Boschnakow, Anett: Perioperative Antibiotikaprophylaxe bei angeborenen Herzfehlern

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Kapitel 5. Zusammenfassung

Seit 1988 wird im DHBZ bei Operationen aufgrund angeborener Herzfehler eine Antibiotikaprophylaxe mit Cefotaxim und Piperacillin verabreicht. Die Empfehlungen hinsichtlich einer Prophylaxe haben sich in den letzten Jahren geändert und gehen nicht speziell auf die Kinderherzchirurgie ein.

Daraus ergibt sich das Hauptanliegen dieser prospektiven Beobachtungsstudie, welche sich erstmalig mit dem Vergleich von perioperativen Antibiotikaprophylaxen in der Kinderherzchirurgie beschäftigt. Es wird die Fragestellung aufgegriffen, ob eine Umstellung der bisher praktizierten Kombinationsprophylaxe auf ein Cephalosporin der II. Generation entsprechend internationalen Empfehlungen zu befürworten ist. Als Meßgröße zur Beurteilung der Wirksamkeit der jeweiligen Prophylaxen diente das Auftreten postoperativer Infektionen. Weiterhin war es Aufgabe dieser Arbeit, die Vor- und Nachteile beider Antibiotikaregime zu untersuchen und zu prüfen, ob sie den Anforderungen, die an eine effektive Prophylaxe gestellt sind, gerecht werden.

Im Zeitraum vom 1. März 1995 bis 31. August 1995 wurden insgesamt 180 Patienten mit Operationen am offenen Herzen in die Studie eingeschlossen. 99 Patienten erhielten die bisher im DHZB etablierte Kombinationsprophylaxe mit Cefotaxim und Piperacillin (Cx/P-Gruppe). 81 Patienten bekamen eine Monoprophylaxe mit Cefotiam (Ct-Gruppe).

Ergebnisse

Zwischen beiden Gruppen bestand bezüglich aller perioperativer Einflußfaktoren (Ausnahmen: Durchschnittsalter, Anzahl der Voroperationen, azyanotische Herzfehler ohne Shunt) kein statistisch signifikanter Unterschied.

Die postoperative Infektionsrate betrug in der Ct-Gruppe 14,8 % und in der Cx/P-Gruppe 17,2 %.

Die perioperative Prophylaxe erfolgte für beide Gruppen durchschnittlich 103 Stunden (4,3 Tage) bzw. 110 Stunden (4,6 Tage).

Zusammenfassend läßt sich sagen, daß die Studie aufgrund der geringen Patientenanzahl aus statistischer Sicht kein Beweis für einen Unterschied zwischen beiden Antibiotikaprophylaxen erbringen konnte. Dafür konnte die Metaanalyse durch Vergleich der Infektionsraten von 11 Studien zeigen, daß auch bei einer großen Patientenanzahl (4177) kein statistischer Unterschied zwischen einer Schmalspektrum- und einer Kombinations- bzw. Breitspektrum-prophylaxe besteht. Weiterhin wurde gezeigt, daß Cefotiam den Anforderungen einer effektiven perioperativen Prophylaxe gerecht wird (Erfassung des zu erwartenden Erregerspektrums, sehr gute Wirksamkeit gegen Staphylokokken, gute Gewebe- und Serumspiegel während der Operation, geringe Toxizität) und Vorteile gegenüber der Kombinationsprophylaxe aufweist (Senkung von Patientenbelastung, Medikamenten-nebenwirkungen, Arbeitsaufwand und Kosten, Einschränkung der Selektion von resistenten Bakterien).

Diese Voraussetzungen befürworten einen Austausch der unvorteilhaften Prophylaxe mit Cefotaxim und Piperacillin durch die vorteilhafte Prophylaxe mit Cefotiam. Letztendlich hat die Studie dazu beigetragen, daß seit 1996 im DHZB bei Operationen von angeborenen Herzfehlern eine Monoprophylaxe mit einem Cephalosporin der I. Generation - Cefazolin - durchgeführt wird. Diese Studie hat weiterhin eine Verkürzung der Prophylaxedauer bewirkt.


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Thu Sep 19 11:28:23 2002