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5  ZUSAMMENFASSUNG

Die klassische Humanembryologie untersucht die Embryonalentwicklung in vitro an Abortpräparaten und anhand daraus gewonnener dreidimensionaler Modelle. Die so erarbeiteten morphologischen Befunde können jedoch durch postmortale Veränderungen und Fixationsartefakte negativ beeinflusst werden. Zudem ist eine Verlaufsbeobachtung desselben Individuums nicht möglich.

Die Entwicklung eines neuen technischen Verfahrens (3D-Cut) zur effektiven, gezielten Sichtoptimierung in sonographischen 3D-Aufnahmen erlaubt die nahezu uneingeschränkte dreidimensional-sonographische Betrachtung eines Embryos in utero. Diese Technik eröffnet somit die Möglichkeit, die Embryonalentwicklung analog zur klassischen Embryologie in dreidimensionaler Weise, im Gegensatz hierzu jedoch longitudinal am lebenden Objekt zu beobachten.

Ausgehend von den Möglichkeiten des 3D-Cut-Verfahrens war Ziel dieser Untersuchung der Versuch einer chronologischen dreidimensionalen in-vivo-Darstellung der Oberflächenmorphologie des normal entwickelten Embryos und frühen Fetus mittels transvaginaler 3D-Sonographie im Rahmen einer Methodenevaluation und der Vergleich dieser Bilddaten mit den Ergebnissen der klassischen Humanembryologie sowie den Befunden der 3D-Sonoembryologie unter Nutzung digitaler 3D-Darstellungstechniken.

Fünf Schwangere mit exakt bekanntem Gestationsalter nach IVF wurden zwischen der 4. und 12. Woche p.m. in wöchentlichen Intervallen mittels transvaginaler 3D-Sonographie (VoluSon®530D MT, Kretztechnik-Ultrasound, Zipf/Österreich) untersucht. Die Ultraschallrohdaten der Embryonen bzw. Feten wurden unter sorgfältiger Sichtoptimierung mittels 3D-Cut zu dreidimensionalen Oberflächenmodellen aufgearbeitet und mit den Ergebnissen der klassisch-embryologischen Literatur sowie den Ergebnissen 3D-sonoembryologischer Referenzstudien verglichen.


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Das verwendete 3D-System erlaubte die longitudinale sonographische Dokumentation der embryonalen bzw. fetalen Oberflächenmorphogenese anhand digitaler dreidimensionaler Rekonstruktionen im Zeitraum 6. bis 12. Woche p.m.. Abhängig vom Auflösungsvermögen des Ultraschall-Systems konnte ein tiefgreifender Gestaltwandel der untersuchten Individuen nachgewiesen werden. War der embryonale Körper zunächst nur in groben Umrissen darstellbar, so gelang mit fortschreitendem Gestationsalter der Nachweis einer umfangreichen Veränderung von Oberflächenstrukturen bis hin zur Darstellung des frühen Fetus mit nahezu allen Merkmalen der menschlichen Gestalt.

Der Wandlungsprozess von einer weitgehend undifferenzierten embryonalen Struktur hin zu einem Individuum mit menschlichen Zügen war anhand der sonographischen 3D-Oberflächenmodelle in einer Weise darstellbar, die einen Vergleich zu Referenzpräparaten der klassischen Embryologie erlaubte. Unter Berücksichtigung des limitierten sonographischen Auflösungsvermögens zeigte sich eine hohe Übereinstimmung mit den Ergebnissen der klassisch-embryologischen Literatur. Auch mit den Befunden der 3D-sonoembryologischen Referenzliteratur ergab sich eine gute Korrelation.

Die angewandte Methodik ermöglicht auf nichtinvasivem Wege eine systematische dreidimensionale Darstellung von Embryonen und frühen Feten in vivo. Sie vermittelt auf diese Weise Bildinformationen, die der embryologischen Forschung bisher nicht zugänglich waren und erweitert die diagnostischen Möglichkeiten im 1. Trimenon. Zudem sind positive Einflüsse auf die frühe vorgeburtliche Eltern-Kind-Beziehung zu erwarten.

Die vorliegende Untersuchung kann als Basis für weiterführende Studien dienen. Erfolgversprechende Ansätze hierfür sind eine umfassende 3D-Dokumentation der sonographisch erfassbaren Embryonalentwicklung sowie die systematische 3D-Analyse von Fehlbildungen im 1. Trimenon.


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22.10.2004