Wieske, Martin: Beiträge zur Struktur und Funktion des kleinen Säuger-Streßproteins HSP25 unter besonderer Berücksichtigung der Wechselwirkung mit Actin

25

Kapitel 3. Ergebnisse

3.1 Isolierung von HSP25

Die Isolierung von HSP25 erfolgte in Anlehnung an Benndorf et al. (1992) aus EAT-Zellen der Maus in der stationären Wachstumsphase (Bielka et al., 1994; Benndorf et al., 1988a). Dabei wurde besonderes Augenmerk auf eine schonende Behandlung der Präparate gelegt, um das Protein in möglichst nativer Form zu gewinnen. Die Isolierung erfolgte über eine Ammoniumsulfatpräzipitation und drei Chromatographieschritte. Nach dem Zellaufschluß wurden die EAT-Zellextrakte schockgefroren und für die weitere Aufreinigung dann pro Präparation ca. 50 ml aufgetaut. Die Fällung mit Ammoniumsulfat erfolgte bei einer Sättigung von 45%. Bei der anschließenden Dialyse des Niederschlags zeigte sich, daß nicht mehr alle Proteine in Lösung gingen. Die elektrophoretische Analyse dieser unlöslichen Komponenten ergab, daß es sich dabei um Fremdproteine handelte. Durch Abzentrifugation des Dialysates wurden diese Aggregate entfernt und damit ein zusätzlicher Reinigungseffekt erzielt. Der erste Chromatographieschritt bestand in einer Auftrennung des Dialysats über eine DEAE52-Säule. Zur Elution wurde ein Gradient von 0-250 mM NaCl verwendet (Abb. 3.1 A). Benndorf et al. (1994) verwendeten bei der Reinigung von HSP25 aus EAT-Zellen an dieser Stelle eine Phenylsepharose-Säule, die die Verwendung von Triton X-100, einem starken Detergens, notwendig macht. Da Triton X-100 eine Veränderung der nativen Struktur der HSP25-Komplexe bewirken könnte und Vorversuche zeigten, daß sie nur wenig effektiv bei der Reinigung von HSP25 ist, wurde hier auf diese Säulenart verzichtet. Die HSP25-haltigen Fraktionen aus der DEAE52-Elution wurden dialysiert und auf eine Hydroxylapatit-Säule aufgetragen. Unter den in Kapitel 2.1.4 beschriebenen Bedingungen bindet HSP25 nicht an die Säule und wird damit von den Proteinen abgetrennt, die eine Affinität zu dem Säulenmedium aufweisen (Abb. 3.1 B).

Aus Vorversuchen mit alternativen Säulen ergab sich, daß eine weitere Aufreinigung von HSP25 mittels einer Chromatofokussierung über eine Mono P-Säule zwar sehr effektiv ist, daß aber nach diesem Präparationsschritt kaum noch supramolekulare Komplexe vorhanden waren und daß das Protein die Actinpolymerisation nicht hemmte. Anschließende Analysen mittels zweidimensionaler SDS-PAGE (nicht gezeigt) belegten, daß das auf diese Weise gewonnene Material überwiegend unphosphoryliertes HSP25 war, das nach den Befunden von Benndorf et al. (1994) einen hemmenden Einfluß auf die Actinpolymerisation haben sollte. Da das Protein bei der Chromatofokussierung im Bereich des isoelektrischen Punktes (pI = 6,12) von der Säule gewaschen wird, ist es möglicherweise denaturiert. Es wurde deshalb auf die Mono P-Säule verzichtet und statt dessen im Anschluß an die Hydroxylapatit-Säule eine Mono Q-Säule eingesetzt. Dies hatte zusätzlich den Vorteil, daß die Proben vor dem Lauf nicht erneut dialysiert werden mußten. Die Elution der Proteine von der Mono Q-Säule erfolgte mit einem Gradienten von 0-400 mM NaCl, die HSP25-haltigen Fraktionen wurden bei 100-200 mM NaCl eluiert (Abb. 3.1 C).


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Abb. 3.1: FPLC-Chromatogramme der Aufreinigungsschritte des nativen HSP25
Trennung der Präparate nach: A, DEAE52-Säule; B, Hydroxylapatit-Säule; C, Mono Q-Säule. In den Elutionsprofilen sind die Absorption der Eluate bei 280 nm (\|[boxh ]\|) und der Verlauf des Gradienten (---) aufgezeichnet. Die gekennzeichneten Flächen im Elutionsprofil markieren die zur weiteren Aufreinigung verwendeten Fraktionen. Dabei entspricht jede senkrechte Linie einer Fraktion.

Abb. 3.2 zeigt den Fortgang der Aufreinigung anhand der Proteinmuster der einzelnen Reinigungsschritte. Die Identifizierung von HSP25 mit Hilfe des monospezifischen Antikörpers ist ebenfalls in Abb. 3.2 dargestellt. Die in dem Western-Blot erkennbaren Unterbanden stellen vermutlich Abbauprodukte von HSP25 dar. Sie sind nach der Hydroxylapatit-Säule nicht mehr zu erkennen. Nach der Reinigung über die Mono Q-Säule ist auf dem SDS-Gel nur noch eine Bande bei ca. 25 kDa zu erkennen. Damit gelang es, HSP25 mit nur drei Chromatographieschritten in einem elektrophoretisch sauberen Zustand zu isolieren. Tab. 3.1


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zeigt die Bilanz einer repräsentativen Präparation. HSP25 wurde im Vergleich zum EAT-Lysat ca. 55-fach angereichert. Dieser Reinigungsfaktor besagt indirekt, daß HSP25 in EAT-Zellen der stationären Wachstumsphase etwa 1,8% des Gesamtproteins ausmacht. Dies steht in guter Übereinstimmung mit älteren Daten, nach denen HSP25 als eines der prominentesten Proteine in Ehrlich-Ascites-Tumoren dieses Stadiums ca. 1% der Zellproteine umfaßt (Benndorf et al, 1988a).

Tab. 3: Bilanz einer repräsentativen HSP25-Präparation
Eine typische Präparation umfaßte etwa 8 x 109 EAT-Zellen.

Reinigungsschritt

Proteinmenge (mg)

Reinigungsfaktor

Ausbeute (%)

EAT-Lysat

175

1

100

Ammoniumsulfat-Fällung

64

3

44

DEAE 52

14,4

4

35

Hydroxylapatit

1,4

20

8

Mono Q

0,4

55

5

Der Einfluß des nach diesem Schema isolierten HSP25 auf die in vitro Actinpolymerisation wird in Kapitel 3.3.1 behandelt. Eine weitere Auftrennung der in dieser Präparation enthaltenen unterschiedlich großen supramolekularen Komplexe mittels Zentrifugation über einem Saccharosekissen (Kapitel 2.1.6) bildete die Basis für Strukturanalysen mittels Elektronenmikroskopie und hydrodynamischen Methoden (siehe Kapitel 3.2.1).

Abb. 3.2: Proteinmuster der Proben und Nachweis von HSP25 nach den einzelnen Reinigungsschritten
SDS-PAGE (oben) und Western-Blot (unten) der Präparate nach der Lyse der EAT-Zellen (Bahn 1), Ammoniumsulfat-Fällung (Bahn 2), DEAE-Zellulose-Säule (Bahn 3), Hydroxylapatit-Säule (Bahn 4) und Mono Q-Säule (Bahn 5). Der Pfeil markiert die Position der HSP25-Bande.Abb. 1:


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3.2 Struktur von HSP25

3.2.1 Natives HSP25

3.2.1.1 Elektronenmikroskopische Untersuchungen

Das aus EAT-Zellen isolierte HSP25 enthält sowohl niedermolekulares Material als auch HSP25-Komplexe verschiedener Größe. Die hochmolekularen HSP25-Komplexe konnten von den HSP25-Monomeren (Überstand oder Fraktion 1) wie in Kapitel 2.1.6 beschrieben abgetrennt werden. Die Komplexe bestanden jedoch nicht aus einer einheitlichen Fraktion, sondern aus mindestens drei verschiedenen Größenklassen. Diese wurden mittels einer Sepharose 6B-Säule voneinander getrennt, so daß insgesamt vier Fraktionen untersucht wurden. Bei der elektronenmikroskopischen Analyse negativkontrastierter Präparate dieser Fraktionen ergab sich das folgende Bild: Der Überstand (Fraktion 1) enthält nur niedermolekulares Material (Abb. 3.3 A), hochmolekulare Komplexe waren nicht zu erkennen. Die anderen, durch Säulenchromatographie aufgetrennten Fraktionen, unterschieden sich kaum in ihrem elektronenmikroskopischen Erscheinungsbild. Sie beinhalten ringförmige Komplexe mit einem Durchmesser von ca. 16 nm, in deren Mitte (ca. 8 nm im Durchmesser) eine Anreicherung von Kontrastmittel zu erkennen ist (Abb. 3.3 B). Die Ablagerung von Kontrastmittel in diesem zentralen Bereich läßt auf eine Vertiefung oder einen Hohlraum schließen, wobei der Kontrastierungsgrad dieser Struktur deutlich variierte.

Um eine genauere Vorstellung von der Feinstruktur dieser Komplexe gewinnen zu können, wurde eine Bildanalyse mit Hilfe des Programmes IMAGIC-5 durchgeführt. Die resultierenden Klassenmittel, die verschiedenen Ansichten der HSP25-Komplexe entsprechen, sind in Abb. 3.4 A gezeigt. Diese Ansichten weisen ein rundes, ringförmiges Profil mit uneinheitlich strukturiertem Zentrum auf. Die Klassenmittel aus der mittleren Reihe erscheinen dabei etwas kompakter als die anderen Ansichten. Die während der MSA (Multivariate Statistische Analyse) generierten Eigen-Bilder deuten auf eine vierfache, zweifache und zum Teil auch achtfache Symmetrie der HSP25-Komplexe hin (siehe Abb. 3.4 B). Dabei stellt das erste Eigen-Bild die Summe des alignierten Datensatzes dar, wohingegen die folgenden drei eine leichte Kippung der Moleküle zum Untergrund, also der Trägerfolie, widerspiegeln. Aufgrund einer bevorzugten Orientierung der Komplexe wurden sehr viele `Ansichten´ von oben und nur wenige von der Seite gefunden. Darum konnte auf der Basis dieser Daten eine dreidimensionale Struktur nicht berechnet werden. Die Punktgruppensymmetrie der HSP25-Komplexe konnte nicht zweifelsfrei ermittelt werden, jedoch wird aus dem vorhandenen Datensatz deutlich, daß im Falle des nativen HSP25 die Komplexe eine ringförmige Struktur aufweisen und keine dicht gepackten Assoziate bilden, wie sie für rekombinantes HSP25 beschrieben wurden (Behlke et al., 1991).


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Abb. 3.3: Elektronenmikroskopische Darstellung von nativem HSP25
A, niedermolekulares HSP25. B, HSP25-Komplexe. Die Meßbalken weisen eine Länge von 50 nm auf. Vergrößerung 235.000 x.


Abb. 3.4: Ergebnisse der Strukturanalyse der negativ kontrastierten HSP25-Komplexe
A, Galerie charakteristischer Ansichten von HSP25-Komplexen. Die Ansichten entsprechen aufsummierten und gemittelten Einzelbildern. B, Die ersten 12 Eigen-Bilder, die bei der Bildverarbeitung generiert wurden. Die Symmetrie-Eigenschaften des Datensatzes treten in der mittleren und unteren Reihe zutage.


3.2.1.2 Hydrodynamische Untersuchungen

Die verschiedenen HSP25-Fraktionen, die nach der Zentrifugation und abschließenden Chromatographie über eine Sepharose 6B-Säule erhalten wurden, wurden wie in Kapitel 2.8 geschildert mit Hilfe der analytischen Ultrazentrifuge untersucht. Der Überstand (Fraktion 1) enthielt in Übereinstimmung mit der elektronenmikroskopischen Analyse nur niedermolekulares Material, das durch einen Sedimentationskoeffizienten von 2,5 S und einen Diffusionskoeffizienten von 10,1 x 10-7 cm2/s gekennzeichnet ist (Abb. 3.5 A). Unter


30

Verwendung der Svedberg-Gleichung konnte für diese Fraktion ein Molekulargewicht von 23 kDa ermittelt werden. Dies stimmt gut mit dem aus der Aminosäurezusammensetzung ermitteltem Wert für HSP25 überein (23.014 Dalton) und läßt darauf schließen, daß der Überstand monomeres HSP25 enthält. Das Reibungsverhältnis von 1,126 (siehe Gleichung 2 in Kapitel 2.8) belegt die annähernd kugelförmige Gestalt der HSP25-Monomere. Unter Kenntnis des Molekulargewichtes und des partiellen spezifischen Volumens von HSP25 kann für diese Moleküle ein Radius von etwa 1,9 nm angenommen werden.

Abb. 3.5: Grafiken zur Bestimmung der Sedimentations- und Diffusionskoeffizienten
Alle Diffusionsexperimente wurden bei einer Drehzahl von 6.000 U/min durchgeführt. XWP steht für den Betrag der Verbreiterung der wandernden Grenzschicht am 16 bzw. 84%-Wert des Plateaus. A, Bestimmung des Sedimentations- und Diffusionskoeffizienten des Überstands der HSP25-Präparation. Die Rotorgeschwindigkeit für die Sedimentation betrug 40.000 U/min. B, Bestimmung des Sedimentations- und Diffusionskoeffizienten von Fraktion 2. Die Rotorgeschwindigkeit für die Sedimentation betrug 30.000 U/min. C, Bestimmung der Sedimentationskoeffizienten von Fraktion 2 () und 3 (). Die Trennung der beiden Fraktionen war nach ca. 50 min möglich. Die Rotorgeschwindigkeit betrug 20.000 U/min. D, Bestimmung des Sedimentations- und Diffusionskoeffizienten von Fraktion 4. Die Rotorgeschwindigkeit für die Sedimentation betrug 20.000 U/min.


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Für die mittels Säulenchromatographie partiell getrennten Fraktionen wurden die folgenden Ergebnisse erzielt. Fraktion 2 weist einen Sedimentationskoeffizienten von 8,5 S und einen Diffusionskoeffizienten von 4,5 x 10-7 cm2/s auf (Abb. 3.5 B). Daraus geht eine molekulare Masse von ca. 180 kDa hervor, was etwa dem achtfachen Wert der HSP25-Monomere entspricht. Von Fraktion 3 konnte nur eine geringe Menge isoliert werden. Aus diesem Grund war eine Bestimmung des Diffusionskoeffizienten nicht möglich. Diese Fraktion wies einen Sedimentationskoeffizienten von 14,0 S auf (Abb. 3.5 C). Ein Vergleich der Sedimentationskoeffizienten von Fraktion 2 und 3 (nach Gleichung 4 in Kapitel 2.8) deutet darauf hin, daß das Material aus Fraktion 3 Dimeren der Fraktion 2 entspricht. Fraktion 4 ist gekennzeichnet durch einen s20,W-Wert von 21,8 S und einem D20,W-Wert von 2,8 x 10-7 cm2/s (Abb. 3.5 D). Die resultierende molekulare Masse von 740 kDa übersteigt diejenige des monomeren HSP25 32-mal. Die HSP25-Komplexe scheinen Mitglieder einer polymer homologen Reihe (vgl. Gleichung 5 in Kapitel 2.8) mit einem ks-Wert von 2,56 x 10-3 S x Mol/g und einem as-Wert von 0,67 zu sein, was für globuläre Komplexe spricht (Cox, 1969). Im Vergleich zu den HSP25-Monomeren sind die Sedimentationskoeffizienten der Komplexe jedoch zu klein. Die ringförmige Struktur, wie sie im vorherigen Abschnitt durch die elektronenmikroskopische Auswertung ermittelt wurde, könnte diese Diskrepanz erklären, denn das größere Oberflächen/Volumen-Verhältnis der ringförmigen Komplexe bedingt ein im Vergleich zur kompakten Kugelform der Monomere relativ kleinen s20,W-Wert.

3.2.1.3 Ableitung eines Strukturmodells für natives HSP25

Auf der Basis der elektronenmikroskopischen und hydrodynamischen Daten wurde versucht, die Struktur der multimeren Komplexe des nativen HSP25 zu modellieren. Mit Hilfe des Programmes HYDRO (Garcia de la Torre et al., 1994) und unter Verwendung von vorgegebenen Daten für die Molmasse der Komplexe, der Anzahl, Größe und Koordinaten der Monomere sowie des Auftriebsterms wurden verschiedene Anordnungen der Monomere (angenommener Radius = 1,9 nm) konstruiert. Neben anderen Parametern wurden mit diesem Programm auch die theoretischen Sedimentations- und Diffusionskoeffizienten für die jeweiligen Modelle ermittelt. Ein gute Übereinstimmung der theoretischen mit den experimentell ermittelten Werten konnte mit einem Modell erreicht werden, bei dem die Komplexe aus gestapelten Ringen mit je acht Monomeren bestehen. In Abb. 3.6 sind die Monomere und die Modell-Komplexe aus je einem, zwei oder vier Ringen mit den für sie berechneten Parametern dargestellt und den experimentell ermittelten Werten der vier Fraktionen gegenübergestellt. Das Vier-Ring-Modell repräsentiert den Aufbau der Komplexe aus der vierten Fraktion und entspricht der vorherrschenden Form der nativen Komplexe. Es ist gekennzeichnet durch einen Sedimentationskoeffizienten von 22 S, einen Diffusionskoeffizienten von 2,9 F und ein Molekulargewicht von 736 kDa bei einem Durchmesser von 14 nm und einer Höhe von 16 nm (Behlke et al., 1995).


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Abb. 3.6: Strukturmodell für die aus EAT-Zellen aufgereinigten HSP25-Komplexe
Modelle der dreidimensionalen Struktur der HSP25-Komplexe mit den dazugehörigen experimentell (ohne Klammern) und rechnerisch (in Klammern) bestimmten Parametern. Die Dimension [F] steht für 10-7cm2/s, _ für Durchmesser und h für Höhe. n.b. = nicht bestimmt.

3.2.2 Rekombinantes HSP25 und HSP25-Mutanten

Im Labor von M. Gaestel (MDC, Berlin) wurden in E. coli neben den Wildtypen (wt) die folgenden Mutanten des murinen und des menschlichen HSP25 kloniert und isoliert:

  1. HSP25-DeltaC18: C-terminal um 18 Aminosäuren verkürztes HSP25 der Maus
  2. HSP25-S15D: menschliches HSP25 mit Aspartat statt Serin an Position 15
  3. HSP25-S15,78D: menschliches HSP25 mit Aspartat statt Serin an Position 15 und 78
  4. HSP25-S15,78,82D: menschliches HSP25 mit Aspartat statt Serin an Position 15, 78 und 82

Die stufenweise Ersetzung der phosphorylierbaren Serine 15, 78 und 82 durch Aspartate wurde vorgenommen, um eine Phosphorylierung an diesen Positionen zu imitieren. Darüber hinaus wurde zum


33

Vergleich das menschliche Wildtyp-Protein in vitro mit Hilfe der MAPKAP-Kinase 2 vollständig phosphoryliert (HSP25-P). Alle rekombinanten HSP25- Präparate wurden hinsichtlich des Assoziationsgrades der Komplexe untersucht und mit dem Wildtyp verglichen. Hier wurden die Elektronenmikroskopie und ein Bildauswertungsverfahren zur Quantifizierung der Partikelgrößen eingesetzt.

3.2.2.1 Elektronenmikroskopische Untersuchungen

Elektronenmikroskopische Untersuchungen wurden mit dem HSP25-Wildtyp und der HSP25-DeltaC18-Mutante der Maus sowie dem HSP25-Wildtyp, der S15D-Mutante, der S15,78D-Mutante, der S15,78,82D-Mutante und dem in vitro phosphorylierten HSP25-Wildtyp des Menschen durchgeführt. Die Komplexe beider HSP25-Wildtypen erscheinen nach Negativkontrastierung als mehr oder weniger globuläre Komplexe mit ca. 15 bis 20 nm Durchmesser (Abb. 3.7 A und Abb. 3.8 A). Nur ein sehr geringer Teil der Komplexe ist kleiner als 10 nm. Die Komplexe der DeltaC18-Mutante ähneln denen des Wildtyps. Lediglich die Größenverteilung der Komplexe erscheint hier etwas uneinheitlicher (Abb. 3.7 B). Damit wird klar, daß der C-terminale Teil der Proteins keinen entscheidenden Einfluß auf die Quartärstruktur der Komplexe besitzt. Im Präparat der S15D-Mutante (Abb. 3.8 B) sind die Komplexe im Vergleich zum Wildtyp etwas unregelmäßiger im Umriß und es erscheinen mehr kleinere Komplexe. Dem sehr ähnlich stellt sich das Präparat der S15,78D-Mutante dar (Abb. 3.8 C). Die Tendenz zur Ausbildung kleiner Komplexe setzt sich bei dieser Mutante fort. Im Falle der Dreifach-Mutante S15,78,82D (Abb. 3.8 D) sind die Komplexe deutlich kleiner. Die Mehrzahl hat nur noch einen Durchmesser von 5 bis 10 nm. Lediglich vereinzelte Komplexe weisen die gleiche Größe wie diejenigen des Wildtyps auf. Auffällig sind die vielen länglichen Strukturen in diesem Präparat, möglicherweise eine spezielle Form der HSP25-Komplexe. Nahezu das gleiche Bild ergibt sich bei dem Präparat des in vitro phosphorylierten Wildtyps (Abb. 3.8 E). Auch hier sind hauptsächlich kleine Komplexe und nur wenige mit 15 bis 20 nm Durchmesser zu finden. Diese Daten zeigen eindeutig, daß der Phosphorylierungszustand die Größenverteilung der HSP25-Komplexe beeinflußt. Die Tendenz zur Ausbildung kleinerer Komplexe wird dabei schon durch den Austausch eines Serins erkennbar, aber erst bei der vollständigen Mutagenese aller phosphorylierbaren Reste, bzw. der vollständigen Phosphorylierung des Wildtyp-Proteins, wird die Ausbildung der hochmolekularen Komplexe nahezu vollständig unterbunden.

Daß die Dreifach-Mutante denselben Phänotyp zeigt wie der phosphorylierte Wildtyp, belegt eindrucksvoll die gelungene Imitation der Phosphorylierung durch den Austausch der Serine in Aspartate. Diese Befunde belegen die Bedeutung der Phosphorylierung für die Quartärstruktur von HSP25 und sprechen damit für eine Regulation der Funktion von HSP25 über die supramolekulare Organisation.


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Abb. 3.7: Elektronenmikroskopische Darstellung von rekombinantem murinem HSP25
A, HSP25-Wildtyp. B, HSP25-DeltaC18-Mutante. Die Proteinkonzentration betrug bei beiden Präparaten 0,1 mg/ml. Die Meßbalken weisen eine Länge von 50 nm auf. Vergrößerung 270.000 x.


3.2.2.2 Statistische Analyse der Partikelgrößen

Die elektronenmikroskopischen Aufnahmen der verschiedenen rekombinanten HSP25-Spezies wurden mit Hilfe des Programmes analySIS (Soft Imaging System GmbH, Münster) hinsichtlich der Größenverteilung der Partikel analysiert (Zur Methodik siehe Kapitel 2.7.2.3). Um die Proben miteinander vergleichen zu können, wurde bei der Herstellung aller Präparate die gleiche Proteinkonzentration (0,1 mg/ml) eingesetzt und die gleiche Auftragungszeit gewählt. Eine statistische Auswertung der Ergebnisse der Partikelanalyse in den Präparaten des Wildtyps und der Mutanten des HSP25 des Menschen ist in Tab. 3.2 zusammengefaßt. Ausgehend vom mittleren Durchmesser der Wildtyp HSP25-Komplexe wurde das Volumen einer entsprechenden Kugel berechnet. Unter Verwendung des partiellen spezifischen Volumens (0,7326 ml/g für HSP25) und basierend auf der Annahme, daß eine hexagonale Packung der Monomere mit einer Packungsdichte von 74% vorliegt, konnte dann das Molekulargewicht der zur Kugel approximierten Komplexe und damit die Anzahl der HSP25-Monomere in den Komplexen abgeschätzt werden. Die hexagonale Anordnung der Monomere entstammt dem Strukturmodell einer früheren Untersuchung von rekombinanten HSP25-Komplexen von Behlke et al. (1991), nach der die Hauptfraktion der Wildtyp-Komplexe aus 32 kugelförmigen Monomeren besteht. Unter Annahme dieser Anordnung korrespondieren die fünf Haupt-Größenklassen der Wildtyp-Komplexe (Klassen im Größenbereich von 100 bis 200 nm2) bei einem mittlerem Durchmesser von ca. 14 bis 18 nm mit einer Anzahl von etwa 24 bis 54 HSP25-Molekülen. Im Mittel sind das etwa 38 Monomere pro HSP25-Komplex.


35

Abb. 3.8: Elektronenmikroskopische Darstellung von rekombinantem menschlichem HSP25
A, HSP25-Wildtyp. B, HSP25-S15D. C, HSP25-S78,82D. D, HSP25-S15,78,82D. E, phosphoryliertes wt-HSP25. Die Proteinkonzentration betrug bei allen Präparaten 0,1 mg/ml. Die Meßbalken weisen eine Länge von 50 nm auf. Vergrößerung 270.000 x.






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Die hier bestimmte mittlere Größe der HSP25-Komplexe ist damit etwas größer als die des Modells von Behlke et al. (1991). Die Analyse der HSP25-Komplexe erfolgte in der vorliegenden Untersuchung an elektronenmikroskopischen Präparaten, die mit Hilfe der Doppelfilmtechnik hergestellt wurden. Dabei kann es zu einer Abflachung der Objekte zwischen den Filmen und damit zu einer Vergrößerung des Durchmessers kommen. Außerdem wurde für die Form der Komplexe eine Kugel, also das größtmögliche Volumen bei gegebenem mittlerem Durchmesser, angenommen. Unter Berücksichtigung dieser Fehlerquellen ergibt sich für die Größe der HSP25-Komplexe eine gute Übereinstimmung mit dem von Behlke et al. (1991) aufgestellten Modell. Insgesamt spiegelt die statistische Auswertung mit Hilfe des Bildverarbeitungsprogrammes die visuell erkennbaren Unterschiede der Präparate sehr gut wieder. Sie zeigt aber auch, daß in allen Präparaten neben den hauptsächlich vertretenen Größenklassen eine große Bandbreite an verschieden großen Komplexen vertreten ist.

Tab. 4: Statistische Auswertung der Partikelgrößen von HSP25-Wildtyp und -Mutanten
Ausgewertet wurde der einer Fläche von 1 µm² entsprechende Bereich einer repräsentativen elektronenmikroskopischen Aufnahme der jeweiligen Mutante. Insgesamt wurden 3156 (wt), 4838 (S15D), 6363 (S78,82D), 8113 (S15,78,82D) bzw. 7709 (HSP25-P) Komplexe detektiert. Die fünf Klassen mit der größten Anzahl von Partikeln jeder HSP25-Spezies sind grau unterlegt.

Größen-bereich der Partikel

Flächenanteil der Partikelklassen

Mittlerer Durchmesser von wt-HSP25

Berechnete molekulare Masse

Berechnete Anzahl an HSP25-Monomeren

 

HSP25

wt

HSP25

S15D

HSP25

S78,82D

HSP25

S15,78,82D

HSP25

P

 

 

 

Nm²

%

nm

kDa

 

0 - 20

2,9

6,4

11,1

15,2

15,0

3,8

11

0,5

20 - 40

2,2

7,8

11,8

19,7

18,1

7,9

72

3,2

40 - 60

2,1

7,2

10,7

17,8

15,9

10,2

164

7,3

60 - 80

3,1

7,8

9,7

14,5

14,0

11,9

271

12,0

80 - 100

5,9

8,2

9,4

9,8

9,6

12,9

396

17,6

100 - 120

9,6

9,3

10,1

6,9

6,6

14,0

536

23,8

120 - 140

13,2

9,3

11,3

4,6

5,2

14,9

687

30,5

140 - 160

15,4

9,1

9,7

3,4

4,1

16,0

847

37,7

160 - 180

15,2

10,8

6,3

3,1

2,6

17,0

1012

45,0

180 - 200

10,6

7,0

3,9

1,3

2,3

17,9

1204

53,5

200 - 220

6,1

5,4

2,2

0,9

1,7

19,3

1393

61,9

220 - 240

5,2

3,0

1,0

0,7

1,1

20,2

1591

70,7

> 240

8,6

8,6

2,7

2,2

3,8

23,2

2164

96,2

 

100,0

100,0

100,0

100,0

100,0

 

 

 


37

3.3 Wechselwirkung von kHSPs mit Actin

3.3.1 Hemmung der Actinpolymerisation durch kHSPs und HSP25-Mutanten

Zur Messung der Actinpolymerisation wurde Pyrenyl-markiertes G-Actin verwendet, das durch die Zugabe von Actin-Keimen und Salzen zur Polymerisation gebracht wird. Die fortschreitende Polymerisation des Actins wurde in einem Fluoreszenzphotometer als Anstieg in der Fluoreszenzintensität registriert (siehe Kapitel 2.9). Unter den gewählten Bedingungen ist der Start der Polymerisation von der Gegenwart von Actin-Keimen abhängig (Pollard, 1983) (Abb. 3.9 A, Kurve 1). Der Verzicht auf die Keime resultiert in einer verlängerten Verzögerungsphase der Polymerisation (Abb. 3.9 A, Kurve 2).

In Abb. 3.9 B ist der Einfluß von nativem HSP25 auf die Actinpolymerisation dargestellt. Die Hemmung der Actinpolymerisation durch dieses Präparat ist deutlich zu erkennen (Kurve 2). Das isolierte HSP25 liegt nach den schon dargelegten elektronenmikroskopischen und hydrodynamischen Analysen (vgl. Kapitel 3.2.1) zum Teil als Monomer vor, und diese Fraktion ist wahrscheinlich für die Hemmung der Actinpolymerisation verantwortlich. Die abgeschätzte Aktivität dieser HSP25-Fraktion liegt bei ca. der Hälfte des von Benndorf et al. (1994) ermittelten Wertes, was mit der fehlenden Auftrennung dieser Probe in die einzelnen HSP25-Spezies erklärt werden kann. Die für diese Versuche notwendigen Mengen an Monomeren wurden hier nicht noch einmal isoliert.

Abb. 3.9: Hemmung der Actinpolymerisation durch kHSPs und HSP25-Mutanten
A, Actinpolymerisation (50 µg/ml G-Actin = 1,16 µM) ohne (Kurve 1) oder mit 4,3 µg/ml (= 0,1 µM) Actin-Keimen (Kurve 2). B, Actinpolymerisation (50 µg/ml G-Actin) unbeeinflußt (Kurve 1) oder in Anwesenheit eines zweifachen molaren Überschusses an nativem HSP25 (Kurve 2). C, Actinpolymerisation (50 µg/ml G-Actin) unbeeinflußt (Kurve 1) oder in Anwesenheit eines 20-fachen molaren Überschusses an humanem HSP25 (Kurve 3), murinem HSP25-DeltaC18 (Kurve 2, nur 10-facher Überschuß) bzw. humanem HSP25-S15,78,82D (Kurve 4).


38

Parallel zum nativen HSP25 wurden alphaB-Crystallin (kommerzielles Produkt von Sigma, Deisenhofen), rekombinantes murines und humanes HSP25 sowie die in Kapitel 3.2.2 beschriebenen Mutanten im Actinpolymerisations-Assay verwendet. Bei diesen Versuchen blieben sowohl alphaB-Crystallin als auch alle rekombinanten Proteine ohne Wirkung. Stellvertretend ist in Abb. 3.9 C die Actinpolymerisation in Anwesenheit eines 20-fachen molaren Überschusses an rekombinantem Wildtyp-HSP25 des Menschen und der Dreifach-Mutante (HSP25-S15,78,82D), bzw. eines 10-fachen molaren Überschusses an der Mutante mit dem verkürzten C-Terminus (HSP25-DeltaC18) dargestellt.

Da sowohl das rekombinante HSP25 als auch alphaB-Crystallin hauptsächlich als hochmolekulare Komplexe vorliegen, deuten die Ergebnisse darauf hin, daß diese Proteine aufgrund ihres Assoziationszustandes nicht in der Lage sind, die Actinpolymerisation zu hemmen. Interessanterweise bildet die Mutante mit den drei Aminosäureaustauschen keine hochmolekularen Komplexe mehr (vgl. Kapitel 3.2.2), so daß hier die Proteine als Mono- bis Oligomere mit simulierter Phosphorylierung vorliegen. Da auch diese Mutante die Actinpolymerisation nicht hemmt, wird die Hypothese bestätigt, daß für die Funktion als Inhibitor der Actinpolymerisation zumindest in vitro nur die monomeren nichtphosphorylierten HSP25-Moleküle verantwortlich sind.

3.3.2 Hemmung der Actinpolymerisation durch Peptide von kHSPs

Um zu analysieren, welche Teile des HSP25-Moleküles hauptverantwortlich für die inhibitorische Wirkung bei der Actinpolymerisation sind, wurde eine Peptid-Bibliothek synthetisiert, die die gesamte Aminosäuresequenz des Proteins in Form von sich überlappenden Peptidsequenzen umfaßt. Als Kriterium für die Synthese wurde eine Peptidlänge von 15 Aminosäuren und eine Überlappung von ca. fünf Aminosäuren zugrundegelegt. In Tab. 3.3 sind die entsprechenden Peptidsequenzen aufgelistet.

Tab. 5: Peptid-Bibliothek der HSP25-Sequenz
Peptid 1 repräsentiert den N-Terminus und Peptid 22 den C-Terminus des Proteins. Die Peptide haben überlappende Enden von 4-7 Aminosäuren und wurden bis auf die Peptide 1, 2 und 10 als 15mer synthetisiert. Die nicht mit Nachbarpeptiden überlappenden Regionen sind durch Fettdruck hervorgehoben.

Peptid

Rest

Sequenz

Rest

1

1

MTERRVPFSLLR

12

2

7

PFSLLRSPSWEP

18

3

14

PSWEPFRDWYPAHSR

28

4

24

PAHSRLFDQAFGVPR

38

5

34

FGVPRLPDEWSQWFS

48

6

43

WSQWFSAAGWPGYVR

57

7

53

PGYVRPLPAATAEGP

67

8

63

TAEGPAAVTLAAPAF

77

9

73

AAPAFSRALNRQLSS

87

10

83

RQLSSGVSEIRQTA

96

11

92

IRQTADRWRVSLDVN

106

12

102

SLDVNHFAPEELTVK

116

13

112

ELTVKTKEGVVEITG

126

14

121

VVEITGKHEERQDEH

135

15

131

RQDEHGYISRCFTRK

145

16

140

RCFTRKYTLPPGVDP

154

17

150

PGVDPTLVSSSLSPE

164

18

160

SLSPEGTLTVEAPLP

174

19

169

VEAPLPKAVTQSAEI

183

20

177

VTQSAEITIPVTFEA

191

21

186

PVTFEARAQIGGPEA

200

22

195

IGGPEAGKSEQSGAK

209


39

Abb. 3.10: Einfluß von HSP25 Peptid 6 und 11 auf die Actinpolymerisation
A, Actinpolymerisation (2µM G-Actin) in Abwesenheit (Kurve 1) oder Anwesenheit von 16 µM Peptid 11 (Kurve 3) oder 16 µM Peptid 6 (Kurve 2). B, Actinpolymerisation in Anwesenheit von 0-, 4-, 8-, 12- und 16- fachem molaren Überschuß von Peptid 6 zu G-Actin (2 µM), Actinpolymerisation in Anwesenheit von 0, 0,5, 1, 2, 4, 6, 8 und 10-fachem molaren Überschuß von Peptid 11 zu G-Actin (2 µM). D, prozentuale Hemmung der Actinpolymerisation bei verschiedenen molaren Verhältnissen von Peptid 6 () und Peptid 11 () zu G-Actin. Die Daten ergeben sich aus dem Anstieg der in Teil B und C dargestellten Kurven.

Die Peptide wurden im Actinpolymerisations-Assay zunächst bei einem 20-fachen molaren Überschuß zu G-Actin getestet. Von diesen Peptiden wiesen Peptid 6 (Trp43-Arg57) und Peptid 11 (Ile92-Asn106) einen deutlichen inhibitorischen Effekt auf. Alle anderen Peptide hatten unter diesen Bedingungen keinen signifikanten Einfluß. Peptid 11 ist dabei wesentlich effizienter als Peptid 6 (Abb. 3.10 A).

Die Konzentrationsabhängigkeit der Hemmung dieser beiden Peptide ist in Abb. 3.10 B und C wiedergegeben. Dabei wurde Peptid 6 (Abb. 3.10 B) mit einem 4-, 8-, 12- und 16-fachen molaren Überschuß eingesetzt und Peptid 11 (Abb. 3.10 C) bei molaren Verhältnissen von 0,5, 1, 2, 4, 6, 8, und 10 von Peptid zu G-Actin getestet. Die Abschätzung der Aktivität der Peptide als prozentuale Hemmung der Actinpolymerisation wurde aus der Steigung dieser Kurven während der ersten 5 min ermittelt und ist in Abb. 3.10 D dargestellt. Aus diesen Daten geht hervor, daß eine 50%ige Hemmung im Falle von Peptid 6 bei einem molaren Verhältnis von 1:10 und im Falle von Peptid 11 bei einem Verhältnis von 1:2,5 erreicht wird.

Als zweite, unabhängige Methode zur Kontrolle der Actinpolymerisation wurde die Elektronenmikroskopie genutzt. In diesem Fall wurden die Bedingungen insoweit modifiziert, als die Actin-Keime weggelassen wurden, um sicher zu sein, daß alle beobachteten Actinfilamente neu gebildet waren. Außerdem wurden die Versuchsansätze für 15 min inkubiert, bevor sie für die elektronenoptische Auswertung verarbeitet wurden, um der verlängerten Verzögerungsphase bei der Abwesenheit von Polymerisations-Keimen Rechnung


40

zu tragen (vgl. Abb. 3.10 A). In Abb. 3.11 ist der Einfluß von Peptid 11 auf die Actinpolymerisation zu erkennen.

Abb. 3.11: Darstellung des Einflusses von HSP25 Peptid 11 auf die Actinpolymerisation mittels Elektronenmikroskopie
A, Actinpolymerisation (1 µM) in Abwesenheit (A) und in Anwesenheit von 10 µM Peptid 11 (B). Die Meßbalken weisen eine Länge von 200 nm auf. Vergrößerung, x 90 000.


Während es bei der Kontrolle (1 µM G-Actin) zur Ausbildung von langen Actinfilamenten kommt (Abb. 3.11 A), werden in Anwesenheit von 10 µM Peptid 11 keine Filamente mehr gebildet (Abb. 3.11 B). Die Anwesenheit derselben Menge Peptid 6 führt zu einer reduzierten Anzahl an Filamenten (nicht gezeigt). Damit bestätigen die elektronenmikroskopischen Untersuchungen die Resultate der Fluoreszenzspektroskopie.

Um zu analysieren, welche Aminosäuren des effektivsten Peptids 11 hauptverantwortlich für die Hemmung der Actinpolymerisation sind, wurden N-terminal und C-terminal verkürzte Varianten dieses Peptids hergestellt. Der Einfachheit halber wurden für die Benennung dieser Peptide Abkürzungen verwendet, wie sie in Tab. 3.4 aufgelistet sind. Im Experiment zeigten alle verkürzten Peptide eine schwächere, z.T. sogar deutlich schwächere Aktivität bei der Hemmung der Actinpolymerisation im Vergleich zum Original-15mer. Aus diesem Grund wurden sie bei höheren molaren Verhältnissen von Peptid zu Actin getestet. Bei einem 40-fachen Überschuß an verkürztem Peptid ergab sich das in Abb. 3.12 A wiedergegebene Bild mit folgenden Reihenfolge in der Effektivität: Peptid 11DeltaN1 (Kurve 8) > Peptid 11DeltaN6 (Kurve 7) >> Peptid 11DeltaC4 (Kurve 6) > Peptid 11DeltaN2 (Kurve 5) = Peptid 11DeltaN9 (Kurve 4) = Peptid 11DeltaC6 (Kurve 3) > Peptid 11DeltaN3 (Kurve 2). Die Peptide 11DeltaC8 und 11DeltaN4C3 waren in diesem Assay inaktiv (nicht gezeigt). In Tab. 3.4 sind die relativen Aktivitäten dieser Peptide im Vergleich zu Peptid 11 als Zahlenwerte dargestellt. Die Ergebnisse zeigen, daß es keine einfache Korrelation zwischen der Länge der Peptide und der Beibehaltung der Funktion von Peptid 11 gibt. Während bei einer Kürzung des N-Terminus um die beiden Aminosäuren IR (Peptid 11DeltaN2) ein drastischer Abfall in der Aktivität zu beobachten ist, hat die Kürzung des C-Terminus um die 4 Aminosäuren LDVN (Peptid 11DeltaC4) einen deutlich schwächeren Effekt.


41

Die Verkürzung des C-Terminus um die 6 Aminosäuren VSLDVN (Peptid 11DeltaC6) reduziert die inhibitorische Aktivität des Peptids weiter, wohingegen eine Verkürzung des N-Terminus um die 6 Aminosäuren IRQTAD (Peptid 11DeltaN6) im Vergleich zu den um IR und IRQ verkürzten Peptiden eine erneute Steigerung der hemmenden Aktivität bewirkt. Die Wiederherstellung dieser Funktion trotz der Verkürzung von Peptid 11 über Peptid 11DeltaN1, 11DeltaN2 und 11DeltaN3 zu Peptid 11DeltaN6 deutet auf eine besondere Rolle des Sequenzelementes TAD hin. Man könnte diese drei Aminosäuren für die Verbindungssequenz zwischen den beiden Regionen des Peptids halten, die die funktionelle Einheit für die Interaktion mit Actin bilden. Im Falle des Peptids 11DeltaN4C3 ist die Aktivität völlig verlorengegangen. Dieses Peptid umfaßt die zentralen 8 Aminosäuren von Peptid 11 und bestätigt zusammen mit den Ergebnissen von Peptid 11DeltaN2, 11DeltaN3 und 11DeltaC4, daß die N-terminalen Aminosäuren IRQ und die C-terminalen Aminosäuren DVN die größte Bedeutung bei der Interaktion von Peptid 11 mit Actin besitzen. Daß nicht nur die Kürze des Peptids 11DeltaN4C3 (ADRWRVSL) für die mangelnde Fähigkeit, mit Actin zu interagieren verantwortlich ist, kann aus der Tatsache geschlossen werden, daß das nur 6 Aminosäuren umfassende Peptid 11DeltaN9 (VSLDVN) schon einen deutlichen inhibitorischen Effekt auf die Actinpolymerisation hat. Da die Sequenzmotive IRQ oder DVN auch in den benachbarten, aber inaktiven Peptiden 10 und 12 enthalten sind, folgt außerdem, daß sie allein nicht ausreichend sind für die hemmende Wirkung auf die Actinpolymerisation. Ein Vergleich der inhibitorischen Wirkung der Peptide 11DeltaN3, 11DeltaC4 und 11DeltaN4C3 deutet schließlich auf eine gegenseitige Verstärkung bei der Wirkung der Sequenzen IRQ und DVN hin.

Tab. 6: Vergleich der vom Maus HSP25 Peptid 11 abgeleiteten Sequenzen
Die Peptide wurden entsprechend der HSP25-Sequenz verschiedener Spezies (Maus, Mensch und Huhn) und der Maus alphaB-Crystallin-Sequenz synthetisiert. N- bzw. C-terminale Verkürzungen oder Verlängerungen, ausgehend vom Peptid 11 der Maus, spiegeln sich in der Bezeichnung der Peptide wider. Die Nummern geben die Position der N-terminalen (links) und der C-terminalen (rechts) Aminosäuren der Peptide im Protein an. Die Effektivität der Peptide im Actinpolymerisationsexperiment ist durch relative Werte im Vergleich zum Peptid 11 angegeben. Die Angaben in Klammern beziehen sich auf die phosphorylierte Variante des Peptids (P). Die jeweils phosphorylierten Serinreste sind in der Sequenz durch Unterstreichung und Fettdruck markiert.

Peptid

 

Sequenz

 

relative

Aktivität

Spezies

11

92

IRQTADRWRVSLDVN

106

100

Maus

11Hu

88

IRHTADRWRVSLDVN

102

0

Mensch

11Ch

86

IRQSADSWKVTLDVN

100

10

Huhn

11alphaB

68

MRLEKDRFSVNLDVK

82

0

Maus

11rm

-

TWLQRDANVRDISRV

-

0

-

11DeltaC4

92

IRQTADRWRVS          

102

10

Maus

11DeltaC6

92

IRQTADRWR                

100

5

Maus

11DeltaC8

92

IRQTADR                      

98

0

Maus

11DeltaN1

93

RQTADRWRVSLDVN

106

25

Maus

11DeltaN2

94

QTADRWRVSLDVN

106

5

Maus

11DeltaN3

95

TADRWRVSLDVN

106

2

Maus/Mensch

11DeltaN6

98

RWRVSLDVN

106

12

Maus/Mensch

11DeltaN9

101

VSLDVN

106

5

Maus/Mensch

11DeltaN4C3

96

ADRWRVSL         

103

0

Maus/Mensch

11+N16(P)

76

AFSRALNRQLSSGVSEIRQTADRWRVSLDVN

106

50 (25)

Maus

11Hu+N16(P)

72

AYSRALSRQLSSGVSEIRHTADRWRVSLDVN

102

12 (0)

Mensch

11alphaB+N15(P)

53

SFLRAPSW-IDTGLSEMRLEKDRFSVNLDVK

82

50 (25)

Maus


42

Abb. 3.12: Einfluß verschiedener Peptid 11-Abkömmlinge auf die Actinpolymerisation
A, Actinpolymerisation (2 µM G-Actin) ohne Peptide (Kurve 1) oder in Gegenwart von 80 µM der verkürzten Peptide 11DeltaN3 (Kurve 2), 11DeltaC6 (Kurve 3), 11DeltaN2 (Kurve 4), 11DeltaN9 (Kurve 5), 11DeltaC4 (Kurve 6), 11DeltaN6 (Kurve 7) und 11DeltaN1 (Kurve 8). B, Actinpolymerisation (2 µM G-Actin) ohne Peptide (Kurve 2) oder in Gegenwart von 40 µM der zu Peptid 11 homologen Peptide des alphaB-Crystallins (11alphaB, Kurve 1), des menschlichen HSP25 (11Hu, Kurve 3), des HSP25 des Huhns (11Ch, Kurve 5) und des Zufallspeptids (11rm, Kurve 4) sowie in Gegenwart von 80 µM des Huhn-Peptids (11Ch, Kurve 6). C, Actinpolymerisation (2 µM G-Actin) ohne Peptide (Kurve 1) oder in Gegenwart von 20 µM der verlängerten Peptide 11Hu+N16P (Kurve 2), 11Hu+N16 (Kurve 3), 11alphaB+N15P (Kurve 4) 11+N16P (Kurve 5), 11+N16 (Kurve 6) und 11alphaB+N15 (Kurve 7). Die Kurven sind Repräsentanten aus 3 bis 5 unabhängigen Versuchen.

Aufgrund der konservierten Struktur und Funktion der kleinen Hitzeschockproteine und des ubiquitären Vorkommens von Actin in eukaryotischen Zellen konnte man vermuten, daß die homologen Regionen des Maus-HSP25-Peptids 11 aus anderen Spezies ebenfalls die Polymerisation von Actin inhibieren. Aus diesem Grund wurden die zum Peptid 11 homologen Sequenzen des humanen (11Hu) und des Huhn-HSP25 (11Ch) sowie die des murinen alphaB-Crystallin (11alphaB) synthetisiert. Die Sequenzen wurden einem Vergleich entnommen, der für die gesamte Aminosäuresequenz dieser Proteine durchgeführt wurde, wie sie in Abb. 3.13 gezeigt sind. Aus der Gegenüberstellung in Tab. 3.4 geht hervor, daß die menschliche Sequenz von Peptid 11 an einer Position (Glu3rarr His), die Huhn-Sequenz an vier Positionen (Thr4rarrSer; Arg7rarrSer; Arg9rarrLys und Ser11rarrThr) und die alphaB-Crystallin-Sequenz an acht Positionen (Ile1rarrMet, Gln3rarrLeu, Thr4rarrGlu, Ala5rarrLys, Trp8rarrPhe, Arg9rarrSer, Ser11rarrAsn und Asn15rarrLys) von der Maus-Sequenz abweicht. Außerdem wurde als Kontrolle eine Zufallssequenz mit den Aminosäuren des Peptids 11 konstruiert (11rm). Erstaunlicherweise hatten bei einem 20-fachen molaren Überschuß sowohl das von der alphaB-Crystallin-Sequenz abgeleitete als auch das menschliche Peptid 11 keinen Einfluß auf die Actinpolymerisation in vitro (Abb. 3.12 B, Kurven 1 und 3). Dies traf auch für das


43

Zufallspeptid zu (Abb. 3.12 B, Kurve 4). Das Huhn-HSP25-Peptid 11 (11Ch) hatte einen schwachen Effekt (Abb. 3.12 B, Kurve 5), der sich allerdings bei einem 40-fachen molaren Überschuß steigern ließ, wie aus Abb. 3.12 B, Kurve 6 hervorgeht. Die anderen Peptide blieben auch unter diesen Bedingungen inaktiv (nicht gezeigt).

Da der einzige Unterschied zwischen dem murinen und dem menschlichen Peptid 11 der Austausch eines Glutamins zu einem Histidin ist, wurde untersucht, ob möglicherweise eine posttranslationale Modifikation des Histidins nötig ist, um eine inhibitorische Wirkung des Peptids bei der Actinpolymerisation zu erreichen. Häufig vorkommende Modifikationen beim Histidin sind Methylierungen und Phosphorylierungen und für eine Reihe anderer Hitzeschockproteine wurden bereits Methylierungen beschrieben. Deshalb wurde das menschliche Peptid 11 mit den beiden möglichen Methylierungen an diesem Histidin, dem Ntau-Methyl-Histidin und dem Npi-Methyl-Histidin synthetisiert und im Actinpolymerisations-Assay getestet. Es stellte sich heraus, daß auch diese modifizierten Peptide keinen Einfluß auf die Actinpolymerisation haben (nicht gezeigt).

Abb. 3.13: Vergleich der Sequenzen von Maus-, Mensch- und Huhn-HSP25 sowie von Maus-alphaB-Crystallin.
Alle Sequenzen stammen aus der SWISSPROT Datenbank. Sie wurden mit dem Programm MSA (Lipman et al., 1989) aligniert und von Hand nachgebessert. In der Consensus-Reihe sind die Reste, die in allen vier Sequenzen identisch sind, mit Großbuchstaben und die Reste, die in drei von vier Sequenzen identisch sind, mit Kleinbuchstaben vertreten. Die geschlossenen Pfeile deuten auf die Phosphorylierungsstellen des murinen HSP25 und der offene Pfeil auf die zusätzliche Phosphorylierungsstelle beim menschlichen HSP25. Die Peptid 6 und 11 umfassenden und getesteten Sequenzen sind durch Fettdruck hervorgehoben. Das Doppelkreuz kennzeichnet den Beginn der konservierten alpha-Crystallin-Domäne (de Jong et al., 1993; Caspers et al., 1995) und die Sterne die hoch konservierten Regionen nach Singh et al. (1995). Die Quellen der Sequenzen sind: Mus musculus-HSP25 (Gaestel et al., 1989) korrigiert von Gaestel et al. (1993), Homo sapiens-HSP25 (Hickey et al., 1986) korrigiert von Carper et al. (1990), Gallus gallus-HSP25 (Miron et al., 1991) und Mus musculus-alphaB-Crystallin (Datenbanknummer P23927).


44

Die getesteten Modifikationen von Peptid 11 zeigen, daß es keinen einfachen Zusammenhang zwischen der Aminosäuresequenz und der Beeinflussung der Funktion gibt. Der Vergleich der Sequenzen von murinem und menschlichem HSP25 deutet allerdings auf eine essentielle Rolle des Glutamins an Position 3 des Peptids 11 hin (Position 94 in HSP25), da das inaktive menschliche Peptid 11 nur an dieser Stelle von der murinen Sequenz abweicht. Eine regulatorische Rolle durch Methylierung scheint dem Histidin des menschlichen Proteins an dieser Stelle nicht zuzukommen, da die methylierten Varianten des humanen Peptids 11 sich im Actinpolymerisationsexperiment nicht anders verhielten als das nicht methylierte Peptid. Aus den Daten geht weiterhin hervor, daß ein aktives Peptid mindestens neun Aminosäuren lang sein sollte, da alle kürzeren Peptide und ein 9mer nur noch sehr geringe Aktivitäten als Inhibitoren der Actinpolymerisation aufwiesen. Zusammen mit den Ergebnissen mit dem Zufallspeptid deutet dies darauf hin, daß nicht allein die Aminosäurezusammensetzung, sondern die Sequenz in Kombination mit der Sekundärstruktur zu dem inhibierenden Effekt der Peptide führt.

Wie schon in der Einleitung besprochen, ist eine auffällige Eigenschaft von HSP25 die rasche Phoshorylierbarkeit. Es ist bekannt, daß die Phosphorylierung ein wichtige Rolle bei der Regulation der Actinpolymerisation-hemmenden Eigenschaft von HSP25 spielt (Benndorf et al., 1994). Aus diesem Grund wurden die Peptide aus der murinen bzw. humanen Sequenz, die das Peptid 11 und die N-terminal angrenzende Phosphorylierungsstelle am Serin 86 bzw. an den Serinen 78 und 82 umfaßten und ein dazu homologes Peptid aus der Sequenz des alphaB-Crystallins der Maus synthetisiert und getestet. Die resultierenden Peptide waren 31 bzw. 30 Aminosäuren lang und beinhalteten die Aminosäuren 76 bis 106 (Maus HSP25: 11+N16) bzw. 72 bis 102 (Mensch HSP25: 11Hu+N16) oder 53 bis 82 im Falle des Maus alphaB-Crystallins (11alphaB+N15). Von diesen Peptiden wurde jeweils die phosphorylierte und die unphosphorylierte Variante hergestellt, um zu testen, ob diese Modifikation, ähnlich wie beim gesamten Protein, die Polymerisations-hemmende Wirkung beeinflussen kann. Aus Abb. 3.12 C geht hervor, daß die unphosphorylierten Peptide aus der Sequenz des murinen HSP25 (Peptid 11+N16, Kurve 6) und des alphaB-Crystallins (11alphaB+N15, Kurve 7) die Actinpolymerisation bei einem 10-fachen molaren Überschuß etwa halb so effektiv hemmen wie das Peptid 11 (vgl. Abb. 3.10 C). Die dazugehörigen phosphorylierten Varianten (11+N16P, Kurve 5 und 11alphaB+N15P, Kurve 4) zeigen ebenfalls noch einen deutlichen Hemmeffekt, der jedoch in beiden Fällen signifikant schwächer ausfällt als bei den entsprechenden unphosphorylierten Peptiden. Im Vergleich dazu hat das unphosphorylierte humane HSP25-Peptid (11Hu+N16) einen wesentlich schwächeren Effekt (Abb. 3.12 C, Kurve 3) und die phosphorylierte Variante dieses Peptids (Hu11+N16P) war sogar inaktiv (Abb. 3.12 B, Kurve 2). Der Unterschied zwischen phosphorylierter und nichtphosphorylierter Variante des humanen Peptids wurde bei einem 20-fachen Überschuß zum Actin wesentlich deutlicher. Während der Effekt des unphosphorylierten Peptids deutlich ansteigt, bleibt das phosphorylierte Peptid auch unter diesen Bedingungen inaktiv (nicht gezeigt). Die relativen Aktivitäten aller getesteten Peptide im Vergleich zu Peptid 11 können aus Tab. 3.4 entnommen werden. Diese Ergebnisse bestätigen die regulatorische Rolle der Phosphorylierung in bezug auf die Funktion von HSP25 als Inhibitor der Actinpolymerisation.


45

Darüber hinaus belegen sie die besondere Bedeutung des zweiten (Maus) bzw. dritten (Mensch) Phosphorylierungsortes die in enger räumlicher Nähe zu der Sequenz mit der effektivsten Hemmeigenschaft liegen.

3.3.3 Hydrodynamische Parameter von Actin und HSP25-Peptiden

Die Bestimmung der molekularen Masse von G-Actin wurde aus der radialen Konzentrationsverteilung unter Sedimentations-Gleichgewichts-Bedingungen bestimmt und betrug 41.300 ± 700 Dalton. Dabei lag das G-Actin bei einem Sedimentationskoeffizienten von 3,0 ± 0,1 S als homogene Fraktion ohne Oligomere vor. Peptid 11 liegt in Lösung ebenfalls als Monomer vor, was sich aus der molekularen Masse von 1825 ± 166 Dalton ergibt. Dieser Wert steht in guter Übereinstimmung mit dem aus der Aminosäure-Zusammensetzung berechneten theoretischen Molekulargewicht von 1830 Dalton und zeigt, daß das Peptid nicht zur Selbstassoziation neigt. Die hydrodynamischen Parameter einiger weiterer untersuchter Peptide sind in Tab. 3.5 aufgelistet. In allen Fällen liegen die Peptide offensichtlich als Monomere vor. Die Reibungsverhältnisse f/f0 deuten auf eine leichte bis deutliche Abweichung von der Kugelform bei der Konformation der Peptide in Lösung hin, wie dies für Peptide dieser Größenordnung zu erwarten ist.

Tab. 7: Hydrodynamische Parameter einiger HSP25-Peptide
Mth = theoretisches Molekulargewicht, Mex = experimentell bestimmtes Molekulargewicht, s = Sedimentationskoeffizient, D = Diffusionskoeffizient, = partielles spezifisches Volumen, f/f0 = Reibungsverhältnis, V = Volumen

Peptid

Mth

Mex

s (S)

D (107cm2/s)

(ml/g)

f/f0

V (nm3)

11

1829

1825 ± 166

0,455 ± 0,017

22,15 ± 1,15

0,725

1,19 ± 0,02

2,203

11DeltaC6

1201

1184 ± 42

0,297 ± 0,003

21,76 ± 0,54

0,718

1,40 ± 0,01

1,433

11DeltaC4

1388

1373 ± 40

0,310 ± 0,002

19,88 ± 0,45

0,723

1,46 ± 0,02

1,667

11DeltaN4C3

1002

996 ± 47

0,290 ± 0,006

26,96 ± 0,61

0,729

1,20 ± 0,01

1,214

11+N16

3533

3506 ± 262

0,517 ± 0,015

13,07 ± 0,60

0,725

1,62 ± 0,06

4,253

11+N16P

3612

3597 ± 272

0,526 ± 0,019

12,97 ± 0,53

0,725

1,62 ± 0,06

4,348

Um die Stärke der Wechselwirkung zwischen G-Actin und Peptid 11 zu untersuchen, wurden verschiedene Mischungen von 3,9 µM Protein und äquimolaren Mengen an Peptid 11 bis zu einem 7-fachen Überschuß an Peptid zentrifugiert Die Konzentrationsverteilungs-Kurven unter Sedimentations-Gleichgewichts-Bedingungen wurden dann im Hinblick auf die partiellen


46

Konzentrationen der Reaktanten analysiert (Abb. 3.14). Dabei wurde die Bildung eines 1:1 Komplexes zwischen G-Actin und dem Peptid angenommen. Aus diesen Daten wurde eine Assoziationskonstante von 3,7 ± 0,6 x 105 M-1 ermittelt. Zur Kontrolle wurde das im Polymerisationsexperiment inaktive Peptid 3 unter denselben Bedingungen untersucht. In diesem Fall konnte keine signifikante Assoziationskonstante ermittelt werden (nicht gezeigt).

Abb. 3.14: Konzentrationsverteilungskurven von Actin und Peptid 11
Radiale Konzentrationsverteilungen von Actin und Peptid 11 bei einem 5-fachen molaren Überschuß an Peptid unter Sedimentations-Gleichgewichts-Bedingungen, aufgezeichnet bei 280 nm (), 285 nm () und 290 nm (). Die partiellen Konzentrationen des Actin/Peptid-Komplexes (Kurve 1), der freien Actins (Kurve 2) und des freien Peptids (Kurve 3 ) für die bei 280 nm aufgezeichnete Konzentrationsverteilung wurden wie in Kapitel 2.8 beschrieben ermittelt.


47

3.3.4 Peptid-Epitop-Scanning von HSP25 und Actin

Zellulose-gebundene Peptid-Bibliotheken wurden von der HSP25- und der Actin-Sequenz angefertigt. Hinweise für einer Interaktion zwischen HSP25 und Actin waren mit dieser Methode nur bei der Inkubation von HSP25 mit der Actin-Peptidmembran, nicht aber bei der Inkubation von Actin mit der HSP25-Peptidmembran zu erkennen. Die Wechselwirkungen konnten erst bei der direkten Detektion der gebundenen Proteine auf der Peptid-Membran nachgewiesen werden, vorausgegangene Elektrotransferversuchen zum indirekten Nachweis der gebundenen Proteine auf einer Western-Blot-Membran blieben ohne Erfolg. In Abb. 3.15 ist das Ergebnis des direkten Nachweises von HSP25 auf der Actin-Membran dargestellt. Es konnten insgesamt 11 Actinpeptide detektiert werden, an denen HSP25 gebunden war. Die Sequenzen dieser Peptide sind in Tab. 3.6 zusammengestellt. Viermal wurden einzelne Peptide und zweimal mehrere nebeneinander liegende Peptide, also überlappende Sequenzen detektiert. Die Markierung war am intensivsten bei den Peptiden 79 und 99, also in der Mitte der von Peptid 78-80 und 97-100 gebildeten Sequenzbereiche. Die Konsensusmotive dieser Sequenzbereiche umfassen die Aminosäuren 158-168 und 198-204 im Actinmolekül.

Abb. 3.15: Nachweis von HSP25 nach der Inkubation auf der Actin-Membran
Die Nummern entsprechen den Peptiden der Actin-Bibliothek (siehe Tab. 7.3 im Anhang).

Tab. 8: Sequenzen der mit HSP25 wechselwirkenden Actin-Peptide
Aufgelistet sind die Sequenzen der detektierten Peptide wie in Abb. 3.15 dargestellt. Die Nummern entsprechen den Peptiden der Actin-Bibliothek (siehe Tab. 7.3 im Anhang). Die Konsensusmotive der beiden detektierten Sequenzbereiche sind durch Einrahmung her-vorgehoben.


48

3.4 HSP25- und HSP70-Gehalt in Organen normotoner und hypertoner Ratten

3.4.1 Spontan hypertensive Ratten

Bei drei SHRSP-Tieren (hyperton) und drei WKY-Kontrolltieren (normoton) wurden zunächst verschiedene Organe auf ihren Gehalt an HSP25 getestet, um erste Hinweise auf unterschiedliche Mengen bei gesunden und an Bluthochdruck leidenden Tieren zu bekommen. Es wurden Gewebeproben aus Niere, Nebenniere, quergestreifter Muskulatur, Aorta, Lunge, Leber, Vorhof, linkem Ventrikel, rechtem Ventrikel, Kleinhirn, Cortex und Hypothalamus untersucht. Abb. 3.16 zeigt den Nachweis von HSP25 auf Western-Blots dieser Proben von jeweils einem normotonen und einem hypertonen Tier. Erste Hinweise für eine unterschiedlich starke Expression von HSP25 ergeben sich hieraus für Nebenniere, Aorta, Lunge, Leber und Herz. Es wird deutlich, daß in den Muskelgeweben HSP25 relativ stark vertreten ist. In der Niere und im Hirngewebe konnte HSP25 nur in sehr geringen Mengen oder gar nicht nachgewiesen werden. Für die weiteren Untersuchungen beschränkte sich die Analyse auf die Herzbereiche rechter Ventrikel, linker Ventrikel und Vorhof sowie Aorta, Nebenniere und Lunge. Analysiert wurde sowohl der Gehalt an HSP25 als auch an HSP70.

Abb. 3.16: Nachweis von HSP25 in Gewebeproben von normotonen (WKY) und spontan hypertensiven Ratten (SHRSP)
Western-Blots der getesteten Gewebe. N = normoton (WKY-Tier), H = hyperton (SHRSP-Tier).


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Abb. 3.17: Nachweis von HSP25 und HSP70 in Gewebeproben von normotonen (WKY) und spontan hypertensiven Ratten (SHRSP)
Western-Blots der Gewebeproben. In der jeweils unteren Reihe ist der HSP25-Nachweis und in der oberen Reihe der HSP70-Nachweis gezeigt. Die fünf Standards weisen einen HSP25-Gehalt von 7,8 ng bis 19,6 ng im EAT-Zell-Lysat auf. Der Absolutgehalt an HSP70 wurde nicht bestimmt.

Abb. 3.17 zeigt die Ergebnisse der Western-Blot-Analyse von spontan hypertensiven Ratten sowohl für HSP25 als auch für HSP70. Die Auswertung der Blots mittels Densitometrie und der Vergleich mit den Standards ist in Tab. 3.7 zusammengefaßt (zur Vorgehenswiese bei der Quantifizierung siehe Kapitel 2.4.2). Für HSP25 wurden über die Eichung des Standards Absolutwerte ermittelt. Für HSP70 wurde nur die relative Veränderung berechnet.

Es zeigt sich, daß im rechten Ventrikel und in der Nebenniere der spontan hypertensiven Ratten ein deutlicher Anstieg des HSP25-Gehaltes im Vergleich zu den Kontrollen auftritt. Demgegenüber ist in der Aorta ein Rückgang des HSP25-Gehaltes zu verzeichnen. In den anderen Geweben bleibt der HSP25-Gehalt mehr oder weniger konstant. Bei dem Gehalt an HSP70 sind ebenfalls im rechten Ventrikel und in der Nebenniere deutliche Änderungen zu


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erkennen. Während, wie bei HSP25, in der Nebenniere der hypertonen Ratten der Gehalt steigt, sinkt der HSP70-Gehalt im rechten Ventrikel ab. Hieraus ergeben sich erste Anhaltspunkte für eine unterschiedliche Funktion der beiden HSPs im Herzen. Demgegenüber sind in den linken Ventrikeln der hypertonen Tiere keine erhöhten Werte an HSP25 oder HSP70 festzustellen. Der Gesamtgehalt an HSP25 ist mit > 10 µg/g FG in den rechten Ventrikeln der normotonen Tiere deutlich niedriger als in den anderen untersuchten Geweben. Bei den hypertonen Tieren erreicht der Gehalt an HSP25 etwa die Werte des linken Ventrikels. Insgesamt kommen die größten Mengen an HSP25 in der Lunge vor. Mit deutlich über 50 µg/g FG ist die HSP25-Konzentration hier etwa doppelt so hoch wie in den Herzproben. HSP70 ist auffällig wenig in der Aorta vertreten und ist immer dann in höherer Konzentration vorhanden, wenn der Gehalt an HSP25 eher niedrig ist.

Tab. 10: Gehalt an HSP25 und HSP70 in Gewebeproben von normotonen (WKY) und spontan hypertensiven Ratten (SHRSP)
Die Mengen sind Mittelwerte von jeweils drei Tieren. Die relative Menge an HSP70 in den Proben bezieht sich auf die in 10 µl EAT-Standard enthaltene Menge an HSP70.

 

 

HSP25

 

 

HSP70

 

 

Menge in µg/g Feuchtgewicht

relative Menge

 

WKY

SHRSP

WKY

SHRSP

Aorta

37,2

± 3,6

23,5

± 4,0

0,06

± 0,01

0,09

± 0,00

Vorhof

38,5

± 8,9

31,5

± 5,1

0,14

± 0,01

0,14

± 0,02

rechter Ventrikel

9,8

± 0,2

23,0

± 0,3

0,36

± 0,13

0,19

± 0,01

linker Ventrikel

24,4

± 5,7

26,0

± 3,6

0,19

± 0,01

0,22

± 0,03

Nebenniere

22,2

± 3,1

31,4

± 5,7

0,32

± 0,03

0,51

± 0,04

Lunge

57,2

± 4,3

52,8

± 2,0

0,13

± 0,03

0,12

± 0,05

3.4.2 Goldblatt-operierte Ratten

Die Goldblatt-Operation kann unter anderem nach der 2kidney-1clip-Methode (2K1C) durchgeführt werden, bei der durch Abklemmen der Nierenarterie die Blutzufuhr zu einer Niere zeitweise unterbrochen wird und dadurch ein Bluthochdruck induziert wird. Sprague-Dawley-Ratten (SD), bei denen diese Operation durchgeführt wurden, repräsentieren das zweite untersuchte Modell der Hypertonie. Auch bei diesen Tieren wurden die Herzbereiche rechter Ventrikel, linker Ventrikel und Vorhof sowie Aorta, Nebenniere und Lunge auf ihren Gehalt an HSP25 und HSP70 untersucht. Zunächst wurde in einem Vorversuch getestet, innerhalb welchen Zeitraumes nach der Operation eine Änderung in dem Gehalt an HSP25 nachweisbar ist. Darum wurden die linken und rechten Ventrikel je eines scheinoperierten und eines Goldblatt-operierten Tieres nach einer Woche und je zwei nach vier Wochen analysiert. In Abb. 3.18 sind die Western-Blots dieser Untersuchung dargestellt. Ein deutlicher Unterschied zwischen den Proben der scheinoperierten und denen der 2K1C-operierten Tiere ist nur in dem


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Blot der rechten Ventrikel vier Wochen nach der Operation zu erkennen. Wie schon im Fall der spontan hypertensiven Ratten war hier der Gehalt an HSP25 bei den normotonen Tieren höher. Bei diesen Tieren erfolgte eine Kontrolle des Blutdruckes, um den Erfolg der Operation bewerten zu können. Er stieg bei den Goldblatt-operierten Tieren in allen Fällen deutlich an. Bei dem nach einer Woche untersuchten Tier war er schon in dieser kurzen Zeit von 116 mmHg auf 168 mmHg angestiegen, wohingegen bei dem Kontrolltier nur ein geringer Anstieg von 122 auf 135 mmHg zu verzeichnen war. Bei den nach vier Wochen untersuchten Tieren war der Blutdruck noch drastischer angestiegen, und zwar auf Werte um 200 mmHg. Dies zeigt, daß sehr schnell nach dem operativen Eingriff die Steigerung des Blutdruckes einsetzte. Die deutlich verstärkte Expression von HSP25 im Herzen setzt jedoch erst wesentlich später ein.

Nach diesen Ergebnissen wurden auch die anderen Organe von Tieren untersucht, bei denen die Operation 4 Wochen zurücklag. In Abb. 3.19 sind die Western-Blots dieser Versuche gezeigt und in Tab. 3.8 ist die densitometrische Auswertung der Banden dieser Blots zusammengefaßt. Es ergibt sich ein ähnliches Bild wie bei den spontan hypertensiven Tieren. Vor allem die erhöhte Menge von HSP25 im rechten Ventrikel der hypertonen Tiere findet sich, wie schon bei den Vorversuchen, auch bei diesen Proben. In diesem Fall gingen damit allerdings auch gesteigerte Werte für HSP70 einher. In allen anderen untersuchten Geweben fanden sich keine wesentlichen Unterschiede zwischen den normotonen und den hypertonen Tieren. Die absoluten Mengen an HSP25 im Herzen waren denen der SHRSP-Tiere sehr ähnlich, aber in der Aorta und in der Lunge fielen sie hier nur etwa halb so groß aus.

Abb. 3.18: Nachweis von HSP25 in linken (l.) und rechten (r.) Ventrikeln von Goldblatt-operierten (2K1C) und scheinoperierten Sprague-Dawley-Ratten (SD) nach verschiedenen Zeiten
Western-Blots der Gewebeproben. Die drei Standards weisen einen HSP25-Gehalt von 9,8 ng bis 31,3 ng im EAT-Zell-Lysat auf. Der Absolutgehalt an HSP70 wurde nicht bestimmt.


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Abb. 3.19: Nachweis von HSP25 und HSP70 in Gewebeproben von Goldblatt-operierten (2K1C) und scheinoperierten Sprague-Dawley-Ratten (SD)
Western-Blots der Gewebeproben 4 Wochen nach der Operation. In der jeweils unteren Reihe ist der HSP25-Nachweis und in der oberen Reihe der HSP70-Nachweis gezeigt. Die 5 Standards weisen einen HSP25-Gehalt von 7,8 ng bis 19,6 ng im EAT-Zell-Lysat auf. Der Absolutgehalt an HSP70 wurde nicht bestimmt.

Tab. 11: Gehalt an HSP25 und HSP70 in Gewebeproben von Goldblatt-operierten (2K1C) und scheinoperierten Sprague-Dawley-Ratten (SD)
Die Mengen sind Mittelwerte von jeweils drei Tieren. Die relative Menge an HSP70 in den Proben bezieht sich auf die in 10 µl EAT-Standard enthaltene Menge an HSP70.

 

 

HSP25

 

 

HSP70

 

 

Menge in µg/g Feuchtgewicht

relative Menge

 

SD

2K1C

SD

2K1C

Aorta

15,4

± 2,1

16,0

± 1,9

0,03

± 0,00

0,03

± 0,00

Vorhof

30,7

± 3,6

31,3

± 8,1

0,21

± 0,14

0,18

± 0,02

rechter Ventrikel

17,7

± 0,9

23,5

± 1,4

0,08

± 0,01

0,16

± 0,03

linker Ventrikel

22,4

± 6,3

20,6

± 2,2

0,12

± 0,06

0,11

± 0,03

Nebenniere

24,5

± 2,9

22,5

± 2,5

0,80

± 0,08

0,68

± 0,17

Lunge

27,4

±3,3

28,8

±1,8

0,06

± 0,02

0,10

± 0,05


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3.4.3 Transgene Ratten mit zusätzlichem Renin-Gen

Da für HSP25 in den beiden bisher getesteten Tiermodellen für die Hypertonie ein deutlich gesteigertes Vorkommen nur im rechten Ventrikel festgestellt wurde, blieb der Nachweis von Streßproteinen in diesem Modell auf den rechten und den linken Ventrikel beschränkt. Die zur Verfügung stehenden Tiere waren ca. zwei Monate alt und als Kontrolle dienten Ratten vom Sprague-Dawley-Stamm (SD). Um das Ausmaß präparationsbedingter Unterschiede in der Menge des nachgewiesenen Proteins abschätzen zu können, wurden hier von jedem Ventrikel der drei Kontroll- und drei transgenen Tiere zwei Präparate aufgearbeitet wie in Kapitel 2.4.1 beschrieben. Die Ergebnisse des Nachweises von HSP25 und HSP70 in den Ventrikeln von TGR(mREN2)27- und SD-Tieren sind in Abb. 3.20 dargestellt. Zwischen den beiden Präparaten der gleichen Gewebeprobe finden sich keine gravierenden Unterschiede. Das bestätigt die Zuverlässigkeit der angewendeten Methodik. Im Gegensatz zu den beiden anderen Modellen des Bluthochdrucks ist hier im rechten Ventrikel kein signifikanter Unterschied zwischen den normotonen und hypertonen Tieren festzustellen. Die Absolutwerte für HSP25 bewegen sich mit 28 bis 30 µg/g FG im gleichen Bereich wie bei den anderen Modellen (Tab. 3.10). Interessanterweise sind bei den TGR(mREN2)27-Tieren die relativen Herzgewichte Herzgewicht/Tiergewicht, Tab. 3.9) nicht wesentlich höher als bei den SD-Kontrolltieren.

Abb. 3.20: Nachweis von HSP25 und HSP70 in Ventrikeln von TGR(mREN2)27- und Sprague-Dawley-Ratten (SD)
Western-Blots der Gewebeproben. In der jeweils unteren Reihe ist der HSP25-Nachweis und in der oberen Reihe der HSP70-Nachweis gezeigt. Die 5 Standards weisen einen HSP25-Gehalt von 7,8 ng bis 19,6 ng im EAT-Zell-Lysat auf. Der Absolutgehalt an HSP70 wurde nicht bestimmt. Jeweils zusammengehörende Präparate einer Ventrikelprobe zur Doppelbestimmung der HSP25-Menge sind durch einen Balken gekennzeichnet.


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Tab. 12: Tier- und Herzgewichte von TGR(mREN2)27- und Sprague-Dawley-Ratten (SD)

Tier

Tiergewicht (g)

Herzgewicht (g)

Herzgewicht/Tiergewicht (%)

SD-1

223

1,03

0,46

SD-2

225

1,00

0,44

SD-3

215

1,02

0,47

TGR(mREN2)27-1

282

1,10

0,39

TGR(mREN2)27-2

250

1,20

0,48

TGR(mREN2)27-3

260

1,27

0,49

Tab. 13: Gehalt an HSP25 und HSP70 in Ventrikeln von TGR(mREN2)27- und Sprague-Dawley-Ratten (SD)
Die Zahl in Klammern gibt die Anzahl der gemittelten Werte wieder. Die relative Menge an HSP70 in den Proben bezieht sich auf die in 10 µl EAT-Standard enthaltene Menge an HSP70.

 

 

HSP25

 

 

HSP70

 

 

Menge in µg/g Feuchtgewicht

relative Menge

 

SD

TGR(mREN2)27

SD

TGR(mREN2)27

rechter Ventrikel

28,4

± 2,5 (3)

30,0

± 2,8 (9)

0,27

± 0,05 (3)

0,18

±0,10 (9)

linker Ventrikel

28,1

± 6,1 (6)

30,0

± 2,5 (6)

0,10

± 0,02 (6)

0,11

±0,03 (6)

Eine Zusammenfassung der Unterschiede im HSP-Gehalt von Herzgeweben und Aorta zwischen normotonen und hypertonen Ratten der drei Modelle findet sich in Tab. 3.11. Die Analyse der Gewebeproben ergibt signifikante Unterschiede in der Expression von HSP25 zwischen den normotonen und den hypertonen Tieren der jeweiligen Tiermodelle vor allem im Bereich der rechten Herzkammer. Der Gehalt an HSP25 ist bei den spontan hypertensiven Ratten und bei den 2K1C-Tieren um ca. 30 bis 130% erhöht und erreicht Werte von 23 bis 30 µg/g Feuchtgewicht. Ähnliche Werte liegen für den linken Ventrikel bei allen Modellen vor, aber ohne eine erkennbare Steigerung bei den hypertonen Tieren. Bei den transgenen Tiere konnte zwar keine deutlich gesteigerte HSP25-Akkumulation im rechten Ventrikel beobachtet werden, jedoch liegen die Absolutwerte hier mit 30 µg/g Feuchtgewicht ebenso hoch wie bei den anderen Modellen. Der Gehalt an HSP25 im Vorhof war bei den untersuchten Modellen immer ca. 50% höher als in den Ventrikeln. Bei den Proben aus der Aorta und der Lunge war der HSP25-Gehalt sehr uneinheitlich. Hier ließ sich keine Beziehung zwischen dem physiologischen Zustand des Tieres und der Menge an HSP25 erkennen.

Für HSP70 ergab sich ebenfalls kein einheitliches Bild bei dem Nachweis des Gehaltes in den verschiedenen Geweben unter jeweils normotonen und hypertonen Bedingungen. Auffällig ist der hohe relative Gehalt an HSP70 in den Nebennieren und die Verminderung des Gehaltes in


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den rechten Ventrikeln bei den spontan hypertensiven und den transgenen Tieren. Demgegenüber steht die parallele Steigerung im Gehalt an HSP25 und HSP70 bei den Goldblatt-operierten Ratten.

Tab. 14: Relative Unterschiede im HSP-Gehalt von Herzgewebe und Aorta zwischen normotonen und hypertonen Ratten der drei Hypertonie-Modelle
Zugrunde gelegt wurden die Mittelwerte der Mengen an HSP25 bzw. HSP70, wie sie in den Tabellen 3.7 bis 3.9 aufgelistet sind. Bezugspunkt ist jeweils der Mittelwert der Proben der normotonen Tiere. n.b. = nicht bestimmt.

 

linker Ventrikel

 

rechter Ventrikel

 

Vorhof

 

Aorta

Modell

HSP25

HSP70

 

HSP25

HSP70

 

HSP25

HSP70

 

HSP25

HSP70

WKY/SHRSP

1,06

1,13

 

2,36

0,53

 

0,82

0,95

 

0,63

1,39

SD/2K1C

0,92

0,89

 

1,33

1,99

 

1,02

0,85

 

1,04

1,02

SD/TGR(mREN2)27

1,07

1,11

 

1,06

0,65

 

n.b.

n.b.

 

n.b.

n.b.


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