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6  DISKUSSION

6.1 Material und Methode

6.1.1 Übertragbarkeit der in vitro Versuche auf in vivo Bedingungen

Der Aussagewert von in vitro Untersuchungen ist stets begrenzt, da die klinischen Bedingungen nur simuliert werden. Für die Ermittlung der Oberflächenqualität muß in Betracht gezogen werden, daß die Ausarbeitung der Füllungen außerhalb der Mundhöhle geschah, was mit weniger Komplikationen verbunden ist und bessere Ergebnisse erwarten läßt. Die Qualitätsabweichungen sollten jedoch, verglichen mit lege artis Vorgehensweise in vivo, gering sein.

Ähnliches gilt auch für die Applikation der Füllungen und die Methodik der quantitativen Randanalyse [2], [129].

6.1.2 Auswahl und Verarbeitung der Füllungsmaterialien

Es sollten verschiedene Typen lichthärtender zahnfarbiger Füllungsmaterialien, die sich für einen dauerhaften Einsatz von Klasse-V Füllungen eignen, untersucht werden. Zur Auswahl kamen aus der Gruppe der Komposits das Hybrid-Komposit Prodigy (Kerr) mit dem dazugehörigem Adhäsivsystem Optibond FL und das Mikrofüller-Komposit Silux Plus (3M), ebenfalls mit dem dazugehörigem Adhäsiv Scotchbond 1.

Als Vertreter der Kompomere wurde Dyract AP (Dentsply DeTrey) mit Prime&Bond NT gewählt, aus der Gruppe der lichthärtenden Glasionomerzementen fiel die Wahl auf Fuji II LC (GC Corporation).

Alle Materialien haben sich in der Praxis bewährt und finden eine breite Anwendung.

Die Applikation erfolgte streng nach den von den Herstellern vorgegebenen Empfehlungen, um möglichst praxisnahe Bedingungen zu erzielen (siehe Tab. 4.2).


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6.1.3  Auswahl und Anwendung der rotierenden Instrumente

Ausgangspunkt dieser Studie war, einen von der Firma Brasseler neu entwickelten Hartmetallfinierer, der sowohl für Grob- als auch Feinbearbeitung vorgesehen ist, zu untersuchen. Als Vergleich wurden herkömmliche Diamantfinierer zweier renommierter Hersteller (Brasseler, Intensiv) mit ähnlichen Schleifeigenschaften gewählt.

Die Ausarbeitung erfolgte ebenfalls streng nach den Drehzahl- und Laufrichtungsvorgaben der Hersteller.

6.1.4 Auswahl und Lagerung der Zähne

In dieser Studie wurden kariesfreie, extrahierte, menschliche Frontzähne und Prämolaren der zweiten Dentition gewählt. Die Aufteilung erfolgte randomisiert auf die 12 Versuchsgruppen unter Berücksichtigung eines einheitlichen Frontzahn-, Prämolaren-Verhältnisses. Da die Zähne aus einer Sammlung mehrerer Zahnarztpraxen stammen, sind der Extraktionszeitpunkt sowie das Alter unbekannt. Die Lagerung bis zur Auswahl für den Studienzweck erfolgte in 0,1%iger Thymollösung, während der Studiendauer in Chloramin-B-Hydrat Lösung.

In mehreren Studien konnte festgestellt werden, daß die Lagerungsdauer keinen signifikanten Einfluß auf die Wirksamkeit der Haftvermittler hat [109], [168], [32], [60]. Ferner wurde herausgefunden, daß ebenfalls kein Zusammenhang zwischen dem Alter der Zähne und der Randqualität im Dentin besteht [113].

6.1.5 Kavitätenpräparation

Um die Randqualitäten der Füllungen sowohl im Schmelz als auch im Dentin zu untersuchen, bietet es sich an, Klasse-V Kavitäten mit jeweils gleichen Anteilen im Schmelz und Dentin zu präparieren. Die Größe der Kavitäten orientiert sich an den zu erwartenden klinischen Dimensionen und entspricht der Größe anderer Untersuchungen [14], [16], [88], [95].


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Auf die Einhaltung der geforderten Kavitätengröße wurde streng geachtet, damit der Einfluß Polymerisationsschrumpfung (C-Faktor) von Probe zu Probe möglichst gleich war.

Die Ränder im Schmelz wurden für die Kompositfüllungen angeschrägt, was die bestmögliche marginale Adaptation erwarten läßt [110], [124], [31]. Im Dentin und für die Kompomer- und Glasionomerfüllungen hat sich eine rechtwinklige Kavitätenrandpräparation als empfehlenswert herausgestellt [15].

6.1.6 Ausarbeitung

Die besten Füllungsoberflächen werden mit rotierenden Aluminiumoxid-Scheiben erzielt [94], [11], [138], [165]. Da diese Instrumente jedoch sehr wenig Material abtragen, wird die Restauration in der Regel zunächst mit Diamant- oder Hartmetallfinierern so weit und so fein wie möglich vorgearbeitet. Manche Stellen (Infrawölbung) sind nicht für Polierscheiben zugänglich, hier erfolgt die alleinige Ausarbeitung mit knospen- bzw. kugelförmigen Finierern. Aus diesem Grund muß die Oberflächenqualität nach der Ausarbeitung mit Diamant- und Hartmetallfinierern schon den klinischen Ansprüchen genügen.

Die Ausarbeitung erfolgte bei einer Drehzahl von 20000 U/min, was den Herstellerempfehlungen entspricht. Bei deutlicher Überschreitung der Drehzahlempfehlung muß mit einer Zunahme von Welligkeiten und Rauhigkeiten gerechnet werden [89]. Während Welligkeiten vorwiegend durch die Handführung oder durch lockere Spannzangen zustande kommen, werden Rauhigkeiten durch die Gestaltung der Diamantierung oder durch die Schneidengeometrie und die Schnittgeschwindigkeit beeinflußt. Generell erzeugen rotierende Instrumente bei hohen Geschwindigkeiten rauhere Oberflächen [89].

Ein weiterer wesentlicher Faktor, der die Qualität der Ausarbeitung bestimmt, ist die Erfahrung und das Geschick des Behandlers. Das Instrument soll unter leichtem Druck gleichmäßig und ohne zu stocken über die Materialoberfläche geführt werden. Intermittierendes Arbeiten, d.h. das mehrmalige Absetzen des Instrumentes, hat sich als positiv herausgestellt, da während des Absetzens die Späne aus dem Arbeitsteil gespült werden können und der Behandler davon [Seite 77↓]abgehalten wird, zu hohen Druck auszuüben. Eine pauschale Empfehlung für den Andruck des Instrumentes auf die Arbeitsfläche gibt es nicht. Sie ist von der Art des Instrumentes sowie der Schnittgeschwindigkeit und dem zu bearbeitenden Material abhängig. Als Richtlinie gilt, daß die Anpreßkraft 5 N (ca. 500 g) nicht überschreiten soll. Zu starker Druck erhöht die Abnutzung des Instrumentes, die Wärmeentwicklung und die Oberflächenrauhigkeit [121], [89], [147].

Die Politur galt in dieser Untersuchung als abgeschlossen, sobald eine ebenmäßige und glatte Oberfläche erreicht war. Die Füllungskonturierung richtete sich nach anatomisch-ästhetischen Gesichtspunkten, die durch die natürliche Form des Zahnes vorgegeben waren. Die Abschlußkontrolle erfolgte visuell-taktil, besonderes Augenmerk wurde auf einen nahtlosen und überschußfreien Übergang zwischen Zahn und Füllung gelegt.

6.1.7 Wasserlagerung

Während der dreiwöchigen Wasserlagerung nehmen die Füllungsmaterialien Wasser auf, was zu einer geringfügigen Expansion führt [76]. Nach 3 Wochen ist dieser natürliche Prozeß weitgehend abgeschlossen, ein Gleichgewicht hat sich eingestellt [67], [76], [68], [144]. Durch die hygroskopische Expansion kann der Polymerisationsschrumpfungsstreß teilweise kompensiert werden [45], [90]. Aus diesem Grund sollte stets eine Wasserlagerung der Temperaturwechselbelastung vorgeschoben werden, um Effektüberlagerungen auszuschließen.

6.1.8 Temperaturwechselbelastung

Die Temperaturwechselbelastung (TWB) simuliert dem Temperaturstreß, dem obere Inzisivi während 2 Jahren unter klinischen Bedingungen ausgesetzt sein sollen [57], [33], [99], [34]. Durch den häufigen Temperaturwechsel wird die Stärke des Verbunds zwischen Zahn und Füllung getestet [155]. In der Regel verschlechtern sich die Randqualitäten durch die TWB. Das Ausmaß ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Im Wesentlichen sind dies der thermische Expansionskoeffizient des Füllungsmaterials, die Form und Größe der Füllung [Seite 78↓]sowie die Art des Haftvermittlers, die bei lege artis Anwendung die Randqualität nach TWB beeinflussen [17].

6.1.9 Quantitative Randanalyse

Zur Beurteilung der Randqualität von Restaurationen stehen mehrere Verfahren zur Auswahl. Die Aussagekraft und Methodik ist unterschiedlich, man unterscheidet funktionelle und morphologische Untersuchungen.

Der Farbstoffpenetrationstest ist die am häufigsten angewandte funktionelle Untersuchung. Hierbei wird das Ausmaß und die Tiefe festgestellt, die ein Farbstoff in einen Randspalt penetrieren kann. Mit diesem Verfahren lassen sich Defekte sehr genau feststellen, jedoch muß das Präparat hierfür zersägt werden. Eine Untersuchung zu einem weiteren Zeitpunkt ist nicht mehr möglich [58], [134], [48], [154], [21], [175].

Die einfachste morphologische Untersuchung ist die visuell-taktile Beurteilung mit dem Auge oder Lichtmikroskop und einer Sonde. Das Verfahren ist allerdings ungenau und läßt sich schwer quantifizieren.

Die quantitative Randanalyse in Verbindung mit der Replikatechnik hat sich als genaues morphologisches Untersuchungsverfahren für adhäsive Restaurationen bewährt [13], [14], [16], [133], [129]. Von jeder zu untersuchenden Probe werden Replikas hergestellt, die dann mit dem REM bei 200-facher Vergrößerung analysiert werden. Diese Vorgehensweise ermöglicht es, die Proben zu verschiedenen Zeitpunkten ohne den Einfluß von Überhitzung und Austrocknung zu untersuchen. Sie werden abschnittsweise bewertet und vermessen. Eventuelle Verzerrungen durch falsche Einstellungen des REM werden durch die Angabe der Strecken in Längenprozent relativiert. Durch die Bildschärfe und die Vergrößerungsmöglichkeit des REM werden gute Einblicke in die Randspalten möglich. Eine absolute Tiefenmessung ist jedoch nur mit Farbstoffpenetrationstests durchführbar. KOSTKA stellte fest, daß bei der quantitativen Randanalyse Abschnitte übersehen werden, die sich bei dem Farbstoffpenetrationstest als Randspalt darstellen [93].


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Entscheidendstes Kriterium für die Randqualität ist, ob ein Randspalt vorliegt oder nicht. Dementsprechend wurden die Kriterien „perfekter Rand“ und „Randspalt“ festgelegt. Das Bewertungskriterium „Randunregelmäßigkeiten“ läßt keine Beurteilung zu, ob an den entsprechenden Stellen ein Randspalt besteht oder nicht. Es ist davon auszugehen, daß an diesen Abschnitten verstärkt Randspalten vorkommen. Eine genaue Aussage darüber ist nur mit Farbstoffpenetrationstests möglich.

Die statistische Auswertung erfolgte mit nichtparametrischen Tests, da keine Normalverteilung der Daten vorliegt [24]. Die Datenmenge kann aufgrund der Vielzahl von Einzelmessungen als statistisch ausreichend bezeichnet werden.

6.1.10 Profilometrie

Bei der Profilometrie werden Aussagen über das Relief einer Oberfläche getroffen. Ein feiner Diamant tastet die Oberfläche ab und es wird die vertikale Höhenveränderung bei konstanter horizontaler Verschiebung aufgezeichnet [122]. Mit dieser Methode kann die Qualität einer Oberfläche quantifiziert werden, was durch eine rein optisch-deskriptive Betrachtung nicht möglich ist. Die Genauigkeit dieser Meßmethode ist durch die Größe der Diamantspitze limitiert, aber für die zu erwartenden Rauhigkeitswerte an Füllungsoberflächen ausreichend. Moderne Laser-Profilometer haben eine größere Meßgenauigkeit, sie standen dem Untersucher jedoch nicht zur Verfügung. Eine weitere Methode ist die Reflexionsmessung [79]. Hierbei wird das von einer polierten Füllung reflektierte Licht gemessen. Es gilt: je mehr Licht reflektiert wird, desto glatter ist die Oberfläche. Diese Methode ist deutlich komplizierter und eignet sich nicht zum Vergleich verschiedener Zahnfarben bzw. Füllungsmaterialien. Sie zielt eher darauf ab, ästhetische Gesichtspunkte zu objektivieren.

Die Datenauswertung erfolgte fast ausschließlich für die ermittelten Mittenrauhwerte (Ra), da diese die in der zahnärztlichen Literatur die gängige Meßgröße sind [28], [160], [77]. Verschiedene Studien können so verglichen werden. Die ebenfalls ermittelte Rauhtiefe (Rz) stellt ebenfalls eine gebräuchliche [Seite 80↓]Meßgröße dar, mit der allerdings eher im technischen Bereich gearbeitet wird. Spitzenwerte fallen eher bei den Rz-Werten ins Gewicht.

Pro Zahn wurden 5 Einzelmessungen durchgeführt, die anschließend gemittelt wurden. Für jede Gruppe ergaben sich so 50 Einzelmessungen. Die Meßwerte weisen eine Normalverteilung auf, es konnten also Mittelwertvergleiche durchgeführt werden [24].

6.2 Ergebnisse

6.2.1 Ergebnisse der Profilometrie

6.2.1.1 Vergleich der Instrumente / Vergleich Grob- und Feinbearbeitung

Der Vergleich der Mittenrauhwerte nach Grobbearbeitung (Ra1) und Feinbearbeitung (Ra2) zeigt, daß die feinen Diamantinstrumente in jedem Fall eine glattere Oberfläche als die groben erzeugen. Dieses Ergebnis war zu erwarten und spiegelt die Gesetzmäßigkeit wider, wonach die Oberflächenrauhigkeit von der Korngröße der Diamanten abhängig ist. Andere Studien bestätigen diesen Sachverhalt und kommen zu ähnlichen Ergebnissen [54], [86].

Entscheidender ist die Frage, ob ein klinisch relevanter Unterschied zwischen Grob- und Feinbearbeitung besteht. Nicht bei allen Gruppen (Gruppe 2, 12) wurde ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen diesen beiden Arbeitsschritten festgestellt, eine genauere Betrachtung der statistischen Ergebnisse zeigt jedoch, daß das Signifikanzniveau nur knapp verfehlt wurde. Eine Berechnung der gemittelten Rauhtiefe (Rz-Werte) diesbezüglich ergibt in jedem Fall eine statistisch signifikante Verbesserung nach Feinbearbeitung mit Diamantinstrumenten. Basierend auf diesen Ergebnissen und den klinischen Beobachtungen, kann festgestellt werden, daß die Oberflächenbearbeitung mit den feinen Diamanten eine deutliche Qualitätsverbesserung bewirkt.

Der Kombifinierer hingegen erzeugt im Linkslauf keine signifikant glatteren Oberflächen. In einigen Fällen verschlechterte sich die Oberflächenqualität sogar. In dieser Hinsicht hat die Neuentwicklung des Kombifinierers nicht seinen Zweck, [Seite 81↓]nämlich das Einsparen eines Instrumentenwechsels erfüllt. Man kann den Kombifinierer nur unter Betracht der Arbeitsleistung als Kombinationsinstrument einstufen. Im Rechtslauf arbeitet der Kombifinierer aggressiv und ermöglicht das schnelle Abtragen von überschüssigem Material, während die Zerspanung im Linkslauf deutlich geringer ist. Als vorbereitende Maßnahme für eine abschließende Politur sind die mit dem Kombifinierer bearbeiteten Flächen ausreichend glatt, für die definitive Politur sind jedoch feinkörnige Diamanten oder feinere Hartmetallfinierer indiziert.

Die Tatsache, daß sich die Oberflächenrauhigkeit nach Bearbeitung mit dem Kombifinierer im Linkslauf teilweise verschlechtert, kann mit der „veränderten“ Schneidengeometrie erklärt werden. Bei umgekehrter Drehrichtung wird der Freiwinkel zum Spanwinkel und die Drallrichtung ändert sich von rechts nach links. Ersteres erklärt die geringere Abtragsleistung des Kombifinierers im Linkslauf, da der Spanwinkel nunmehr positiv ist. Instrumente mit einem Linksdrall lassen sich jedoch nicht so leicht manuell führen, da sie keinen innigen Kontakt zum Werkstück aufbauen [91]. Gerade beim Arbeiten in Laufrichtung, so wie es vom Hersteller empfohlen wird, kann es dazu kommen, daß das Instrument kurzzeitig den Kontakt zum Werkstück verliert und dann wieder aufsetzt. Dies führt zwangsweise zu einer Verschlechterung der Oberflächenqualität.

Betrachtet man die Meßergebnisse bezüglich der Instrumente, so ist festzugestellen, daß der Kombifinierer im Rechtslauf etwas, jedoch nicht signifikant glattere Oberflächen erzeugt als die groben Diamantinstrumente. Bei der Feinbearbeitung produzieren die feinen Diamantinstrumente jedoch deutlich glattere Oberflächen als der Kombifinierer. Die Intensiv-Finierer erzielen die besten Ergebnisse.

6.2.1.2 Vergleich der Füllungsmaterialien

Die rauhsten Oberflächen bezüglich der Materialien weist Fuji II LC auf, während sich die übrigen Füllungsmaterialien, was das angeht, nicht signifikant unterscheiden. Im elektronenmikroskopischen Bild kennzeichnen sich die Fuji II LC Füllungen durch eine rauhe schwammartige Struktur. Es scheint, daß einzelne [Seite 82↓]Füllkörper im Ganzen herausgelöst wurden und daß an diesen Stellen kleinste „Krater“ zurückgeblieben sind.

Die Prodigy, Dyract AP und Silux Plus Restaurationen sind mit dem Elektronenmikroskop nicht oder nur sehr schwer voneinander zu unterscheiden. Alle weisen eine optisch glatte Oberfläche auf, größere Schäden sind nicht feststellbar. Diese Beobachtungen werden durch bessere Rauhwerte bestätigt.

6.2.1.3 Vergleich mit anderen Studien

Der Vergleich der Ergebnisse mit anderen Studien ist nur bedingt möglich, da die Autoren zum größten Teil andere Werkstoff-Instrumente Kombinationen untersucht haben und weil kein standardisierter Versuchsablauf für die Ausarbeitung und Oberflächenmessung besteht. Die Gegenüberstellung vergleichbarer Meßergebnisse in Tabelle 6.1 dient somit nur als Anhaltspunkt. Tendenziell liegen die Werte dieser Studie in einem ähnlichen Größenbereich und lassen den Schluß zu, daß die Resultate vergleichbar sind.


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Tab. 6.1: Vergleich der Ra-Werte (in µm) mehrerer Studien

Ergebnisse anderer Autoren

Ergebnisse dieser Studie

Autor

Material

Instrument

Ra

Ra

Instrument

Material

Ashe

1996

Helio-molar

Diamant

10 µm

1,23

1,02

1,16

Komet 15 µm

Intensiv 15 µm

Silux Plus

Bouvier

1997

Dyract

Hartmetall

30 Schneiden

1,74

1,13

Kombifinierer

linksdrehend

Dyract AP

Z 100

1,28

1,27

Prodigy

Germain

1996

Fuji II LC

Hartmetall

12 Schneiden

2,82

1,97

Kombifinierer

linksdrehend

Fuji II LC

Diamant

15 µm

1,70

2,13

1,52

Komet 15 µm

Intensiv 15 µm

Vario-glass

Hartmetall

12 Schneiden

4,79

1,13

Kombifinierer

linksdrehend

Dyract AP

Diamant

15 µm

0,91

0,98

0,90

Komet 15 µm

Intensiv 15 µm

Hoelscher

1998

Fuji II LC

Diamant

10 µm

0,99

2,13

1,52

Komet 15 µm

Intensiv 15µm

Fuji II LC

Silux Plus

1,12

1,02

1,16

Komet 15 µm

Intensiv 15 µm

Silux Plus

Prisma

0,66

1,22

0,90

Komet 15 µm

Intensiv 15 µm

Prodigy

Hondrum

1997

Prisma

Hartmetall

18 Schneiden

2,21

1,27

Kombifinierer

linksdrehend

Prodigy

Fuji II

1,94

1,97

Fuji II LC

Vitremer

2,13

1,13

Dyract AP

Jung

1997

Herculite

Intensiv 40 µm

Intensiv 15 µm

1,70

1,10

1,39

0,90

Intensiv 40 µm

Intensiv 15 µm

Prodigy

Komet 25 µm

Komet 15 µm

1,10

0,90

1,36

1,22

Komet 25 µm

Komet 15 µm

Hartmetall12/

16 Schneiden

0,65

0,60

1,27

Kombifinierer

linksdrehend


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6.2.2  Ergebnisse der quantitativen Randanalyse

Bisher sind keine Untersuchungen bekannt, die das Randverhalten von Restaurationen nach Ausarbeitung mit Diamant- oder Hartmetallfinierern mit Hilfe der quantitativen Randanalyse ermitteln. Alle bisher durchgeführten Studien analysierten Ränder, die mit Systemen zur Endpolitur (rotierende Aluminiumoxid-Scheiben usw.) geglättet wurden. Derartig ausgearbeitete Oberflächen weisen weniger Kratzer und Unebenheiten auf und sind aus diesem Grund gerade beim Vorhandensein von perfekten Rändern leichter mit dem REM zu analysieren. Bedingt durch diese Tatsache war es in einigen Fällen schwierig, die Füllungsränder der Proben eindeutig auszumachen, was zu Fehlinterpretationen des Füllungsumfangs führte. Es ist allerdings davon auszugehen, daß in diesen Fällen kein Randspalt vorlag, da ein solcher auch in dieser Studie stets deutlich erkennbar war.

6.2.2.1 Einfluß der Instrumente

Die Frage, ob sich Diamant- oder Hartmetallinstrumente besser zur Ausarbeitung von Füllungen eignen, kann nicht eindeutig beantwortet werden [48]. Hartmetallfräser weisen eher als Diamantfinierer die Tendenz auf, gerade im Randbereich einer Füllung größere Stücke der Zahnhartsubstanz oder Füllung zu lösen [21]. Sie gelten aufgrund ihrer langen Schneiden als aggressiver.

Dem sind Studien gegenüberzustellen, die belegen, daß Hartmetallfinierer eine glattere Oberfläche erzeugen als Diamantfinierer [86]. Betrachtet man jedoch die Rauhwerte, so kann festgestellt werden, daß ultrafeine Diamantfinierer (Körnung 8-10 µm) ähnliche Werte erreichen wie gute Hartmetallfräser.

Der in dieser Studie eingesetzte Kombifinierer hat im Rechtslauf aufgrund seiner Schneidengeometrie eine vergleichsweise hohe Schneidleistung. Die so bearbeiteten Oberflächen sind deutlich glatter als solche Oberflächen, die mit einem Diamantinstrument vergleichbarer Schneidleistung behandelt werden. Die Handhabung des Kombifinierers erwies sich allerdings als schwieriger. Der kleine Spanwinkel und der Rechtsdrall der Schneiden bauen einen innigen Kontakt zum [Seite 85↓]Werkstück auf, der es dem Behandler abverlangt, das Instrument mit sehr wenig Andruck zu führen. Dies hat eine schlechtere Kontrolle über das Instrument zur Folge. Bei weichen Materialien besteht die Gefahr, mehr als nötig abzutragen. Außerdem ist es schwieriger, gewölbte Oberflächen zu erzeugen, da der Kombifinierer stets gerade Flächen produziert. Eine Wölbung muß demnach aus vielen kleinen Einzelsegmenten zusammengesetzt werden.

Im Linkslauf hingegen baut der Kombifinierer merklich weniger Kontakt zur Arbeitsfläche auf. Nach Herstellervorgaben soll er in diesem Fall im Gleichlauf geführt werden, was für den Behandler gewöhnungsbedürftig ist.

Bei Diamantinstrumenten grober Körnung (100 µm und mehr) besteht ebenfalls die Gefahr, daß sie größere Stücke des zu bearbeitenden Materials heraussprengen. Aus diesem Grund wurden in dieser Studie nur feinkörnige Diamantschleifer eingesetzt.

Das Ergebnis der quantitativen Randanalyse hinsichtlich der Instrumente zeigt, daß weder im Schmelz- noch im Dentinbereich statistisch signifikante Unterschiede zwischen den Instrumenten bestehen. Der Kombifinierer scheint tendenziell im Dentin bessere Randqualitäten zu erzeugen als im Schmelz. Hieraus kann man jedoch keine Empfehlung aussprechen, da viele weitere Faktoren auf das Randverhalten einen Einfluß haben (Material, Verarbeitungsfehler usw.).

Die Wahl des Instrumentes, ob Hartmetall- oder Diamantfinierer, sollte dementsprechend jeder Behandler für sich selbst entsprechend seiner Vorlieben beantworten.

6.2.2.2 Einfluß der Füllungsmaterialien

In dieser Studie kamen unterschiedliche Typen von Füllungsmaterialien zum Einsatz, die sich in den physikalisch-mechanischen Eigenschaften und den Haftmechanismen mit der Zahnhartsubstanz gegeneinander abgrenzen. Von daher ist es nicht überraschend, daß die Materialien unterschiedliche Ergebnisse hinsichtlich der Randqualität erzielen.


[Seite 86↓]

Am schlechtesten schneidet Silux Plus ab, mit dem höchsten Anteil an Randspalten nach Temperaturwechselbelastung (TWB), sowohl im Schmelz (28,0%) als auch im Dentin (47,1%). Diese Werte sind signifikant schlechter als bei allen anderen Füllungsmaterialien. Erklären läßt sich dieses Ergebnis mit dem relativ geringem E-Modul der mikrogefüllten Komposits, was erheblich stärkere Dimensionsänderungen bei TWB mit sich zieht [69], [99]. Hierdurch wird der Verbund zum Zahn stark beansprucht mit der Folge, daß es häufiger zu Randspalten kommt. Der größte Teil aller Randspalten bei Silux Plus manifestiert sich jedoch nur in der Größe eines „Haarrisses“.

Prodigy weist im Dentin ebenfalls einen vergleichsweise hohen Anteil an Randspalten auf (17,4%), während für den Schmelzbereich gute Werte erreicht werden (Randspalt: 4,8%). Zwar schneidet Prodigy, was die Dentinwerte angeht, signifikant besser als Silux Plus ab, aber auch signifikant schlechter als Fuji LC und Dyract AP. Dieses Resultat läßt sich nur mit den unterschiedlichen Haftmechanismen der Materialien erklären, ist aber, was die theoretischen Haftwerte angeht, nicht in der Form zu erwarten.

Fuji LC zeigt gute Randqualitäten im Dentin (Randspalt: 6,0%), während die Ergebnisse für die Schmelzabschnitte deutlich schlechter sind (Randspalt: 13,4%). Das beste Gesamtergebnis aller Füllungsmaterialien bezüglich des Randverhaltens erreicht Dyract AP.

Die meisten Randspalten sind bei allen Restaurationen am ehesten im apikal gelegenen Dentinbereich der Restauration vorzufinden. Hier sind die Kräfte, die den Haftkräften entgegenwirken zwar genauso hoch wie im entsprechenden inzisal gelegenen Schmelzbereich, die Dentinhaftung ist in der Regel jedoch geringer. Da die Kavitäten aber in koronal-inzisaler Richtung die größte Länge aufweisen, sind in dieser Richtung die Auswirkungen der Polymerisationsschrumpfung ebenfalls am stärksten. Die Materialspannung ist in diesem Bereich außerdem erhöht, weil hier die größte gebundene Fläche vorliegt (C-Faktor).


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19.10.2004