HAACKE , HEIKE: “Limnologische Charakterisierung ausgewählter Ackerhohlformen (Sölle) des nordostdeutschen Jungmoränengebietes als Grundlage von Schutzmaßnahmen“

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Kapitel 6. Zusammenfassung

Die vorgestellten Ergebnisse geben einen Überblick über die Planktonstruktur der Sölle in Beziehung zu Nährstoffdargebot, hydrologischen und physikalisch-chemischen Parametern. In Übereinstimmung mit einer Reihe von anderen Autoren (z.B. OLSCHOWSKY 1973, RINGLER 1976, HAMEL 1988, NIXDORF 1988, AMLONG 1992, KALETTKA 1996, DVWK 1998) zeigt sich, daß die untersuchten Sölle eine Fülle von Gemeinsamkeiten bzw. Besonderheiten aufweisen.

Jedes dieser Gewässer trägt eigene typische Charakterzüge. Trotz der großen Individualität lassen sich limnologisch ähnliche Kleingewässer statistisch signifikant zusammenfassen. Die Gruppe der "nährstoffärmeren, artenreichen Sölle" bestehend aus Barschpfuhl und Klaren Pfuhl ist durch hohe TN/TP-Verhältnisse und Dominanz der kleineren Zooplankter (Rotatorien) charakterisiert. Typisch für diese Sölle sind außerdem niedrige Nährstoffkonzentrationen, gute Sauerstoffsättigung, relativ geringe Leitfähigkeits- und Chlorophyll a-Werte und hohe Artendiversität des Phyto- und Zooplanktons. Die beiden Kleingewässer sind auf Grund ihrer Lage wesentlich geringer anthropogenen Einflüssen ausgesetzt. Der Barschpfuhl liegt in einem ausgedehnten Forstgebiet. Der Klare Pfuhl wird von einem ca. 20 m breiten, reich strukturierten Vegetationsgürtel umgeben, der ihn von der intensiv genutzten Ackerfläche trennt. An Hand der Ergebnisse dieser Gruppe wird die Bedeutung von Pufferzonen hinsichtlich der Wiederherstellung der Sölle als funktionsfähige Elemente im Landschaftsgefüge deutlich.

Für das "mineralreiche Soll mit hohem standing crop" (Soll 205) sind hohe Chlorophyll a- und Leitfähigkeitswerte charakteristisch. Typisch sind außerdem hohe Gesamtstickstoffkonzentrationen und geringe Phosphatgehalte. Dieses Gewässer weist über die gesamte Untersuchungsperiode gute Sauerstoffsättigungswerte auf. Im Phytoplankton dominieren wenige, stickstoffliebende bzw. mixotrophe Arten der Eugleno- und Cryptophyceae, die z.T. sehr hohe Biovolumina ausbilden. Geringe Abundanzen des Zooplanktons verdeutlichen in diesem Gewässer die untergeordnete Rolle der Primärkonsumenten bzw. einen erhöhten Fraßdruck der invertebrater Räuber. Insgesamt lassen die Ergebnisse auf hohe planktische Primärproduktionsüberschüsse und somit wenig funktionsfähige Nahrungsketten schließen. Das Gewässer wurde vor einigen Jahren entschlammt. Inwieweit diese Maßnahme zur Veränderung des Ökosystems beigetragen hat, ist auf Grund fehlender Untersuchungen vor der Sanierung schwer einzuschätzen. Da dieses Gewässer eng mit der Agrarlandschaft verzahnt ist, war ein hohes Potential von Nährstoffeintrag und -akkumulation zu erwarten. Die im Gegensatz dazu gemessenen niedrigen Phosphatgehalte lassen auf eine von KLAPPER (1992) beschriebene Verringerung der internen P-Belastung durch Freilegen von Sedimenten mit besserem Phosphatbindungsvermögen schließen. Die Schaffung eines Schutzstreifens ist anzustreben, um eine fortschreitende Nährstoffeintrag in das Soll zu verhindern.


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Der größte Teil der untersuchten Sölle wird der Gruppe der "nährstoffreichen Sölle", zugeordnet. Die Nährelemente Stickstoff, Phosphor und Silizium bestimmen diese Kleingewässer in charakteristischer Art und Weise. Als Gemeinsamkeiten sind die hohe Dynamik der ortho-Phosphatkonzentration und überwiegend niedrige TN/TP Verhältnisse zu nennen. Es ist ein deutlicher Zusammenhang von Sauerstoffzehrung und interner P-Freisetzung aus dem Sediment in diesen Gewässern zu erkennen. Auf Grund der sommerlichen Lemna-Bedeckung und dem daraus folgenden verminderten Lichtdargebot, ist die Phytoplanktonentwicklung hauptsächlich auf die Herbst- und Wintermonate beschränkt. Die Struktur der Mikroalgen ist durch Massenentwicklung einzelner stickstoffliebender Taxa geprägt. Auffällig ist das geringe Vorkommen, der in anderen Gewässern im Frühjahr und Herbst typischen, Diatomeen- und Chrysophyceen. Als Hauptursache ist der verstärkte Grazingdruck des Zooplankons zu nennen, da Silikat zu dieser Zeit in ausreichender Konzentration vorlag. Verminderte Chlorophyll a-Konzentrationen korrelieren mit erhöhten Abundanzen großer Zooplankter und führten in den Söllen zu mehr oder weniger ausgeprägten Klarwasserstadien. Sedimentationsverluste besonders der Diatomeen können bei fehlender Durchmischung des Wasserkörpers ebenfalls zur Verminderung der Populationsdichte beitragen. In der Gruppe der “nährstoffreichen Gewässer“ trägt jedes Soll trotzt der genannten Gemeinsamkeiten individuelle Züge. Das Soll 20* ist durch geringe Sauerstoffsättigungswerte, hohes ortho-Phosphataufkommen sowie ein sehr arten- und individuenarmes Plankton gekennzeichnet. Es ist zu vermuten, daß es durch das stark reliefierte Gebiet und die intensive Bewirtschaftung des Einzugsgebietes zu einer verstärkten Akkumulation von algiziden Stoffen gekommen ist. Eventuell einzuleitende Sanierungsmaßnahmen müßten sowohl auf die konsequente Verminderung des externen als auch die Reduzierung der internen Nährstoffeinträge zielen. Ein artenreiches Cladoceren- und Rotatorienplankton sowie geringe Chlorophyll a-Konzentrationen auf Grund der ausgeprägten Konkurrenz submerser Makrophyten sind für das Soll 203 und Soll 17F charakteristisch.

Ein Vergleich der Untersuchungsgebiete zeigt, daß die Sölle des Lietzen-Döbberiner Kleingewässerkette (S 20* und 17F*) im allgemeinen höhere Leitfähigkeiten, die durch hohe Chlorid- und Sulfatgehalte bedingt sind, aufweisen. Außerdem wurden in diesen Söllen vermindertere Sauerstoffsättigungswerte gemessen. Desweiteren zeichnen sie sich im Sommer durch überwiegend niedrigere Stickstoffkonzentrationen aus. Die potentielle Gefährdung durch Wassererosion ist in diesem Gebiet auf Grund der Dominanz größerer Sölle in einem stark reliefierten Einzugsgebiet wesentlich erhöht. Ein Vergleich dieser Aussage mit den Ergebnissen des Nährstoffdargebots zeigt, daß Phosphat vor allem im Sommer in erhöhten Konzentrationen zu finden war. Die gleichzeitig geringen Sauerstoffgehalte weisen auf reduktive Phosphatrücklösung aus dem Sediment hin und können nicht direkt mit erosivem Eintrag in Verbindung gebracht werden.


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In beiden Gebieten stellen die Sölle ein typisches Landschaftselement dar. Maßnahmen zur Erhaltung und dem Schutz dieser Kleingewässer sind daher empfehlenswert. Verschiedene effektive Schutzmaßnahmen können in den Gebieten gleichermaßen ohne großen Kosten- und Zeitaufwand umgesetzt werden. So z.B. die Schaffung von Pufferzonen, die Anpassung von Düngemitteleinsatz und Bewirtschaftungsweise an die Heterogenität der Böden und den Entwicklungszyklus bestimmter Pflanzen- und Tierarten. Dagegen muß in besonders sensiblen Bereichen, wie z.B. die Existenz echter Sölle, Vorkommen von Rote Liste-Arten oder vermehrtes Stoffeintragspotential ein höherer Schutzstatus Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen haben. In solchen Bereichen ist bei der Durchsetzung der Schutzmaßnahmen eine genaue Planung und kontrollierte Umsetzung in die Praxis bei entsprechenden finanziellen und wirtschaftlichen Aufwand notwendig. Da sich in den meisten Fällen eine grundlegende Veränderung der Gebietsstruktur ergibt, hat die Information und Kommunikation mit den Landbewirtschaftern und der Bevölkerung Vorrang. Nur wenn die Menschen die Bedeutung der Sölle als “Augen der Landschaft“ erkennen, sind sie bereit, Veränderungen zu ihrem Schutz zu akzeptieren, zu unterstützen, selbst durchzuführen und zu vertreten.


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