7. Zusammenfassung

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Die vorliegende Untersuchung beschäftigt sich mit der Frage, inwieweit sich durch gewohnheitsmäßige hydrotherapeutische Maßnahmen - und zwar vergleichend kalte sowie wechselwarme - eine thermische Konditionierung herbeiführen lässt. Das Ziel der Arbeit liegt im Nachweis einer durch solche Maßnahmen bedingten unspezifischen Veränderung der Durchblutungsreaktion an Haut und Schleimhaut bei der Einwirkung von Kaltreizen als Nachweis der Abhärtung.

Drei ausgewählte Probandengruppen (Saunagänger, Winterschwimmer und Kontrollpersonen) von jeweils 15 Personen standen zur Registrierung der Vasomotorik und Vasomotion vor, während und nach einem einminütigen Fußbad von 12° C bzw. einem einminütigen Fingerbad im Eisschmelzwasser zur Verfügung. Weiter wurde die Wiedererwärmung eines benachbarten Fingers ebenfalls nach dem einminütigen Fingerbad im Eisschmelzwasser gemessen. Während die Ausgangsmessungen in Ruhe vor dem Kaltreiz vorwiegend die Vasomotion widerspiegeln, wird diese bei Applikation von kaltem Wasser durch die Vasomotorik überlagert. Das wirkt sich vor allem auf die Veränderung des Durchblutungsniveaus und damit auf die gemessene Amplitude aus.

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Die Registrierung ergab, daß sich die Vasomotorik und Vasomotion bei lokaler Messung am Reizort erwartungsgemäß zwar prinzipiell gleichartig, aber signifikant stärker als bei der konsensuellen Messung verändern. Bei der Vasomotionsanalyse kommt der Frequenz sicher eine entscheidende Aussagekraft zu. Die konsensuellen Versuche zeigen, daß die untrainierten Kontrollpersonen länger zur Erlangung ihrer Ruhefrequenz brauchen als Saunagänger und Winterschwimmer. Die Kontrollgruppe reagiert allgemein träger, aber heftiger und zeigt beispielsweise am Hypothenar eine signifikante Frequenzänderung durch das kalte Fußbad im Gegensatz zu Winterschwimmern und Saunagängern als Nachweis fehlender Abhärtung.

Während diese Frequenzmessungen als Hinweis für eine durch gewohnheitsmäßige wechselwarme oder Kaltreize erreichte Abhärtung gewertet werden können, zeigt die Durchblutung beispielsweise an der Nasenschleimhaut klar den stärkeren Einfluss des Eisbadens: Im Vergleich zum wechselwarmen Reiz der Sauna weisen die Winterschwimmer eine deutliche, wenn auch nicht signifikant erhöhte Ruhedurchblutung an der Nasenschleimhaut auf und besitzen damit beispielsweise einen Vorteil hinsichtlich ihrer Schleimhautpräsenz von immunkompetenten Zellen. Ferner ist die Gruppe der Winterschwimmer die einzige, die während des lokalen Eisschmelzwasserbades ihre Durchblutung am Mittelfinger vergrößert.

Die lokalen Eisschmelzwasserbäder am Mittelfinger bewirken bei den Versuchspersonen vorübergehend eine fast fehlende Vasomotionstätigkeit. Daraus resultieren signifikante Veränderungen von Durchblutungsniveau, Amplitude und Frequenz für alle Probandengruppen. Messungen an der Mittelphalanx des Mittelfingers stellen die Vasomotionswellen der Saunagänger am langsamsten im Vergleich mit Winterschwimmern und Kontrollpersonen dar. Die Änderungen der Durchblutung im Vergleich zu den Verhältnissen in Ruhe sind bis zu einer Stunde nachweisbar.

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Die Untersuchung hat auch ergeben, daß bei der akralen Ausgangstemperatur am Zeigefinger zwischen den Probandengruppen nur nichtsignifikante Unterschiede bestehen; der Index der Winterschwimmer ist am wärmsten. Nach der Applikation eines Eisschmelzwasserbades ist die Hauttemperatur der Winterschwimmer dann für kurze Zeit signifikant kleiner als die der anderen Probandengruppen, steigt dafür aber deutlich schneller an. Die Reaktionsbereitschaft der Winterschwimmer auf Kaltreize ist größer als bei Saunagängern und Kontrollpersonen. Die Langzeitwirkung des Saunabadens im Sinne einer schnelleren Wiedererwärmungsreaktion konnte nicht bestätigt werden.

Die durchgeführten Versuche belegen statistisch signifikant, daß sich gewohnheitsmäßige hydrotherapeutische Maßnahmen zirkulationsfördernd auf die kutanen Gefäße auswirken und sich deren Reagibilität erhöht, sodaß Kaltreize besser toleriert werden. Dabei stellt das Winterschwimmen im Vergleich ein stärkeres Trainingsmoment zur Bahnung effektiver thermoregulatorischer Reaktionen auf Kaltreize in warmer Umgebung dar.

Die Frage, ob der Organismus durch das Saunabaden in die Lage versetzt werden kann, schneller auf wechselwarme Reize zu reagieren, sollte Anregung zu weiterer Forschung auf diesem interessanten Gebiet therapeutischer Physiologie sein, um durch deren besseres Verständnis klare Behandlungskriterien zu schaffen.


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20.03.2006