1. Einleitung

1.1 Problemstellung

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Ökologischer Landbau hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten weltweit etabliert. Er wird heute in fast allen Ländern der Welt betrieben und sein Anteil an der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche und an den Betrieben wächst ständig. Die gesamte Öko-Fläche beträgt mittlerweile mehr als 24 Mio. Hektar (Willer und Yussefi 2004). Der Markt mit Bioprodukten wächst ebenfalls sehr schnell und das nicht nur in Europa, Japan und Nordamerika, wo sich die größten Absatzmärkte befinden, sondern auch in zahlreichen Entwicklungsländern. Gleichzeitig nimmt das staatliche Interesse am ökologischen Landbau zu. Auf internationaler Ebene gibt die FAO (Food and Agriculture Organization of the United Nations) zunehmende Unterstützung (FAO 2004).

Die Gründe für diese erfolgreiche Entwicklung liegen allgemein darin begründet, dass mit dem ökologischen Landbau ein Bewirtschaftungssystem zur Verfügung steht, das die ökologischen, ökonomischen und sozioökonomischen Kriterien der Nachhaltigkeit erfüllt. Es bedient damit den Umweltschutz und die Verbrauchersicherheit gleichermaßen. Die Bedeutung des ökologischen Bewirtschaftungssystems erklärt sich in der südkoreanischen Landwirtschaft u.a. im Zusammenhang mit:

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Auswirkungen der Globalisierung auf die koreanische Landwirtschaft

Der derzeitige Globalisierungsprozess spiegelt sich auch im Welthandel wider. Dabei hat die neue Handelsordnung, als sogenanntes "faires und marktorientiertes Welthandelssystem", in allen Bereichen neue Märkte, neue Nachfrage und mehr Kaufkraft entstehen lassen. In die Verflechtung der internationalen Handelsströme ist besonders der Agrarsektor zunehmend eingebunden. Gegenwärtig beträgt der Anteil der Agrarprodukte am gesamten Welthandel etwa 10 % (DGAU 1999). Steigerungsraten im internationalen Agrarhandel sind vor allem als Folge der liberalisierten Bedingungen zu verzeichnen, die mit der Uruguay-Runde des GATT eingeleitet wurden. Die generelle Richtung der Uruguay-Runde über das internationale Agrarhandelsabkommen zielt auf:

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Diese Änderungen der internationalen Handelsbedingungen bestimmen die Zukunftsaussichten der südkoreanischen Landwirtschaft. Der gesamte Agrar- bzw. Nahrungsmittelbereich muss sich den neuen Gegebenheiten anpassen.

Bis zur Uruguay-Runde wurde in Südkorea mit der Maßnahme von "Nicht-Tariffieren-Handelshemmnissen (non-tariff barriers)" der Import von 285 Agrarprodukten eingeschränkt. Mit den GATT-Verpflichtungen ist seit dem 1. Juli 1997 die Verringerung des Außenschutzes für die meisten einschließlich des Grundnahrungsmittels, d.h. Reis unverzichtbar (KREI 1993). Darüber hinaus ist die positive Entwicklung der Handelsbilanz für die südkoreanische Landwirtschaft im internationalen Wettbewerb entweder durch niedrigeren Preis oder durch bessere Qualität abzusichern. Allerdings bedingen die Agrarstrukturen in Südkorea mit einer kleinen durchschnittlichen Betriebsgröße von 1,49 ha (MAF 2004) einen hohen Produktionsaufwand. Dementsprechend ist in Südkorea der Preis von einheimischen Agrarprodukten höher als der internationale Preis, beispielsweise ist der Preis von koreanischem Reis viermal so hoch wie der internationale durchschnittliche Preis (Han und Kim 1999). Infolgedessen ist derzeit die südkoreanische Landwirtschaft der internationalen Konkurrenz ausgesetzt.

Weiterhin wird in der "new-round" der WTO, die im November 2001 in Doha/Qatar eingeleitet wurde, eine weitere schrittweise Liberalisierung gefordert (Chemnitz und Arning 2003). Die Konkurrenzlage auf den Weltagrarmärkten wird dadurch noch verschärft werden. Als Folge dieses Abkommens werden für die südkoreanische Landwirtschaft erhebliche volkwirtschaftliche Verluste durch Existenz- und Arbeitsplatzvernichtung vorausgesagt. Nach der Berechung von Han und Kim (1999) dürfte beim weiteren liberalisierten Marktzugang bis zum Jahr 2010 insbesondere das Produktionsvolumen von Reis um ca. 34 % reduziert werden, und damit wird sein Selbstversorgungsgrad von 104,9 % im Jahr 1998 für 2010 nur auf knapp 76 % geschätzt. D.h., die zukünftige Ernährungssicherheit in Südkorea ist bedroht. Demzufolge muss neben der Reduzierung des Preises eher durch die Produktion der Agrarerzeugnisse mit besserer Qualität die Wettbewerbsfähigkeit der südkoreanischen Landwirtschaft verbessert werden.

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Beziehungen zwischen Umweltschutz und Landwirtschaft

Neben den Diskussionen zur Wettbewerbsfähigkeit der südkoreanischen Landwirtschaft im internationalen Handel gab es in den letzten Jahren verstärkte Diskussionen zu Umweltproblemen in und durch die südkoreanische Landwirtschaft. In Verbindung mit dem technischen Fortschnitt hat in den vergangenen Jahren der Intensivierungsgrad der landwirtschaftlichen Betriebe in Südkorea deutlich zugenommen. Vermehrte Ausbringungsmengen von chemischen Dünge- und Pflanzenschutzmitteln, die Verengung der Fruchtfolgen, rein betriebswirtschaftlich orientierte Flurbereinigungsverfahren und Standortmeliorationen verschiedenster Art sind Aspekte einer intensivierten und konventionellen Landwirtschaft. Solche Produktionspraktiken haben dazu beigetragen, die Erträge zu erhöhen und Arbeitskräfte einzusparen. Die südkoreanische Landwirtschaft sieht sich aber auch vor ungeahnten Schwierigkeiten gestellt. Die negativen Auswirkungen, die der intensivierten und konventionellen Landwirtschaft zugeschrieben und von unterschiedlichen gesellschaftlichen Kreisen angeführt werden, lassen sich folgendermaßen zusammenfassen (Fietkau et al. 1985):

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Wasser und Boden sowie deren Qualität sind essentielle landwirtschaftliche Produktionsgrundlagen. Ihre Zerstörung und Vernichtung bedeutet damit einen Verlust an ökologischer und ökonomischer Nachhaltigkeit der Landwirtschaft. Deshalb müssen in der südkoreanischen Landwirtschaft die herkömmlichen Bewirtschaftungsmaßnahmen kontrolliert bzw. eingeschränkt werden.

Gewachsenes Verbraucherbewusstsein für Nahrungsmittelqualität

Bezüglich der Einkommenssteigerung der Bevölkerung durch die wirtschaftliche Entwicklung in den letzten Jahrzehnten haben sich in Südkorea die Bedingungen auf der Ebene der landwirtschaftlichen Produktion und der Konsumtion stark gewandelt. Dies hat zur Umstrukturierung des Verbraucherverhaltens geführt, wobei eine zunehmende Sensibilisierung der Verbraucher gegenüber der Qualität von Lebensmitteln festgestellt wird.

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Qualität von Lebensmitteln ist ein sehr heterogener Begriff. Er kann mit inneren und äußeren Beschaffenheiten (Form, Farbe, Geruch, Geschmack etc.), Gebrauchswert (Eignung für spezielle Zwecke der Ernährung und Verarbeitung sowie Transport- und Lagerfähigkeit usw.) und Nährwert (Menge und Zusammensetzung von Nähr- bzw. Wirkstoffen und Schadstoffgehalt etc.) bewertet werden (Lösch und Meimberg 1986). Die zahlreichen Skandalberichte1 in den Medien über Beispiele für Umweltverschmutzung und Zerstörung von Lebensgrundlagen durch chemisch-synthetische Dünge- und Pflanzenschutzmittel sowie der Gebrauch von Hormonen lassen in der Landwirtschaft eine größere Nachfrage nach "gesunden Lebensmitteln" in den Vordergrund treten. Infolgedessen muss durch landschaftsschonende und umweltverträgliche Wirtschaftsweise die Produktion von gesundheitlich unbedenklichen Lebensmitteln gewährleistet werden.

Hinsichtlich der oben skizzierten aktuellen Situation der südkoreanischen Landwirtschaft ist eine Änderung der Rahmenbedingungen landwirtschaftlicher Produktion dringend erforderlich. Derzeit stehen unterschiedlichste Lösungsansätze zur Diskussion, die bezüglich des Umweltschutzes und der Produktion von gesunden Lebensmitteln zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der südkoreanischen Landwirtschaft einen wichtigen Beitrag leisten können. Eine dieser Möglichkeiten ist die Förderung des ökologischen Landbaus.

Der ökologische Landbau ist in Südkorea aber noch in der Etablierungsphase. Das heißt, es gibt Chancen, aber auch Barrieren für seine Entwicklung. Inwieweit die ökologische Wirtschaftsweise zur Lösung der Umweltprobleme beiträgt, ist jedoch gegenwärtig in Südkorea teilweise schwer zu beurteilen. In Forschungsberichten wird oft darauf hingewiesen, dass beim ökologischen Landbau in Südkorea Umweltbelastungen, z.B. die Akkumulation der Saline im Boden, ebenso so hoch wie beim konventionellen sind (Chung et al. 1996), und dass ein Teil von ökologisch erzeugten Agrarprodukten einen hohen Schadstoffgehalt wie Nitrat enthält (Sohn und Kim 1999; Sohn 1996). Die Ursachenforschung steckt hier aber noch in den Kinderschuhen. Deshalb ist seine gesellschaftliche Akzeptanz nicht immer gegeben. Das lässt sich auch daran ablesen, dass Betriebsumstellungen auf dem ökologischen Landbau derzeit in Südkorea eher zögernd stattfinden.

1.2 Zielsetzung und Aufgabenstellung

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Die übergeordnete Zielsetzung der Arbeit besteht in einer Analyse des gegenwärtigen Entwicklungsstandes des ökologischen Landbaus in Südkorea. Dabei werden die Ursachen für die in der Problemstellung beschriebenen Probleme ermittelt. Anschließend wird eine geeignete Vorgehensweise zur Vorbereitung und Durchführung der Umstellung von Betrieben auf die ökologische Wirtschaftsweise aufgezeigt. Die vorliegende Arbeit soll damit zur Identifikation von Erfordernissen an die zukünftige ökologische Bewirtschaftung in der südkoreanischen Landwirtschaft beitragen.

Die Zielsetzung der Arbeit lässt sich in drei Schwerpunkten untergliedern:

- Analyse der allgemeinen Rahmenbedingungen des ökologischen Landbaus in Südkorea

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Im Mittelpunkt steht die Betrachtung der Entstehung und Entwicklung des ökologischen Landbaus in Südkorea. Hierfür wird zunächst der Hintergrund für die Entstehung des ökologischen Landbaus in Südkorea im Kontext mit der Entwicklungsgeschichte des ökologischen Landbaus in Westeuropa und in den USA sowie in Japan erläutert. Die Konzeption und Organisation für den ökologischen Landbau werden dargestellt und Besonderheiten des ökologischen Landbaus in Südkorea untersucht. Weiterhin wird die Situation zur Produktion und Vermarktung der ökologischen Agrarprodukte analysiert. Ein Schwerpunkt ist dabei das Kontroll- und Zertifizierungssystem. Anschließend sollen die wichtigsten Förderprogramme erfasst werden.

Diese Situationsanalyse gibt einen Überblick zum gegenwärtigen Entwicklungsstand des ökologischen Landbaus in Südkorea. Ihre Ergebnisse konkretisieren Aufgaben und Vorgehensweisen der Betriebsuntersuchung in der zweiten Ebene.

- Darstellung der praktischen Umsetzung des ökologischen Landbaus anhand von Fallbeispielen zum ökologischen Reisanbau

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Die im ersten Abschnitt untersuchten allgemeinen Rahmenbedingungen werden nur auf betrieblicher Ebene betrachtet. Dabei werden besonders die Reisanbaubetriebe als Fallbeispiel aufgenommen, um die spezifisch südkoreanische Ausprägung des ökologischen Landbaus darzustellen. Die Betriebsuntersuchung konzentriert sich auf sechs zentrale Felder, wie natürliche Verhältnisse, Betriebsstruktur, Umstellungsprozess, Anbauverfahren, Betriebswirtschaft und soziales Umfeld. Diese Faktoren bestimmen den betriebswirtschaftlichen Erfolg.

- Strategiebildung zur Entwicklung des ökologischen Landbaus in Südkorea

Als dritter Schwerpunkt sollen die Ergebnisse der Untersuchungen aus den vorangegangenen Phasen zusammengefasst und diskutiert werden. Dabei sollen Entwicklungsmöglichkeiten des ökologischen Landbaus in Südkorea eingeschätzt werden. Mit Hilfe einer SWOT-Analyse werden Stärken und Schwächen, Chancen und Risiken des ökologischen Landbaus in Südkorea bestimmt.

1.3 Methoden

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Im folgenden Abschnitt werden die sich aus der Konzeption und der Art des Untersuchungsgegenstandes ergebenden methodischen Anforderungen vorgestellt. Anschließend wird der Forschungsprozess mit seinen theoretischen und empirischen Elementen erläutert.

1.3.1 Methodische Anforderungen

Ökologischer Landbau ist weltweit immer noch in der Etablierungsphase, was sich u.a. in Abstimmungsproblemen zwischen den Ländern und in Definitionsdefiziten zeigt. Beispielsweise gibt es in den Guidelines von IFOAM (International Federation of Organic Agriculture Movements) keine Richtlinien für den ökologischen Reisanbau, der für Asien und Afrika eine der wichtigsten Produktionsrichtungen darstellt. Gleichzeitig ist der Prozess der Etablierung des ökologischen Landbaus aufgrund der Wechselbeziehungen zwischen Institutionen und Aktionsgruppen sehr komplex. Diese Aspekte sind mit quantitativen Methoden gar nicht zu erfassen und auch eine qualitative Erfassung scheint schwierig.

Die methodischen Anforderungen werden durch einen weiteren Gesichtspunkt bestimmt: Ökologischer Landbau ist als Subsystem des Agrarsektors noch nicht lange in Südkorea etabliert. Das spiegelt sich in begrifflichen Unklarheiten (vgl. Abschnitt 2.2.1) und einer vergleichsweise erst geringen Anzahl von Betrieben (vgl. Abschnitt 2.4.1) wider. Es geht also um die Untersuchung eines Bewirtschaftungssystems, das sich gegenwärtig erst in einem frühen Entwicklungsstadium befindet. Dadurch befinden sich die beteiligten Aktionsgruppen und Strukturen erst im Aufbau. Gleichzeitig gibt es erst wenige zusammenfassende Literaturquellen.

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Aus diesem Grund wurden für die Untersuchung Methoden der empirischen Sozialforschung gewählt. Damit werden subjektive Elemente, wie Absichten, Werte oder Wahrnehmungen des Handelnden erfasst, die einem Wandel unterliegen und daher nicht nach zuvor aufgestellten klaren Modellen erklärt werden können (Garz und Kraimer 1991). D.h., Datenmaterial wurde aus Befragungen von Akteuren mittels offener Interviews gewonnen und mit Ergebnissen aus anderen Untersuchungen überprüft bzw. ergänzt.

1.3.2 Forschungsprozess

Untersuchungsplanung

Entsprechend der im Abschnitt 1.2 dargestellten Aufgabenstellung wurde insgesamt der Forschungsprozess in drei Phasen durchgeführt:

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In der Arbeit werden neben dem "ökologischen" Landbau die Begriffe "umweltfreundlicher" und "Yuki-" Landbau häufig verwendet. Sie unterscheiden sich grundsätzlich wie folgt:

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Methodisches Instrumentarium zur Datenerhebung

Um hinreichende Erkenntnisse über den umweltfreundlichen Landbau und den Yuki-Reisanbau zu erhalten, war eine umfangreiche Datenerhebung erforderlich. Dafür wurden folgende Methoden verwendet:

- Literaturrecherche

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Die im Abschnitt 2 zur Verfügung stehenden Daten wurden hauptsächlich über ein Literaturstudium aufgenommen, wobei verschiedene Forschungsberichte von wissenschaftlichen Einrichtungen, Fachzeitschriften und Tagungsbänden zur Anwendung kamen. Dazu erfolgte die Datenerhebung via Internet. Dadurch waren aktuelle Informationen zu erhalten, und damit die Angaben ständig zu aktualisieren.

- Betriebsbesichtigung mit Interviews

Für die Fallstudie wurde auf der Grundlage der vorangegangenen Literaturanalyse der Situation der umweltfreundlichen Landwirtschaft in Südkorea ein Leitfaden zur Befragung formuliert. Damit erfolgten dann von Mai bis August 2000 in Südkorea die Betriebsuntersuchungen. Während des Aufenthalts in Südkorea wurden im ersten Monat im RIOA (Research Institute of Organic Agriculture) die Betriebsbesuche vorbereitet. So erfolgte die Auswahl der Untersuchungsregion und Betriebe mit Unterstützung von RIOA. Außerdem wurden in der Diskussion am Institut die Fragen des Fragebogens konkretisiert, indem aus den Forschungserfahrungen des Instituts über das methodische Vorgehen der Betriebsuntersuchung beraten wurden. Die Methodik und Kriterien der Betriebsauswahl werden im Abschnitt 3.1 näher erläutert.

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Die Befragungen wurden leitfadengestützt ausschließlich mündlich durchgeführt. Es zeigte sich, dass insbesondere die älteren Bauern die schriftliche Befragung als zu schwer empfanden. Außerdem war die Motivation zur Beantwortung von Fragen bei direkten Interviews höher als bei schriftlichen oder telefonischen.

Eine erfolgreiche Interviewführung setzt Vertrauen der Landwirte in die Untersuchung und zur Untersuchungsperson voraus. Um eine Vertrauensbasis zu schaffen, war die Vermittlung über KVOL (Koreanischer Verband für organischen Landbau) sehr hilfreich, da die ausgewählten Betriebe Mitglied von KVOL sind oder waren. Alle angesprochenen Betriebe erklärten sich zur Befragung bereit. Vom Berater des Verbandes wurde im Voraus vor dem Betriebsbesuch den Betrieben der Untersuchungszweck telefonisch mitgeteilt. Daneben wurde Verständnis und Interesse der Betriebsleiter an der Untersuchung dadurch gefördert, dass vor den Interviews nochmals kurz das Untersuchungsvorhaben, z.B. Ziele und Aufgaben, erklärt wurde.

Neben dem Vertrauen ist die Gesprächsbereitschaft der Landwirte eine wichtige Voraussetzung für die reibungslose Datenerhebung bei der Betriebsuntersuchung. Die meisten Betriebsleiter der Beispielbetriebe haben als Pioniere in der umweltfreundlichen Landwirtschaft bereits Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Instituten bzw. Universitäten, so dass sie allgemein viel und gern berichteten.

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- Interviews mit Experten

Trotz der großen Erfahrungen der Landwirte war jedoch die Datenbasis der Betriebe vielfach nicht ausreichend. Die häufigsten Fehlerquellen waren:

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Deshalb wurden ergänzend zur Verifizierung der Angaben die Dokumente von Behörden bzw. Instituten wie NAQS (National Agricultural Products Quality Management Service) und Yeoju-ATEC (Agricultural Technology Extension Center) hinzugezogen. Aus den Dokumenten der Zertifizierung umweltfreundlicher Agrarprodukte konnten zusätzlich Angaben zu den Betrieben entnommen werden.

In einigen Fällen lagen Abweichungen zwischen den Aussagen der Betriebe und Inspektionsunterlagen von NAQS vor. In solchen Fällen wurde zunächst in Betrieben nochmals Rücksprache gehalten. Danach wurden die Ergebnisse entsprechend korrigiert. Anschließend wurden sie von den Inspektoren von NAQS bestätigt. NAQS war dabei sehr kooperativ.

- Besuch in Erzeugerverbänden und Verbraucherorganisationen

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Während des Aufenthalts in Südkorea wurden Gelegenheiten zum Besuch in vielen Organisationen und Verbänden für umweltfreundlichen Landbau genutzt. Insbesondere Gespräche bei KVOL und ZPOLB (Zentrale für Paldang-Organischer Landbau-Bewegung) waren sehr fruchtbar. D.h., beim Besuch wurde die Möglichkeit genutzt, Kontakte zu knüpfen, um viele Personen, die in Südkorea im Bereich umweltfreundlicher Landbau aktiv sind, kennen zu lernen. Mit diesen wurden die Probleme aus Sicht der Erzeuger und Verbraucher diskutiert.

Methodisches Instrumentarium zur Analyse der Ergebnisse und Strategieentwicklung

In der Fallstudie soll das Yuki-Anbausystem als zukünftiges Modell für den umweltfreundlichen Landbau in Südkorea diskutiert werden. Dabei sollen die Besonderheiten der Yuki-Betriebe bzw. ihrer Bewirtschaftungssysteme im Vergleich mit den internationalen Verordnungen über den ökologischen Landbau herausgestellt werden. Hierfür werden die IFOAM-Basisrichtlinien bzw. Codex-Alimentarius herangezogen.

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Schließlich sollen im Abschnitt 4 die Ergebnisse der Untersuchungen in der Phase I und II zusammengefasst und bewertet werden. Im Sinne einer Strategieentwicklung wurde zur Bewertung der gewonnenen Aussagen die SWOT-Analyse angewandt.

Besonderheiten des Forschungsprozesses

Der Forschungsprozess und die Anfertigung der Arbeit wurden durch eine Reihe von Besonderheiten beeinflusst. Diese liegen zunächst im Gegenstand der Arbeit selbst begründet. Wie schon erwähnt, ist ökologischer Landbau als Bewirtschaftungssystem in Südkorea erst seit kurzer Zeit im Blickfeld des Politikinteresses (vgl. Abschnitt 2.7.1). Der Gegenstand selbst bedarf also noch wissenschaftstheoretischer Untersuchungen, ehe eine fundierte Untersuchung an gesichertem Datenmaterial aus der landwirtschaftlichen und agrarpolitischen Praxis möglich ist. Aus diesem Grund sind die vorgestellten Betriebe und Anbauverfahren als Fallbeispiele im Sinne der Theoriebildung zu verstehen.

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Eine weitere Spezifik des Forschungsprozesses war es, dass der überwiegende Teil der theoretischen Ausarbeitungen in Deutschland stattfand. Das hatte den Vorteil, dass ein distanzierter Blick auf den Untersuchungsgegenstand möglich war. Dadurch wurde eine stärkere Fokussierung der Problemstellung ermöglicht. Mehrere Aufenthalte in Südkorea wurden genutzt, um theoretische Erkenntnisse zu diskutieren und Fallstudien durchzuführen.

Zur Effizienz der Feldstudien und Gespräche mit Entscheidungsträgern aus Institutionen und Politik trug bei, dass die Autorin Südkoreanerin ist und deshalb keine Sprach- oder Verständnisbarrieren zu überwinden waren.

Probleme bei der Durchführung der Untersuchungen

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Abschließend soll auf die Schwierigkeiten hingewiesen werden, die sich bei der Bearbeitung des Gegenstandes ergeben haben:


Fußnoten und Endnoten

1  Unglück der Verschmutzung vom Fluss Nakdong mit Phenol im März 1991 (Ohmynews 2003), Nachweis der überdosierten Rückstände der chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel in den importierten Agrarprodukten (Saegae-Ilbo 1995), Gesundheitsprobleme mit "EDCs (endocrine disrupting chemicals; Endokrin unterbrechende Chemikalien)" der Instantlebensmittel (Hankook-Ilbo 2004), Diskussionen zum Import der "GMO (genetically modified organism; Genetisch modifizierte Organismen)-Agrarprodukte" (Hankyoreh 2002)



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12.12.2005