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Einleitung

Eine zunehmende Zahl von Patienten lehnt Amalgam als Füllungsmaterial für die Versorgung ihrer Seitenzähne ab und wünscht sich ästhetische Versorgungsformen. Als Alternativen werden plastische Kompositfüllungen mit oder ohne Einlagen sowie zahnfarbene Inlays verwandt (Richter 1992, Bundesgesundheitsamt 1992, Roulet et al. 1993, Garber und Goldstein 1994, Roulet und Degrange 1996, Roulet 1997, Dietschi und Spreafico 1997). Diese Restaurationen werden mit der Adhäsivtechnik an Zahnstrukturen befestigen, um so den durch die Polymerisationsschrumpfung bedingten Spannungen des Komposits entgegenwirken zu können (Davidson et al. 1984). Durch die Schmelzätztechnik ist es möglich, nahezu randspaltfreie Kunststofffüllungen anzufertigen (Buonocore 1955, Crim und Shay 1987, Lutz et al. 1984, Noack 1988, Gwinnett 1990, Buchalla et al. 1997). Als Schwachstelle werden die prismenfreien Anteile in der zervikalen Schmelzregion angegeben. Die Verjüngung der Schmelzschichtstärken nach apikal stellen somit eine entscheidende Rolle bei schmelzbegrenzenden Füllungsrändern dar (Jörgensen und Ono 1984).

Bei der Verwendung von direkten Kompositfüllungen können nur kleine bis mittlere Kavitäten versorgt werden, deren Kavitätenränder sich im Schmelz befinden sollten (Jensen und Chan 1985). Das Randverhalten von im Dentin befindlichen Füllungsrändern wird noch nicht als voll befriedigend angesehen. Inlays weisen bessere Randeigenschaften auf (Komatsu und Finger 1986, Blunk 1987, Blunk 1988, Blunck und Roulet 1989, Krejci et al. 1990, Krejci et al. 1993, Heymann und Bayne 1993, Prati 1989, Roulet und Lösche 1994, Hannig et al. 1995, Schuckar und Geurtsen 1995, Dietrich et al. 1997, Dietrich et al. 1998).

Eine Alternative zu direkten Kompositfüllungen stellen zahnfarbene Inlays dar, die mit Hilfe von Befestigungsmaterialien in unterschnittfreie kastenförmige Kavitäten adhäsiv verankert werden können (Mörmann et al. 1985, Klaiber 1988, Roulet und Herder 1989, Noak und Roulet 1991). Sie weisen ein [Seite 13↓]überlegenes Randverhalten auf (Reich et al. 1990, Bronwasser et al. 1991, Hürzeler et al. 1991, Isenberg et al. 1991). Der Vorteil des adhäsiv befestigten Inlays gegenüber der plastischen Kompositfüllung besteht darin, dass bei der Eingliederung des Inlays aufgrund des Inlaykörpers nur eine geringe Masse an Befestigungskomposit benötigt wird. Die Schrumpfung des Komposites und die während der Polymerisation wirkenden Kräfte auf die Kavitätenbegrenzungen werden so minimiert (Geppert und Roulet 1986, Herder und Roulet 1988). Im Bereich des Schmelzes sorgt das Einfließen von niedrigviskösen Versiegler (Bonding Agent) auf ein provoziertes Ätzmuster nach der Polymerisation für eine mechanische Verankerung (Buonocore 1955).

Die mikromechanische Verankerung gilt gegenwärtig als anerkannter Haftmechanismus von adhäsiv befestigten Kunststoffen am Dentin (Erickson 1989, Nakabayashi et al. 1982a, Erickson 1992, Pashley et al. 1992a, Pashley et al. 1992b). Sie erfolgt durch Kunststoffzapfen (resin tags) und der Ausbildung einer Hybridschicht (Nakabayashi 1992, Nakabayashi et al. 1992), welche den hauptsächlichen Anteil des Haftverbundes darstellen (Pashley und Carvalho 1997). Durch ein vorsichtiges Ätzen, eine Vorbehandlung und die Diffusion eines hydrophilen Monomers in die oberflächlichen Schichten des Dentins, stabilisiert durch ein amphiphiles Adhäsiv, werden so in der Regel die kunststoffverstärkte Dentinschicht, die Hybridschicht und die Kunststoffzapfen erzielt. Dieses Gefüge muss anschließend mit Licht gehärtet werden, um den Kräften der Polymerisationsschrumpfung des Kompositkunststoffes widerstehen zu können (Erickson 1992). Es bestehen jedoch auch Anzeichen für die Ausbildung eines chemischen Verbundes zwischen Kunststoff und Dentin (Eliades et al. 1990, Spencer et al. 1992, Meerbeek et al. 1993a).

Um den Arbeitsablauf der Haftvermittlung zwischen Dentin und Kunststoff zu vereinfachen, haben die Hersteller versucht, möglichst viele Komponenten, die zur Adhäsion benötigt werden, in einer Flasche zusammenzufassen „One-bottle-System“. Diese stellen die so genannte 5. Generation von Dentinadhäsiven dar. Die besondere Arbeitserleichterung besteht darin, dass nach Auftrag der selbstätzenden Dentinadhäsive das Absprühen mit Wasser [Seite 14↓]und somit die Frage ob die Kavität noch ausreichend feucht oder schon zu trocken ist, entfällt.

Das Problem bei der Eingliederung von hochpräzisen Inlays ist, dass durch die Schichtdicke des polymerisierten Bonding-Kunststoffes es nicht möglich ist, das Inlay vollständig in der Kavität zu platzieren (Meerbeek et al. 1992b, Paul 1995). Die Filmdicke von Dentinadhäsiven variiert zwischen 60 bis 350 µm, wenn sie direkt nach dem Auftragen auf einen präparierten Zahn ausgehärtet wurde (Pashley et al. 1992a). Meerbeek et al. (1992b) fanden bei der Untersuchung von Scotchbond-Adhäsiv Schichtstärken zwischen 50 und 500 µm. Am Übergang der inneren Kavitätenwinkel kann die Filmdicke des Bonding-Kunststoffes von 60 bis zu 350 µm betragen (Peter et al. 1997, Pashley et al. 1992). Aus diesem Grund werden bei dem Eingliedern von keramischen Inlays Kompromisse in der Weise eingegangen, dass vor der Eingliederung des Inlays der Bonding-Kunststoff nicht ausgehärtet wird. Die Haftwerte von Restaurationen oder Zahnfragmenten ist ohne Vorpolymerisation des Dentinhaftmittels und Applikation eines fließfähigen Komposites geringer (Farik et al. 1998, Naumann 2001). Es ist nicht bekannt welche Auswirkungen dieses Vorgehen auf die Randqualität der Restauration hat.


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26.01.2004