[Seite 29↓]

4. Ergebnisse

4.1. Beschreibung der Probandenkollektive

In Tab. 2 sind die demographischen und klinischen Charakteristika der schizophrenen Patienten und der Kontrollgruppe dargestellt.

Tab. 2: Demographische und klinische Charakteristika der untersuchten Gruppen

 

Alter [Jahre]

Geschlecht

[Männer/Frauen]

Kristalline Intelligenz

[IQ-A-Wert]

Bildung

[Jahre]

Kontrollgruppe

(n=51)

34,8 ± 9,5

21/30

119,6 ± 14,4 ***1)

12,0 ± 2,1

Schizophreniegruppe (n=44)

33,4 ± 10,0

21/23

107,0 ± 16,8

11,8 ± 1,8

***1) p < 0,001 vs. Patienten

Es bestanden keine signifikanten Unterschiede bezüglich des mittleren Alters und der Geschlechtsverteilung zwischen der Kontrollgruppe und der Gesamtgruppe der Schizophrenie-Erkrankten, wie auch der Medikationsuntergruppen.

4.1.1. Medikationsstatus

Die Patienten waren entweder unmediziert oder wurden mit einem konventionellen oder atypischen Neuroleptikum behandelt (Tab. 3). Die Patienten erhielten keine Zusatzmedikation (z.B. Anticholinergika, Benzodiazepine).

Die Dosierungen der konventionellen Neuroleptika und Atypika waren individuell sehr unterschiedlich (Haloperidol: 7,5-40 mg/die; Fluphenazin 21-50 mg/die; Flupentixol 5–40 mg/die; Clozapin 100-425 mg/die; Olanzapin 7,5-30 mg/die; Sertindol 8 mg/die; Risperidon 4-6 mg/die). Um eine Vergleichbarkeit hinsichtlich der Dosishöhe der unterschiedlichen Medikamente zu ermöglichen, wurden die Dosierungen in Chlorpromazin-Äquivalente nach Rey et al. (1989) umgerechnet (Tab. 3).


[Seite 30↓]

Tab. 3: Medikationsstatus der Schizophrenie-Patienten und mittlere Tagesdosis in CPZ-Äquivalenten (Rey et al., 1989)

Medikationsstatus

TZP 1

TZP 2 1)

Kein Neuroleptikum (n)

18

2 1)

Konventionelles Neuroleptikum (n)

14 (610 mg ± 203)

6 (569 mg ± 180) 1)

(min. 250 – max. 1000 mg)

 

Fluphenazin

Flupentixol

Haloperidol

2

3

9

2

2

2

Atypikum (n)

12 (542 mg ± 211)

14 (480 mg ± 190) 1)

(min. 96 – max. 850 mg)

 

Clozapin

Olanzapin

Sertindol

Risperidon

6

5

1

7

6

1

Bei insgesamt 22 Patienten konnte eine Folgeuntersuchung durchgeführt werden.Die Patienten zur Folgeuntersuchung sind nicht unbedingt diesselben wie zum TZP 1 (Medikamentenwechsel).

Die mittlere neuroleptische Tagesdosis (in CPZ-eq) unterschied sich zwischen den konventionell und atypisch medizierten Patienten zu beiden TZP nicht signifikant.

4.1.2. Altersverteilung

Da für einige Testergebnisse eine Altersabhängigkeit bekannt ist, wurde in den beiden Vergleichsgruppen die Altersverteilung analysiert. Es ergaben sich jedoch diesbezüglich keine signifikanten Unterschiede zwischen der Patienten – und Kontrollgruppe bzw. zwischen den Medikamentenuntergruppen.

4.1.3. Verbale und nonverbale Intelligenz

Die verbale (prämorbide, kristalline) Intelligenz (IQ-A-Wert) lag bei der Kontrollgruppe signifikant höher als bei der gesamten Patientengruppe (Tab.2). Bezüglich der Ausbildungsjahre ergaben sich [Seite 31↓]jedoch keine signifikanten Unterschiede (Tab. 2). Bei der Untersuchung der fluiden Intelligenz mittels des Leistungsprüfsystems-Untertest 3 fielen deutlich signifikante Unterschiede zwischen Patientengruppe und gesunden Probanden auf (Tab. 4).

Tab. 4: Fluide Intelligenz - Mittelwertsvergleich Kontrollgruppe vs. Schizophrenie-Gruppe zum TZP 1 und TZP 2

LPS-3 / IQ-Wert

Kontrollgruppe

Patientengruppe

1. Messung

114,4 ± 11,8 (n=46)4)

95,8 ± 16.4***1) (n=34)

2. Messung

120,0 ± 13,0***2)(n=45)

99,7 ± 15.4 (n=17)3)

LPS-3: Leistungsprüfsystem - Untertest 3 (Horn, 1983)
1) p<0,001 (T=5,63 df=57,2) vs. Kontrolle
2) p<0,001 vs. 1. Messung
3) p<0,01 vs. 1. Messung; nur 17 Patienten wurden ein zweites Mal untersucht (IQ1.Messung= 88,9 ± 11,3)
4) n weicht von Tab. 2 ab, da nicht von allen Patienten/Gesunden Werte erhoben werden konnten (siehe Kap. 5.9.)

Die konventionell medizierten Patienten (n=12) erreichten mit einem IQ von 88,8 ± 14,7 einen deutlich niedrigeren Wert als die Gesamtgruppe der Patienten. In einem Mehrfachvergleich blieb der Unterschied zu den Patienten mit Atypika jedoch nur tendentiell unterschiedlich (ANOVA: df=2, F=1,909; Post hoc LSD: p=0,075).

Zum 2. Testzeitpunkt ergab sich eine signifikante Verbesserung der fluiden Intelligenz sowohl bei gesunden Kontrollen als auch bei Patienten, die ein zweites Mal untersucht werden konnten (Tab.4).

4.1.4. Psychopathologischer Status

4.1.4.1. Fremdbeurteilung

Die Psychopathologie-Scores (Positivsymptomatik, Negativsymptomatik und Allgemeinpsychopathologie) der PANSS-Skala (Kay et al., 1987) zum 1. Testzeitpunkt (TZP) ergaben erwartungsgemäss in allen Symptomgruppen statistisch signifikant höhere Werte in der Schizophrenie-Gruppe.

Die Ausprägung der Psychopathologie bei den Patienten war jedoch je nach Medikationsgruppenzugehörigkeit unterschiedlich (Tab. 5).


[Seite 32↓]

Tab. 5: PANSS (Psychopathologie-Marker): Mittelwertsvergleich Kontrollgruppe vs- Schizophrenie-Gesamtgruppe vs. Medikationsuntergruppen (TZP 1)

PANSS

Patienten,

gesamt

Unmediziert

Konventionelle Neuroleptika

Atypische Neuroleptika

n=19

n=5

n=8

n=6

Positive

Symptomatik

20,7 ± 6,0

23,4 ± 6,5

23,7 ± 4,1

14,8 ± 2,3**1)

Negative Symptomatik

23,5 ± 7,2

23,0 ± 8,1

24,3 ± 7,4

23,0 ± 10,3

Globale Psychopathologie

46,8 ± 9,2

48,8 ± 11,9

50,3 ± 3,4

40,5 ± 9,2*2)

PANSS: Positive and Negative Syndrome Scale (Kay, Fiszbein und Opler, 1987)
1) p<0,01 vs. unmedizierte Patienten und Patienten mit konventionellen Neuroleptika
2) p<0,05 vs. unmedizierte Patienten und Patienten mit konventionellen Neuroleptika

Die Positivsymptomatik und die Globalpsychopathologie waren bei Patienten mit atypischen Neuroleptika signifikant schwächer ausgeprägt als bei unmedizierten oder mit konventionellen Neuroleptika behandelten Patienten (Tab. 5). Bezüglich der Negativsymptomatik gab es jedoch keine signifikanten Unterschiede (Tab. 5).

Zum TZP 2 verbesserte sich bei den Schizophrenen (n=12) die Positivsymptomatik (PANSS-P) auf 14,9 ± 3,6 (p<0,01 vs. TZP 1), die Negativsymptomatik (PANSS-N) auf 18,3 ± 6,6 (p<0,01 vs. TZP 1) und die Globalpsychopathologie (PANSS-G) auf 36,3 ± 6,7 (p<0,001 vs. TZP 1).

4.1.4.2. Eigenbeurteilung

Bei der Eigenbewertung der Symptomschwere mittels der Paranoid-Depressivitäts-Skala (PD-S) zum 1. Testzeitpunkt ist der Mittelwert der gesunden Kontrollen bezüglich der paranoiden (P-Wert) und depressiven (D-Wert) Symptome erwartungsgemäss signifikant niedriger als in der gesamten Patientengruppe (Tab. 6). Die Kontrollpersonen unterschieden sich hinsichtlich des Paranoiditäts-Wertes (P) aber nicht signifikant gegenüber den Patienten mit atypischen Neuroleptika (Tab. 6). In den schizophrenen Medikations-Untergruppen wurden signifikant niedrigere Paranoiditäts-Werte (P) bei Patienten mit atypischen Neuroleptika im Vergleich zu den unmedizierten und konventionell [Seite 33↓]medizierten Patienten gefunden (Tab. 6).

Tab. 6: Paranoid-Depressivitäts-Skala (PD-S): Mittelwertsvergleich Kontrollgruppe vs- Schizophrenie-Gesamtgruppe vs. Medikationsuntergruppen (TZP 1)

PD-S

Gesunde

Kontrollen

Patienten, gesamt

Unmediziert

Konventionelle Neuroleptika

Atypische Neuroleptika

n=44

n=37

n=15

n=13

n=9

P-Wert

2,6 ± 2,9

13,1 ± 10,5***1)

14,9 ± 10,1***1)

15,9 ± 12,3***1)

5,9 ± 3,02)

D-Wert

5,1 ± 3,8

16,5 ± 10,9***1)

18,7 ± 12,3***1)

15,8 ± 12,1***1)

14,0 ± 6,1**3)

PD-S: Paranoid-Depressivitätsskala (von Zerssen, 1976) mit D-Wert (Depressivität) und P-Wert (Paranoidität)
1) p < 0,001 vs. Gesunde Kontrollen
2) p = n.s. vs. Gesunde Kontrollen, p<0,001 vs. unmedizierte und konventionell medizierte Patienten
3) p < 0,01 vs. Gesunde Kontrollen

Bezüglich der Dissimulationstendenz (PD-S-Kv) gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen Schizophrenen und Gesunden.

4.1.5. Alters- und Intelligenzabhängigkeit der Psychopathologie

Im folgenden (Tab. 7) werden zur Darstellung der Alters- und Intelligenzabhängigkeit Korrelationen zwischen den Referenzvariablen Alter, Intelligenz und psychopathologischem Status (MWT-IQ-A, LPS-3, PANSS-P, PANSS-N, PANSS-G) betrachtet.

In der Gruppe der schizophrenen Patienten korrelierte das Alter signifikant positiv mit der Globalpsychopathologie (PANSS-G), jedoch nicht mit den Subskalen der positiven und negativen Symptomatik (Tab. 7). Ein schwach signifikanter Korrelationskoeffizient ergab sich auch zwischen Alter und paranoiden Erlebnisinhalten (Tab. 7). Das LPS-3 zeigte keine signifikanten Korrelationen zu Alter, Intelligenz oder Psychopathologie.


[Seite 34↓]

Tab. 7: Spearman Korrelationskoeffizienten von Referenzvariablen bei Schizophrenen

 

MWT-IQ-A

PANSS-P

PANSS-N

PANSS-G

P-DS-P

P-DS-D

n=35

n=19

n=19

n=19

n=37

n=37

Alter

0,389*

0,412

-0,220

0,652**

0,362*

0,308

MWT-B-IQ-A

 

-0,104

-0,617**

0,102

0,050

-0,127

LPS-3-IQ

 

-0,198

-0,503*

-0,331

-0,145

-0,016

PANSS-P

  

0,109

0,657**

0,754**

0,208

PANSS-N

   

0,397

0,094

0,193

PANSS-G

    

0,414

0,157

P-DS-P

     

0,514**

PANSS-P: Positive and Negative Syndrome Scale – Positivsymptomatik (Kay, Fiszbein und Opler, 1987); PANSS-N: Negativsymptomatik; PANSS-G: Globalpsychopathologie; PD-S: Paranoid-Depressivitätsskala (von Zerssen, 1976) mit D-Wert (Depressivität) und P-Wert (Paranoidität); MWT-B: Mehrfachwahl-Wortschatztest Form B (MWT-B), (Lehrl, 1991); LPS-3: Leistungsprüfsystem-Untertest 3 (Horn, 1983)

Im Unterschied zur Schizophreniegruppe liess sich in der gesunden Kontrollgruppe keine signifikante Alters- oder Intelligenzabhängigkeit von Psychopathologie-Variablen nachweisen.

4.2. Kurzzeitgedächtnis, Aufmerksamkeit und Konzentration

4.2.1. Zahlennachsprechen (Digit Span)

Zum 1. Testzeitpunkt ergaben sich beim Zahlennachsprechen vorwärts keine signifikanten Unterschiede zwischen gesunden Kontrollen und Patienten als Gesamtgruppe (Tab. 8). Im Zahlennachsprechen rückwärts war ein signifikanter Unterschied zwischen der Patienten- und Kontrollgruppe nachweisbar (Tab. 8).


[Seite 35↓]

Tab. 8: Zahlennachsprechen: Mittelwertsvergleich Kontrollgruppe vs. Schizophrenie-Gruppe (TZP 1)

Zahlennach-sprechen

 

Kontrollgruppe

Schizophrenie-Gruppe

n=32

n=31

Vorwärts

 

8,1 ± 2,2

7,3 ± 2,2 1)

Rückwärts

 

8,1 ± 2,8

6,6 ± 2,8*2)

Die Werte entsprechen der Anzahl erreichter Zahlen.
1) p=n.s. (T = 1,41; df=62,9) vs. Kontrollgruppe
2) p<0,05 (T=2,20; df=62,9) vs. Kontrollgruppe

In einer einfaktoriellen ANOVA unterschieden sich die Patienten-Untergruppen (konventionell medizierte Patienten (n=11): 7,4 ± 2,5; atypisch medizierte Patienten (n=9): 7,4 ± 0,9; unmedizierte Patienten (n=13): 7,2 ± 2,7) hinsichtlich ihrer Mittelwerte nicht signifikant voneinander (Zahlennachsprechen vorwärts: df=3, p=0,58; Zahlennachsprechen rückwärts: df=3, p=0,16).

4.2.2. Corsi-Block-Span-Test

Im Corsi Test zeigten die schizophrenen Patienten als Gesamtgruppe signifikant schlechtere Leistungen als die Kontrollen (Tab. 9).

Tab. 9: Corsi-Block-Span Test: Mittelwertsvergleich Kontrollgruppe vs. Schizophrenie-Gruppe (TZP 1)

Corsi

 

Kontrollgruppe

Schizophrenie-Gruppe

n=32

n=31

Rohwertpunkte

 

7,9 ± 1,8

6,2 ± 1,8***1)

Blockspanne

 

6,1 ± 0,8

5,2 ± 1,0***1)

Corsi: Corsi Block Span Test (Milner, 1971)
Die Werte entsprechen der Anzahl erreichter Blöcke.
1) p<0,001 vs. Kontrollgruppe

In einer einfaktoriellen ANOVA unterschieden sich die Patienten-Untergruppen (konventionell medizierte Patienten (n=10): Corsi Rohwertpunkte 6,5 ± 1,8 und Corsi Blockspanne 5,1 ± 0,9; [Seite 36↓]atypisch medizierte Patienten (n=8): Corsi Rohwertpunkte 6,4 ± 0,9 und Corsi Blockspanne 5,4 ± 0,5; unmedizierte Patienten (n=13): Corsi Rohwertpunkte 5,9 ± 2,3 und Corsi Blockspanne 5,0 ± 1,2) hinsichtlich ihrer Corsi Rohwertpunkt- und Corsi-Blockspanne - Mittelwerte nicht signifikant voneinander (Corsi Rohwertpunkte: df=2, F= 0,31, p=0,74; Corsi Blockspanne: df=2, F= 0,37, p=0,70).

4.2.3. d2 – Aufmerksamkeits-Belastungstest

Die Variablen des d2-Aufmerksamkeits-Belastungstests der Kontroll-, der Schizophrenie-Gesamtgruppe und der Medikationsuntergruppen sind in Tab. 10 dargestellt:

Tab. 10: d2-Variablen Gesamtsumme, Anzahl Fehler 1. Ordnung, Anzahl Fehler 2. Ordnung und Fehler-Prozent: Mittelwertsvergleich Kontrollgruppe vs. Patientengesamtgruppe vs. Medikationsuntergruppen (TZP 1)

Gruppe

N

Summe

Fehler

1. Ordnung

Fehler

2. Ordnung

Fehler-Prozent

Kontrollen

49

454,8 ± 95,2

15,4 ± 17,3

0,7 ± 1,2

3,5 ± 3,3

Schizophrenie-

Gesamtgruppe

42

320,8 ± 97,1***1)

22,8 ± 20,8

2,4 ± 3,5**2)

8,6 ± 7,5***1)

Konventionelle

Medikation

14

312,8 ± 114,0***1)

25,7 ± 22,0

3,6 ± 3,7***1)

9,9 ± 8,1***1)

Atypische

Medikation

11

325,6 ± 78,1***1)

12,7 ± 9,1

0,8 ± 1,0*4)

4,2 ± 3,1*5)

Unmedizierte

Patienten

17

324,3 ± 98,4***1)

26,8 ± 23,7

2,3 ± 4,0*3)

10,4 ± 12,8***1)

Die Werte der Kategorien Summe, Fehler 1. und 2. Ordnung entsprechen der Anzahl, die Kategorie Fehlerprozent (d2F-%) entspricht der Prozentzahl Fehler pro Gesamtzahl (Summe).
1) p<0,001 vs. Kontrollen
2) p<0,01 vs. Kontrollen
3) p<0,05 vs. Kontrollen
4) p<0,05 vs. Patienten mit konventionellen Neuroleptika
5) p<0,05 vs. unmedizierte schizophrene Patienten


[Seite 37↓]

Die Kontrollgruppe und die Schizophrenie-Gesamtgruppe unterschieden sich im d2-Summenscore (T=6,87, p<0,001), in der Anzahl der Fehler 2. Ordung (T=-3,06, p<0,01) und in der Prozentzahl Fehler (T=-3,83, p<0,001) signifikant voneinander (Tab. 10). Dabei zeigten die Patienten mit Atypika in den d2-Variablen Fehler 1. und 2. Ordnung und Prozentzahl Fehler ähnliche Resultate wie die Gesunden (Tab. 10). Bezüglich der Fehler 1. Ordung war der Unterschied nicht signifikant (T=-1,43). In einem Mehrfachvergleich innerhalb der schizophrenen Patientengruppe ergaben sich hinsichtlich der d2-Ergebnisse keine signifikanten Unterschiede, bis auf die mittlere Differenz der Fehler 2. Ordnung der atypisch medizierten Patienten vs. konventionell medizierter Patienten, die auf der Stufe p=0,05 signifikant war (Tab. 10). Auch die Prozentzahl an Fehlern (d2F-%) war bei den atypisch medizierten Patienten signifikant niedriger als bei den unmedizierten schizophrenen Patienten (p<0,05; Tab.10). Gegenüber den konventionell medizierten Patienten war der Unterschied knapp nicht signifikant (p=0,054).

Wenn im Verlauf das Neuroleptikum auf ein Atypikum gewechselt wurde, verbesserte sich die Testleistung im d2-Aufmerksamkeits-Belastungstest (d2-Summe) deutlicher (52,5 ± 88,4 vs. 40,9± 64,8) als bei den schizophrenen Patienten, bei denen keine Umstellung vorgenommen wurde. Betrachtet man nur die unmedizierten Patienten, die im Verlauf auf ein Atypikum eingestellt wurden (n=7), lässt sich eine signifikante Steigerung der Konzentrationsleistung von TZP 1 (unmediziert; d2-Summe 310,7 ± 80,6) zum TZP 2 (atypisch mediziert; d2-Summe 392,9 ± 79,0) feststellen (p<0,001).

4.2.4. Berufseignungstest 8 (BET)

Die Kontrollgruppe erzielte bessere Ergebnisse als die Gesamtgruppe der schizophrenen Patienten. Der Mittelwertsvergleich des BET zwischen beiden Gruppen ergab einen statistisch signifikanten Unterschied (Tab. 11).

Tab.11: BET: Mittelwertsvergleich Kontrollgruppe vs. Schizophrenie-Gruppe (TZP 1)

BET

 

Kontrollgruppe

Schizophrenie-Gruppe

n=51

n=40

Summe

 

77,0 ± 10,5

62,7 ± 12,9 ***1)

BET: Berufseignungstest (Strichezeichnen), (Schmale und Schmidtke, 1984). Die Werte entsprechen der Anzahl erreichter Quadrate.
1) p<0,001 (T=5,7) vs. Kontrollen


[Seite 38↓]

Innerhalb der schizophrenen Patientengruppe liessen sich mittels Mehrfachvergleichsverfahren keine statistisch signifikanten Unterschiede feststellen.

4.2.5. S-Umkehrtest

Gesunde schnitten in allen Variablen besser ab als die schizophrenen Patienten (Tab. 12).

Tab. 12: Variablen des S-Umkehrtests: Mittelwertsvergleich Kontrollgruppe vs. Schizophrenie-Gesamtgruppe (TZP1)

S-Umkehrtest

 

Kontrollgruppe

Schizophrenie-Gruppe

n=51

n=41

S2-1

 

63,0 ± 10,9

49,1 ± 11,6***1)

S2-2

 

56,9 ± 13,8

41,5 ± 11,6***1)

S2-3

 

60,3 ± 11,2

48,4 ± 11,3***1)

S2-4

 

57,4 ± 12,3

44,1 ± 11,2***1)

S2-5

 

101,5 ± 23,8

73,9 ± 22,5***1)

S2-%

 

85,7 ± 16,7

80,2 ± 17,2

S2-1 bis S2-4 beschreiben die Untertests 1-4, S2-5 beschreibt das Alternieren von „S“ und „2“ und S2-% beschreibt die Ratio des S2-Rohwertes und der Summe aus den Mittelwerten der je zwei “S”- und “2” – Einzelversuche (s. Methodenteil S. 27ff). Die Werte der Untertests S2-1 bis S2-5 entsprechen der Anzahl geschriebener Zeichen („S“ bzw. „2“), der Wert S2-% in Prozent.
1) p<0,001 vs. Kontrollen

Die Unterschiede zwischen der Kontrollgruppe und der Schizophrenie-Gesamtgruppe waren in den tempoabhängigen Variablen S2-1 bis S2-5 sämtlich signifikant (Tab. 12). In der tempobereinigten Variable „S2-Prozent“ unterschied sich die Patientengesamtgruppe nicht signifikant von der Kontrollgruppe (Tab. 12).

Hinsichtlich der rein tempoabhängigen Variable S2-1 waren die atypisch medizierten Patienten signifikant schlechter als die konventionell oder unmedizierten Patienten, hinsichtlich der Variable S2-% blieben die Unterschiede nicht signifikant (Tab. 13). Die unmedizierten Patienten zeigten in [Seite 39↓]beiden S-Umkehrtestvariablen die besten Resultate (Tab. 13).

Tab. 13: S-Umkehrtestvariablen: Mittelwertsvergleich Kontrollgruppe vs. Schizophrenie-gesamtgruppe vs. Medikationsuntergruppen (TZP 1)

Gruppe

N

S2-1

S2-Prozent

Kontrollen

51

63,1 ± 10,9

85,7 ± 16,7

Schizophrenie-

Gesamtgruppe

41

49,2 ± 11,6

80,2 ± 17,2

Konventionelle

Medikation

14

48,6 ± 12,1

75,5 ± 21,2

Atypische Medikation

10

42,6 ± 7,1**1)

81,4 ± 15,6

Unmedizierte

Patienten

17

53,6 ± 11,9

83,1 ± 14,9

S2-1: S-Umkehrtest - Untertest 1, (Remschmidt, 1972); S2-Prozent: Ratio des S2-Rohwertes und der Summe aus den Mittelwerten der je zwei “S”- und “2” – Einzelversuche. Die S2-1-Werte entsprechen der Anzahl geschriebener Zeichen („S“ bzw. „2“), die S2-Prozent-Werte sind in Prozent angegeben.
1) p<0,01 vs. unmedizierte Patienten und vs. konventionelle Medikation

4.2.6. Alters-, Intelligenz- und Psychopathologieabhängigkeit des Gedächtnisses

Zwischen den Gedächtnisparametern (Zahlennachsprechen vorwärts und rückwärts, Corsi Span, Corsi Score) und den Referenzvariablen bestanden – getrennt nach Patienten – und Kontrollgruppe) folgende Korrelationen (Tab. 14):


[Seite 40↓]

Tab. 14: Spearman Korrelationskoeffizienten von Gedächtnisparametern und Referenzvariablen bei Schizophrenen und Kontrollpersonen

 

Alter

MWT-IQ-A

LPS-3-IQ

PANSS-P

PANSS-N

PANSS-G

Patienten

Kontrollen

n=44

n=51

n=35

n=46

n=35

n=46

n=19

n=27

n=19

n=27

n=19

n=27

Zahlennachsprechen vorwärts

Pat.

Kon.

-0,049

-0,132

0,182

0,179

0,141

0,306

-0,555*

-0,206

-0,277

-0,548**

-0,311

-0,299

Zahlennachsprechen rückwärts

Pat.

Kon.

0,111

-0,264

0,441*

0,352*

0,400*

0,428*

-0,319

-0,227

-0,247

-0,523**

-0,389

-0,271

Corsi Score

Pat.

Kon.

-0,165

-0,423*

0,384*

0,364*

0,164

0,512**

-0,391

-0,214

-0,444

-0,481*

-0,577*

-0,027

Corsi Spanne

Pat.

Kon.

-0,203

-0,471**

0,387*

0,325

0,138

0,410*

-0,480

-0,321

-0,296

-0,394*

-0,585

-0,203

MWT-B: Mehrfachwahl-Wortschatztest Form B (MWT-B), (Lehrl, 1991); LPS-3: Leistungsprüfsystem - Untertest 3 (Horn, 1983); PANSS-P: Positive and Negative Syndrome Scale – Positivsymptomatik (Kay, Fiszbein und Opler, 1987); PANSS-N: Negativsymptomatik; PANSS-G: Negativsymptomatik; Corsi Score/Corsi Score: Corsi Block Span Test (Milner, 1971); Zahlennachsprechen vorwärts/rückwärts: HAWIE-R, Tewes, 1991

Die Patientenwerte der Globalpsychopathologie (PANSS-G) korrelierten signifikant negativ mit den Testergebnissen des Corsi-Block-Span-Tests (Tab. 14), d.h. das räumliche Gedächtnis war schlechter bei Patienten mit ausgeprägter Psychopathologie. Die Skalen für die positive (PANSS-P) und negative (PANSS-N) Symptomatik korrelierten zwar mit dem räumlichen Gedächtnis, die Korrelationskoeffizienten erreichten aber nicht das Signifikanzniveau. Bei den gesunden Kontrollen korrelierte jedoch die Skala für Negativsymptomatik (PANSS-N) in einer ähnlichen Stärke wie bei den Patienten. Aufgrund der höheren Fallzahl erreichte dieser Korrelationskoeffizient das Signifikanzniveau von p<0,05.

Die Testergebnisse für Kurzzeitgedächtnis der Schizophrenen wie auch der Gesunden zeigten keine signifikanten Korrelationen zu Depressivität oder paranoiden Erlebnisinhalten (P-DS). Nur in der Kontrollgruppe gab es signifikante negative Korrelationen zwischen dem Alter und dem Corsi-[Seite 41↓]Block-Span Test (Tab. 14). Bezüglich der Positivsymptomatik zeigte sich eine signifikant negative Korrelation zum Kurzzeitgedächtnis bei den schizophrenen Patienten (Tab. 14).

4.3. Exekutive Funktionen

4.3.1. Trail Making Test Teil A und B

In der Testzeit des Trail Making Test Teil A und Teil B erwiesen sich die Kontrollpersonen signifikant besser als die Gesamtgruppe der schizophrenen Patienten (Tab. 15), wobei der Unterschied im Teil A grösser ausfiel (Teil A: T=-4,86, df=31,08 vs. Teil B: T=-3,03, df=27,35).

Tab. 15: Trail Making Test: Mittelwertsvergleich Kontrollgruppe vs. Schizophreniegesamtgruppe (TZP1)

Trail-Making-Test (TMT)

Kontrollgruppe

Schizophrenie-Gruppe

n=30

n=27

Teil A

26,7 ± 7,3

48,2 ± 22,0***1)

Teil B

65,5 ± 21,0

111,1 ± 72,6**2)

TMT: Trail Making Test (Reitan et al., 1955; 1974)
Die Werte sind in Sekunden angegeben.
1) p <0,001 vs. Kontrollen
2) p <0,01 vs. Kontrollen

Bezüglich der Medikation liessen sich keine signifikanten Unterschiede in den Trail Making Test Leistungen (TMT-A: df=2, F=0,281, p=ns; TMT-B: df=2, F=0,050, p=ns) zwischen den konventionell medizierten Patienten, atypisch medizierten Patienten und den unmedizierten Patienten abbilden. Auffällig ist die deutlich höhere Variabilität der Messwerte in der Schizophrenie-Gruppe (TMT-A: CV= 45,6 % vs. 27,3 % bei Gesunden; TMT-B: CV=65,3 % vs. 32 % bei Gesunden).

4.3.2. Farbe-Wort-Interferenz Test (Stroop)

Die Rohwerte der Stroop-Variablen Farbwörterlesen (FWL), Farbstrichebenennen (FSB) und Interferenz (INT) der Kontroll-, der Schizophrenie-Gesamtgruppe und der Medikationsuntergruppen sind in Tab. 16 dargestellt:


[Seite 42↓]

Tab. 16: Stroop-Rohwerte Farbwörterlesen (FWL), Farbstrichebenennen (FSB) und Interferenz (INT): Mittelwertsvergleich Kontrollgruppe vs. Schizophreniegesamtgruppe vs. Medikationsuntergruppen (TZP 1)

Gruppe

n

FWL-Rohwert

FSB-Rohwert

INT-Rohwert

Kontrollen

51

27,8 ± 4,8

41,9 ± 6,5

72,0 ± 16,8

Schizophrenie-

Gesamtgruppe

41

32,1 ± 7,3**1)

56,2 ± 19,2***2)

103,7 ± 40,9***2)

Konventionelle

Medikation

14

34,6 ± 9,1***2)

57,1 ± 16,8***2)

109,0 ± 43,3***2)

Atypische

Medikation

10

33,1 ± 6,0***3)

50,9 ± 10,2

94,7 ± 20,1***3)

Unmedizierte

Patienten

17

29,4 ± 5,9

58,7 ± 24,8***2)

104,8 ± 48,6***2)

FWL: Farbe – Wort - Interferenztest nach J.R. Stroop (Bäumler, 1985), Farbwörterlesen; FSB: Farbstrichebenennen; INT: Interferenz
1) p<0,01 vs. Kontrollen
2) p<0,001 vs. Kontrollen
3) p<0,05 vs.Kontrollen

Die Kontrollgruppe und die Schizophrenen-Gesamtgruppe unterschieden sich in allen drei Testabschnitten des Stroop-Interferenztestes signifikant (Tab. 16). Innerhalb der Schizophrenen-Gruppe ergaben sich bei Aufteilung nach Medikationsgruppen keine signifikanten Unterschiede (Einfaktorielle ANOVA FWL: F=2,14, p=ns; FSB: F=0,52, p=ns, INT: F=0,35, p=ns; Tab. 16).

Die T-Werte der Stroop-Variablen Farbwörterlesen (FWL), Farbstrichebenennen (FSB) und Interferenz (INT) der Kontroll-, der Schizophrenie-Gesamtgruppe und der Medikationsuntergruppen sind in Tab. 17 dargestellt:


[Seite 43↓]

Tab. 17: Stroop-T-Werte Farbwörterlesen (FWL), Farbstrichebenennen (FSB) und Interferenz (INT): Mittelwertsvergleich Kontrollgruppe vs. Schizophrenie-Gesamtgruppe vs. Medikationsuntergruppen (TZP 1)

Gruppe

N

T-FWL

T-FSB

T-INT

T-NOM

T-SEL

Kontrollen

48

57,9 ± 8,2

59,1 ± 8,8

58,2 ± 8,5

51,6 ± 7,3

50,5 ± 6,9

Schizophrenie-

Gesamtgruppe

40

51,4 ± 9,3***1)

47,6 ± 10,3***1)

47,4 ± 8,7***1)

46,1 ± 10,3** 2)

48,7 ± 11,9

Konventionell

13

48,2 ± 9,4***1)

45,6 ± 8,5***1)

45,5 ± 9,2***1)

45,7 ± 4,8*3)

45,4 ± 8,5

Atypisch

10

49,3 ± 8,5***1)

49,9 ± 8,5***1)

48,5 ± 5,3***1)

51,4 ± 9,7*4)

47,2 ± 12,3

Unmedizierte

17

55,1 ± 8,8

47,7 ± 12,5***1)

48,0 ± 10,0***1)

43,4 ± 12,8***1)

52,0 ± 13,5

T-FWL: T-Wert Farbwörterlesen, T-FSB: T-Wert Farbstrichebenennen, T-INT: T-Wert Interferenz, T-NOM: T-Wert Nomination, T-SEL: T-Wert Selektivität
1) p<0,001 vs.Kontrollen
2) p<0,01 vs. Kontrollen
3) p<0,05 vs. Kontrollen
4) p<0,05 vs. unmedizierte schizophrene Patienten

Auch nach Bereinigung des Alterseinflusses auf die Testleistung (durch Verwendung altersnormierter T-Werte) unterschieden sich die Kontrollgruppe und die Schizophrenen-Gesamtgruppe auch bezüglich der T-Werte in allen drei Abschnitten und der abgeleiteten Grösse Nomination signifikant (Tab. 17). Bezüglich der Selektivität (T-Wert) war der Unterschied nicht signifikant (T-Test T-SEL: T=0,82, p=ns; Tab. 17). Auch innerhalb der Schizophrenen-Gruppe ergaben sich bei Aufteilung nach Medikationsgruppen keine signifikanten Unterschiede (Einfaktorielle ANOVA FWL: F=2,61, p=ns; FSB: F=0,48, p=ns, INT: F=0,40, p=ns; Tab. 17). Bezüglich der T-Werte der abgeleiteten Grösse Nomination (Bäumler, 1985) unterschieden sich die Untergruppe der atypisch und der unmedizierten schizophrenen Patienten (Tab. 17).

Wenn im Verlauf die unmedizierten schizophrenen Patienten auf ein Atypikum eingestellt wurden (n=7), liess sich eine signifikante Steigerung der Interferenzinhibition im Stroop-Test von TZP 1 (unmediziert; INT-Rohwert 113,3 ± 47,6) zum TZP 2 (atypisch mediziert; INT-Rohwert 85,1 ± 29,9) feststellen (p<0,05). Diese Verbesserung der Testleistungen von TZP 1 zu TZP 2 war bei den schizophrenen Patienten, bei denen keine Umstellung vorgenommen wurde, nicht signifikant.

4.3.3. Wisconsin Card Sorting Test (WCST)

Im WCST erreichten die schizophrenen Patienten im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen signifikant weniger Kategorien (CAT) bei einer signifikant höheren Gesamtzahl benötigter Karten [Seite 44↓](Summe) und machten signifikant mehr Gesamtfehler (TE) (Tab. 18). In Bezug auf die Perseverationsindizes wie Anzahl der perseverativen Antworten (PR) und perseverativer Fehler (PE) zeigte die Patientengruppe signifikant schlechtere Leistungen als die Kontrollgruppe (Tab. 18). Die Variablen “Gesamtzahl konzeptionell richtiger Antworten“ (CLR) und die „Konzeptbildungsfähigkeit“ (CA) zeigten keine signifikanten Unterschiede zwischen der Patienten - und der Kontrollgruppe.

Tab. 18: WCST-Variablen: Mittelwertsvergleich Kontrollgruppe vs. Schizophrenie-Gesamtgruppe vs. Medikationsuntergruppen (TZP 1)

 

Kontrollgruppe

Schizophrenie-Gruppe

n=49

n=34

Summe (SUM)

89,6 ± 20,8

106,6 ± 22,6 ** 2)

Gesamtfehler (TE)

17,9 ± 12,2

34,7 ± 22.4 ***3)

Perseverative Fehler (PE)

9,3 ± 6,2

17,0 ± 12,3 ** 2)

Perseverative Antworten (PRP)

0,7 ± 1,3

2,1 ± 3,6 * 1)

Konzeptbildungsfähigkeit (CA)

16,0 ± 8,3

21,7 ± 26,0

Gesamtzahl konzeptionell richtiger Antworten (CLR)

65,1 ± 7,9

60,2 ± 14,4

Kategorien (CAT)

5,7 ± 0,8

4,9 ± 1,8 * 1)

1) p<0,05 vs. Kontrollen
2) p<0,01 vs. Kontrollen
3) p<0,001 vs. Kontrollen

Bei Analyse der Leistungen im WCST der Medikationuntergruppen ergaben sich Unterschiede, je nach dem, ob die schizophrenen Patienten unbehandelt oder zum Untersuchungszeitpunkt mit konventionellen oder atypischen Neuroleptika mediziert waren. Schizophrene Patienten, die mit Atypika mediziert waren, benötigten zwar im Durchschnitt auch mehr Karten als die gesunden Kontrollen, um den WCST zu beenden (WCST Summe), der Unterschied blieb aber – im Gegensatz zu den konventionell oder nicht medizierten Patienten - nicht signifikant (Abb. 2).


[Seite 45↓]

Abb. 2: WCST Gesamtzahl: Mittelwertsvergleich Schizophrenie-Medikationsuntergruppen vs. Kontrollgruppe (TZP 1)

1) p<0,01 Konventionell medizierte Patienten vs. Kontrollen
2) p<0,01 Unmedizierte Patienten vs. Kontrollen

Bezüglich der Anzahl der Gesamtfehler (TE) und perseverativer Fehler (PE) unterschieden sich die atypisch medizierten Patienten nicht signifikant von den gesunden Kontrollen, im Gegensatz zu den unmedizierten (p<0,01) oder konventionell medizierten Patienten (p<0,001), die sich signifikant unterschieden (Abb. 3).


[Seite 46↓]

Abb. 3: WCST Perseverative Fehler: Darstellung individueller Werte der Medikations-Untergruppen und Kontrollgruppe (TZP 1)

Die Bezugslinie gibt den Mittelwert der Kontrollen an.

4.3.4. Alters-, Intelligenz- und Psychopathologieabhängigkeit exekutiver Funktionen

Die Variablen des Stroop-Interferenz-Testes und die des WCST wurden auf Beziehungen zum Alter, zur Intelligenz und Psychopathologie überprüft. Die Leistungen der gesunden Kontrollpersonen in den WCST-Variablen Summe (SUM), Fehler (TE), perseverative Fehler (PE), Konzeptbildungsfähigkeit (CA) und Anzahl der beendeten Kategorien (CAT) korrelierten nicht mit dem Alter, Intelligenz oder Scores der Psychopathologie-Skala. Dagegen waren bei den schizophrenen Patienten die Referenzvariablen PANSS-G mit der WCST Summe (rSpearman =0,543*), den Fehlern (TE) (rSpearman =0,560*), den perseverativen Fehlern (rSpearman =0,721**) und der Konzeptbildungsfähigkeit (CA) (rSpearman =0,573*) und PANSS-N mit der WCST Summe (rSpearman =0,516*) und der Konzeptbildungsfähigkeit(rSpearman =0,719**) positiv korreliert. In wie weit diese signifikanten Beziehungen durch die Medikation beeinflußt sein könnten, wurde mit Hilfe der [Seite 47↓]partiellen Korrelationsanalyse überprüft. Darin zeigte sich, dass bei Berücksichtigung des Medikationseffektes nur die Beziehung zwischen der Negativsymptomatik und der Konzeptbildungsfähigkeit (rPartielle Korrelation=0,710**) signifikant korreliert bleibt. In der graphischen Darstellung (Abb. 4) zeigte sich, dass diese signifikante Korrelation durch zwei Ausreisser zu erklären ist.

Abb. 4: Beziehung zwischen Negativsymptomatik (PANSS-N) und Konzeptbildungsfähigkeit (WCST-CA)

4.4. Perseveration

4.4.1. Zeigeversuch nach Mittenecker (CTE)

Zur Auswertung des Zeigeversuches nach Mittenecker wurde die kontextsensitive Triadenentropie (CTE; Guttmann und Kranner, 1960) berechnet, die das Mass der „Ungeordnetheit“ der gedrückten Tasten darstellt.

Die Patientengruppe insgesamt wies eine signifikant niedrigere Kontexttriadenentropie auf als die Kontrollpersonen (Tab. 19). Bei der Wiederholung des Zeigeversuches nach Mittenecker (TZP 2) erzielten nur die Gesunden signifikant bessere Ergebnisse als zum TZP 1 (Tab. 19).


[Seite 48↓]

Die kontextsensitive Triadenentropie des Zeigeversuchs nach Mittenecker zu den TZP1 und 2 ist in Tab. 19 dargestellt.

Tab. 19: Kontextsensitive Triadenentropie bei gesunden Probanden und schizophrenen Patienten zum TZP 1 und TZP 2

Zeigeversuch nach Mittenecker

Kontextsensitive Triadenentropie (TZP 1)

Kontextsensitive Triadenentropie (TZP 2)

Kontrollgruppe

0,640 ± 0,11*1) (n=31)

0,689 ± 0,07***2) (n=30)

Schizophrenien

Gesamtgruppe

0,571 ± 0,13 (n=32)

0,594 ± 0,09 (n=16)

Wegen der geringen Absolutwerte musste an dieser Stelle eine Darstellung mit 3 Dezimalstellen erfolgen.
1) p<0,05 (T=2,467) vs. Schizophrenie-Gesamtgruppe
2) p<0,001 vs. TZP 1 (Kontrollgruppe)

Der signifikante Unterschied in der Perseverationstendenz zwischen den Patienten und Kontrollen zum TZP 1 ließ sich ausschließlich auf den Anteil konventionell medizierter Patienten zurückführen, denn die Kontexttriadenentropie bei den unmedizierten und den mit Atypika medizierten Patienten unterschied sich nicht signifikant von der Kontrollgruppe (T=1,608, df=42, p=ns; T=1,307, df=39, p=ns). Die Darstellung des Perseverationsmasses der Triadenentropie - unterschieden nach Medikationsgruppen - zeigt Abb. 5.


[Seite 49↓]

Abb. 5: Mittelwertsvergleich kontextsensitive Triadenentropie: Kontrollen vs. Medikationsuntergruppen (TZP 1)

Balken zeigen Mittelwerte, Fehlerbalken zeigen 95 % Konfidenzintervalle des Mittelwertes.

Wenn im Verlauf der Behandlung das Neuroleptikum auf ein Atypikum gewechselt wurde, nahm die Perseverationstendenz im Zeigeversuch deutlicher ab (CTE 0,022 ± 0,12 vs. CTE 0,010± 0,06) als bei Patienten ohne Medikamentenumstellung. Betrachtet man nur die unmedizierten Patienten, die im Verlauf auf ein Atypikum eingestellt wurden (n=7), lässt sich keine signifikante Veränderung der Perseverationstendenz von TZP 1 (unmediziert; CTE 0,57 ± 0,09) zum TZP 2 (atypisch mediziert; CTE 0,62 ± 0,06) feststellen.

4.4.2. Alters-, Intelligenz- und Psychopathologieabhängigkeit der Perseveration

Zwischen dem Perseverationsmass der kontextsensitiven Triadenentropie (Zeigeversuch nach Mittenecker) und den Referenzvariablen bestanden (getrennt nach Patienten -und Kontrollgruppe) folgende Korrelationen (Tab. 20):

Tab. 20: Spearman-Korrelationskoeffizienten (rSpearman) von der kontextsensitiven Triadenentropie (CTE) und Referenzvariablen bei Schizophrenen und Kontrollen

CTE

Alter

MWT-B-IQ-A

LPS-3-IQ

PANSS-P

PANSS-N

PANSS-G

P-DS-P

P-DS-D

Patienten-gruppe

-0,287

(n=44)

0,063

(n=35)

0,364

(n=34)

-0,339

(n=19)

-0,409

(n=19)

-0,610**

(n=19)

-0,091

(n=37)

-0,191

(n=37)

Kontroll-gruppe

-0,391*

(n=31)

0,243

(n=30)

0,117

(n=30)

-0,427*

(n=26)

-0,503**

(n=26)

-0,414

(n=26)

-0,178

(n=28)

-0,317

(n=28)

CTE: kontextsensitive Triadenentropie (Zeigeversuch nach Mittenecker, 1958); MWT-B: Mehrfachwahl-Wortschatztest Form B (MWT-B), (Lehrl, 1991); LPS-3: Leistungsprüfsystem - Untertest 3 (Horn, 1983); PANSS-P: Positive and Negative Syndrome Scale – Positivsymptomatik (Kay, Fiszbein und Opler, 1987), PANSS-N: Negativsymptomatik, PANSS-G: Negativsymptomatik; PD-S: Paranoid-Depressivitätsskala (von Zerssen, 1976) mit D-Wert (Depressivität) und P-Wert (Paranoidität)

Ein moderater negativer Korrelationskoeffizient zwischen der CTE und der PANSS-G wies auf mögliche Beziehungen der Perseverationsgrösse zum Ausprägungsgrad der Psychopathologie hin (Tab. 20).

In Tab. 21 sind Korrelationen zwischen der Perseverationsvariablen des Zeigeversuchs (kontextsensitive Triadenentropie), des WCST und des motorischen Tempos und ausgewählter Psychopathologie-Scores dargestellt. Wie zu erwarten, korrelierten die Ergebnisse der Perseverationstendenzen (im Zeigeversuch und WCST) signifikant. Die CTE korrelierte weiterhin negativ mit dem motorischen Tempo (TMT-A) und dem Subscore G7 der PANSS (motorische Verlangsamung) (Tab. 21 und Abb. 6).


[Seite 51↓]

Tab. 21: Spearman-Korrelationskoeffizienten (rSpearman) von der kontextsensitiven Triadenentropie (CTE) und Perseverationsvariablen des WCST, motorischen Tempo (TMT-A) und Psychopathologie bei schizophrenen Patienten (n=24)

 

WCST- Perseverative Fehler

WCST-

Perseverative Antworten

TMT- Teil A

PANSS- P2

(Formale Denkstörungen)

PANSS- G 7

(Motorische Verlangsamung)

CTE

-0,494*

-0,531**

-0,473*

-0,218

-0,578**

WCST: Wisconsin Card Sorting Test (Heaton et al., 1993)
TMT- Teil A: Trail Making Test, Teil A (Reitan et al., 1955; 1974)
PANSS-P2: Positive and Negative Syndrome Scale – Positivsymptomatik (Formale Denkstörungen) (Kay, Fiszbein und Opler, 1987), PANSS-G7: Negativsymptomatik (Motorische Verlangsamung)CTE: kontextsensitive Triadenentropie (Zeigeversuch nach Mittenecker, 1958)

Abb. 6: Beziehung zwischen motorischer Verlangsamung (PANSS-G7) und Perseveration (CTE)

Die Perseverationstendenz ist um so stärker, je kleiner die kontextsensitive Triadenentropie ist (s. Mathodenteil). PANSS-G7: Positive and Negative Syndrome Scale – Negativsymptomatik, Variable 7: Motorische Verlangsamung (Kay, Fiszbein und Opler, 1987); CTE: kontextsensitive Triadenentropie (Zeigeversuch nach Mittenecker)


[Seite 52↓]

Korrelationen zwischen CTE und anderen Variablen (BET, S1, Tapping, Corsi Block Spanne rückwärts) blieben nicht signifikant.

4.5. Psychomotorisches Tempo

4.5.1. Tapping

Die Schizophrenie-Gesamtgruppe (n=40) war im Tapping mit 181,4 ± 22,8 Anschlägen in 30 Sekunden gegenüber der Kontrollgruppe (n=50) mit 211,4 ± 22,8 Anschlägen signifikant verlangsamt (T=6,21, p<0,001) (Abb. 7).

Abb. 7: Streudiagramm der Variable Tapping Summe: Kontrollgruppe vs. Schizophrenie-Gesamtgruppe (TZP 1)

Die Testwertunterschiede zwischen den konventionell medizierten (n=13, 183,1± 27,0), den atypisch medizierten (n=10, 178,8 ± 21,0) und den unmedizierten schizophrenen Patienten (n=17, 181,5 ± 21,7) blieben nicht signifikant (ANOVA F=0,098, p=ns).


[Seite 53↓]

4.5.2. Alters-, Intelligenz- und Psychopathologieabhängigkeit des psychomotorischen Tempos

Zwischen psychomotorischem Tempo (d2, BET, S2-Umkehrtest) und den Referenzvariablen bestanden (getrennt nach Patienten – und Kontrollgruppe) folgende Korrelationen (Tab. 22):

Tab. 22: Spearman-Korrelationskoeffizienten (rSpearman) von psychomotorischem Tempo und Referenzvariablen bei Schizophrenen und Kontrollpersonen

 

Alter

MWT-B-IQ-A

LPS-3-IQ

PANSS

P

N

G

Patienten

Kontrollen

n=44

n=51

n=35

n=46

n=35

n=46

n=19

n=27

n=19

n=27

n=19

n=27

d2 Summe

Pat.

Kon.

-0,088

-0,351*

0,380*

0,520**

0,445**

0,578**

-0,348

-0,293

-0,563*

-0,432*

-0,570*

-0,199

d2 Summe

Pat.

Kon.

-0,088

-0,351*

0,380*

0,520**

0,445**

0,578**

-0,348

-0,293

-0,563*

-0,432*

-0,570*

-0,199

Tapping

Pat.

Kon.

0,033

-0,243

0,256

0,408**

0,098

0,366*

-0,066

-0,301

-0,343

-0,246

0,073

-0,397*

BET

Pat.

Kon.

0,214

-0,398**

0,387*

0,262

0,091

0,352*

0,111

-0,372

-0,440

-0,393

-0,147

-0,512**

TMT-A

Pat.

Kon.

0,020

0,539*

-0,017

-0,165

-0,289

-0,144

0,549*

0,187

0,302

0,297

0,282

0,284

S2-5

Pat.

Kon.

0,038

-0,260

0,244

0,471**

0,215

0,385**

0,349

-0,088

-0,364

-0,327

-0,121*

-0,356

S2-Prozent

Pat.

Kon.

0,071

-0,272

0,250

0,284

0,377*

0,243

0,202

-0,058

-0,387

-0,052

-0,163

-0,281

MWT-B: Mehrfachwahl-Wortschatztest Form B (MWT-B), (Lehrl, 1991); LPS-3: Leistungsprüfsystem - Untertest 3 (Horn, 1983); PANSS-P: Positive and Negative Syndrome Scale – Positivsymptomatik (Kay, Fiszbein und Opler, 1987), PANSS-N: Negativsymptomatik, PANSS-G: Negativsymptomatik; d2- Summe: Test d2 – Aufmerksamkeits - Belastungs – Test, Gesamtzahl (Brickenkamp, 1981); d2-Fehlerprozent: Test d2 – Aufmerksamkeits - Belastungs – Test, Ratio aus Fehlern und Gesamtzahl; Tapping: Tapping–Versuch (Gesamtzahl; Wiener Testsystem, Schuhfried, 1987); BET: Berufseignungstest (Strichezeichnen), (Schmale und Schmidtke, 1984); TMT-A: Trail Making Test, Teil A (Reitan et al., 1955; 1974); S2-5: S-Umkehrtest - Untertests 5, (Remschmidt, 1972), S2-Prozent: Ratio des S2-Rohwertes und der Summe aus den Mittelwerten der je zwei “S”- und “2” – Einzelversuche.


[Seite 54↓]

Es ergaben sich Ähnlichkeiten zwischen der Kontrollgruppe und Patientengruppe bezüglich der signifikanten Korrelationskoeffizienten für Intelligenzabhängigkeit der d2-Summenscores und d2-Fehler-Prozent-Ergebnissen. Die d2-Summe war signifikant mit der Negativsymptomatik korreliert. Bezüglich des Zusammenhangs von Psychomotorik und Eigenbeurteilung der paranoiden (PDS-P) bzw. depressiven (PDS-D) Symptomatik ergaben sich bei den schizophrenen Patienten keine signifikanten Korrelationen (Tab.22).

4.5.3. Abhängigkeit von Variablen des psychomotorischen Tempos untereinander

Die Testleistungen psychomotorischer Tests waren bei den schizophrenen Patienten untereinander signifikant korreliert (Tab. 23).

Tab. 23: Spearman-Korrelationskoeffizienten (rSpearman) zwischen Variablen des psychomotorischen Tempos bei Schizophrenen

 

TMT-A

BET

S2-1

Tapping Summe

d2-Summe

-0,424* (n=26)

0,616*** (n=40)

0,376* (n=41)

0,427** (n=39)

TMT-A

 

-0,472* (n=24)

-0,447* (n=26)

-0,371 (n=25)

BET

  

0,740*** (n=39)

0,379* (n=38)

TMT-A: Trail Making Test, Teil A (Reitan et al., 1955; 1974); ); BET: Berufseignungstest (Strichezeichnen), (Schmale und Schmidtke, 1984); S2-1: S-Umkehrtest - Untertests 1, (Remschmidt, 1972); Tapping: Tapping–Versuch (Gesamtzahl; Wiener Testsystem, Schuhfried, 1987); d2- Summe: Test d2 – Aufmerksamkeits - Belastungs – Test, Gesamtzahl (Brickenkamp, 1981)

4.6. Messwiederholungseffekte bei gesunden Probanden

Zur Analyse eines Messwiederholungseffektes und Darstellung von Lern- und Gewöhnungseffekten wurden die Veränderungen bei Wiederholung der Messungen erfasst (Tab. 24). Die Testwiederholung (TZP 2) erfolgte bei den gesunden Kontrollen nach durchschnittlich 10,5 Wochen.


[Seite 55↓]

Tab. 24: Veränderung der Testergebnisse bei Testwiederholung bei gesunden Kontrollen

TZP 1 zu TZP 2

TZP 1

TZP 2

T

Kurzzeitgedächtnis, Aufmerksamkeit und Konzentration

Zahlennachsprechen rückwärts (n=32)

8,1 ± 2,8

9,5 ± 2,6

-3,83**

Corsi Block Spanne (n=32)

6,1 ± 0,8

6,5 ± 1,2

-2,20*

D2-Summe (n=49)

454,8 ± 95,2

491,7 ± 97,6

-8,69***

BET (n=51)

77,0 ± 10,5

80,2 ± 10,8

-5,65***

Exekutivfunktionen

Stroop Interferenz (INT-Rohwert) (n=51)

72,0 ± 16,8

67,1 ± 16,0

3,74***

WCST Perseverative Fehler (PE) (n=49)

9,3 ± 6,2

5,8 ± 3,0

3,88***

Perseveration

Kontextsensitive Triadenentropie (CTE) (n=30)

0,64 ± 0,11

0,69 ± 0,07

-3,27**

Psychomotorisches Tempo

Tapping (n=50)

211,4 ± 22,8

215,5 ± 22,7

-1,89

TZP (Testzeitpunkt): 1. Messung (TZP 1), 2. Messung (TZP 2, Wiederholungsmessung). Zahlennachsprechen rückwärts (Digit Span): Die Werte entsprechen der Anzahl erreichter Zahlen; Corsi Block Spanne (Corsi Block Span Test, Milner, 1971): Die Werte entsprechen der Anzahl erreichter Zahlen; D2-Summe: Werte entsprechen der Anzahl; BET (Berufseignungstest, Strichezeichnen; Schmale und Schmidtke, 1984): Die Werte entsprechen der Anzahl erreichter Quadrate; Stroop Interferenz (INT-Rohwert): Farbe – Wort - Interferenztest nach J.R. Stroop (Bäumler, 1985), WCST Perseverative Fehler (PE): Wisconsin Card Sorting Test, (Heaton et al., 1993), Anzahl perseverativer Fehler; CTE: kontextsensitive Triadenentropie (Zeigeversuch nach Mittenecker, 1958); INT: Interferenz; Tapping: Tapping–Versuch (Gesamtzahl; Wiener Testsystem, Schuhfried, 1987)

Dabei verbesserten sich die gesunden Kontrollen in allen Tests zu Kurzzeitgedächtnis, Aufmerksamkeit, Konzentration, exekutiven Funktionen und Perseveration bei Wiederholungsmessung signifikant (Tab. 24). Das psychomotorische Tempo der gesunden Kontrollen veränderte sich bei Wiederholungsmessung nicht signifikant (Tab. 24).

4.7. Vergleich individueller Messwerte schizophrener Patienten mit dem Referenzbereich Gesunder

Obwohl in fast allen Testergebnissen die Gruppe schizophrener Patienten signifikant schlechtere Leistungen zeigte als die gesunde Kontrollgruppe (Mittelwertsvergleiche), ist davon auszugehen, dass nicht alle untersuchten Patienten im gleichen Maße Einbußen in ihren kognitiven Fähigkeiten [Seite 56↓]aufgewiesen haben.

Am Beispiel der Anzahl der perseverativen Fehler im WCST (Abb. 8), der kontextsensitiven Triadenentropie (CTE) und der d2-Fehlerprozent im d2-Aufmerksamkeitsbelastungstest soll gezeigt werden, dass mit Hilfe einer anderen Auswertetechnik, der Anteil der Patienten, die im „Normbereich“ der gesunden Kontrollen liegen, bestimmt werden kann.

Abb. 8: Streudiagramm der Variablen Perseverativer Fehler bei Schizophrenen und Gesunden (TZP 1)

19 oder mehr perseverative Fehler machten 10,2 % der Gesunden vs. 31,3 % der Schizophrenen, aber auch 33,3 % der schizophrenen Patienten vs. 65,3 % der Gesunden produzierten 8 oder weniger perseverative Fehler (Abb. 8). Auch im Perseverationstest nach Mittenecker zeigte sich, dass schlechtere Resultate in der CTE als 0,5 nur 9,7 % der Gesunden vs. 28,1 % der Schizophrenen aufwiesen. Ein ähnliches Bild entsteht bei der Analyse des d2-Aufmerksamkeits-Belastungstests (d2-F%): Mehr als 6 % Fehler machten nur 9,8 % der Gesunden vs. 57,1 % der schizophrenen Patienten, wobei aber auch 33,3 % der schizophrenen Patienten vs. 60,8 % der Gesunden weniger als 4 % Fehler produzierten. Basierend auf diesen Beispielen kann geschätzt werden, daß lediglich ca. 30-60 % der untersuchten Patienten mäßige bis ausgeprägte kognitive Defizite zeigten.


[Seite 57↓]

4.8. Dosisabhängigkeit der Neuroleptikawirkung auf neuropsychologische Testergebnisse

Zum Vergleich der Testergebnisse der unterschiedlichen Medikationsgruppen über die gesamte neuropsychologische Testbatterie wurde eine z-Wert Transformation durchgeführt (Abb. 9). Dabei entspricht der z-Wert 0 den Testergebnissen der gesunden Kontrollgruppe.

Abb. 9: Kognitives Profil der konventionell, atypisch und unmedizierten Patienten (TZP 1)


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Im Profil über alle kognitiven Bereiche zeigt sich, dass die schizophrenen Patienten in fast allen kognitiven Bereichen Beeinträchtigungen gegenüber der gesunden Kontrollgruppe aufwiesen. Mit Atypika medizierte Patienten sind in ihrer Leistungsfähigkeit nicht generell besser als die mit konventionellen Neuroleptika medizierten oder unmedizierten Patienten (Abb. 9), die Unterschiede in den in Abb. 9 dargestellten z-Wert Kategorien blieben nicht signifikant.

In wie weit die deutlichen kognitiven Defizite bei einem Teil der Patienten mit der neuroleptischen Medikation in Zusammenhang steht, wurde im nächsten Schritt untersucht.

Die Testergebnisse des Zeigeversuchs, des BET und des S-Umkehrtests waren signifikant von der Dosishöhe des Medikaments, umgerechnet in CPZ-Äquivalente, abhängig (Tab. 25). Die durchschnittliche Neuroleptikatagesdosis korrelierte signifikant negativ mit motorischen Fähigkeiten und der Perseverationstendenz. Diese signikante Dosisabhängigkeit liess sich aber nur bei den konventionell medizierten Patienten feststellen (Tab. 25). Bei allen anderen durchgeführten Tests liessen sich keine Korrelationen zwischen Dosishöhe und Testergebnissen zeigen.

Tab. 25: Dosisabhängigkeit kognitiver Tests bei konventionell medizierten schizophrenen Patienten (TZP 1) (Korrelationskoeffizient rSpearman)

 

CTE

BET

S2-5

 

n=9

n=14

n=14

Mittlere CPZ-eq-Tagesdosis

-0,886***

-0,647*

-0,653*

CTE: kontextsensitive Triadenentropie (Zeigeversuch nach Mittenecker); BET: Berufseignungstest (Strichezeichnen), (Schmale und Schmidtke, 1984); S2-5: S-Umkehrtest - Untertests 5, (Remschmidt, 1972)

Die Höhen der durchschnittlichen mittleren Chlorpromazin-Äquivalenztagesdosis der konventionell (610 mg CPZ-eq) und der atypisch (555 mg CPZ-eq) medizierten Patienten unterschied sich dabei nur unwesentlich.

In Abb. 10 ist die Abhängigkeit der Perseverationstendenz (CTE) in Abhängigkeit von der Dosishöhe (in CPZ-eq) der neuroleptischen Medikation dargestellt. Zu beachten ist, dass eine hohe kontextsensitive Triadenentropie einer gering ausgeprägten Perseverationstendenz entsprach (s. [Seite 59↓]Kap. 3.2., S. 25).

Abb. 10: Beziehung zwischen Perseverationstendenz und Dosishöhe der neuroleptischen Medikation.

CPZ-Äquivalenzdosis: Mittlere Tagesdosis in Chlorpromazin-Äquivalenten nach Rey et al. (1989);CTE: kontextsensitive Triadenentropie (Zeigeversuch nach Mittenecker).

Die Prüfung der Dosisabhängigkeit der Testergebnisse der atypisch medizierten Patienten ergab in allen durchgeführten Tests keine signifikanten Resultate.


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11.05.2004