5. Zusammenfassung

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Zielsetzungen und Methoden

In Südkorea ist in den letzten Jahren ein zunehmendes öffentliches Interesse am ökologischen Landbau festzustellen. Das erklärt sich u.a. im Zusammenhang mit den Auswirkungen des WTO-Agrarhandelsabkommens auf die südkoreanische Landwirtschaft, der Wahrnehmung von Umweltproblemen in und durch die Landwirtschaft und dem gewachsenen Verbraucherbewusstsein für Nahrungsmittelqualität.

Ziel dieser Arbeit war eine Analyse des gegenwärtigen Entwicklungsstandes des ökologischen Landbaus in Südkorea. Damit wurden zunächst die allgemeinen Rahmenbedingungen des ökologischen Landbaus in Südkorea in umfangreichen Bereichen, wie Entwicklungsgeschichte, Konzeptionen, Institutionen, Produktion und Vermarktung sowie Zertifizierung und Förderungspolitik, dargestellt. Anschließend wurden anhand von Fallbeispielen zum Yuki- (organischen) Reisanbau Probleme und deren Ursachen bei der praktischen Umsetzung des ökologischen Bewirtschaftungssystems ermittelt. Zum Schluss wurden als Lösungsansätze Strategien zur Weiterentwicklung des ökologischen Landbaus in Südkorea dargestellt.

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Für die Fallstudien wurden acht landwirtschaftliche Betriebe, die 1999 in den "Paldang-Wasserschutzgebieten für die Trinkwasserversorgung" kontrollierten Yuki-Reis produziert haben, ausgewählt. Zur Strategieentwicklung wurde die SWOT-Analyse angewandt.

Ergebnisse

- Allgemeine Rahmenbedingungen des ökologischen Landbaus in Südkorea

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Der ökologische Landbau in Südkorea entwickelte sich aus zwei Richtungen, sogenannten "Bottom-up" und "Top-down"-Ansätzen. Die ökologische Landbaukonzeption aus dem Bottom-up-Ansatz entstand überwiegend unter dem Einfluss des organischen (Yuki) und natürlichen (Shizen) Landbaus in Japan. Diese Bewirtschaftungssysteme wurden in den 60er und 70er Jahren durch einige Pionierlandwirte und Bauerorganisationen, z.B. den Verband Jeongnong, eher als religiöse/philosophische Bewegung eingeführt.

Demgegenüber erhält die Entwicklung des Top-down-Ansatzes einen wichtigen Impuls durch die Änderungen der gesellschaftlichen und landwirtschaftlichen Bedingungen in den 90er Jahren, z.B. zahlreiche Skandalberichte in den Medien über Beispiele für Umweltverschmutzung und Nahrungsmittelverseuchung durch Pflanzenschutzmittelrückstände. Der Top-down-Ansatz der südkoreanischen Regierung zur Entwicklung des ökologischen Landbaus orientierte sich großenteils an den US-amerikanischen Konzeptionen für "organic farming" und "LISA (low-input sustainable agriculture)".

Anfänglich wurde der ökologische Landbau öffentlich nicht zur Kenntnis genommen und es gab keine allgemein verbindlichen Richtlinien. Eine Vielzahl von Begriffen existierte: wie z.B. organische, natürliche, alternative, regenerative, nachhaltige und umweltgerechte Landwirtschaft. Häufig wurden diese Begriffe synonym mit dem Begriff "ökologischer Landbau" benutzt.

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Diese vielfältigen Begriffe wurden 1997 im Rahmen des "Gesetzes über die Förderung der umweltfreundlichen Landwirtschaft" mit dem Begriff "umweltfreundlicher Landbau" vereinheitlicht. Dabei wird der umweltfreundliche Landbau als ein Sammelbegriff für alle Bewirtschaftungssysteme, die dem konventionellen Landbau gegenübergestellt sind, verstanden. Er wird im Bezug auf das Zertifizierungssystem von NAQS in vier Kategorien - "Yuki", "Jeonwhangi", "Mu-Nongyak" und "Jeo-Nongyak" - klassifiziert. Davon entspricht nur die Kategorie Yuki den international verbindlichen Standards.

Schon bei der Entstehung des umweltfreundlichen Landbaus schlossen sich in Südkorea gleichgesinnte Landwirte zu Erzeugerverbänden, z.B. Verband Jeongnong und KVOL, zusammen. Ziel der Gruppierungen waren vor allem der Austausch von Informationen und Erfahrungen sowie die gemeinsame Vermarktung.

Mit dem gestiegenen Interesse am Umweltschutz und gesunden Nahrungsmitteln beteiligen sich zahlreiche Organisationen in unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen am umweltfreundlichen Landbau: Verbraucherorganisationen, Unternehmen für Vermarktung, Umwelt- und Naturschutzvereine, religiöse Organisationen, wissenschaftliche Institutionen.

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1994 schlossen sich diese Erzeugerverbände und Organisationen im "Bund der Organisationen für umweltfreundlichen Landbau" zusammen.

In den letzten Jahren hat der umweltfreundliche Landbau in Südkorea eine erfreuliche Entwicklung genommen und ist in seinem Umfang kontinuierlich angestiegen. So wirtschafteten im Jahre 1998 insgesamt 13.056 Agrarbetriebe auf einer Fläche von 10.718 ha umweltfreundlich. Dies entspricht aber nur einem Flächenanteil von 0,56 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche Südkoreas sowie einem Anteil von 0,9 % der landwirtschaftlichen Betriebe.

Der Anbau mit wenigen chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln ist am stärksten verbreitet: d.h. etwa 76,7 % der umweltfreundlich wirtschaftenden Betriebe sind Jeo-Nongyak-Betriebe. Im Vergleich dazu beträgt der Anteil der Yuki-Betriebe lediglich 9,5 %.

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Die Anbaustruktur des umweltfreundlichen Bewirtschaftungssystems unterscheidet sich wesentlich von der des konventionellen: Schwerpunkte in der umweltfreundlichen Produktion liegen im Gemüse- und Obstbau. Die Bedeutung des umweltfreundlichen Reisanbaus und Viehhaltung ist vergleichsweise geringer.

Die regionale Verteilung der umweltfreundlich wirtschaftenden Betriebe ist nach den Bodennutzungsformen und Anbaurichtungen unterschiedlich. Umweltfreundliche Betriebe sind vorrangig in der Provinz Gyongki weit verbreitet. So befindet sich eine auffällige Konzentration des Yuki-Gemüsebaus in Namyangju, Yangju, Yangpyong und Haman; des Mu-Nongyak-Reisanbaus in Yeoju.

Seit Dezember 1993 wird von NAQS (National Agricultural Products Quality Management Service) die Kontrolle der Erzeugung umweltfreundlicher Agrarprodukte durchgeführt. Sie erfolgte bis zum Juni 2001 mit einem dualistischen System: "Zertifizierungssystem der Qualität von Agrarprodukten" und "Anmeldungssystem zur Kennzeichnung der Agrarprodukte"; und wird seit dem 1. Juli 2001 im Rahmen des "Zertifizierungssystems der Kennzeichnung von Agrarprodukten aus umweltfreundlicher Landwirtschaft" durchgeführt. Im neuen Zertifizierungssystem werden die Produkte aus dem umweltfreundlichen Landbau entsprechend den Anbaurichtungen für umweltfreundliche Produktion in vier Kategorien zertifiziert.

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Im Jahre 2001 wurden insgesamt 4.762 Betriebe umweltfreundlich anerkannt. Dadurch wurden ca. 88.056 Tonnen umweltfreundliche Agrarprodukte mit dem Prüfzeichen von NAQS kontrolliert produziert.

Der Markt für umweltfreundliche Agrarprodukte ist in Südkorea noch klein. Das Marktvolumen betrug im Jahre 1998 ca. 68,6 Mio. Euro. Damit lag sein Anteil am gesamten Lebensmittelmarkt bei ca. 1 %. Der Markt für umweltfreundliche Produkte gehört in Südkorea jedoch zu einer Wachstumsbranche mit einer jährlichen Wachstumsrate von 10 bis 30 %.

Die Agrarerzeugnisse aus dem umweltfreundlichen Landbau werden meistens als frische Produkte verkauft. Der Umsatz für die umweltfreundlich verarbeiteten Produkte ist dagegen sehr gering und nimmt lediglich etwa 2 % vom Gesamtumsatz für umweltfreundliche Agrarprodukte ein.

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Der Markt für umweltfreundliche Erzeugnisse ist deutlich vielseitiger organisiert als der Markt für konventionelle Agrarprodukte. So werden im umweltfreundlichen Landbau unterschiedliche Vermarktungsformen wahrgenommen: Direktvermarktung, Vertragproduktion, Vermarktung über die Erzeugergemeinschaften bzw. über die Verbraucherorganisationen, Absatz an die landwirtschaftlichen Kooperativgenossenschaften sowie an die Unternehmen für die Vermarktung, Absatz an Großverbraucher und Gastronomie.

Derzeit werden in Südkorea die Lebensmittel aus dem umweltfreundlichen Landbau im Durchschnitt 20 bis 30 % teurer verkauftet als die konventionellen. Die Preisaufschläge sind dabei nach den Absatzwegen und Produktarten sehr unterschiedlich.

Der umweltfreundliche Landbau wird seit 1991 mit einer Reihe von Maßnahmen vom Staat gefördert. Das südkoreanische Landwirtschaftsministerium kündigte im Jahre 1996 die "Agrarumweltpolitik für das 21ste Jahrhundert" an. Damit wurden mittel- und langfristige Regelungen zur Förderung des umweltfreundlichen Landbaus getroffen. Als ersten Schritt zur Umsetzung der Beschlüsse erließ die südkoreanische Regierung 1997 das "Gesetz über die Förderung der umweltfreundlichen Landwirtschaft". Damit wurde die rechtliche Basis für die Unterstützung der Produktion und Verarbeitung sowie Vermarktung von Agrarprodukten aus dem umweltfreundlichen Landbau geschaffen.

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Auf dieser gesetzlichen Basis wird jährlich der Förderungsplan für den umweltfreundlichen Landbau erarbeitet. Seit 1999 wird der umweltfreundlich wirtschaftende Betrieb im Rahmen des "Direktzahlungsprogramms für umweltfreundlichen Landbau" mit einer Subvention in Höhe von ca. 446 Euro/ha/Jahr für die Dauer von max. 5 Jahren unterstützt.

- Fallstudie: Yuki-Reisanbau

Die Untersuchungsregionen liegen in der Nähe der Hauptstadt Seoul, einem Ballungszentrum mit großer Bevölkerungsdichte und großer Kaufkraft. Aufgrund von Natur- und Umweltschutzprogrammen sowie ihrer vielgestaltigen Landschaft haben sie ein positives Image für die Verbraucher. Das bedeutet, dass die Beispielbetriebe vergleichsweise geographische Vorteile für die Vermarktung haben.

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Das Yuki-Bewirtschaftungssystem wird insbesondere von großen Betrieben praktiziert. So lag die Betriebsgröße der Beispielbetriebe im Durchschnitt ca. 2,6-fach über derjenigen der konventionellen Landwirtschaft. Die angenommene Ursache ist, dass in Großbetrieben durch die größere ökonomische Stärke ein großes Produktionsrisiko durch Ertragsunsicherheiten gemindert scheint.

Im untersuchten Yuki-Reisanbau wurden mehr Arbeitskräfte eingesetzt als im konventionellen Landbau. Der höhere AK-Besatz in den Beispielbetrieben ist vor allem im höheren Arbeitsaufwand für die organische Düngung, die Pflegearbeiten und die Selbstvermarktung sowie das Erlernen der neuen Produktionsmethoden begründet.

In den untersuchten Betrieben hat die Umstellung der konventionell bewirtschafteten Reisfelder auf den Yuki-Anbau länger gedauert als die Leitlinien vorsehen. Das hängt hauptsächlich damit zusammen, dass die meisten Beispielbetriebe vor der Umstellung auf Yuki-Wirtschaftsweise für einige Zeit nach Mu- bzw. Jeo-Nongyak-Anforderungen die entsprechende Fläche bewirtschaftet haben, weil sie bei sofortigem Verzicht auf chemisch-synthetische Betriebsmittel zu hohe Ertragseinbußen befürchteten.

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Außerdem war in den untersuchten Betrieben die Teilumstellung verbreitet. Das resultiert vor allem aus fehlendem Wissen über angepasste Anbautechnik, mangelnde Arbeitskräfte und Investitionskapital sowie auf die Unsicherheit über die wirtschaftliche Betriebsentwicklung und weiterer Absatzmöglichkeiten.

Die im untersuchten Yuki-Reisanbau angewendeten Anbaumethoden beziehen sich im Allgemeinen auf die Grundsätze von IFOAM-Basisrichtlinien und Codex-Alimentarius für den ökologischen Landbau. Im Gegensatz zu den Empfehlungen in den internationalen Basisrichtlinien, ist jedoch der Yuki-Reisanbau durch einen Daueranbau charakterisiert. D.h. in den Beispielbetrieben gibt es keine vielfältige Fruchtfolge. Gründe waren die klimatische Eignung für den Daueranbau von Reis, betriebsstrukturelle Bedingungen und betriebswirtschaftliche Überlegungen.

Die Fruchtfolge gilt als Ordnungsprinzip im ökologischen Landbau schlechthin: über die Fruchtfolgegestaltung erfolgen das Nährstoffmanagement (Tief- und Flachwurzler, Humusmehrer und -zehrer, N-Bindung) und Regelungen im Pflanzenschutz (Anbaupausen, Unterdrückung fruchtfolgespezifischer Unkräuter und Schaderreger). Anscheinend haben jedoch die speziellen Methoden des Wasserreisanbaus kombiniert mit Entenhaltung die fehlende Fruchtfolge kompensiert.

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Die Beispielbetriebe wiesen gegenüber konventionellen Betrieben durchschnittlich geringere Erträge und deutlich höhere Preise sowie höhere Kosten auf. Damit war die Gewinnsituation in den Yuki-Betrieben zurzeit allgemein nicht befriedigend.

Die Betriebsleiter der untersuchten Yuki-Betriebe unterscheiden sich in ihren soziopersonellen Merkmalen deutlich von den Leitern von konventionellen Betrieben. D.h., die befragten Yuki-Betriebsleiter waren jünger als die konventionell wirtschaftenden und bereitwilliger, Innovationen zu übernehmen. Sie sind damit bereit zum Lernen: beispielsweise nehmen sie regelmäßig an den Aus-, Fort- und Weiterbildungen zum umweltfreundlichen Landbau teil. Darüber hinaus sind sie in den Arbeitsgemeinschaften und Verbänden sehr aktiv.

Diese soziopersonellen Besonderheiten der Yuki-Betriebsleiter spiegeln sich in der Motivation für die Umstellung auf das umweltfreundliche Bewirtschaftungssystem wider. Ihre hauptsächlichen Motive für die Umstellung waren die Hoffnung auf wirtschaftliche Vorteile durch den umweltfreundlichen (Yuki-) Landbau und die Vermeidung von Problemen bei der konvnetionellen Bewirtschaftung, wie nachlassende Bodenfruchtbarkeit und Kontamination mit Pflanzenschutzmitteln.

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Als wichtigstes Hindernis bei der Übernahme des Yuki-Bewirtschaftungssstems wurden mangelnde Kenntnisse von Anbautechniken, hohe Produktionskosten bezüglich hohen Arbeitsaufwands und geringe Erträge häufig genannt.

Schlussfolgerung

- Entwicklungsmöglichkeiten

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Die Untersuchungen haben gezeigt, dass sich der umweltfreundliche Landbau einschließlich Yuki-Anbau noch in einer frühen Phase seiner Entwicklung befindet. Das betrifft alle Abschnitte entlang der Prozesskette.

Aus der SWOT-Analyse wurden verschiedene Strategien zur Weiterentwicklung des umweltfreundlichen Landbaus abgeleitet. Um diese Strategien zu implentieren, werden verschiedene Aktivitäten auf folgenden drei Ebenen vorgeschlagen:

a) Aktivitäten auf Ebene der Erzeuger

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b) Aktivitäten auf Ebene der Verbraucher und Händler

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c) Aktivitäten auf Ebene der Agrarpolitik

- Forschungsbedarf

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Ökologischer/Umweltfreundlicher Landau ist eine Form der Landbewirtschaftung, die als wichtige Option für eine nachhaltige Landwirtschaft, wie weltweit zu beobachten - auch in Südkorea - an Bedeutung gewinnt. Die Erkenntnis, dass Natur ein knappes und nicht vermehrbares Gut ist, hat sich weitgehend durchgesetzt. Nachhaltigkeit wird als Erhaltung dieses Naturkapitals bzw. des Gesamtkapitals einschließlich der Natur verstanden. Ökologischer Landbau entspricht dem Leitbild der Nachhaltigkeit optimal, wenn der Ursprungsgedanke eines ganzheitlichen Ansatzes und der Kreislaufwirtschaft in die Praxis umgesetzt wird. Das mögliche Potential des ökologischen Landbaus für eine ressourcenschonende und damit nachhaltige Landnutzung, seine sozialen und ökonomischen Auswirkungen und seine Bedeutung für Umwelt- und Verbraucherschutz gleichermaßen, sind jedoch in Südkorea bisher noch zuwenig Gegenstand wissenschaftlichen Interesse. Das erklärt u. a. auch Defizite in der bisherigen Praxis des ökologischen Landbaus, wie sie die Untersuchungen in den Beispielbetrieben offen legten. Aus den Ergebnissen der vorliegenden Arbeit lässt sich weiterführender Forschungsbedarf zu folgenden Fragen ableiten:


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12.12.2005