Bittermann, Heike: Jodversorgung deutscher Wehrpflichtiger im Alter von 17,5 bis 21 Jahren

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Kapitel 6. Zusammenfassung

Im Rahmen der Verbundstudie Jod-Monitoring 1996 wurde der Jodversorgungszustand von 778 wehrpflichtigen Männern im Alter von 17,5-21 Jahren in 26 zufällig ausgewählten Regionen in Deutschland untersucht. Dabei wurde als Maß zur Beurteilung der alimentären Jodversorgung die Urinjodausscheidung bestimmt sowie anhand eines Fragebogens über die Verzehrshäufigkeit und das Ernährungsverhalten die geschätzte Jodzufuhr berechnet. Der Median der Jodausscheidung im Urin beträgt 57,0 µg/g Kreatinin. Als ausreichend versorgt wird die Bevölkerung nach den Kriterien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erst mit Werten von >100 µg/g Kreatinin eingestuft. Die mittlere Jodzufuhr wurde mit dem Median von 125,2 µg pro Tag errechnet. Nach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) sollte die Jodzufuhr für Jugendliche und Erwachsene 200 µg pro Tag betragen. Gemessen an der Jodausscheidung erreichen nur 12% der Probanden eine ausreichende Jodversorgung, 50,5% weisen einen geringfügigen (Grad I), 33,1% einen mittleren (Grad II), und immerhin 4,4% einen erheblichen Jodmangel (Grad III) auf. Im Gegensatz zu früheren Erhebungen bestehen weder ein Nord-Süd-Gefälle noch signifikante Unterschiede zwischen den alten und neuen Bundesländern.

Zusätzlich wurde der Jodgehalt des Trinkwassers in den Regionen gemessen. Im Median wurde ein Jodgehalt von 2,6 µg/l ermittelt. Es finden sich in Nord höhere Werte (5,9 µg/l) als in Süd (1,55 µg/l). Zwischen den neuen und alten Bundesländern gibt es keine statistischen Unterschiede. Die ermittelten Werte bestätigen, daß das Trinkwasser nicht wesentlich zur täglichen Jodversorgung beiträgt, wenn man von einer täglichen Trinkwasserzufuhr von 2 Litern pro Tag ausgeht.

Der Gehalt der gelösten organisch gebundenen Kohlenstoffe ist von Region zu Region verschieden. Im Median liegt er bei 1,5 mg C/l. Um eine Aussage über mögliche goitrogene Wirkungen der gelösten organisch gebundenen Kohlenstoffe treffen zu können, sind weitere Untersuchungen erforderlich.

Durch die Auswertung der Fragebögen der Wehrpflichtigen lassen sich wichtige Erkenntnisse über deren Ernährungsgewohnheiten und -wissen ableiten, die letztlich wiederum für eine Änderung des Ernährungsverhaltens und damit die weitere Verbesserung des Jodversorgungsstatus entscheidend sind. Erschreckend ist, daß 52% der Befragten die Bedeutung von Jod für den Menschen nicht kennen. Unter Berücksichtigung von Mehrfachnennungen verbinden 59% den Begriff Jod allgemein mit Gesundheit oder Krankheit. 35% geben


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einen Zusammenhang mit der Schilddrüse und 9% mit einem Kropf an. Immerhin verwenden 46% der Befragten Jodsalz im Haushalt. Dies ließ sich auch durch eine höhere Jodausscheidung im Urin nachweisen. Im Gegensatz dazu wird Seefisch als Quelle für die Verbesserung der Jodversorgung fast nicht genutzt. Nur 5% essen mehr als 4 mal Seefisch pro Monat und 62% gaben an, selten oder nie Fisch zu essen.

Entscheidend für die Verbesserung der Jodzufuhr in Zukunft ist deshalb die Verwendung von jodiertem Speisesalz für die Herstellung von Brot und Backwaren sowie Wurst, da ein wesentlicher Teil der gesamten Kochsalzaufnahme in diesen vom Einzelnen nicht zu beeinflussenden Lebensmitteln steckt. Jedoch achten nur 7,6% der befragten Wehrpflichtigen beim Einkauf auf Produkte, die mit Jodsalz hergestellt wurden. Diese Tendenz spiegelt sich auch beim Einkauf in der Bäckerei und Metzgerei wieder. Hier wissen nur 7 bzw. 8% derjenigen, die regelmäßig im gleichen Geschäft einkaufen, daß Jodsalz bei der Herstellung von Brot und Backwaren bzw. Wurst verwendet wurde. Allerdings kaufen 31% der Befragten gar nicht selbst ein.

Es zeigt sich, daß die momentane Aufklärung über die Bedeutung von Jod zumindest bei jungen Männern, von denen 43,4% nicht wissen, wie ihre persönliche Jodversorgung einzuschätzen ist und 62% nicht wissen, ob ihre Jodversorgung verbessert werden sollte, nicht ausreicht. Auch meinen immerhin 21%, daß durch einen hohen Konsum von Jodsalz eine Gefahr bestände. Insgesamt läßt sich zwar eine langsame Verbesserung der Jodversorgung verzeichnen, jedoch ist das Ziel der WHO, bis zum Jahr 2000 weltweit den Jodmangel zu beseitigen, für Deutschland noch keinesfalls erreicht. Hier sind neue Ansätze erforderlich, um durch verstärkte Aufklärung nicht nur Wissens- und Informationsdefizite zu beseitigen, sondern letztlich auch das Ernährungsverhalten verändern zu können. Die Ideallösung zur sicheren Beseitigung des Jodmangels in Deutschland wäre eine generelle Jodsalzprophylaxe nach dem Vorbild der Schweiz oder Österreichs. Dies ist aber in Deutschland ohne den breiten Konsens der Bevölkerung und den politischen Willen zur Durchsetzung nicht durchführbar. Regelmäßige prospektive Erhebungen zur Beurteilung des Jodversorgungsstatus der Bevölkerung basierend auf den gewonnenen Erfahrungen des Jod-Monitoring 1996 an Wehrpflichtigen bieten sich an und sind notwendig.


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Tue Apr 11 19:06:50 2000