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1  Einleitung

Aufgrund des vermehrten Einsatzes von Techniken der assistierten Reproduktion und dem ansteigenden mütterlichen Alter wird der Geburtshelfer zunehmend häufiger mit Mehrlingsschwangerschaften konfrontiert. In Berlin beträgt der Anteil der Mehrlingsgeburten an der Gesamtgeburtenzahl 1,8% [1]. In Deutschland führen Maßnahmen der assistierten Reproduktion in 25% zu Mehrlingsschwangerschaften [2].
Zwillingsschwangerschaften sind Risikoschwangerschaften durch eine gegenüber Einlingen höhere Inzidenz an Komplikationen in Schwangerschafts- und Geburtsverlauf [3,4,5,6,7].
Kenntnisse von der Zwillingsentstehung und den Eihautverhältnissen sind die Grundlage für das Verständnis der verschiedenen Komplikationsmöglichkeiten [8]. Dank der Einführung neuer differenzierter Techniken können zwillingsspezifische Anomalien und Komplikationen zunehmend früher und häufiger erkannt und behandelt werden [9,10]. Die perinatale Morbidität und Mortalität von Zwillingen liegt um den Faktor zwei bis drei über der von Einlingen [11].
Die Beurteilung der Chorion- und Amnionverhältnisse ermöglicht die Differentialdiagnose zwillingstypischer Krankheitsbilder [12]. Monochoriale Schwangerschaften sind mit drei- bis sechsfach höheren Risiken als dichoriale Schwangerschaften verbunden [11].
Dichoriale, d.h. getrennt angelegte Plazenten, entstanden aus monozygoten oder dizygoten Zwillingen, weisen keine Gefäßverbindungen untereinander auf. Im Gegensatz dazu haben die monochoriale Plazenten monozygoter Zwillinge praktisch immer Gefäßverbindungen, die verschiedene Formen aufweisen können: arterioarteriell, venovenös und arteriovenös [11,13].
Die arteriovenösen Anastomosen sind von besonderer Bedeutung für das fetofetale Transfusionssyndrom. Dieses hat erhebliche Auswirkungen auf die perinatale Mortalität und Morbidität der monochorialen Zwillingsschwangerschaften. Die Inzidenz monochorialer Zwillingsschwangerschaften gegenüber Spontanschwangerschaften ist nach Hormonstimulation um das etwa dreifache [14] und nach assistierter Reproduktion um das etwa achtfache erhöht [15,16].
Zur Risikoselektion ist die Kenntnis der Chorionizität wichtig. Die Beurteilung erfolgt heute routinemäßig mit hochfrequenten Endovaginalsonden im ersten Trimenon mit einer Treffsicherheit von 95-100% [11].
[Seite 9↓] Die Einführung der gepulsten Dopplertechnik machte es möglich Abweichungen von einer normalen Wachstumsdynamik nicht nur zu registrieren, sondern sie früh zu erkennen, das Risiko festzustellen und mögliche Ursachen zu finden. Es können uteroplazentare, plazentare und fetale Kreislaufverhältnisse studiert, in ihren Normen beschrieben und klinische bedeutsame Abweichungen von der Norm rechtzeitig erfasst werden [3,4,17,18,19,20].
Für Geminischwangerschaften werden bis jetzt in der Praxis die gleichen Normwerte der Kreislaufverhältnisse wie bei Einlingsschwangerschaften angewandt [21].
Aufgrund der Besonderheiten von Geminischwangerschaften ist dieses Vorgehen nicht in jedem Fall kritiklos möglich [3,22]. Für Zwillingsschwangerschaften liegen vereinzelte Befunde von dopplersonographischen Untersuchungen vor [22,23,24,25,26,27,28], vor allem zur umbilicalen Perfusion [23,25,26,27,29,30] um diskordantes fetales Wachstum zu erfassen [22,27,28,29,30,31,32].
Die Aufgabe dieser Arbeit ist es, Unterschiede der Resistance-Indizes im fetoplazentarem Kreislauf dichorialer und monochorialer Zwillingsschwangerschaften zu erfassen, und mit den entsprechenden Werten von Einlingsschwangerschaften zu vergleichen.
Die Parameter monochorialer Geminischwangerschaften mit und ohne fetofetales Transfusionssyndrom wurden einander gegenüber gestellt.


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30.06.2004