IV DER RDS UND SEINE FUNKTION IN DER NATIONALSOZIALISTISCHEN KULTURSTRATEGIE

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Die Umfunktionierung Deutschlands in einen totalitären Staat nach der national-sozialistischen Machtergreifung wurde auch im Kulturbetrieb vollzogen.

Es kann davon ausgegangen werden, dass Horváth die meisten der Schritte kannte, die keinen Zweifel an dem absoluten Herrschaftsanspruch der Nationalsozialisten auch auf kulturellem Gebiet zuließen und einen kompletten Bruch mit dem Kulturbetrieb der Weimarer Republik darstellten.

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Am 28. Februar 1933 trat das „Gesetz zum Schutze der Nation“ und am 22. September 1933 das „Reichskulturkammergesetz“‘ in Kraft, mit denen die Tätigkeit von Autoren, Verlegern, Buchhändlern und Büchereileitern unter eine autoritäre Aufsicht gestellt wurde.272

Der Schutzverband Deutscher Schriftsteller (SDS) wurde am 11. März 1933 aufgelöst. Als Führer der „Arbeitsgemeinschaft nationaler Schriftsteller“ forderte der Autor der Romane Horst Wessel und Alraune, Hanns Heinz Ewers, im Auftrag von Goebbels die Umbildung des Hauptvorstandes des von Arnold Zweig geleiteten SDS.

Die acht Präsidiumsmitglieder, die sofort zurücktraten, wurden von dieser Arbeitsgemeinschaft ersetzt.

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Am 07. Mai des Jahres folgte die nationalsozialistische „Neuordnung“ der Preußischen Dichterakademie. Die Autoren Alfred Döblin, Leonhard Frank, Ludwig Fulda, Georg Kaiser, Bernhard Kellermann, Heinrich und Thomas Mann, Alfred Mombert, Alfons Paquet, Rudolf Pannwitz, Franz Werfel, René Schickele, Fritz von Unruh und Jakob Wassermann mussten sofort aus der Akademie ausscheiden.

Bereits am 16. Februar hatte Heinrich Mann seinen Vorsitz als Präsident der Akademie auf Druck des Erziehungsministers Rust niedergelegt.

Preußische Dichterakademie und SDS wurden von Goebbels im „Reichsverband Deutscher Schriftsteller“ (RDS) zusammengelegt, der von dem kulturpolitischen Redakteur des Völkischen Beobachters, Götz Otto Stoffregen, geleitet wurde, welcher ab Mai 33 auch Hans Heinz Ewers als Vorstand der „Arbeitsgemeinschaft nationaler Schriftsteller“ ablöste.273

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Am 15.11.1933 gründete Josef Goebbels die „Reichskulturkammer“ (RKK), die sich aus sieben Einzelkammern, darunter der „Reichschrifttumskammer“, zusammensetzte.

Die feierliche Eröffnung der RKK fand am 16. November im großen Saal der Berliner Philharmonie statt, an der u.a. Heinrich George, Gerhart Hauptmann und Werner Krauss teilnahmen.

Die Mitgliedschaft in einer der sieben Kammern war die Voraussetzung für die berufliche Tätigkeit der im weitesten Sinne mit kulturellen Aufgaben im Dritten Reich Beschäftigten.

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Das Ziel der Kammer war es, das gesamte deutsche Kulturschaffen in den Dienst des Nationalsozialismus zu stellen und ihm damit eine im weitesten Sinne politische Aufgabe zu übertragen. Am 15. Dezember 1933 musste nach einer Goebbels-Verordnung die Eingliederung der „Kulturschaffenden“ in die Kammern erfolgt sein. Sie ging nach den Maßstäben der „Zuverlässigkeit und Eignung“ vor sich. Setzte die erste Aufnahmebedingung eine Prüfung nach der politisch- weltanschaulichen „Tauglichkeit“ voraus, so forderte die „Eignung“ den sachlich- technischen Nachweis.

Damit waren vor allem alle ‚judenstämmigen‘ Personen von der RKK ausgeschlossen und ihnen zugleich die Ausübung ihres Berufes verboten worden.274

Die deutschen Autoren wurden vom RDS zwangsweise erfasst, womit die wichtigste Vorarbeit für die Lenkungstätigkeit der RSK geleistet wurde.275

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Mit diesen Gesetzen zentralisierten die Nationalsozialisten sehr früh die Zensur auf Reichsebene.

Die Zielsetzung der NS- Schrifttumspolitik wurde unter den Voraussetzungen eines „Tausendjährigen Reiches“ betrieben. Das angestrebte Fernziel war die „Gründung einer neuen Epoche deutscher Dichtung“, die den Führungsanspruch Deutschlands auch im kulturellen Bereich rechtfertigen sollte.276

Es gelang allerdings den Parteifunktionären und den ihnen nahestehenden „Wissenschaftlern“ zu keinem Zeitpunkt, eine nationalsozialistische Ästhetik zu begründen oder einen Einheitsstil für die Kunst des Dritten Reiches zu bestimmen. Die erzwungene Umwandlung vollzog sich unter dem Diktat einer militanten und biologistisch - materialistischen Ideologie im Zusammenhang mit einer Politik der radikalen Umwertung der bis dahin gültigen Werte.277

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Hitler forderte auf dem Nürnberger Parteitag 1933 die Künstler auf, „die stolzeste Verteidigung des deutschen Volkes zu übernehmen“ und erklärte die Kunst als eine „zum Fanatismus verpflichtende Mission“. Kunst diente fortan „hygienischen Erfordernissen“ im Sinne von nationalsozialistischen Hygiene- Anforderungen und der „Sanierung des Volkskörpers“ 278

Der Nationalsozialismus sollte als Erfüllung eines „alten deutschen Traumes“ gleichbedeutend mit „einstiger Größe“ erscheinen und angenommen werden.

Topoi der Vorgeschichtlichkeit deuteten in eine unbestimmte Vorzeit und waren beladen mit nullwertigen Aussagen: ‚Als Männer noch Männer bzw. Zimbern und Teutonen waren‘.279 In diese Kategorie gehören auch viele von Horváth gegeißelte Floskeln wie die im Sladek von der Bundesschwester gerngebrauchte Formel „Blut ist Blut und Krieg ist Krieg“.

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Formeln mit dem logischen Aussagewert A = A finden sich in vielen Reden Hitlers und seiner Parteigänger. Sprachlich wurden Inhalte nur vorgetäuscht. Horváth nutzte diese Scheinlogik gerne zur Beschreibung und Entlarvung floskelhafter Sprache.

Dietrich Strothmann schreibt resümierend über das von den Nationalsozialisten gewünschte Geschichtsbild, das es zu transportieren galt: „Wie die nationalsozialistische Ideologie an ihre Rassendoktrin ein neues Geschichtsbild anhängte, Wittenberg, Potsdam, Weimar und Langemarck beschlagnahmte, zur Mythenbildung das Luthertum, die preußischen Motive, die Romantik, das Irrationale des ‚deutschen Menschen‘, die Vokabel ‚Dichter und Denker‘, den ‚ruhelosen Faustus‘ und das Ideal der ‚Frontgemeinschaft‘ des ersten Weltkriegs verwertete, dienten auch Romane und Erzählungen und Gedichte der ‚volkhaften Dichtung‘ den Appellen an die höheren Gefühle.

Als Erzeugnisse einer ‚volksbewußten‘ Literatur die aus dem ‚Volk‘ für das ‚Volk‘ geschaffen wurden, verkündeten sie entweder einen biologisch notwendigen Lebensoptimismus, eine heroische Lebensauffassung und Schützengrabenkameradschaft oder stärkten das Bewußtsein der Volksgemeinschaft, einen völkischen Sendungsglauben, die Vorstellung vom „ewigen Reich“ und vom kulturellen Führungsanspruch Deutschlands in Europa.“ 280

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Diesem pathetisch laienhaften bzw. quasi- religiösen Literaturverständnis standen liberale und politisch linksorientierte Kulturschaffende der Weimarer Republik, zu denen auch Horváth gerechnet werden muss, völlig fremd gegenüber.

Victor Klemperer formulierte den abrupten Kulturverfall seit 1933 in seinem Buch über die Lingua Tertii Imperii: „Man muß sich diesen bis 1933 blühenden und dann jäh absterbenden Reichtum vor Augen halten, um die ganze Armseligkeit der uniformierten Sklaverei zu begreifen, die ein Hauptcharakteristikum der LTI ausmacht. Der Grund dieser Armut scheint am Tage zu liegen. Man wacht mit einer bis ins letzte durchorganisierten Tyrannei darüber, dass die Lehre des Nationalsozialismus in jedem Punkt und so auch in ihrer Sprache unverfälscht bleibe. Nach dem Vorbild von Inquisitionsakten heißt es auf der Titelseite parteibetreffender Bücher: ‚Gegen die Herausgabe dieser Schrift bestehen seitens der NSDAP keine Bedenken. Der Vorsitzende der parteiamtlichen Prüfungskommission zum Schutze des NS.‘ Zu Wort kommt nur, wer der Reichschrifttumskammer angehört, ...“281

Die deutsche Sprache und deutsches Nationalbewusstsein (im Sinne des Nationalsozialismus) waren für die Nationalsozialisten untrennbar miteinander verbunden, denn „Wer deutsch spricht und die deutsche Sprache meistern will, muss deutsch denken“. Diese Begriffsbestimmung bot die Voraussetzung für die grundsätzliche Entscheidung, dass nur Dichter „deutschen oder artverwandten Blutes“ berechtigt waren, deutsches Schrifttum zu schaffen.282

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Die Nationalsozialisten hatten aus einem grundsätzlichen Legitimationsbedürfnis heraus das Interesse, Autoren für ihre Ideen einzubinden, die nicht jüdisch waren und in volkstümlicher Weise schrieben.

Die strategische Ausrichtung der Literaturpolitik konnte demnach die in der Kulturverwaltung tätigen Nationalsozialisten veranlasst haben, auch einen Schriftsteller wie Horváth für ihre Ideen zu gewinnen .

Die Strategie und administrative Leitung konzentrierte sich auf das von Josef Goebbels geleitete Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda, das allein Buchverbote erlassen und das „Schrifttumsschaffenden“ die Berufsausübung untersagen konnte, sowie die Buchpropaganda bestimmte.

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Goebbels hatte 1933 die RSK unter dem Dach der RKK gegründet, im gleichen Jahr richtete Alfred Rosenberg in seiner Aufgabe als „Beauftragter des Führers für die gesamte geistige und weltanschauliche Erziehung der NSDAP“ die Reichsstelle zur Förderung des deutschen Schrifttums ein. Von dem Minister für Wissenschaft und Volksbildung Rust wurde die „Preußische Landesstelle für volkstümliches Büchereiwesen“, und - ebenfalls 1933 - die Gründungen der „Amtsleitung Kultur“ in der Reichspropagandaleitung der NSDAP, der „Gaukulturhauptstellen“ der NSDAP und des „Reichsamtes deutsches Volksbildungswerk der deutschen Arbeitsfront“ ins Leben gerufen.

1934 wurde der Aufbau des Kontrollapparates um die „Reichsjugendbücherei der Reichsjugendführung“, die „NS-Kulturgemeinde“ und die „Reichsstelle für das Jugendschrifttum“ in der Reichsverwaltung des NS-Lehrerbundes erweitert. 283

Die Nationalsozialisten schufen eine Vielzahl von Funktionären, die mit der Lösung der vielfältigen Kontrollaufgaben von ihren Ämtern beauftragt wurden. Alle Teile des Buchmarkts unterstanden im Dritten Reich der Aufsicht der Lenkungsbehörden.

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Die Unübersichtlichkeit der Funktionsträger und ihrer Behörden war wegen des Ineinandergreifens der Aufsichtsfunktionen und der ungenauen Abgrenzung der von Staat und Partei getrennt in Anspruch genommenen Zuständigkeiten ein weiteres wesentliches Merkmal nationalsozialistischer Kulturpolitik.

Die Überbürokratisierung der nationalsozialistischen Kulturpolitik – die nach dem Prinzip des ‚divide et impera’ auf die Einrichtung von vielen kleinen Machtpositionen zurückzuführen ist - und die oft unterschiedlichen Auffassungen über den Gebrauch der Methoden und Mittel boten den Beaufsichtigten auch wiederholt Gelegenheit, die Schranken der Überwachung zu durchbrechen und die Kompetenzstreitigkeiten unter den Lenkungsstellen auszunutzen.284

Die Aufseher der Nazis waren sui generis keine intellektuellen Denker, sondern oft sehr schlichte Gemüter, die meistens von der Legitimität ihres Überwachungsauftrages überzeugt, aber oft ihrer Aufgabe nicht gewachsen waren.

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Es handelte sich oft um Menschen, deren Bösartigkeit mit der von Horváth bekämpften Dummheit bzw. Irrationalität gepaart war. Der typische Zensor war von der Richtigkeit seines Tuns überzeugt und wähnte sich in einem Glaubenskrieg gegen alle pazifistischen und intellektuellen Kräfte, weshalb er für die Intelligenz gefährlich wurde, sofern sie nicht sofort emigriert war..

Irrationalität fördert a priori nicht verschärftes analytisches Denken, wird aber dann besonders gefährlich, wenn ein verschwommenes Weltbild, Zerstörungswille und Fanatismus, sowie ein vermeintlich hoher IQ zusammenkamen.285

Diese Intelligenz kann autoritären Charakteren (im Sinne Adornos) ebenso zu eigen sein wie unautoritären Menschen.

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Die Frage nach der Intelligenz der Nazis ist darum unfruchtbar, jedoch darf nach meinem jetzigen Stand der Recherchen gesagt werden, dass zum Glück für viele Linksintellektuelle der Weimarer Republik die große Mehrheit der unteren Chargen im Dienst der Zensur und Bewusstseinskontrolle im doppelten Sinne dumm waren, nämlich sowohl im Sinne einer fehlenden positiven Differenzierung, als auch im bloß technischen Sinne. Hin und wieder verrieten die neuen Träger der „Kultur“ ihre Unbildung. In einem ihrer Erlasse forderte die Reichschrifttumskammer den Ariernachweis der Gebrüder Grimm. Und musste sich belehren lassen, dass diese Autoren seit Jahren tot waren.286

In einer offiziellen Minimalliste vom 09. Mai 1933 für die Studenten zur Vorbereitung der Bücherverbrennungen am nächsten Tag werden nur wenige Namen genannt, - „so Karl Marx, aber weder Engels noch Lenin, noch Karl Liebknecht oder Rosa Luxemburg, dagegen aber Kautsky.

Man sieht, wie sich hier Barbarei und Schlamperei mischen.“ 287

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Die Kulturstrategen in der RSK glaubten, sie könnten durch Zensur und Überwachung auf Einhaltung des nationalsozialistischen Glaubenskanons einen neuen Menschentyp schaffen.

Theodor W. Adorno hat darauf hingewiesen, dass, wenn man sich kritisch mit der Kulturindustrie befasse, ausgehend von der Tatsache, dass die Standards die eingefrorenen der alten Unterhaltung und niederen Kunst sind, man annehmen könne, die Kulturindustrie beherrsche und kontrolliere tatsächlich das Bewusstsein und Unbewusstsein derjenigen, an die sie sich richtet.

Er kommt zu folgendem Ergebnis: „Es geht nicht glatt, gerade in der Freizeit nicht, die die Menschen zwar erfaßt, aber ihrem eigenen Begriff nach sie doch nicht gänzlich erfassen kann, ohne dass es den Menschen zuviel würde.“ 288

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Horváth hatte den Glauben an den natürlichen Kunstverstand des Publikums Den von ihm eindringlich dargestellten Fanatismus des faschistischen Menschentyps belächelte und bemitleidete er zugleich.

Das Wort ‚Fanatismus’ war von Adolf Hitler selbst positiv umgewertet worden. An diesem Wort zeigt sich ein dem Nationalsozialismus innewohnender manischer Zug, den Victor Klemperer in der LTI beschrieb: „Worte können sein wie winzige Arsendosen: sie werden unbemerkt verschluckt, sie scheinen keine Wirkung zu tun, und nach einiger Zeit ist die Giftwirkung doch da. Wenn einer lange genug für heldisch und tugendhaft: fanatisch sagt, glaubt er schließlich wirklich, ein Fanatiker sei ein tugendhafter Held, und ohne Fanatismus könne man kein Held sein.289

Horváth glaubte nicht daran, dass der von ihm eindringlich beschriebene Typus des krankhaft- manischen Fanatikers tatsächlich im deutschsprachigen Raum im kulturellen Bereich die Oberhand gewinnen sollte.

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Die Irrationalität und Uneigentlichkeit der Masse der Hakenkreuzler führte nicht nur bei Horváth zur gefährlichen Unterschätzung der dem System innewohnenden Strategie des Nazismus.

Der im Faschismus fleischgewordene Zerstörungstrieb, den Klaus Mann im Wendepunkt anschaulich macht, war Horváth nicht in seiner ganzen Klarheit bewusst.290

Klaus Mann schrieb: „Die Dynamik des Nationalsozialismus hat nur diesen einen Antrieb, nur dies eine Ziel: Nur im totalen Krieg rechtfertigt und erfüllt sich dieser totale Staat.“ 291

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Beim Lesen von Horváths Schriften hat man oft das Gefühl, dass ihn seine Freude am Lachen und die Eigenschaft, Ereignissen ihre humoristische Seite abzugewinnen, veranlassten, die Dinge weniger tragisch zu sehen, als sie waren.

Er mokierte sich einmal über das Verhältnis der Deutschen zu Chaos und Form. In einem Brief an seinen engen Freund Franz Theodor Csokor vom 25.04.1933 schrieb er nach der Lektüre des Wiedertäuferdramas Feuer vom Himmel: „ (...) Du hast das, was man Deutschtum nennt, wundervoll gestaltet. Die Deutschen werden es natürlich in einem für sie günstigen Lichte sehen. (...), denn sie werden Dir dankbar sein, daß Du das Chaotische gestaltet hast. Für sie ist ja das Chaos kein Chaos, sondern ein militantes Formproblem. (So ungefähr: trägt man statt 5 Knöpf 6 Knöpf, so ist das Chaos gebannt.) Ein beneidens- und bemitleidenswertes Volk! Da sie aber nicht bemitleidet werden wollen, tun wir ihnen den Gefallen und beneiden wir sie. Es muß schön sein, ein Deutscher zu sein“. 292

Horváth hatte intuitiv den Typus des faschistischen Menschen richtig erkannt. Der Gedanke, dass unter den Nazis ‚alles nicht so schlimm‘ sei, könnte ihm, der ‚Schlampigkeit‘ als ‚eine positive Sache‘ ansah, (vgl. Anhang) die Entscheidung, in den RDS einzutreten, erleichtert haben.

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Diesem Aspekt werde ich im Kapitel Horváth als Chronist seiner Zeit nachgehen.


Fußnoten und Endnoten

272  vgl. Dietrich Strothmann: Nationalsozialistische Literaturpolitik, Ein Beitrag zur Publizistik im Dritten Reich, Bouvier Verlag Herbert Grundmann, Bonn 1985, 3.

273  vgl. ebenda, 68.

274  vgl. ebenda, 29.

275  vgl. ebenda, 31.

276  vgl. ebenda, 4.

277  vgl. ebenda, 3.

278  vgl. ebenda, 5.

279  Es handelt sich um analytische Urteile a priori, Sätze, die keine Information hinzufügen, also keine synthetischen Urteile sind. „Wasser ist nass“ gelten Kant als Beispiel für solche Urteile, die auf die Nazis einen besonderen Reiz ausübten. Die von Horváth den Nazis abgeschaute Formel, die er seinen völkischen Figuren in den Mund legte: „Blut ist Blut“ ist noch weniger ein ‚Urteil’ als die Aussage „Wasser ist nass“. (Anm. d. Verf.)

280  ebenda, 11f.

281  Victor Klemperer: LTI, Notizbuch eines Philologen, Verlag Philipp Reclam jun., Leipzig, 1985, 27 f.

282  vgl. Dietrich Strothmann: Nationalsozialistische Literaturpolitik, op. cit., 8.

283  vgl. ebenda, 16.

284  vgl. ebenda., 17 f.

285  ‚Vermeintlich’ deswegen, weil messbare Intelligenz wertfrei ist, obwohl das Wort Intelligenz positive Konnotationen evoziert. IQ-Tests testen keine weltanschaulichen Fragen oder das Vorhandensein einer verschwommenen Ideologie, sondern die Fähigkeit, Strukturen schnell zu erkennen und einzuordnen. (Anm. d. Verf.)

286  Friedemann Berger, Vera Hauschild, Roland Links: In jenen Tagen, Schriftsteller zwischen Reichstagsbrand und Bücherverbrennung, Leipzig und Weimar 1983.

287  Zu diesem Ergebnis kommt J Kuezynski in: ebenda, 9.

288 

7 Darin sieht er eine Chance von Mündigkeit, die schließlich zu ihrem Teil dazu beitragen könnte, „daß Freizeit in Freiheit umspringt.“

Vgl: Theodor W. Adorno: Stichworte, Kritische Modelle 2, Frankfurt/M. 1980, 65.

289 

Weiter heißt es bei Klemperer: „Die Worte fanatisch und Fanatismus sind nicht vom Dritten Reich erfunden, es hat sie nur in ihrem Wert verändert und hat sie an einem Tag häufiger gebraucht als andere Zeiten in Jahren.“

vgl: Victor Klemperer: LTI, Notizbuch eines Philologen, Verlag Philipp Reclam jun.,

Leipzig 1985, 21.

290  Vgl. Klaus Mann: Der Wendepunkt, Hamburg 1999, 540.

291  ebenda.

292  zitiert nach: Horváth- Chronik, op. cit., 93.



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31.03.2006