Brösing, Andreas: Die Magenstrukturen der Brachyura (Crustacea, Decapoda): Morphologie und phylogenetische Bedeutung

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Kapitel 5. Zusammenfassung

In der vorliegenden Arbeit wurden die Magenossikel und Magenzähne von 66 Taxa der Brachyura sowie zweier Außengruppenvertreter analysiert, beschrieben und dokumentiert. Mit Anwendung eines spezifischen Färbepigmentes Alizarin-Rot S konnten sechs neue Magen-Ossikel einer bereits existierenden Nomenklatur hinzugefügt werden.

Für das Grundmuster der Brachyura können 41 verschiedene Magenossikel angenommen werden, welche zum Teil als Einzelossikel entlang der Mittellinie, oder als paarige Ossikel lateral der Mittellinie angeordnet sind. Es konnte gezeigt werden, dass die räumliche Position der Ossikel innerhalb der Brachyura einem relativ konstanten Muster folgt. Markante Unterschiede zwischen einzelnen Vertretern höherer Taxa beruhen auf dem Vorhandensein, Fehlen oder Verkleinerungen einzelner Ossikel bzw. unterschiedlichen Verschmelzungsgraden benachbarter Ossikel.

Die Ergebnisse der phylogenetischen Analyse und Vergleiche mit dem Fossilbericht ermöglichen es, Aussagen zu einem möglichen evolutiven Szenario zu treffen.

Auf der Grundlage der analysierten Magenstrukturen wird eine Monophylie der Brachyura, einschließlich der Taxa Dromidae und Raninidae unterstützt.

Das Auftreten der frühesten fossilen Taxa der Brachyura, mit Vertretern der Dromiidae bzw. Dynomenidae im oberen Jura, kann in Übereinstimmung mit einer basalen Stellung der Dromiidae/Dynomenidae im Ergebnis der phylogenetischen Analyse gebracht werden. Das Taxon der Dromiidae/Dynomenidae stellt das Schwestertaxon zu allen anderen Taxa der Brachyura dar, wodurch ein monophyletisches Taxon Podotremata (Guinot 1978) nicht unterstützt wird.

Ebenso findet ein monophyletisches Taxon Archeobrachyura durch das Schwester-gruppenverhältnis des Taxons Homolidae zu allen weiteren Taxa der Brachyura keine Unterstützung.

Die Ergebnisse der phylogenetischen Analyse ermöglichten eine erneute Postulierung eines Taxons Oxystomata senso lato, einschließlich zweier zusätzlicher Taxa (Parthenopidae und Cymonomidae). Innerhalb dieses Taxons deuten die Fossilberichte der Taxa Dorippidae + (Raninidae + Cymonomidae) darauf hin, dass das gesamte Taxon Oxystomata sensu lato seinen Ursprung in der oberen Kreide findet. Basierend auf einer näheren Verwandtschaft der Taxa Raninidae und Cymonomidae (coxale Position der Genitalporen) zu Vertretern der Dorippidae, Leucosiidae, Calappidae und Parthenopidae ist ein monophyletisches Taxon Heterotremata (Guinot 1978) abzulehnen.

Bedeutende Radiationsereignisse zeigen die sehr artenreichen Taxa Portunidae und Xanthoidea zu Beginn und Mitte des Eozäns. Diese raschen Artspaltungsprozesse könnten ein Indiz für ein relativ ähnliches Muster der Magenossikel bzw der Magenzähne in diesen Taxa darstellen. Ein gemeinsamer


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Vorfahre dieses diversen Taxons, ist nach vorliegenden Daten für einen Zeitraum der oberen Kreide bis zu Beginn des Tertiärs anzunehmen.

Einzig für das Taxon Thoracotremata (Guinot 1978) mit den Taxa Ocypodidae, Grapsidae, Gecarcinidae und Mictyridae mit ersten fossilen Überlieferungen aus dem Eozän, kann ein monophyletischer Ursprung angenommen werden. Nahverwandte Taxa Retroplumidae, Palicidae aber auch Pinnotheridae können als mögliche Vorfahren bzw. als basale Schwestertaxa der thoracotrematen Krabben angenommen werden.

Zusammenfassend kann davon ausgegangen werden, die Merzahl der Taxa der Brachyura (mit wenigen Ausnahmen zum Beispiel der Carcineretidae) nur im geringen Maße von den Ereignissen an der Kreide/Tertiär-Grenze beeinflußt wurden.


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Mon Mar 17 17:53:59 2003