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1. Problemstellung

Kognitive Defizite bei schizophrenen Patienten sind seit vielen Jahren bekannt. Sie betreffen die Bereiche der Aufmerksamkeit und Konzentration, des Gedächtnisses und Arbeitsgedächtnisses, der Perseverationstendenz und der exekutiven Funktionen wie Problemlösen, Planen und Organisationsvermögen. Sie wurden hinreichend bei chronischen und ersterkrankten Patienten mit Schizophrenie berichtet (Blanchard und Neale, 1994; Hoff et al., 1992; Saykin et al., 1991).

Daneben gibt es Belege, dass die Ergebnisse bei neuropsychologischen Tests auch von der neuroleptischen Medikation beeinflußt werden (Kahn, 1996; Meltzer et al., 1999; Purdon, 1999). Insbesondere den konventionellen Neuroleptika wird eine Beeinträchtigung der kognitiven Leistungen bei schizophrenen Patienten zugeschrieben (Cassens et al., 1990; Blyler und Gold, 2000), während mit Atypika medizierte Patienten keine oder nur geringe Defizite der kognitiven Leistungen aufweisen sollen (Purdon, 1999). Es gibt jedoch auch Untersuchungen, die gezeigt haben, dass unmedizierte schizophrene Patienten keine oder nur geringe Einschränkungen der kognitiven Leistungsfähigkeit haben (Buchsbaum et al., 1992). Somit bleiben die bisherigen Befunde eher widersprüchlich, was möglicherweise darauf zurückzuführen ist, dass die Schizophrenien eine heterogene Gruppe von Erkrankungen darstellt und nicht alle Bereiche komplexer kognitiver Funktionen gleichzeitig gestört sein müssen.

Ausgehend von diesen Befunden soll eine vergleichende Untersuchung an schizophrenen Patienten und gesunden Kontrollpersonen mit Hilfe umfangreicher neuropsychologischer Testverfahren durchgeführt werden. Es soll geprüft werden, ob eine nachweisbare Beeinträchtigung kognitiver Funktionen sowohl bei unbehandelten als auch kurzzeitig mit konventionellen bzw. atypischen Neuroleptika behandelten Patienten im Vergleich zu gesunden Probanden auftritt und ob die gefundenen Störungen Beziehung zu bestimmten psychopathologischen Symptomen aufweisen.

Trotz einer Vielzahl vergleichender Studien bezüglich möglicher Zusammenhänge zwischen kognitiven Störungen und der Art neuroleptischer Medikation, wurde die Frage der Dosisabhängigkeit bisher nicht gezielt untersucht. Ausgehend von der Hypothese, dass besonders bei den konventionellen Neuroleptika eine dosisabhängige Beeinträchtigung kognitiver Funktionen zu erwarten ist, soll in der vorliegenden Arbeit weiterhin die Frage untersucht werden, welche kognitiven Funktionen besonders stark betroffen sind und ob auch bei den atypischen Neuroleptika dosisabhängige Effekte nachzuweisen sind.


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11.05.2004