5. Ergebnisse

▼ 33 (fortgesetzt)

Abbildung 5: Ruhedurchblutung an der Nasenschleimhaut der Eisbader ist signifikant größer als die der Saunagänger. Die Kontrollgruppe – ohne dazu signifikantem Unterschied – liegt dazwischen; n = 45.

Eine graphische Darstellung der Meßwerte aller Probandengruppen pro Versuchsreihe erfolgte dann, wenn sich mindestens eine signifikante Veränderung nachweisen ließ. Andernfalls – wie im Fall der Vasomotionsfrequenz an der Nasenschleimhaut oder der Vasomotionsamplitude am Hypothenar – beschränkten wir uns auf die verbale Beschreibung der ermittelten Verläufe unter Erwähnung der fehlenden Signifikanz. Die statistisch gesicherten Ergebnisse wurden graphisch, wenn von Interesse, zunächst im Gruppenvergleich für eine Versuchsreihe (s. Abb. 5) und dann für die einzelne Probandengruppe immer in der Reihenfolge Kontrollpersonen - Saunagänger - Winterschwimmer abgebildet. Alle Diagramme weisen die Mittelwerte sowie deren Standardfehler () aus.

5.1. Konsensuelle Reaktion von Vasomotorik und Vasomotion an der Nasenschleimhaut von Kontrollpersonen, Saunagängern und Winterschwimmern auf einen Kaltreiz am Fuß

5.1.1. Die Durchblutung an der Nasenschleimhaut

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Abbildung 6: Nasenschleimhaut-Durchblutung der Kontrollgruppe: Mit dem Kaltreiz zunächst Durch- blutungsanstieg, danach kurzzeitig Durchblutungsverringerung sowie schnelle Normalisierung; n = 15.

Die in den Abbildungen 6 bis 8 dargestellten Durchblutungswerte an der Nasenschleimhaut zeigen schon vor dem Versuchsbeginn deutliche Unterschiede bei den 3 Gruppen. Die höchsten Werte lassen sich bei den Eisbadern bzw. Winterschwimmern finden. Deren Ausgangsniveau der Durchblutung unterscheidet sich von dem der Saunagänger signifikant. Dazwischen liegen die Durchblutungswerte der Kontrollpersonen; weder von Saunagängern noch von Winterschwimmern unterscheiden sich diese signifikant (Abb. 5).

Abbildung 7: Nasenschleimhaut-Durchblutung der Saunagänger: Signifikanter Rückgang während des Kaltreizes sowie in der Minute danach; n = 15.

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Während des einminütigen Kaltwasserbades der Füße und auch danach bleiben an der Nasenschleimhaut die Unterschiede der Durchblutung in der beschriebenen Reihenfolge bestehen: Die größte Durchblutung weisen die Winterschwimmer auf, die niedrigste die Saunagänger.

Die Gruppe der Kontrollpersonen zeigt während des kalten Fußbades eine im Vergleich zur Ruhephase höhere Durchblutung der Nasenschleimhaut auf, wie Abbildung 6 zeigt. Nach Beendigung des Kaltreizes fällt sie dann auf ein Minimum; signifikant ist diese Veränderung jedoch nicht. Schon während der 4. registrierten Minute nach Versuchbeginn wird bei den Kontrollpersonen die Ausgangsdurchblutung nahezu wieder erreicht und bleibt innerhalb des Streuungsbereiches bis zur 8. Minute nahezu konstant.

Gemessen an der Kontrollgruppe liegt die Nasenschleimhautdurchblutung der Saunagänger erheblich, wenn auch nicht signifikant niedriger (Abb. 5). Während des Kaltreizes und noch mehr nach dessen Beendigung sinkt die Durchblutung signifikant (Abb. 7). Bei der Kontrollgruppe stieg sie in diesem Zeitraum (nicht signifikant) an und fiel erst dann ab (Abb. 6). Die Saunagänger bieten erst während der 4. registrierten Minute wieder einen auf die Vasokonstriktion folgenden Durchblutungsanstieg, der in der 7. Minute den Ausgangswert erreicht. Die Mittelwerte blieben dann während der 8. Minute gleich.

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Die Abbildung 8 stellt die Durchblutungsverläufe der Winterschwimmer an der Nasenschleimhaut dar. Lag bei der konsensuellen Messung die Durchblutung der Saunagänger im Vergleich zur Kontrollgruppe (nicht signifikant) niedriger, so zeigen die Winterschwimmer schon mit der Ausgangsmessung erheblich höhere Werte. Von denen der Saunagänger unterscheiden sie sich sogar signifikant (Abb. 5). Die Ruhedurchblutung der Kaltreizgewohnten liegt also höher als die der Nichtkaltreizgewohnten!

Während des kalten Fußbades verringert sich die Durchblutung signifikant und wird danach kontinuierlich bis zur 7. Minute nach Versuchsbeginn wieder größer (Abb. 8). Dabei liegt sie ab der 5. Minute sogar über dem Ausgangswert.

Abbildung 8: Nasenschleimhaut-Durchblutung bei den Eisbadern: Signifikantes Absinken während des Kaltreizes, anschließend Wiederanstieg der Durchblutung, die ab der 5. Minute über dem Ausgangswert liegt; n = 15.

5.1.2. Die Amplitude der Vasomotion an der Nasenschleimhaut

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Abbildung 9: Nasenschleimhaut-Amplituden – Gruppenvergleich in Ruhe; n = 45.

Die Amplitude kennzeichnet die Differenz der Erythrozytenmenge des jeweiligen Meßareals zwischen dem Zustand der Vasokonstriktion und dem der Gefäßerweiterung gemäß den im Kapitel 4.6. genannten Kriterien. Dabei werden mit der Laser-Doppler-Methode entsprechend der Aufgabenstellung sowohl Vasomotorik als auch Vasomotion erfaßt.

Die Amplituden der 3 Probandengruppen kennzeichnen bei Kaltreizeinwirkung an der Nasenschleimhaut einen signifikanten Unterschied:

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Abbildung 10: Nasenschleimhaut-Amplituden – Gruppenvergleich während der 3. Minute; n = 45.

Weisen bei der Ausgangsmessung noch die Winterschwimmer im Gruppenvergleich die größte und dagegen die Saunagänger die kleinste Amplitude auf (Abb. 9), ist unmittelbar nach Beendigung des kalten Fußbades, also während der 3. registrierten Minute (Abb. 10), die Amplitude der Kontrollgruppe am höchsten, und zwar signifikant größer als die der Saunagänger. Größtenteils ist dieser Effekt auf die einsetzende Vasokonstriktion durch den Kaltreiz zurückzuführen.

Abbildung 11: Nasenschleimhaut der Kontrollgruppe: Hier steigt die Amplitude von Vasomotorik Vasomotion nicht nur während, sondern auch nach dem Kaltreiz weiter an; während der 4. Minute Amplitudenrückgang; n = 15

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Intraindividuell wird bei der Kontrollgruppe die Amplitude während des Kaltreizes größer (Abb. 11). Diese Tendenz setzt sich nach Beendigung des kalten Fußbades signifikant weiter fort. In der 4. Minute nach Versuchsbeginn wird die Amplitude zunächst kleiner, steigt dann während der 5. Minute wieder an und fällt ab in der 6. Minute. Die erreichten Amplitudenhöhen während der 7. und 8. Minute liegen zunehmend unter dem Ausgangsniveau der Ruhewerte.

Abbildung 12: Nasenschleimhaut der Saunagänger - die insgesamt niedrigste Amplitude von Vasomotorik und Vasomotion wird während des Kaltreizes größer und sinkt nach dessen Beendigung auf ein Minimum; n = 15.

Wie bei der Messung der Durchblutung ist auch die Amplitude der Saunagänger in Ruhe (nicht signifikant) kleiner als die entsprechende der Kontrollpersonen. Während des Kaltreizes wird sie größer, erreicht dann aber (Abb. 12) während der 3. registrierten Minute das Minimum, wogegen bei der Kontrollgruppe hier eine Zunahme zu verzeichnen war. Von der 4. – 8. Minute nach Versuchsbeginn liegt die Amplitude der Saunagänger in der Nähe des Ausgangswertes. Insgesamt bietet dieser Versuch keine signifikanten Veränderungen.

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Abbildung 13: Nasenschleimhaut der Eisbader: Die Amplitude von Vasomotorik und Vasomotion steigt mit Einsetzen des Kaltreizes an; nach dessen Beendigung kleinere Amplituden entsprechend Gefäßkaliberschwankungen; n = 15.

In der Probandengruppe der Winterschwimmer sind die Amplituden von Anfang an zwar nicht signifikant, aber deutlich größer als die der Saunagänger bei sonst vergleichbarem Verlauf (Abb. 13). Wieder ist die Amplitude im Durchschnitt während des Kaltreizes größer und wird nach dessen Ende kleiner als die Ausgangsamplitude in Ruhe. Bis zum Ende der Messung bleiben die Amplituden im wesentlichen gleich; lediglich in der 5. Minute sind sie kleiner. Wie bei den Saunagängern kommt es bei diesem Versuch zu keiner signifikanten Änderung.

5.1.3. Die Frequenz der Vasomotion an der Nasenschleimhaut

Die Ruhefrequenz der Vasomotion an der Nasenschleimhaut der Winterschwimmer liegt zwischen den Ruhewerten der anderen Probandengruppen: Am größten ist die der Kontrollgruppe, während die Saunagänger die niedrigste Frequenz als Ausgangswert aufweisen. Signifikant sind die Unterschiede hier allerdings nicht.

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Während des kalten Fußbades verändert sich die Frequenz der Kontrollpersonen an der Nasenschleimhaut nicht! Nach dessen Beendigung wird sie deutlich kleiner und steigt ab der 3. gemessenen Minute wieder an.

Auch in der Gruppe der Saunagänger sind keine signifikanten Frequenzänderungen nachweisbar. Die hier im Gruppenvergleich anfangs niedrigsten Frequenzen der Versuchsreihe erhöhen sich während des kalten Fußbades und sinken danach wieder ab. Während der 4. Minute ist die Ausgangsfrequenz in Ruhe bereits wieder überschritten.

Bei den Winterschwimmern ist die Tendenz sehr ähnlich: Während des Kaltwasserbades erhöht sich die Frequenz im Vergleich zum Ruhewert und wird dann nach Kaltreizende kleiner. Während der 4. registrierten Minute ist sie höher als der Ausgangswert. Auch hier sind keine signifikanten Unterschiede nachweisbar.

5.2. Konsensuelle Reaktion von Vasomotorik und Vasomotion am Hypothenar von Kontrollpersonen, Saunagängern und Winterschwimmern auf einen Kaltreiz am Fuß

5.2.1. Die Durchblutung am Hypothenar

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Abbildung 14: Ausgangswert (Ruhedurchblutung) am Hypothenar für alle drei Probandengruppen: Bei den Eisbadern ist die Durchblutung signifikant kleiner als die der Kontrollgruppe; n = 45.

Den Vergleich der Hypothenardurchblutung aller drei Probandengruppen zeigt Abbildung 14: Die Winterschwimmer weisen - signifikant unterschiedlich - die niedrigste und die Kontrollgruppe die höchste Durchblutung auf. Dazwischen liegt die der Saunagänger.

Abbildung 15: Hypothenar-Durchblutung bei den Kontrollpersonen: In Ruhe der im Gruppenvergleich höchste Ausgangswert, beim Kaltreiz signifikanter Abfall auf die niedrigste Durchblutung; n = 15.

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Im Vergleich zu den anderen Probandengruppen geht aus Abbildung 15 die extreme Durchblutungsänderung der Kontrollgruppe am Hypothenar hervor: Der im Verhältnis zu Saunagängern und Winterschwimmern höchsten Ruhedurchblutung folgt schon während des kalten Fußbades ein signifikanter Durchblutungsabfall.

Etwa 4 Minuten nach dem Reizende stabilisiert sie sich dann bei ca. 90 % des Ausgangswertes. Das kaltreizbedingte Minimum unterscheidet sich signifikant von den Durchblutungswerten davor bzw. danach.

Abbildung 16: Hypothenar-Durchblutung bei den Saunagängern: Der Ausgangswert wird nicht wieder erreicht; während des Kaltreizes signifikanter Durchblutungsrückgang; n = 15.

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Auch bei den Saunagängern (Abb. 16) stellt sich eine signifikante Durchblutungsänderung am Hypothenar durch das kalte Fußbad ein: Nach im Vergleich zur Kontrollgruppe niedrigerem Ausgangswert in Ruhe ist der Abfall während des Kaltreizes jedoch nicht so ausgeprägt.

Bis zur 4. registrierten Minute kommt es dann zur kontinuierlichen Normalisierung der Durchblutung in Richtung des Ausgangsniveaus sowie fortan zu einem gleichbleibenden Niveau bei etwa 80 % des Ausgangswertes. Bis zur 8. Minute sind dann nur unwesentliche Schwankungen der Mittelwerte zu verzeichnen.

Abbildung 17: Die Durchblutung am Hypothenar der Eisbader: Niedrigste Ruhedurchblutung im Gruppenvergleich; nach dem Kaltreiz schnelle Normalisierung auf Werte entsprechend des Ausgangsniveaus; n = 15.

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Die Winterschwimmer weisen die geringste Ausgangsdurchblutung auf. Anders als bei den anderen Probandengruppen verringert sich die Durchblutung während des Kaltreizes nicht signifikant (Abb. 17). Im Anschluß daran zeigt sich ein schneller Wiederanstieg der Durchblutung; ab der 4. Minute nahe dem Ausgangswert. Während der 7. Minute übersteigt sie diesen in geringem Maße.

5.2.2. Die Amplitude der Vasomotion am Hypothenar

In dieser Versuchsreihe weist keine Probandengruppe signifikant unterschiedliche Amplitudenwerte auf. Die Kontrollgruppe zeigt im Vergleich mit Eisbadern und Saunagängern eine kleine Ruheamplitude. Nach einem vasomotorisch bedingten (nicht signifikanten) Amplitudenmaximum am Hypothenar während des kalten Fußbades liegen die Werte bis zum Versuchsende gering unterhalb dessen, sind aber deutlich größer als der Ruhewert.

Die Ruheamplitude am Hypothenar der Saunagänger ist etwas größer als die der Kontrollgruppe. Mit dem Kaltreiz bewirkt die Vasomotorik ein nicht signifikantes Amplitudenmaximum. Im Gegensatz zu den nicht abgehärteten Kontrollpersonen werden die Amplituden nach Beendigung des kalten Fußbades erheblich, wenn auch nicht signifikant kleiner und sind insgesamt nur noch wenig größer als in Ruhe. Mit der 3. Minute nach Versuchsbeginn setzt dann die schon bei den Kontrollpersonen beschriebene Normalisierung der Amplituden auf Werte leicht unterhalb des Maximums beim Kaltreiz ein. Bis zum Ende der Messungen bleiben sie innerhalb des Bereiches zwischen diesem Maximum und den Ruhewerten.

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Bei den Winterschwimmern ist die Ruheamplitude am kleinsten, unterscheidet sich aber nur unbedeutend von den anderen Probandengruppen. Wie bei diesen bewirkt die Vasomotorik während des kalten Fußbades ein Amplitudenmaximum am Hypothenar; nach dem Kaltreiz fallen die Durchschnittswerte dann aber mehr noch als bei den Saunagängern steil ab und liegen unterhalb des Ruhewertes.

Die Ähnlichkeit zum Amplitudenverlauf der Saunagänger setzt sich im Verlauf der Messungen weiter fort: Während der 3. – 5. Minute nach Versuchsbeginn liegen die Werte wieder erheblich höher, etwas unterhalb der beim Kaltreiz gemessenen. Die Winterschwimmer weisen dann mit der 6. Minute nach Versuchsbeginn ein Amplitudenminimum auf, welches sowohl unterhalb der Ruhephase als auch der 2. Minute liegt.

5.2.3. Die Frequenz der Vasomotion am Hypothenar

Abbildung 18: Vasomotionsfrequenz am Hypothenar der Kontrollgruppe: Niedrigste Ausgangsfrequenz im Gruppenvergleich; nach signifikantem Anstieg während des Kaltreizes dann Rückgang; n = 15.

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Bei den Kontrollpersonen kommt es am Hypothenar durch das kalte Fußbad zu signifikanten Frequenzänderungen im Gegensatz zu Saunagängern und Winterschwimmern. Einer größeren Frequenz während des Kaltreizes (Abb. 18) folgt das Absinken erst auf den Ruhewert und dann während der 6. registrierten Minute auch unterhalb dessen.

Abbildung 19: Vasomotionsfrequenz am Hypothenar der Saunagänger: Nur geringer Frequenzanstieg während des Kaltreizes; anschließend kein deutlicher Rückgang wie bei den Kontrollpersonen; n = 15.

Die Ausgangsfrequenz der Saunagänger liegt in Ruhe zwischen der niedrigeren der Kontrollgruppe und der höheren der Winterschwimmer. Wie bei den Kontrollpersonen steigt sie während des Kaltreizes, verändert sich aber nicht signifikant. Nach Beendigung des kalten Fußbades sinkt die Frequenz leicht unter den Ruhewert ab und fällt bis zur 5. Minute nach Versuchsbeginn weiter in geringem Maße. Das Minimum während dieser 5. registrierten Minute wird nach einem vorübergehenden Anstieg in der 6. und 7. Minute - wie aus Abbildung 19 hervorgeht - während der 8. Minute wieder erreicht.

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Die Ruhefrequenz der Vasomotion am Hypothenar der Winterschwimmer (Abb. 20) ist die höchste der drei Probandengruppen in dieser Versuchsreihe.

Abbildung 20: Vasomotionsfrequenz am Hypothenar der Eisbader: Höchster Ausgangswert im Gruppenvergleich, mit dem Kaltreiz sinkt die Frequenz im Gegensatz zu den anderen Probandengruppen ab; danach wird die Ausgangsfrequenz zeitweise wieder erreicht; n = 15.

Im Gegensatz zu Saunagängern und Kontrollpersonen sinkt die Frequenz während des kalten Fußbades bei den Winterschwimmern ab, um anschließend wieder schnell den Ruhewert zu erreichen.

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Während der 5., 6. und 8. Minute verringert sich die Vasomotionsfrequenz. Wie bei den Saunagängern treten bei diesem Versuch keine signifikanten Änderungen der Meßwerte auf.

5.3. Lokale Reaktion von Vasomotorik und Vasomotion bei einem Eisschmelzwasserbad am rechten Mittelfinger von Kontrollpersonen, Saunagängern und Winterschwimmern

5.3.1. Die Durchblutung am Mittelfinger

Abbildung 21: Durchblutung am Mittelfinger der Kontrollpersonen: Im Gruppenvergleich höchste Ausgangsdurchblutung, die mit dem Kaltreiz deutlich und danach sogar signifikant abfällt; n = 15.

Die Ausgangsdurchblutung der Kontrollpersonen ist höher als die der Saunagänger und Winterschwimmer. Während des Eiswasserbades wird sie kleiner (Abb. 21), um dann nach dessen Beendigung zunächst steil abzufallen. Nach diesem Minimum der 3. Minute steigt die akrale Durchblutung langsam wieder an.

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Abbildung 22: Durchblutung am Mittelfinger der Saunagänger: Wie bei den Kontrollpersonen während des Kaltreizes Rückgang; nach dessen Beendigung signifikant; n = 15.

In der Gruppe der Saunagänger (Abb. 22) ist die Ruhedurchblutung kleiner als die der nicht abgehärteten Kontrollgruppe. Wieder zeigt sich während des Eiswasserbades ein mäßiger Durchblutungsrückgang und danach ein signifikanter Abfall, wenn auch nicht so ausgeprägt wie bei den Kontrollpersonen. Anschließend vergrößert sich die Durchblutung kontinuierlich.

Abbildung 23: Durchblutung am Mittelfinger der Winterschwimmer: Anders als bei den Saunagängern und Kontrollpersonen steigt sie während des Kaltreizes an; nach dessen Beendigung signifikanter Rückgang; n = 15.

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Im Gegensatz zu den bereits beschriebenen Personengruppen weisen die Winterschwimmer in dieser Versuchsreihe keine Ab-, sondern eine Zunahme der Durchblutung während des Eiswasserbades auf!

Nach Beendigung des Kaltreizes fällt die Durchblutung aber auch hier signifikant ab, wie die Abbildung 23 zeigt. Während der 5. und 6. Minute setzt dann der Durchblutungsanstieg ein.

5.3.2. Die Amplitude der Vasomotion am Mittelfinger

Abbildung 24: Den größten Ausgangsruhewert der Amplituden von Vasomotorik und Vasomotion am Mittelfinger der drei Probandengruppen zeigen die Saunagänger; n = 45.

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Die akrale Vasomotionsamplitude in Ruhe ist gemäß Abbildung 24 bei den Saunagängern am größten. Die beiden anderen Probandengruppen bieten am Mittelfinger ähnliche Amplituden. Eine gesonderte Betrachtung erfordert die 3. Minute bei allen Amplitudenmessungen.

Die akralen Versuche zeigen besonders deutlich, wie unmittelbar nach Kaltreizende die Durchblutung stark zurückgeht. In dieser 3. Minute wird also die Vasomotion von der Gefäßkonstriktion überlagert. Damit steigt aber die Amplitude, definiert als Differenz zwischen Maximum und 2. Minimum einer Vasomotionswelle in Millimetern (siehe Kap. 4.6.).

Abbildung 25: Die Vasokonstriktion während der Minute nach dem Herausnehmen des Mittefingers aus dem Eisschmelzwasser fällt bei den Winterschwimmern signifikant größer aus, erkennbar hier an der größeren Amplitude; n = 45.

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Gemessen an den Ruhewerten stellt die Abbildung 25 ein deutlich geändertes Verhältnis dar: Im Gruppenvergleich ist die Amplitude am Mittelfinger in der 3. Minute bei den Winterschwimmern signifikant größer als bei den Saunagängern. Zu diesem Zeitpunkt ist das Eisschmelzwasserbad gerade beendet und die einsetzende vasomotorische Konstriktion ruft die große Amplitude hervor.

Die Betrachtung der einzelnen Probandengruppen zeigt, daß mit dem Eisschmelzwasserbad bei den Kontrollpersonen die Amplitude größer wird und nach dessen Beendigung bedingt durch Vasomotorik weiter ansteigt. Während der 5. Minute besteht nach signifikantem Abfall ein Amplitudenminimum ( siehe Abbildung 26).

Abbildung 26: Amplitude am Mittelfinger der Kontrollpersonen: Sie steigt mit dem Kaltreiz, dann weiter nach dessen Beendigung und fällt anschließend signifikant ab; Amplitudenminimum erst in der 5. Minute; n = 15.

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Anschließend vergrößert sich die Amplitude wieder und erreicht in der 8. Minute den Ruhewert. Die Ausgangsamplitude am Mittelfinger der Saunagänger vor dem Kaltreiz und der Anstieg während des Eisschmelzwasserbades entsprechen weitgehend den Verhältnissen bei den Kontrollpersonen.

Nach dem Reiz wird die Amplitude, wie schon mehrfach erwähnt, vasomotorisch bedingt größer und fällt während der 4. registrierten Minute signifikant auf ein Minimum (Abb. 27). Von der 5. Minute an werden die Amplituden wieder größer.

Abbildung 27: Amplitude am Mittelfinger der Saunagänger: Wieder Anstieg während und nach dem Kaltreiz, in der 4. Minute nach Versuchsbeginn zeigen die Saunagänger die kleinste Amplitude; n = 15.

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Die Winterschwimmer weisen am Mittelfinger in Ruhe eine den anderen Probandengruppen weitgehend ähnliche Amplitude auf. Ihr Anstieg während des Eisschmelzwasserbades ist dann stärker, aber im Gruppenvergleich nicht signifikant unterschiedlich.

Nach einem starken – wie schon beschrieben vasomotorisch bedingten – weiteren Anstieg der Amplitude sinkt sie während der 4. aufgenommenen Minute signifikant ab und wird anschließend wieder größer (Abb. 28).

Abbildung 28: Amplitude am Mittelfinger der Winterschwimmer: Prinzipiell gleicher Verlauf wie bei den Saunagängern; die Winterschwimmer reagieren jedoch heftiger und ihre Amplitude erreicht schneller den Ruhewert; n = 15.

5.3.3. Die Frequenz der Vasomotion am Mittelfinger

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Abbildung 29: Ausgangsfrequenz am Mittelfinger für alle drei Probandengruppen: Die der an wechselwarme Reize gewöhnten Saunagänger liegt deutlich niedriger als bei den anderen Gruppen; n = 45.

Die Abbildung 29 veranschaulicht die Ruhefrequenzen am rechten Mittelfinger aller Versuchspersonengruppen. Bei diesen Ausgangswerten unterschreiten die Saunagänger sowohl die Vasomotionsfrequenz der Kontrollpersonen als auch die der Winterschwimmer deutlich, allerdings nicht signifikant.

Bei den Kontrollpersonen ändert sich die Frequenz während des Eisschmelzwasserbades nur unwesentlich (Abb. 30). Nach dessen Beendigung sinkt die Frequenz und erreicht in der 4. registrierten Minute ihr Minimum. Bis zur 6. Minute wird sie wieder größer, stagniert dann aber und ist während der 8. Minute etwa halb so groß wie in Ruhe.

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Abbildung 30: Frequenz der Vasomotion am Mittelfinger der Kontrollpersonen: Während des Kaltreizes nahezu gleich dem Ruhewert; das Minimum fällt in der vierten Minute nach Versuchsbeginn auf. Die Ausgangsfrequenz wird nicht wieder erreicht; n = 15.

Die Saunagänger bieten die kleinste Ruhefrequenz am rechten Mittelfinger, die sich während des Fingerbades im Eisschmelzwasser dann auf das Maximum aller in dieser Versuchsreihe gemessenen Mittelwerte der Vasomotionsfrequenz erhöht.

Im Gegensatz dazu folgt dann während der 3. und 4. registrierten Minute ein steiler Abfall auf die kleinste Frequenz im Gruppenvergleich. Anschließend zeigt Abbildung 31 einen stetigen Wiederanstieg.

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Abbildung 31: Akrale (d.h. am Zeigefinger gemessene) Frequenzen der Saunagänger; n = 15.

Die Gruppe der Winterschwimmer hat die höchste Ruhefrequenz der Vasomotion am Mittelfinger. Sie verlangsamt sich leicht während des Kaltreizes. Ähnlich den Saunagängern und Kontrollpersonen fällt die Frequenz nach Beendigung des Eisschmelzwasserbades am Mittelfinger steil bis zur 4. registrierten Minute ab. Auch der wie bei den anderen Personengruppen dann langsam einsetzende Frequenzanstieg geht aus Abbildung 32 hervor.

Abbildung 32: Akrale (d.h. am Zeigefinger gemessene) Frequenzen der Winterschwimmer; n = 15.

5.4. Akrale Wiedererwärmung am Zeigefinger von Kontrollpersonen, Saunagängern und Winterschwimmern

▼ 59 

Abbildung 33: Am Zeigefinger der Kontrollpersonen relativ in Millivolt gemessene Temperatur vor, während und nach einem Fingerbad im Eisschmelzwasser: signifikanter Abfall schon während des Eisschmelzwasserbades, danach kontinuierlicher Anstieg; n = 15.

An dieser Stelle sei nochmals auf die Ordinateneinteilung der Säulendiagramme bei der Darstellung akraler Temperaturen hingewiesen: Die gemessenen relativen Werte in Millivolt entsprechen nicht der Gradeinteilung, daher haben die meßtechnisch bedingten im Diagramm abgebildeten negativen Werte auch nicht die Bedeutung etwa von Minusgraden.

Abbildung 33 zeigt die lokale Wiedererwärmungsreaktion auf das einminütige Eisschmelzwasserbad am Zeigefinger der Kontrollpersonen. Es kommt während des Kaltreizes zum signifikanten Temperaturabfall und danach zur kontinuierlichen akralen Wiedererwärmung.

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Abbildung 34: Akrale Wiedererwärmung am Zeigefinger der Saunagänger, gemessen in Millivolt: Wieder signifikanter Abfall mit dem Eisschmelzwasser, danach kontinuierlicher Anstieg; n = 15.

Die akrale Temperatur der Saunagänger (Abb. 34) fällt mit dem Eisschmelzwasserbad auf einen niedrigeren Wert als die der Kontrollpersonen. Nach dessen Beendigung erfolgt die akrale Wiedererwärmung im Vergleich zur Kontrollgruppe zwar etwa gleich schnell, aber auf niedrigerem Niveau. Diese nicht signifikante Differenz zwischen Saunagängern und Kontrollpersonen bleibt während des gesamten Meßzeitraumes bestehen.

Abbildung 35: Wiedererwärmung bei den gewohnheitsmäßigen Eisbadern; n = 15.

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Die Winterschwimmer (Abb. 35) weisen bei nicht signifikant höherer Ausgangstemperatur einen stärkeren Abfall während des Eisschmelzwasserbades auf. Interindividuell gibt es nur einen einzigen Zeitpunkt signifikant unterschiedlicher akraler Wiedererwärmung, den Abbildung 37 veranschaulicht: 30 Sekunden nach dem Herausnehmen aus dem Eisschmelzwasser ist der Zeigefinger der Eisbader signifikant kälter als der der Kontrollpersonen.

Dabei ist zu berücksichtigen, daß die Winterschwimmer im Vergleich mit den anderen Probandengruppen die höchste akrale Ausgangstemperatur aufweisen (Abb. 36).

Abbildung 36: Akrale Ausgangstemperaturen im Gruppenvergleich; n = 45.

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Verfolgt man die akrale Wiedererwärmungsreaktion im Gruppenvergleich weiter, erfolgt sie bei den Winterschwimmern eindeutig am schnellsten.

4 Minuten nach Beendigung des Kaltreizes haben sie die Saunagänger „eingeholt“ (Abb. 38) und nach 7 Minuten auch die Kontrollgruppe (Abb. 39).

Alle Probandengruppen zeigen dann 10 Minuten nach Kaltreizende eine dem Ruhewert vergleichbare Temperatur (Abb. 36 und 40).

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Abbildung 37: Akrale Wiedererwärmung im Gruppenvergleich 30 Sekunden
nach Beendigung des Fingerbades im Eisschmelzwasser; n = 45.

Abbildung 38: Akrale Wiedererwärmung im Gruppenvergleich 4 Minuten
nach Beendigung des Fingerbades im Eisschmelzwasser; n = 45.

Abbildung 39: Akrale Wiedererwärmung im Gruppenvergleich 7 Minuten
nach Beendigung des Fingerbades im Eisschmelzwasser; n = 45.

▼ 64 

Abbildung 40: Akrale Wiedererwärmung im Gruppenvergleich zehn Minuten
nach Beendigung des Fingerbades im Eisschmelzwasser; n = 45.


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20.03.2006