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Das aus der Zellwand Gram-negativer Bakterien freigesetzte Lipopolysaccharid (LPS) ist ein potenter Stimulator des Immunsystems. Das LPS bindende Protein (LBP) erkennt LPS und moduliert dessen Effekte, indem es den Transfer von LPS zu seinem zellulären Rezeptorkomplex CD14/TLR4/MD-2 bzw. in Lipoproteine katalysiert. Der LPS-Rezeptorkomplex wird hauptsächlich auf Monozyten und Makrophagen exprimiert. Die Bindung von LPS an den Rezeptor bewirkt eine Aktivierung der Zelle mit darauf folgender Ausschüttung proinflammatorischer Zytokine wie dem Tumornekrosefaktor-(TNF-)α und der Interleukine (IL-) 1 und 6. Die von diesen Mediatoren ausgelöste Entzündungsreaktion dient der Bekämpfung eingedrungener Mikroorganismen. Im Rahmen schwerer Infektionen und dem Übertritt von Bakterien oder LPS in die Blutbahn kommt es meist zu einer systemischen Immunantwort. Eine übermäßige zelluläre Stimulation kann hierbei zu einer überschießenden oder dysbalancierten Zytokinfreisetzung führen, was für die Entstehung der Sepsis als ursächlich angesehen wird. Durch eine von Mediatoren wie Stickstoffoxid (NO) vermittelten Vasodilation kann es dann zum septischen Schock mit schwer beherrschbarer Hypotonie und hoher Lethalität kommen, für die es noch immer keine effektive kausale Therapie gibt.
Der Limulus-anti-LPS-Faktor (LALF) des Pfeilschwanzkrebses Limulus polyphemus und von diesem abgeleitete Peptide sind in der Lage, LPS zu binden und zu neutralisieren. Im Rahmen dieser Arbeit wurden die Auswirkungen von strukturellen Veränderungen der LPS-Bindungsregion des LALF-Proteins mit Hilfe von synthetischen Peptiden analysiert. Hierzu wurde in die bekannte Bindungssequenz des Proteins an verschiedene Lokalisationen an der Spitze der schleifenförmigen Peptide die D-Aminosäure Prolin eingeführt. Dies führt zum Abknicken der Aminosäurekette und somit zu einer Änderung der räumlichen Konformation der Peptide. Zwei der Peptide wurden zusätzlich komplett aus D-Aminosäuren synthetisiert. In der vorliegenden Arbeit wurden diese Peptide hinsichtlich ihrer Neutralisationsfähigkeit von LPS untersucht. In einem experimentellen Ansatz wurde zunächst der Einfluss der Peptide auf die Interaktion von LBP mit immobilisiertem LPS analysiert. Die Peptide waren in der Lage, die Bindung von LBP an LPS in unterschiedlich starkem Ausmaß zu hemmen. Die Einfügung des D-Prolins in die Spitze der Bindungsschleife führte hierbei zu einem deutlichen Effektivitätsverlust. In einem weiteren Versuchsansatz wurde außerdem anhand der Bestim[Seite 61↓]mung der TNF-α-Freisetzung LPS-stimulierter humaner Monozyten und der TNF-α- und NO-Synthese muriner Makrophagen der Zellinie RAW 264.7 die LPS-neutralisierenden Eigenschaften der zyklischen Peptide in vitro bestimmt. Die Stärke dieser Inhibition korrelierte mit der entsprechenden Wirksamkeit der Peptide im LPS-Bindungs-Assay. Die vollständig aus D-Aminosäuren aufgebauten Peptide waren dabei im Vergleich wirksamer als die Originalpeptide aus L-Aminosäuren. Mit Hilfe der Aktivitätsbestimmung der p38- und p42/44-MAP-Kinasen in RAW-Zellen konnte exemplarisch für drei bzw. zwei der Peptide die verminderte Aktivierung der Zellen durch LPS auch auf intrazellulärer Ebene gezeigt werden. Da sich die Peptide aus D-Aminosäuren als wirksamer erwiesen haben als ihre „natürlichen“ Korrelate und sie zudem Proteolyse-stabiler sind als diese, bietet sich hier ein neuer Ansatzpunkt für die Entwicklung experimenteller Therapiemöglichkeiten der Sepsis.
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