Einleitung

Der Schlaganfall ist in den Industrienationen die dritthäufigste Todesursache [1]. Primär muss zwischen einer ischämischen und einer hämorrhagischen Genese unterschieden werden. Beim ischämischen Schlaganfall, der in ca. 80% der Fälle vorliegt, stellt die frühe Wiedereröffnung des verschlossenen Gefäßes durch Fibrinolytika einen kausalen Therapieansatz dar [2, 3]. Der kranialen Computertomographie (CT) kommt hierbei eine diagnostische Schlüsselrolle zu, da sie das primäre Bildgebungsverfahren bei Patienten dem klinischen Verdacht auf eine akute zerebrale Ischämie darstellt [4]. Mit der CT können Blutungen oder große, mehr als 1/3 des Gefäßterritoriums der Arteria cerebri media umfassende Infarkte als Kontraindikation einer Lysetherapie sicher ausgeschlossen werden.

Um die klinische Prognose des Schlaganfalles verlässlicher abschätzen zu können sind präzise Informationen über den zerebralen Perfusionsstatus vor Therapiebeginn von Bedeutung, da bei ausgeprägter Minderperfusion das Risiko einer Blutung bei Reperfusion steigt [5] und bereits irreversibel geschädigtes Hirngewebe von einer Fibrinolyse nicht profitiert. Die bereits 1980 von Axel [6] vorgeschlagene Perfusionsbildgebung mittels CT ist heutzutage ein durch klinische Studien [7, 8] evaluiertes diagnostisches Verfahren bei Schlaganfallpatienten, wobei jedoch die klinische Wertigkeit bei Einsatz der Einschicht-Spiral-CT (ES-CT), insbesondere im Vergleich mit der Perfusionsbildgebung in der Magnetresonanztomographie (MRT) auf Grund der nur begrenzten Volumenabdeckung der ES-CT, limitiert ist. Bereits vorgestellte Protokolle für die CT-Perfusion (CTP) hatten darüber hinaus modellimmanente Nachteile [9, 10], welche die Qualität der Resultate einschränkten. Wird jedoch den Algorithmen der CTP ein Modell des Kapillarflusses zugrunde gelegt (so genannte parametrische Dekonvolution), so kann die Qualität der resultierenden Parameterbilder verbessert werden [11].

Nicht nur die Erfassung des Perfusionsstatus, sondern auch die Kenntnis der zugrunde liegenden Gefäßpathologie sind für eine Therapieentscheidung von Bedeutung. Die CT-Angiographie (CTA) wurde als ein geeignetes Verfahren zur Beurteilung sowohl des arteriellen [12] als auch des venösen [13] zerebrovaskulären Systems beschrieben, das auch bei Schlaganfallpatienten wichtige Informationen liefern kann [12, 14, 15, 16]. Durch technische Limitierungen der ES-CT war der Untersuchungsbereich jedoch auf einen Gefäßabschnitt beschränkt, eine Erfassung sowohl des zervikalen als auch des


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intrakraniellen arteriellen und venösen Gefäßsystems während einer Untersuchung war nicht möglich.

Mit der Einführung der Mehrschicht-Spiral-CT (MS-CT) im Jahre 1998 [17] entfielen wesentliche technische Limitierungen der ES-CT. Klinisch-radiologisch bedeutsame Vorteile der MS-CT gegenüber der ES-CT stellen die simultane Datenaufnahme von anfänglich 4, später bis zu 16 Schichten, die verkürzte Rotationszeit, die höhere Ortsauflösung und die Verbesserung der Bildrekonstruktionsalgorithmen dar [18, 19]. Wird die MS-CT für die CTP eingesetzt, kann die Volumenabdeckung des Zielorgans verbessert werden, so dass hämodynamische Veränderungen mit einer erhöhten Sensitivität erfasst werden könnten. Für die CTA ergibt sich durch die MS-CT die Möglichkeit der hochaufgelösten Darstellung des gesamten zerviko-zerebralen Gefäßsystems mit einem monophasischen Untersuchungsprotokoll.


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11.03.2005