Dissertation

Diskursanalyse der Konfliktszenarien in der postmodernen Philosophie

Zur Erlangung des akademischen Grades
doctor philosophiae
(Dr. phil.)

eingereicht an
der Philosophischen Fakultät III
der Humboldt-Universität zu Berlin

von Marieke Brandt
(Dipl.-Komm.)
geboren am 15.04.1974 in Kiel

Präsident der Humboldt-Universität zu Berlin: Prof. Dr. Jürgen Mlynek

Dekan: Dekanin der Philosophischen Fakultät III: Prof. Dr. Ingeborg Baldauf

Gutachter:
1. Prof. Dr. Christina von Braun (Humboldt-Universität Berlin)
2. Prof. Dr. Thomas Macho (Humboldt-Universität Berlin)

Datum der Promotion: 2. Dezember 2004

Zusammenfassung

Die Philosophie der Postmoderne sieht sich als eine Bewegung der Befreiung und der kulturellen Emanzipation. Von ihrer anti-totalitären Inspiration her ist die postmoderne Philosophie mit der Hoffnung auf ein Nachkriegs-Zeitalter verbunden, weil sie mit der Zeit der Totalitäten auch die Zeit des Krieges hinter sich bringen zu können glaubt. Hingegen zeigt eine Diskursanalyse der Schriften von drei Philosophen, die für das Gedankengebäude der philosophischen Postmoderne von zentraler Bedeutung sind - Jean-Francois Lyotard, Jean Baudrillard und Paul Virilio – zwei besondere Widersprüche auf, welche die pluralistische Option der postmodernen Philosophie in Frage stellen und damit auch ihren Anspruch, mit dem Zeitalter der Totalisierungen die Versuche zur gewaltsamen Assimilation des Anderen zu beenden und eine Rehabilitation der Anerkennung kultureller Unterschiede herbeizuführen.

Zum einen beinhaltet der postmoderne philosophische Diskurs keine Ausbildung einer „positiven Barbarei” (Lyotard), sondern eine negativ konnotierte, anarchische Regellosigkeit. Zum anderen ist auch die Idee von der Differenz als der „ontologischen Dignität” der Postmoderne in sich inkohärent; vielmehr ist in postmodernem Gedankengut ein fundamentaler Entdifferenzierungsprozess angelegt. Aufgrund dieser inhärenten Widersprüche können postmoderne Theoretiker zu einer Ausbreitung eben jenes Gedankenguts und jenes Gewaltpotentials beitragen, dessen Verschwinden sie ursprünglich beabsichtigten. Wo immer heute, im Zeitalter eines entstehenden Welt-Innenraums und der vielfältigen interkulturellen Kontakte, das Konzept von Postmodernität als ein Programm zur besseren Akzeptanz des kulturell Anderen und zur Erziehung der verschiedenen Akteure im Geist der Toleranz ins Gespräch gebracht werden sollte, ist daher Skepsis angebracht.

Eigene Schlagworte: Jean-Francois Lyotard, Jean Baudrillard, Paul Virilio, Moderne, Postmoderne, Entdifferenzierung, Anarchie, Terrorismus, Elfter September

Abstract

The philosophy of the postmodern regards itself as a movement of liberation and cultural emancipation. In view of its anti-totalitarian inspiration postmodern philosophy is linked with the hope of a post-war age, because it believes it can put the times of war behind it together with the times of totalities. A discourse analysis of the writings of three philosophers who are of central importance for the body of ideas of the philosophical postmodern - Jean-Francois Lyotard, Jean Baudrillard und Paul Virilio – however reveals two particular contradictions which place a question mark against the pluralistic option of postmodern philosophy and hence against its claim to end the attempts at violent assimilation of the other together with the end of the age of totalization and to bring about a rehabilitation of the recognition of cultural differences.

On the one hand the postmodern philosophical discourse does not comprise the evolution of a „positive barbarity“ (Lyotard) but an anarchical lack of rules with negative connotations. On the other hand the idea of difference as the “ontological dignity” of the postmodern is in itself incoherent; it is rather the case that postmodern thought involves a fundamental process of de-differentiation. Because of these inherent contradictions in postmodern discourse postmodern theoreticians can contribute to the spread of precisely those ideas and that potential for violence whose disappearance they originally intended. Wherever today, in the age of a developing world inner space and of a multiplicity of intercultural contacts, attempts are made to propose the concept of postmodernity as a programme for the better acceptance of the cultural other and for the education of the various actors in a spirit of tolerance, these must be encountered with scepticism.

Keywords: Jean-Francois Lyotard, Jean Baudrillard, Paul Virilio, Postmodern, Modern, De-differentiation, Anarchy, Terrorism, Eleventh of September

Inhaltsverzeichnis



© Die inhaltliche Zusammenstellung und Aufmachung dieser Publikation sowie die elektronische Verarbeitung sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, die nicht ausdrücklich vom Urheberrechtsgesetz zugelassen ist, bedarf der vorherigen Zustimmung. Das gilt insbesondere für die Vervielfältigung, die Bearbeitung und Einspeicherung und Verarbeitung in elektronische Systeme.
XDiML DTD Version 4.0Zertifizierter Dokumentenserver
der Humboldt-Universität zu Berlin
HTML-Version erstellt am:
26.05.2005