon von Januar bis Mai auf 11,5 h und beim Reh von April bis Mai auf 6,7 h. Sie war beim Reh im gesamten Versuchszeitraum kürzer als beim Mufflon (Abb. 17). Im Jahresdurchschnitt betrug die Retentionszeit von Flüssigkeit im Ruminoretikulum beim Reh 8,0 ± 1 h und beim Mufflon 11,5 ± 2 h.

Es konnte beim Mufflon ein hoch signifikanter Unterschied zwischen den Saisons festgestellt werden (Friedman-Test, p = 0,0001, n = 5). Die MRT der Flüssigkeit im RR ist beim Mufflon im Winter signifikant länger als im Herbst und im Sommer (Dunn´s Test).

Abb. 17: Verweildauer von Flüssigkeit im Ruminoretikulum bei Rehen und Mufflons (Bestimmung über Kotproben)


47

3.2.4. Mittlere Retentionszeit von Partikeln im Ruminoretikulum

Die niedrigsten Verweilzeiten der Partikel im RR lagen beim Reh von Oktober bis Dezember bei 10 h und im Mai bei 13,5 h, während beim Mufflon die Minima der Partikelretentionszeiten im Oktober/November mit 21,4 h und von März bis April mit 24,9 h zu verzeichnen waren. Die längsten Verweilzeiten der Partikel im Ruminoretikulum wurden beim Reh mit 16,4 h von Januar bis April und beim Mufflon im Januar mit 29,4 h gemessen (Abb. 18). Beim Reh (13,9 ± 3,1 h) waren im gesamten Versuchszeitraum kürzere Retentionszeiten der Partikel im Ruminoretikulum zu beobachten als beim Mufflon (24,8 ± 3,0 h).

Der statistische Vergleich der Jahreszeiten beim Mufflon zeigte, daß die Verweilzeit der Partikel im Ruminoretikulum im Winter signifikant länger ist als im Herbst (Dunn´s Test, p < 0,05, n = 5).

Abb. 18: Verweildauer von Partikeln im Ruminoretikulum bei Rehen und Mufflons

Beim Mufflon konnte eine Verlängerung der Retentionszeiten der Partikel im Ruminoretikulum mit zunehmendem Alter beobachtet werden (Anstieg von Mai/Juni 1997 bis Mai/Juni 1998: 15,9 %). Auch beim Reh ist dieser Trend erkennbar. Ein statistischer Nachweis ist jedoch nur bei Messungen über mehrere Jahre möglich, um Schwankungen zwischen den Jahren auszuschließen.

Der prozentuale Anteil der mittleren Retentionszeit der Partikel im Ruminoretikulum an der gesamten Retentionszeit der Partikel im Gastro-Intestinal-Trakt betrug beim Reh im Jahresmittel 58,61 ± 7,4 % und beim Mufflon 68,71 ± 4,2 %.


48

3.2.5. Beziehung zwischen der Retentionszeit der Partikel und der Verweildauer der Flüssigkeit im Ruminoretikulum

Bei der Darstellung der Beziehung zwischen der Verweildauer der Partikel und der Flüssigkeit im Hauben-Pansen-Raum konnte ein linearer Zusammenhang bei beiden Tierarten festgestellt werden (Abb. 19 und 20). Bei verlängerter Verweilzeit der Partikel im Ruminoretikulum wurde auch die Flüssigkeit länger in dieser Fermentationskammer retiniert (T-Test, Reh: p < 0,0001; Mufflon: p < 0,0001).

Abb. 19: Beziehung zwischen den Verweilzeiten der Flüssigkeit und Partikel im Ruminoretikulum beim Reh

Abb. 20: Beziehung zwischen den Verweilzeiten der Flüssigkeit und Partikel im Ruminoretikulum beim Mufflon


49

3.2.6. Selektivitätsfaktor

Bei beiden Tierarten war kein Hinweis auf eine saisonale Abhängigkeit des Selektivitätsfaktors (Verhältnis von MRTPart.RR zu MRTFlüss.RR) zu erkennen. Für die selektive Partikelretention beim Mufflon sind keine signifikanten Unterschiede zwischen den Jahreszeiten zu ermitteln (Friedman-Test, p = 0,6522, n = 5). Der Selektivitätsfaktor betrug beim Reh im Jahresdurchschnitt 1,55 ± 0,16 und beim Mufflon 2,1 ± 0,29.

3.2.7. Mittlere Retentionszeit der Ingesta distal des Ruminoretikulums

Die Abb. 21 zeigt, daß die kürzesten Ingestaverweilzeiten im Verdauungstrakt nach der Passage des RR beim Reh von Oktober bis Dezember (10,1 h) und im Mai/Juni (6,9 h) und beim Mufflon von August bis November (8,5 h) und von März bis Juni (10,9 h) gemessen wurden. Ein Anstieg der Ingestaverweilzeit distal des RR war beim Reh von Dezember bis März auf 12,7 h und beim Mufflon von November bis Januar auf 14,3 h zu verzeichnen. Außerdem war bei beiden Tierarten die Zeit der Ingestaretention distal des RR im Juli besonders lang. Im Jahresdurchschnitt unterscheiden sich die Retentionszeiten des Nahrungsbreies distal des RR bei Reh (10,1 ± 2,1 h) und Mufflon (11,0 ± 2,3 h) nur geringfügig voneinander.

Die mittlere Retentionszeit der Ingesta distal des RR beim Mufflon war im Winter signifikant länger als im Herbst (Dunn´s Test, n = 5).

Abb. 21: Verweildauer der Ingesta distal des Ruminoretikulums bei Rehen und Mufflons


50

3.3. Flüssigkeitsvolumen des Ruminoretikulums und Flußrate von Flüssigkeit aus dem Ruminoretikulum

Zum besseren Vergleich zwischen den Tierarten wurden die gemessenen RR-Flüssigkeitsvolumen und Flußraten der Flüssigkeit aus dem Ruminoretikulum in Relation zum Körpergewicht gesetzt. Voraussetzung dafür ist die Annahme, daß das Volumen einer Flüssigkeit (z.B. Wasser) mit dem spezifischen Gewicht von 1 g * cm-3 (1 l = 1 kg) entspricht.

Das Flüssigkeitsvolumen des RR betrug beim Reh im Juni/Juli 1,16 ± 0,26 l, was 6,15 ± 0,68 % des Körpergewichtes entspricht. Beim Mufflon wurde von April bis August ein mittleres RR-Flüssigkeitsvolumen von 1,96 ± 0,64 l bzw. 6,31 ± 1,8 % des Körpergewichtes ermittelt. Bezogen auf das Körpergewicht konnte kein Unterschied im RR-Flüssigkeitsvolumen zur Vegetationszeit zwischen Reh und Mufflon festgestellt werden (Abb. 22).

Die Flüssigkeitsflußrate aus dem RR betrug bei Reh 180 ± 3 ml * h-1 und beim Mufflon 230 ± 70 ml * h-1. Pro kg Körpergewicht hingegen floß beim Reh mehr Flüssigkeit aus dem RR je Stunde (9,9 ± 1,2 ml * h-1 * kg-1) als beim Mufflon (7,45 ± 2,24 ml * h-1 * kg-1) (Abb. 23).

Abb. 22: Flüssigkeitsvolumen des Ruminoretikulums bei Rehen (Juli 96: n = 2, Juni 97: n = 1) und Mufflons (April 97: n = 2, Mai 97: n = 2, Juni 97: n = 3, Juli 97: n = 3, August 97: n = 1) in Relation zum Körpergewicht


51

Abb. 23: Flüssigkeitsflußrate aus dem Ruminoretikulum bei Rehen (Juli 96: n = 2, Juni 97: n = 1) und Mufflons (April 97: n = 2, Mai 97: n = 2, Juni 97: n = 3, Juli 97: n = 3, August 97: n = 1) in Relation zum Körpergewicht


52

3.4. Ergebnisse der Kotmengenbestimmung

3.4.1. Veränderung der ausgeschiedenen Kotmengen bei Jungtieren mit Flaschenfütterung

Die tägliche ausgeschiedene Kotmenge war bei den jüngeren Rehkitzen signifikant (Wilcoxon-Test, p = 0,0078, n = 8) geringer als bei den älteren Rehkitzen (Abb. 24).

Abb. 24: Täglich ausgeschiedene Kotmenge bei Rehkitzen (n = 8) in zwei verschiedenen Altersstufen

Abb. 25: Täglich ausgeschiedene Kotmenge bei Mufflonlämmern (1996: n = 4, 1997: n = 4) in drei verschiedenen Altersstufen


53

Bei den Mufflonlämmern gibt es während der Versuche 1996 im Alter von 55 bis 68 Tagen einen Hinweis auf eine geringere Kotausscheidung als im Alter von 141 bis 154 Tagen (gepaarter T-Test, p = 0,0116, n = 4). Hingegen beim Vergleich der ausgeschiedenen Kotmengen während der Versuche 1997 in den Altersstufen 83 bis 97 und 140 bis 154 Tagen wurde kein derartiger Hinweis mehr festgestellt (gepaarter T-Test, p = 0,3742, n = 4) (Abb. 25).

Die täglich ausgeschiedene Kotmenge wurde zwischen den beiden Tierarten nur in einer Altersstufe verglichen. Sie war beim Rehkitz im Alter von 68 bis 75 Tagen signifikant geringer als beim Mufflonlamm im Alter von 83 bis 97 Tagen (Mann-Whitney U-Test, p = 0,004, nReh = 8, nMufflon = 4).


54

3.4.2. Täglich ausgeschiedene Kotmengen bei Rehen und Mufflons im saisonalen Verlauf

3.4.2.1. Vergleich der Bestimmung der ausgeschiedenen Kotmenge mit zwei verschiedenen Markern

Die täglich ausgeschiedene Kotmenge vom Reh und vom Mufflon wurde sowohl über die Co-Konzentration als auch die Cr-Konzentration im Kot errechnet.

Die mittlere relative Abweichung zwischen den Ergebnissen aus beiden Methoden (Kapitel 3.2.3.1) betrug beim Reh 16,4 ± 14,7 % und beim Mufflon 16,1 ± 15,2 %.

Die Abb. 26 zeigt am Beispiel des Mufflons, daß die ausgeschiedene Kotmenge, die mit dem Flüssigkeitsmarker bestimmt wurde, nahezu gleich der mit dem Partikelmarker ermittelten Kotmenge ist. Ein statistischer Vergleich wurde aufgrund abhängiger Stichproben (Poolen von Daten bei Meßwiederholungen) nicht durchgeführt

Für die weiteren Betrachtungen werden nur die Ergebnisse aus der Bestimmung der Kotmengen mit dem Co-EDTA-Marker dargestellt, da die Anzahl der Tiere, denen dieser Marker eingegeben werden konnte, größer war.

Abb. 26: Vergleich der mit verschiedenen Markern ermittelten täglich ausgeschiedenen Kotmengen (Beispiel: Mufflon)


55

3.4.2.2. Täglich ausgeschiedene Kotmengen im saisonalen Verlauf - bestimmt über die Co-Konzentrationen im Kot

Die im Jahresverlauf von Reh und Mufflon täglich ausgeschiedenen Kotmengen - bestimmt mit der Flüssigkeitsmarkerkonzentration im Kot - sind in der Abb. 27 dargestellt. Rehe und Mufflons schieden kontinuierlich von Januar bis Juli eine mittlere Kotmenge von 200 bis 210 g TS * d-1 aus. Im Spätsommer und Herbst erhöhte sie sich bis auf 434 g TS * d-1 beim Reh und 470 g TS * d-1 beim Mufflon und nahm zum Winterbeginn wieder ab. Die im Jahresmittel tägliche Kotausscheidung betrug beim Reh 254,1 ± 73 g TS * d-1 und beim Mufflon 286,8 ± 105 g TS * d-1.

Der saisonale statistische Vergleich der Kotausscheidung beim Mufflon zeigte, daß die ausgeschiedenen Kotmengen - angegeben als Trockensubstanz - im Herbst signifikant höher als im Winter sind (Dunn´s Test, n = 5).

Abb. 27: Täglich ausgeschiedene Kotmengen bei Rehen und Mufflons (ermittelt mit dem Co-EDTA-Marker)


56

3.5. Trockensubstanzgehalt im Kot

Bei beiden Tierarten konnte eine Verringerung des Trockensubstanzgehaltes im Kot etwa 10 bis 30 Stunden nach der Eingabe des Co-EDTA-Markers, der eine osmotische Wirkung hat, beobachtet werden (Abb. 28).

Abb. 28: Trockensubstanzgehalt im Kot vom Reh in Abhängigkeit von der Zeit nach der Co-EDTA-Eingabe (Beispiel: Reh Willi, Januar 1998)

Im Jahresverlauf wurde ein durchschnittlicher Trockensubstanzgehalt im Kot beim Reh von 37,5 ± 3,1 % und beim Mufflon von 39,6 ± 7,2 % ermittelt.

Während beim Reh der Gehalt an TS saisonal relativ konstant war, wurden beim Mufflon häufige Schwankungen beobachtet (Abb. 29). In der Tendenz lagen die höchsten Werte bei beiden Tierarten im Winter. Dennoch konnten statistisch keine Unterschiede zwischen den Jahreszeiten beim Mufflon nachgewiesen werden (Dunn´s Test, n = 5).


57

Abb. 29: Trockensubstanzgehalt im Kot bei Rehen und Mufflons


58

3.6. Gehalt an unverdaulichem Material im Magen-Darm-Kanal

3.6.1. Gehalt an unverdaulichem Material im Gastro-Intestinal-Trakt

Sowohl beim Reh als auch beim Mufflon wurden saisonale Schwankungen im Gehalt an unverdaulichem Material im GIT beobachtet. Die maximale Menge war beim Reh im Oktober mit 365 g TS, der minimale Gehalt im Mai mit 173 g TS. Der Gehalt an unverdaulichem Material im gesamten Magen-Darm-Kanal beim Mufflon erhöhte sich von 336 g TS im Juni/Juli auf 496 g TS im August bis November. Ab Dezember verringerte sich die absolute Menge an unverdaulichem Material im GIT beim Mufflon und beträgt von Januar bis Juni durchschnittlich 331 g TS (Abb. 30).

Es wurde ein signifikanter Unterschied zwischen den Jahreszeiten beim Mufflon festgestellt (Friedman Test, p = 0,0087, n = 5). Der Gehalt an unverdaulichem Material im GIT ist beim Mufflon im Herbst signifikant höher als im Frühling (Dunn´s Test, n = 5).

Abb. 30: Gehalt an unverdaulichem Material im GIT bei Rehen und Mufflons

Zum Vergleich zwischen den beiden Tierarten wurde der Gehalt an unverdaulichem Material im Jahresdurchschnitt in Relation zum Körpergewicht gesetzt. Er betrug beim Reh 10,53 ± 3,1 g * kg-1 KG und beim Mufflon 11,21 ± 1,8 g * kg-1 KG.


59

3.6.2. Gehalt an unverdaulichem Material im Ruminoretikulum

Der Gehalt an unverdaulichem Material im RR hat bei beiden Tierarten einen ähnlichen saisonalen Verlauf wie im GIT. Beim Reh konnte der maximale Gehalt im Oktober mit 179 g TS und die minimale Menge im Mai mit 118 g TS gemessen werden. Hingegen beim Mufflon wurden die höchsten Gehalte an unverdaulichem Material im Ruminoretikulum von August bis November (385 bis 331 g TS) ermittelt. Von Januar bis Juni betrug der Gehalt beim Mufflon durchschnittlich 230 g TS (Abb. 31).

Zwischen den Jahreszeiten konnte beim Mufflon ein signifikanter Unterschied ermittelt werden (Friedman Test, p = 0,0087, n = 5). Im Herbst ist beim Mufflon der Gehalt an unverdaulichem Material im Ruminoretikulum signifikant höher als im Winter (Dunn´s Test, n = 5).

Abb. 31: Gehalt an unverdaulichem Material im RR bei Rehen und Mufflons


60

3.7. Ergebnisse der Fettsäurenanalyse

Zwischen April 1997 und Juni 1998 wurden insgesamt 154 Pansensaftproben (Reh: 26, Mufflon: 128) entnommen und auf kurzkettige Fettsäuren analysiert. Die Tabelle 12 gibt einen Überblick über die Anzahl der eingesetzten Tiere und entnommenen Pansensaftproben im gesamten Versuchszeitraum.

Tab. 12: Anzahl der Tiere und Proben (gesamt) bei der Pansensaftentnahme im Versuchszeitraum April 1997 bis Juni 1998

Monat

Reh

Tiere

Reh

Proben

Mufflon

Tiere

Mufflon

Proben

Apr 97

22

12

Mai 97

3

23

Jun 97

21

6

3

20

Jul 97

3

3

43

23

Aug 97

0

0

2

9

Sep 97

0

0

1

1

Okt 97

3

3

2

2

Nov 97

2

2

5

5

Dez 97

2

2

5

5

Jan 98

1

1

5

5

Feb 98

2

2

5

5

Mär 98

1

1

5

5

Apr 98

2

2

5

5

Mai 98

2

2

4

4

Jun 98

2

2

43

4

1 Rehe (Ali, Bobby) für Vorversuche, ab Juli 1997 wegen Durchfall gestorben

2 zwei Mufflonschafe hoch tragend

3 ein Tier nach Narkose

Bei Mehrfachentnahme von Pansensaftproben bei einem Tier wurden zunächst die Monatsmittelwerte für die Gehalte bzw. Anteile der kurzkettigen Fettsäuren gebildet und daraus für jede Tierart der Durchschnitt pro Monat errechnet. Der Jahresmittelwert ergibt sich aus den Ergebnissen von Juli 1997 bis Juni 1998.

Die Ergebnisse von den tragenden Mufflonschafen im April 1997, von einem Mufflon im Juni 1998 wurden wegen Auswirkungen einer Narkose und von allen Tieren im Februar wegen einer Abweichung von der kontinuierlichen Fütterung nicht in die Auswertung einbezogen.


61

3.7.1. Veränderung des Gehaltes an kurzkettigen Fettsäuren in Abhängigkeit von der Tageszeit

Von den Pansensaftproben zur Bestimmung der Verweildauer der Flüssigkeit im RR der Mufflons (April 97: n = 2, Mai 97: n = 2, Juni 97: n = 3, Juli 97: n = 3, August 97: n = 1) wurde auch der SCFA-Gehalt analysiert. Dabei konnten tageszeitliche Schwankungen des Gehaltes an kurzkettigen Fettsäuren beim Mufflon beobachtet werden (Abb. 32). Die höchsten Werte wurden nachts (ca. 23.00 Uhr) und die geringsten Werte abends (ca. 18.00 Uhr) und morgens (ca. 4.00 Uhr) gemessen. Beim Reh konnte der Einfluß der Tageszeit auf den SCFA-Gehalt im Pansensaft aufgrund zu geringer Anzahl an Proben nicht untersucht werden.

Abb. 32: Gehalt an SCFA in Abhängigkeit von der Tageszeit (Beispiel: Mufflon Paul, 04./05.05.1997)


62

3.7.2. Veränderung des Gehaltes an kurzkettigen Fettsäuren in Abhängigkeit von der Jahreszeit

Bei beiden Tierarten wurden die höchsten Konzentrationen an kurzkettigen Fettsäuren im Pansensaft im Herbst und im Frühjahr gemessen, während die niedrigsten Gehalte im Winter bestimmt wurden (Abb. 33).

Es konnte ein hoch signifikanter Einfluß der Jahreszeit auf den Fettsäuregehalt im Pansen vom Mufflon nachgewiesen werden (Friedman Test, p = 0,0014, n = 5). Der Vergleich der einzelnen Jahreszeiten miteinander ergab, daß der Gehalt an kurzkettigen Fettsäuren im Herbst signifikant höher lag als im Winter (Dunn´s Test, n = 5).

Im Jahresmittel waren die SCFA-Konzentrationen beim Reh mit 60,33 ± 13,72 mmol * l-1 bedeutend niedriger als beim Mufflon mit 103,89 ± 22,12 mmol * l-1.

Abb. 33: Gehalt an kurzkettigen Fettsäuren im Pansensaft von Rehen und Mufflons (Probenentnahmezeiten: Reh: 20.00 - 01.00 Uhr, Mufflon: 10.00 - 15.00 Uhr)


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3.7.3. Gehalt an kurzkettigen Fettsäuren im Pansensaft im Jahresdurchschnitt

Im Pansensaft vom Reh wurden im Jahresmittel niedrigere Gehalte an Essig-, Butter-, iso-Butter-, Valerian- und iso-Valeriansäure im Vergleich zum Mufflon gemessen. Hingegen konnte bei der Konzentration an Propionsäure im Pansensaft kein Unterschied zwischen den beiden Tierarten festgestellt werden (Abb. 34 und 35).

Abb. 34: Gehalt an Essig-, Propion- und Buttersäure im Pansensaft von Rehen und Mufflons (Jahresmittelwert)

Abb. 35: Gehalt an iso-Butter-, Valerian- und iso-Valeriansäure im Pansensaft von Rehen und Mufflons (Jahresmittelwert)


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3.7.4. Molare Verteilung der kurzkettigen Fettsäuren im Jahresdurchschnitt

In den Abb. 36 und 37 sind die relativen Anteile der einzelnen Fettsäuren (Jahresmittelwert) bei Rehen und Mufflons dargestellt. Der Propionsäureanteil war beim Reh höher als beim Mufflon. Hingegen wurde beim Mufflon ein höherer Anteil an Butter-, Valerian-, iso-Butter- und iso-Valeriansäure als beim Reh ermittelt. Beim Essigsäure-Anteil an dem Gesamtfettsäuregehalt konnte kein Unterschied zwischen den beiden Tierarten festgestellt werden.

Abb. 36: Molare Anteile von Essig-, Propion-, und Buttersäure an dem Gesamtfettsäuregehalt im Pansensaft von Rehen und Mufflons

Abb. 37: Molare Anteile von iso-Butter-, Valerian- und iso-Valeriansäure an dem Gesamtfettsäuregehalt im Pansensaft von Rehen und Mufflons


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3.7.5. Verhältnis von Essigsäure zu Propionsäure im Pansensaft

Das Verhältnis von Essigsäure zu Propionsäure im Pansensaft vom Reh unterscheidet sich deutlich von dem beim Mufflon. Während beim Reh 2,3 ± 0,7 mal mehr Essigsäure als Propionsäure gemessen wurde, betrug beim Mufflon das Verhältnis Essigsäure zu Propionsäure im Pansensaft 3,4 ± 0,5 (Abb. 38).

Abb. 38: Verhältnis von Essigsäure und Propionsäure im Pansensaft bei Rehen und Mufflons (Jahresmittelwert)


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3.8. Einfluß von abweichenden Versuchsbedingungen

3.8.1. Trächtigkeit

Alle Parameter zur Ingestakinetik für die tragenden (April 1997) und nicht tragenden (April 1998) Mufflonschafe sind in der Tabelle 13 zusammengefaßt. Die Verweildauer von Partikeln im GIT und im RR war bei den tragenden Tieren kürzer als bei den nicht tragenden Tieren. Bei der Retentionszeit der Flüssigkeit im GIT, im RR und distal des RR, sowie beim Trockensubstanzgehalt im Kot und beim SCFA-Gehalt waren keine bedeutenden Unterschiede zu erkennen. Hingegen wurden bei den nicht tragenden Schafen höhere tägliche Kotmengen und einen bedeutend größeren Gehalt an unverdaulichem Material im GIT berechnet. Ein statistischer Vergleich konnte aufgrund der zu geringen Anzahl an trächtigen Tieren nicht erfolgen.

Tab. 13: Vergleich zwischen tragenden (n = 2) und nicht tragenden (n = 2) Mufflonschafen

tragend

nicht tragend

MRTFlüss.GIT (h)

19,37

21,24

MRTPart.GIT (h)

26,21

33,95

MRTFlüss.RR (h)

10,24

11,58

MRTPart.RR (h)

17,08

24,29

MRTdistal RR (h)

9,13

9,66

Selektivitätsfaktor

1,67

2,10

TS im Kot (%)

35,49

36,42

KotTS24h (g TS * d-1)

172,75

219,75

unverdaul. Material im GIT (g TS)

188,50

310,86

SCFA-Gehalt (mmol * l-1)

88,83

90,44


67

3.8.2. Narkosenachwirkungen

Die Tabelle 14 zeigt, daß es einen bedeutenden Unterschied zwischen den Meßergebnissen von Tieren ohne Narkose und mit Narkosenachwirkungen gibt. So wurden bei beiden Tieren, die am Vortag des Versuchsbeginnes eine Stunde in Narkose lagen, längere Retentionszeiten von Flüssigkeit und Partikeln im Ruminoretikulum und im gesamten Magen-Darm-Kanal und geringere Kotmengen ermittelt, als bei den Tieren, die keine Narkose hatten. Weiterhin konnte ein höherer Trockensubstanzgehalt im Kot als Narkosenachwirkung bestimmt werden.

Tab. 14: Vergleich zwischen Mufflons mit Narkosenachwirkungen und Mufflons ohne Narkose (Mittelwert) im gleichen Monat

Mufflon

mit Narkose

(Paul)

Juli 1997

Mufflons

ohne Narkose

(n = 3)

Juli 1997

Mufflon

mit Narkose

(Marie)

Juni 1998

Mufflons

ohne Narkose

(n = 3)

Juni 1998

MRTFlüss.GIT (h)

32,93

23,84

33,83

23,13

MRTPart.GIT (h)

47,06

34,43

56,75

36,15

MRTFlüss.RR (h)

13,19

9,56

13,23

12,62

MRTPart.RR (h)

27,32

20,14

36,15

25,64

MRTdistal RR (h)

19,74

14,28

20,60

10,51

Selektivitätsfaktor

2,07

2,12

2,73

2,03

TS im Kot (%)

49,07

41,52

52,67

44,33

KotTS24h (g TS * d-1)

173,7

222,3,8

59,5

239,7

unverdaul. Material

im GIT (g TS)

340,6

319,8

140,7

356,4

SCFA-Gehalt

(mmol * l-1)

137,79

109,49

47,74

103,07


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3.8.3. Extrem abweichende Fütterungsbedingungen

Beim Vergleich (Tab. 15) zwischen Tieren mit regelmäßiger Fütterung (tägliche Zusatzfütterung) und Tieren mit abweichender Fütterung (drei Tage ohne Fütterung, ab Versuchsbeginn tägliche Zusatzfütterung) konnten folgende Unterschiede festgestellt werden:

Bei den Tieren mit abweichender Fütterung wurden kürzere Verweilzeiten von Flüssigkeit und Partikeln im Gastro-Intestinal-Trakt und im Ruminoretikulum, größere Kotmengen und Gehalt an unverdaulichem Material im Magen-Darm-Kanal und einen geringeren Trockensubstanzgehalt im Kot gemessen. Der Gehalt an kurzkettigen Fettsäuren im Pansensaft war bei den Tieren mit abweichender Fütterung höher als bei den Tieren mit regelmäßiger Fütterung.

Tab. 15: Vergleich zwischen Tieren (Rehe: n = 2, Mufflons: n = 5) mit regelmäßiger Fütterung im Januar 1998 und abweichender Fütterung im Februar 1998 (Mittelwerte)

Rehe

Fütterung regelmäßig

Jan 98

Rehe

Fütterung abweichend

Feb 98

Mufflons

Fütterung regelmäßig

Jan 98

Mufflons

Fütterung abweichend

Feb 98

MRTFlüss.GIT (h)

20,68

17,05

29,70

22,85

MRTPart.GIT (h)

26,97

25,09

43,78

35,45

MRTFlüss.RR (h)

8,63

7,61

15,28

11,03

MRTPart.RR (h)

15,84

16,26

29,36

23,63

MRTdistal RR (h)

12,06

9,44

14,42

11,82

Selektivitätsfaktor

1,55

1,80

1,96

2,14

TS im Kot (%)

40,96

31,54

48,53

38,16

KotTS24h (g TS * d-1)

173,3

255,5

178,5

252,4

unverdaul. Material

im GIT (g TS)

207,8

259,5

312,1

359,4

SCFA-Gehalt (mmol * l-1)

67,09

100,31

74,83

91,96


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Mon Dec 20 17:41:01 1999