I. Einleitung

I.1.  Allgemeine Bemerkungen über die Wissenschaft der Logik

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Im Verlaufe der Entwicklung der philosophischen Systeme Hegels spielt seine Logik zwei Rollen. Sie spielt erstens die Rolle der Einleitung in die Metaphysik bes. in der Logik, Met a physik, Naturphilosophie von 1804/5, die Jenaer Systementwürfe II genannt ist.1 Diese Konzeption der Logik ist bei Hegel über „die Erhebung der Philosophie zur Wissenschaft“ in der Phänomenologie des Geistes von 18072 zweitens durch seine These in der Wi s senschaft der Logik von 1812/133 ersetzt, daß „die logische Wissenschaft“ „die eigentliche Metaphysik oder reine spekulative Philosophie“ ausmacht. (WL I, 16)4 Damit nehmen die Einle i tungsrolle der Logik Hegels in seinen philosophischen Systemen die Phänomenologie des Geistes als „Wissenschaft der Erfahrung des Bewuß t seins5 und die drei- bzw. vierfachen Stellungen des G e dankens zur Objektivität im Vorbegriff der Enzyklopädie der philosophischen Wisse n schaften 6 über. In Berliner Enzyklopädie stellt Hegel diese These so fest: „Die Logik fällt daher mit der Metaphysik zusammen, der Wissenschaft der Dinge in Geda n ken gefaßt, welche dafür galten, die Wesenheiten der Dinge auszudrücken.“7 Diese Identifizierung der Logik und Metaphysik, die dieselbe Bedeutung hat wie Hegels andere grundsätzliche These der konkr e ten Einheit von Denken und Sein, führt uns zum Verständnisse seiner Wissenschaft der Logik auf Schwierigkeiten, die sich ihrerseits auf „das Ideal der philosophischen Methodologie“8 und zugleich allein auch auf den Skeptizismus und Irrationalismus beziehen. Wegen dieser Schwierigkeiten erfährt Hegels Wissenschaft der Logik auf die verschiedene Weise Kritiken und Reinterpretationen bzw. Rekonstruktionen.9 Um diesen Schwierigkeiten Rechnung zu tragen und Antworten darauf geben zu können, inwiefern diese Kritiken und Versuche ihre Gültigkeiten haben, muß man sich fragen, worauf Hegel bzw. seine Philosophie abzielt, welche Bedeutungen dieser Zweck uns gibt, mit welchen methodischen Mitteln dieser Zweck erfüllt werden kann, oder ob und inwiefern Hegel diesen Zweck vollzogen hat usf.

Mit der Aufhebung des Unterschiedes von Logik und Metaphysik ist das, was für die Metaphysik galt, bei Hegel der Logik selbst immanent, nämlich daß „das Denken und die Bestimmungen des Denkens nicht ein den Gegenständen Fremdes, sondern vielmehr deren Wesen sei oder daß die Dinge und das Denken derselben ... an und für sich übereinstimmt, daß das Denken in seinem immanenten Bestimmungen und die wahrhafte Natur der Dinge ein und derselbe Inhalt sei“ (WL I, 38); diese Übereinstimmung des Gedankens mit der Sache selbst ist für Hegels spekulatives Philosophieren von der höchsten Wichtigkeit10. Damit erfordert Hegel: Die reine Wissenschaft als Logik enthält „den Gedanken, insofern er ebensosehr die Sache an sich selbst ist, oder die Sache an sich selbst, insofern sie ebensosehr der reine G e danke ist“ (WL I, 43). Sie ist danach „als das System der reinen Vernunft, als das Reich des reinen Gedankens“ (WL I, 44), der selbst die Sache an sich selbst ist, zu erfassen, nämlich als „ein kosmos noetos, ein ewiges Reich koexistenter Ideen“11. Hegel begreift dieses System der reinen Vernunft als „die Wahrheit, wie sie ohne Hülle an und für sich selbst ist“ (WL I, 44). „Als Wissenschaft ist die Wahrheit das reine sich entwickelnde Selbstbewußtsein und hat die Gestalt des Selbsts, daß das an und für sich Seie n de gewußter Begriff, der Begriff als solcher aber das an und für sich Seiende ist.“ (WL I, 43) Das heißt: Hegels logische Wissenschaft betrachtet, mit R.-P. Horstmann zu sprechen, „die Gesetze der Vernunft“. Diese Gesetze der Vernunft sind für Hegel jedoch nichts anderes als „die Gesetze, die ihre Entwicklung bzw. ihre Realisation zu einem ihr selbst durchsichtigen Gebilde, das eben die Wirklichkeit ist, leiten“. Die Gesetze der Vernunft sind insofern selber „die Gesetze der Entwicklung der Wirklichkeit“. Die Logik ist somit die Metaphysik, deren Aufgabe „die Vermittlung von Einsicht in die wahre Verfassung der Wirklichkeit“ zu machen ist.12 Hegel will in seiner spekulativen Logik die wahren Bezüge der Gesetzen der Vernunft auf die Wirklichkeit entwickeln und sich diese an allen Erscheinungsformen und Manifestationen von Wirklichkeit bewähren lassen, damit die Autonomie der Vernunft bzw. ihre Wirklichkeit und Rationalität gesichert wird. So stellt Hegel fest, daß dieses objektive Denken und seine Gesetze den „Inhalt der reinen Wissenschaft“ (WL I, 43) ausmachen.

Die reine logische Wissenschaft hat zum Gegenstande und Inhalte das Logische, das das objektive Denken als „seine eigentümliche Natur selbst“ (WL I, 20) hat. Das Logische ist „die an und für sich seiende Sache, der Logos, die Vernunft dessen, was ist“; es ist nicht nur „die Wahrheit dessen, was den Namen der Dinge führt“ (WL I, 30), sondern auch als „die absolute Form der Wahrheit“ „die reine Wahrheit selbst“.13 Wesentlich für Hegels objektiven Ideali s mus ist es, daß er das Logische als ontologisch fundamental, nämlich als Grundprinzip alles Seienden, betrachtet; das Logische liegt danach nicht nur dem Denken, sondern auch der Natur zugrunde. Es ist auch wesentlich, den Begriff der Wahrheit bei Hegel – dessen Verständnis und Struktur sind darum so komplex und schwer, weil er auf Hegels zentraler Thematik der Wirklichkeit der Vernunft beruht – vom Begriff der Richtigkeit zu unterscheiden. Gewöhnlich versteht man unter dem Begriff der Wahrheit die „Übereinsti m mung eines Gegenstandes mit unserer Vorstellung14, die Hegel bloß als „die formelle Übereinstimmung unserer Vorstellung mit ihrem Inhalt“15 erfaßt. Diese Konzeption trifft nach ihm nicht auf die Wahrheit als solche, sondern nur auf die Richtigkeit zu, weil der Inhalt, mit dem unsere Vorstellung übereinstimmen soll, auch sonst beschaffen sein und selber ein endlicher, für sich unwahrer Inhalt sein mag16; sie ist daher als „etwas Triviales“ nur „die Namenerklärung“ der Wahrheit (WL II, 266). Dahingegen begreift Hegel die Wahrheit im philosophischen Sinne als „Übereinstimmung des Gegenstandes mit sich selbst, d. h. mit seinem Begriff“17 bzw. „Ü bereinstimmung eines Inhalts mit sich selbst“; dies ist eine ganz andere Bedeutung von Wahrheit als die vorher erwähnte. Indem die logische Wissenschaft das Logische zum Gegenstande und Inhalte hat und indem die Betrachtung der Wahrheit „das eigentliche Interesse des Logischen“18 bzw. der logischen Wissenschaft ausmacht, dann bedeutet die Wahrheit bei Hegel im Grunde genommen „die wirkliche Wirklichkeit“ und die logische Bewegung des objektiven Denkens treibt auf das zu, „was ›wahrhaft‹, das heißt eigentlich, ist“, auf „die substantielle Wirklichkeit“.19

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Nach Hegels Einsicht, die sich „nur durch die Darstellung des Systems selbst rechtfertigen muß“, kommt es hier alles darauf an, „das Wahre nicht als Substanz, sondern ebensosehr als Subjekt aufzufassen und auszudrücken“20; diesem fügt M. Heidegger den Satz hinzu: „das Sein ... ist »Werden«.“21 In dieser hegelschen systematischen Aufgabenstellung bekommt „das dialektische Prinzip der Substanz als causa sui“ „eine systematische Entwicklung“22, damit die metaphysische Ansicht über die Natur der Substanz als „des toten Seins“ (WL II, 75) bzw. „prozeßlosen ens23 aufgehoben wird; die causa sui bezeichnet für Hegel einen logischen Sachverhalt der Selbstbestimmung, der hier reflexionslogisch durchgeführt werden wird. Die Substanz als causa sui ist also bei ihm „das Sein, welches in Wahrheit Subjekt oder, was dasselbe heißt, welches in Wahrheit wirklich ist, nur insofern sie die Bewegung des Sichselbstsetzens oder die Vermittlung des Sichanderswerdens mit sich selbst ist“24. Umgekehrt kann das Subjekt nur „die Wahrheit der Substanz“ (WL II, 246) sein, insofern es aus seiner strukturellen Notwendigkeit, die wahrhafte Einheit von Begriff und Sache selbst zu sein, die Objektivität dieser Substanz, die ihrerseits in es zugrundegeht, aus sich selbst wiederum entwickelt. Die erwähnte Aufhebung des Unterschiedes von Logik und Metaphysik bedeutet somit nicht eine einfache Rückkehr der Logik in die traditionelle Metaphysik bzw. ihre einfache Restauration, sondern die Logik ist „die wahrhafte Kritik derselben“ (WL I, 62)25. Hegel arbeitet in seiner Logik aus, durch die „Dynamisierung der Ontologie“26 „eine die Ontologie der traditionellen Metaphysik dem Anspruch nach fundierende und integrierende Konzeption von Ontologie“27 zu erstellen, wodurch die sog. metaphysischen Vernunftgegenstände28 als das, was sie in Wahrheit sind, erklärt und dargestellt werden können, um auf diese Weise festzulegen, was in Wahrheit wirklich ist. Für Hegel ist das, was in Wahrheit wirklich ist, „der reale Begriff oder die Idee“29. Die Idee ist „die absolute Einheit des Begriffs und der Objektiv i tät30, und als diese Einheit ist sie „der adäquate Begriff, das objektive Wahre oder das Wahre als so l ches“ (WL II, 462); dies ist „die νόησις νοήσεως“, die schon Aristoteles in De Anima als „die höchste Form der Idee“ bezeichnet hat.31

Für diese Substanz-Subjekt-Totalität, die in der Logik Hegels sich als die absolute Wirklichkeit und als die Subjektivität bestimmt, besteht Hegels entscheidendes Argument in „der Aufhebung des sich selbst gleichen Ansichseins der Substanz durch die ihr als immanent zu denkende absolute, d. h. nicht auf anderes, sondern auf sie selbst bezogene Negation“32. Der Begriff der Negativität macht „das Zentrum der Hegelschen Philosophie“ aus; wenn man sich „eine eingehende Analyse des Begriffs der Negativität“ außer Acht läßt, führt diese Vernachlässigung nur „zur einseitigen Interpretation des Hegelschen Denkens“.33 Indem Hegel die traditionellen Ontologien dynamisiert, fordert er dazu vor allem die Autonomisierung bzw. Ontologisierung der Negativität34. Wie gezeigt wird, ist die selbstbezügliche Negativ i tät bzw. Andersheit, die Hegels Reflexionsbegriff zu seinem Wesen hat und das Wesen seines Widerspruchsbegriffs ausmacht, als ontologisches methodisches Prinzip seiner Philosophie der Motor der Selbstbewegung des Subjekts, das die Sache selbst ist; die Subjektivität ist nicht bloß „die, als der Sache gegenüberstehend, schlechte und endliche Subjektivität“, sondern sie ist „ihrer Wahrheit nach der Sache immanent und als hiermit unendliche Subjektivität die Wahrheit der Sache selbst“35. Das Subjektsein ist als ‚die Vermittlung des Sichanderswerdens mit sich selbst‘ „die eigentliche Weise des Beisichselbstbleibens im Anderssein“36. Hegel erfaßt dieses Selbstverhältnis im Anderssein, dessen Begründungsproblem sich in der Zeit der Metaphysik nach Kant 37 als eines von wichtigsten Problemen ergeben hat, als „die sich bewegende Sichselbstgleichheit ... die reine Negativität“ oder, wenn diese „auf ihre reine Abstraktion herabgesetzt“ ist, erfaßt Hegel diese sich bewegende Sichselbstgleichheit als „das einf a che Werden38, das sie wiederum als ihr „eigenes Setzen“ begreift, damit sie in diesem einfachen Werden „nur mit sich selbst zusammengeht“ (WL II, 214). Mit dieser Dynamisierung der überlieferten Ontologien durch die Ontologisierung der Negativität werden die Kategorien der traditionellen Ontologien in Hegels Logik als „Grundbegriffe des Seins in den verschiedenen Weisen der Bewegtheit“39 behandelt und dargestellt.

Man kann wohl sagen, daß die reine Wissenschaft als Logik „die Wissenschaft des Denkens, seiner Besti m mungen und Gesetze“ ist. Das Denken macht als solches zuerst nur „die allgemeine Bestimmtheit oder das El e ment“ aus, in der das Logische besteht. Das Logische ist „das Denken“ selbst, aber nicht als „formales“, sondern als „die sich entwickelnde Totalität seiner eigentümlichen Bestimmungen und Gesetze, die es sich selbst gibt, nicht schon hat und in sich vorfindet“.40 Indem das Logische als die Wahrheit selbst die Übereinstimmung des Begriffs selbst und der Sache an sich selbst bedeutet, muß solcher Bestimmung des Logischen die Bewegung des der Sache selbst immanenten Denkens bzw. die Entfaltung des Selbstbezugs des reinen Denkens in der Sache an sich selbst gerecht sein. Diese erfaßt Hegel als „Entwicklung von sich aus“. Diese Selbstentwicklung des Denkens ist zwar einerseits nur „ein Aufnehmen des Inhalts und seiner vorgelegten Bestimmungen“, aber sie muß andererseits diesen zugleich geben „die Gestalt, frei im Sinne des ursprünglichen Denkens nur nach der Notwendigkeit der Sache selbst hervorzugehen“41; das Aufnehmen des Inhalts, „dessen noch anklebende Unmittelbarkeit und Gegebensein“ das logische Denken aufheben muß, ist daher, „statt der Beglaubigung des Vorfindens und der erfahrenen Tatsache“, vielmehr als „ein Entwickeln des Denkens aus sich selbst“ zu erfassen, damit „die Tatsache“ zur „Darstellung und Nachbildung der ursprünglichen und vollkommen selbständigen Tätigkeit des Denkens“ wird.42 „Die Darstellung muß, der Einsicht in die Natur des Spekulativen getreu, die dialektische Form behalten und nichts hereinnehmen, als insofern es begriffen wird und der Begriff ist.“43 Die Entwicklung bzw. Realisierung des Denkens aus sich selbst bedeutet also: Alle inhaltlichen Denkbestimmungen sind „die Bestimmtheit oder Realität des Begriffes selbst“ und werden „zum Begriffe erhoben“ (WL II, 573), nämlich sie haben die gleiche, wenn auch in der bestimmten Form, Struktur als die des Begriffes selbst.

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Indem das Logische die reine Vernunft bzw. das reine Denken und die Wahrheit dessen ist, was wirklich ist, geht es Hegel um „die Untersuchung über die Natur des Denkens und seine Berechtigung“ seiner Bestimmungen und Formen, die in der modernen Zeit zum großen Teil „das Interesse der Philosophie“ ausgemacht hat44. Das Logische stellt sich als „das schlechthin mit sich identische Denken“ dar, das sich zugleich als „die Tätigkeit“ erweist, „sich selbst, um für sich zu sein, sich gegenüberzustellen und in diesem Anderen nur bei sich selbst zu sein“.45 Das Denken als diese Tätigkeit ist bei Hegel „der Begriff selbst“ (WL I, 30). Indem der Begriff „das eigene Selbst des Gegenstandes“ ist, das zugleich sich als „sein We r den“ darstellt, ist er nicht „ein ruhendes Subjekt, das unbewegt die Akzidenzen trägt“, sondern „der sich bewegende und seine Bestimmungen in sich zurücknehmende Begriff“.46 Der Begriff an ihm selbst ist zwar nur „einer“ (WL I, 29) und „die substantielle Grundlage“. Aber er wird zugleich aufgrund seiner Tätigkeit „ein bestimmter Begriff“. (WL I, 36) Hier findet sich Hegel eine Forderung der inneren Ordnung des Begriffs zu seinen bestimmten Begriffen, die „die Selbstorganisation der Sache“ nachvollzieht; in dieser Forderung „lebt das Bewußtsein, die inneren Unterschiede des Begriffs müßten mit ihm (sc. dem Begriffe) ... identisch sein“47; sonst könnte der Begriff nicht in dem Anderen bei sich selbst sein. Die Bestimmtheit ist das, was den Inhalt des Begriffs ausmacht; der Inhalt, ohne den der Begriff nur abstrakte Grundlage wäre, bildet „das Wesentliche der Wahrheit“ (WL I, 36). Aber der Inhalt ist ebensosehr „ein Moment der Form als Totalität, des Begriffes selbst, der die Grundlage der bestimmten Begriffe ist“ (WL I, 30). Damit nimmt Hegel in Anspruch, daß die Methode der Wissenschaft der Logik und die Sache an sich selbst ein und dasselbe sind. Hiermit wird ein Verhältnisproblem von Form und Inhalt eine zentrale Thematik der logischen Wissenschaft Hegels. Die dialektisch-spekulative Methode als die totale Einheit von Form und Inhalt muß „von ihrem Gegenstande und Inhalte nichts Unterschiedenes“ und vielmehr „der Gang der Sache selbst“ sein. (WL I, 50) Dieser Sachverhalt bildet „die einzige Voraussetzung“, die Hegel am Anfang seiner Wissenschaft der Logik ausdrücklich eingeht und auf die sich die „Pluralität von Prämissen“ reduzieren.48

Die Exposition der „wahrhaften Methode der philosophischen Wissenschaft“ fällt somit in „die Abhandlung der Logik selbst“, weil die Methode „das Bewußtsein über die Form der inneren Selbstbewegung ihres Inhalts“ ist. (WL I, 49) In solcher Abhandlung schließt das denkende Betrachten die Forderung in sich, „die Notwendi g keit seines Inhalts zu zeigen, sowohl das Sein schon als die Bestimmungen seiner Gegenstände zu beweisen“.49 Hegels dialektisch-spekulative Logik muß in der Entwicklung ihrer Gegenstände und Inhalte zeigen, daß diese „nicht ohne notwendige Synthesis möglich sind und daß der Grund dieser Synthesis das sie zustandebringende Denken ist, das sich hierbei schließlich auf sich selbst bezieht“. Hegel versucht diese Aufgabe dadurch zu bewältigen, daß er nicht grundsätzlich die methodischen Überlegungen von den Bestimmungen der Gegenstände und Inhalte trennt, sondern diese und deren Zusammenhänge selbst als „Momente bzw. Stadien der Methode“ konzipiert; „von einfachen Bestimmungen ausgehend, bemüht er sich, immer kompliziertere Verhältnisbegriffe aufzustellen, deren Einheitsstruktur zuletzt selbstbezüglich wird.“50 Hegel begreift daher vorher gesehen die Wisse n schaft der Logik als „Wissenschaft der absoluten Form“, die an ihr selbst „einen Inhalt“ haben muß, welcher „ihrer Form gemäß“ ist. (WL II, 267) Die absolute Form ist „sich Inhalt“, insofern sie „das ideelle Unterscheiden ihrer selbst von sich und das eine der Unterschiedenen die Identität mit sich ist, in der aber die Totalität der Form als das System der Inhaltsbestimmungen enthalten ist“; sie hat damit keinen anderen Inhalt als einen der Form selbst angehörigen und durch sie hervorgebrachten. Dieser Inhalt ist so „das System des Logischen51 und die Form als absolute gibt allen ihren Unterschieden „die wesentlichste Gestalt der Freiheit ... des Denkens und die Bewährung der Notwendigkeit52 und bleibt nichts als „die Methode dieses Inhalts, – das bestimmte Wissen von der Währung ihrer Momente“53.

Aus der Aufhebung des Unterschiedes von Logik und Metaphysik folgt somit bei Hegel nämlich „die Befreiung von dem Gegensatze des Bewußtseins“ (WL I, 43). „Die Krankheit unserer Zeit ist es, welche zu der Verzweiflung gekommen ist, daß unser Erkennen nur ein subjektives und daß dieses Subjektive das Letzte sei.“54 Die spekulative Einheit von Begriff und Objektivität bzw. Denken und Sein macht vielmehr „das logische Prinzip“ aus; sie ist nicht die „abstrakte“, sondern die „konkrete lebendige Einheit“, so daß in ihr der Gegensatz des Bewußtseins als überwunden anzusehen ist und daß das Sein als reiner Begriff an sich selbst und der reine Begriff als das wahrhafte Sein bestimmt wird. Diese, Begriff und Sein, sind „die beiden Momente, welche im Logischen enthalten sind“; sie sind allein darin sowohl als „u n terschiedene“ wie auch als „untrennbar“. Und ihre Einheit als logisches Prinzip macht zugleich „Element“ aus, so daß „die Entwicklung“, worin die dialektisch-spekulativen Verhältnisse von ihren Momenten, nämlich das totale Verhältnis von ihrem Unterschiede und ihrer Untrennbarkeit, thematisiert und dargestellt werden, „nur innerhalb dieses Elementes vor sich geht“. (WL I, 57) Damit fordert die Befreiung vom Gegensatze des Bewußtseins auch die Betrachtung der Denkbestimmungen, die „ebensosehr objektiven Wert und Existenz“ haben, „wie sie an und für sich, ohne eine solche Beschränkung und Rücksicht, das Logische, das Rein-Vernünftige sind“ (WL I, 45). Dies An-und-für-sich-selbst-Betrachten der Denkbestimmungen hat die Bedeutung, daß wir „aus dem Denken selbst diese Bestimmungen ableiten und aus ihnen selbst sehen, ob sie wahrhafte sind“55. Es geht hiermit Hegel um „Umgestaltung der Logik“ (WL I, 46), die die Denkformen und -bestimmungen nur voraussetzt.

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Nach Hegel müssen „die Tätigkeit der Denkformen“ bzw. der Denkbestimmungen und „ihre Kritik“ in dem objektiven Denken selbst vereinigt sein, das in seiner bestimmenden Tätigkeit nicht „von außen an“ diese Denkformen bzw. Denkbestimmungen zur Anwendung bringt, sondern das als „denselben selbst innewohnend“56 zu betrachten ist; sie an und für sich selbst zu betrachten, bedeutet, an ihnen selbst ihre Grenze zu bestimmen und ihren Mangel aufzuzeigen. Wenn die Denkbestimmungen, die als voneinander gleichgültig für sich selbständige und „nur äußerliche Formen“ gelten sollen, nach Hegel „wahrhaft an ihnen selbst betrachtet“ werden, werden als Resultate dieser Betrachtung nur „ihre Endlichkeit und die Unwahrheit ihres Für-sich-sein-Sollens“ gegeben und der Begriff selbst wird als „ihre Wahrheit“ hervortreten. Wenn die logische Wissenschaft „die Denkbestimmungen, die überhaupt unseren Geist instinktartig und bewußtlos durchziehen und, selbst indem sie in die Sprache hereintreten, ungegenständlich, unbetrachtet bleiben, abhandelt“, ist sie daher auch „die Rekonstruktion derjenigen, welche durch die Reflexion herausgehoben und von ihr als subjektive, an dem Stoff und Gehalt äußere Formen fixiert sind“. (WL I, 30) Mit der Forderung nach dem An-und-für-sich-selbst-Betrachten der Denkbestimmungen, nach welcher diese Denkbestimmungen Hegel zufolge der Selbstbewegung aufgrund ihres eigenen Widerspruchs mit sich fähig sind, handelt es sich darum, daß „die externe Differenz der Wissenschaft der Logik zu ihrem Gegenstand“ in die Wissenschaft der Logik selber zurückgenommen werden muß; dieses dialektisch-spekulative Methodenprogramm macht es zur Aufgabe, die „zweifachen Form-Inhalt-Differenz“ aufzuheben57, nämlich „die zwischen Form qua Methode und Inhalt qua Kategorie (mit Bezug auf die Methode einer Kategorienlehre), sowie die zwischen Form qua Kategorie und Inhalt qua (empirischem) Substrat (mit Bezug auf die reflektierte materiale Verwendungsweise von Kategorie)“58.

Hegel hat schon in der Differenz-Schrift von 1801 gezeigt, wie die als beziehungslos selbständig erscheinenden und damit endlichen Denkbestimmungen des Verstandes als endlicher Reflexion59 durch den dialektischen Gedanken der Vervollständigung aufeinander bezogen werden. Jedes Seiende, das durch die Denkbestimmungen dargestellt und verstanden wird, ist „ein entgegengesetztes, bedingtes und bedingendes“. „Der Verstand vervollständigt diese seine Beschränkungen durch das Setzen der entgegengesetzten Beschränkungen als der Bedingungen; diese bedürfen derselben Vervollständigung, und seine Aufgabe erweitert sich zur unendlichen.“60 Mit dieser Vervollständigungsbemühung verfällt er in der Anwendung seiner Denkbestimmungen auf das empirische Mannigfaltige der Welt allein in einen Prozeß ins U n endliche, den Hegel als eine Art von unaufgelöstem Widerspruch zwischen Bedingung und Bedingtheit erfaßt. Erst wenn er in den Gegensätzen der Beschränkungen gegeneinander als Resultat seiner Vervollständigung das Bestehen der „Antinomie“61 erkennt, dann wird er die Gültigkeit seines Erkennens und seiner Bestimmungen aufheben. „Der Grund der Erkenntnis ihrer Endlichkeit und ihres Entgegengesetztseins ist somit ihre Vervollständigung und Beziehung.“62 Die Vervollständigung, wodurch der Verstand zur „Erkenntnis der für die Reflexion unausweichlichen Antinomie“63 kommt, drückt also die Beziehung des Verstandes auf die Vernunft aus; die Vernunft ist es, die die Denkbestimmungen der Selbstbewegung aufgrund deren eigenen Widerspruchs fähig sein läßt und ein notwendiges System der Denkbestimmungen und damit Hegels konkrete Allgemeinheit ausbildet. Der Verstand ermöglicht danach „die Erkenntnis des Unendlichen als der Einheit, die alles Endliche in sich enthält“64, selbst wenn Hegel in dieser Differenz-Schrift diesen Gedanken nicht vollständig ausgearbeitet und ihn nur postuliert hat. Um ihn verständlich zu machen, bedarf es der noch ausführlicheren Abhandlung des Begriffs der Negativität und des Widerspruchs mit der nicht nur negativen, sondern positiven Bedeutung; die „Leitung zur Totalität der Notwendigkeit ist der Anteil und die geheime Wirksamkeit der Vernunft“, die sich als „absolutes Negieren, und zugleich als Kraft des Setzens der entgegengesetzten subjektiven und objektiven Totalität“65 darstellt. Die Vervollständigung, die die Vernunft ermöglicht, ist offenbar „eine leitende Hinsicht des methodischen Fortgehens in der Logik“66.

Die Denkbestimmungen sind es, in denen der Gegenstand ist, wie er in Wahrheit ist. Sie sind „der wahrhafte Gegenstand und Inhalt der Vernunft“. Sie müssen nicht äußerlich, sondern an und für sich selbst untersucht werden bzw. sich immanent „der Dialektik unterliegen“ lassen, weil sie, indem sie „für letzte, sicher zugrunde Liegenbleibende“ gelten sollen, selbst als „ein Unmittelbares“ oder „Vorausgesetztes und Anfangendes“ nur „Begriff an sich“ sind. Sie als Inhalte des Begriffs sind nach „Betrachtung ihrer Natur“ aufgrund ihrer eigenen Widersprüche jede „an und für sich selbst das Übergehen“ in die ihr entgegengesetzte Bestimmung und sie ergeben sich in diesem Übergehen in ihre Negation damit als die Einheiten i h rer selbst und ihrer Negation. Diese Einheit, an der sie in Wahrheit erscheinen, ist „das Produkt der eigenen Reflexion ihres Begriffs“ und der Begriff selbst ist es, der „als ihre Seele sie bewegt und ihre Dialektik hervortut“. (WL II, 560) Die Denkbestimmungen, in denen die Wirklichkeit uns erkannt wird, werden hiermit „so geordnet, daß ihre Inhalte dem Prinzip der Selbstbezüglichkeit des Denkens zunehmend kongenial werden“. Hegels spekulative Logik gilt also als „eine Rekonstruktion der Kategorien in der Konstruktion eines Optimums der Vernunft“.67 Dazu erfordert Hegel „eine Dynamik des Denkens“ bzw. eine „wahre schöpferische Potenz des Denkens“, das sich selbst aus sich heraus entwickelt und in seiner Entwicklung die Kategorien hervorbringt. Hier will er sich nicht nur darauf beschränken, „eine Reihe tiefer Analysen der einzelnen Kategorien, ihrer Aufeinanderbezogenheit und ihrer gegenseitigen Durchdringbarkeit zu geben“, sondern er will auch „die Katabasis dieser Kategorien in der Richtung der zunehmenden Konkretheit“ aufzeigen, so daß seine spekulative Logik „eine streng proportionierte und gefügte Stufenleiter“68 ausmacht, in der jede folgende Stufe alle vorhergehenden voraussetzt und im gewissen Sinne diese in sich enthält. Hegels Logik zeigt damit eine spekulative Theorie des notwendigen Beziehungs- und Bewegungszusammenhangs der Denkbestimmungen aufgrund deren eigener Widersprüche mit sich auf.

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Hegels spekulative Logik konfrontiert sich somit auch mit Kants transzendentalerLogik, nach der „der stolze Name einer Ontologie, welche sich anmaßt, von Dingen überhaupt synthetische Erkenntnisse a priori in einer synthetischen Doktrin zu geben ..., dem bescheidenen, einer bloßen Analytik des reinen Verstandes, Platz machen“69 soll. Kant stellt der allgemeinen formellen Logik eine transzendentale Logik gegenüber, die der spekulativen Logik Hegels „zum Teil“ (WL I, 59) entspricht. Die kritische Philosophie macht zwar bereits „die Metaph y sik zur Logik“ (WL I, 45) und gibt „den Anstoß zur Wiederherstellung der Logik und Dialektik, in dem Sinne der Betrachtung der Denkbestimmungen an und für sich“ (WL II, 559f.). Aber der sinnliche Stoff, das Mannigfaltige der Anschauung ist für sie nach Hegel „zu mächtig, um davon weg zur Betrachtung des Begriffs und der Kategorien an und für sich und zu einem spekulativen Philosophieren kommen zu können“ (WL II, 267); sie nimmt die logischen Bestimmungen und Formen ohne die „Ableitung ihrer an ihnen selbst“ bzw. ohne „dialektische Betrachtung derselben“ (WL I, 40f.) lemmatisch aus der formellen Logik auf und gibt „aus Angst vor dem Objekt“ hiermit wieder ihnen „eine wesentliche subjektive Bedeutung“; somit bleiben sie zugleich „mit dem Objekte, das sie flohen, behaftet“, und das Objekt als „ein Ding-an-sich“ bleibt für sie als „ein Jenseits“ übrig (WL I, 45) wie ein unendlicher Anstoß des absoluten Ichs durch das Nicht-Ich bei Fichte70 oder das Absolute bei Schelling71. Diese Diagnose Hegels beruht auf der Unmöglichkeit, „mit den Mitteln des durch Kantische Verstandesbegriffe definierten Verstandes allein eine adäquate Erkenntnis der Wirklichkeit zu erreichen“; die Mitteln des Verstandes sind nicht in der Lage, „die Vernunft adäquat zu erkennen“. Wenn man fragt, worin denn „die Defizienz des Verstandes“ besteht, besteht diese eigentlich in nichts anderem als „der Behauptung, daß mit dem kantisch-kategorisch interpretierten Verstand das für seinen, den Hegelschen, Vernunft- und Wirklichkeitsbegriff essentielle Element der Prozessualität nicht eingeholt werden kann“. Daraus folgt für Hegel, daß es der Überwindung des sog. Verstandesdenkens bedarf, wenn man „die These von der exklusiven Wirklichkeit der Vernunft systematisch durchzuhalten“ beabsichtigt.72

Hegel will daher die Prinzipien Kantischer Transzendentalphilosophie umdeuten; die ursprünglich-synthetische Einheit der transzendentalen Apperzeption als Prinzip, wodurch die synthetischen Urteile a priori ermöglicht werden, muß nicht nur subjektiv, sondern auch objektiv, „nicht bloß in der Form des Erkennens, sondern auch in der Form des Seins“73 bestimmt werden.74 Aber er will den in Kantischer Theorie begründeten systematischen Zusammenhang von transzendentalen Apperzeption und Logik bewahren; die ursprünglich-synthetische Einheit der transzendentalen Apperzeption ist nach Kant „der höchste Punkt, an dem man allen Verstandesgebrauch, selbst die ganze Logik, und nach ihr, die Transzendental-Philosophie heften muß“75. Es gehört zu „den tiefsten und richtigsten Einsichten“, die Kant uns in der Kr i tik der reinen Vernunft gegeben hat, „daß die Einheit, die das Wesen des Begriffs ausmacht, als die ursprünglich-synthetische Einheit der Apperzept i on, als Einheit des »Ich denke« oder des Selbstbewußtseins erkannt wird“ (WL II, 254); diese Einheit ist „eines der tiefsten Prinzipien für die spekulative Entwicklung“ und enthält „den Anfang zum wahrhaften Auffassen der Natur des Begriffs“ (WL II, 260f.), denn der Begriff, den Kant in ihr aufgestellt hat, ist „der Begriff von Unte r schiedenem, das ebenso untrennbar ist, einem Identischen, das an ihm selbst ungetrennt Unterschied ist“ (WL I, 240). Hegel deutet also die synthetische Einheit der transzendentalen Apperzeption zu seinem spekulativen Begriffe um, „ohne die von Kant aufgezeigte Heterogeneität der Prinzipien anzuerkennen“76. Er verändert damit auch „die Kantische in der transzendentalen Deduktion der Kategorien vorgetragene Lehre von der Objektkonstitution überhaupt“ zu „einer Theorie der Selbstobjektivation der reinen Subjektivität oder des Begriffs“77 aufgrund seinen Gedankens der „negativen Beziehung auf sich selbst“78.

Das eigentliche Zentrum der Differenz von Kant und Hegel findet sich weiter nach D. Henrich nicht in der verschiedenen Interpretation des Subjekt-Objekt-Verhältnisses, sondern „im Gebiet der Ontologie“: „Will man also Hegel von Grund aus verstehen, so darf man nicht von seiner Theorie der Subjekt-Objektbeziehung ausgehen. Man muß mit seiner Kritik an der Ontologie beginnen, die auch in Kants Kritik der reinen Vernunft unangetastet geblieben war.“79 Für Hegel kann eine wahrhafte Beschreibung der wirklichen Welt nicht dadurch erreicht werden, daß es von einer vorausgesetzten Differenz zwischen Einzelnen und deren Ordnung ausgegangen wird, sondern dadurch, daß ein ganzer Vermittlungszusammenhang von Einzelnen und Ordnung, nämlich das Verhältnis von selbständigen Einzelnen, die sich gegen alle anderen verhalten können, zu allgemeinen Existenzbedingungen, von denen die Einzelnen trotz des Selbstverhältnisses in ihrer Einzelheit doch fundamental abhängig sind, untersucht und dargestellt werden muß, und zwar vermittels der Begriffsform der selbstbezüglichen Negat i vität bzw. Andersheit.80 „Alle Begriffe, in denen sich Hegels System entfaltet, sind also Nachfolger und Komplikationen der Grundform von selbstbezüglicher Negation und von selbstbezüglicher Andersheit“.81 Hegels spekulative Logik, worin das ganze Verhältnis zwischen Einzelnen und deren Ordnung durch verschiedene Variablen, nämlich Beziehung auf sich und Beziehung auf Anderes, Reflexion in sich und Reflexion in Anderes, Selbstbeziehung und Bestimmtheit usf., allgemein gesehen, Unmittelbarkeit und Negativität oder Sein und Wesen, auf verschiedene Weisen thematisiert und dargestellt wird, ist daher nicht nur „ein Kanon der Beurte i lung“ wie bei Kant, der die Vernunft auf die „formelle, bloß regulative Einheit des systematischen Verstandesgebrauchs“ beschränkt, sondern Hegel will die Forderung mit Hilfe der Begriffsform der selbstbezüglichen Negativität bzw. Andersheit geltend machen, daß seine spekulative Logik „ein Organon zur Hervorbringung objektiver Einsichten“ (WL II, 261f.) bzw. „ein Org a non der Wahrheit82 sein müsse.

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Zusammengefaßt bezieht sich Hegels Wissenschaft der Logik mit dem Prinzip der Identität der Logik und Metaphysik bzw. Denken und Sein in der Auseinandersetzung mit der Tradition des abendländischen Denkens insbesondere auf dreierlei: auf die vormalige Metaphysik als „bloße Verstandesansicht der Vernunftgegenstände“83, die formelle Logik und die von Kant begründete und in der Nachfolge Kants ausgebildete Transzendentalphilosophie.84 In dieser Auseinandersetzung bemüht Hegel sich darum, durch die Betrachtung der Natur des Denkens und seiner Bestimmungen ihren einen totalen systematischen Vermittlungszusammenhang herzustellen, den die vergangenen europäischen Denkens und die empirischen Wissenschaften nicht in Blick nehmen konnten: „Es ist die Aufgabe der Wissenschaft der Logik, den Zusammenhang von differenzloser Allgemeinheit und Bestimmtheit in Gegensätzen als Ausdruck ein und derselben Selbstbeziehung denkbar zu machen. Damit sichert sie, daß Substanz nur durch Subjekt und Subjekt nur im Blick auf Substanz in Begriffen artikuliert werden kann.“ Diese Substanz-Subjekt-Totalität zeigt nicht nur „die Einheit Entgegengesetzter“ auf, sondern auch „die Einheit ihrer Einheit und ihrer Differenz“85, die daher „eine Synthesis von Synthesen“86 genannt ist. Sie begreift Hegel als den realen Begriff oder die spekul a tiven Idee. Der ganze Aufbau der Wissenschaft der Logik, die aus der objektiven und der subjektiven Logik besteht, ist es, die Entstehung einer bestimmten ontologischen Konzeption der spekulativen Idee zu erstellen; auf diese Konzeption zielt Hegels ganze Logik ab in ihrer Dreiteilung: Sein, Wesen, Begriff als „Ontologiekerne“87, deren reine Bestimmungen „die Grundlage und das innere einfache Gerüst der Formen des Geistes“ (WL II, 257) ausmachen. Und der Inhalt der ganzen Logik ist nichts anderes als eine Deduktion der spekulativen Idee. Insofern ist Hegels spekulative Logik „ein System von Denkbestimmungen überhaupt“, bei denen „der Gegensatz des Subjektiven und Objektiven“88 hinwegfällt und die nur als „bestimmte Entwicklungsstufen der Idee“89 ihre Gültigkeit haben. „Das System der Logik ist das Reich der Schatten, die Welt der einfachen Wesenheiten, von aller sinnlichen Konkretion befreit.“ (WL I, 55)

I.2. Reflexion bei Hegel

In der Wissenschaft der Logik ist die Wesenslogik, die „die Kategorien der Metaphysik und der Wissenschaften überhaupt“ enthält, wie Hegel selber sagt, „der schwerste Teil der Logik“, weil sie diese Kategorien nicht wie der reflektierende Verstand „als selbständig annimmt und zugleich auch ihre Relativität setzt, beides aber nur neben- oder nacheinander durch ein Auch verbindet“, sondern weil sie diese beiden Gedanken, ihre Selbständi g keit und ihre Relativität, „zusammenbringen“ und „zum Begriffe vereinen“ will.90 Der Begriff des Wesens, der durch diese totale Vermittlung konzipiert wird, ist daher selbst so komplex verstehbar. Und die Kategorien, die von Hegel in der ganzen Wesenslogik abgehandelt worden sind, nämlich Reflexionsbestimmungen, Grund, Bedingung, Existenz, Ding(-an-sich), Erscheinung, Gesetz, Welt, Kraft, Substanz, Macht, Modalbegriffe, Kausalität, Wechselwirkung usf., enthalten so verschiedene Bedeutungen in sich, daß es schwierig sein mag, zu erkennen, wie sie unter einem Titel ›Wesen‹ zusammengefaßt werden können, und daß es auch unmöglich sein mag, sie durch eine einheitliche Methode zu betrachten. Somit, wenn man in die Wesenslogik hineinkommen und die Bedeutungen ihrer Kategorien so richtig wie möglich verstehen will, mag man sich selber fragen müssen, unter welchem Prinzip und mit welchen methodischen Begriffsmitteln, die auch in der Logik selbst gerechtfertigt und dargestellt werden müssen, die Wesenslogik und ihre Kategorien untersucht und verstanden werden können. Die Versuche, die die Wesenslogik und ihre Kategorien noch verständlicher gemacht und rekonstruiert haben wollen, sind von denen gemacht worden, die sich besonders für die ‚Logik der Reflexion‘ interessieren.91 Damit zustimmend darf der Begriff der Reflexion uns eine wichtige Alternative für betreffendes Verständnis der Wesenslogik und ihrer Kategorien geben, und zwar unter der Voraussetzung, daß die Reflexion bei Hegel die immanente Bewegung des objektiven Denkens oder die eigene Reflexion des Begriffs ist. Dann müssen die logische Struktur der Reflexion, ihre logischen objektiven Funktionsweisen und ihre methodischen Bedeutungen untersucht werden.

Hegels methodische Abhandlung des Reflexionsbegriffs, und zwar in dessen positivem Sinne, ist explizit nur im ersten Kapitel des ersten Abschnitts der Wesenslogik in der Wisse n schaft der Logik dargestellt, das mit dem Titel ›Der Schein‹ überschrieben ist. Aber diese Darstellung ist in den beiden Heidelberger und Berliner Enz y klopädie im ganzen ausgestrichen, und noch die Abhandlung über das zweite Kapitel der Wesenslogik, das ›Die Wesenheiten oder die Reflexionsbestimmungen‹ heißt, hat Hegel in diesen beiden Enzyklopädien fast bis zur Unkenntlichkeit abgekürzt, ganz zu schweigen davon, daß die Abhandlungen über die einigen Kapiteln und Stufen, die die Wesenslogik in der Wissenschaft der Logik thematisiert hat, darin teils ausgeschnitten und teils in die anderen Stellen verlegt sind. Wenn die Wesenslogik überdies entwicklungsgeschichtlich gesehen an Hand der Nürnberger Schriften 92 betrachtet wird, so sieht man auch, daß Hegel hier mit den Vorentwürfen zur Logik hinsichtlich ihrer grundlegenden Kategorien eine fast komplette Wesenslogik vorgelegt hat, worin auch der Begriff der Reflexion mit seinen Schattierungen nur zögernd und unvollständig Einzug gehalten hat. Daß jedoch die ersten beiden Kapiteln der Wesenslogik, die im allgemeinen ‚die Logik der Reflexion‘ genannt sind, zum Verständnisse nicht nur für die Wesenslogik, sondern auch für die ganze Wissenschaft der Logik eine methodisch wichtige Rolle spielen, zeigen die zahlreichen sekundären Literaturen, die in letzten vierzig Jahren veröffentlicht worden sind und in denen die Wesenslogik behandelt worden ist, und zwar „nicht wegen ihrer impliziten Kritik an der klassischen Axiomatik, sondern in der Überzeugung, in diesem Mittelstück, wenn nicht den Kanon, so doch das O r ganon der ganzen Wissenschaft der Logik ausfindig zu machen“93.

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Hegels Begriff der Reflexion erfährt philosophiegeschichtlich gesehen einen radikalen „Bedeutungswandel“94, den die Wissenschaft der Logik voraussetzen muß. Diesem Wandel des Reflexionsbegriffs „korrespondiert“ der Wandel der Logik-Konzeption Hegels95, nämlich Wandel von ihrer Einleitungsrolle in die Metaphysik zur Darstellung der Identität der Logik und Metaphysik. Dieser Wandel der Reflexionsbedeutung könnte als ein Prozeß verstanden werden, worin ein „epistemologischer Bruch“ mit dem traditionellen Reflexionsbegriff gemacht und die Problematik der Reflexion „von der Substanz und vom reflektierenden Subjekt zur Struktur verschoben (Hervorhebung v. Vf.)“96 werden soll, in welche jene ersten beiden aufgehoben und streng relational reformuliert werden; die Reflexion sei als „reine, subjekt- und substratlose in sich bewegte Strukturalität97 zu verstehen, so daß die Hegelsche Reflexion der Reflexion, die „der einfachen metaphysischen Reflexion, dem reflektierenden Verstand, ihre Borniertheit, ihren Mangel an Selbstreflexion vorrechnet“, nicht „bloße Meta-Reflexion“, sondern „Selbst-Reflexion“ sein kann98: Oder als ein Prozeß, worin Hegels Reflexionsbegriff als „genaues Gegenteil-Prinzip von ›Entzweiung‹“ gegen „Reflexion als Argument für den Einheitsgrund von Erkenntnis“ etwa wie bei Descartes und Kant99 einzusehen sein soll, so daß die Reflexion „nicht als solche Argument für das Denken und seinen Einheitszusammenhang“ sei, sondern daß sie ihrerseits stehe „unter Bedingungen, die nicht aus dem Begriff der Reflexion folgen, sondern ihm so vorausgesetzt sind, daß sie ihn erst erklären“; der Reflexionsbegriff sei in diesem Sinne nur „Folge des negationslogisch explizierbaren, voraussetzungslos anfangenden entwicklungslogischen Zusammenhangs, der, im Ausgang vom Gedanken einf a cher Andersheit (H.hebung v. Vf.), dem Begriff einer reflektierenden Beziehung auf sich die ihm zukommende, ihn bestimmende und beschränkende Argumentationsstelle zuweist“100; diese sei die entwicklungslogisch generierte intersubjektive Begriffskonstellation.

In den philosophischen Systemen Hegels fungiert der Reflexionsbegriff allgemein gesehen auf die zwei Weisen, einerseits als die Reflexion, die kritisiert bzw. rekonstruiert werden muß, andererseits als die Reflexion, die einen methodisch konstitutiven Sinn für jedes System in sich enthält. Diese beiden Funktionsweisen der Reflexion sind jedoch in jeder Darstellung jeweiligen Systems Hegels immer zusammen zu berücksichtigen; dieses Zusammen macht Hegels spekulativen Reflexionsbegriff aus.101 Aber hiermit könnte auch „eine Dualität innerhalb des Reflexionsbegriffs“102 gegeben werden, nämlich eine Dualität von schlechter und absoluter, von verständiger und spekulativer oder von äußerlicher und immanenter Reflexion. Ähnlich kann man sagen, daß Hegels Reflexionsbegriff „die Achillesferse monistisch-dualistischer Zweideutigkeit“ gegen die (begriffslogische) Eindeutigkeit103 sei. Diese Dualität bezieht sich z. B. auf den sog. Gegensatz von Reflexion und Spekulation in Hegels früheren kritischen Schriften.104 Im Zusammenhang mit der zu thematisierenden Wesenslogik ist sie so angedeutet worden: „Das Schwanken des Wesens zwischen der ersten und der zweiten Negation erklärt sich letztlich, von allein Unsicherheiten Hegels einmal abgesehen, daraus, daß die Reflexion zwar die sich entäußernde und zu sich zurückkehrende Tätigkeit ist, die beide Negationen in sich vereint, aber so, wie sie unter dem Gesichtpunkt der Trennung sich darstellt, in welcher die erste Negation besteht.“105 Oder so: Die Reflexion leide an den Problemen des Prozesses ins Unendliche, der Zirkularität bzw. Wechselbeziehung oder der Zweideutigkeit106, mit denen sich die Wesenslogik jedoch im Ganzen konfrontiert. Hegel selber kommt zum Ausdruck, daß die Sphäre der Wesenslogik ein Bereich „einer noch unvollkommenen Verknüpfung der Unmittelbarkeit und der Vermit t lung107 sei, die beide Momente der Reflexion ausmachen.

Bevor wir direkt auf diese Probleme eingehen, ist hier zunächst zu bemerken, daß die Terme ›Unmittelbarkeit‹ und ›Vermittlung‹ in Hegels Wissenschaft der Logik durch verschiedene Termini reformuliert worden sind, z. B. Unmittelbarkeit und Negativität, Ansichsein und Bestimmtheit bzw. Dasein, Beziehung auf sich und Beziehung auf Anderes oder Reflexion in sich und Reflexion in Anderes usf., und daß sich jene erwähnten Probleme, im Grunde genommen, auf die Verknüpfungsweisen von diesen beiden Komponenten beziehen, die in der Seinslogik nur implizit – weil darin das Sein, das der Repräsentant der Unmittelbarkeit ist, nur als die Grundlage der Negativität bzw. Reflexion zugrundeliegt – gezeigt und in der Wesenslogik als solche explizit thematisiert und dargestellt werden.108 Es ist offenkundig, daß die Wesenslogik der Ort ist, wo die wesentlichen Bestimmungen des Seins und die in der Seinslogik nur operativ gebrauchten begrifflichen Mittel zur Analyse kommen und die Funktionsweisen von Vermittlung, Aufhebung etc., die „übergreifende Kategorien“109 genannt werden, als solche thematisch werden, selbst wenn Hegel im Schlußkapitel seiner Logik, das mit dem Titel ›Die absolute Idee‹ überschrieben ist, diesen übergreifenden Kategorien einen systematischen Ort widmete, und daß die Bestimmungen des Wesens an sich selbst die zweistelligen Verhältnisbestimmungen sind, nämlich „die bestimmte Seite und die Beziehung dieser bestimmten Seite ... auf ihre Negation“ (WL II, 35). Wenn die oben erwähnten Probleme, wie es gezeigt werden wird, nach Hegels Analyse eben für seinen absoluten spekulativen Idealismus auch genetische, konstitutive Bedeutungen enthalten, mag der Reflexionsbegriff, worauf jene Analyse und Thematik beruht, auch dieselbe Bedeutung in sich enthalten.

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Der Reflexionsbegriff spielt eine wichtige Rolle, den Begriff des Wesens zu definieren und verstehen: „Der Standpunkt des Wesens ist überhaupt der Standpunkt der Reflexion.“110 Zur Identifizierung von Wesen und Reflexion ist es erforderlich, den Reflexionsbegriff nicht nur auf das erste Kapitel des ersten Abschnitts der Wesenslogik zu beschränken, sondern die ganze Beweisidee der Wesenslogik überschauend den Reflexionsbegriff auf die ganze Wesenslogik erweitert anzuwenden und in Anbetracht der Aufgaben der Wesenslogik ihn zu definieren und strukturieren. Außer diesen Forderungen kann es hier noch, um Hegels Reflexionsbegriff genau zu verstehen, vorab auf thesenhafte Weise mitzuteilen sein, daß der Reflexionsbegriff bei Hegel erstens vom Begriffe des Selbstbewußtseins oder des Ich unterschieden werden muß, der am Modell des Bewußtseins gebunden ist und dem Begriff des Verstandes g e gen die Vernunft gleichgesetzt werden kann.111 Zweitens hat der Reflexionsbegriff zu seinem Wesen die strukturelle Einheit der selbstbezüglichen Negativität, die auch ontologisch, d. h. als obje k tive Bewegungsstruktur des Seins,zu verstehen ist, und zwar aufgrund der ursprün g lichen Einheit des Seins und der Negativität, Hegels Terminologie nach, seiner These, daß das Sein in das Nichts und umgekehrt das Nichts in das Sein „nicht übergeht, sondern übergegangen ist“ (WL I, 83); damit ist der Begriff des Widerspruchs, dem die selbstbezügliche Negativität zugrundeliegt, sei es als an sich oder als gesetzt 112, nicht nur mit der negativen, sondern auch mit der positiven Bedeutung als eine Wesensbestimmung dessen, was in Wahrheit wirklich ist, anzusehen.113 Zunächst kann es hier zu sagen, daß Hegels spekulative Reflexion als die immanente Bewegung des objektiven Denkens „die ‚Subjektivität‘ genannte relationale Struktur“114 in sich enthält.

Diese objektiv-logische Struktur der Reflexion kann erst auf die folgende Weise erklärt werden. Hegel hat in der ganzen Wissenschaft der Logik dreimal die Vokabel ›Natur der Reflexion‹ benutzt.115 Diese Natur der Reflexion kann auf zwei Weisen erläutert werden, einmal als die Reflexion, als die sich auf sich beziehende Negativität „sich von sich abzustoßen“ (WL II, 199f.), damit sie die Reflexion in Anderes wird, und andermal als die Reflexion, als die sich auf sich beziehende Negativität auch wiederum „die wesentliche Identität“ (WL II, 153) herzustellen, damit sie die Reflexion in sich wird. Diese beiden entgegengesetzten Reflexionsbewegungen, die sich von sich unterscheidende und die wiederum die Identität herstellende Bewegung, nur in einem machen die Natur der Reflexion aus, und sie sind nicht als Produkte des äußerlichen Vergleichens, sondern als Momente der Selbst-Reflexion des objektiv-logischen Denkens zu verstehen, die die strukturelle Einheit der selbstbezüglichen Negativität zu Natur hat. Nur in diesem Sinne kann die Reflexion „die totale Reflexion“ sein, die aus „Schein nach außen ... Reflexion-in-Anderes“ und „Schein nach innen ... Reflexion-in-sich“ besteht (WL II, 278)116; sie kann somit strukturell gesehen als die Einheit vom Symmetrieverhältnis und Asymmetrieverhältnis dieser beiden Komponenten verstanden werden.117 Sie ist also als totale Reflexion die Bewegung des Selbsts, das sich seiner selbst entäußert und sich in seine Entäußerung versenkt und ebensosehr aus ihr in sich zurückgeht und sie zum Gegenstande und Inhalte macht, als es diesen Unterschied der Gegenständlichkeit und des Inhalts aufhebt. Diese Natur der Reflexion begreift Hegel als „bestimmte[n] Urgrund aller Tätigkeit und Selbstb e wegung“ (WL II, 47). Auf ähnliche Weise stellt Hegel sie in der Einleitung der Vorlesungen ü ber die Geschichte der Philosophie so fest, daß bei der Bewegung der Idee die Entwicklung „nach außen“ oder „das Auseinandergehen der Entwicklung“ ebensosehr „ein Gehen nach innen“ ist, damit die Idee „das Allumfassende und Unveränderliche“ bleibt. „Diese Bewegung ist als konkret eine Reihe von Entwicklungen, die nicht als gerade Linie ins abstrakt Unendliche hinaus, sondern als ein Kreis, als Rückkehr in sich selbst vorgestellt werden muß. Dieser Kreis hat zur Peripherie eine große Menge von Kreisen; das Ganze ist eine große, sich in sich zurückbeugende Folge von Entwicklungen.“ Die Idee ist somit „ein organisches System, eine Totalität, welche einen Reichtum von Stufen und Momenten in sich enthält“118, die ihrerseits jede selbst ein Kreis sind. Diese Charaktere treffen in Augen des Verfassers auch auf die Natur der Reflexion zu.119 „Diese immanente Reflexion der Reflexion in sich und Reflexion in anderes“120 als „die spekulative Reflexion“ macht „Grundthema der Philosophie“ Hegels121 und somit „die ganze Komplexität des Hegelschen absoluten Idealismus“122 aus.

Hegels dialektisch-spekulative Methode und deren Gültigkeit beruhen darauf, wie die selbstbezügliche N e gativität verstanden wird, die die Reflexion zu ihrem Wesen hat. Dieser selbstbezüglichen Negativität liegt, wie D. Henrich sagt, der Gedanke der nicht einmal, sondern „zweimal verdoppelten Negation“123 zugrunde, wodurch nicht nur die Einheit der oben erwähnten beiden Komponenten, sondern die Einheit ihrer Einheit und ihrer Diff e renz erstellt wird. Mit Hilfe dieser Einheit definiert Hegel seine zentralen logischen Begriffe; die Einheit der Einheit und der Differenz von den beiden Komponenten bringt die einheitliche Struktur des ›Wesens‹ und dann des ›Begriffs‹ zum Ausdruck. „Das Negative, dieser abstrakte Ausdruck, hat sehr viele Bestimmungen“.124 Das Negative bezieht sich in der Logik Hegels auch auf die Begriffe, nämlich Bestimmtheit, Unterschied, Andersheit und Widerspruch usf. Wenn wir das, worunter das Negative in Wahrheit verstanden wird, die selbstbezügliche Negativität nennen dürfen, ist diese Negativität „eine der bedeutensten methodischen Grundoperationen der Logik Hegels“125, die „das Prinzip der Totalität“ hat, sich als „übergreifend über die Einseitigkeit der abstrakten Verstandesbestimmungen“126 erweist und den „Standpunkt des Begriffs“127 erzeugt. Indem das Negative, als dessen Grundlage in der Seinslogik das bloße Sein steht, wie es gezeigt werden wird, sich darin zunächst zur „Negation der Negation“ entwickelt, die Hegel den „Anfang des Subjekts“ (WL I, 123) nennt, wird es als „Idealität“ (WL I, 165)128 gesetzt: „Der Satz, daß das Endliche ideell ist, macht den Idealismus aus.“ (WL I, 172)129 Indem diese doppelte Negation in der Wesenslogik weiter als die selbstbezügliche N e gativität gesetzt wird, ist Hegels Begriff als Beweisidee der Wesenslogik das durch das Wesen „wiederhergestellte Sein, aber als die unendliche Vermittlung und Negativität desselben in sich selbst“ (WL II, 269)130, und mit der Idee als ‚Einheit des Begriffs und der Objektivität bzw. Realität‘ erreicht das „Sein“ „die Bedeutung der Wahrheit“ (WL II, 465). Dieses dialektisch-spekulative Programm der Logik Hegels stellt mit Hilfe des Negations- bzw. Negativitätsbegriffs ihren ontologischen, monistischen Systemcharakter heraus, den der Begriff ›Subjekt‹ oder ›Subjektivität‹ zeigt.131

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Im Modell des Bewußtseins bzw. Verstandes tritt die Reflexion nur als eine äußerliche bzw. subjektive Denkweise dessen auf, was das Sein in Wahrheit ist. Hegels Wisse n schaft der Logik setzt aber die Befreiung vom Gegensatze des Bewußtseins voraus, die die Phänomen o logie des Geistes als ihre „Deduktion“ (WL I, 43), und zwar „in einem genetischen Sinne, nicht in einem geltungstheoretischen Sinne“132, thematisch macht.133 Wie gezeigt erfordert Hegels spekulative Logik mit der Aufhebung des Unterschiedes von Logik und Metaphysik, „eine immanente genetische Entwicklung der kategorialen Bestimmtheitsverhältnisse“134 zu zeigen; „die logische Erzeugung der Bestimmtheitsverhältnisse und der Übergang der Denkbestimmungen untereinander“ vollziehen sich in der Logik Hegels „unabhängig von äußerlicher Reflexion“. Damit verliert diese „jegliche konstituierende Funktion für den nunmehr ausschließlich in der eigenen Reflexion des Begriffs fundierten immanenten und konsistenten Prozeß der Denkbestimmungen“.135 Indem Hegels spekulative Logik von jenem Gegensatze des Bewußtseins befreit ist, ist die Reflexion, die den eigenen Gegenstand seiner Logik ausmacht, nicht mehr irgendeine einseitige Reflexion, sondern ‚die Reflexion überhaupt‘; es ist darin die Rede weder von „der Reflexion des Bewußtseins“ noch von „der bestimmteren Reflexion des Verstandes“ – dieser Komparativ bedeutet, daß der reflektierende Verstand das Besondere und das Allgemeine zu ihren Bestimmungen hat, selbst wenn er diese beiden noch durch Auch verbindet –, sondern von „der Reflexion überhaupt“ (WL II, 30f.). Hegel macht also nicht nur die Reflexion, die kritisiert bzw. rekonstruiert werden muß, sondern auch die Reflexion, die den konstitutiven Sinn für seinen Begriff hat, zum Gegenstand seiner Logik, damit er den Begriff der Reflexion erfassen will, der reflexionslogisch gesehen eine systematische Einheit von setzender, äußerer und bestimmender Reflexion zur Darstellung bringt. Dieser Einheit der Reflexion wird die Struktur zugeschrieben, die die Reflexion als totale Refl e xion konstituiert.

Wie die allgemeinen Formen der Reflexion, die aus der setzenden, der äußeren und der bestimmenden Reflexion bestehen, die verschiedenen Verknüpfungsweisen von Unmittelbarkeit und Negativität bzw. Sein und Reflexion thematisieren, handelt es sich in dieser systematischen Einheit der Reflexion um eine totale Vermittlung von Unmittelbarkeit und Negativität, wodurch das Sein in Wahrheit verstanden werden kann. Die spekulative Reflexion, die die selbstbezügliche Negativität bzw. die zweimal verdoppelte Negation zu ihrem Wesen hat, begreift somit das Sein als die Einheit der Einheit und Differenz von Unmittelbarkeit und Negativität; diese totale Einheit als Wahrheit des Seins ermöglicht dessen „Sichselbstgleichheit im Anderssein“136, die in der Logik Hegels sich als die absolute Wirklichkeit als „Einheit des Wesens und der Existenz“ (WL II, 186) und dann als den realen Begriff als „Einheit des Begriffs und der Objektivität“ (WL II, 464) bzw. „Einheit des Begriffs und der Realität“ erweist, damit das Sein „die Bedeutung der Wahrheit“ (WL II, 465) erreicht. Also hat Hegels spekulative Reflexion nicht nur die methodische, sondern auch die ontologische Bedeutung in sich, so daß sie die objektive logische Struktur dessen darstellt, was das Sein in Wahrheit ist; sie ist die logische Struktur des objektiven Denkens, die zugleich die Struktur des wahrhaften Seins selbst ausbildet. Diesen Sacheverhalt sieht Hegel auch z. B. in der Idee Kantischer reflektierender Urteilskraft 137: Es liegt darin „der Begriff der absoluten Reflexion“, denn „das Allgemeine, das Prinzip oder Regel und Gesetz“, zu dem die reflektierende Urteilskraft in ihrem Bestimmen des Unmittelbaren fortgeht, „gilt als das Wesen jenes Unmittelbaren, von dem angefangen wird, somit dieses als ein Nichtiges, und die Rückkehr aus demselben, das Bestimmen der Reflexion, erst als das Setzen des U n mittelbaren nach seinem wahrhaften Sein, also das, was die Reflexion an ihm tut, und die Bestimmungen, die von ihr herkommen, nicht als ein jenem Unmittelbaren Äußerliches, sondern als dessen e i gentliches Sein. (Hier ist alles v. Vf. hervorgehoben.)“ (WL II, 31)138

Im gewöhnlichen Sinne könnte man fragen, wie die Reflexion bzw. Negativität in das Sein selbst hineinkommt oder wie sie die immanente Reflexion des Seins selbst ist. Aber indem Hegels spekulative Logik die Befreiung vom Gegensatze des Bewußtseins voraussetzt und sein Begriff der Reflexion die methodisch-ontologsiche Bedeutung in sich hat, formuliert Hegel mit dem Anspruch auf das An-und-für-sich-selbst-Betrachten der N a tur des Denkens und seiner Bestimmungen, die den „wahrhaften Gegenstand und Inhalt der Vernunft“ ausmachen und in denen dieser „ist, was er ist“ (WL II, 560), jene Frage so um, wie das Sein sich bewegen kann oder wie es sich seine Bestimmtheit geben kann, wodurch es in ein reales Verhältnis seines und seiner Bestimmtheit bzw. Negativität eintritt und damit sich realisiert bzw. entfaltet, wie es in Wahrheit ist. Das Sein hat nur die Bedeutung der Wahrheit, insofern seine Bestimmtheit als ihm selbst angemessen gesetzt wird und es somit in dieser Bestimmtheit bei sich selbst ist; sonst bestände es für die Reflexion nur als die „leere Ide n tität seiner selbst“ bzw. „das völlige Abstraktum139 in „der vollkommenen Unwahrheit“ (WL I, 86). Im Zusammenhang mit der zu thematisierenden Wesenslogik kann diese Umformulierung so angedeutet werden: Nach Hegel ist zuerst das Wesen, das durch den Begriff der Reflexion verstanden werden wird, das, was das Sein in Wahrheit ist; das Wesen ist „die Wahrheit des Seins“ (WL II, 13). Damit wird gefragt, wie das Wesen sich bewegt, sich seine Bestimmtheit gibt und somit sich realisiert. Wenn es selbst zuerst als „die absolute Negativität“ (WL II, 19) verstanden werden kann, die aber dem Sein selbst immanent ist140 und sich als die „eigene, die unendliche Bewegung des Seins“ (WL II, 14) ausweist, kann man zuerst eine Antwort darauf geben: Durch seine absolute Negativität bewegt es sich selbst, d. h. es negiert bzw. setzt sich selbst und gibt sich seine Bestimmtheit. Aber wie verhält es sich zu dieser Bestimmtheit und wie realisiert es sich selbst, damit es der Be g riff wird?

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Diese Frage zu beantworten, ist das Beweisziel der ganzen Wesenslogik. „Der ganze zweite Teil der Logik, die Lehre von dem Wesen, ist Abhandlung der wesentlichen sich setzenden Einheit der Unmittelbarkeit und der Vermittlung.“141 Das Wesen steht zu seiner Bestimmtheit in einem sich setzenden Verhältnisse: „Setzen fällt eigentlich erst in die Sphäre des Wesens, der objektiven Reflexion.“ (WL I, 130) Um dies sich setzende Verhältnis des Wesens zur Bestimmtheit bzw. zum Dasein in detail zu verstehen, müssen wir die Grundstrukturen der logisch-objektiven Reflexion untersuchen, die in der ganzen Wesenslogik thematisch erscheinen und zusammen mit anderen noch weitere Strukturen bilden, und aus der Rücksicht auf die Natur der Reflexion als totale Reflexion, als die immanente Reflexion der Reflexion in sich und der Reflexion in anderes, müssen wir sowohl diese Grundstrukturen der Reflexion voneinander unterscheiden als auch sie in ihre systematische Einheit zusammenbringen; jede Reflexion hat die einheitliche Struktur jener entgegengesetzten Reflexionsbewegungen in sich. Damit müssen auch die Relate, die in jeglicher Reflexionsstruktur thematisch herausgebracht werden und darin ihrerseits die Seiten, im Grunde genommen, der Negativität und der Unmittelbarkeit oder des Wesens und des Seins repräsentieren, und ihre verschiedenen Verhältnisweise analysiert und erörtert werden. Hier kann zunächst bemerkt werden: Welche Reflexionsstruktur in der sich entwickelnden Darstellung des sich setzenden bzw. realisierenden Wesens sich ergibt, hängt davon ab, welche Charaktere die in derselben Reflexionsstruktur herausgebrachten Relate in sich enthalten und in welchem Verhältnisse sie zueinander stehen. Und jede Reflexionsstruktur ergibt sich durch die Analyse und als die Folge einer vorherigen Reflexionsstruktur.

Das Wesen realisiert sich durch die Darstellung dieser Grundstrukturen der Reflexion, die, wie es gezeigt werden wird, aus den allgemeinen und den modifizierten Formen der Reflexion bestehen. In dieser sich entwickelnden Darstellung erweist sich das Wesen als die strukturelle Einheit der selbstbezüglichen Negativität, als die Einheit der Einheit und Differenz von Unmittelbarkeit und Negativität; nur in diesem Sinne enthält es seinem Anspruch nach den Charakter der ontologisch-monistischen Subjektivität in sich.142 Das Wesen bewegt sich, realisiert sich und wird zum ›Begriffe‹. Hegel stellt, wie gesagt, sein Systemprogramm so fest, daß das Wahre nicht nur als Su b stanz, sondern auch als Subjekt aufzufassen und auszudrücken ist; es ist für ihn als „allgemeinstes Konstruktionsprinzip“ „der Gedanke der universellen Vermitteltheit alles Singulären“.143 In diesem Systemprogramm ist ausgedrückt, daß nicht nur die zugrundeliegende Substanz, sondern auch das abstrakte Subjekt in die universelle Vermittlung der Substanz-Subjekt-Totalität zu integrieren sein muß, die durch die Natur der logisch-objektiven Reflexion thematisiert wird. Als Problem gilt Hegel hier, „wie solche Subjektivität dem Begriff der Substanz abgewonnen werden könne oder wie – umgekehrt – in diese Selbstbeziehung Bestimmtheit zu bringen sei“. Hegel arbeitet „die Theorie der Ontologiekerne“ in der Absicht heraus, dieses Problem zu lösen. Hier ist es zu sagen, daß er in seiner spekulativen Logik nicht nur „Bedeutungstheorie“, sondern auch „Ontologie substantialer Subjektivität“ bezweckt. Wird Hegels spekulative Logik „als selbstbezogene Bedeutungsfolge“ und zugleich „als Sequenz von Ontologiekernen in ontologischer Absicht“ beschrieben, so kann noch entschieden werden, „ob und in welchem Sinne sie eine definitive Ontologie überhaupt freisetzen kann“144. Um Substanz als Subjekt und zugleich Subjekt als Substanz zu verstehen, muß die logisch-objektive Reflexion ihrer Natur nach so strukturiert werden, daß die strukturelle Einheit der Einheit und Differenz von Unmittelbarkeit und Negativität aufgrund der selbstbezüglichen Negativität und somit die Selbstbewegung bzw. das Sichbestimmen des wahrhaften Seins bzw. des Wesens ermöglicht wird, damit die „logikimmanente Begriffsstrukturen“145 erklärt werden. Dann wird das Wesen zum ›Begriffe‹. So stellt D. Henrich fest: „Es ist eine Minimalbedingung für jede Interpretation, daß Hegels Systembegriff so gefaßt wird, daß sich die Logik der Reflexion ohne Artikulationsverlust in ihn einschreiben läßt.“146


Fußnoten und Endnoten

1  Was diese frühe systematische Entwürfe Hegels anbetrifft, stellt R.-P. Horstmann (1991) so fest: „Dieser Konzeption zufolge ist es Aufgabe der Logik, in die Philosophie einzuleiten durch die Destruktion der konventionellen Auffassung von Rationalität und ihren Gesetzen, oder in Hegels Terminologie: durch die Destruktion des Reflexionsstandpunktes hinsichtlich der Funktion und der Gültigkeit von sogenannten Verstandesgesetzen einerseits und Verstandesbegriffen – den Kantischen Kategorien andererseits. Ziel dieses Destruktionsprojektes ist wohlgemerkt nicht der Nachweis der Falschheit oder der Sinnlosigkeit dieser Gesetze und Begriffe, sondern der Nachweis ihrer Einseitigkeit, wenn sie bloß sozusagen naturwüchsig gebraucht werden und d. h. wenn sie ohne Einsicht in ihren wahren Bezug auf Wirklichkeit als Mittel der rationalen Realitätserschließung benutzt werden. Diesen ihren wahren Bezug auf Wirklichkeit zu entwickeln und ihn sich an allen Erscheinungsformen und Manifestationen von Wirklichkeit bewähren zu lassen, ist dann die Aufgabe des Systems der Philosophie, an dem Hegel sein Leben lang, letztlich wohl nicht ganz erfolgreich, gearbeitet hat. Das auf die Kontroverse zwischen den Positionen von Kant und Jacobi zurückgehende Programm der Sicherung der Autonomie der Vernunft und damit eines Kernstücks der Aufklärung findet in diesem Projekt Hegels seine ehrgeizigste und radikalste Realisierung.“ (ebd., 170f.)

2  PdG, S. 14. Mit dieser Erhebung erweist sich „das Sein“, mit dem es die Phänomenologie des Geistes zu tun hat, als „eine lebendige Substanz“, die ihrem Wesen nach „ein Subjekt“ ist, „das sich durch die Bewegung des Sich-Anders-Werdens in den gewußten Gegenständen mit der Fülle ihres Reichtums vermittelt und darstellt“. Für Hegel gehört damit zur Seinsweise des Absoluten bzw. des absoluten Wissens „eine sich produzierende Subjektivität, die den Ort herbeiführt, wo die Erkenntnis seines wahren Seins möglich wird“. „Solchermaßen verwandelt sich der methodische Nihilismus der endlichen Reflexion (z. B. in Differenzschrift, Glauben und Wissen) in die phänomenologische Wissenschaft von der Erfahrung des Bewußtseins, die das Absolute in Gestalt einer vermittelten Unmittelbarkeit für eine universale und metaphysische Wissenschaft der Logik zur Verführung stellt.“ (H.-J. Gawoll 2000, 99)

3  Im Jahre 1812/13 ist das erste Band der Wissenschaft der Logik publiziert, das ›die objektive Logik‹ getitelt ist. Und im Jahre 1816 ist ihr zweites Band ›die subjektive Logik‹ und am 1832 die zweite Auflage der Lehre vom Sein veröffentlicht.

4  Im folgenden beziehen sich die Band- und Seitenzahlen, die auf diese Weise in den Haupttext dieser Arbeit eingestellt sind, immer auf die Wissenschaft der Logik (Suhrkamp-Ausgabe), mit einer Ausnahme, daß die erste Ausgabe der Seinslogik (Felix Meiner-Ausgabe, ab.: GW 11) auf dieselbe Weise darin eingestellt ist.

5  PdG, S. 80. Über das Verhältnis von Phänomenologie des Geistes und Wissenschaft der Logik vgl. WL I, 17f., 42f.

6  Die Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften ist im Leben Hegels dreimal publiziert, am 1817 in Heidelberg und am 1827 und 1830 in Berlin. In der ersten Auflage dieses Werkes sind die Stellungen des Gedankens zur Objektivität nicht genau dargestellt wie in seiner zweiten und dritten Auflage, ohne Titel nur die der Metaphysik und der kritischen Philosophie, aber nicht die des Empirismus und des unmittelbaren Wissens. Über den systematischen Stellenwert dieser Stellungen des Gedankens zur Objektivität vgl. bes. W. Flach 1978

7  GW 19, § 24, S. 49 und Enzy. I, § 24, S. 81. In Heidelberger Enzyklopädie hat Hegel auch so festgehalten: „Die Logik ist ... wesentlich speculative Philosophie.“ (GW 13, § 17, S. 25)

8  P. Guyer 1986, 167

9  Dazu vgl. bes. D. Wandschneider 1995, G. M. Wölfle 1994 und V. Hösle 1988

10  In diesem Sinne ist der Standpunkt der Metaphysik nach Hegel nicht nur „das Gegenteil dessen, was die kritische Philosophie zum Resultate hatte“ (Enzy. I, § 28 Zusatz, S. 94), sondern er ist auch „höher“ (ebd., § 28, S. 94) als die kritische Philosophie, selbst wenn diese die Natur des Denkens und der Denkbestimmungen bzw. Kategorien untersucht, damit sie „die Grundlage und den Ausgangspunkt der neueren deutschen Philosophie“ (WL I, 59 Anm.) ausmacht.

11  M. Theunissen 1980, 80. Hegel verteidigt Platon gegen die Vorwurfe, die Ideen von der Existenz abzutrennen und sie zu verselbständigen; für die platonische Ideenwelt gilt nach Hegel: „Sie ist nicht jenseits der Wirklichkeit, im Himmel, an einem anderen Orte, sondern sie ist wirkliche Welt“ (Hegel Bd. 19, S. 39). Als platonische Ideen führt Hegel auf: „Sein, Erscheinen, Werden, Ruhe, Bewegung, Entstehen, Vergehen, ... das Eine, ... Nichtsein“, „Sichselbstgleichheit und Anderssein“; im Parmenides ist nach ihm deren „Einheit“ nicht entwickelt, wohl aber in Philebos und Sophistes (ebd., S. 69, 81).

12  R.-P. Horstmann 1991, 185

13  Enzy. I, § 19 Anm., S. 68

14  Enzy. I, § 24 Zusatz 2, S. 86

15  Enzy. I, § 172 Zusatz, S. 323

16  In diesem Sinne beschreibt Hegel so: „Übrigens findet sich die tiefere Bedeutung der Wahrheit zum Teil auch schon im gewöhnlichen Sprachgebrauch. So spricht man z. B. von einem wahren Freund und versteht darunter einen solchen, dessen Handlungsweise dem Begriff der Freundschaft gemäß ist; ebenso spricht man von einem wahren Kunstwerk. Unwahr heißt dann soviel als schlecht, in sich selbst unangemessen. In diesem Sinne ist ein schlechter Staat ein unwahrer Staat, und das Schlechte und Unwahre überhaupt besteht in den Widerspruch, der zwischen der Bestimmung oder dem Begriff und der Existenz eines Gegenstandes stattfindet. Von einem solchen schlechten Gegenstand können wir uns eine richtige Vorstellung machen, aber der Inhalt dieser Vorstellung ist ein in sich Unwahres. Solcher Richtigkeiten, die zugleich Unwahrheiten sind, können wir viele im Kopfe haben.“ (Enzy. I, § 24 Zusatz 2, S. 86)

17  Enzy. I, § 172 Zusatz, S. 323

18  Enzy. I, § 24 Zusatz 2, S. 86

19  M. Theunissen 1980, 45: „Er (sc. Hegels Wahrheitsbegriff) ist weder im Sinne moderner Wahrheitstheorien zu nehmen noch subsumierbar unter die überlieferte Auffassung der Wahrheit als Korrespondenz. Zwar ist die adaequatio, unter der die Tradition die Übereinstimmung von Sache und Intellekt verstand, nach Hegel im Rahmen der Begriffslogik auf den Grund zurückzuführen, den sie in der Entsprechung von Realität und selber objektivem Begriff hat. Aber in der umfassenden Bedeutung, in welcher der Ausdruck Tendenz und Ziel der gesamten logischen Bewegung angeben soll, meint er im Grunde gar nicht Wahrheit, sondern Wirklichkeit, genauer: die wirkliche Wirklichkeit. Gerade sein inflationärer Gebrauch verrät, daß die spekulative Logik einen spezifischen Wahrheitsbegriff nicht ausgearbeitet hat. Die Wahrheit, um die es hier geht, begreift Hegel von Wirklichkeit her, indem er an das platonische ontos on anknüpft: Die logische Bewegung treibt auf das zu, was ›wahrhaft‹, das heißt eigentlich, ist, auf die substantielle Wirklichkeit.“ Über den Begriff der Wahrheit bei Hegel vgl. auch M. Theunissen 1978, M. Baum 1981 und Chr. Menke 1992

20  PdG, S. 22f. Über die Bedeutung der Konjunktion ›nicht ... sondern ebensosehr‹ vgl. D. Henrich 1967b, 95ff. und 1978a, 204-218. An einer anderen Stelle in Hinsicht auf Anfang und Methode der Logik gibt Henrich diesem Satze folgende Bedeutung: „Hegels Denken läßt sich weder aus der Unüberholbarkeit des Anfangs noch aus der Bewegung, die von ihm ausgeht, für sich allein hinreichend interpretieren, sondern nur mit dem Blick auf beides zugleich. Es ist weder Ursprungs- noch Emanzipationsphilosophie.“ (ders. 1967a, 93 Anm. 25) Hegels Philosophie sei dieser These nach die Ursprungs- und Emanzipationsphilosophie in Einem.

21  M. Heidegger 1993, 12

22  W. A. Pogossjan 1986, 289

23  Enzy. I, § 34 Zusatz, S. 101

24  PdG, S. 23

25  Vgl. WL II, 250: „Die wahrhafte Widerlegung muß in die Kraft des Gegners eingehen und sich in den Umkreis seiner Stärke stellen; ihn außerhalb seiner selbst anzugreifen und da Recht zu behalten, wo er nicht ist, fördert die Sache nicht.“

26  R.-P. Horstmann 1991, 180

27  R.-P. Horstmann 1984a, 47

28  Nach Leibniz-Wolffscher Tradition, der Hegel auch treu bleibt, wird die Metaphysik in zweierlei geteilt: Metaphysica generalis und Metaphysica specialis; jene heißt die Ontologie als „Lehre von den abstrakten Bestimmungen des Wesens“ und diese besteht ihrerseits aus drei Teilen: erstens der rationellen Psychologie oder Pneumatologie, die „die metaphysische Natur der Seele, nämlich des Geistes als eines Dinges“ betrifft, zweitens der Kosmologie, die von „der Welt, ihrer Zufälligkeit, Notwendigkeit, Ewigkeit, Begrenztsein in Raum und Zeit, den formellen Gesetzen in ihren Veränderungen, ferner von der Freiheit des Menschen und dem Ursprunge des Bösen“ handelt, und drittens der natürlichen oder rationellen Theologie, die „den Begriff Gottes oder dessen Möglichkeit, die Beweise von seinem Dasein und seine Eigenschaften“ betrachtet. (Enzy. I, § 33-36)

29  R.-P. Horstmann 1984a, 47

30  Enzy. I, § 213, S. 367

31  Enzy. I, § 236 Zusatz, S. 388. Über den Begriff dieser noesis noeseos vgl. K. Düsing 1984², 305-313

32  K. Düsing 1980b, 44. Hier gibt Düsing diesem Argumente zwei Hinsichten, nämlich die kosmotheologische und die begriffslogische Hinsicht (vgl. ebd., 43f.).

33  W. Bonsiepen 1977, 17

34  Vgl. D. Henrich 1975, 1976, 1978a, 1978b, 1982a und W. Jaeschke 1978. Sonst gäbe es in Augen des Vfs. viele andere Alternativen: Z. B. dürfte man wieder bei der Position der traditionellen sog. Substanzontologie stehenbleiben, oder bei Kantischer Transzendentalphilosophie, oder auch bei verschiedenen Positionen, nämlich der Heterologik (H. Rickert, W. Flach), der universalen kommunikativen Freiheitstheorie (M. Theunissen), der nicht-ontologischen, spekulativen Theorie der Idee der Vernunft (H. F. Fulda), der nicht-ontotheologischen, reinen Subjektivitätstheorie (K. Düsing), der Intersubjektivitätstheorie (V. Hösle, H. Fink-Eitel), der Theorie absoluter Relationalität (M. Theunissen, Chr. Iber), der kategorialen Ontologie (K. Hartmann, G. M. Wölfle) usf.

35  Enzy. I, § 147 Zusatz, S. 291

36  H. Marcuse 1975³, 56

37  Es ist dies der Titel von Stuttgarter Hegel-Kongreß 1987 (hrsg. D. Henrich u. R.-P. Horstmann, Klett-Cotta, Bd. 17, 1988). Hegels Begriff der Subjektivität als Substanz-Subjekt-Totalität dürfte so als die Einheit von beiden wichtigsten Begriffen, Substanz der Tradition und Ich der Modernität, anzusehen sein.

38  PdG, S. 25

39  H. Marcuse 1975³, 43

40  Enzy. I, § 19 Anm., S. 67

41  Enzy. I, § 12, S. 56

42  Enzy. I, § 12 Anm., S. 58

43  PdG, S. 62

44  Enzy. I, § 19 Zusatz 3, S. 71

45  Enzy. I, § 18, S. 63

46  PdG, S. 57

47  F. Schick 1994, 79, 73

48  Th. Kesselring 1997, 92

49  Enzy. I, § 1, S. 41

50  K. Düsing 1984², 23f.

51  Enzy. I, § 237, S. 388f.

52  Enzy. I, § 12 Anm., S. 58

53  Enzy. I, § 237, S. 389. Hegel stellt in diesem Sinne in der Vorrede der Phänomenologie des Geistes so fest: „indem das Wissen den Inhalt in seine eigene Innerlichkeit zurückgehen sieht, ist seine Tätigkeit vielmehr sowohl versenkt in ihn, denn sie ist das immanente Selbst des Inhalts, als zugleich in sich zurückgekehrt, denn sie ist die reine Sichselbstgleichheit im Anderssein“. (PdG, S. 53)

54  Enzy. I, § 22, S. 79

55  Enzy. I, § 24 Zusatz 2, S. 85

56  Enzy. I, § 41 Zusatz 1, S. 114

57  H. Fink-Eitel 1978, 81

58  H. Fink-Eitel 1978, 226 Anm. 6

59  Vgl. Enzy. I, § 25, S. 91: „Das Denken, nur endliche Bestimmungen hervorbringend und in solchen sich bewegend, heißt Verstand (im genaueren Sinne des Wortes). Näher ist die Endlichkeit der Denkbestimmungen auf die gedoppelte Weise aufzufassen: die eine, daß sie nur subjektiv sind und den bleibenden Gegensatz am Objektiven haben, die andere, daß sie, als beschränkten Inhaltes überhaupt, sowohl gegeneinander als noch mehr gegen das Absolute im Gegensatze verharren.“

60  Hegel Bd. 2, S. 26

61  Hegel Bd. 2, S. 43

62  K. Düsing 1984², 96

63  K. Düsing 1984², 95

64  K. Düsing 1984², 94

65  Hegel Bd. 2, S. 26

66  K. Düsing 1984², 93

67  F. Schneider 1990, 179

68  S. Panou 1979, 163

69  I. Kant, KdrV, A 247, B 303

70  Vgl. WL II, 21: „Der unendliche Anstoß des Fichteschen Idealismus mag wohl kein Ding-an-sich zugrunde liegen haben, so daß er rein eine Bestimmtheit im Ich wird. Aber diese Bestimmtheit ist eine dem Ich, das sie zu der seinigen macht und ihre Äußerlichkeit aufhebt, zugleich unmittelbare, eine Schranke desselben, über die es hinausgehen kann, welche aber eine Seite der Gleichgültigkeit an ihr hat, nach der sie, obzwar im Ich, ein unmittelbares Nichtsein desselben enthält.“

71  Für Hegel ist das Schellingsche Absolute so etwas wie „Nacht, in der alle Kühe schwarz sind“ (PdG, S. 22).

72  R.-P. Horstmann 1991, 183f.

73  Hegel Bd. 2, S. 98

74  Diese Wandlung der transzendentalen Einheit der Apperzeption zu einem Prinzip des Seins selbst betont Marcuse als „den eigentlichen Wendungspunkt der nachkantischen Philosophie“, mit Schelling zu sprechen, „die größte Veränderung, die sich seit Cartesius in der Philosophie zugetragen“ hat. (H. Marcuse 1975³, 38 Anm.)

75  I. Kant, KdrV, B 134

76  K. Düsing 1984², 235

77  K. Düsing 1986, 23

78  K. Düsing 1984², 240. Nach Düsing (1984²) hat Kant „weder die reine Apperzeption, obwohl er sie als Prinzip der reinen allgemeinen Logik ansieht, in ihrer methodischen, die Einzelheiten organisierenden Bedeutung bei der Entwicklung dieser Logik dargelegt noch die Konstitution und Struktur ihres Selbstverhältnisses als Grund jener objektiven Einheit theoretisch genauer expliziert“ (ebd., 234f.). Bei dieser Vereinigung der reinen Handlung der Synthesis und der logischen Einheit kommt es nicht nur auf „die Apperzeption als Prinzip der formalen Logik“, sondern auch auf „die Funktion der Apperzeption innerhalb der transzendentalen Deduktion der Kategorien“ an (ebd., 235), nämlich darauf, „daß das Ich, das die Synthesis vornimmt, sich in ihr selbst denken kann“. „Also muß das reine Ich sich sowohl in der von ihm hervorgebrachten Synthesis als auch in der regelnden Einheit selbst vorstellen können.“ (ebd., 238) „Das Verhältnis dieser Selbstbeziehung im Selbstbewußtsein zur von ihm konstituierten objektiven Einheit des Mannigfaltigen hat Kant theoretisch nicht näher entwickelt; ferner hat er die reine Synthesis, die synthetische Einheit und das Bewußtsein der Synthesis und der synthetischen Einheit nicht in argumentativer Folge als Aufbaumomente der Subjektivität expliziert. Er eröffnete den Bereich der Subjektivität als des Prinzips des reinen Denkens und der Logik, ohne zugleich eine vollständig ausgeführte Theorie darüber zu liefern.“ (ebd., 238f.) Dagegen erklärt Hegel „den Zusammenhang des Begriffs der objektiven Einheit mit dem der Selbstbezüglichkeit durch deren Integration in ein Gefüge von Verhältnissen, das beide erst aus sich hervorgehen läßt. Dieses ist die negative Beziehung auf sich selbst, bei der die Bezogenen – jeweils als Reflexion in sich und Totalität – wieder von der Art des Ganzen sind. Sie sind Andere füreinander und darin Identität des Ganzen mit sich. Diese Struktur der Subjektivität ist für Hegel zugleich grundlegendes methodisches Prinzip der systematischen Entfaltung der einzelnen Inhalte der subjektiven Logik. Der reine Begriff wird damit in seiner rein logischen Bedeutung und in seiner Funktion als Prinzip expliziert.“ (ebd., 240)

79  D. Henrich 1982b, 191f.

80  Vgl. D. Henrich 1982b, 188ff. Henrich nennt hier jene ‚die natürliche Ontologie‘ und diese ‚die konstruktive Ontologie‘.

81  D. Henrich 1982b, 201. „Daraus ergeben sich die einfachsten, aber auch grundlegendsten Thesen von Hegels Dialektik: Die positive Beziehung ist in sich selbst negativ; alles ist es selbst nur, insofern es mit sich selbst auch nicht identisch ist; alles Unmittelbare ist wesentlich vermittelt; jedes ist Eines nur, insofern es auch das Andere seiner selbst ist.“ (ebd., 199)

82  Enzy. I, § 52, S. 137: „Dem Denken bleibt ... auf seiner höchsten Spitze die Bestimmtheit etwas Äußerliches; es bleibt nur schlechthin abstraktes Denken, welches hier immer Vernunft heißt. Diese, ist hiermit das Resultat, liefert nichts als die formelle Einheit zur Vereinigung und Systematisierung der Erfahrungen, ist ein Kanon, nicht ein Organon der Wahrheit, vermag nicht eine Doktrin des Unendlichen, sondern nur eine Kritik der Erkenntnis zu liefern. Diese Kritik besteht in ihrer letzten Analyse in der Versicherung, daß das Denken in sich nur die unbestimmte Einheit und die Tätigkeit dieser unbestimmten Einheit sei.“

83  Enzy. I, § 27, S. 93. Diese Metaphysik charakterisiert Hegel auch so: „Die erste Stellung ist das unbefangene Verfahren, welches, noch ohne das Bewußtsein des Gegensatzes des Denkens in und gegen sich (Hervorhebung v. Vf.), den Glauben enthält, daß durch das Nachdenken die Wahrheit erkannt, das, was die Objekte wahrhaft sind, vor das Bewußtsein gebracht werde.“ (ebd., § 26, S. 93)

84  Vgl. G. Günther 1978², 49f.: „Ihr (sc. der traditionellen Logik) Gegenstand ist, wie Hegel sagt, ein ›Jenseits des Denkens‹. ... Für die traditionelle Logik ist der noch formlose Inhalt des Denkens, ›nichts anderes als die leere Abstraktion von aller Bestimmtheit‹, und es ist deshalb nur konsequent, wenn Kant jenes unbestimmte X, welches in den Denkformen gedacht wird und das ihnen ewig transzendent bleibt, als ein Ding an sich bezeichnet hat, ›von dem man ... allerdings nichts wissen kann‹. Es ist also der traditionellen Logik ›um ein Denken über Etwas, das für sich außer dem Denken zugrunde‹ liegt, zu tun. Das Ding an sich ist damit die Grundvoraussetzung der traditionellen Logik. Die traditionelle Logik erhält erst durch die Voraussetzung, daß es transzendente Gegenstände gibt, ihren Sinn. Sie ist ... Logik des Seins. Insofern werden Begriff, Urteil, Schluß, Definition usw. nicht als Formen des selbstbewußten Denkens aufgefaßt, sondern als Formen des ›gegenständlichen Verstandes‹.“

85  D. Henrich 1967b, 98

86  D. Henrich 1976, 210

87  D. Henrich 1978a, 324

88  Enzy. I, § 24 Zusatz 1, S. 81. Hegel fährt hier fort: „Diese Bedeutung des Denkens und seiner Bestimmungen ist näher darin ausgedrückt, wenn die Alten sagen, der νούς regiere die Welt, – oder wenn wir sagen, es sei Vernunft in der Welt, worunter wir verstehen, die Vernunft sei die Seele der Welt, wohne ihr inne, sei ihr Immanentes, ihre eigenste, innerste Natur, ihr Allgemeines.“ (ebd., 81f.)

89  Enzy. I, § 126 Zusatz, S. 258

90  Enzy. I, § 114 Anm., S. 236

91  Zum Beispiel hebt D. Henrich (1978a) im ›Vorwort‹ der Hegel-Tage Chantilly 1971 so hervor: „Alle Kapitel der Logik stehen unter formalen Bedingungen, die nur ihnen eigen sind; die Logik wird nicht wie von einem spekulativen Motor in Bewegung gehalten, der überall, wenngleich verdickt, auf dieselbe Weise wirkt. Aber sie hat doch eine formale Problematik, welche sie als ganze durchherrschen und welche ihr und ihrer Sprache Struktur gibt. Und diese Problematik läßt sich deshalb besonders gut mit Hilfe der Begriffe der Logik der Reflexion entfalten, weil viele der Begriffe, ohne die sie gar nicht dargestellt werden kann, von Hegel in eben diesem Kapitel der Logik ausdrücklich zum Gegenstand einer formalontologischen Analyse gemacht werden.“ (ebd., VIII)

92  Vgl. Hegel Bd. 4

93  R. W. Meyer 1979, 18

94  W. Jaeschke 1978, 95

95  W. Jaeschke 1978, 96f.

96  A. Schubert 1985, 121

97  A. Schubert 1985, 72

98  A. Schubert 1985, 67. In diesem Sinne charakterisiert Schubert Hegelsche Philosophie als „die Schnittstelle, an der sich die Transformation des klassischen Diskurses in den modernen vollzieht“, damit „die grundsätzliche Ambivalenz der Hegelschen Philosophie“ erklärt wird. (ebd., 4) Und er stellt fest: „Die Aktualität des dialektischen Denkens muß sich heute aus der Stellung ermessen lassen, die es zu jener Geistesentwicklung ... einnimmt, die man grob mit ‚Moderne‘ zu bezeichnen pflegt. Die Moderne macht es sich zur Aufgabe, die Krise der Metaphysik zu forcieren, in welche diese durch die Aufklärung und die Erkenntniskritik gestürzt wurde, d. h. letztlich ihren Zerfall zu beschleunigen. Im Grunde war es nur ein kleiner Schritt von der Problematisierung der Repräsentationen des Sinns, der scheinbar feststehenden ontotheologischen Wahrheiten, die sich nun zuallererst einmal vor der Vernunft zu rechtfertigen zu hatten, hin zur Problematisierung der Sinnhaftigkeit des Sinns selbst, der Rationalität der Vernunft selbst und der Wahrheit des Wahrheitsbegriffs als solchen, wie sie in der Moderne statthat. Und doch war dieser Schritt historisch-epistemologisch gesehen ungemein radikal, insofern in der ‚Vollendung‘ von Aufklärung und Erkenntniskritik auch dasjenige mit in den Strudel gezogen wurde, worauf diese sich noch als unumstößliche Wahrheiten beziehen zu können glaubten: die Substantialität der Substanz und die apriorische selbstgewisse Einheit des Subjekts.“ (ebd., 2f.)

99  H. Fink-Eitel 1978, 91

100  H. Fink-Eitel 1978, 92

101  Vgl. W. Jaeschke 1978, 102: „Da Hegel aber Reflexion bereits als Konstruktion der Idee des Absoluten versteht, als absolute Reflexion, so läßt sich schon vom frühesten Logik-Entwurf eine systematische Beziehung zum spekulativen Reflexionsbegriff sinnvoll herstellen“.

102  W. Jaeschke 1978, 102

103  H. Schmitz 1992, 336

104  Vgl. K. Düsing 1969, 1984² und H. F. Fulda 1987

105  M. Theunissen 1980, 358. Im ähnlichen Sinne beschreibt H. Schmitz (1992): „Die Ganzheit, die durch die dialektische Aufhebung im Wesen zu Stande kommt, ist also nur proleptisch, ein labile Schillern zwischen dem Hinausgehen über sich zur übergreifenden Einheit mit dem Andern einerseits und der Zersetzung in der Absonderung von diesem andererseits. Vom speziellen Inhalt der Terme des Wesens ist ihr übereinstimmendes formales Gepräge durch zweideutiges Changieren (Schillern) zwischen den beiden Aspekten der übergreifenden und der abgesonderten Einheit zu unterscheiden.“ (ebd., 30) Während in der Begriffslogik „diese Zweideutigkeit ... konsolidiert [wird] durch Integration beider Einheiten in die Einzelheit als Einheit höherer Stufe, die sie beide ist, indem sie als negative Einheit beide aufhebt“ (ebd., 38), geht es in der Wesenslogik um „diese Ambivalenz des Wesens als Reflexion“ (ebd., 33): „Im Wesen als dem Anderen seiner selbst sind übergreifende Einheit (Identität mit Anderem) und abgesonderte Einheit (Identität mit sich) so zweideutig verzahnt, daß für jeden Term unentschieden bleibt, ob er er selbst oder ein anderer ist.“ (ebd., 146)

106  Vgl. A. Kulenkampff 1970, H. Fink-Eitel 1978 und H. Schmitz 1992

107  Enzy. I, § 114, S. 235

108  Vgl. Enzy. I, § 111 Zusatz, S. 230: „In der Sphäre des Seins ist die Bezogenheit nur an sich; im Wesen dagegen ist dieselbe gesetzt. Dies ist also überhaupt der Unterschied der Formen des Seins und des Wesens. Im Sein ist alles unmittelbar, im Wesen dagegen ist alles relativ.“

109  M. Wetzel 1978, 154

110  Enzy. I, § 112 Zusatz, S. 232

111  Zum Beispiel charakterisiert Chr. Iber (1990) Hegels Reflexionsbegriff so: „Was ist das spezifisch Neue des Reflexionsbegriffs in Hegels Logik? Das Neue an Hegels Reflexionsbegriff ist durch drei Moment gekennzeichnet: 1. Die Reflexion tritt als eine gegenüber dem Bewußtsein verselbständigte ›objektive logische Struktur‹ (A. Schubert 1985, 66) auf. 2. Mit der Ablösung der Reflexion vom reflektierenden Subjekt wird diese zur objektiven Bewegung der Denkbestimmungen. Die Entwicklung der Denkbestimmungen durch ihre eigene Reflexion erfolgt ohne Rückbezug auf ein denkendes Subjekt. 3. Die Darstellung der Kategorienbewegung in der Wissenschaft der Logik beruht auf der logischen Bewegung der ›absoluten Reflexion‹, welche sich als systematische Einheit von setzender, äußerer, und bestimmender Reflexion darstellt.“

112  Vgl. Enzy. I, § 114, S. 235: „Sie (sc. die Sphäre des Wesens) ist daher auch die Sphäre des gesetzten Widerspruchs, der in der Sphäre des Seins nur an sich ist.“

113  Indem Hegel den Reflexionsbegriff und den Widerspruchsbegriff durch die selbstbezüglichen Negativität begreift, rückt er „weit ab von der damals (und heute) geläufigen Auffassung von Reflexion, die ihm allerdings früher selbst einmal (etwa in seiner Fichtekritik) vertraut war und die das endliche, trennende Verstandesdenken meint. Doch schon in der Differenz-Schrift (von 1801) hatte sich ihm das Problem einer ›philosophischen Reflexion‹ (Hegel Bd. 2, S. 66) gestellt, in der das Verhältnis von Identität und Widerspruch neu bestimmt werden soll, weil das Absolute in der (endlichen) Reflexion nur als Antinomie gewußt werden kann. In diesem neuen, spekulativen Sinne gebraucht er den Ausdruck ›Reflexion‹ auch in der »Jenenser Logik, Metaphysik und Naturphilosophie« (von 1804/5) für die methodische Einheit des Denkens von einander widersprechenden Bestimmungen. Die Bestimmungen dieser Reflexion (Identität, Unterschied, Grund) bilden ein ›System von Grundsätzen‹ des spekulativen Erkennens (JS II, S. 135)“. (R. W. Meyer 1979, 14)

114  R.-P. Horstmann 1984a, 248f.

115  Vgl. WL II, 47, 153, 199f.

116  Über die totale Reflexion auch vgl. WL II, 158, 446

117  Die totale Reflexion ist, wie G. Günther sagt, „einmal Reflexion-in-anderes, dann aber auch Reflexion-in-sich der Reflexion-in-sich-und-anderes“; „das ursprüngliches Symmetrieverhältnis von Anderssein und Insichsein wird also von einem zweiten Insichsein übergriffen.“ (ders. 1978², IX)

118  Hegel Bd. 18, S. 46

119  Man kann auch diese Reflexionsbewegungen vergleichen mit der „Realisation des Erkennens“ im Jenaer Systementwurf II, wo die Logik die Einleitungsrolle in die Metaphysik spielt. Die Realisation des Erkennens besteht aus zwei Werden; „im ersten“, nämlich in der Logik, „wird es ... das Andere, als es ist“, und „im zweiten“, in der Metaphysik, „wird es für sich selbst das Andere, als es ist“. (JS II, S. 143) In der Logik erweist sich das Erkennen als das Andere seiner selbst und in der Metaphysik entfaltet sich es zu der im Anderen seiner selbst oder in seinem Gegenstande sich selbst wissenden Selbstbeziehung.

120  W. Flach 1959, 73

121  W. Flach 1959, 75

122  P.-J. Labarrière 1986, 106. Was die entgegengesetzten Bewegungsrichtungen der Reflexion betrifft, wird nach Labarrière Hegels Begriff der Reflexion wie immer durch „eine doppelte Voraussetzungsbeziehung“ artikuliert. Die erste Voraussetzung, die der Reflexion nach außen entspricht, trägt „das Merkmal eines soliden Realismus“: Die Welt muß existieren, und die Logik kann „aus sich kommen“ und „die Figur einer geschichtlichen Wirksamkeit erhalten“; „in diesem Sinne geht das Reelle der Realwissenschaften der Bewegung seines spekulativen Verständnisses in der Logik voraus.“ Die zweite Voraussetzung der Reflexion nach innen aber ist von nicht minderer Wichtigkeit: Wenn „die immanente Dialektik der Natur und des Geistes“ wahrhaft einen Sinn hat, so muß sie sich immer wieder von neuem „im vermittelnden Prozeß der Logik einwurzeln“; „in diesem Sinne geht die Logik den Realwissenschaften voraus und bleibt der eigentliche Grund ihrer Entwicklung.“ „In dieser gedoppelten Voraussetzung und diesem gegenseitigen Vorgehen liegt bereits die ganze Komplexität des Hegelschen ›absoluten Idealismus‹.“ (ebd., 106)

123  D. Henrich 1976, 219. Über den Sinn dieses Gedankens für die Reflexion, bes. für die äußere Reflexion siehe IV.1.2.2: Zusammengehen der Reflexion mit der Unmittelbarkeit.

124  Hegel Bd. 16, S. 419

125  D. Henrich 1978b, 213

126  Enzy. I, § 32 Zusatz, S. 99

127  Enzy. I, § 160 Zusatz, S. 307

128  Vgl. F. Schick 2000, 242: „Diese Charakterisierung (sc. die ›Idealität‹) trägt offenbar einiges systematisches Gewicht, soll damit doch nicht nur ein Interimsstandpunkt, sondern auch der Standpunkt der Philosophie überhaupt bezeichnet sein.“

129  Vgl. Hegel Bd. 16, S. 30, 380: „Spekulative Philosophie ist das Bewußtsein der Idee, so daß alles als Idee aufgefaßt wird“ und „die Allgemeinheit des Denkens, die substantielle Allgemeinheit ist Einheit mit sich, worin alles Einzelne, Besondere nur ein Ideelles ist, kein wahrhaftes Sein hat.“ Zum monistischen Charakter der Philosophie Hegels vgl. D. Henrich 1982a, 1982b, R.-P. Horstmann 1984a, 1985, 1991, H. F. Fulda 1986. Z. B. unter „monistischen Positionen“ werden nach Horstmann (1991) solche verstanden, „die (1) davon ausgehen, daß es letztlich nur eine einzige Entität gibt, von der man zu Recht behaupten kann, sie sei ohne jede Einschränkung wirklich oder real, die infolgedessen (2) darauf insistieren, daß alles das, was uns in mannigfacher Weise als gegenständliche und geistige Wirklichkeit mehr oder weniger unmittelbar präsent ist, nur in einem jeweils spezifisch eingeschränkten Sinn real ist, und die (3) eine Fundierungsrelation in Anspruch nehmen, derzufolge das im eingeschränkten Sinne Wirkliche im uneingeschränkt Wirklichen fundiert ist“. (ebd., 270f. Anm. 16)

130  Vgl. WL II, 312: „In der Sphäre des Begriffs kann es keine andere Unmittelbarkeit geben als eine solche, die an und für sich die Vermittlung enthält und nur durch deren Aufheben entstanden ist, d. i. die allgemeine. ... erst als Allgemeinheit ist sie (sc. die Unmittelbarkeit) die Begriffsbestimmung, an welcher gesetzt ist, daß ihr die Negativität wesentlich angehört.“

131  Zum Begriff ›Subjektivität‹ vgl. R.-P. Horstmann 1991, 256f.: „Was auch immer Hegel im einzelnen mit der Vorstellung gemeint haben mag, daß man die logische Idee als Einheit von subjektivem Begriff und Objektivität aufzufassen habe, soviel scheint deutlich zu sein, daß Hegel die Idee als ein relativ komplexes Gebilde ansieht, dessen es definierende Elemente als subjektiver Begriff und Objektivität gekennzeichnet werden. Die dieses komplexe Gebilde auszeichnende Eigentümlichkeit soll nun darin bestehen, daß die beiden es definierenden Elemente dasselbe sind, und dies in diesem Sinne, (1) daß sie über die gleiche interne Verfassung verfügen, (2) daß sie selbst als Einheit von Elemente auftreten und (3) daß die Beziehung, in der diese Elemente der beiden Elemente der Idee zueinander stehen, dieselbe ist wie die, in der die Elemente der Idee zueinander stehen. Eine Folge dieser Auffassung der internen Verfassung der logischen Idee ist, daß die für sie in Anspruch genommene Kennzeichnung, Einheit zu sein, verstanden werden muß als Hinweis auf die Selbstreflexivität der Idee oder darauf, um es mit Kierkegaard auszudrücken, daß die Idee als ›Verhältnis, das sich zu sich selbst verhält‹, anzusehen ist. Dieser spezifische Sinn von Einheit wird von Hegel bekanntlich mit dem Terminus ‚Subjektivität‘ umschrieben, so daß – wenigstens im logischen bzw. metaphysischen Kontext –, ‚Subjektivität‘ gerade nicht als Gegenbegriff zu Objektivität aufgefaßt werden kann, sondern vielmehr die Funktion hat, die wesentliche Eigenschaft einer hochgradig entwickelten Ganzheit zu beschreiben, als deren Elemente Objektivität und subjektiver Begriff auftreten. Daß Hegel diese Subjektivität selbst wiederum als ‚übergreifende Subjektivität‘ von ‚einseitiger Subjektivität‘ unterscheidet, muß immerhin bemerkt werden, da dieser Unterschied noch eine Rolle spielen wird.“

132  Chr. Iber 2000, 15

133  Zum methodischen Unterschiede von Phänomenologie und Logik vgl. bes. Th. Kesselring 1997, 109 Anm. 25: „Das phänomenologische Bewußtsein projiziert seine Kategorien von allem Anfang an in die Gegenstände des Denkens, doch bleibt ihm diese Projektion unbewußt: Es konzentriert sich auf den Denkinhalt allein und reflektiert nicht auf das Denken selbst, und insofern bilden Denkform und Denkinhalt für es nicht eine Einheit. – Aus der Perspektive der Hegelschen Logik wird dagegen sehr wohl auf das Denken und auf die Einheit von Denkform und Denkinhalt reflektiert; das Denken, das in der Logik der Instanz der ›äußeren Reflexion‹ entspricht, nimmt zu dem sich entwickelnden Bewußtsein eine analoge äußere Perspektive ein wie der Phänomenologe in der Phänomenologie; doch im Gegensatz zu diesem rekonstruiert die Logik die Entwicklung des Denkens als eine Entwicklung von Kategorien bzw. Kategoriensystemen (im Sinne einer Einheit von Denken und Gegenstand), wogegen sie die Phänomenologie als eine Entwicklung der Gestalten der phänomenologischen Differenz zwischen Bewußtsein und Welt bzw. Gegenstand beschreibt.“

134  W. Jaeschke 1978, 86

135  W. Jaeschke 1978, 110f.

136  H. Marcuse 1975³, 43. Nach Marcus (1975³) trägt das Sein „stets seine ›Negativität‹ bei sich, ist seinem innersten Wesen nach Negativität“. Diese ist erst „der Grund des Seins als Bewegtheit, als Geschehen“ (ebd., 47f.); Sein als Bewegtheit ist möglich „auf dem Grunde der absoluten Negativität“, wonach alles Sein geschieht als die Bewegtheit zwischen Ansichsein und Dasein, Wesen und Existenz, Innen und Außen, Möglichkeit und Wirklichkeit“. (ebd., 102) Weil das Sein im Anderssein, in der Negativität seiner selbst ist, muß es sich zugleich „als das, was es ist, im Anderssein bewähren und behaupten“ bzw. „herausstellen, darstellen, offenbaren“. „Diese spezifische Bewegtheit des Sich-hervorbringen, Sich-zeigen macht die eigentliche ›Wirklichkeit‹ des Seienden aus: sie ist wesentlich Sich-erwirken, verwirklichen.“ (ebd., 48) Das Sein ist also „Sichselbstgleichheit im Anderssein“ (ebd., 43) bzw. „Sichselbstgleichheit in der Veränderung“ (ebd., 47) oder „das Sein als Bewegtheit“ (ebd., 50). „Der Blick in diese tiefste Wahrheit des Seins ... läßt Hegel über Jahrhunderte verdeckender Tradition hinweg die großen Entdeckungen der aristotelischen Philosophie wieder lebendig werden.“ (ebd., 48) „Diese Urtatsache“ bezeichnet Hegel als „die seine ganze Philosophie tragende Fundamentalbestimmung“ (ebd., 50).

137  Über Kantischen Unterschied von der bestimmenden und der reflektierenden Urteilskraft siehe IV. Von der Urteilskraft, als einem a priori gesetzgebenden Vermögen in der Einleitung der Kritik der Urteilskraft.

138  Vgl. Enzy. I, § 55 Anm., S. 139f.: „Die Kritik der Urteilskraft hat das Ausgezeichnete, daß Kant in ihr die Vorstellung, ja den Gedanken der Idee ausgesprochen hat. Die Vorstellung eines intuitiven Verstandes, innerer Zweckmäßigkeit usf. ist das Allgemeine zugleich als an ihm selbst konkretgedacht. In diesen Vorstellungen allein zeigt daher die Kantische Philosophie sich spekulativ. Viele, namentlich Schiller, haben an der Idee des Kunstschönen, der konkreten Einheit des Gedankens und der sinnlichen Vorstellung, den Ausweg aus den Abstraktionen des trennenden Verstandes gefunden, – andere an der Anschauung und dem Bewußtsein der Lebendigkeit überhaupt, es sei natürlicher oder intellektueller Lebendigkeit.“

139  Enzy. I, § 44 Anm., S. 121

140  Vgl. WL II, 124: „Das Sein ist die absolute Abstraktion; diese Negativität ist ihm nicht Äußerliches, sondern es ist Sein und sonst nichts als Sein nur als diese absolute Negativität.“

141  Enzy. I, § 65 Anm., S. 156

142  Über die Diskussionen dieser These, das Wesen habe Quasi-Subjektivitätsstruktur, vgl. M. Theunissen 1980, 330, K. J. Schmidt 1997a, 217 Anm. 327 und D. Ferrer 1998, 244ff.

143  J. Bartels 1991, 115. „Soll die Welt als ‚totum‘, d. h. sowohl als Einheit und zugleich als unendliche Verschiedenheit gedacht werden, so ist dies nur möglich, indem dieses ‚totum‘ als ein System von Selbstbezüglichkeit herausgearbeitet und begriffen wird, in dem jedes einzelne Seiende mit allen anderen Seienden vermittelt ist, so daß jedes Seiende alle anderen Seienden in und aus seiner besonderen Existenz heraus perspektivisch reflektiert ... Mit Hilfe einer solchen Systemkonstruktion, in der die qualitative Verschiedenheit und der Zusammenhang der Wirklichkeit zugleich zum Ausdruck gebracht werden, wird ebenfalls verdeutlicht, daß das durch das Modell Repräsentierte keine statische Einheit und keinen statischen Zusammenhang der unterschiedlichen Seinsformen bildet, sondern daß es sich um ein dynamisches System handelt.“ (ebd., 116)

144  D. Henrich 1978a, 324. Z. B. nach R.-P. Horstmann (1984a) nehmen die ontologischen Theorien die Aufgabe wahr, „Möglichkeiten zur Bewältigung von Schwierigkeiten bereitzustellen, die mit der Heterogenität unserer wissenschaftlichen und nicht-wissenschaftlichen Überzeugungen über ‚die Welt‘ zusammenhängen“ (ebd., 251). „Die Berechtigung von ontologischen Theorien besteht anscheinend darin, daß sie Konstruktionen anbieten, die es erlauben, die durch unsere Überzeugungen mehr oder weniger gut definierten ‚Teilwelten‘ als verschiedene Aspekte ein und derselben Welt zu verstehen (, indem – Hinzufügung v. Vf.) diese so gewonnenen Bilder von Teilen der Welt nicht unmittelbar von sich aus auf die Art ihres Zusammenhangs in Einer Welt verweisen. Hinweise darauf zu geben, wie ein solcher Zusammenhang gedacht werden kann, ist daher eines der wesentlichen Ziele von ontologischen Theorien.“ (ebd., 251f.) Und er thematisiert Hegelsche Ontologie als „relationsontologischen Monismus“ bzw. „subjektivitätsontologischen Monismus“, Bradleys Theorie der Relationen als „substanzontologischen Monismus“ und Russells Kritik an der monistischen Theorie der Relationen als „ontologischen Pluralismus“. Aus dieser Thematisierung will er zwei Folgerungen ziehen: Erstens irrt Russell bemerkenswert, „wenn er meint, Hegels ontologische Position als weitgehend identisch mit der von Bradley charakterisieren zu können“; zweitens gibt es „viele Gründe dafür, einen substanzontologischen Monismus für unhaltbar anzusehen“ und „keiner der Gründe, die Russell im Zusammenhang der Diskussion über Relationen anführt, gefährdet jedoch ernsthaft einen relationsontologischen Monismus, wenn es ihn denn geben sollte“. (ebd., 36)

145  W. Jaeschke 1978, 111: „Indem das Subjekt als Substanz begriffen wird, kann es ihr nicht als äußerlich entgegenstehen; an die Stelle unserer Reflexion tritt die substantiale immanente Reflexion. Indem andererseits die Substanz als Subjekt erkannt wird, läßt sich die im frühen substanzmetaphysischen Entwurf notwendig äußerliche Subjektivität logisch als Moment der Begriffsstruktur rekonstruieren; unsere Reflexion wird ersetzbar durch die eigene Reflexion des Begriffs. ... Die Integration sowohl des im frühern substanzmetaphysischen Entwurf äußerlich-subjektiven Erkennens als auch der Seite des Füruns aus dem subjektivitätsmetaphysischen Entwurf 1804/05 in die logischen Begriffe vollzieht sich nicht durch Unterwerfung der Logik unter ein willkürlich entworfenes Konzept der Spekulation, sondern als Schlußpunkt einer langjährigen Ausarbeitung logikimmanenter Begriffsstrukturen, die Hegels frühe, traditionelle Rahmenkonzepte von innen aushöhlen und ihre schrittweise Anpassung an den jeweiligen Stand der Ausbildung interner logischer Verhältnisse erzwingen.“

146  D. Henrich 1978a, 229



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23.01.2007