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6.  Zusammenfassung

Der Erfolg der Therapie mit den neuen Biologicals in der Behandlung der Rheumatoiden Arthritis bestätigt die Notwendigkeit einer frühestmöglichen Diagnose und sensiblen Therapiekontrolle dieser Erkrankung, die durch die konventionellen bildgebenden Verfahren nur unzureichend gewährleistet ist. In dieser Querschnittstudie wurden die proximalen Interphalangealgelenke von 102 Patienten mit Verdacht auf rheumatoide Arthrtitis und 40 Kontrollpatienten mit einem neuen bildgebenden Verfahren untersucht. Der Rheuma-Explorer wurde vom Institut für Laser- und Medizintechnologie GmbH entwickelt und basiert auf dem Prinzip der Streulichtanalyse SAL (synthetic aperture linking). Sie nutzt die Veränderungen der gewebe-optischen Eigenschaften Streuung und Absorption im Frühstadium einer Rheumatoiden Arthritis. Nach Transillumination der Gelenke mit einem Laser des nahen Infrarotbereichs (675 nm) wurde die austretende Streulichtstrahlung gemessen und die daraus resultierende mathematische Funktion des Streulichtverteilungsbildes berechnet. Ziel dieser Arbeit war es, die aus einer Vorgängerstudie gewonnenen Kennwerte Breite, Asymmetrie, Steilheit links, Steilheit rechts, und Intensität auf ein großes Patientenkollektiv anzuwenden und ihren Aussagewert zu überprüfen. Daher wurden 1136 proximale Interphalangealgelenke klinisch untersucht, insgesamt 800 Röntgenaufnahmen angefertigt, sowie 688 Sonographien und 208 magnetresonanztomographische Bilder. Sie dienten als Referenz, um entzündliche und knöcherne Veränderungen einordnen und die dazugehörigen Streulichtmessungen beurteilen zu können. Jedes Gelenk wurde mit einem Score von null bis fünf für die klinische Untersuchung, das Röntgen, die Sonographie und das MRT belegt, der die Erkrankungsschwere festlegte. Darüber hinaus wurden die Gruppen Stadium 0 und III festgelegt und somit Fingergelenke, die in allen bildgebenden Verfahren eine floride Entzündung zeigten (III) den gesunden der Kontrollgruppe (0) gegenübergestellt. Die Ergebnisse zeigten, dass die genannten Kennwerte Breite, Asymmetrie, Steilheit links, Steilheit rechts, und Intensität keinen Aufschluss über den klinischen Zustand eines Gelenks mit früher Rheumatoider Arthritis gaben. Sie korrelierten nicht mit dem Entzündungsgrad. Auch bei Röntgen, Sonographie und MRT konnte keine Tendenz der Kennwertveränderung mit einer Verschlechterung des Befunds in Zusammenhang gebracht werden. Der Gruppenvergleich der Stadien 0 und III brachte den Beweis, dass weder der Entzündungsgrad eines Gelenks mit Hilfe des [Seite 69↓]Rheuma-Explorer zu eruieren ist, noch die bloße Unterscheidung von gesund und rheumatisch verändert anhand der Kennwerte möglich ist. Als Ursachen für das Versagen der Methode an einem großen Patientenkollektiv sind eine zu hohe Sensitivität, und die mangelnde Reproduzierbarkeit bei der Fingerpositionierung in der Apparatur des Rheuma-Explorers zu diskutieren. Eine Anpassung des Geräts mit der Neuerung, die Fingerpositionierung unter Kamerakontrolle überwachen zu können, wäre für die Zukunft anzustreben. Interindividuelle, anatomische Unterschiede wie Hautfarbe- und Beschaffenheit und Gelenkdurchmesser stellen bislang noch Variablen dar, die die Verwertbarkeit der Daten beeinträchtigen. Um den Einfluss dieser Variablen genau definieren zu können, wären Längsschnittstudien als Basis erforderlich, die die Akuität der Entzündung zunächst an einem Gelenk beobachten. Erst dann wird es möglich sein, die Informationen der Streulichtanalyse nutzbar zu machen, zum Beispiel in Bereichen der Remissionsbeurteilung oder der Therapiekontrolle.


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07.05.2004