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9  Zusammenfassung

Zahlreiche Studien haben den therapeutischen Nutzen von systemischem Antibiotika in der Behandlung schwerer Parodontitis gezeigt. Bisher ist allerdings noch nicht geklärt, welches antibiotische Behandlungkonzept das Geeignetste ist. Zu unterschiedliche Studiendesigns der verfügbaren Studien machen einen Vergleich schwierig. Daher sollen in einer randomisierten, klinischen Blindstudie zwei verschiedene, systemische Antibiotika adjuvant zur konventionellen, instrumentellen Behandlung von Patienten mit rapid progressiver Parodontitis (RPP) miteinander verglichen werden.

33 Patienten mit klinisch und radiologisch gesicherter RPP-Diagnose wurden auf 2 Gruppen verteilt: (1) AM-Gruppe (n=17): 500 mg Amoxicillin und 250 mg Metronidazol (3*/ Tag – 10 Tage), (2) D-Gruppe (=16) 200mg Doxycyclin am 1.Tag und 100mg Doxycyclin 13 Tage. Zu Beginn erhielten alle Patienten 3* eine professionelle Zahnreinigung, und anschließend Scaling und Wurzelglättung unter Lokalanästhesie in 2 Sitzungen. 3 Monate später wurde ein Recall und die Antibiose durchgeführt. Im Abstand von jeweils 3 Monaten erfolgten 2 weitere Recallsitzungen. Nach erfolgreicher Mundhygieneinstruktion und zu allen Recallsitzungen wurden alle klinischen Parameter wie Taschentiefe, relatives Attachmentlevel und das Bluten bzw. Pus nach Sondieren mit der Florida probe eruiert.

Die Bestimmung 8 verschiedener Parodontalpathogene wurde mit dem DNS-Sondentest von Meridol® durchgeführt. Die mikrobiologischen Proben wurden mit sterilen Papierspitzen an den vier tiefsten Taschen vor der Antibiose und zu den anschließenden Recalls entnommen und mit der Gensondentechnik im Labor der Wybert GmbH elmex Forschung, Lörrach, analysiert. Zur Bestimmung des IL-1-Genpolymorphismus wurde venöses Blut in der 1. Sitzung abgenommen. Die Auswertung erfolgte mit dem GenoType‚ PRTest (Hain Diagnostika GmbH).

Die klinischen Parameter zeigen sowohl durch die konservative als auch durch die antibiotisch adjuvante Therapie eine signifikante klinische Verbesserung (p< 0,05). Dieser therapeutische Erfolg konnte während der Recallphase von 6 Monaten nach Antibiose nicht nur aufrecht erhalten werden, sondern wie anhand des Attachmentgewinns und der Sondierungstiefenreduktion deutlich wird sogar weiter verbessert werden.


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Beim Vergleich des Amoxicillins+Metronidazols und Doxycyclins konnte eine stärkere Sondierungstiefenreduktion speziell bei den OK-Frontzähnen und -Prämolaren für die Antibiotikakombination diagnostiziert werden. Auch in der antimikrobiellen Wirkung war das Amoxicillin+Metronidazol dem Doxycyclin überlegen. Die Prävalenzen und Keimzahlen/Probe von P. gingivalis, B. forsythus, T. denticola und C. rectus konnten erfolgreich reduziert werden. In der D-Gruppe war diesbezüglich kein Effekt zu erkennen

Die Risikofaktoren für schwere Parodontits wie Rauchen und Genpolymorphismus waren vorhanden, doch eindeutige, klinisch signifikante Korrelationen ergaben sich nicht.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass beide Therapiekonzepte empfohlen werden können.


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22.10.2004