V  HORVATHS PERSÖNLICHE SITUATION VOR DEM EINTRITT IN DEN RDS

▼ 588 (fortgesetzt)

Am 14.09.1933 erschien ein Interview in der Wiener Allgemeinen Zeitung, in dem Horváth ankündigte, dass er sich nun ständig in Wien aufzuhalten gedenke.293

Am 27.12.1933 heiratete Horváth in Wien die mit Auftrittsverboten belegte jüdische Sängerin Maria Elsner, „‘die bereits vor der Ehe einige Monate im gemeinsamen Haushalt mit ihrem künftigen Gatten gelebt‘ und, wie es im Scheidungsprotokoll vom 16.10.1934 heißt, ‚unter Betonung ihrer großen Liebe und der notwendigen Fürsorge für den Gatten zur Eheschließung‘ gedrängt hatte. Trauzeugen sind der Schriftsteller Alexander Lernet- Holenia und der Historiker Karl Tschuppik.“294

▼ 589 

Die Hochzeit mochte mit dem Wunsch Horváths verbunden gewesen sein, an einem Ort sesshaft zu werden und mehr Ruhe in sein Leben zu bringen. In der Neujahrsnacht erklärt Maria von Horváth, geb. Elsner, ihrem frisch angetrauten Gemahl, „daß sie einen anderen liebe und ihn nur geheiratet habe, um durch die Ehe die ungarische Staatsbürgerschaft und den Namen des Gatten zu erlangen“ (...) 295

„Der Gatte war über dieses Geständnis so erregt, daß er die Gattin anfaßte, schüttelte, vielleicht auch schlug.“ 296

Am 11.01.1934 rechnete Horváth noch fest damit, dass die Aufführung von Die Unbekannte aus der Seine durch das Reinhardt- Seminar unmittelbar bevorstehe und sein Stück Hin und Her voraussichtlich im Februar herauskomme. Beide Inszenierungen wurden aus bislang ungeklärten Gründen nicht realisiert.

▼ 590 

„Trotz erheblicher Anstrengungen kann Horváth bis zum März 1934 also keines seiner Stücke auf einer österreichischen Bühne zur Aufführung bringen.“ 297

Nach einer Reise, vermutlich nach Deutschland, traf Horváth am 08. Februar 1934 wieder in Wien ein.298

Am 20. Februar schrieb Horváths Frau ihrem Mann einen Brief, „in welchem sie ihm die eheliche Gemeinschaft unter Berufung auf die erfolgten ‚Demütigungen‘ und ‚Brutalitäten‘ endgiltig (sic) aufsagte“, worauf Horváth sich am 21. Februar brieflich mit der Trennung einverstanden erklärt.299

▼ 591 

Diese Ereignisse haben wahrscheinlich Horváths Entscheidung, sich dem Nazideutschland schriftstellerisch zur Verfügung zu stellen, mit beeinflusst, so dass das Klischee einer Kurzschlusshandlung nach enttäuschter Liebe naheliegt.


Fußnoten und Endnoten

293  vgl: Schnitzler, Christian: Der politische Horváth, Untersuchungen zu Leben und Werk, in: Marburger Germanistische Studien, hrsg. von Dieter Bäusch, Band 11, Frankfurt/M., 1990, 142.

294  Horváth- Chronik, op. cit., 105.

295  Krischke, Traugott: Horváth- Chronik, Daten zu Leben und Werk, Frankfurt/M. 1988, 105.

296  ebenda, 106.

297  Schnitzler, op. cit., 142.

298  vgl. Horváth- Chronik, 106.

299  ebenda, 108.



© Die inhaltliche Zusammenstellung und Aufmachung dieser Publikation sowie die elektronische Verarbeitung sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, die nicht ausdrücklich vom Urheberrechtsgesetz zugelassen ist, bedarf der vorherigen Zustimmung. Das gilt insbesondere für die Vervielfältigung, die Bearbeitung und Einspeicherung und Verarbeitung in elektronische Systeme.
XDiML DTD Version 4.0Zertifizierter Dokumentenserver
der Humboldt-Universität zu Berlin
HTML-Version erstellt am:
31.03.2006