|
| [Seite 29↓] |
In Tab. 2 sind die demographischen und klinischen Charakteristika der schizophrenen Patienten und der Kontrollgruppe dargestellt.
Tab. 2: Demographische und klinische Charakteristika der untersuchten Gruppen
|
Alter [Jahre] |
Geschlecht [Männer/Frauen] |
Kristalline Intelligenz [IQ-A-Wert] |
Bildung [Jahre] |
|
|
Kontrollgruppe (n=51) |
34,8 ± 9,5 |
21/30 |
119,6 ± 14,4 ***1) |
12,0 ± 2,1 |
|
Schizophreniegruppe (n=44) |
33,4 ± 10,0 |
21/23 |
107,0 ± 16,8 |
11,8 ± 1,8 |
Es bestanden keine signifikanten Unterschiede bezüglich des mittleren Alters und der Geschlechtsverteilung zwischen der Kontrollgruppe und der Gesamtgruppe der Schizophrenie-Erkrankten, wie auch der Medikationsuntergruppen.
Die Patienten waren entweder unmediziert oder wurden mit einem konventionellen oder atypischen Neuroleptikum behandelt (Tab. 3). Die Patienten erhielten keine Zusatzmedikation (z.B. Anticholinergika, Benzodiazepine).
Die Dosierungen der konventionellen Neuroleptika und Atypika waren individuell sehr unterschiedlich (Haloperidol: 7,5-40 mg/die; Fluphenazin 21-50 mg/die; Flupentixol 5–40 mg/die; Clozapin 100-425 mg/die; Olanzapin 7,5-30 mg/die; Sertindol 8 mg/die; Risperidon 4-6 mg/die). Um eine Vergleichbarkeit hinsichtlich der Dosishöhe der unterschiedlichen Medikamente zu ermöglichen, wurden die Dosierungen in Chlorpromazin-Äquivalente nach Rey et al. (1989) umgerechnet (Tab. 3).
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| [Seite 30↓] |
Tab. 3: Medikationsstatus der Schizophrenie-Patienten und mittlere Tagesdosis in CPZ-Äquivalenten (Rey et al., 1989)
|
Medikationsstatus |
TZP 1 |
TZP 2 1) |
|
|
Kein Neuroleptikum (n) |
18 |
2 1) |
|
|
Konventionelles Neuroleptikum (n) |
14 (610 mg ± 203) |
6 (569 mg ± 180) 1) |
|
|
(min. 250 – max. 1000 mg) |
|||
|
Fluphenazin Flupentixol Haloperidol |
2 3 9 |
2 2 2 |
|
|
Atypikum (n) |
12 (542 mg ± 211) |
14 (480 mg ± 190) 1) |
|
|
(min. 96 – max. 850 mg) |
|||
|
Clozapin Olanzapin Sertindol Risperidon |
6 5 1 |
7 6 1 |
|
Die mittlere neuroleptische Tagesdosis (in CPZ-eq) unterschied sich zwischen den konventionell und atypisch medizierten Patienten zu beiden TZP nicht signifikant.
Da für einige Testergebnisse eine Altersabhängigkeit bekannt ist, wurde in den beiden Vergleichsgruppen die Altersverteilung analysiert. Es ergaben sich jedoch diesbezüglich keine signifikanten Unterschiede zwischen der Patienten – und Kontrollgruppe bzw. zwischen den Medikamentenuntergruppen.
Die verbale (prämorbide, kristalline) Intelligenz (IQ-A-Wert) lag bei der Kontrollgruppe signifikant höher als bei der gesamten Patientengruppe (Tab.2). Bezüglich der Ausbildungsjahre ergaben sich [Seite 31↓]jedoch keine signifikanten Unterschiede (Tab. 2). Bei der Untersuchung der fluiden Intelligenz mittels des Leistungsprüfsystems-Untertest 3 fielen deutlich signifikante Unterschiede zwischen Patientengruppe und gesunden Probanden auf (Tab. 4).
Tab. 4: Fluide Intelligenz - Mittelwertsvergleich Kontrollgruppe vs. Schizophrenie-Gruppe zum TZP 1 und TZP 2
|
LPS-3 / IQ-Wert |
Kontrollgruppe |
Patientengruppe |
|
1. Messung |
114,4 ± 11,8 (n=46)4) |
95,8 ± 16.4***1) (n=34) |
|
2. Messung |
120,0 ± 13,0***2)(n=45) |
99,7 ± 15.4 (n=17)3) |
Die konventionell medizierten Patienten (n=12) erreichten mit einem IQ von 88,8 ± 14,7 einen deutlich niedrigeren Wert als die Gesamtgruppe der Patienten. In einem Mehrfachvergleich blieb der Unterschied zu den Patienten mit Atypika jedoch nur tendentiell unterschiedlich (ANOVA: df=2, F=1,909; Post hoc LSD: p=0,075).
Zum 2. Testzeitpunkt ergab sich eine signifikante Verbesserung der fluiden Intelligenz sowohl bei gesunden Kontrollen als auch bei Patienten, die ein zweites Mal untersucht werden konnten (Tab.4).
Die Psychopathologie-Scores (Positivsymptomatik, Negativsymptomatik und Allgemeinpsychopathologie) der PANSS-Skala (Kay et al., 1987) zum 1. Testzeitpunkt (TZP) ergaben erwartungsgemäss in allen Symptomgruppen statistisch signifikant höhere Werte in der Schizophrenie-Gruppe.
Die Ausprägung der Psychopathologie bei den Patienten war jedoch je nach Medikationsgruppenzugehörigkeit unterschiedlich (Tab. 5).
|
|
Tab. 5: PANSS (Psychopathologie-Marker): Mittelwertsvergleich Kontrollgruppe vs- Schizophrenie-Gesamtgruppe vs. Medikationsuntergruppen (TZP 1)
|
PANSS |
Patienten, gesamt |
Unmediziert |
Konventionelle Neuroleptika |
Atypische Neuroleptika |
|---|---|---|---|---|
|
n=19 |
n=5 |
n=8 |
n=6 |
|
|
Positive Symptomatik |
20,7 ± 6,0 |
23,4 ± 6,5 |
23,7 ± 4,1 |
14,8 ± 2,3**1) |
|
Negative Symptomatik |
23,5 ± 7,2 |
23,0 ± 8,1 |
24,3 ± 7,4 |
23,0 ± 10,3 |
|
Globale Psychopathologie |
46,8 ± 9,2 |
48,8 ± 11,9 |
50,3 ± 3,4 |
40,5 ± 9,2*2) |
Die Positivsymptomatik und die Globalpsychopathologie waren bei Patienten mit atypischen Neuroleptika signifikant schwächer ausgeprägt als bei unmedizierten oder mit konventionellen Neuroleptika behandelten Patienten (Tab. 5). Bezüglich der Negativsymptomatik gab es jedoch keine signifikanten Unterschiede (Tab. 5).
Zum TZP 2 verbesserte sich bei den Schizophrenen (n=12) die Positivsymptomatik (PANSS-P) auf 14,9 ± 3,6 (p<0,01 vs. TZP 1), die Negativsymptomatik (PANSS-N) auf 18,3 ± 6,6 (p<0,01 vs. TZP 1) und die Globalpsychopathologie (PANSS-G) auf 36,3 ± 6,7 (p<0,001 vs. TZP 1).
Bei der Eigenbewertung der Symptomschwere mittels der Paranoid-Depressivitäts-Skala (PD-S) zum 1. Testzeitpunkt ist der Mittelwert der gesunden Kontrollen bezüglich der paranoiden (P-Wert) und depressiven (D-Wert) Symptome erwartungsgemäss signifikant niedriger als in der gesamten Patientengruppe (Tab. 6). Die Kontrollpersonen unterschieden sich hinsichtlich des Paranoiditäts-Wertes (P) aber nicht signifikant gegenüber den Patienten mit atypischen Neuroleptika (Tab. 6). In den schizophrenen Medikations-Untergruppen wurden signifikant niedrigere Paranoiditäts-Werte (P) bei Patienten mit atypischen Neuroleptika im Vergleich zu den unmedizierten und konventionell [Seite 33↓]medizierten Patienten gefunden (Tab. 6).
|
PD-S |
Gesunde Kontrollen |
Patienten, gesamt |
Unmediziert |
Konventionelle Neuroleptika |
Atypische Neuroleptika |
|---|---|---|---|---|---|
|
n=44 |
n=37 |
n=15 |
n=13 |
n=9 |
|
|
P-Wert |
2,6 ± 2,9 |
13,1 ± 10,5***1) |
14,9 ± 10,1***1) |
15,9 ± 12,3***1) |
5,9 ± 3,02) |
|
D-Wert |
5,1 ± 3,8 |
16,5 ± 10,9***1) |
18,7 ± 12,3***1) |
15,8 ± 12,1***1) |
14,0 ± 6,1**3) |
Bezüglich der Dissimulationstendenz (PD-S-Kv) gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen Schizophrenen und Gesunden.
Im folgenden (Tab. 7) werden zur Darstellung der Alters- und Intelligenzabhängigkeit Korrelationen zwischen den Referenzvariablen Alter, Intelligenz und psychopathologischem Status (MWT-IQ-A, LPS-3, PANSS-P, PANSS-N, PANSS-G) betrachtet.
In der Gruppe der schizophrenen Patienten korrelierte das Alter signifikant positiv mit der Globalpsychopathologie (PANSS-G), jedoch nicht mit den Subskalen der positiven und negativen Symptomatik (Tab. 7). Ein schwach signifikanter Korrelationskoeffizient ergab sich auch zwischen Alter und paranoiden Erlebnisinhalten (Tab. 7). Das LPS-3 zeigte keine signifikanten Korrelationen zu Alter, Intelligenz oder Psychopathologie.
|
|
Tab. 7: Spearman Korrelationskoeffizienten von Referenzvariablen bei Schizophrenen
|
MWT-IQ-A |
PANSS-P |
PANSS-N |
PANSS-G |
P-DS-P |
P-DS-D |
|
|---|---|---|---|---|---|---|
|
n=35 |
n=19 |
n=19 |
n=19 |
n=37 |
n=37 |
|
|
Alter |
0,389* |
0,412 |
-0,220 |
0,652** |
0,362* |
0,308 |
|
MWT-B-IQ-A |
-0,104 |
-0,617** |
0,102 |
0,050 |
-0,127 |
|
|
LPS-3-IQ |
-0,198 |
-0,503* |
-0,331 |
-0,145 |
-0,016 |
|
|
PANSS-P |
0,109 |
0,657** |
0,754** |
0,208 |
||
|
PANSS-N |
0,397 |
0,094 |
0,193 |
|||
|
PANSS-G |
0,414 |
0,157 |
||||
|
P-DS-P |
0,514** |
Im Unterschied zur Schizophreniegruppe liess sich in der gesunden Kontrollgruppe keine signifikante Alters- oder Intelligenzabhängigkeit von Psychopathologie-Variablen nachweisen.
Zum 1. Testzeitpunkt ergaben sich beim Zahlennachsprechen vorwärts keine signifikanten Unterschiede zwischen gesunden Kontrollen und Patienten als Gesamtgruppe (Tab. 8). Im Zahlennachsprechen rückwärts war ein signifikanter Unterschied zwischen der Patienten- und Kontrollgruppe nachweisbar (Tab. 8).
|
|
Tab. 8: Zahlennachsprechen: Mittelwertsvergleich Kontrollgruppe vs. Schizophrenie-Gruppe (TZP 1)
|
Zahlennach-sprechen |
Kontrollgruppe |
Schizophrenie-Gruppe |
|
|
n=32 |
n=31 |
||
|
Vorwärts |
8,1 ± 2,2 |
7,3 ± 2,2 1) |
|
|
Rückwärts |
8,1 ± 2,8 |
6,6 ± 2,8*2) |
In einer einfaktoriellen ANOVA unterschieden sich die Patienten-Untergruppen (konventionell medizierte Patienten (n=11): 7,4 ± 2,5; atypisch medizierte Patienten (n=9): 7,4 ± 0,9; unmedizierte Patienten (n=13): 7,2 ± 2,7) hinsichtlich ihrer Mittelwerte nicht signifikant voneinander (Zahlennachsprechen vorwärts: df=3, p=0,58; Zahlennachsprechen rückwärts: df=3, p=0,16).
Im Corsi Test zeigten die schizophrenen Patienten als Gesamtgruppe signifikant schlechtere Leistungen als die Kontrollen (Tab. 9).
Tab. 9: Corsi-Block-Span Test: Mittelwertsvergleich Kontrollgruppe vs. Schizophrenie-Gruppe (TZP 1)
|
Corsi |
Kontrollgruppe |
Schizophrenie-Gruppe |
|
|
n=32 |
n=31 |
||
|
Rohwertpunkte |
7,9 ± 1,8 |
6,2 ± 1,8***1) |
|
|
Blockspanne |
6,1 ± 0,8 |
5,2 ± 1,0***1) |
In einer einfaktoriellen ANOVA unterschieden sich die Patienten-Untergruppen (konventionell medizierte Patienten (n=10): Corsi Rohwertpunkte 6,5 ± 1,8 und Corsi Blockspanne 5,1 ± 0,9; [Seite 36↓]atypisch medizierte Patienten (n=8): Corsi Rohwertpunkte 6,4 ± 0,9 und Corsi Blockspanne 5,4 ± 0,5; unmedizierte Patienten (n=13): Corsi Rohwertpunkte 5,9 ± 2,3 und Corsi Blockspanne 5,0 ± 1,2) hinsichtlich ihrer Corsi Rohwertpunkt- und Corsi-Blockspanne - Mittelwerte nicht signifikant voneinander (Corsi Rohwertpunkte: df=2, F= 0,31, p=0,74; Corsi Blockspanne: df=2, F= 0,37, p=0,70).
Die Variablen des d2-Aufmerksamkeits-Belastungstests der Kontroll-, der Schizophrenie-Gesamtgruppe und der Medikationsuntergruppen sind in Tab. 10 dargestellt:
|
Gruppe |
N |
Summe |
Fehler 1. Ordnung |
Fehler 2. Ordnung |
Fehler-Prozent |
|---|---|---|---|---|---|
|
Kontrollen |
49 |
454,8 ± 95,2 |
15,4 ± 17,3 |
0,7 ± 1,2 |
3,5 ± 3,3 |
|
Schizophrenie- Gesamtgruppe |
42 |
320,8 ± 97,1***1) |
22,8 ± 20,8 |
2,4 ± 3,5**2) |
8,6 ± 7,5***1) |
|
Konventionelle Medikation |
14 |
312,8 ± 114,0***1) |
25,7 ± 22,0 |
3,6 ± 3,7***1) |
9,9 ± 8,1***1) |
|
Atypische Medikation |
11 |
325,6 ± 78,1***1) |
12,7 ± 9,1 |
0,8 ± 1,0*4) |
4,2 ± 3,1*5) |
|
Unmedizierte Patienten |
17 |
324,3 ± 98,4***1) |
26,8 ± 23,7 |
2,3 ± 4,0*3) |
10,4 ± 12,8***1) |
|
| [Seite 37↓] |
Die Kontrollgruppe und die Schizophrenie-Gesamtgruppe unterschieden sich im d2-Summenscore (T=6,87, p<0,001), in der Anzahl der Fehler 2. Ordung (T=-3,06, p<0,01) und in der Prozentzahl Fehler (T=-3,83, p<0,001) signifikant voneinander (Tab. 10). Dabei zeigten die Patienten mit Atypika in den d2-Variablen Fehler 1. und 2. Ordnung und Prozentzahl Fehler ähnliche Resultate wie die Gesunden (Tab. 10). Bezüglich der Fehler 1. Ordung war der Unterschied nicht signifikant (T=-1,43). In einem Mehrfachvergleich innerhalb der schizophrenen Patientengruppe ergaben sich hinsichtlich der d2-Ergebnisse keine signifikanten Unterschiede, bis auf die mittlere Differenz der Fehler 2. Ordnung der atypisch medizierten Patienten vs. konventionell medizierter Patienten, die auf der Stufe p=0,05 signifikant war (Tab. 10). Auch die Prozentzahl an Fehlern (d2F-%) war bei den atypisch medizierten Patienten signifikant niedriger als bei den unmedizierten schizophrenen Patienten (p<0,05; Tab.10). Gegenüber den konventionell medizierten Patienten war der Unterschied knapp nicht signifikant (p=0,054).
Wenn im Verlauf das Neuroleptikum auf ein Atypikum gewechselt wurde, verbesserte sich die Testleistung im d2-Aufmerksamkeits-Belastungstest (d2-Summe) deutlicher (52,5 ± 88,4 vs. 40,9± 64,8) als bei den schizophrenen Patienten, bei denen keine Umstellung vorgenommen wurde. Betrachtet man nur die unmedizierten Patienten, die im Verlauf auf ein Atypikum eingestellt wurden (n=7), lässt sich eine signifikante Steigerung der Konzentrationsleistung von TZP 1 (unmediziert; d2-Summe 310,7 ± 80,6) zum TZP 2 (atypisch mediziert; d2-Summe 392,9 ± 79,0) feststellen (p<0,001).
Die Kontrollgruppe erzielte bessere Ergebnisse als die Gesamtgruppe der schizophrenen Patienten. Der Mittelwertsvergleich des BET zwischen beiden Gruppen ergab einen statistisch signifikanten Unterschied (Tab. 11).
Tab.11: BET: Mittelwertsvergleich Kontrollgruppe vs. Schizophrenie-Gruppe (TZP 1)
|
BET |
Kontrollgruppe |
Schizophrenie-Gruppe |
|
|
n=51 |
n=40 |
||
|
Summe |
77,0 ± 10,5 |
62,7 ± 12,9 ***1) |
|
| [Seite 38↓] |
Innerhalb der schizophrenen Patientengruppe liessen sich mittels Mehrfachvergleichsverfahren keine statistisch signifikanten Unterschiede feststellen.
Gesunde schnitten in allen Variablen besser ab als die schizophrenen Patienten (Tab. 12).
|
S-Umkehrtest |
Kontrollgruppe |
Schizophrenie-Gruppe |
|
|
n=51 |
n=41 |
||
|
S2-1 |
63,0 ± 10,9 |
49,1 ± 11,6***1) |
|
|
S2-2 |
56,9 ± 13,8 |
41,5 ± 11,6***1) |
|
|
S2-3 |
60,3 ± 11,2 |
48,4 ± 11,3***1) |
|
|
S2-4 |
57,4 ± 12,3 |
44,1 ± 11,2***1) |
|
|
S2-5 |
101,5 ± 23,8 |
73,9 ± 22,5***1) |
|
|
S2-% |
85,7 ± 16,7 |
80,2 ± 17,2 |
Die Unterschiede zwischen der Kontrollgruppe und der Schizophrenie-Gesamtgruppe waren in den tempoabhängigen Variablen S2-1 bis S2-5 sämtlich signifikant (Tab. 12). In der tempobereinigten Variable „S2-Prozent“ unterschied sich die Patientengesamtgruppe nicht signifikant von der Kontrollgruppe (Tab. 12).
Hinsichtlich der rein tempoabhängigen Variable S2-1 waren die atypisch medizierten Patienten signifikant schlechter als die konventionell oder unmedizierten Patienten, hinsichtlich der Variable S2-% blieben die Unterschiede nicht signifikant (Tab. 13). Die unmedizierten Patienten zeigten in [Seite 39↓]beiden S-Umkehrtestvariablen die besten Resultate (Tab. 13).
|
Gruppe |
N |
S2-1 |
S2-Prozent |
|---|---|---|---|
|
Kontrollen |
51 |
63,1 ± 10,9 |
85,7 ± 16,7 |
|
Schizophrenie- Gesamtgruppe |
41 |
49,2 ± 11,6 |
80,2 ± 17,2 |
|
Konventionelle Medikation |
14 |
48,6 ± 12,1 |
75,5 ± 21,2 |
|
Atypische Medikation |
10 |
42,6 ± 7,1**1) |
81,4 ± 15,6 |
|
Unmedizierte Patienten |
17 |
53,6 ± 11,9 |
83,1 ± 14,9 |
Zwischen den Gedächtnisparametern (Zahlennachsprechen vorwärts und rückwärts, Corsi Span, Corsi Score) und den Referenzvariablen bestanden – getrennt nach Patienten – und Kontrollgruppe) folgende Korrelationen (Tab. 14):
|
|
Tab. 14: Spearman Korrelationskoeffizienten von Gedächtnisparametern und Referenzvariablen bei Schizophrenen und Kontrollpersonen
|
Alter |
MWT-IQ-A |
LPS-3-IQ |
PANSS-P |
PANSS-N |
PANSS-G |
||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
|
Patienten Kontrollen |
n=44 n=51 |
n=35 n=46 |
n=35 n=46 |
n=19 n=27 |
n=19 n=27 |
n=19 n=27 |
|
|
Zahlennachsprechen vorwärts |
Pat. Kon. |
-0,049 -0,132 |
0,182 0,179 |
0,141 0,306 |
-0,555* -0,206 |
-0,277 -0,548** |
-0,311 -0,299 |
|
Zahlennachsprechen rückwärts |
Pat. Kon. |
0,111 -0,264 |
0,441* 0,352* |
0,400* 0,428* |
-0,319 -0,227 |
-0,247 -0,523** |
-0,389 -0,271 |
|
Corsi Score |
Pat. Kon. |
-0,165 -0,423* |
0,384* 0,364* |
0,164 0,512** |
-0,391 -0,214 |
-0,444 -0,481* |
-0,577* -0,027 |
|
Corsi Spanne |
Pat. Kon. |
-0,203 -0,471** |
0,387* 0,325 |
0,138 0,410* |
-0,480 -0,321 |
-0,296 -0,394* |
-0,585 -0,203 |
Die Patientenwerte der Globalpsychopathologie (PANSS-G) korrelierten signifikant negativ mit den Testergebnissen des Corsi-Block-Span-Tests (Tab. 14), d.h. das räumliche Gedächtnis war schlechter bei Patienten mit ausgeprägter Psychopathologie. Die Skalen für die positive (PANSS-P) und negative (PANSS-N) Symptomatik korrelierten zwar mit dem räumlichen Gedächtnis, die Korrelationskoeffizienten erreichten aber nicht das Signifikanzniveau. Bei den gesunden Kontrollen korrelierte jedoch die Skala für Negativsymptomatik (PANSS-N) in einer ähnlichen Stärke wie bei den Patienten. Aufgrund der höheren Fallzahl erreichte dieser Korrelationskoeffizient das Signifikanzniveau von p<0,05.
Die Testergebnisse für Kurzzeitgedächtnis der Schizophrenen wie auch der Gesunden zeigten keine signifikanten Korrelationen zu Depressivität oder paranoiden Erlebnisinhalten (P-DS). Nur in der Kontrollgruppe gab es signifikante negative Korrelationen zwischen dem Alter und dem Corsi-[Seite 41↓]Block-Span Test (Tab. 14). Bezüglich der Positivsymptomatik zeigte sich eine signifikant negative Korrelation zum Kurzzeitgedächtnis bei den schizophrenen Patienten (Tab. 14).
In der Testzeit des Trail Making Test Teil A und Teil B erwiesen sich die Kontrollpersonen signifikant besser als die Gesamtgruppe der schizophrenen Patienten (Tab. 15), wobei der Unterschied im Teil A grösser ausfiel (Teil A: T=-4,86, df=31,08 vs. Teil B: T=-3,03, df=27,35).
Tab. 15: Trail Making Test: Mittelwertsvergleich Kontrollgruppe vs. Schizophreniegesamtgruppe (TZP1)
|
Trail-Making-Test (TMT) |
Kontrollgruppe |
Schizophrenie-Gruppe |
|---|---|---|
|
n=30 |
n=27 |
|
|
Teil A |
26,7 ± 7,3 |
48,2 ± 22,0***1) |
|
Teil B |
65,5 ± 21,0 |
111,1 ± 72,6**2) |
Bezüglich der Medikation liessen sich keine signifikanten Unterschiede in den Trail Making Test Leistungen (TMT-A: df=2, F=0,281, p=ns; TMT-B: df=2, F=0,050, p=ns) zwischen den konventionell medizierten Patienten, atypisch medizierten Patienten und den unmedizierten Patienten abbilden. Auffällig ist die deutlich höhere Variabilität der Messwerte in der Schizophrenie-Gruppe (TMT-A: CV= 45,6 % vs. 27,3 % bei Gesunden; TMT-B: CV=65,3 % vs. 32 % bei Gesunden).
Die Rohwerte der Stroop-Variablen Farbwörterlesen (FWL), Farbstrichebenennen (FSB) und Interferenz (INT) der Kontroll-, der Schizophrenie-Gesamtgruppe und der Medikationsuntergruppen sind in Tab. 16 dargestellt:
|
|
Tab. 16: Stroop-Rohwerte Farbwörterlesen (FWL), Farbstrichebenennen (FSB) und Interferenz (INT): Mittelwertsvergleich Kontrollgruppe vs. Schizophreniegesamtgruppe vs. Medikationsuntergruppen (TZP 1)
|
Gruppe |
n |
FWL-Rohwert |
FSB-Rohwert |
INT-Rohwert |
|---|---|---|---|---|
|
Kontrollen |
51 |
27,8 ± 4,8 |
41,9 ± 6,5 |
72,0 ± 16,8 |
|
Schizophrenie- Gesamtgruppe |
41 |
32,1 ± 7,3**1) |
56,2 ± 19,2***2) |
103,7 ± 40,9***2) |
|
Konventionelle Medikation |
14 |
34,6 ± 9,1***2) |
57,1 ± 16,8***2) |
109,0 ± 43,3***2) |
|
Atypische Medikation |
10 |
33,1 ± 6,0***3) |
50,9 ± 10,2 |
94,7 ± 20,1***3) |
|
Unmedizierte Patienten |
17 |
29,4 ± 5,9 |
58,7 ± 24,8***2) |
104,8 ± 48,6***2) |
Die Kontrollgruppe und die Schizophrenen-Gesamtgruppe unterschieden sich in allen drei Testabschnitten des Stroop-Interferenztestes signifikant (Tab. 16). Innerhalb der Schizophrenen-Gruppe ergaben sich bei Aufteilung nach Medikationsgruppen keine signifikanten Unterschiede (Einfaktorielle ANOVA FWL: F=2,14, p=ns; FSB: F=0,52, p=ns, INT: F=0,35, p=ns; Tab. 16).
Die T-Werte der Stroop-Variablen Farbwörterlesen (FWL), Farbstrichebenennen (FSB) und Interferenz (INT) der Kontroll-, der Schizophrenie-Gesamtgruppe und der Medikationsuntergruppen sind in Tab. 17 dargestellt:
|
|
Tab. 17: Stroop-T-Werte Farbwörterlesen (FWL), Farbstrichebenennen (FSB) und Interferenz (INT): Mittelwertsvergleich Kontrollgruppe vs. Schizophrenie-Gesamtgruppe vs. Medikationsuntergruppen (TZP 1)
|
Gruppe |
N |
T-FWL |
T-FSB |
T-INT |
T-NOM |
T-SEL |
|
Kontrollen |
48 |
57,9 ± 8,2 |
59,1 ± 8,8 |
58,2 ± 8,5 |
51,6 ± 7,3 |
50,5 ± 6,9 |
|
Schizophrenie- Gesamtgruppe |
40 |
51,4 ± 9,3***1) |
47,6 ± 10,3***1) |
47,4 ± 8,7***1) |
46,1 ± 10,3** 2) |
48,7 ± 11,9 |
|
Konventionell |
13 |
48,2 ± 9,4***1) |
45,6 ± 8,5***1) |
45,5 ± 9,2***1) |
45,7 ± 4,8*3) |
45,4 ± 8,5 |
|
Atypisch |
10 |
49,3 ± 8,5***1) |
49,9 ± 8,5***1) |
48,5 ± 5,3***1) |
51,4 ± 9,7*4) |
47,2 ± 12,3 |
|
Unmedizierte |
17 |
55,1 ± 8,8 |
47,7 ± 12,5***1) |
48,0 ± 10,0***1) |
43,4 ± 12,8***1) |
52,0 ± 13,5 |
Auch nach Bereinigung des Alterseinflusses auf die Testleistung (durch Verwendung altersnormierter T-Werte) unterschieden sich die Kontrollgruppe und die Schizophrenen-Gesamtgruppe auch bezüglich der T-Werte in allen drei Abschnitten und der abgeleiteten Grösse Nomination signifikant (Tab. 17). Bezüglich der Selektivität (T-Wert) war der Unterschied nicht signifikant (T-Test T-SEL: T=0,82, p=ns; Tab. 17). Auch innerhalb der Schizophrenen-Gruppe ergaben sich bei Aufteilung nach Medikationsgruppen keine signifikanten Unterschiede (Einfaktorielle ANOVA FWL: F=2,61, p=ns; FSB: F=0,48, p=ns, INT: F=0,40, p=ns; Tab. 17). Bezüglich der T-Werte der abgeleiteten Grösse Nomination (Bäumler, 1985) unterschieden sich die Untergruppe der atypisch und der unmedizierten schizophrenen Patienten (Tab. 17).
Wenn im Verlauf die unmedizierten schizophrenen Patienten auf ein Atypikum eingestellt wurden (n=7), liess sich eine signifikante Steigerung der Interferenzinhibition im Stroop-Test von TZP 1 (unmediziert; INT-Rohwert 113,3 ± 47,6) zum TZP 2 (atypisch mediziert; INT-Rohwert 85,1 ± 29,9) feststellen (p<0,05). Diese Verbesserung der Testleistungen von TZP 1 zu TZP 2 war bei den schizophrenen Patienten, bei denen keine Umstellung vorgenommen wurde, nicht signifikant.
Im WCST erreichten die schizophrenen Patienten im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen signifikant weniger Kategorien (CAT) bei einer signifikant höheren Gesamtzahl benötigter Karten [Seite 44↓](Summe) und machten signifikant mehr Gesamtfehler (TE) (Tab. 18). In Bezug auf die Perseverationsindizes wie Anzahl der perseverativen Antworten (PR) und perseverativer Fehler (PE) zeigte die Patientengruppe signifikant schlechtere Leistungen als die Kontrollgruppe (Tab. 18). Die Variablen “Gesamtzahl konzeptionell richtiger Antworten“ (CLR) und die „Konzeptbildungsfähigkeit“ (CA) zeigten keine signifikanten Unterschiede zwischen der Patienten - und der Kontrollgruppe.
|
Kontrollgruppe |
Schizophrenie-Gruppe |
|
|
n=49 |
n=34 |
|
|
Summe (SUM) |
89,6 ± 20,8 |
106,6 ± 22,6 ** 2) |
|
Gesamtfehler (TE) |
17,9 ± 12,2 |
34,7 ± 22.4 ***3) |
|
Perseverative Fehler (PE) |
9,3 ± 6,2 |
17,0 ± 12,3 ** 2) |
|
Perseverative Antworten (PRP) |
0,7 ± 1,3 |
2,1 ± 3,6 * 1) |
|
Konzeptbildungsfähigkeit (CA) |
16,0 ± 8,3 |
21,7 ± 26,0 |
|
Gesamtzahl konzeptionell richtiger Antworten (CLR) |
65,1 ± 7,9 |
60,2 ± 14,4 |
|
Kategorien (CAT) |
5,7 ± 0,8 |
4,9 ± 1,8 * 1) |
Bei Analyse der Leistungen im WCST der Medikationuntergruppen ergaben sich Unterschiede, je nach dem, ob die schizophrenen Patienten unbehandelt oder zum Untersuchungszeitpunkt mit konventionellen oder atypischen Neuroleptika mediziert waren. Schizophrene Patienten, die mit Atypika mediziert waren, benötigten zwar im Durchschnitt auch mehr Karten als die gesunden Kontrollen, um den WCST zu beenden (WCST Summe), der Unterschied blieb aber – im Gegensatz zu den konventionell oder nicht medizierten Patienten - nicht signifikant (Abb. 2).
|
| [Seite 45↓] |
| Abb. 2: WCST Gesamtzahl: Mittelwertsvergleich Schizophrenie-Medikationsuntergruppen vs. Kontrollgruppe (TZP 1) | ||
|
| ||
| 1) p<0,01 Konventionell medizierte Patienten vs. Kontrollen 2) p<0,01 Unmedizierte Patienten vs. Kontrollen |
Bezüglich der Anzahl der Gesamtfehler (TE) und perseverativer Fehler (PE) unterschieden sich die atypisch medizierten Patienten nicht signifikant von den gesunden Kontrollen, im Gegensatz zu den unmedizierten (p<0,01) oder konventionell medizierten Patienten (p<0,001), die sich signifikant unterschieden (Abb. 3).
|
| [Seite 46↓] |
| Abb. 3: WCST Perseverative Fehler: Darstellung individueller Werte der Medikations-Untergruppen und Kontrollgruppe (TZP 1) | ||
|
| ||
| Die Bezugslinie gibt den Mittelwert der Kontrollen an. |
Die Variablen des Stroop-Interferenz-Testes und die des WCST wurden auf Beziehungen zum Alter, zur Intelligenz und Psychopathologie überprüft. Die Leistungen der gesunden Kontrollpersonen in den WCST-Variablen Summe (SUM), Fehler (TE), perseverative Fehler (PE), Konzeptbildungsfähigkeit (CA) und Anzahl der beendeten Kategorien (CAT) korrelierten nicht mit dem Alter, Intelligenz oder Scores der Psychopathologie-Skala. Dagegen waren bei den schizophrenen Patienten die Referenzvariablen PANSS-G mit der WCST Summe (rSpearman =0,543*), den Fehlern (TE) (rSpearman =0,560*), den perseverativen Fehlern (rSpearman =0,721**) und der Konzeptbildungsfähigkeit (CA) (rSpearman =0,573*) und PANSS-N mit der WCST Summe (rSpearman =0,516*) und der Konzeptbildungsfähigkeit(rSpearman =0,719**) positiv korreliert. In wie weit diese signifikanten Beziehungen durch die Medikation beeinflußt sein könnten, wurde mit Hilfe der [Seite 47↓]partiellen Korrelationsanalyse überprüft. Darin zeigte sich, dass bei Berücksichtigung des Medikationseffektes nur die Beziehung zwischen der Negativsymptomatik und der Konzeptbildungsfähigkeit (rPartielle Korrelation=0,710**) signifikant korreliert bleibt. In der graphischen Darstellung (Abb. 4) zeigte sich, dass diese signifikante Korrelation durch zwei Ausreisser zu erklären ist.
| Abb. 4: Beziehung zwischen Negativsymptomatik (PANSS-N) und Konzeptbildungsfähigkeit (WCST-CA) | ||
|
|
Zur Auswertung des Zeigeversuches nach Mittenecker wurde die kontextsensitive Triadenentropie (CTE; Guttmann und Kranner, 1960) berechnet, die das Mass der „Ungeordnetheit“ der gedrückten Tasten darstellt.
Die Patientengruppe insgesamt wies eine signifikant niedrigere Kontexttriadenentropie auf als die Kontrollpersonen (Tab. 19). Bei der Wiederholung des Zeigeversuches nach Mittenecker (TZP 2) erzielten nur die Gesunden signifikant bessere Ergebnisse als zum TZP 1 (Tab. 19).
|
| [Seite 48↓] |
Die kontextsensitive Triadenentropie des Zeigeversuchs nach Mittenecker zu den TZP1 und 2 ist in Tab. 19 dargestellt.
|
Zeigeversuch nach Mittenecker |
Kontextsensitive Triadenentropie (TZP 1) |
Kontextsensitive Triadenentropie (TZP 2) |
|
Kontrollgruppe |
0,640 ± 0,11*1) (n=31) |
0,689 ± 0,07***2) (n=30) |
|
Schizophrenien Gesamtgruppe |
0,571 ± 0,13 (n=32) |
0,594 ± 0,09 (n=16) |
Der signifikante Unterschied in der Perseverationstendenz zwischen den Patienten und Kontrollen zum TZP 1 ließ sich ausschließlich auf den Anteil konventionell medizierter Patienten zurückführen, denn die Kontexttriadenentropie bei den unmedizierten und den mit Atypika medizierten Patienten unterschied sich nicht signifikant von der Kontrollgruppe (T=1,608, df=42, p=ns; T=1,307, df=39, p=ns). Die Darstellung des Perseverationsmasses der Triadenentropie - unterschieden nach Medikationsgruppen - zeigt Abb. 5.
|
| [Seite 49↓] |
| Abb. 5: Mittelwertsvergleich kontextsensitive Triadenentropie: Kontrollen vs. Medikationsuntergruppen (TZP 1) | ||
|
| ||
| Balken zeigen Mittelwerte, Fehlerbalken zeigen 95 % Konfidenzintervalle des Mittelwertes. |
Wenn im Verlauf der Behandlung das Neuroleptikum auf ein Atypikum gewechselt wurde, nahm die Perseverationstendenz im Zeigeversuch deutlicher ab (CTE 0,022 ± 0,12 vs. CTE 0,010± 0,06) als bei Patienten ohne Medikamentenumstellung. Betrachtet man nur die unmedizierten Patienten, die im Verlauf auf ein Atypikum eingestellt wurden (n=7), lässt sich keine signifikante Veränderung der Perseverationstendenz von TZP 1 (unmediziert; CTE 0,57 ± 0,09) zum TZP 2 (atypisch mediziert; CTE 0,62 ± 0,06) feststellen.
Zwischen dem Perseverationsmass der kontextsensitiven Triadenentropie (Zeigeversuch nach Mittenecker) und den Referenzvariablen bestanden (getrennt nach Patienten -und Kontrollgruppe) folgende Korrelationen (Tab. 20):
|
CTE |
Alter |
MWT-B-IQ-A |
LPS-3-IQ |
PANSS-P |
PANSS-N |
PANSS-G |
P-DS-P |
P-DS-D |
|
Patienten-gruppe |
-0,287 (n=44) |
0,063 (n=35) |
0,364 (n=34) |
-0,339 (n=19) |
-0,409 (n=19) |
-0,610** (n=19) |
-0,091 (n=37) |
-0,191 (n=37) |
|
Kontroll-gruppe |
-0,391* (n=31) |
0,243 (n=30) |
0,117 (n=30) |
-0,427* (n=26) |
-0,503** (n=26) |
-0,414 (n=26) |
-0,178 (n=28) |
-0,317 (n=28) |
Ein moderater negativer Korrelationskoeffizient zwischen der CTE und der PANSS-G wies auf mögliche Beziehungen der Perseverationsgrösse zum Ausprägungsgrad der Psychopathologie hin (Tab. 20).
In Tab. 21 sind Korrelationen zwischen der Perseverationsvariablen des Zeigeversuchs (kontextsensitive Triadenentropie), des WCST und des motorischen Tempos und ausgewählter Psychopathologie-Scores dargestellt. Wie zu erwarten, korrelierten die Ergebnisse der Perseverationstendenzen (im Zeigeversuch und WCST) signifikant. Die CTE korrelierte weiterhin negativ mit dem motorischen Tempo (TMT-A) und dem Subscore G7 der PANSS (motorische Verlangsamung) (Tab. 21 und Abb. 6).
|
|
Tab. 21: Spearman-Korrelationskoeffizienten (rSpearman) von der kontextsensitiven Triadenentropie (CTE) und Perseverationsvariablen des WCST, motorischen Tempo (TMT-A) und Psychopathologie bei schizophrenen Patienten (n=24)
|
WCST- Perseverative Fehler |
WCST- Perseverative Antworten |
TMT- Teil A |
PANSS- P2 (Formale Denkstörungen) |
PANSS- G 7 (Motorische Verlangsamung) |
|
|
CTE |
-0,494* |
-0,531** |
-0,473* |
-0,218 |
-0,578** |
| Abb. 6: Beziehung zwischen motorischer Verlangsamung (PANSS-G7) und Perseveration (CTE) | ||
|
| ||
| Die Perseverationstendenz ist um so stärker, je kleiner die kontextsensitive Triadenentropie ist (s. Mathodenteil). PANSS-G7: Positive and Negative Syndrome Scale – Negativsymptomatik, Variable 7: Motorische Verlangsamung (Kay, Fiszbein und Opler, 1987); CTE: kontextsensitive Triadenentropie (Zeigeversuch nach Mittenecker) |
|
| [Seite 52↓] |
Korrelationen zwischen CTE und anderen Variablen (BET, S1, Tapping, Corsi Block Spanne rückwärts) blieben nicht signifikant.
Die Schizophrenie-Gesamtgruppe (n=40) war im Tapping mit 181,4 ± 22,8 Anschlägen in 30 Sekunden gegenüber der Kontrollgruppe (n=50) mit 211,4 ± 22,8 Anschlägen signifikant verlangsamt (T=6,21, p<0,001) (Abb. 7).
| Abb. 7: Streudiagramm der Variable Tapping Summe: Kontrollgruppe vs. Schizophrenie-Gesamtgruppe (TZP 1) | ||
|
|
Die Testwertunterschiede zwischen den konventionell medizierten (n=13, 183,1± 27,0), den atypisch medizierten (n=10, 178,8 ± 21,0) und den unmedizierten schizophrenen Patienten (n=17, 181,5 ± 21,7) blieben nicht signifikant (ANOVA F=0,098, p=ns).
|
| [Seite 53↓] |
Zwischen psychomotorischem Tempo (d2, BET, S2-Umkehrtest) und den Referenzvariablen bestanden (getrennt nach Patienten – und Kontrollgruppe) folgende Korrelationen (Tab. 22):
|
Alter |
MWT-B-IQ-A |
LPS-3-IQ |
PANSS |
||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
|
P |
N |
G |
|||||
|
Patienten Kontrollen |
n=44 n=51 |
n=35 n=46 |
n=35 n=46 |
n=19 n=27 |
n=19 n=27 |
n=19 n=27 |
|
|
d2 Summe |
Pat. Kon. |
-0,088 -0,351* |
0,380* 0,520** |
0,445** 0,578** |
-0,348 -0,293 |
-0,563* -0,432* |
-0,570* -0,199 |
|
d2 Summe |
Pat. Kon. |
-0,088 -0,351* |
0,380* 0,520** |
0,445** 0,578** |
-0,348 -0,293 |
-0,563* -0,432* |
-0,570* -0,199 |
|
Tapping |
Pat. Kon. |
0,033 -0,243 |
0,256 0,408** |
0,098 0,366* |
-0,066 -0,301 |
-0,343 -0,246 |
0,073 -0,397* |
|
BET |
Pat. Kon. |
0,214 -0,398** |
0,387* 0,262 |
0,091 0,352* |
0,111 -0,372 |
-0,440 -0,393 |
-0,147 -0,512** |
|
TMT-A |
Pat. Kon. |
0,020 0,539* |
-0,017 -0,165 |
-0,289 -0,144 |
0,549* 0,187 |
0,302 0,297 |
0,282 0,284 |
|
S2-5 |
Pat. Kon. |
0,038 -0,260 |
0,244 0,471** |
0,215 0,385** |
0,349 -0,088 |
-0,364 -0,327 |
-0,121* -0,356 |
|
S2-Prozent |
Pat. Kon. |
0,071 -0,272 |
0,250 0,284 |
0,377* 0,243 |
0,202 -0,058 |
-0,387 -0,052 |
-0,163 -0,281 |
|
| [Seite 54↓] |
Es ergaben sich Ähnlichkeiten zwischen der Kontrollgruppe und Patientengruppe bezüglich der signifikanten Korrelationskoeffizienten für Intelligenzabhängigkeit der d2-Summenscores und d2-Fehler-Prozent-Ergebnissen. Die d2-Summe war signifikant mit der Negativsymptomatik korreliert. Bezüglich des Zusammenhangs von Psychomotorik und Eigenbeurteilung der paranoiden (PDS-P) bzw. depressiven (PDS-D) Symptomatik ergaben sich bei den schizophrenen Patienten keine signifikanten Korrelationen (Tab.22).
Die Testleistungen psychomotorischer Tests waren bei den schizophrenen Patienten untereinander signifikant korreliert (Tab. 23).
|
TMT-A |
BET |
S2-1 |
Tapping Summe |
|
|---|---|---|---|---|
|
d2-Summe |
-0,424* (n=26) |
0,616*** (n=40) |
0,376* (n=41) |
0,427** (n=39) |
|
TMT-A |
-0,472* (n=24) |
-0,447* (n=26) |
-0,371 (n=25) |
|
|
BET |
0,740*** (n=39) |
0,379* (n=38) |
Zur Analyse eines Messwiederholungseffektes und Darstellung von Lern- und Gewöhnungseffekten wurden die Veränderungen bei Wiederholung der Messungen erfasst (Tab. 24). Die Testwiederholung (TZP 2) erfolgte bei den gesunden Kontrollen nach durchschnittlich 10,5 Wochen.
|
|
Tab. 24: Veränderung der Testergebnisse bei Testwiederholung bei gesunden Kontrollen
|
TZP 1 zu TZP 2 |
TZP 1 |
TZP 2 |
T |
|---|---|---|---|
|
Kurzzeitgedächtnis, Aufmerksamkeit und Konzentration |
|||
|
Zahlennachsprechen rückwärts (n=32) |
8,1 ± 2,8 |
9,5 ± 2,6 |
-3,83** |
|
Corsi Block Spanne (n=32) |
6,1 ± 0,8 |
6,5 ± 1,2 |
-2,20* |
|
D2-Summe (n=49) |
454,8 ± 95,2 |
491,7 ± 97,6 |
-8,69*** |
|
BET (n=51) |
77,0 ± 10,5 |
80,2 ± 10,8 |
-5,65*** |
|
Exekutivfunktionen |
|||
|
Stroop Interferenz (INT-Rohwert) (n=51) |
72,0 ± 16,8 |
67,1 ± 16,0 |
3,74*** |
|
WCST Perseverative Fehler (PE) (n=49) |
9,3 ± 6,2 |
5,8 ± 3,0 |
3,88*** |
|
Perseveration |
|||
|
Kontextsensitive Triadenentropie (CTE) (n=30) |
0,64 ± 0,11 |
0,69 ± 0,07 |
-3,27** |
|
Psychomotorisches Tempo |
|||
|
Tapping (n=50) |
211,4 ± 22,8 |
215,5 ± 22,7 |
-1,89 |
Dabei verbesserten sich die gesunden Kontrollen in allen Tests zu Kurzzeitgedächtnis, Aufmerksamkeit, Konzentration, exekutiven Funktionen und Perseveration bei Wiederholungsmessung signifikant (Tab. 24). Das psychomotorische Tempo der gesunden Kontrollen veränderte sich bei Wiederholungsmessung nicht signifikant (Tab. 24).
Obwohl in fast allen Testergebnissen die Gruppe schizophrener Patienten signifikant schlechtere Leistungen zeigte als die gesunde Kontrollgruppe (Mittelwertsvergleiche), ist davon auszugehen, dass nicht alle untersuchten Patienten im gleichen Maße Einbußen in ihren kognitiven Fähigkeiten [Seite 56↓]aufgewiesen haben.
Am Beispiel der Anzahl der perseverativen Fehler im WCST (Abb. 8), der kontextsensitiven Triadenentropie (CTE) und der d2-Fehlerprozent im d2-Aufmerksamkeitsbelastungstest soll gezeigt werden, dass mit Hilfe einer anderen Auswertetechnik, der Anteil der Patienten, die im „Normbereich“ der gesunden Kontrollen liegen, bestimmt werden kann.
| Abb. 8: Streudiagramm der Variablen Perseverativer Fehler bei Schizophrenen und Gesunden (TZP 1) | ||
|
|
19 oder mehr perseverative Fehler machten 10,2 % der Gesunden vs. 31,3 % der Schizophrenen, aber auch 33,3 % der schizophrenen Patienten vs. 65,3 % der Gesunden produzierten 8 oder weniger perseverative Fehler (Abb. 8). Auch im Perseverationstest nach Mittenecker zeigte sich, dass schlechtere Resultate in der CTE als 0,5 nur 9,7 % der Gesunden vs. 28,1 % der Schizophrenen aufwiesen. Ein ähnliches Bild entsteht bei der Analyse des d2-Aufmerksamkeits-Belastungstests (d2-F%): Mehr als 6 % Fehler machten nur 9,8 % der Gesunden vs. 57,1 % der schizophrenen Patienten, wobei aber auch 33,3 % der schizophrenen Patienten vs. 60,8 % der Gesunden weniger als 4 % Fehler produzierten. Basierend auf diesen Beispielen kann geschätzt werden, daß lediglich ca. 30-60 % der untersuchten Patienten mäßige bis ausgeprägte kognitive Defizite zeigten.
|
| [Seite 57↓] |
Zum Vergleich der Testergebnisse der unterschiedlichen Medikationsgruppen über die gesamte neuropsychologische Testbatterie wurde eine z-Wert Transformation durchgeführt (Abb. 9). Dabei entspricht der z-Wert 0 den Testergebnissen der gesunden Kontrollgruppe.
| Abb. 9: Kognitives Profil der konventionell, atypisch und unmedizierten Patienten (TZP 1) | ||
|
|
|
| [Seite 58↓] |
Im Profil über alle kognitiven Bereiche zeigt sich, dass die schizophrenen Patienten in fast allen kognitiven Bereichen Beeinträchtigungen gegenüber der gesunden Kontrollgruppe aufwiesen. Mit Atypika medizierte Patienten sind in ihrer Leistungsfähigkeit nicht generell besser als die mit konventionellen Neuroleptika medizierten oder unmedizierten Patienten (Abb. 9), die Unterschiede in den in Abb. 9 dargestellten z-Wert Kategorien blieben nicht signifikant.
In wie weit die deutlichen kognitiven Defizite bei einem Teil der Patienten mit der neuroleptischen Medikation in Zusammenhang steht, wurde im nächsten Schritt untersucht.
Die Testergebnisse des Zeigeversuchs, des BET und des S-Umkehrtests waren signifikant von der Dosishöhe des Medikaments, umgerechnet in CPZ-Äquivalente, abhängig (Tab. 25). Die durchschnittliche Neuroleptikatagesdosis korrelierte signifikant negativ mit motorischen Fähigkeiten und der Perseverationstendenz. Diese signikante Dosisabhängigkeit liess sich aber nur bei den konventionell medizierten Patienten feststellen (Tab. 25). Bei allen anderen durchgeführten Tests liessen sich keine Korrelationen zwischen Dosishöhe und Testergebnissen zeigen.
|
CTE |
BET |
S2-5 |
|
|---|---|---|---|
|
n=9 |
n=14 |
n=14 |
|
|
Mittlere CPZ-eq-Tagesdosis |
-0,886*** |
-0,647* |
-0,653* |
Die Höhen der durchschnittlichen mittleren Chlorpromazin-Äquivalenztagesdosis der konventionell (610 mg CPZ-eq) und der atypisch (555 mg CPZ-eq) medizierten Patienten unterschied sich dabei nur unwesentlich.
In Abb. 10 ist die Abhängigkeit der Perseverationstendenz (CTE) in Abhängigkeit von der Dosishöhe (in CPZ-eq) der neuroleptischen Medikation dargestellt. Zu beachten ist, dass eine hohe kontextsensitive Triadenentropie einer gering ausgeprägten Perseverationstendenz entsprach (s. [Seite 59↓]Kap. 3.2., S. 25).
| Abb. 10: Beziehung zwischen Perseverationstendenz und Dosishöhe der neuroleptischen Medikation. | ||
|
| ||
| CPZ-Äquivalenzdosis: Mittlere Tagesdosis in Chlorpromazin-Äquivalenten nach Rey et al. (1989);CTE: kontextsensitive Triadenentropie (Zeigeversuch nach Mittenecker). |
Die Prüfung der Dosisabhängigkeit der Testergebnisse der atypisch medizierten Patienten ergab in allen durchgeführten Tests keine signifikanten Resultate.
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