| ↓170 |
Ursprünglich sollte in der Fallstudie eine möglichst große Vielzahl von Betrieben an unterschiedlichen Standorten und mit unterschiedlichen Betriebsstrukturen erfasst werden, um ein möglichst umfassendes Bild zu bekommen (Greiner 1992). Das stellte sich aber in der vorliegenden Arbeit aufgrund der schlechten Verfügbarkeit von verifiziertem Datenmaterial als nicht durchführbar heraus. Deshalb wurde eine Fallstudie anhand ausgewählter Beispielbetriebe vorgenommen.
Die Auswahl der Beispielbetriebe erfolgt nach bestimmten Kriterien. Die Kriterien sollten sich nach den Anforderungen, denen die Beispielbetriebe genügen müssen, richten. Dabei leiten sich die Anforderungen an die Beispielbetriebe allgemein aus den Zielen der Fallstudie ab (Braun 1995).
| ↓171 |
In dieser Fallstudie wurden folgende Ziele verfolgt:
Aus diesen Zielen ergaben sich die Anforderungen an die Beispielbetriebe wie folgt:
| ↓172 |
Unter der Berücksichtigung der Anforderungen an die Beispielbetriebe (vgl. Abschnitt 3.1.1) wurden folgende Auswahlkriterien angelegt:
| ↓173 |
Teilnahme am Zertifizierungssystem von NAQS
Um die Betriebsentwicklung vor und nach der Umstellung auf umweltfreundliche Wirtschaftsweisen erfassen zu können, wurden in die Untersuchung nur die Betriebe einbezogen, in denen die Umstellungsprozesse im Rahmen des "Zertifizierungssystems der Qualität von Agrarprodukten" (vgl. Abschnitt 2.5.1) bereits abgeschlossen sind, und die anschließend damit von NAQS (National Agricultural Products Quality Management Service) anerkannt wurden.
Die Erfassung der anerkannten Betriebe bereitete keine Probleme, weil jährlich von NAQS eine Liste mit den zertifizierten Betrieben und Produkten veröffentlicht wird (Tab. 3.1.1). Laut der für das Untersuchungsjahr aktuellen Liste (NAQS 1999) waren 1.263 Betriebe mit ihren umweltfreundlichen Agrarprodukten anerkannt, dabei wurden 131 Produktarten kontrolliert.
| ↓174 |
|
Jahr |
Anzahl der zertifizierten Produktarten |
Anzahl der anerkannten Betriebe |
|
1994 |
19 |
33 |
|
1995 |
40 |
162 |
|
1996 |
63 |
798 |
|
1997 |
85 |
1.020 |
|
1998 |
109 |
965 |
|
1999 |
131 |
1.263 |
Anbaurichtung
Wie im Abschnitt 2.5.1 erläutert, erfolgte im Rahmen des "Zertifizierungssystems der Qualität von Agrarprodukten" die Zertifizierung der Produkte aus dem umweltfreundlichen Landbau in drei Kategorien: "Yuki", "Mu-Nongyak" und "Jeo-Nongyak". Da die Zielstellung der Betriebsuntersuchung die Bestimmung der Entwicklungschancen des umweltfreundlichen Landbaus ist, wurden ausschließlich Yuki- Betriebe ausgewählt. D.h. die Entwicklung des zukünftigen umweltfreundlichen Landbaus in Südkorea setzt wesentlich die Aufnahme der Grundsätze von IFOAM und FAO für den ökologischen Landbau voraus. Allein die Anbaurichtung "Yuki" entspricht dem ökologischen Landbau im Sinne der IFOAM-Basisrichtlinien bzw. Codex Alimentarius.
| ↓175 |
Nach Angaben von NAQS wurden im Jahre 1999 insgesamt 326 Betriebe in der Kategorie "Yuki" zertifiziert (Tab. 3.1.2).
|
Produktionsweise |
Yuki |
Mu-Nongyak |
Jeo-Nongyak |
insgesamt |
|
Anzahl der Betriebe |
326 |
435 |
502 |
1.263 |
Kulturart
| ↓176 |
Der Charakter und die Zunahme des ökologischen Landbaus werden stark durch die landestypischen Kulturarten beeinflusst (Freyer 1990). Reis ist das Grundnahrungsmittel in Südkorea. Etwa 50 % der gesamten landwirtschaftlich genutzten Flächen sind Reisfelder (vgl. Abschnitt 2.4.2). Der Reisanbau ist ebenfalls im umweltfreundlichen Landbau weit verbreitet. So wurde im Jahre 1999 ein Drittel der umweltfreundlich bewirtschafteten Flächen für die Reisproduktion genutzt (NAQS 1999).
Die Anbaubedingungen von Reis, besonders von Wasserreis unterscheiden sich erheblich von denen anderer Kulturarten. Um die Besonderheiten des umweltfreundlichen und speziell "Yuki" Landbaus in Südkorea im Vergleich zum westeuropäischen ökologischen Landbau zu charakterisieren, sollte sich die Fallstudie auf Yuki-Reisanbau konzentrieren. Im Jahre 1999 haben in Südkorea 99 Betriebe kontrollierten Yuki-Reis produziert (Tab. 3.1.3).
Tab. 3.1.3: Anzahl der anerkannten Yuki-Betriebe nach Kulturarten (Stand: August 1999)
|
Kulturarten |
Gemüse |
Reis |
Obst |
Hackfrüchte |
Sonderkulturen |
insgesamt |
|
Anzahl der Betriebe |
191 |
99 |
33 |
2 |
1 |
326 |
| ↓177 |
Anbauregion
Landwirtschaftliche Produktion und Vermarktung sind allgemein stark von den Standortbedingungen abhängig. Das gilt insbesondere für den ökologischen bzw. umweltfreundlichen Landbau. Deshalb ist die Bestimmung der Anbauregion ein entscheidendes Auswahlkriterium für die Beispielbetriebe.
In der Fallstudie wurde Region der "Paldang-Wasserschutzgebieten für die Trinkwasserversorgung" (vgl. Exkurs 5) gewählt,
| ↓178 |
Von den 99 Betrieben, die im Jahre 1999 mit Yuki-Reisanbau anerkannt wurden, lagen acht Betriebe in den "Paldang-Wasserschutzgebieten für Trinkwasserversorgung" (Tab. 3.1.4).
Tab. 3.1.4: Die regionale Verteilung der anerkannten Betriebe mit Yuki-Reisanbau im Jahre 1999
|
Stadt bzw. Landkreis |
Anzahl der Betriebe |
|
Andong |
1 |
|
Boeun |
1 |
|
Cheoulwon |
1 |
|
Eumsung |
1 |
|
Namwon |
1 |
|
Yangpyong |
2 |
|
Haenam |
3 |
|
Jangseoung |
5 |
|
Yeoju |
6 |
|
Beseoung |
25 |
|
Hongseoung |
53 |
|
Insgesamt |
99 |
| ↓179 |
Exkurs 5: Der Paldang-See und das Paldang-Wasserschutzgebiet für die Trinkwasserversorgung
Der Paldang-See liegt in der Stadt Namyangju, wo die drei Flüsse Nam- und Bukhan sowie Kyongan zusammenfließen. Er wurde 1974 künstlich zur Erzeugung von Elektrizität und zur Wasserversorgung geschaffen. Seine gesamte Kapazität beträgt ca. 244 Mio. Tonnen (Gyonggi 2002). Aus den Flüssen werden täglich 29,7 Mio. Tonnen Wasser in den See eingespeist. Davon werden etwa 26 % (ca. 7,8 Mio. Tonnen) zur Trinkwasserversorgung verwendet.
Das Paldang-Wasserwerk ist die größte Trinkwasseraufbereitungsanlage Südkoreas (Foto 3.1.1). Von hier werden etwa 20 Mio. Bewohner in der Hauptstadt Seoul und ihrem Umkreis mit Wasser versorgt. Die Erhaltung der Wasserqualität des Paldang-Sees ist daher von außerordentlicher Bedeutung.
| ↓180 |
| Foto 3.1.1: Paldang-See mit dem Wasserwerk | ||
Durch die rasche Industrialisierung seit den 60er Jahren werden in Südkorea häufig Umweltprobleme diskutiert. Besonders der Trinkwasserschutz ist ein ernsthaftes Diskussionsthema in der Gesellschaft. Aus diesem Grund hat die südkoreanische Regierung auf der Basis des "Gesetzes für die Wasserversorgung", das 1961 festgesetzt wurde, "Wasserschutzgebiete für die Trinkwasserversorgung" bestimmt. Diese sollen vorrangig den Schutz von Trinkwasserquellen und die Erhaltung der Wasserqualität dienen. Die gesamte Fläche dieser Wasserschutzgebiete betrug im Jahre 1999 in 383 verschiedenen Orten ca. 1.201 km2 (ME 2000). Die größte Teilfläche ist das "Paldang-Wasserschutzgebiet für die Trinkwasserversorgung", das im Juli 1975 festgelegt wurde. Es umfasst vier Landkreise: Hanam, Namyangju, Kwangju und Yangpyong. Seine gesamte Flächengröße beträgt 157,3 km2 (Tab. 3.1.5). In diesem Wasserschutzgebiet ist der Neu- bzw. Aufbau von Fabriken, Hotels und Fischzuchtfarmen verboten. Dazu sind mit den Ausnahmen des Baus landwirtschaftlicher bzw. öffentlicher Einrichtungen mit einer Flächengröße unter 100 km2 auch der Neu-, Um- und Aufbau von Gebäuden im Wesentlichen nicht erlaubt.
Tab. 3.1.5: Charakteristik des Wasserschutzgebietes Paldang-See
|
Landkreis |
"Paldang - Wasserschutz- |
"Sonderschutzgebiete für die Erhaltung der Wasser- |
|
|
Schutzzone I |
Schutzzone II |
||
|
Hanam |
7,1 | ||
|
Namyangju |
42,1 |
104,7 |
82,4 |
|
Kwangju |
82,4 |
431,7 |
- |
|
Yangpyong |
25,7 |
370,6 |
242,7 |
|
Yongin |
50,4 |
157,0 |
|
|
Ichon |
- |
236,2 |
|
|
Yeoju |
218,8 |
30,4 |
|
|
Gapyong |
78,3 |
98,7 |
|
|
Insgesamt |
157,3 |
1.254,5 |
847,4 |
| ↓181 |
Trotz der gesetzlichen Bestimmungen für die Wasserschutzgebiete für die Trinkwasserversorgung kam es in den letzten Jahren zur verstärkten Wasserverschmutzung des Paldang-Sees. Daher wurden im Rahmen des "Grundgesetzes für die Umweltpolitik (1990)" in 7 Landkreisen der Provinz Gyonggi "Sonderschutzgebiete für die Erhaltung der Wasserqualität vom Paldang-See bestimmt. Ihre Flächengröße beträgt etwa 2.101,9 km².Sie werden in eine Schutzzone I (1.254,5 km2) und eine Schutzzone II (847,4 km2) eingeordnet (Tab. 3.1.6). Durch die Bestimmung der Sonderwasserschutzgebiete wird die Genehmigung für den Bau, die direkte Ursache für die Wasserverschmutzung ist, z.B. der Einrichtungsbau für den Abfluss von Abwasser aus der Industrie und für die Tierhaltung, noch strenger reglementiert.
Tab. 3.1.6: Einschränkung von Baumaßnahmen in den Wasserschutzgebieten für Paldang-See
|
Bauarten |
"Paldang - Wasserschutzgebiete für Trinkwasserversorgung" (km2) |
"Sonderschutzgebiete für die Erhaltung der Wasserqualität vom Paldang-See" (km2) |
|
|
Schutzzone I |
Schutzzone II |
||
|
Fabriken |
|
|
|
|
Hotel |
|
|
|
|
Gaststätten |
|
|
|
|
Einrichtungen für Tierhaltung |
|
|
|
|
Fischzuchtfarm |
|
|
|
|
Allgemeiner Bau |
|
|
|
|
Golffelder |
|
|
|
Für die Fallstudie wurden acht landwirtschaftliche Betriebe, die 1999 in den Paldang-Wasserschutzgebieten für Trinkwasserversorgung kontrollierten Yuki-Reis produziert haben, ausgewählt. Dabei lagen sechs Betriebe im Landkreis Yeoju und zwei Betriebe in Yangpyong (vgl. Tab. 3.1.4)
| ↓182 |
Anschließende Bemerkungen zu Ergebnissen der Auswahl der Beispielbetriebe
Das Klima und die Bodenverhältnisse bestimmen maßgeblich die landwirtschaftlichen Produktionsmöglichkeiten eines Standortes. Im Folgenden wird ein kurzer Überblick über die natürlichen Gegebenheiten der Untersuchungsregionen Yeoju und Yangpyong gegeben.
| ↓183 |
Lage Der Landkreis Yeoju befindet sich im Südosten der Provinz Gyonggi, zwischen dem 37° 8' und 37° 26' nördlicher Breite sowie dem 127° 21' und 127° 64' östlicher Länge (LAIB 2000a). Er wird im Norden durch den Landkreis Yangpyong, im Osten durch die Stadt Wonju in der Provinz Gangwon, im Süden durch den Landkreis Umsung und die Stadt Chungju in der Provinz Chungbuk und im Westen durch die Stadt Ichon und den Landkreis Kwangju begrenzt. Seine Fläche beträgt 608,23 km2, wobei die größte West-Ost Abmessung 24,3 km und die größte Nord-Süd Ausdehnung 31,0 km messen (Jeoju 2000a).
Der Landkreis Yeoju wird durch den Fluss Nam-Han in einen nordöstlichen und einen südwestlichen Landstrich geteilt. Dabei ist die nordöstliche Gegend durch die Gebirge Taebaek, Charyong und Kwangju geprägt. Die Region weist einen sehr bergigen Charakter auf. Die südwestliche Region ist dagegen durch eine Ebene entlang dem Fluss Nam-Han gekennzeichnet. Die drei Gebirgsketten umschließen dieses Gebiet (Foto 3.2.1).
| Foto 3.2.1: Der Landkreis Yeoju (links: Städtchen Yeoju, rechts: Ebene Yeoju) | ||
| ↓184 |
Die Ebene Yeoju ist ein Teil der Ebene Gyonggi. Sie ist zwar nicht sehr ausgedehnt, bildet dennoch eine kleinräumige fruchtbare Kornkammer. Durch das reich gegliederte Gebirge werden die Niederschläge gesammelt und bewässern die Ebene. Aus diesem Grund gibt es keine Dürre- und Überschwemmungserscheinungen.
Aufgrund der geologischen Verhältnisse und der kontinuierlichen Wassereinsparung mit dem Fluss Nam-Han verfügt der Landkreis Yeoju über eine gute Wassertransportmöglichkeit und durch seine Lage Verbindungsstraßen, wie der Autobahn zwischen Seoul und Gangnung in der Provinz Gangwon bzw. der Landstraße zwischen Seoul und Wonju in der Provinz Gangwon sowie zwischen Janghowon und Yangpyong (LAIB 2000a) - über eine gute Verkehrsanbindung an die anderen Regionen.
Der Landkreis Yeoju hat zehn Städtchen, und ist in ein Uop 24 und in neun Myeon 25 untergliedert (Abb. 3.2.1). Die Beispielbetriebe (B1, B2, B3, B4, B5 und B6) befinden sich in Hungchon-Myeon.
| ↓185 |
| Abb. 3.2.1: Hungchon-Myeon im Landkreis Yeoju | ||
Hungchon-Myeon liegt am westlichen Rand des Landkreises Yeoju, ca. 12 km von Yeoju-Uop, wo das Landkreisamt Yeoju liegt, entfernt. Das Städtchen Hungchon hat eine Fläche von 44.23 km2 und entspricht in seiner Größe etwa 7,3 % der Gesamtfläche des Landkreises Yeoju (Jeoju 2000b).
Die im Landkreis Yeoju untersuchten sechs Betriebe liegen entlang der Grenze zu Daeshin-Myeon und Nungseo-Myeon im östlichen Randbereich von Hungchon-Myeon (Abb. 3.2.2). Das Gebiet gehört zu der südlichen Gegend längs des Flusses Nam-Han. Das Landschaftsbild ist geprägt durch die Ebenen und sanftes gewelltes Hügelland.
| ↓186 |
| Abb. 3.2.2: Beispielbetriebe (B1 - B6) in Hungchon-Myeon | ||
Klima Der Landkreis Yeoju zeichnet sich durch ein gemäßigtes subhumides Klima aus. Dieses lässt sich nach der Klimazonen-Einteilung von W. Köppen als Dw-Klimate charakterisieren (Kuntze et al. 1988).
Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt 12,0 °C. Dabei ist es im August mit 23,8 °C im Durchschnitt am heißesten und im Januar mit einer Durchschnittstemperatur von - 2,5 °C am kältesten (Abb. 3.2.3). Die jährliche Niederschlagsmenge liegt bei 1.281,6 mm. Davon fällt der größte Teil (516,6 mm; ca. 40%) im August. In den Wintermonaten von November bis Februar herrscht eine ausgeprägte Trockenzeit.
| ↓187 |
| Abb. 3.2.3: Durchschnittliche Temperatur und Niederschlagsmenge im Landkreis Yeoju | ||
Böden Der dominierende Bodentyp im Landkreis Yeoju ist Lithosol (LAIB 2000b). Er ist überwiegend in der Ebene Yeoju, einschließlich des Städtchen Hungchon anzutreffen. Darüber hinaus gibt es in der nordöstlichen bergigen Gegend teilweise auch Braunerde. Entlang des Flusses Nam-Han herrschen Alluvialboden und Gleysol vor.
Ausgangsgestein der meisten Böden ist der im Jura entstandene Granit (LAIB 2000b). Im äußersten Norden der Region ist neben Granit auch Gneis das Ausgangsgestein, das sich während des Kambriums gebildet hat. Hieraus leiten sich die im Landkreis Yeoju vorkommenden Bodenarten wie Lehm- und Sandboden ab. Speziell in Hungchon-Myeon dominiert sandiger Lehmboden (Yeoju-ATEC 1999).
| ↓188 |
Lage Die Untersuchungsregion Yangpyong befindet sich im Osten der Provinz Gyonggi, zwischen 37° 21' und 37° 40' nördlicher Breite sowie 127° 18' und 127° 51' östlicher Länge (LAIB 2000c). Sie erstreckt sich von der Provinz Gangwon nordwestlich bis zur Stadt Namyangju und dem Landkreis Gapyong, wobei die größte West-Ost Abmessung 52,96 km und die größte Nord-Süd Ausdehnung 42,32 km messen (Yangpyong 2000a).
Die Landschaft des Landkreises Yangpyong ist vielgestaltig. Sie besteht zu etwa 75 % aus bergigen Wäldern (Daum 2001). Dabei ist besonders die nördliche Gegend durch eine topographische Gestaltung mit hoher Reliefbildung geprägt. Im zentralen Hochland des Städtchen Okchon liegt die höchste Erhebung mit dem Berg Yongmung (1.157 m) (Foto 3.2.2). In der östlichen Gegend, die dem Fluss Nam-Han angeschlossen ist, liegt zwar eine flache Ebene, aber die fruchtbare landwirtschaftlich nutzbare Fläche ist klein.
| Foto 3.2.2: Der Landkreis Yangpyong (links: Fluss Nam-Han, rechts: Berg Yongmun) | ||
| ↓189 |
Der Landkreis Yangpyong bildet sich aus den zwölf Städtchen: ein Uop und elf Myeon (Abb. 3.2.4). Insgesamt umfasst er eine Fläche von 878,21 km2 (Yangpyong 2000a). Davon entfallen etwa 59,58 km2 auf das Städtchen Yangseo, in dem die Beispielbetriebe B7 und B8 liegen (Abb. 3.2.5).
Das Städtchen Yangseo grenzt entlang dem Fluss Buk-Han nördlich an die Stadt Nam-Yangju sowie entlang dem Fluss Nam-Han südlich an das Städtchen Kangha. Der Fluss Nam-Han fließt durch die Städte Wonju und Chung-Ju über den Landkreis Jeoju in die südwestliche Gegend des Landkreises.
| Abb. 3.2.4: Yangseo-Myeon im Landkreis Yangpyong | ||
| ↓190 |
Das Städtchen Yangseo liegt in der Nähe der Hauptstadt Südkoreas (ca. 100 km). Aufgrund seiner landschaftlichen Schönheit ist Yangseo-Myeon seit langem als Erholungsort der Hauptstädter sehr beliebt.
| Abb. 3.2.5: Beispielbetriebe (B7 und B8) in Yangseo-Myeon | ||
Klima Im Landkreis Yangpyong herrscht das kontinentale Klima der gemäßigten Zone, das durch relativ große Schwankungen zwischen hohen Sommer- und niedrigen Wintertemperaturen gekennzeichnet ist. So gibt es abhängig von der topographischen Lage und den Witterungsbedingungen Temperaturschwankungen zwischen Sommer und Winter von ca. 51 °C (Yangpyong 2002b). Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt 12,5 °C.
| ↓191 |
Die durchschnittlichen jährlichen Niederschläge in Höhe von 1.948,7 mm fallen periodisch in den Sommermonaten von Juni bis August (Abb. 3.2.6). Im Winter, der vom Dezember bis Februar dauert, regnet es selten. Die Sonnenstundenzahl im Landkreis Yangpyong liegt durchschnittlich bei 1.953,7 Stunden (Yangpyong 2002b).
| Abb. 3.2.6: Durchschnittliche Temperatur und Niederschlagsmengen im Landkreis Yangpyong | ||
Böden Ausgangsgestein der im Landkreis Yangpyong weit verbreiteten Böden sind Gneis und Granit (LAIB 2000d). Speziell in Yangseo-Myeon ist Gneis das für die Bodenbildung typische Ausgangsgestein. Ebenfalls tritt regional begrenzt, d.h. in der nördlich bergigen Gegend Sedimentgestein auf. In der Gegend längs des Flusses Nam-Han finden sich auch Ablagerungen von Eruptivgestein.
| ↓192 |
Während in den meisten Gebieten Lithosol vorherrscht, findet man entlang der Flüsse Nam-Han und Buk-Han Alluvialböden sowie in den nördlichen Gebieten teilweise Böden vulkanischen Ursprungs. Am geologischen Aufbau des Landkreises Yangpyong sind überwiegend Lehm- und Sandböden beteiligt. In Yangseo-Myeon sind sandige Lehmböden anzutreffen, die sich aus Lithosol und Gleysol gebildet haben (Yangpyong-ATEC 1999).
Exkurs 6: Landeskundlicher Überblick Koreas
Korea liegt auf dem asiatischen Kontinent zwischen dem 33° und 43° nördlicher Breite, und grenzt im Norden an China und im äußersten Nordosten an Russland. Die koreanische Halbinsel hat so viele landschaftlich schön gelegene Berge und Flüsse, dass die Koreaner von ihrem Land oft sagen, es sei von einem reizvollen Glanz überzogen.
| Abb. 3.2.7: Die koreanische Halbinsel im asiatischen Kontinent | ||
Der höchste Berg ist der Baek-Du (2,744 m), ein erloschener Vulkan, von dem aus man in die Mandschurei blicken kann (KOIS 1994). Er ist Lebensraum für eine reiche Tierwelt. Entlang der gesamten Ostküste erstreckt sich das beeindruckende Tae-Baek-Gebirge. Das Auf und Ab der Gezeiten des Ostmeeres hat zur Bildung von steilen Klippen und kleinen felsigen Inseln geführt. Im Westen und Süden fallen die Bergketten sanft zum Meer hin ab, wobei Ebenen und zerklüftete Inseln entstanden sind. So sind der unregelmäßig verlaufenden Küste mehr als 3.000 Inseln vorgelagert (Cho 1978).
| ↓194 |
Die beiden längsten Flüsse, der Amnok (790 km) und Duman (521 km) entspringen auf dem Berg Baek-Du (KOIS 1994). Sie fließen von Westen nach Osten und bilden die nördliche Grenze der Halbinsel. Das Wasser der Flüsse Nakdong (525 km) und Han (514 km) wird hauptsächlich für die Bewässerung des Landes und für die Versorgung der Industrie verwendet.
Korea liegt im asiatischen Monsungürtel und hat vier Jahreszeiten. Es gibt heiße, feuchte Sommer und lange, trockene, kalte Winter. Frühling und Herbst sind verhältnismäßig kurz, aber angenehm frisch und sonnig. Die Temperaturen schwanken zwischen -15 °C im Winter und 34,7 °C im Sommer. Der Jahresniederschlag liegt zwischen 1.000-1.300 mm, wovon der meiste Regen in den Monaten Juni, Juli und August fällt (KMA 2000). Der Juli ist der Monat mit der höchsten Niederschlagsmenge. Der Winter beginnt Ende November und dauert bis Anfang März. Im Winter herrscht meistens Hochdruck, da die kalte Luft von Sibirien kommt; es regnet selten, und der Himmel ist meistens klar.
Die Untersuchungsregionen - die Landkreise Yeoju und Yangpyong - befinden sich im Osten der Provinz Gyongki: Der Landkreis Yangpyong liegt in der Nähe der Hauptstadt Südkoreas.
| ↓195 |
Der Landkreis Yeoju verfügt durch seine Lage an der Verbindungsstraße über eine gute Verkehrsanbindung an die anderen Städte. Aufgrund dieser geographischen Lage sind in den Untersuchungsregionen mehr Vermarktungsmöglichkeiten für landwirtschaftliche Produkte vorhanden.
Darüber hinaus haben die Landkreise Yeoju und Yangpyong viele Berge und Flüsse sowie fruchtbare Ebenen, so dass ihre Landschaft vielgestaltig ist. Diese Regionen besitzen damit eine große Attraktivität für Stadtbewohner. Die Landkreise Yeoju und Yangpyong verfügen außerdem durch die Flüsse Namhan und Bukhan über eine gute und gleichmäßige Wasserversorgung. Damit sind sie unabhängig von der Dürre. Durch den Paldang-Damm besteht andererseits kaum Überschwemmungsgefahr. Da die Landkreise Yeoju und Yangpyong zum Wasserschutzgebiet gehören, ist die Verseuchungsgefahr von Außen oder Kontamination mit Schadstoffen gring.
In Yeoju und Yangpyong sind Granit und Gneis das für die Bodenbildung typische Ausgangsgestein. Der Bodentyp Lithosol und die Bodenart sandiger Lehmboden sind in den meisten Gebieten weit verbreitet. Damit haben die meisten Böden eine gute natürliche Bodenfruchtbarkeit und sind durch eine gute Wasserführung gekennzeichnet.
| ↓196 |
Die durchschnittliche Betriebsgröße der Beispielbetriebe beträgt 3,6 ha (Tab. 3.3.1). Damit sind sie etwa 2,6-mal größer als der Durchschnittsbetrieb in der Landwirtschaft Südkoreas (= 1,37 ha) (MAF 2000d). Allerdings bestehen große Unterschiede zwischen den Beispielbetrieben. So hat Betrieb VIII nur 1,32 ha Betriebsgröße und Betrieb I ist mit 9,24 ha der größte Betrieb.
Tab. 3.3.1: Betriebsgröße der untersuchten Yuki-Betriebe in Hektar
|
Beispielbetrieb |
I |
II |
III |
IV |
V |
VI |
VII |
VIII |
Durchschnitt |
|
Betriebsgröße (ha) |
9,24 |
1,98 |
3,96 |
1,98 |
2,31 |
3,63 |
3,96 |
1,32 |
3,6 |
In Südkorea wird die Differenzierung der Betriebsgröße allgemein in Klein-, Mittel- und Großbetrieben vorgenommen. Dabei hat der Kleinbetrieb eine Größe unter 1,0 ha, der Mittelbetrieb eine Größe von 1,0 bis 3,0 ha und der Großbetrieb eine Größe über 3,0 ha. In der Fallstudie wird die Betriebsstruktur der untersuchten Yuki-Betriebe durch Mittel- bzw. Großbetriebe geprägt. Die Mittelbetriebe mit einer Größe von 1,0 bis 2,0 ha umfassen ca. 37,5 % der Beispielbetriebe und die Mittelbetriebe mit einer Größe von 2,0 bis 3,0 ha umfassen ca. 12,5 % (Tab. 3.3.2). Zu diesen Mittelbetrieben werden die Beispielbetriebe II, IV, V und VIII gezählt. Etwa 26,7 % der erhobenen Gesamtfläche werden von diesen Betrieben bewirtschaftet.
| ↓197 |
Darüber hinaus umfassen die Großbetriebe mit einer Größe über 3,0 ha sogar 50 % der Beispielbetriebe. In der Gesamtlandwirtschaft sind das nur 6,1 % der Betriebe. Die Großbetriebe in der Fallstudie bewirtschaften etwa 73,3 % der untersuchten Reisfelder. Zu den Großbetrieben gehören die Beispielbetriebe I, III, VI und VII.
Demgegenüber kommt die Gruppe der Betriebe unter 1,0 ha in der Fallstudie nicht vor. In der Gesamtlandwirtschaft haben dagegen diese Kleinbetriebe mit ca. 62,2 % den größten Anteil.
|
Betriebsgrößenklassen |
||||||
|
Kleinbetrieb |
Mittelbetrieb |
Großbetrieb |
||||
|
unter 0,5 ha |
v0,5 - 1,0 ha |
1,0 - 2,0 ha |
2,0 - 3,0 ha |
über 3 ha |
||
|
Beispielbetriebe1) |
- |
- |
37,5 |
12,5 |
50 |
|
|
umweltf. |
insgesamt |
16,7 |
5,6 |
44,4 |
19,4 |
13,9 |
|
Trocken- |
27,8 |
38,9 |
27,8 |
5,5 |
- |
|
|
konvent. Landbau3) |
34,2 |
28,0 |
24,6 |
7,1 |
6,1 |
|
| ↓198 |
Das Überwiegen von Mittel- und Großbetrieben ist offensichtlich ein Merkmal des umweltfreundlichen Landbaus. Nach einer Studie von Kwon und Yu (1999) wird der größte Teil der umweltfreundlich anerkannten Betriebe zu den Mittelbetrieben - besonders mit einer Betriebsgröße von 1,0 bis 2,0 ha (44,4 %) - gezählt (Tab. 3.3.2). Nur im Trockenfeldbau kommt das Betriebsgrößenverhältnis zwischen Klein-, Mittel- und Großbetrieben ungefähr der Größenordnung der Gesamtlandwirtschaft nahe: Etwa 66,7 % der Betriebe mit umweltfreundlichen Trockenackerkulturen haben nur eine Betriebsgröße unter 1,0 ha. Die restlichen 33,3 % sind Mittelbetriebe. Großbetriebe über 3,0 ha gibt es überhaupt nicht.
Die Tatsache, dass die durchschnittliche Betriebsgröße im umweltfreundlichen Trockenackerbau allgemein kleiner als die im umweltfreundlichen Reisanbau ist, erklärt sich vor allem daraus,
| ↓199 |
Exkurs 7: Anzahl der Betriebe und die Betriebsgröße in der südkoreanischen Landwirtschaft
Die Gesamtzahl der landwirtschaftlichen Betriebe und die Betriebsgröße in Südkorea haben sich in den letzten dreißig Jahren wesentlich verändert. Die Anzahl der Betriebe verringerte sich von 1970 bis 1998 um 43,2 % (Abb. 3.3.1). Daraus ergab sich ein Wandel in der Struktur der Betriebsgröße. D.h. die Anzahl der Großbetriebe in der Größenklasse über 3,0 ha hat zugenommen, während die Anzahl der Kleinbetriebe unter 1,0 ha abnahm (Abb. 3.3.2). Dadurch wuchs die durchschnittliche Betriebsgröße ständig. Im Jahre 1998 erhöhte sie sich gegenüber dem Jahr 1970 um 45,2 %.
| ↓200 |
Trotz dieser hohen Zunahmerate vergrößerte sich die landwirtschaftlich genutzte Fläche nur um 0,42 ha je Betrieb, denn die anfängliche Betriebsgröße war klein. Die durchschnittliche Betriebsgröße Südkoreas ist einhundertfünfzigmal kleiner als die der USA (Han und Kim 1992), dreißigmal kleiner als die der Bundesrepublik Deutschland (BMVEL 2003).
| Abb. 3.3.1: Entwicklung der Anzahl der Betriebe und der Betriebsgröße in der südkoreanischen Landwirtschaft | ||
| Abb. 3.3.2: Entwicklung der Betriebsgrößenverteilung | ||
| ↓201 |
Der kleinbäuerliche Familienbetrieb ist ein auffälliges Charakteristikum der südkoreanischen Landwirtschaft. In den Betrieben wird die anfallende Arbeit überwiegend von Familienarbeitskräften erledigt. Die Beschäftigung von Fremdarbeitskräften ist vergleichsweise selten zu beobachten. D.h., 93,9 % der landwirtschaftlichen Arbeit wird von familieneigenen Arbeitskräften bewältigt, 11,8 % von nicht-familiärem Lohnpersonal und 4,3 % durch unentgeltliche Fremdarbeitskräfte (MAF 2000e).
Die Familienarbeitskraft ist in den untersuchten Yuki-Betrieben ebenfalls von großer Bedeutung: in den acht Beispielbetrieben sind insgesamt 40 ständige Arbeitskräfte beschäftigt, davon sind etwa 65 % (= 26 AK) familieneigene Arbeitskräfte (Tab. 3.3.3). Im Vergleich zur Landwirtschaft insgesamt gibt es allerdings einen höheren Fremdarbeitskrafteinsatz. Bei diesen Fremdarbeitskräften handelt es sich um Lohnarbeit (wie Angestellte und Saisonarbeitskräfte) und unentgeltliche Arbeitsaustauschkräfte.
Tab. 3.3.3: Arbeitskräftebesatz in den untersuchten Yuki-Betrieben
|
Beispielbetrieb |
I |
II |
III |
IV |
V |
VI |
VII |
VIII |
|
Familienarbeitskräfte |
1 |
2 |
2 |
2 |
2 |
4 |
9 |
4 |
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Angestellte Fremdarbeitskräfte |
- |
- |
5 |
- |
- |
- |
9 |
- |
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Saisonarbeitskräfte |
etwas |
20 |
130 |
40 |
10 |
5 |
etwas |
80 |
| ↓202 |
Die Notwendigkeit, Fremdarbeitskräfte einzustellen, ergibt sich sowohl aus dem hohen Arbeitsaufwand wie aus der Tatsache, dass die meisten Familienmitglieder aus beruflichen Gründen das Dorf verlassen haben. Heute lebt auf den Höfen häufig das Betriebsleiterehepaar allein bzw. mit den Eltern. Unter arbeitswirtschaftlichem Aspekt spielt deshalb die Form einer Arbeitsgemeinschaft eine große Rolle. Im März 1992 haben die Beispielbetriebe I, II, III, IV, V und VI mit anderen Nachbarbetrieben die "Hungchon Arbeitsgemeinschaft für Yuki-Landbau" gegründet. Sie ermöglicht den Betrieben, durch tageweisen Arbeiteraustausch zu den Arbeitsspitzen - wie Reisverpflanzung, Pflege und Ernte - die Kosten für die Anstellung von zusätzlichen Fremdarbeitern einzusparen. Anfänglich waren in der Gemeinschaft 15 Mitgliederbetriebe tätig. Aus persönlichen und organisatorischen Gründen schieden inzwischen neun Mitglieder aus, dabei haben im Jahre 2000 die Betriebe III, IV, V und VI die "Yeoju Arbeitsgemeinschaft für Yuki-Landbau" neu organisiert, so dass heute in der "Hungchon Arbeitsgemeinschaft für Yuki-Landbau" allein die Betriebe I und II nach der Anbaurichtung "Yuki" zusammenarbeiten und vier Mitgliederbetriebe nach der Anbaurichtung "Mu-Nongyak".
Da in den untersuchten Yuki-Betrieben Daten zu Arbeitsstunden für die einzelnen Produktionsverfahren und Betriebszweige, nicht erhältlich waren, sind im Rahmen dieser Arbeit genaue Zahlen zum Arbeitszeitbedarf im Yuki-Reisanbau nicht angegeben. Der im Vergleich zum konventionellen Betrieb höhere Anteil der Fremdarbeitskräfte an dem gesamten AK-Einsatz in Beispielbetrieben zeigt jedoch, dass durch die Umstellung auf Yuki-Wirtschaftsweise die Arbeitsbelastung angestiegen sein muss. Nach Ergebnissen verschiedener Untersuchungen (Seo et al. 1992; Chung 1992; Kim, S.G. 1999; Yoon und Lee 2000) liegt der durchschnittliche Arbeitsanspruch im Yuki-Reisanbau um 20-30 % über dem im konventionellen Reisbau.
Der höhere Arbeitszeitaufwand in den untersuchten Yuki-Betrieben erklärt sich aus folgenden umstellungsbedingten Änderungen in der Produktionsstruktur:
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Im Ergebnis der Untersuchung ist festzustellen: pro Betrieb wurden durchschnittlich fünf ständige Arbeitskräfte eingesetzt, auf die Fläche bezogen ca. 1,4 AK je ha LF. Bezogen auf die Saisonarbeit lag der AK-Besatz bei ca. 35,6 je Betrieb bzw. etwa 10 AK je ha LF. Dabei wurden zwischen den Beispielbetrieben starke Schwankungen von 1 und 18 ständigen Arbeitskräften bzw. von 5 und 130 Saisonarbeitskräften festgestellt. Sie hängen offensichtlich wenig von der Betriebsgröße ab und lassen sich durch mehrere Faktoren begründen:
| ↓204 |
Exkurs 8: Arbeitskräfte in der südkoreanischen Landwirtschaft
Im Jahre 1970 betrug die landwirtschaftliche Bevölkerung Südkoreas 14,4 Mio. und hat sich um 71 % auf 4,2 Millionen im Jahre 1999 vermindert (Abb. 3.3.3). Die Ursache hierfür liegt in der durch bessere Ausbildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten ausgelösten Landflucht der jüngeren Landbevölkerung. Der Anteil der landwirtschaftlichen Bevölkerung an der Gesamtbevölkerung lag 1999 bei 9 % (MAF 2000e).
Der Anteil der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft zu der Zahl aller Beschäftigten in Südkorea ist von 1970 bis 1999 stark zurückgegangen und lag im Jahre 1999 nur noch bei 11,2 %, im Vergleich zu 49,5 % im Jahre 1970 (Abb. 3.3.4).
| ↓205 |
| Abb. 3.3.3: Entwicklung von Gesamt-, landwirtschaftlicher Bevölkerung und Agrarerwerbspersonen | ||
| Abb. 3.3.4: Anteil der Erwerbstätigen nach Industriebereichen | ||
Die durchschnittliche Betriebsgröße der Beispielbetriebe beträgt 3,6 ha. Damit liegt sie um ca. 260 % über derjenigen der konventionellen Landwirtschaft. Dabei verfügt der kleinste Betrieb über 1,32 ha, der größte über 9,24 ha. Die Betriebsstruktur der Beispielbetriebe wird durch Mittel- bzw. Großbetriebe geprägt: Die Mittelbetriebe mit 1,0 bis 3,0 ha nehmen beim untersuchten Yuki-Reisanbau 50 % der Betriebe ein, im Gegensatz zur Landwirtschaft insgesamt, wo dies mit 31,7 % relativ wenige Betriebe sind. Die Großbetriebe sind mit 50 % der Betriebe wesentlich stärker vertreten als im konventionellen Landbau, wo lediglich 6,1 % der Betriebe über 3,0 ha haben. Kleinbetriebe unter 1,0 ha gibt es im untersuchten Yuki-Reisanbau nicht, während im konventionellen Landbau sie 62,2 % der Höfe ausmachen.
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Die Tatsache, dass das Yuki-Bewirtschaftungssystem insbesondere von großen Betrieben praktiziert wird, ist deshalb bemerkenswert, weil die Regierungsprogramme, z.B. "Unterstützung der Kleinbauern bei der Produktion von Agrarerzeugnissen mit hoher Qualität" vor allem Kleinbetriebe fördern. Als Ursache für diese widersprüchliche Erscheinung wird angenommen, dass Kleinbetriebe in der Umstellung auf umweltfreundlichen bzw. Yuki-Landbau ein größeres Produktionsrisiko sehen. D.h., es werden stärkere Auswirkungen durch Ertragsunsicherheiten auf das Betriebsergebnis befürchtet. In Großbetrieben scheint dieses Risiko durch die größere ökonomische Stärke gemindert.
Im untersuchten Yuki-Reisanbau wurden sowohl mehr Familien- als auch Fremdarbeitskräfte je Betrieb beschäftigt als im konventionellen: Im Jahre 1999 wurden durchschnittlich fünf ständige Arbeitskräfte pro Betrieb eingesetzt, 35,6 Saisonarbeitskräfte je Betrieb. In der Arbeitswirtschaft der Beispielbetriebe spielten neben diesen familieneigenen Arbeitskräften und nicht-familiärem Lohnpersonal auch die unentgeltlichen Arbeitsaustauschkräfte durch Arbeitsgemeinschaften eine große Rolle.
Der höhere AK-Besatz in den Beispielbetrieben ist u.a. im höheren Arbeitsaufwand durch die organische Düngung, die Pflegearbeiten und die Selbstvermarktung sowie das Erlernen der neuen Produktionsmethoden begründet. Zwischen den Betrieben wurden allerdings starke Schwankungen von 1 und 18 ständigen Arbeitskräften bzw. von 5 und 130 Saisonarbeitskräften festgestellt. Das ist vornehmlich auf Unterschiede in der Fruchtfolgegestaltung, des Intensivierungsgrads der Verarbeitung und Vermarktung sowie den Möglichkeiten der familiären Mitarbeit wie Unterstützung durch Eltern und Verwandte zurückzuführen. Es ist anzunehmen, dass die arbeitswirtschaftliche Situation im Yuki bzw. umweltfreundlichen Landbau sich neben der Mechanisierung durch die rationelle Organisation des Betriebes verbessern können.
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Ökologischer bzw. Umweltfreundlicher Landbau hat als Ziel die Entwicklung eines nachhaltigen Agrarökosystems, in dem Produktionsfunktion, Regulationsfunktion und Lebensraumfunktion gleichermaßen berücksichtigt werden. Demgegenüber wird im konventionellen Landbau überwiegend die Produktionsfunktion berücksichtigt und die beiden anderen Funktionen vernachlässigt. Deshalb verlangen die Einrichtung des ökologischen/umweltfreundlichen Bewirtschaftungssystems und der Aufbau der Bodenfruchtbarkeit eine Zwischenperiode, die sogenannte "Umstellungszeit". Laut IFOAM-Basisrichtlinien wird die Umstellungszeit als die Zeitperiode zwischen dem Beginn der ökologischen Bewirtschaftung und der offiziellen Anerkennung der Produktion und/oder der Tierhaltung bezeichnet (IFOAM 2000).
In den untersuchten Yuki-Betrieben hat sich die Umstellung der konventionell bewirtschafteten Reisfelder auf die Yuki-Flächen, die vom Kontrollamt für die umweltfreundlichen Agrarprodukte (NAQS) anerkannt werden, durchschnittlich über acht Jahre hingezogen (Tab. 3.4.1). Diese lange Zeitspanne erklärt sich daraus, dass erst seit Dezember 1993 in Südkorea das Zertifizierungssystem von NAQS für die Agrarprodukte aus dem umweltfreundlichen Landbau, einschließlich aus Yuki-Anbau angewendet wird (vgl. Abschnitt 2.5.1). Zuvor wurden die umweltfreundlich produzierten Agrarerzeugnisse nach unterschiedlichen Verband-Richtlinien kontrolliert.
Im Rahmen des "Zertifizierungssystems der Qualität von Agrarprodukten" von NAQS wurden für die Umstellung auf die Yuki-Wirtschaftsweise in den Beispielbetrieben im Durchschnitt ca. 1,8 Jahre benötigt. Allerdings bestehen große Unterschiede zwischen den Betrieben. Die Umstellungszeit war von verschiedenen Faktoren abhängig. Ein typisches Beispiel hierfür ist die Intensität der bisherigen Bewirtschaftung: im ersten Umstellungsschritt wurden in den meisten untersuchten Yuki-Betrieben (Beispielbetriebe I, III, IV, V, VI und VIII) nur kleine Änderungen durchgeführt. So wurde die Anwendungsmenge chemisch-synthetischer Dünge- und Pflanzenschutzmittel allmählich reduziert, denn die Bauern befürchteten bei sofortigem Verzicht auf synthetische Hilfsmittel zu hohe Ertragseinbußen. Damit erfolgten die Bewirtschaftungssysteme "Mu-Nongyak" und "Jeo-Nongyak" unter unterschiedlichen Betriebsbedingungen für einen Zeitraum von 2 bis 7 Jahren. Im Vergleich zu diesen Betrieben war auf den Höfen II und VII die sofortige Umstellung auf Yuki-Reisanbau möglich, da bereits frühzeitig mineralische Düngung und Pestizidspritzung auf niedriger Intensitätsstufe durchgeführt wurden.
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Ein weiterer wichtiger Faktor, der die Länge der Umstellungszeit bestimmt, ist die Bereitschaft zum Umdenken und Umlernen der Bauern. Wegen der produktionstechnischen und wirtschaftlichen Unklarheiten waren anfänglich einige Landwirte skeptisch gegenüber dem Yuki-Bewirtschaftungssystem eingestellt. Darüber hinaus haben die meisten Bauern die drei unterschiedlichen Kategorien des Zertifizierungssystems von NAQS und ihre Einschränkungen bzw. Voraussetzungen nicht genügend erkannt, als dass sie die Grundsätze dieses Kontrollsystems praktizieren können. Aus diesem Grund waren für die Bauern die Gespräche und Beratungen mit den Verbänden des umweltfreundlichen Landbaus sehr wichtig. Beispielsweise ist der Betrieb VII bereits seit 1977 Mitglied des Verbands Jeongnong. Dadurch konnte er sich neben den praktischen Kenntnissen wichtige Anregungen holen und neue Impulse bekommen.
Tab. 3.4.1: Umstellungsablauf und –zeit
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Anbau "Jeo-Nongyak" |
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Anbau "Mu-Nongyak" |
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Anbau "Yuki" |
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Anbau Yuki mit Anerkennung |
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Die von den untersuchten Yuki-Betrieben bewirtschaftete Fläche betrug im Jahre 1999 insgesamt 28,4 ha. Davon wurden für den Yuki-Anbau ca. 14,7 ha LF genutzt. Das macht 52 % der Gesamtfläche aus. Demgegenüber wurden etwa 9 % der gesamten Betriebsfläche konventionell bewirtschaftet und ca. 39 % nach den Mu- und Jeo-Nongyak-Wirtschaftsweisen (Abb. 3.4.1). D.h., in den meisten Betrieben erfolgte eine Teilumstellung bzw. wurde die Umstellung schrittweise durchgeführt.
| Abb. 3.4.1: Betriebsflächenverhältnis nach Bewirtschaftungssystemen | ||
Die Beispielbetriebe VII und VIII haben schon die Umstellung der gesamten pflanzlichen Produktion vollzogen (Abb. 3.4.2 und 3.4.3): Der Beispielbetrieb VII wurde 1977 vom jetzigen Betriebsleiter und seinen drei Brüdern aufgebaut, um auf Yuki-Anbau umzustellen. Zuvor wurde der Betrieb von ihren Eltern konventionell geführt. Die Umstellung auf die Yuki-Wirtschaftsweise erfolgte im gesamten Betrieb in einem Schritt. Sie gelang relativ unproblematisch. Der Beispielbetrieb VIII hat mit der Umstellung auf Yuki-Anbau für die ersten zwei Jahre nach der Mu-Nongyak-Wirtschaftsweise die gesamten Betriebsflächen der pflanzlichen Erzeugung bewirtschaftet. Im folgenden Jahr wurde dann völlig auf alle chemisch-synthetischen Betriebsmittel verzichtet.
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Im Vergleich zu diesen beiden Betrieben wurde auf den anderen Höfen (Beispielbetriebe I, II, III, IV, V und VI) nur ein Teil der Reisanbaufläche nach Yuki-Wirtschaftsweise bewirtschaftet (Abb. 3.4.2). Weiterhin fand sich im Trockenackerbau kaum das Yuki-Bewirtschaftungssystem (Abb. 3.4.3). Es ist aber in einigen Betrieben schon geplant, in der
| Abb. 3.4.2: Verhältnis der nach Yuki-Wirtschaftsweise bewirtschafteten Fläche zur gesamten Reisanbaufläche | ||
| Abb. 3.4.3: Verhältnis der nach Yuki-Wirtschaftsweise bewirtschafteten Fläche zur gesamten Trockenackerfläche | ||
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Zukunft nicht nur im Reisanbau, sondern auch im Trockenackerbau schrittweise die Fläche der Yuki-Bewirtschaftung auszudehnen. Damit ist festzustellen, dass in vielen Beispielbetrieben die Umstellung bis heute noch nicht abgeschlossen ist.
Die in untersuchten Yuki-Betrieben seltene Vollumstellung in einem Schritt hat verschiedene Gründe:
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Die Umstellung auf den ökologischen Landbau verlangt eine Zeitspanne, um die Bodenfruchtbarkeit zu verbessern, und um das Gleichgewicht im Agrarökosystem wieder aufzubauen. Diese Umstellungszeit wurde im Leitfaden des Kontrollsystems von NAQS für umweltfreundliche Agrarprodukte, d.h. "Zertifizierungssystem der Qualität von Agrarprodukten" mit drei Jahren angegeben (NAQS 1999d). In den untersuchten Yuki-Betrieben hat die Umstellung der konventionell bewirtschafteten Reisfelder auf die Yuki-Flächen im Durchschnitt 8 Jahre gedauert. Damit war die Umstellungszeit länger als die Regel bestimmte. Das hängt hauptsächlich damit zusammen,
Daneben wurde die Dauer einer Umstellung durch die Bereitschaft zum Umdenken und Umlernen der Bauern beeinflusst.
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Die dreijährige Umstellungszeit, die im Rahmen des "Zertifizierungssystems der Qualität von Agrarprodukten (Dezember 1993 - Juni 2001)" von NAQS festgelegt wurde, unterschied sich von den internationalen Regeln: Nach IFOAM-Basisrichtlinien können pflanzliche Produkte von annuellen Kulturen wie Reis als aus anerkanntem ökologischem Landbau stammend gekennzeichnet werden, wenn die gesamten Richtlinienanforderungen während mindestens zwölf Monate vor dem Beginn der Wachstumsperiode erfüllt worden sind (IFOAM 2000); nach Codex-Alimentarius min. 24 Monaten (FAO 2001). Seit Juli 2001 wird ebenfalls die Umstellungszeit von NAQS für annuelle Kulturen im Rahmen des "Zertifizierungssystems zur Kennzeichnung von Agrarprodukten aus umweltfreundlicher Landwirtschaft" auf 2 Jahre verkürzt (NAQS 2002), weil während der Umstellungsphase höhere Preise mit Bioaufschlag kaum zu erwarten sind, so dass die Umstellung möglichst schnell abgeschlossen werden sollte. Im Zusammenhang damit ist in Deutschland neben minimaler zeitlicher Einschränkung (24 Monate) das Maximum der Länge der Umstellung festgesetzt. Nach den Rahmenrichtlinien von AGÖL (Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau) muss spätestens 5 Jahre nach Beginn der Umstellung der ganze Betrieb umgestellt und die Anerkennung ausgesprochen sein (AGÖL 1996).
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IFOAM-Basisrichtlinien:
Codex-Alimentarius:
Leitfaden des Zertifizierungssystems der Qualität von Agrarprodukten:
Leitfaden des Zertifizierungssystems zur Kennzeichnung von Agrarprodukten aus umweltfreundlicher Landwirtschaft:
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Im Rahmen des Zertifizierungssystems der Qualität von Agrarprodukten von NAQS wurden in den Beispielbetrieben für die Umstellung des Reisanbaus auf das Yuki-Bewirtschaftungssystem im Durchschnitt ca. 1,8 Jahre benötigt. Die relativ kürzere Umstellungsdauer ist darauf zurückzuführen, dass durch die Vorinformationen mit dem Bewirtschaftungssystem Jeo- bzw. Mu-Nongyak der Einstieg in die Yuki-Wirtschaftsweise erleichtert wurde. Um die unterschiedlichen Betriebsbedingungen zu berücksichtigen, und um das Vertrauen für das Zertifizierungsprogramm zu gewährleisten, sollte NAQS die genauen Voraussetzungen und Regeln für Ausnahmen bei der Umstellung zusätzlich festlegen und grundsätzliche Einzelfallprüfung durchführen. Nach den Verordnungen von IFOAM und FAO für umweltfreundlichen Landbau kann die Umstellungszeit von der Zertifizierungsorganisation abhängig von der vorherigen Nutzung verkürzt und verlängert werden. In Codex-Alimentarius von FAO ist allerdings die Verkürzung der Umstellungsdauer auf 12 Monate beschränkt.
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IFOAM-Basisrichtlinien:
Codex-Alimentarius:
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In den untersuchten Yuki-Betrieben ist die Teilumstellung verbreitet. So umfasst die nach Yuki-Wirtschaftsweise bewirtschaftete Fläche 52 % der gesamten Betriebsfläche, die durch Mu- und Jeo-Nongyak-Bewirtschaftungssysteme bewirtschaftete Fläche 39 % und die konventionelle Fläche 9 %. Das zeigt, dass die meisten Betriebe schrittweise umgestellt werden. Die Vollumstellung in einem Schritt ist selten. Gründe sind vor allem auf fehlendes Wissen über umweltfreundlich angepasste und effektive Anbautechnik, mangelnde Arbeitskräfte und Investitionskapital sowie auf Unsicherheiten der wirtschaftlichen Betriebsentwicklung und weiterer Absatzmöglichkeiten.
Nach den IFOAM-Basisrichtlinien und Codex-Alimentarius empfiehlt es sich allerdings, nach Möglichkeit die Umstellung grundsätzlich im ganzen Betrieb zu vollziehen. Wenn nicht der gesamte Betrieb umgestellt wird, muss der verantwortliche Landwirt sicherstellen, dass feste Markierungen zwischen den konventionell und ökologisch bewirtschafteten Teilen der Landwirtschaft bestehen, und dass die ökologisch bewirtschafteten Teile kontrollierbar sind.
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IFOAM-Basisrichtlinien:
Codex-Alimentarius:
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Die strikte Trennung zwischen den umweltfreundlich und konventionell bewirtschafteten Flächen war aber in den untersuchten Betrieben nicht selten erschwert, weil die umweltfreundlichen Agrarprodukte nicht nur von konventionellen Erzeugnissen, sondern auch nach den unterschiedlichen Bewirtschaftungssystemen für umweltfreundlichen Landbau getrennt erzeugt und gelagert werden mussten. Darüber hinaus führte die getrennte Kontrolle nach unterschiedlichen Anbaurichtungen zu einer entsprechenden Mehrarbeit und damit verbundenen hohen Kosten. Deshalb werden folgende Verbesserungen des bestehenden Zertifizierungssystems von NAQS und des staatlichen Förderprogramms für umweltfreundlichen Landbau vorgeschlagen:
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Ein wichtiges Kriterium des ökologischen Landbaus ist die Verwendung von Fruchtfolgen. Durch die Fruchtfolge wird ein Rahmen geschaffen, der die natürlichen Gratisfaktoren ausnutzt und sichert, dass die Bodenfruchtbarkeit erhalten bleibt und vor allem keine Probleme mit Schaderregern oder Pflanzenkrankheiten auftreten (Bachthaler 1979). Der Einbau von Leguminosen in die Fruchtfolge stellt zudem sicher, dass ein Netto-Stickstoff-Eintrag durch die symbiotische Luftstickstoffbindung in das System erfolgt (Heinzmann 1981; Köpke 1989).
In Südkorea wird Reis überwiegend als Monokultur angebaut. Reis gehört zu den selbstfolgestabilen Kulturen (Franke 1994). Deshalb sind bisher keine wesentlichen Ertragsrückgänge, die normalerweise beim Daueranbau einer einzigen Art durch zu großen Befall mit fruchtfolgespezifischen Schaderregern hervortreten, vorgekommen. Die große Bedeutung dieser Anbauweise in Südkorea beruht vor allem darauf, dass die koreanische Halbinsel klimatisch zum Monsungebiet gehört, in dem es im Sommer intensiv regnet und die Temperaturen sehr hoch sind (vgl. Exkurs 6). Infolge dieser klimatischen Beschaffenheit ist es schwierig, andere Kulturarten als den an übermäßige Bodenfeuchte bzw. Überstauung angepassten und wärmeliebenden Reis anzubauen.
Auch in den untersuchten Yuki-Betrieben wird der Daueranbau von Reis bevorzugt. So wurde in den Beispielbetrieben I, II, III, IV, V, VI und VIII Reis in Selbstfolge angebaut. Neben den klimatischen Bedingungen wurde dabei aus folgenden Gründen die Einschaltung von anderen Kulturen in Fruchtfolge verhindert:
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Im Vergleich der Betriebe erfolgt im Beispielbetrieb VIII seit 1993 der Anbau von Erdbeeren als Nachfrucht von Reis. Dabei ist die Reispflanzung Ende Mai, die Ernte Anfang Oktober. Die Pflanzung von Erdbeeren erfolgt Mitte Oktober, die Ernte Mitte Mai. Allerdings wurden in den letzten Jahren einige Krankheiten wie Colletotrichum gloeosporioides G. cingulata und Sphaerotheca aphanis var aphanis, die auf eine zu dichte Folge des Erdbeeranbaus zurückzuführen ist, festgestellt. Deshalb hat der Betriebsleiter bei der Planung der Fruchtfolge für 2001 einen Fruchtwechsel mit Roggen vorgesehen.
Allgemein können beim Reis je nach Bodenbedingungen, Temperatur und Niederschlagsverteilung innerhalb eines Jahres zwei oder drei Ernten erzeugt werden. In Südkorea wird allerdings nur eine Reisernte pro Jahr erzielt, da für zwei Ernten wenigstens 180 Tage mit einer durchschnittlichen Tagestemperatur von über 16 °C erforderlich sind (Lee 1990; Lee und Oh 1996). Dieser Temperaturanspruch während der Vegetationszeit wird nur in den äußerst südlichen Regionen Koreas erreicht. D.h. in den Beispielbetrieben ist ebenfalls nur eine Ernte innerhalb eines Jahres möglich.
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Eine Variation im Yuki-Anbau ist die Kombination mit Entenhaltung als ein spezielles Bewirtschaftungssystem. Auch in den untersuchten Betrieben wurde Yuki-Reisanbau kombiniert mit Entenhaltung betrieben. Dadurch werden mehrere positive Auswirkungen erzielt, die üblicherweise durch die Fruchtfolge erreicht werden. Beim Daueranbau entfallen die Gratiseffekte der Fruchtfolge, wie z.B. Schädlings- und Unkrautregulierung, Nährstoffmanagement und Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit. Diese Funktionen der Fruchtfolge können durch Enten erfüllt werden: Enten ernähren sich von Schadinsekten und Unkräutern im Reisfeld. Die Exkremente der Tiere werden wiederum auf die Flächen eingearbeitet und dienen der Ernährung des Bodenlebens und damit auch der Pflanze.
Im Folgenden wird das Bewirtschaftungssystem "Yuki-Reisanbau kombiniert mit Entenhaltung" beschrieben:
Etwa 10 bis 20 Tage nach der Reispflanzung wurden Enten als Jungtiere im Alter von ca. 2 bis 3 Wochen in das Reisfeld gebracht. Sie wurden selten auf den eigenen Höfen gehalten, sondern jährlich von landwirtschaftlichen Kooperativgenossenschaften zugekauft. Die zugekauften Tiere wurden meistens auf dem konventionellen Betrieb geboren und aufgezogen. Seit dem Jahr 2000 wurden Enten im Rahmen des Förderprogramms "Unterstüt-
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zung der Kleinbauern bei der Produktion von Agrarerzeugnissen mit hoher Qualität (Siehe Tab. 2.7.2)" vom Staat unentgeltlich abgegeben. Bei der Artenwahl wurden Bastarde von Haus- und Wildenten bevorzugt, weil solche Arten einen kleinen Wuchs haben, so dass sich die Tiere ohne Hindernisse zwischen den Reispflanzen bewegen können (Foto 3.5.1). Durchschnittlich wurden etwa 200 bis 300 Enten pro Hektar eingesetzt.
| Foto 3.5.1: Bastard von Haus- und Wildente | ||
Es erfolgte im Wesentlichen keine zusätzliche Fütterung, weil die Tiere sich von Schädlingen und Unkräutern ernähren sollen. Wenn die Enten größer sind, wurden sie jedoch in geringem Maße (ca. 20 g/Tag und Ente) extra gefüttert. Dieses Futter bestand allgemein aus Abfallprodukten, wie Ausputzgetreide und Sortierabfällen von Gemüse, die aus eigenen Höfen bzw. Betrieben, die umweltfreundliche Agrarprodukte verarbeiten, stammen (Foto 3.5.2). In einigen Fällen wurde allerdings auch handelsübliches Kraftfutter eingesetzt.
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| Foto 3.5.2: Hofeigenes Futter zur Entenhaltung | ||
Der größte Aufwand beim kombinierten Reisanbau mit Entenhaltung entstand beim Schutz der Enten vor tierischen Feinden wie Hund, Katze, Wiesel und Dachs. Hierfür wurde ein Schutzzaun um das Feld errichtet (Foto 3.5.3 links). Außerdem wurden am Feldrand kleine Ställe eingerichtet, um die Tiere vor ungünstigen Witterungsbedingungen zu schützen (Foto 3.5.3 rechts). Weiterer Technikeinsatz oder ein erhöhter Arbeitsaufwand war jedoch mit diesem Bewirtschaftungssystem nicht verbunden, da beim kombinierten Produktionsverfahren allein die natürlichen Verhaltensgewohnheiten und Bedürfnisse der Enten ausgenutzt werden.
| Foto 3.5.3: Schutzzaun (links) und ein überdachter Offen-Stall (rechts) beim Yuki-Reisbau kombiniert mit Entenhaltung | ||
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Unmittelbar vor dem Rispenschieben wurden die Enten wieder aus dem Feld herausgenommen, damit die Ähren nicht beschädigt werden. Sie wurden geschlachtet und meist innerhalb des Betriebes selbst verzehrt. Dadurch, dass in allen entsprechenden Betrieben die Enten zur gleichen Zeit aus den Feldern entfernt werden müssen, bestand ein Überschuss zur Vermarktung, und damit war es schwierig, Absatzchancen zu schaffen.
Exkurs 9: Entstehung und Entwicklung des "Anbauverfahrens kombiniert mit Entenhaltung"
Pflanzenbau kombiniert mit Entenhaltung hat in vielen asiatischen Ländern, wie China, Indonesien, Thailand, Philippinen Tradition (Huruno 1992). Beispielsweise wird in China bereits seit tausend Jahren Ackerbau mit Entenhaltung gekoppelt. Die moderne Variante, die beim Yuki-Reisbau Anwendung findet, wurde Ende der 80er Jahre von dem japanischen Landwirt Dakao Huruno entwickelt und in den anderen Ländern, z.B. Südkorea, Taiwan, Vietnam etc. eingeführt. Heute findet man in neun Ländern dieses Bewirtschaftungssystem (Ju 2002). Seit 1996 findet in Asien jährlich die Tagung zum Reisanbau mit Entenhaltung statt. Sie wurde im Jahre 1997 in Hongseoung/Südkorea veranstaltet (Chosun-Ilbo 1997).
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In Südkorea wurde 1992 das Bewirtschaftungssystem durch den Schuldirektor der Berufsschule für Agrarwirtschaft Pulmu, S.M. Hong öffentlich bekannt (Hurono 1992). Seitdem hat es sich im ganzen Land rasch ausgebreitet. Im Jahre 2001 erzeugten 4.149 Betriebe auf einer Fläche von 2.948 ha nach diesem Produktionsverfahren umweltfreundlichen Reis (Yonhapnews 2002). Das waren ca. 37 % der Betriebe, die in Südkorea umweltfreundlichen Reis produzieren.
Die Bodenbearbeitung zum Wasserreisanbau in Südkorea wird im Allgemeinen wie folgt durchgeführt: Durch Pflügen wird zunächst der Boden gut zerkleinert und durchmischt. Dadurch werden die physikalischen Eigenschaften des Bodens als Pflanzenstandort verbessert. Anschließend werden Dämme geformt, weil bei der Nasskultur von Reis der Wasseranspruch durch künstliche Bewässerung von der Aussaat bis kurz vor der Ernte ständig gedeckt werden muss. Diese Dämme dienen dem Wasseranstau. Um eine flache Bodenfläche und einen gleichmäßig hohen Wasserstand zu gewährleisten, muss man schließlich den Boden eggen und einebnen (Foto 3.5.4). Dabei sollte reichlich Wasser auf die Felder geleitet werden, um eine feine Bodenoberfläche mit Schlammstruktur und einen verfestigten Unterboden zu bilden. Diese Bodenstruktur erleichtert die Verpflanzung und verbessert die Mineralstoffversorgung der Reispflanze. Durch den Verdichtungshorizont im Unterboden sind außerdem Wasser- und Nährstoffverluste durch Versickern auszuschalten.
| Foto 3.5.4: Eggen und Einebnen zum Wasserreisanbau | ||
| ↓223 |
Die Bodenbearbeitung der Reisfelder ist in Südkorea fast vollständig mechanisiert, also auf ca. 99,7 % (MAF 2001c). Weit verbreitet ist sowohl der Einsatz des Pfluges zur wendenden Bodenbearbeitung, als auch der Grubbereinsatz in Kombination mit verschiedenartigen Egggeräten. In den untersuchten Yuki-Betrieben wurden zum Pflügen und Eggen überwiegend Traktoren
| Foto 3.5.5: Pflugarbeit mit Traktor mit dem Rotationsgerät | ||
mit Rotationsgeräten eingesetzt (Foto 3.5.5). Im konventionellen Reisanbau wird gewöhnlich entweder im Herbst oder im Frühjahr der Boden einmal gepflügt. Kurz vor der Pflanzung wird der Boden einmal geeggt und eingeebnet (RDA 1986; Lee und Oh 1996). Im Vergleich dazu wurden in den untersuchten Yuki-Betrieben die Reisfelder zweimal gepflügt, d.h. direkt nach der Reisernte und im Frühjahr vor der Pflanzung. Beim ersten Pflügen wurde das auf dem Feld hinterlassene Stroh in den Boden eingearbeitet. Nach Aussagen der Betriebsleiter ist neben der zweimaligen Pflugarbeit mehrmaliges Eggen die wichtigsten Maßnahme zur Unkrautkontrolle. Es wurde angestrebt, so oft zu eggen, wie Arbeitskräfte und Zeit zur Verfügung stehen. In den Beispielbetrieben I, II, III, IV, V und VI wurde im Jahre 1999 dreimaliges Eggen von Ende April bis Mitte Mai durchgeführt; in den Beispielbetrieben VII und VIII zweimaliges Eggen von Anfang bis Mitte Mai.
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In Südkorea wird beim konventionellen Reisbau allgemein in einer Tiefe von 10-15 cm gepflügt (Lee 1990). Im untersuchten Yuki-Reisanbau war vergleichsweise eine größere Pflugtiefe erwünscht, um Unkraut zu regulieren, und um organische Dünger einzuarbeiten. So betrug die durchschnittliche Pflugtiefe in den Beispielbetrieben ca. 22 cm (Tab. 3.5.1).
Tab. 3.5.1: Pflugtiefe im untersuchten Yuki-Reisanbau
|
Beispielbetriebe |
I |
II |
III |
IV |
V |
VI |
VII |
VIII |
Durchschnitt |
|
Pflugtiefe (cm) |
30 |
25 |
20 |
30 |
20 |
15 |
20 |
15 |
22 |
Zur Förderung der Bodenfruchtbarkeit wurden in allen Beispielbetrieben vor dem Pflügen im Frühjahr Bodenverbesserer eingesetzt. In den Betrieben I, II, III, IV, V und VI wurden 2,5 Tonnen Silikate und 25 Tonnen Kompost pro Hektar auf die Reisfläche ausgebracht. Dabei wurde die Hälfte des Kompostes auf den eigenen Höfen aufbereitet; die andere Hälfte war zugekaufter Kompost, welcher von regionalen landwirtschaftlichen Kooperativgenossenschaften und dem Rathaus Seoul im Rahmen des "Förderprogramms für umweltfreundlich wirtschaftende Betriebe in Paldang-Wasserschutzgebieten für Trinkwasserversorgung (1995)" angeboten wird. In den Betrieben VII und VIII wurden als Mittel zur Bodenverbesserung 5 Tonnen Silikate und 30 Tonnen hofeigene Kompost pro Hektar eingesetzt. Der in den untersuchten Yuki-Betrieben verwendete hofeigene Kompost bestand im Allgemeinen aus:
| ↓225 |
Neben diesen beschriebenen jährlichen Bodenbearbeitungsmaßnahmen, haben die Beispielbetriebe VII und VIII alle drei Jahre im Frühjahr zur Bodenverbesserung neues Bodenmaterial in die Reisfläche zusätzlich hinzugeführt. Dieses Material bestand aus Bergerde, die von einem nahe gelegenen Berg geholt wurde. Die Erde enthielt verschiedene Mineralstoffe, wie z.B. Eisenvitriol und Kolloidsilikate. Auf einem Hektar LF wurden ca. 300-500 Tonnen Bergerde aufgebracht.
Bei den Saatverfahren im Reisanbau kann man zwischen Direktsaat in das Feld und Aussaat zunächst in Anzuchtbeete mit späterer Pflanzung auf das Reisfeld unterscheiden. Dabei ermöglicht die Direktsaat eine bessere Kontrolle des Anwachsens und erfordert weniger Arbeit. Gegenwärtig ist in Südkorea allerdings die Aussaat in Anzuchtbeete mit anschließender Pflanzung stärker verbreitet. Die Gründe sind Folgende:
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Dieses Saatverfahren mit anschließender Pflanzung wird auch in den untersuchten Yuki-Betrieben praktiziert.
Aussaat
| ↓227 |
In den befragten Betrieben wurden verschiedene Reissorten, wie Chuchong, Sinsun-Chalbyo, Gosihikari, Cumessal, Whang-Chalbyo, Jeongnong 11 angebaut. Diese Reissorten sind moderne Hochzuchtsorten, die an die Agrartechnik angepasst sind. Sie werden auch im konventionellen Landbau angebaut.
Aufgrund ihrer inneren bzw. äußeren Eigenschaften dominierte bei der Sortenwahl in den Beispielbetrieben die Sorte "Chuchong" (Tab. 3.5.2). Diese ist eine mittelspäte Sorte (SCN 2002). Damit ist sie gut an die klimatischen Bedingungen der Untersuchungsregionen angepasst. Ihre kurze Wuchshöhe verhindert Lagerung. Obwohl bezüglich der kleinen Ährengröße die Anzahl von Körnern/Ähren gering ist, ist die Anzahl der Ähren/Pflanze groß. Deshalb sind gute Erträge möglich. Interessant ist, dass bei einem hohen Düngereinsatz die Erträge eher abnehmen. Dieser geringe Nährstoffanspruch erweist sich als vorteilhaft für Yuki bzw. umweltfreundlichen Landbau. Neben der Ertragssicherheit und Höhe des Ertrages spielen bei der Sortenwahl die Qualitätseigenschaften eine entscheidende Rolle. Die Sorte Chuchong wird in den "empfohlenen Sortenlisten vom staatlichen Sortenamt NSMO (N a tional Seed Management Office)" mit der höchsten Qualitätsgruppe eingestuft (Uisung-ATEC 2002).
Tab. 3.5.2: Eigenschaften der Sorte "Chuchong" im Vergleich zur Sorte "Jinhung"
|
Sorten |
Länge |
Ähren- |
Anzahl von |
Tausend- |
Gewicht/ |
Ertrag (kg/ha) |
|
|
normale |
hohe |
||||||
|
Chuchong |
74,7 |
17,1 |
17,4 |
20,9 |
864 |
4.120 |
3.940 |
|
Junhung |
79,4 |
21,0 |
12,4 |
25,7 |
851 |
4.060 |
4.340 |
| ↓228 |
In Südkorea gibt es noch kein Yuki- bzw. umweltfreundlich zertifiziertes Handelssaatgut. Deshalb wurde auch in den Beispielbetrieben konventionelles Saatgut verwendet. Dieses wurde allgemein vom Gemeindeamt zugekauft. Da solches Saatgut üblicherweise mit chemisch-synthetischen Beizmitteln behandelt wird, wurde es erst nach zwei- bzw. dreijährigem Nachbau in der Yuki-Wirtschaftsweise genutzt. Der Nachbau wurde meist auf dem eigenen Hof durchgeführt. Dieses Prinzip verfolgten die Betriebe I, II, III, IV, V und VI. Die Betriebe VII und VIII verwendeten Saatgut, das in anderen Yuki-Betrieben nachgebaut wurde.
Die Saatgutbehandlung im Reisanbau besteht hauptsächlich aus dem Einweichen, der Saatgutbeizung und dem Vorkeimen. Diese Saatgutbehandlung erfolgte beispielsweise im Betrieb I derart, dass das Saatgut 20 Tage lang im kalten Wasser (ca. 5 °C) eingeweicht wurde. Danach wurde es vor der Aussaat im April zunächst im warmen Wasser (ca. 60 °C) für 5 Minuten eingeweicht, dann im Wasser (ca. 30 °C) mit einer Mischung aus Reisessig in 50-facher Verdünnung und 300-fachen Ferment für 12 Stunden und zum Schluss im Wasser (bei Zimmertemperatur) für 6 Stunden belassen. Diese Vorgänge wurden mehrmals wiederholt, bis das Saatgut gekeimt ist und die Sprossen eine Größe von ca. 1 mm haben. Durch diese Saatgutbehandlungen konnten samenbürtige Schaderreger bzw. -stoffe sehr effizient entfernt werden. Außerdem ging durch diese Vorbehandlung das vorgekeimte Saatgut gleichmäßiger und schneller auf.
Die Pflanzung erfolgt in Südkorea heute überwiegend maschinell, d.h. auf ca. 98,4 % der gesamten Reisanbaufläche (MAF 2001c). Für diese mechanisierte Pflanzung wird der Reissamen im kleinen speziellen Kastensaatbeet, in einer Normgröße von 60 x 30 x 3 cm, ausgesät und angezogen (Foto 3.5.6). Als Saatbeeterde wurden in den Beispielbetrieben überwiegend unkrautsamenfreie Bergböden verwendet. In einigen Fällen wurde dazu der Quarzporphyr als Bodenverbesserer hinzugegeben.
| ↓229 |
| Foto 3.5.6: Kastensaatbeet zur maschinellen Reispflanzung (links) und Reispflanzer (rechts) | ||
Der optimale Saatzeitpunkt hängt stark von den regionalen klimatischen Bedingungen ab. In den Untersuchungsregionen Yeoju und Yangpyong liegt der übliche Aussaattermin für Reis um Ende April (SCN 2002). Auch in den untersuchten Yuki-Betrieben wurde meistens zu diesem konventionellen Saatzeiten der Reis gesät. Allerdings gab es große Abweichungen zwischen den Betrieben, und zwar lag der früheste Termin am 30. März und der späteste Termin am 25. April. Dies ist vornehmlich auf unterschiedliche betriebsorganisatorische Gründe, z.B. Bodennutzungsform zurückzuführen.
In den Beispielbetrieben wurde ebenfalls bei den Aussaatmengen von den konventionellen Aussaatstärken ausgegangen, d.h. je Saatbeetkasten wurden ca. 200 g Saatgut aufgewendet. Damit genügten für einen Hektar etwa 150 bis 200 Kästen.
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Pflanzung
Etwa 15 bis 45 Tage nach der Saat - je nach Klima, Boden und Sorten - weisen die Reispflanzen eine Höhe von 10 bis 25 cm und 1,5 bis 4 Blätter auf. Die Pflanzung erfolgt allgemein in diesem Wachstumsstadium (Lee, J.H. und Lee, Y.Y. 1988). In den Untersuchungsregionen wird bei der Sorte Chuchong das Stadium erst ca. 6 Wochen nach der Saat erreicht. Damit wird der für diese Sorte optimale Pflanztermin für Anfang Juni festgelegt (NSMO 2002).
Wegen der Unkrautregulierung durch frühe Wurzelung im Reisfeld wurden in den untersuchten Yuki-Betrieben meist jüngere Setzlinge verwendet, so dass die Pflanzung im Durchschnitt Mitte bis Ende Mai stattfand. Die frühe Pflanzung ermöglicht außerdem eine längere Vegetationszeit und begünstigt die Bestockung und die Kompaktheit von Ähren (Park 1992). Das sind die wichtigsten Voraussetzungen für höhere Erträge. Die jungen Pflanzen sind allerdings oft nicht so kräftig, dass sie mit Unkräutern konkurrieren können. Daher bevorzugten einige Beispielbetriebe als wichtigste vorbeugende Maßnahme zur Unkrautregulierung eher eine sorgfältige Bodenbearbeitung durch mehrmaliges Eggen. Diese verzögerte jedoch teilweise den Pflanztermin. In einigen Betrieben wurde deshalb relativ spät die Pflanzung vorgenommen, obwohl zu große Setzlinge nach der Pflanzung eine längere Wachstumsstockung erleiden.
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Im Vergleich zum konventionellen Reisanbau, für den normalerweise 23 bis 26 Pflanzen/m2 angegeben sind (Lee, J.H. und Lee, Y.Y. 1988), wurden im untersuchten Yuki-Reisanbau die Pflanzen relativ dünner - in einer Pflanzdichte von 18 bis 22 Pflanzen/m2 - gepflanzt. Hauptgründe dafür waren die limitierte Nährstoffversorgung und der hohe Befalldruck von Pilz- und Viruskrankheiten sowie Schädlingen. Außerdem wurde wegen der Kombination mit Entenhaltung im untersuchten Yuki-Reisanbau ein größerer Pflanzabstand eingehalten. Dieser lag bei 25 x 30 cm oder 28 x 30 cm, während im konventionellen Reisanbau der Pflanzabstand allgemein 25 x 25 cm beträgt (NIAST 2001). Um die Bestockung zu begünstigen, wurde im untersuchten Yuki-Reisanbau eine flache Pflanztiefe von höchstens 2 cm wie im konventionellen angestrebt.
Um eine ausgeglichene Wasserversorgung während der gesamten Vegetationszeit zu gewährleisten, ist bei der Nassreiskultur ein sorgfältiges Wassermanagement wichtig. Dieses hat einen großen Einfluss auf das Anwachsen und die Bestockung der Reispflanzen, auf die Vermeidung von Schäden durch Kälte oder Hitze und auf die Unterdrückung zahlreicher Unkrautarten. Allein durch das richtige Wassermanagement werden hohe Erträge erzielet.
Die benötigte Wassermenge beim Nassreisanbau wird erheblich von den Standortbedingungen, wie Niederschlag, Temperatur und Bodenarten beeinflusst. In Südkorea beträgt sie etwa 1.060 mm (Lee und Oh 1996). Dabei ist der Wasserbedarf der Reispflanzen in den einzelnen Entwicklungsstadien sehr unterschiedlich (Abb. 3.5.1):
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In den ersten Wochen nach der Pflanzung ist ein vorübergehendes Anheben des Wasserspiegels auf etwa 6 bis 10 cm wünschenswert, damit die Pflanzen schnell fest verwurzeln. Um eine gute Bestockung zu erreichen, ist anschließend eine flache Wasserhöhe von 1 bis 2 cm anzustreben (Lee 1990). Der große Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht beschleunigt an der Halmbasis die Bestockung.
Am Ende der Bestockungsperiode kann bei ständiger Überstauung mit steigender Bodentemperatur das Reisfeld schnell einen Reduktionszustand erreichen, der mit zunehmendem Gehalt an organischen Säuren und Verhinderung der Nährstoffaufnahme sowie mit Wurzelfäulnis der Pflanzen verbunden ist. Daher sollen in dieser Entwicklungsperiode die Reisfelder für eine Woche trockengelegt werden, um die Probleme der Bodenreduktion gering zu halten, und auch um eine Bildung von nicht fruchtenden Schösslingen zu verhindern.
In der Wachstumsperiode vom Rispenansatz bis zum Rispenschieben können die Reispflanzen bei hoher Temperatur und aufgrund ihrer großen Blattflächen ein Maximum an Transpirationsverlusten erreichen. In dieser Phase führt Wassermangel zu verringerter Rispenbildung und Störungen der Befruchtung und damit zu erheblichen Ertragseinbußen. Dieser Zeitabschnitt erfordert deshalb eine hohe Wassermenge. Bezüglich des Wassermanagements heißt das, dass besonders die unterbrochene Bewässerung einen deutlich positiven Ertragseinfluss hat, da dadurch der Gehalt an Sauerstoff im Boden erhöht wird.
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Um die Erntearbeit zu erleichtern, wird etwa zwei bis drei Wochen vor der Ernte das Wasser endgültig abgelassen. Diese Maßnahme sollte jedoch zur Ausreifung der Reiskörner erst etwa 30 Tage nach dem Rispenschieben eingesetzt werden (Lee 1990).
Im untersuchten Yuki-Reisanbau erfolgte das Wassermanagement nicht nach dem beschriebenen Verfahren. Wegen der Entenhaltung auf dem Feld wurde die Bewässerung ohne Zwischenunterbrechung durchgeführt. D.h., das Reisfeld war während der Zeit zwischen der Pflanzung und dem Rispenschieben ständig überflutet. Die Anforderungen aus der Entenhaltung mussten außerdem bei der Höhe der Wasserstände berücksichtigt werden. Die Enten müssen auf den Feldern gut schwimmen können, ansonsten kommt es zu großen Schäden an den Reispflanzen durch die Bewegungen der Tiere. Aus diesem Grund wurde beim untersuchten Yuki-Reisanbau kombiniert mit Entenhaltung im Durchschnitt ein Wasserstand von etwa 7 cm angestrebt. Dadurch wurde wesentlich mehr Wasser verbraucht, als beim konventionellen Reisanbau. Im konventionellen Reisanbau variieren die Wasserstände zwischen 3 und 24 cm, je nach Entwicklungsstadien.
Während der Entenhaltung auf dem Reisfeld - d.h. 10-20 Tage nach der Pflanzung bis zum Rispenschieben (vgl. Abschnitt 3.5.2) - ist das Wasser mit Schlamm bedeckt. Dieses Schlammwasser enthält zahlreiche Bodennährstoffe. Es ist daher sehr wichtig für diese Nutzungsart in dieser Zeit den Ablauf des Bewässerungswassers zu regulieren.
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| Abb. 3.5.1: Wasserbedarf nach Entwicklungsstadien der Reispflanze | ||
Düngebedürfnisse werden bekanntlich auf Grund von Nährstoffentzug und der Düngeraneignung rechnerisch ermittelt. Nach IRRI (1983) liegt der Nährstoffentzug für eine Tonne Rohreis zwischen 19 bis 24 kg N/ha, 3 bis 6 kg P/ha und 20 bis 50 kg K/ha. Der Ausnutzungsgrad beträgt nach Nagai (1962) beim Reis für Ammoniumsulfat 56,6 %, für Gründüngungsstickstoff 43 % und für Kompoststickstoff 16 % (12,8 bis 21 %). Nach Kellner et al. (zit. nach Franke 1976) wird N zu 48,3 bis 63,5 %, P2O5 zu 15,9 bis 22,8 % und K2O zu 40,2 bis 51,9 % ausgenutzt. Bei der Nassreiskultur steht ein Teil dieser Nährstoffe aus mehreren natürlichen Quellen zur Verfügung: d.h. sie werden während der Anbauperioden durch Regen- und Bewässerungswasser, je nach Wasserqualität und Bodentyp bzw. -art, mit 40 bis 50 kg N/ha, 30 bis 40 kg P2O5/ha und 40 bis 50 kg K2O/ha zugeführt (Oh 1976; Lee 1990). Stickstoff wird daneben durch Blaualgen im anaeroben Boden und durch Bakterien in der Rhizosphäre der Reiswurzeln fixiert. Die Menge des symbiotisch gebundenen Luftstickstoffs schwankt zwischen 70 und 110 kg/ha (Norman et al. 1984).
Die untersuchten Yuki-Betriebe führten die Düngung hauptsächlich auf der Grundlage von Kompost durch. Die Kompostierung war jedoch aufgrund der geringen Tierhaltung und fehlenden Anbaus von Leguminosen und Gründüngungspflanzen sehr begrenzt, so dass in den Beispielbetrieben verschiedene organische Zukaufdünger und mineralische Ergänzungsdünger eingesetzt wurden. Diese Düngemittel wurden meist in anderen umweltfreundlich wirtschaftenden Betrieben und speziellen Düngerfabriken für umweltfreundlichen Landbau sowie aus der Natur (z.B. Baumblätter, Holz) gewonnen. Wirtschaftsdünger aus der Tierhaltung, wie Stallmist, Gülle und Jauche, stammten aber hauptsächlich aus konventionellen Betrieben, weil in Südkorea umweltfreundlich viehhaltende Betriebe noch sehr selten sind (vgl. Abschnitt 2.4.2).
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In den Beispielbetrieben I, II, III, IV, V und VI erfolgte eine Grunddüngung mit 25 t/ha Pflanzenkompost und 8 t/ha Stallkompost. Anschließend wurde mit einer Mischung aus 100 kg Reiskleie, 30 kg Sesamschrot, 5 kg Quarzporphyr und 1 kg Enzym eine weitere Grunddüngung und zwei Kopfdüngungen vorgenommen. Dabei lagen die Düngemengen jeweils bei etwa 0,6 t/ha. Als Blattdüngung wurde flüssiger Enzymdünger mit Quarzporphyr zu den Reispflanzen gegeben. Die Beispielbetriebe VII und VIII düngten Mitte März mit 30 t/ha Kompost mit folgender Zusammensetzung: Rindermist (30 %), Geflügelmist (20 %), Reiskleie (10 %), Sesamschrot (5 %), abgefallene Blätter (20 %) und Erde (15 %). Außerdem wurden zusätzlich pro Hektar zwei Tonnen Kompost aus Sesamschrot, Reiskleie und Geflügelmist als Kopfdünger in zwei bzw. drei Gaben verteilt dem Boden zugesetzt und als Blattdüngung zugekaufte Düngemittel, z.B. "Boridoltumcci" einer Mischung aus Holzextrakt und Gesteinsmehl sowie Reste von Heilkräutern zur Kräftigung der Pflanzen ausgebracht.
In den untersuchten Yuki-Betrieben erfolgte die Grunddüngung allgemein vor der Bodenvorbereitung im Frühjahr. Um eine bessere Kontrolle der Bestandsentwicklung zu ermöglichen und um Nährstoffverluste zu verringern, wurde die Kopfdüngung in zwei bzw. drei Gaben verteilt, wobei die erste Applikation während der Bestockung, die zweite während des Rispenansatzes und die dritte während dem Rispenschieben erfolgte.
Der Kompost wurde meist per Hand oder mit Hilfe von Schaufeln ausgebracht und eingearbeitet (Foto 3.5.7). Bei seiner Aufbereitung und Lagerung erfolgte durch mehrmalige
| ↓236 |
Umsetzungen eine sorgfältige Belüftung, um eine gute Rotte zu gewährleisten, und um die Gefahr von Nährstoffverlusten zu verhindern. Diese Arbeitsgänge sind sehr aufwändig. Deshalb wurde die Kompostierung und Einarbeitung der organischen Düngung von den befragten Landwirten als sehr zeitraubende Beschäftigung betrachtet.
| Foto 3.5.7: Ausbringung vom Kompost mit Hilfe von Schaufeln. | ||
Neben den bisher beschriebenen Düngungsverfahren erfolgte in allen untersuchten Betrieben eine zusätzliche Nährstoffzuführung über die Entenhaltung. Aus mehreren Feldversuchen ist die positive Düngewirkung des Entenmistes bereits bekannt. Es wird dabei belegt, dass durch die Entenhaltung etwa 30 bis 50 % des Nährstoffbedarfs der Reispflanzen zu gewährleisten ist (Kim, K.E. 1994; NIAST 1998). 50 bis 60 Tage nach der Ausbringung der Enten in das Reisfeld nimmt eine Ente etwa 1,5 kg an Gewicht zu, wobei die Ausscheidungsmengen von einer Ente ca. 41,2 g/Tag betragen (Honam-NICS 1993).
| ↓237 |
Dieser Entenmist enthält entsprechend der Tab. 3.5.3 verschiedene Nährstoffe. Nach Hwasun-LKG (2002) wird während der Entenhaltung auf dem Reisfeld (ca. 60 Tage) Entenmist
von insgesamt ca. zwei Tonnen TM/ha gewonnen, wobei 300 Enten pro Hektar eingesetzt werden. Damit steht ca. 36 % der Standard-N-Düngemenge durch die Entenhaltung zur Verfügung; 66 % der normalen P2O5-Düngemenge und 20 % der normalen K2O-Düngemenge (Tab. 3.5.4).
Tab. 3.5.3: Nährstoffgehalt des Entenmistes in Trockenmasse
|
Nährstoffe |
N |
P2O5 |
K2O |
CaO |
MgO |
Na2O |
|
Anteil (%) |
2,95 |
3,37 |
0,92 |
2,87 |
0,82 |
0,40 |
| ↓238 |
Tab. 3.5.4: Düngewirkung über Entenhaltung (kg/ha)
|
N |
P2O5 |
K2O |
|
|
Düngung über Entenhaltung |
39 |
46 |
16 |
|
Standarddüngemenge |
110 |
70 |
80 |
Fruchtbarer Boden bedeutet im ökologischen bzw. umweltfreundlichen Landbau in erster Linie lebendiger Boden, der nachhaltig ertragsfähig ist. Diese Bodenfruchtbarkeit ist besonders von Art und Menge der organischen Substanz des Bodens abhängig. Der Humusgehalt in den Reisfeldern Südkoreas liegt allgemein bei 2,5 % (Cho et al. 1985). Er betrug in den untersuchten Yuki-Reisfeldern durchschnittlich 2,6 % (Tab. 3.5.5). Damit gab es keine wesentlichen Unterschiede des Humusgehalts in konventionell und Yuki bewirtschafteten Flächen. In den Yuki-Reisfeldern von den Beispielbetrieben IV, VII und VIII wurde allerdings ein höherer Humusgehalt nachwiesen.
Tab. 3.5.5: Humusgehalt in den untersuchten Yuki-Reisfeldern
|
Beispielbetriebe |
I |
II |
III |
IV |
V |
VI |
VII |
VIII |
Durchschnitt |
|
Humusgehalt |
-*) |
2,4 |
-*) |
2,8 |
2,3 |
2,3 |
2,8 |
2,9 |
2,6 |
| ↓239 |
Das Auftreten von Schaderregern in der Reisproduktion ist von den lokalen ökologischen Bedingungen in den Anbaugebieten und den Anbausystemen abhängig. Nach Lee und Oh(1996) werden die Ertragsausfälle durch Krankheitserreger und Schädlinge in südkoreanischen Nassreiskulturen auf etwa 20,4 % des potentiellen Ertrages geschätzt. Auf Krankheitserreger entfallen davon etwa 13 % und auf tierische Schädlinge etwa 7,4 %.
In Südkorea gibt es ca. 200 Reiskrankheiten (Lee und Baek 1987). Als verheerend wird die Reisbräune genannt, die durch Pyricularia oryzae verursacht wird (Tab. 3.5.6). Sie kommt während der gesamten Wachstumsperiode der Reispflanze und in nahezu allen Anbaugebieten vor. Sie tritt besonders bei einer Witterung mit niedriger Temperatur, geringer Sonnenstrahlung und mit einer hohen Luftfeuchtigkeit stark in Erscheinung. Außer der Schädigung der Setzlinge in den Saatbeeten, befällt diese Pilzkrankheit auf den Reisfeldern alle Teile der Pflanze, wie Blatt, Knoten, Rispen. Dadurch bewirkt sie beträchtliche Ertrags- und Qualitätseinbußen. Die Reiserkrankung äußert sich meistens auf den Blättern in typischen länglichovalen Flecken mit scharf begrenztem braunem Rand und grauweißem bis strohfarbenem Zentrum (Foto 3.5.8). Sie ist eine samenbürtige Krankheit. Deshalb wird die Höhe des Befalls durch die Verwendung befallener Samen, einer großen Pflanzendichte, kräftigem vegetativem Wachstum der Reiskultur durch N-Düngung und frühzeitiger Entwässerung gefördert (Cho 1995). Diesen Ursachen sind dem vorbeugenden Pflanzenschutz im Yuki-Reisanbau anzupassen.
| Foto 3.5.8: Blattbräune der Reispflanze | ||
| ↓240 |
Weitere wichtige Krankheiten sind bakterielle Blattfleckenerkrankungen und verschiedene Virosen, wie die Reisverzwergung und Streifenkrankheit. Der Blattbrand, hervorgerufen durch Xanthomonas oryzae, zeigt sich in den Saatbeeten als Welke, mit Beginn des Rispenschiebens als wässrige Blattflecke. Da dieser Erreger mit dem Saatgut übertragen wird, muss vor der Aussaat unbedingt eine Saatgutreinigung vorgenommen werden. Anders sieht die Bekämpfung der Viruskrankheiten aus. D.h. sie werden von Insekten übertragen, so dass die Abwehrstrategien vor allem auf die Vernichtung der Vektoren in den Feldbeständen gerichtet werden soll.
Tab. 3.5.6: Bedeutendeste Krankheiten im südkoreanischen Reisanbau
|
Krankheiten |
Krankheitserreger bzw. -überträger |
|
blast sheath blight bacterial leaf blight rice stripe virus rice dwarf virus rice black-streaked dwarf virus helminthosporium leaf spot bakanae disease false smut |
Pyricularia oryzae Cavara Rhizoctonia solani Kühn Xanthomonas oryzae (Uyeda et Ishiyama) Dowson Delphacodes striatella Fallén Nephotettix cincticeps Uhler Delphacodes striatella Fallèn Cochliobolus miyabeanus (Ito et Kurib.) Drechsler Gibberella fujikuroi (Saw.) Wollenwerber Ustilaginoidea virus Takahashi |
Die im südkoreanischen Reisanbau besonders gefürchteten tierischen Schädlinge sind die Reiszikaden, Raupen verschiedener Schmetterlingsarten und die Reiskäfer (Tab. 3.5.7), wobei die Zikaden einen besonderen Stellenwert einnehmen. Noch vor der Bestockung der Pflanzen kann es bei einem Massenauftreten der Reiszikaden der Gattungen Nilaparvata lugenes und Delphacodes striatella zu großen Befallsherden braunverfärbter Pflanzen kommen. Dieser sogenannte "Zikadenbrand" wird durch toxische Speichelausscheidungen dieser Pflanzensaft saugenden Insekten hervorgerufen. Neben solchen direkten Schäden liegt die Bedeutung der Zikaden, wie Delphacodes striatella und Nephotettix cincticeps, in der Übertragung von Viren. Deshalb stellt ihre Vernichtung oft die wichtigste Möglichkeit zur Verhinderung einer Virusausbreitung dar, wobei neben der Selektion erkrankter Pflanzen die Unkrautbekämpfung empfohlen wird, weil die Insekten an Unkräutern überwintern (Lee 1990).
| ↓241 |
| Foto 3.5.9: Reiszikaden Nilaparvata lugenes (oben links), Delphacodes striatella (oben rechts), Sogata furcifera (unten links) und Nephotettix cincticeps (unten rechts) | ||
Stängelbohrer, Chilo suppressalis, bohren sich im vegetativen Stadium in den Stängel ein und zerstören die Vegetationszone, was zur Gelbherzigkeit führt. Später minieren sie im Halm, vermindern dadurch die Standfestigkeit und bewirken schließlich Weißrispigkeit (Lee und Oh 1996). Ernsthafte wirtschaftliche Schäden können auftreten, wenn die Reispflanzen verspätet umgepflanzt werden. Befallsfördernd sind auch hohe Stickstoffgaben. Da sich die Raupen im Stängelgrund verpuppen, kann durch sofortigen tiefen Stoppelumbruch nach der Ernte im Zusammenhang mit dem Vernichten der Eiablage eine Befallsminderung erreicht werden. Empfohlen wird auch die Einhaltung einer Fruchtfolge.
Schmetterlingsraupen Mythimna separate und Larven bzw. Adulte des Reisblattkäfers Oulema oryzae sowie des Reiswasserkäfers Lissorhoptrus oryzopihilus zählen zu den blattfressenden Schädlingen. Allgemein scheint ihre Schadwirkung an Einzelpflanzen nicht bedeutend zu sein, beim Massenauftreten können sie jedoch zu einer Assimilationsminderung und damit zum Totalausfall der Kultur führen (Lee und Baek 1987). Deshalb sind die Pflanzenbestände einer Befallskontrolle zu unterziehen.
| ↓242 |
Tab. 3.5.7: Bedeutendeste tierische Schädlinge im südkoreanischen Reisanbau
|
Schädlinge |
Gattungen |
|
brown planthopper smaller brown planthopper white-backed planthopper rice green leafhopper rice stem borer rice leaf roller rice leaf beetle rice stem maggot rice army worm rice water weevil |
Nilaparvata lugenes Stal Delphacodes striatella Fallén Sogata furcifera Horvath Nephotettix cincticeps Uhler Chilo suppressalis Walker Cnaphalocrocis medinalis Guénée Ouema oryzae Kuwayama Chlorops oryzae Matsumura Mythimna separata Walker Lissorhoptrus oryzopihilus |
Die in Tab. 3.5.6 und Tab. 3.5.7 angegebenen Krankheiten und Schädlinge wurden ebenfalls im untersuchten Yuki-Reisanbau als die Häufigsten genannt. Da im Yuki-Landbau die Verwendung von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln untersagt ist, wurden zur Bekämpfung eine ganze Reihe von Methoden in den untersuchten Betrieben genutzt, die von vorbeugenden Maßnahmen, über den Einsatz von Wirkstoffen bis hin zur Entenhaltung auf den Reisfeldern reichen. Vorübergehend kam dabei dem Anbauverfahren kombiniert mit Entenhaltung eine hervorhebende Bedeutung zu. Enten fressen fast alle Insekten auf dem Reisfeld. Dadurch kann allgemein der direkte Schaden durch tierische Schädlinge, aber auch durch sie übertragene Viruskrankheiten, wie die Reisverzwergung und Streifenkrankheit begrenzt werden. Tatsächlich wurde bis zum Wachstumsstadium "Maximale Bestockung" der Befall mit den meisten Schädlingen signifikant verhindert, wobei sich vor allem die Reiszikaden und Reiswasserkäfer in ihrer Aktion einschränken ließen. Allerdings waren Schädlinge, die erst nach dem Rispenschieben auftreten, z.B. Cnaphalocrocis medinalis, schwer zu bekämpfen, weil zu diesem Zeitpunkt die Enten bereits aus dem Feld herausgenommen wurden.
Für solche Schädlinge und Krankheiten, die durch Entenhaltung schwer oder nicht zu bekämpfen sind, wurden vorbeugende Kulturmaßnahmen angewendet. Beispielsweise, wie im Abschnitt 3.5.3 bereits erwähnt, haben alle untersuchten Yuki-Betriebe vor der Aussaat eine Saatgutreinigung vorgenommen. Sie zielte darauf ab, Erkrankungen, wie z.B. die Reisbräune, die Braunfleckenkrankheit und die Bakanae-Krankheit vorzubeugen, die durch befallene Samen übertragen werden. Außerdem führte die Beseitigung von Ernterückständen durch sofortiges Pflügen zum Rückgang des Befalls von Stängelfäule, Fuß- und Blatterkrankungen sowie dem Stängelbohrer, der sich im Stängelgrund verpuppt.
| ↓243 |
Verstärkt sich trotz der Bekämpfung über die Entenhaltung und verschiedene vorbeugende Maßnahmen die Befallgefahr durch Schaderreger, wurden in den untersuchten Yuki-Betrieben bestimmte Wirkstoffe eingesetzt: Die Beispielbetriebe I, II, III, IV, V und VI haben eine Mischung aus gekochten Paprikasamen und Knoblauch in Wasser und Reiskleie appliziert, um Schädlinge zu vernichten. Darüber hinaus wurde zur Bekämpfung der Krankheiten während der Wachstumsperiode auf die Reispflanzen eine Mischung aus Holzextrakt (2 Liter) + Reisessig (1 Liter) + Quarzporphyr (2 kg) + Enzym (4 Liter) + Wasser (500 Liter) vier- oder fünfmal gespritzt. In den Beispielbetrieben VII und VIII wurde zur Pflanzenbehandlung eine Mischung von Holzextrakten und Reisessig in 300-500facher Lösung von jeweils 1 kg/ha drei- oder viermal auf die Pflanzen ausgebracht.
Die Pflegearbeiten im Yuki-Reisanbau erstrecken sich in erster Linie auf die Unkrautbekämpfung. Unkräuter sind Konkurrenten der Reispflanzen im Hinblick auf Wachstumsfaktoren wie, Nährstoffe, Licht und Wuchsraum. Durch ihren Aufwuchs beeinflussen sie außerdem das Bestandsklima und können dadurch auch indirekt Wachstums- und Entwicklungsvorgänge der Reispflanze beeinträchtigen. Weiterhin ermöglichen sie als Zwischenwirte einigen Krankheitserregern und Schädlingen das Überleben.
Die im südkoreanischen Reisanbau vorkommenden Unkräuter gehören insgesamt zu 27 Familien und 92 Gattungen (Kim 1988). Die bedeutenden sind davon in Tab. 3.5.7 aufgeführt. Ihr Auftreten ist nach Standorten unterschiedlich. Das Bodensamenpotential beträgt in Unterböden mit einer Tiefe von bis zu 16 cm durchschnittlich ca. 150.000 bis 160.000 Unkrautsamen. Davon sind etwa 30 bis 50 % keimfähig (RDA 1979). Dadurch ist die potentielle Verunkrautungsgefahr erheblich. Nach Lee (1990) können Ertragsausfälle durch Unkrautkonkurrenz etwa 30 % betragen.
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Der Grad der Verunkrautung hängt vom Reisanbausystem, den Pflanzmethoden und den Anbautechniken ab. Das Anbausystem "Nassreiskultur" und das Saatverfahren "Aussaat in Anzuchtbeete mit anschließender Umpflanzung", wie bereits im Abschnitt 3.5.4 und 3.5.5 erwähnt, wirkt unkrautunterdrückend. Selbst auf bewässerten Feldern mit gepflanztem Reis ist es nötig, mit verschiedenen Bekämpfungsmaßnahmen das Unkraut zusätzlich zu entfernen, um die Fläche unkrautfrei zu halten. Im untersuchten Yuki-Reisanbau verzichtete man auf den Einsatz von chemisch-synthetischen Herbiziden. Die Unkrautbekämpfung erfolgte stattdessen durch die Entenhaltung im Reisfeld, wobei die Tiere durch Fressen und Treten Unkräuter vernichten. Einen regulierenden Zusatzeffekt hat das getrübte Wasser, welches durch die Bewegung der Enten verursacht wird. Durch die Entenhaltung konnten die meisten Kräuter und Seggen bekämpft werden. Schwierigkeiten bereiteten aber Gräserarten, besonders Echinochloa crus-galli var. caudaza, weil deren Blätter so groß und hart wie die der Reispflanzen sind. Diese Arten mussten deshalb durch zusätzliches Jäten reguliert werden.
In den untersuchten Yuki-Betrieben wurde das Jäten dreimal bzw. noch häufiger durchgeführt. Üblicherweise erfolgte das erste Jäten im Bestockungsstadium, danach zwischen Juni und August je nach Unkrautdruck. Anschließend wurden kurz vor der Ernte die Bestände nochmals sorgfältig gejätet, um das Erntegut sauber zu erhalten. Dieses Jäten erfolgte überwiegend per Hand. Dagegen wurde mechanisches Jäten selten vorgenommen. Manuelles Jäten in bewässerten Reisbeständen erfordert allerdings einen hohen Arbeitsbedarf. Beispielsweise wurden im Beispielbetrieb IV etwa 190 Akh für 0,4 Hektar Yuki bewirtschaftete Fläche gebraucht. Die Notwendigkeit des manuellen Jätens verursachte den größten Teil des gesamten Arbeitsaufwandes und war für die hohen Lohnkosten im Yuki-Reisanbau verantwortlich. Deshalb hat die "Hungchon Arbeitsgemeinschaft für Yuki-Landbau (Siehe S. 128)" zur Verminderung des Arbeitsaufwandes und zur Arbeitserleichterung im Yuki-Landbau Jätmaschinen aus dem japanischen ökologischen Landbau eingeführt. Allerdings bewährten diese sich nicht in der Praxis, weil sie die Unkräuter nicht innerhalb der Reihen erfassen und andererseits auch Reispflanzen mit abschneiden.
Aus diesen Gründen sind im Yuki-Reisanbau vorbeugende Maßnahmen zur Unkrautregulierung von großer Bedeutung. In den letzten Jahren haben durch Monokultur und Anwendung von Herbiziden auf den südkoreanischen Reisfeldern die perennierenden Unkräuterarten, wie z.B. Sagillaria pygmaea, Potamogeton distinctus, Cyperus serotinus zugenommen (Oh et al. 1981). Um ihre Vermehrungsorgane im Boden zu vernichten, wurde in den Beispielbetrieben nach der Ernte und kurz vor der Pflanzung eine Bodenbearbeitung durchgeführt (vgl. Abschnitt 3.5.3). Von vielen befragten Landwirten wurde das mehrmalige und sorgfältige Pflügen und Eggen als wichtigste vorbeugende Maßnahme zur Unkrautregulierung genannt. Außerdem haben die meisten Betriebe relativ frühzeitig mit der Pflanzung begonnen, damit sich die Reispflanzen schneller als die Unkräuter entwickeln können (vgl. Abschnitt 3.5.4).
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Neben der Entenhaltung, dem manuellen Jäten und den vorbeugenden Maßnahmen wurde in den untersuchten Yuki-Betrieben auch mit Mulchmaterial zur Unkrautunterdrückung gearbeitet. Dazu wurden 10 bis 15 Tage vor der Pflanzung in allen Beispielbetrieben Reiskleie und Sesamschrot in Mengen von 100 kg/ha auf dem Feld ausgebracht. Dadurch wurde die Entwicklung von Wasserlinse initiiert und gefördert. Die Wasserlinse verhindert den Lichteinfall des Sonnenlichtes. Dadurch wird die Keimung der Unkräuter verhindert. Außerdem fing das eingebrachte organische Material etwa 10 bis 20 Tage nach der Ausbringung zu gären an. Durch die dabei entstehenden Stoffe wird dem Wurzelwachstum der Unkräutern entgegenwirkt.
| Foto 3.5.10: Mulchen mit Reiskleien und Sesamschrot zur Unkrautregulierung vor der Pflanzung | ||
Tab. 3.5.8: Bedeutendeste Unkräuter im südkoreanischen Reisanbau
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Einjährige |
Barnyardgrass
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Pickerelweed
|
Toothcup
|
|
|
Zweijährige |
Water foxtail
|
Backmann's grass
|
||
|
Mehrjährige |
Arrowhead
|
Bulrush
|
Bog pondweed, Roundleaf pondweed
|
|
|
Flatsedge
|
Water chestnut
|
Giant duckweed
|
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- Fruchtfolge
Die Fruchtfolge hat für den ökologisch geführten Betrieb eine zentrale Funktion. Sie dient gleichermaßen der Ertragssicherung ohne Einsatz von chemischen Dünge- und Pflanzenbehandlungsmitteln, dem Aufbau einer nachhaltigen Bodenfruchtbarkeit, dem Hervorbringen gesunder Pflanzen, der Regulierung von Ackerwildkräutern und Krankheiten bzw. Schädlingen sowie der Ernährung der Tiere mit hofeigenen Futtermitteln. Um diese Funktionen zu erfüllen, muss die Fruchtfolge vielseitig und ausgewogen gestaltet werden. Die IFOAM-Basisrichtlinien und Codex-Alimentarius empfehlen hierfür den Anbau von Legeminosen bzw. Gründüngungspflanzen und Tiefwurzlern in einer geeigneten weitgestellten Fruchtfolge.
|
IFOAM-Basisrichtlinien:
Codex-Alimentarius:
|
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In den untersuchten Yuki-Betrieben wurde Reis überwiegend als Monokultur angebaut. Dieser Daueranbau von Reis wird durch klimatische Bedingungen ermöglicht und durch markt- und betriebswirtschaftliche Überlegungen begründet. Daneben wurde durch die betriebsstrukturellen Bedingungen, wie ungünstige Betriebsgröße und mangelnde Arbeitskapazitäten, eine vielseitige Fruchtfolgegestaltung erschwert.
Es gab jedoch keine wesentlichen Ertragsrückgänge, die durch den Daueranbau verursacht wurden. Dies ist hauptsächlich darauf zurückzuführen:
| ↓248 |
Eine richtig geplante und konsequent eingehaltene Fruchtfolge stellt allerdings auch im Yuki-Reisanbau den Schlüssel zur Erhaltung und Förderung der Bodenfruchtbarkeit und damit zur nachhaltigen Sicherung befriedigender Erträge dar. Ein Beispiel hierfür ist eine Abwechslung zwischen dem Trockenackerbau mit anderen Getreidearten, Bohnen oder Mais und dem Nassreisanbau, die sogenannte "Paddy-Upland-Rotation". D.h. in dieser Fruchtfolge erfolgt wechselweise die Bewässerung und Entwässerung. Das bietet den Vorteil, dass die Anreicherung der schädlichen Substanzen im Boden, die durch mangelhafte interne Dränage verursacht wird, verhindert wird und die Verfügbarkeit der Nährstoffe und ihre kontrollierte gleichmäßige Verteilung durch Durchlüftung des Bodens verbessert wird (Seo 2000). Damit können die chemischen und physikalischen Bodeneigenschaften verbessert werden.
Außerdem kann durch den Fruchtwechsel in der Paddy-Upland-Rotation die Nahrungsmittelversorgung verbessert werden. D.h. derzeit beträgt in Südkorea der Selbstversorgungsgrad mit Nahrungsmitteln nur ca. 30 % (Park 2001). Während Reis übermäßig (ca. 108 %) produziert wird, werden andere Nahrungspflanzen zu wenig angebaut. So liegt der Selbstversorgungsgrad mit Gerste bei 48 %; mit Bohnen bei 9 %; mit Mais bei 0,8 %; mit Weizen bei 0,1 %. Der Anbau dieser Kulturarten würde Importe ablösen.
Darüber hinaus ist in Südkorea aufgrund der klimatischen Bedingungen nur eine Ernte innerhalb eines Jahres möglich. Dadurch wurden in den meisten Beispielbetrieben im Winter keine bäuerlichen Arbeiten ausgeführt. Der Anbau von Wintergetreide (z.B. Gerste, Weizen, Roggen, Hafer) bzw. Leguminosen (z.B. Zottelwicke, Italienisches Raygras) können in den Beispielbetrieben Vielfalt in die pflanzliche Erzeugung bringen und gleichzeitig betriebswirtschaftlich vorteilhaft sein.
| ↓249 |
- Entenhaltung
In den Beispielbetrieben wurde Yuki-Reisanbau kombiniert mit Entenhaltung betrieben. Dieses Anbauverfahren hat mehrere positive Effekte:
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Das Grundprinzip des Pflanzenbaus kombiniert mit Entenhaltung ist die Nutzung des natürlichen Verhaltens und Bedürfnisse der Enten. Außer der Errichtung eines Schutzzauns um das Feld waren in den Beispielbetrieben ein zusätzlicher Technikeinsatz und ein erhöhter Arbeitsaufwand nicht erforderlich.
Darüber hinaus werden die Enten, die bislang jährlich von landwirtschaftlichen Kooperativgenossenschaften zugekauft wurden, seit dem Jahr 2000 im Rahmen des staatlichen Förderprogramms für umweltfreundlichen Landbau unentgeltlich abgegeben. Die zugekauften Tiere stammten dabei meistens aus dem konventionellen Betrieb, da es in Südkorea nur wenige Betriebe, die umweltfreundlich Vieh halten, gibt. In den Richtlinien von IFOAM und FAO für ökologischen Landbau wird dagegen der Tierzukauf aus ökologisch wirtschaftenden Betrieben empfohlen. Stehen solche Tiere nicht zur Verfügung, ist konventioneller Tierzukauf mit Alter- und Zeitgrenzen nach Tierart zugelassen. Um den Tierzukauf entsprechend dieser Verordnungen von IFOAM und FAO ermöglichen zu können, ist vor allem eine Zunahme der Anzahl der umweltfreundlich Vieh haltenden Betriebe in Südkorea erforderlich. Es wird empfohlen, dass die staatliche Hilfe in Form der Versorgung mit Enten für umweltfreundlichen Reisanbau ergänzt wird, durch eine Unterstützung für umweltfreundliche Viehbetriebe.
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IFOAM-Basisrichtlinien:
Die Zertifizierungsprogramme müssen Zeitgrenzen setzen, bis wann zertifizierte ökologische Tiere von der Konzeption an für jeden Tiertyp zur Verfügung stehen (Richtlinie 5.3.1).
Codex-Alimentarius:
Bovine and equine
Porcine
Poultry/laying hens
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| ↓251 |
Im ökologischen Landbau hat die Tierhaltung nach artgemäßen Gesichtspunkten zu erfolgen. Entsprechen den Haltungsanforderungen der IFOAM-Basisrichtlinien und Codex-Alimentarius müssen die Aufstallungsform und sonstige Haltungsbedingungen so beschaffen sein, dass die Tiere nicht unnötig in ihren Verhaltensgewohnheiten und Bewegungsabläufen behindert werden. D.h. zu einer artgerechten Haltung gehören während des gesamten Jahres ausreichender Bewegungs- und Ruheraum, natürliches Licht, Schatten, Windschutz, frische Luft und frisches Wasser (Bioland 2001).
In allen Beispielbetrieben wurden die Enten im Freien gehalten. Dadurch konnten sich die Tiere weitgehend frei bewegen und stets genügend Trinkwasser aus den bewässerten Reisfeldern und frische Luft aufnehmen. Die Bewegungsbedürfnisse der Enten waren ebenfalls in den wassergesättigten Feldern durch einen großen Pflanzabstand und erhöhten Wasserstand ungestört zu gewährleisten (vgl. Abschnitt 3.5.4 und 3.5.5). Darüber hinaus wurden die Enten durch die Aufstallungen am Feldrand und durch eingezäunte Reisfelder vor tierischen Feinden und ungünstigen Witterungsbedingungen geschützt. Diese Aufstallungen sind in der Praxis oftmals noch sehr provisorisch. Besser wären dagegen argerechte Ställe mit eingestreute Bodenfläche, um die Infektionsgefahr durch Parasiten zu vermeiden. Es war dennoch festzustellen, dass die Haltungsbedingungen der Enten in den untersuchten Yuki-Betrieben im Allgemeinen tiergerecht sind.
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IFOAM-Basisrichtlinien:
Codex-Alimentarius:
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| ↓252 |
Im ökologischen Landbau sind neben der Haltung die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Nutztiere in die bedarfsgerechte Fütterung mit einzubeziehen. Im Rahmen der Richtlinien von IFOAM und FAO für ökologischen Landbau sollen sich die Nutztiere mit Futter aus ökologischer Erzeugung ernähren. Das kann aus Eigenanbau erfolgen. Zugekaufte Futtermittel sollen aus zertifiziertem ökologischem Anbau stammen. Bei zugekauften Futtermitteln aus nicht richtliniengemäßer Erzeugung ist die besondere Sorgfaltspflicht in Bezug auf Rückstände zu beachten. Der Einsatz dieser Futtermittel darf nur in beschränktem Maße nach Tierarten erfolgen.
In der Entenhaltung für den untersuchten Yuki-Reisanbau ernährten sich die Enten überwiegend von Schädlingen und Unkräutern im Reisfeld. Die zusätzliche Fütterung erfolgte nur, wenn in dieser Form die Ration den Tieren nicht ausreichte. Dabei wurden als zusätzliches Futtermittel in erster Linie Erzeugnisse, wie Ausputzgetreide, aus dem eigenen Betrieb bzw. anderen Yuki-Betrieben eingesetzt. Wenn dieses nicht genügend angeboten werden konnte, wurden allerdings handelsübliche Futtermittel verwendet. Solches Futter soll aber unter Berücksichtigung der zugelassenen Maximal-Prozentsätze von IFOAM und FAO für Futter aus konventioneller Landwirtschaft eingesetzt werden.
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IFOAM-Basisrichtlinien:
Codex-Alimentarius:
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| ↓253 |
Die eingesetzten Enten wurden in den meisten Beispielbetrieben innerhalb des Betriebes selbst verzehrt, weil in allen entsprechenden Betrieben die Enten zur gleichen Zeit aus den Feldern entfernt werden müssen und damit Schwierigkeiten beim Absatz durch Überschuss bestanden. Dieses Vermarktungsproblem ist vor allem darin begründet, dass der Markt für die umweltfreundlichen Agrarprodukte in Südkorea noch wenig strukturiert ist. Deshalb sollten neue Absatzmöglichkeiten weiter entwickelt werden.
- Bodenbearbeitung
Ziele der Bodenbearbeitung im Reisanbau sind insbesondere die Verbesserung der Bodenstruktur, die Schaffung einer flachen Bodenfläche mit gleichmäßig hohem Wasserstand und das Erreichen einer feinen Bodenoberfläche mit Schlammstruktur zur Pflanzung sowie die Vermeidung von Wasser- und Nährstoffverlusten. Die Bodenbearbeitung im untersuchten Yuki-Reisanbau wurde - wie im konventionellen Wasserreisanbau - grundsätzlich durch Pflügen und Eggen bzw. Einebnen durchgeführt. Es gab allerdings einige Unterschiede der Bodenbearbeitungsverfahren zwischen dem Yuki- und konventionellen Reisanbau. Diese waren folgende:
| ↓254 |
Als Ergebnisse der Untersuchung ist festzustellen, dass sorgfältige Bodenbearbeitung im Yuki-Reisanbau die wichtigste Maßnahme zur Unkrautregulierung und Bodenbelebung war.
- Aussaat und Pflanzung
| ↓255 |
Beim Yuki-Reisanbau in den Beispielbetrieben war die Aussaat in Anzuchtbeete mit späterer Pflanzung stärker verbreitet als im konventionellen Reisanbau, obwohl sie viel Arbeit erfordert. Der Grund war, dass dieses Saatverfahren für den Pflanzenschutz und die Unkrautregulierung wesentlich vorteilhafter ist.
Im untersuchten Yuki-Reisanbau wurden meistens konventionelle Hochzuchtsorten verwendet. Diese Sorten erzielen sehr hohe Erträge. Ihr Einsatz im Yuki-Anbau ist aber mit Gefährdungen durch Krankheits- und Schädlingsbefall sowie mit Unkrautdruck verbunden, weil solche konventionellen Hochzuchtsorten hauptsächlich einen intensiven Einsatz von Agrarchemikalien voraussetzen. Darum setzten die IFOAM den Schwerpunkt der Sortenwahl bzw. -zucht auf:
| ↓256 |
Damit sollten bei der Suche nach geeigneten Sorten bzw. Züchtungen für den Yuki-Landbau nicht nur die Ertragsfähigkeit und der Ernährungs- bzw. Geschmackswert, sondern auch die Standorteignung der Sorten beachtet werden. Im Allgemeinen ist festzustellen, dass die in den Beispielbetrieben dominiert angebaute Reissorte Chuchong diese Anforderungen erfüllt.
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IFOAM-Basisrichtlinien:
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In den IFOAM-Basisrichtlinien und Codex-Alimentarius ist festgelegt, dass im Anbau ökologisch zertifiziertes Saat- und Pflanzgut verwendet werden muss, weil im Allgemeinen konventionelles Handelssaatgut mit chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln behandelt ist. Deshalb hat die südkoreanische Kontrollbehörde für die Qualität der Agrarerzeugnisse (NAQS) im Rahmen des "Zertifizierungssystems zur Kennzeichnung von Agrarprodukten aus umweltfreundlicher Landwirtschaft" festgesetzt, dass im Yuki-Anbau zu verwendendes Saat- und Pflanzgut aus anerkannter Yuki-Erzeugung stammen muss.
| ↓257 |
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IFOAM-Basisrichtlinien:
Codex-Alimentarius:
Leitfaden des Zertifizierungssystems zur Kennzeichnung von Agrarprodukten aus umweltfreundlicher Landwirtschaft:
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In Südkorea gibt es noch kein Yuki- bzw. umweltfreundlich zertifiziertes Handelssaatgut. Daher wurde in den Beispielbetrieben konventionelles Saatgut nach eigenem Nachbau in der Yuki-Wirtschaftsweise verwendet.
Nach den IFOAM-Basisrichtlinien bedarf der Einsatz von nicht-ökologischem Vermehrungsmaterial der Ausnahmegenehmigung. D.h. wenn ökologisches bzw. chemisch unbehandeltes Saat- und Pflanzgut nicht zur Verfügung steht, dürfen gebeizte Materialien eingesetzt werden. Der Einsatz wird in jedem Fall nur mit zeitlichen Begrenzungen gestattet. Nach Codex-Alimentarius darf solch mit chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln behandeltes Saat- und Pflanzgut nach der Saatgutbehandlung mit den zugelassenen Mitteln verwendet werden. Das Zertifizierungssystem von NAQS sollte diesen Grundsätzen von IFOAM und FAO entsprechend den Bedingungen für Ausnahmen definieren und Einschränkungen für den Gebrauch von Betriebsmitteln zur Saatgutbehandlung festlegen. Dabei sollte auch das Zeitlimit für den Nachbau sichergestellt werden, weil bei mehrjährigem Nachbau die Gefahr des Befalls mit saatgutbürtigen Krankheitserregern und der Reduzierung der Triebkraft bzw. Saatgutqualität besteht (Neuerburg und Padel 1992).
| ↓258 |
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IFOAM-Basisrichtlinien:
Codex-Alimentarius:
Leitfaden des Zertifizierungssystems zur Kennzeichnung von Agrarprodukten aus umweltfreundlicher Landwirtschaft:
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In den untersuchten Yuki-Reisanbaubetrieben orientieren die Landwirte bei der Saatgutbehandlung, der Saatbeetbereitung und dem Saatzeitpunkt sowie der -stärke am konventionellen Anbauverfahren. Der Zeitpunkt der Pflanzung ins Feld wurde allerdings anders als im konventionellen Anbau vorgenommen. D.h. in den meisten Beispielbetrieben wurde die Pflanzung relativ früh durchgeführt, damit die Setzlinge sich im Feld schnell verwurzeln können und gegenüber Unkräutern konkurrenzfähiger sind. In einigen Betrieben erfolgten dagegen eher spätere Pflanzungen, weil eine sorgfältige Bodenbearbeitung durch mehrmaliges Eggen oft als noch wichtiger betrachtet wurde, um Unkraut zu regulieren. Allgemein steht im umweltfreundlichen Reisanbau in Südkorea die Frage des Zeitpunktes der Pflanzung noch häufig zur Diskussion. Wegen der Nährstoffversorgung und Entenhaltung wurde bei der Pflanzung im untersuchten Yuki-Reisanbau größere Pflanzabstände zwischen den Pflanzen und in der Reihe vorgenommen.
- Bewässerung
| ↓259 |
Das Wassermanagement bei der Nassreiskultur bedeutet sowohl generell Wasserversorgung wie auch Regulierung des Wachstums der Reispflanze. Damit ist ein hoher Ertrag zu erzielen.
Im untersuchten Yuki-Reisanbau wurde wesentlich mehr Wasser verbraucht als im konventionellen Reisanbau. Das liegt daran, dass wegen der Entenhaltung das Reisfeld während der Zeit zwischen der Pflanzung und dem Rispenschieben mit einem hohen Wasserstand (im Durchschnitt von ca. 7 cm) ständig überflutet sein muss. Die Untersuchungsregionen Yeoju und Yangpyong liegen im Paldang-Wasserschutzgebiet für die Trinkwasserversorgung. Damit steht in den Beispielbetrieben Wasser in guter Qualität ausreichend zur Verfügung, so dass es beim Reisanbau keine großen Schwierigkeiten mit der Bewässerung gab.
Darüber hinaus wurden trotz der ständigen Überstauung auf dem untersuchten Reisfeld keine auffälligen Erscheinungen der Bodenreduktion, wie zunehmender Gehalt an organischen Säuren, Verhinderung der Nährstoffaufnahme und Wurzelfäulnis der Pflanze wahrgenommen. Dies ist vor allem als Effekt der Bodendurchlüftung durch die Bewegungen der Enten anzusehen.
| ↓260 |
- Düngung
Im ökologischen Landbau werden die Pflanzen nicht mit leichtlöslichen Düngern versorgt. Ziel ist es vielmehr, durch die Belebung des Bodens, die Umsetzung der organischen Substanz und die Mobilisierung von Nährstoffen aus dem Boden zu fördern (AID 1996). Um diese Grundprinzipien der Düngung einzuhalten es in den IFOAM-Basisrichtlinien vorgeschrieben, dass dem Boden ausreichende Mengen organischen Materials zuzuführen sind, um die Bodenfruchtbarkeit und damit die aktive Nährstoffmobilisierung zu fördern. FAO betrachtet die Düngung als einen Komplex aus dem Anbau von Gründüngungspflanzen, Leguminosen und Tiefwurzlern, einer weitgestellten Fruchtfolge sowie der Einarbeitung organischen Materials. Diese Maßnahmen sind ebenfalls im Zertifizierungssystem von NAQS festgelegt. Dabei sollte jedoch die entsprechende Richtlinie so ausführlich erklärt werden, dass die genannten Maßnahmen im Zusammenhang mit der Bodenfruchtbarkeit und organischen Düngung zu verstehen sind.
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IFOAM-Basisrichtlinien:
Codex-Alimentarius:
Leitfaden des Zertifizierungssystems zur Kennzeichnung von Agrarprodukten aus umweltfreundlicher Landwirtschaft:
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| ↓261 |
Im untersuchten Yuki-Reisanbau wurde die Düngung hauptsächlich auf der Grundlage von Kompost durchgeführt. Organisches Material zur Kompostierung soll nach den Vorschriften von IFOAM und FAO sowie NAQS grundsätzlich aus ökologischem (bzw. Yuki) Landbau gewonnen werden. Die in den Beispielbetrieben eingesetzten organischen Düngemittel hatten jedoch wegen der geringen Tierhaltung und fehlendem Anbau von Leguminosen und Gründüngungspflanzen verschiedenen Ursprung. So stammten sie aus dem eigenen Betrieb, anderen umweltfreundlichen Betrieben und der Natur. Außerdem wurde ein großer Teil der Wirtschaftsdünger aus konventioneller Erzeugung gewonnen.
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IFOAM-Basisrichtlinien:
Codex-Alimentarius:
Leitfaden des Zertifizierungssystems zur Kennzeichnung von Agrarprodukten aus umweltfreundlicher Landwirtschaft:
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Der Einsatz betriebsfremder Wirtschaftsdünger sowie organischer und mineralischer Handelsdünger ist nach den Richtlinien von IFOAM und FAO sowie dem Zertifizierungssystem von NAQS nur zugelassen, wenn die Nährstoffversorgung der Nutzpflanzen mit betriebseigenen Düngern nicht zu gewährleisten ist. Solche Düngemittel müssen allerdings in Übereinstimmung mit den zugelassenen Betriebsmitteln sein, die jeweils in den Anhängen von IFOAM-Basisrichtlinien und Codex-Alimentarius sowie Leitfaden des Zertifizierungssystems von NAQS aufgeführt sind. Dabei ist festzustellen, dass es zwischen den Angaben keinen wesentlichen Unterschied gibt.
| ↓262 |
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IFOAM-Basisrichtlinien:
Codex-Alimentarius:
Leitfaden des Zertifizierungssystems zur Kennzeichnung von Agrarprodukten aus umweltfreundlicher Landwirtschaft:
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Im untersuchten Yuki-Reisanbau wurden zur Düngung und Bodenverbesserung verschiedene Betriebsmittel unterschiedlichen Ursprungs, wie z.B. Ernterückstände, Stallmist, Reiskleie, Sesamschrot, abgefallene Blätter, Enzym, Gesteinsmehl, eingesetzt. Um die Gefahr der Nährstoffverluste und Kontamination zu vermeiden, sollten aber vor dem Einsatz zunächst die Düngeeffekte dieser Materialien analysiert werden. Nach den IFOAM-Basisrichtlinien sollen dabei besonders kritische Werte für Anwendungsmenge, wie die Dungeinheit von AGÖL in Deutschland, festgelegt werden.
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IFOAM-Basisrichtlinien:
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| ↓263 |
Eine Besonderheit der Düngung im untersuchten Yuki-Reisanbau ist die Nährstoffversorgung über das Anbausystem Nassreiskultur und die Entenhaltung. D.h. im Allgemeinen können bei der Nassreiskultur während der gesamten Anbauperiode durch Regen- und Bewässerungswasser dem Boden und den Pflanzen im Durchschnitt 40 bis 50 kg N/ha, 30 bis 40 kg P2O5/ha und 40 bis 50 kg K2O/ha zugeführt werden. Außerdem stehen beim mit Entenhaltung kombinierten Reisanbau allein durch die Entenhaltung ca. 36 % der Standarddüngemenge für Stickstoffversorgung zur Verfügung; 66 % für P2O5 und 20 % für K2O. Bezüglich der Humusbilanz ist festzustellen, dass es keine wesentlichen Unterschiede bei Bodenfruchtbarkeit zwischen Yuki und konventionell bewirtschafteten Flächen gibt.
- Pflanzenschutz
In Südkorea gibt es ca. 200 Reiskrankheiten. Als verheerend werden in erster Linie die Reisbräune (Pyricularia oryzae), der bakterielle Blattbrand (Xanthomonas oryzae), Reisverzweigung (Nephotettix cincticeps) und Streifenkrankheit (Delphacodes striatella) genannt. Hinzu kommen noch viele tierische Schädlinge, wie Reiszikaden der Gattungen Nilaparvata lugenes, Delphacodes striatella, Sogata furcifera und Nephotettix cincticeps sowie die Reisstängelbohrer (Chilo suppressalis), Raupen verschiedener Schmetterlingsarten (Mythimna separate und Chlorops oryzae) und die Reiskäfer (Oulema oryzae und Lissorhoptrus oryzopihilus).
| ↓264 |
Diese Krankheiten und Schädlinge wurden ebenfalls im untersuchten Yuki-Reisanbau als die Häufigsten genannt. Da im Yuki-Landbau die Verwendung von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln untersagt ist, wurden verschiedene biologische Maßnahmen zum Pflanzenschutz bzw. -pflege eingesetzt. Dabei hat die ackerbauliche Maßnahme mit gekoppelter Entenhaltung eine entscheidende Rolle gespielt. D.h., durch die Entenhaltung im Reisfeld konnte der direkte Schaden sowohl durch tierische Schädlinge als auch die Viruskrankheiten (z.B. Reisverzwergung und Streifenkrankheit), die durch Insekten übertragen werden, begrenzt werden.
Schädlingen, die erst nach dem Rispenschieben auftreten, waren allerdings schwer zu bekämpfen, weil zu diesem Zeitpunkt die Enten bereits aus dem Feld herausgenommen wurden. Für solche Schädlinge waren vorbeugende Maßnahmen von Bedeutung. Nach den IFOAM-Basisrichtlinien steht im ökologischen bzw. Yuki-Landbau der vorbeugende Pflanzenschutz im Vordergrund. D.h. Ziel des ökologischen- und Yuki-Landbaus ist es, Pflanzen so anzubauen, dass ein Befall durch Schädlinge und Krankheiten keine oder nur geringe wirtschaftliche Bedeutung erlangt. Damit sollen Krankheiten und Schädlinge nicht primär unterdrückt oder vernichtet werden. Stattdessen ist es notwendig, nach den Ursachen vermehrten Auftretens von Schädlingen und Krankheiten zu fragen (AID 1996). Entsprechende Maßnahmen hinzu sind eine ausgewogene Fruchtfolge, geeignete Sortenwahl, standort- und zeitgerechte Bodenbearbeitung, mengenmäßig und qualitativ angepasste Düngung, Gründüngung usw. (IFOAM 2000; FAO 2001; NAQS 2002).
In den Beispielbetrieben wurden solche vorbeugenden Maßnahmen, wie Saatreinigung und Bodenbearbeitung, teilweise eingesetzt, die anderen, wie z.B. Fruchtfolge und Düngung, aber kaum in Betracht gezogen. Um wirkungsvollen Pflanzenschutz durchzuführen, ist die ganzheitliche Anwendung der vorbeugenden Kulturmaßnahmen anzustreben.
| ↓265 |
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IFOAM-Basisrichtlinien:
Codex-Alimentarius:
Leitfaden des Zertifizierungssystems zur Kennzeichnung von Agrarprodukten aus umweltfreundlicher Landwirtschaft:
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Falls trotz der Bekämpfung über die Entenhaltung und einige vorbeugende Maßnahmen die Befallgefahr durch Krankheiten und Schädlinge sich verstärkt, wurden in den Beispielbetrieben bestimmte Wirkstoffe, wie z.B. Holzextrakt, Reisessig, Quarzporphyr, verwendet. Nach den Bestimmungen von IFOAM und FAO sowie dem Zertifizierungssystem von NAQS ist solches Material erst dann einzusetzen, wenn alle Maßnahmen zur Aktivierung der boden- und pflanzeneigenen Abwehrkräfte und zur Standortgestaltung ausgeschöpft sind. Diese speziellen Bekämpfungsmaßnahmen dürfen allerdings nur mit Mitteln durchgeführt werden, die in den Anhängen von jeweiligen Richtlinien aufgeführt sind. Dabei ist festzustellen, dass es zwischen den Angaben keine wesentlichen Unterschiede gibt.
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IFOAM-Basisrichtlinien:
Codex-Alimentarius:
Leitfaden des Zertifizierungssystems zur Kennzeichnung von Agrarprodukten aus umweltfreundlicher Landwirtschaft:
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| ↓266 |
- Unkrautregulierung
Die Unkrautbekämpfung im untersuchten Yuki-Reisanbau wurde hauptsächlich durch die Entenhaltung durchgeführt. Dabei konnten die meisten Kräuter- und Seggenarten bekämpft werden. Demgegenüber waren Gräserarten, wie z.B. Echinochloa crus-galli var. caudaza, schwer regulierbar, weil ihre Blätter vergleichsweise groß und hart sind. Deswegen war dafür zusätzliches Jäten in Handarbeit erforderlich. Das manuelle Jäten verursachte in allen Betrieben mehr Arbeitsaufwand und hohe Kosten. Der Einsatz von Maschinen war ebenfalls wegen fehlender Technik und hoher Kosten äußerst schwierig. Deswegen spielte neben der Entenhaltung in den Beispielbetrieben die vorbeugende Unkrautregulierung eine bedeutende Rolle.
Bei der vorbeugenden Unkrautregulierung ist es notwendig, die Ursachen einer einseitigen Verunkrautung zu erkennen und wenn möglich, zu beheben. Dabei werden keine völlig unkraufreien Bestände angestrebt. Im ökologischen Landbau ist das Ziel der Regulierungsmaßnahmen, die Unkräuter so unter Kontrolle zu halten, dass sie eher produktionssteigernd als -hemmend wirken (Neuerburg und Padel 1992). Dazu gehören alle Maßnahmen, die die Konkurrenzkraft der Kulturpflanzen stärken und die Entwicklung gesunder kräftiger Pflanzen fördern sowie eine Ausbreitung von Unkräutern verhindern. In den Richtlinien von IFOAM und FAO sowie NAQS sind verschiedene vorbeugende Maßnahmen vorgeschrieben, welche als Maßnahmen zur Bekämpfung der Krankheiten und Schädlinge bereits oben dargestellt wurden.
| ↓267 |
Die in den Beispielbetrieben genutzten Reisanbautechniken, wie "Anbauform (Nassreiskultur)", "Saatverfahren (Aussaat in Anzuchtbeete mit späterer Pflanzung auf das Reisfeld)", "sorgfältige Bodenbearbeitung (mehrmalige Pflug- und Eggarbeiten)", "Zeitpunkt zur Pflanzung " und "Mulchen mit organischem Material (z.B. Reiskleie)", hatten meistens vorbeugende Wirkungen auf den Unkrautbesatz. Daraus ergibt sich, dass eine erfolgreiche Unkrautregulierung im untersuchten Yuki-Reisanbau durch die Kombination von gekoppelter Entenhaltung, mehrmaligem Jäten und zweckmäßigen Anbauverfahren möglich war.
Der wirtschaftliche Erfolg ökologischer Betriebe hängt von den erzielten Erträgen, den Erzeugerpreisen und den Kosten ab (AID 1996). In der vorliegenden Arbeit war die Analyse der betriebswirtschaftlichen Ergebnisse nicht vollständig durchzuführen, weil die Kostenseite aufgrund fehlender Daten nicht sicher zu ermitteln war. D.h., in den meisten Beispielbetrieben wurde entweder aus Zeitmangel oder fehlendem Interesse kein Buch geführt. Außerdem haben die Betriebleiter allgemein ihre Buchführungsergebnisse ungern gezeigt. Die folgenden betriebswirtschaftlichen Berechnungen in den Beispielbetrieben sollen dennoch zumindest einen Eindruck über die Wirtschaftlichkeit der Yuki-Bewirtschaftung vermitteln.
Die Erträge im Pflanzenbau haben einen großen Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit eines umweltfreundlichen Betriebes. Die Erträge im untersuchten Yuki-Reisanbau waren im Vergleich zum konventionellen Landbau deutlich niedriger. Sie lagen im Jahre 1999 im Durchschnitt 46 %, im Beispielbetrieb II bis zu 88 % niedriger als in vergleichbaren konventionellen Betrieben (Tab. 3.6.1).
| ↓268 |
Das niedrige Ertragsniveau in den Beispielbetrieben erklärt sich im Wesentlichen durch die ausschließliche Abhängigkeit von der natürlichen Bodenfruchtbarkeit. D.h. weil in den Yuki-Betrieben auf den Einsatz der üblichen ertragssteigernden Hilfsmittel verzichtet wird, ist eine stärkere Abhängigkeit der Ertragshöhe von der Bodengüte gegeben. Wie in Tab. 3.6.2 dargestellt, ist der Gehalt an Phosphat und Silikate im nach Yuki-Wirtschaftsweise bewirtschafteten Boden höher im Vergleich zum konventionellen Reisfeld. Es gibt jedoch keine wesentlichen Unterschiede beim pH-Wert und Humus- bzw. Kaliumgehalt. Der Ca- und Mg-Gehalt ist eher niedriger.
|
Beispielbetriebe1) |
Konventioneller |
|||||||||
|
I |
II |
III |
IV |
V |
VI |
VII |
VIII |
Durchschnitt |
||
|
Erträge (dt/ha) |
41,92 |
7,69 |
38,38 |
43,59 |
38,18 |
34,25 |
41,67 |
42,86 |
36,07 |
66,4 |
Nach Aussagen der Betriebsleiter in den Beispielbetrieben verbesserten sich allerdings mit längerer Dauer der umweltfreundlichen bzw. Yuki-Bewirtschaftung die Erträge. Das wird ebenfalls in verschiedenen Untersuchungen (Dabbert 1990; Böckenhoff 1986; RDA 1996) nachgewiesen. D.h., in der Umstellung muss in erster Linie der Boden aufgebaut werden. Der Landwirt muss neues Know-how in der Bewirtschaftung erwerben. Um Ertragssteigerungen zu erzielen, sollten alle Anbaumaßnahmen in den Beispielbetrieben auf die Steigerung der Bodenfruchtbarkeit zielen. Diese Maßnahmen müssen den Landwirten bekannt sein.
| ↓269 |
|
Beispielbetriebe |
pH- |
Humus |
P2O5
|
Austauschbare Kationen |
SiO2
|
||
|
K |
Ca |
Mg | |||||
|
I*) |
- |
- |
- |
- |
- |
- |
- |
|
II1) |
5,2 |
2,4 |
96 |
0,10 |
2,6 |
0,8 |
64 |
|
III*) |
- |
- |
- |
- |
- |
- |
- |
|
IV1) |
6,5 |
2,8 |
44 |
0,33 |
2,5 |
1,6 |
113 |
|
V1) |
5,1 |
2,3 |
51 |
0,29 |
3,4 |
1,2 |
85 |
|
VI1) |
5,5 |
2,3 |
109 |
0,19 |
4,1 |
0,6 |
87 |
|
VII2) |
6,8 |
2,8 |
233 |
0,26 |
4,3 |
0,7 |
68 |
|
VIII2) |
7,0 |
2,9 |
115 |
0,19 |
6,2 |
1,5 |
156 |
|
Durchschnitt |
6,0 |
2,6 |
108 |
0,23 |
3,9 |
1,1 |
96 |
|
Konventioneller Reisanbau3) |
5,5 |
2,5 |
70 |
0,23 |
4,8 |
1,5 |
75 |
Ein weiteres Kriterium für Wirtschaftlichkeit sind die Erzeugerpreise. Mit diesen haben die Betriebe, die Yuki-Anbau praktizieren, bisher die größte Möglichkeit, rentabel zu sein. D.h., die geringeren Erträge werden betriebswirtschaftlich durch die deutlich höheren Erzeugerpreise kompensiert. So waren in den Beispielbetrieben die Erzeugerpreise für Yuki-Reis um 51 % höher als in konventionell wirtschaftenden Betrieben. Im Durchschnitt aller acht Beispielbetriebe wurden im Jahre 1999 etwa 256,25 EUR/dt erzielt (Tab. 3.6.3). Der Durchschnittspreis für konventionell erzeugten Reis lag bei 170 EUR/dt. Der wichtigste Grund für die Realisierung höherer Preise im Yuki-Reisanbau wird darin gesehen, dass die Aufbereitung (Trocknen, Sortieren, Verpacken etc.) und die Lagerung sowie die Vermarktung von den Betrieben selbst übernommen wurden. Durch diese Betriebsbindung akzeptieren die Kunden den höheren Preis.
Tab. 3.6.3: Erzeugerpreis des Yuki- und konventionellen Reises im Jahre 1999 (in EUR/dt Reis)
|
Beispielbetriebe1) |
Konventioneller |
|||||||||
|
I |
II |
III |
IV |
V |
VI |
VII |
VIII |
Durchschnitt |
||
|
Preise |
178,75 |
266,25 |
426,25 |
256,25 |
183,75 |
170 |
262,5 |
308,75 |
256,25 |
170 |
| ↓270 |
Diese Preise differierten allerdings stark zwischen den Betrieben. Beispielsweise erzielte der Betrieb VI nur 170 EUR/dt, während der Betrieb III 426,25 EUR/dt einnahm. Die Unterschiede in der Höhe der realisierten Erzeugerpreise zwischen den Betrieben werden mit den verschiedenen Vermarktungsformen und damit verbundenen unterschiedlichen Absatzwegen begründet. In den Beispielbetrieben wurden folgende verschiedene Absatzwege wahrgenommen:
Der Betrieb III mit den höchsten Erzeugerpreisen ist der einzige Betrieb, der den erzeugten Reis selbst verarbeitet und direkt vermarktet. Im Exkurs 10 wird die Vermarktungsstrategie vorgestellt. Die Betriebe IV, V und VI vermarkten seit 1997 hauptsächlich über den Betrieb III. Die Betriebe VII und VIII liefern ihren Reis ausschließlich an Erzeugergemeinschaften. In den Erzeugergemeinschaften wird ein großes Potential gesehen, weil sie sich zunehmend professioneller auf die Erschließung von neuen Abnehmern im Verarbeitungs- und Handelsbereich konzentrieren. In den Beispielbetrieben I und II wurde ihr Yuki-Reis hauptsächlich an gewerbliche Abnehmer, d.h. Babynahrungsherstellern abgesetzt. Dabei kommt es offensichtlich zusätzlich auf das Verhandlungsgeschick der Betriebsleiter an, einen angemessenen Preis zu erzielen.
| ↓271 |
Exkurs 10: Umweltfreundliche Agrarprodukte verarbeitender Betrieb "Woosu-Nongsan"
Der Betrieb Woosu-Nongsan wurde 1992 mit der Betriebsumstellung auf umweltfreundlichen Landbau in Yeoju aufgebaut. Seitdem werden die Verarbeitung und die Vermarktung auf dem eigenen Hof durchgeführt, um betriebswirtschaftliche Verluste durch die Umstellung zu minimieren.
Woosu-Nongsan übernimmt seit 1996 mit Verträgen auch die Verarbeitung und die Vermarktung von anderen Agrarbetrieben. Dabei wird neben den Agrarerzeugnissen aus dem umweltfreundlichen Landbau ebenfalls die Verarbeitung von konventionellen Agrarprodukten übernommen, weil ein regelmäßiges Angebot der Rohstoffe aufgrund der unzureichenden Betriebszahl und Produktionsmenge im umweltfreundlichen Landbau schwer zu gewährleisten ist.
| ↓272 |
In dem Betrieb werden 19 Getreidearten, wie z.B. Reis, Gerste, Kolben- und Mohrenhirse, verarbeitet. Dabei wird der Reis nur geschält und geprägt (Foto 3.6.1). Die anderen Getreidearten werden als veredelte Nahrungsmittel, z.B. Brei produziert. Die verarbeiteten Produkte werden hauptsächlich an Discounter, Kaufhäuser und Großsupermärkte abgesetzt, und auch über das Internet angeboten. Im Jahre 1999 wurden insgesamt ca. 1,7 Mill. EUR umgesetzt.
| Foto 3.6.1: Sortier- und Poliermaschine für Reis (oben links); Aufbereitung zum Dämpfen der Getreide für die Produktion von Brei (oben rechts); Verpackung des Yuki-Reises (unten links); Brei aus verschiedenen Getreidearten | ||
Die Direktvermarktung, die im ökologischen bzw. umweltfreundlichen Landbau einen traditionellen und damit eingeführten Absatzweg bedeutet, fand man wegen dem Arbeitskraftmangel nur in einem der Beispielbetriebe. Hingegen wurden neue Absatzwege zunehmend über den E-Commerce gesehen. D.h. Yuki-Reis wird inzwischen bereits über das Internet angeboten. Drei von den untersuchten Betrieben nutzen ebenfalls diesen Absatzweg:
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Die Bedeutung der variablen Spezialkosten für die Rentabilität einzelner Produktionsverfahren ist im ökologischen Landbau im Vergleich zum konventionellen Anbau wesentlich geringer. Vor allem für Pflanzenschutzmittel und Düngemittel, aber auch für Futtermittel geben ökologische Landwirte wesentlich weniger aus als konventionell wirtschaftende Betriebe (AID 1996; BVEL 1992). Allerdings trifft diese Feststellung nicht zu, wenn organische Düngemittel zugekauft werden müssen. In den untersuchten Yuki-Betrieben wurde auf dem Anbau von Leguminosen und Gründüngungspflanzen verzichtet und kaum Tierhaltung außer Entenhaltung betrieben. Dadurch entstanden Kosten durch den Zukauf organischer Dünger. Diese sind in der Regel teurer als chemisch-synthetische Düngemittel.
Ein wesentlicher Kostenfaktor sind die Festkosten, insbesondere die Personalkosten. Nach den Aussagen der Betriebsleiter entstehen beim Yuki-Anbau deutlich höhere Kosten durch die manuell durchgeführten Pflegearbeiten und Kompostierung. Dieser Aufwand könnte durch den Einsatz geeigneter Technik reduziert werden. Ein weiterer Grund für den höheren Arbeitsaufwand und damit entsprechende Kosten besteht durch die eigene Aufbereitung und Vermarktung der Ware.
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Um Kosten zu senken, sollten Yuki-Betriebe deshalb den Anbau von Leguminosen vornehmen und Wirtschaftsdünger kostengünstig aus den tierhaltenden Betrieben der Umgebung beziehen. Da geeignete Technik für Pflegearbeiten und Kompostierung sowie für die Aufbereitung der Ernteprodukte noch nicht zur Verfügung steht, sollte hier der Auftrag an die Landmaschinenindustrie gehen, geeignete Technik zu entwickeln. Staatliche Förderprogramme könnten diese Maßnahmen unterstützen.
Yuki-Betriebe wiesen gegenüber konventionellen Betrieben durchschnittlich
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Die durchschnittliche Gewinnsituation ist zur Zeit in den Yuki-Betrieben nicht befriedigend. Um die weitere Existenz der Yuki-Betriebe auf einer ökonomisch gesunden Basis zu sichern, sollten betriebliche Maßnahmen auf folgende Aspekte gerichtet sein:
Die Voraussetzungen für das Gelingen eines Betriebsaufbaus bzw. einer Betriebsumstellung werden nicht nur über produktionstechnische und ökonomische Vorgaben erbracht. Vielmehr gelten eine fundierte landwirtschaftliche Ausbildung und praktische Fähigkeiten der Betriebsunternehmer als wichtige Grundvoraussetzungen für eine erfolgreich zu bezeichnende Bewirtschaftung (Freyer 1991). Um deren Auswirkungen auf den Yuki-Reisanbau in der südkoreanischen Landwirtschaft zu begreifen, wird im Folgenden auf das soziale Umfeld der Betriebsleiter der Beispielbetrieben eingegangen.
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Alter Das Alter der befragten Betriebsleiter in den Fallbeispielen beträgt zwischen 36 und 65 Jahren (Tab.3.7.1). Das Durchschnittsalter liegt bei 48,6 Jahren. Dabei befinden sich sieben Betriebsleiter (87,5 %) in der Alterklasse 30-59. Diese Angaben bestätigen Ergebnisse der Studie von H.T. Park et al. (Abb. 3.7.1 ). Danach zählen 86,5 % der Landwirte aus dem umweltfreundlichen Landbau zur Alterklasse 30-59. Im Unterschied dazu gehören über die Hälfte der Landwirte (51 %) in der Landwirtschaft insgesamt zu den beiden oberen Alterklassen 60-69 und über 70.
Tab. 3.7.1: Das Alter der Betriebsleiter in den Beispielbetrieben
|
Beispielbetriebe |
I |
II |
III |
IV |
V |
VI |
VII |
VIII |
Durchschnitt |
|
Alter |
57 |
65 |
41 |
45 |
51 |
47 |
47 |
36 |
48,6 |
Die Tatsache, dass die umweltfreundlich (einschließlich Yuki) wirtschaftenden Betriebsleiter jünger sind, erklärt sich daraus, dass vor allem bei Jungbauern die Bereitschaft, Innovationen zu übernehmen, wesentlich größer als bei Altbauern ist. Außerdem spielt offensichtlich die Schulbildung eine Rolle. Ergebnisse der Untersuchung von H.T. Park et al. (1999) belegen, dass 61,4 % der umweltfreundlich wirtschaftenden Betriebsleiter das Gymnasium absolviert haben und 17,7 % sogar einen Hochschulabschluss haben (Abb. 3.7.1). Die Jungbauern mit besserer Ausbildung sind in der vorteilhaften Lage, sich neue Methoden und Verfahren sowie Kenntnisse leichter anzueignen und damit auch dem höheren Arbeitseinsatz begegnen können.
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| Abb. 3.7.1: Prozentuale Zugehörigkeit der umweltfreundlich wirtschaftenden Landwirte zu den Altersklassen (links) und dem schulischen Ausbildungsniveau (rechts) | ||
Dauer der umweltfreundlichen Bewirtschaftung Der Zeitraum, den die Landwirte auf den Höfen tätig sind, umfasst in den untersuchten Yuki-Betrieben eine große Spannweite zwischen 12 und 35 Jahren (Tab. 3.7.2). Im Mittel bewirtschaften die Landwirte ihren Betrieb seit 24 Jahren. Der durchschnittliche Zeitraum der umweltfreundlichen Bewirtschaftung beträgt 9 Jahre.
Der Betriebsleiter aus dem Fallbeispiel VII ist in der Untersuchungsregion "Paldang-Wasserschutzgebiet für die Trinkwasserversorgung" als Pionier des umweltfreundlichen Landbaus Südkoreas anzusehen. Er hatte bereits in den siebziger Jahren Kenntnisse von dieser Anbaumethode erhalten und bewirtschaftet damit seit 19 Jahren seinen Hof umweltfreundlich. Demgegenüber begannen die meisten Betriebsleiter mit dieser Methode erst in den neunziger Jahren. Das bestätigt die Aussage, dass der umweltfreundliche Landbau in Südkorea ein noch junges und nicht weitverbreitetes Phänomen ist.
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Beispielbetriebe |
I |
II |
III |
IV |
V |
VI |
VII |
VIII |
Durchschnitt |
|
Zeitraum seit der Landbewirtschaftung insgesamt |
15 |
21 |
25 |
28 |
35 |
34 |
25 |
12 |
24 |
|
Zeitraum seit der umweltfreundlichen Bewirtschaftung |
7 |
9 |
10 |
6 |
7 |
9 |
19 |
8 |
9 |
Zugehörigkeit zu Arbeitsgemeinschaften und Anbauverbänden Sechs Betriebe, also 75 % der untersuchten Yuki-Betriebe, haben Arbeitsgemeinschaften gegründet und arbeiten in diesen zusammen: die Beispielbetriebe I und II in der "Hungchon Arbeitsgemeinschaft für Yuki-Landbau"; die Beispielbetriebe III, IV, V und VI in der "Yeoju Arbeitsgemeinschaft für Yuki-Landbau". Die beiden übrigen Betriebe VII und VIII wirtschaften als Einzelbetriebe (Abb. 3.7.2, links).
Dies zeigt, dass gerade in der umweltfreundlichen Landwirtschaft die "gegenseitige" Hilfe zwischen den Betrieben von großer Bedeutung ist. Die Gründe hierfür liegen in erster Linie darin, dass in umweltfreundlich wirtschaftenden Betrieben vergleichsweise mehr Arbeit bei der Produktion und Vermarktung als in konventionell wirtschaftenden Betrieben anfällt (vgl. Abschnitt 3.3.2). Zudem werden umweltfreundliche Agrarprodukte in vielfältiger Produktart und kleineren Mengen auf dem Markt abgesetzt. Unter diesen Bedingungen ist die Zusammenarbeit zwischen den Betrieben als eine gute Möglichkeit zu betrachten, um die arbeitswirtschaftliche Produktivität zu verbessern.
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Das Modell der Arbeitsgemeinschaft wird durch die staatlichen Förderprogramme für den umweltfreundlichen Landbau bevorzugt unterstützt. Beispiele dafür sind "Bildung von Musterdörfern für den umweltfreundlichen Landbau" und "Bildung von Territorien für den umweltfreundlichen Landbau" (vgl. Tab. 2.7.2). In der Praxis scheitert jedoch oft ein Zusammenschluss daran, dass den Mitgliedern der Gemeinsinn fehlt und dass die wirtschaftlichen und technischen Voraussetzungen der Mitgliederbetriebe unterschiedlich groß sind.
| Abb. 3.7.2: Zugehörigkeit zur Arbeitsgemeinschaft (links) und zu Organisationen für umweltfreundlichen Landbau (rechts) | ||
Die befragten Betriebsleiter sind im Durchschnitt seit 12 Jahren Mitglieder einer bzw. mehrerer Organisationen für umweltfreundlichen Landbau. Von einigen Ausnahmen abgesehen, hatten sie sich bereits ein paar Jahre vor der Umstellung den Organisationen angeschlossen (Tab. 3.7.3). Dabei dominiert die Mitgliedschaft im koreanischen Verband für organischen Landbau (KVOL) (Abb. 3.7.2, rechts). Alle Betriebsleiter sind in den Verbänden sehr aktiv bis hin zur Mitgliedschaft im Vorstand.
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Tab. 3.7.3: Dauer der Mitgliedschaft im Vergleich zur Dauer der umweltfreundlichen Bewirtschaftung
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Beispielbetriebe |
I |
II |
III |
IV |
V |
VI |
VII |
VIII |
Durchschnitt |
|
Dauer der Mitgliedschaft |
7 |
9 |
12 |
7 |
12 |
12 |
22 |
15 |
12 |
|
Dauer der umweltfreundlichen Bewirtschaftung |
7 |
9 |
10 |
6 |
7 |
9 |
19 |
8 |
9 |
Die Entscheidung der Landwirte, Mitglieder der Organisationen zu werden, wurde größenteils durch die Empfehlung anderer Mitgliedsbauern (46,6 %) bzw. Vertreter solcher Organisationen (20 %) beeinflusst. (Tab. 3.7.4). Daneben wurden der Bedarf nach Informationen für umweltfreundliche Anbaumethoden und ein Empfehlungsbrief von Erzeugerverbänden bei Antragstellung für die Zertifizierung sowie die Verbesserung der Absatzmöglichkeiten als Hauptgründe für den Beitritt in Organisationen genannt.
Tab. 3.7.4: Gründe für den Beitritts in Organisationen für umweltfreundlichen Landbau
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Gründe |
Anteil (%) |
|
Empfehlung anderer Mitgliedsbauern von Organisationen |
46,6 |
|
Zugang zu Informationen |
20,0 |
|
Empfehlung durch Vertreter der Organisationen für umweltfreundlichen Landbau |
20,0 |
|
Verbesserung der Absatzmöglichkeiten |
6,7 |
|
Empfehlungsbrief bei Antragstellung für die Zertifizierung |
6,7 |
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Kenntnisse vom umweltfreundlichen Landbau Die Teilnahme an Bildungs- und Schulungsveranstaltungen zu umweltfreundlichen Landbaumethoden spielt für die Landwirte eine entscheidende Rolle. Unter den Formen dominierten Weiterbildungsprogramme von Erzeugerverbänden. Dort werden allgemeine Grundlagen zum umweltfreundlichen Landbau bzw. umfangreiche aktuelle Informationen über rechtliche Vorschriften, Anbautechniken und Marketing vermittelt.
Die Beispielbetriebe I, II, III, IV, V und VI sind Mitglieder beim koreanischen Verband für organischen Landbau (KVOL). Mit Beginn der Betriebsumstellungen auf die umweltfreundliche Wirtschaftsweise nehmen die Betriebsleiter jährlich gemeinsam an den regulären Ausbildungsprogrammen von KOFA teil. Ebenfalls besuchen die Betriebsleiter aus den Fallbeispielen VII und VIII regelmäßig ein- und mehrtägige Vortrags- und Seminarprogramme vom Verband Jeongnong und der Zentrale für Paldang-Organischer Landbau-Bewegung (ZPOLB), seit sie Mitglieder der Verbände sind.
Diese Angaben lassen erkennen, dass sich alle befragten Betriebsleiter für Weiterbildungen und Schulungen sehr interessieren. Dieses Interesse ist vor allem ein Ausdruck dafür, dass die Landwirte noch geringe praktische Erfahrung in der umweltfreundlichen Bewirtschaftung haben und damit auf produktionstechnischer und betriebswirtschaftlicher Ebene noch erhebliche Schwierigkeiten zu überwinden haben. Daneben ist die große Bedeutung der Weiterbildung im umweltfreundlichen Landbau im Zusammenhang mit dem Zertifizierungssystem für umweltfreundliche Agrarprodukte zu erklären. D.h., beim Zertifizierungsprozess wird die Kenntnisse des Betriebsleiters von der Qualitätskontrolle der Agrarprodukte geprüft (Siehe S. 70 ff.). Dazu ist die Teilnahme an Aus-, Fort- und Weiterbildungen zum umweltfreundlichen Landbau erforderlich.
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Neben der Teilnahme an den Bildungsprogrammen von Erzeugerverbänden wurden von den befragten Landwirten persönliche Kontakte zu bereits umweltfreundlich praktizierenden Landwirten als zweitwichtigste Möglichkeit der Informationsvermittlung genannt. Dagegen kam der Wissenstransfer über die staatlichen Landwirtschaftsberatungen und -schulungen selten vor. Es ist also festzustellen, dass in Südkorea gegenwärtig die Nichtregierungsorganisationen (u.a. Anbauverbände) bzw. Einzelpionierbetriebe für die Ausbreitung des umweltfreundlichen Landbaus die entscheidende Rolle spielen.
Motivationen der Umstellung In Südkorea ist gelegentlich zu beobachten, dass bei der Betriebsplanung in umweltfreundlich wirtschaftenden Betrieben vor allem ökologische Kriterien berücksichtigt werden, aber nicht oder zu wenig die ökonomischen Aspekte (Yoo 1995; Kim und Sohn 1999; Park, H.S. et al. 1999). Dadurch geraten diese Betriebe häufiger in Schwierigkeiten bei ihrer Existenzsicherung. In den untersuchten Yuki-Betrieben war dagegen vor allem die Aussicht auf Gewinnerzielung ein wichtiges Umstellungsmotiv. So wurde das Argument "Erzielung eines wirtschaftlichen Vorteils" durch einen hohen Produktpreis bei der Vermarktung mit 35 % aller Antworten als der hauptsächliche Grund für die Übernahme umweltfreundlicher Landbaumethoden genannt (Abb. 3.7.3).
Neben diesem wirtschaftlichen Grund wurden Probleme mit den konventionellen landwirtschaftlichen Praktiken als nächsthäufiger Umstellungsgrund mit 25 % genannt. Typische Beispiele für solche Probleme waren eigene Erkrankungen (wie z.B. Vergiftung mit Pflanzenschutzmittel) und Verlust der Bodenfruchtbarkeit durch einen intensiven Einsatz der chemischen Dünge- und Spritzmittel.
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Darüber hinaus spiegeln sich auch die im Abschnitt 3.7.1 bereits festgestellten soziopersonellen Charakteristika der umweltfreundlich wirtschaftenden Landwirte, d.h. eine große Bereitwilligkeit zur Innovation, in der Motivation der Umstellung wider (20 %). Die befragten Betriebsleiter sind sich also Umweltprobleme stärker bewusst. Um einen eigenen Beitrag zum Umwelt- und Naturschutz zu leisten, streben sie deshalb danach, die Bewirtschaftung umweltfreundlich zu betreiben.
Eng verbunden mit diesem Umweltbewusstsein ist das Interesse an gesunder Ernährung. Allerdings wurde diesem Aspekt mit 10 % der Nennungen weniger Bedeutung beigemessen.
In den Untersuchungsregionen sind landwirtschaftliche Anbauverfahren durch Umwelt- und Naturschutzprogramme (vgl. Exkurs 5), wie "Paldang-Wasserschutzgebiet für die Trinkwasserversorgung" im großen Maße eingeschränkt. Deshalb wird der umweltfreundliche Landbau in diesen Regionen mit der finanziellen Hilfe vom Staat unterstützt. Diese agrarpolitische Gründe waren in der Untersuchung aber nicht als relevant. Der häufig genannte Grund hierfür ist "Mehr Verpflichtungen, aber dafür zu niedriger Subventionsbetrag".
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| Abb. 3.7.3: Motive für die Umstellung auf die umweltfreundliche Wirtschaftsweise | ||
Hindernisse bei der Etablierung des umweltfreundlichen Landbausystems Knapp die Hälfte (40 %) der befragten Betriebsleiter haben mangelnde Kenntnisse der Anbautechniken als wichtiges Hindernis für die Umstellung und Etablierung dieses Bewirtschaftungssystems genannt (Abb. 3.7.4). Insbesondere das Nährstoffmanagement wird unzureichend beherrscht. So sagten viele Landwirte aus, dass sie besonders stark unter dem Mangel an Informationen über die Kompostierung gelitten haben. Der Grund hierfür ist vornehmlich in der Entwicklungsgeschichte des umweltfreundlichen Landbaus in Südkorea zu finden. D.h., in der Anfangsphase war die Zusammenarbeit der Praxis mit der Regierung und der Wissenschaft nicht gegeben. Aus diesem Grund haben sich die Theorien und Praktiken überwiegend durch eigene Erfahrungen der Landwirte selbst entwickelt.
Als weiterer wichtiger Hindernisfaktor wurde eine hohe Kapitalintensität gesehen (24 %). Sie hängt hauptsächlich mit einem überdurchschnittlich hohen Arbeitszeitaufwand und dadurch verursachten hohen Kosten zusammen (vgl. Abschnitt 3.6.3).
| ↓285 |
Wie im Abschnitt 3.6.1 dargestellt, hatten die Beispielbetriebe große Ertragsrückgänge. Trotz eines erhöhten Erzeugerpreises ist deswegen die Gewinnsituation in den Yuki-Betrieben nicht befriedigend. Nach den Aussagen der meisten Betriebsleiter waren besonders während der Umstellung die betriebswirtschaftlichen Ergebnisse nicht selten existenzbedrohend.
Weiterhin wurde in einigen Fällen als Schwierigkeit für eine Umstellung die misstrauische Beobachtung und Bewertung von Nachbarn und Verbrauchern genannt (6 %). Solche Verständnis- und Akzeptanzprobleme wurden jedoch nicht so ernst gesehen wie die anderen genannten Probleme, weil sie inzwischen durch das Zertifizierungssystem von NAQS sowie Öffentlichkeitsarbeit und Verbraucheraufklärung durch die Organisationen für umweltfreundlichen Landbau, besonders von Verbraucherorganisationen, teilweise gelöst wurden.
| Abb. 3.7.4: Hindernisse für die Umstellung und Etablierung des umweltfreundlichen Bewirtschaftungssystems | ||
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Ausblick und Aufgaben Die meisten befragten Betriebsleiter bewerten das umweltfreundliche Bewirtschaftungssystem positiv, so dass sie beabsichtigen, ebenfalls für die Zukunft ihre Höfe umweltfreundlich zu bewirtschaften. Dabei wollen sechs Beispielbetriebe den Anteil von umweltfreundlich bewirtschafteten Flächen mit der gleichen Größe wie jetzt erhalten und einer sogar mit einer vermehrten Größe. Ein Landwirt will die Fläche verkleinern. Die Gründe für die Erhaltung und Ausweitung der Flächengröße sind die gleichen für die Aufnahme des umweltfreundlichen Bewirtschaftungssystems (Abb. 3.7.3). Die Verkleinerung hingegen wird mit einem Mangel an Arbeitszeiten bzw. -kräften erklärt, da der Betriebsleiter stärker in seiner Verarbeitungsfabrik tätig sein will.
28 % der befragten Landwirte nannten als wichtigste Aufgabe für ihren zukünftigen Betriebserfolg die Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit (Abb. 3.7.5). Hierbei nimmt die organische Düngung eine Vorzugsstellung ein. Beispielsweise stellten sich die Fragen: Womit kann ich Kompost in einer guten Qualität herstellen? Wie viel soll ich auf dem Feld ausbringen?
Die zweithäufigst erwähnte Aufgabe ist, neue Absatzwege zu entwickeln, wie z.B. E-Commerce. In Zukunft ist wegen der zunehmenden Nachfrage von Verbrauchern nach Agrarprodukten aus umweltfreundlichem Landbau ein intensives Marketing erforderlich.
| ↓287 |
Wie bereits aufgezeigt, wirkt sich die hohe Arbeitsbelastung für die Übernahme dieses Bewirtschaftungssystems hemmend aus. Ca. 22 % der Befragten planen deshalb, durch Maschineneinsatz den hohen Arbeitsaufwand zu senken. Dazu ist allerdings ein hoher Kapitalaufwand erforderlich. Deshalb überlegen einige Landwirte, den gemeinsamen Maschinenkauf mit anderen Betrieben, wie z.B. mit Mitgliedern von der Arbeitsgemeinschaft zu fähigen.
Drei der befragten Betriebsleiter hatten vor, in die Fruchtfolge für 2001 Roggen aufzunehmen, um auch im Winter den Boden zu bewirtschaften. In den anderen untersuchten Yuki-Betrieben ist jedoch keine große Änderung des Bodennutzungssystems geplant.
Schließlich wurde von einigen Befragten die gründliche Bekämpfung von Krankheiten und Schädlingen sowie Unkräutern als wichtige Aufgabe für den Betriebserfolg in der Zukunft genannt. Dabei wurde gleichzeitig die Beschaffung von Arbeitskräften als Schlüssel zur Erfüllung dieser Aufgaben angesehen.
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| Abb. 3.7.5: Wichtige Aufgaben für den Betriebserfolg in der Zukunft | ||
Im Abschnitt 3.7 wurden die Ergebnisse der Befragung zu soziopersonellen Merkmalen und den Ansichten über umweltfreundlichen Landbau vorgestellt. Dabei zeigte sich, dass sich die Betriebsleiter der untersuchten Yuki-Betriebe in ihren soziopersonellen Merkmalen deutlich von den Leitern konventioneller Betriebe unterscheiden. So sind die befragten Betriebsleiter jünger als die von konventionellen Betrieben. Die meisten sind Mitglieder von Arbeitsgemeinschaften sowie von Organisationen für umweltfreundliche Landwirtschaft. Dort arbeiten sie aktiv mit anderen umweltfreundlich wirtschaftenden Bauern zusammen. Eine auffällige Besonderheit ist, dass sie mit der umweltfreundlichen Wirtschaftsweise erst relativ wenige Erfahrungen im Vergleich zu ihrer gesamten landwirtschaftlichen Berufstätigkeit haben.
Ihre Motivation zur Umstellung und zur Etablierung des umweltfreundlichen Landbaus ist überwiegend im Zusammenhang mit diesen soziopersonellen Charakteristika zu erklären. So wurden in den Beispielbetrieben als hauptsächliche Motive für die Umstellung auf umweltfreundlichen (einschließlich Yuki-) Landbau wirtschaftliche Vorteile dadurch sowie Probleme mit dem konventionellen Bewirtschaftungssystem genannt. Ein Grund für die Nennung dieser Motive wird niedrigeres Alter der Landwirte gesehen. D.h., im Allgemeinen ist bei Jungbauern die Bereitwilligkeit zu Innovationen wesentlich höher als bei Altbauern.
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Als wichtigstes Hindernis bei der Übernahme dieses Bewirtschaftungssystems nannten viele der befragten Betriebsleiter mangelnde Kenntnisse von Anbautechniken. Das ist sicher auch der Tatsache geschuldet, dass die Geschichte des südkoreanischen umweltfreundlichen Landbaus erst Anfang der neunziger Jahre begann. Seit dieser Zeit gibt es auch erst wissenschaftliche Forschungsarbeiten zu Anbautechniken für die umweltfreundliche Wirtschaftsweise und eine staatliche Förderung dafür. Damit stehen den Landwirten erst wenig praktisch umsetzbare Ergebnisse zur Verfügung. Demzufolge sind Bildung und Schulung Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umstellung auf umweltfreundlichen Landbau. Alle befragten acht Betriebsleiter haben Weiterbildungen im umweltfreundlichen Landbau absolviert. Beim Wissenstransfer haben sich überwiegend die Erzeugerverbände als Multiplikatoren engagiert.
Weitere wichtige Hindernisfaktor war nach Aussagen der Betriebsleiter der überdurchschnittlich hohe Arbeitsaufwand und die dadurch verursachten hohen Kosten. Aus diesem Grund arbeiten viele der Befragten in Arbeitsgemeinschaften. Neben der Verbesserung der arbeitswirtschaftlichen Produktivität durch Zusammenarbeit, erwarten sie dadurch einen regelmäßigen Erfahrungsaustausch und bessere Absatzmöglichkeiten.
Anhand der Ergebnisse der Befragungen lassen sich folgende Erfordernisse für einen Betriebserfolg in der Zukunft ableiten:
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23 "Planung für die Erhaltung der Wasserqualität von Paldang-See (1992)", "Maßnahmen für Versorgung von klarem Wasser (1993)", "Maßnahmen für Erhaltung und Verbesserung der Wasserqualität (1994)", "Programm für Wasserschutz (1996)", "Sonderprogramm für die Kontrolle der Wasserqualität von Paldang-See (1998)" etc. (Gyonggi 2002)
24 Uop ist eine südkoreanische Einheit für den Landverwaltungsbezirk mit der Einwohnerzahl 20.000 bis 50.000
25 Myeon ist eine südkoreanische Einheit für den Landverwaltungsbezirk mit der Einwohnerzahl von weniger als 20.000
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| DiML DTD Version 4.0 | Zertifizierter Dokumentenserver der Humboldt-Universität zu Berlin | HTML-Version erstellt am: 12.12.2005 |