Zusammenfassung

Als Einheimischer des Bwa-Landes, beabsichtige ich in meiner Doktorarbeit, eine lokale Studie über die Problematik der sozialen Dynamik in dieser Zone durchzuführen.

Das Bwa-Land ist ein regionales Gebilde des Verwaltungskreises von Tominian im malischen Südosten an der Grenze zu Burkina Faso. Es gilt als Gebiet der Ethnie der Bwa in Mali. Das Bwa-Land liegt in der Sahelzone, mit für diese Zone typischem Klima und Vegetation, von einigen örtlichen Besonderheiten abgesehen.

Neben der Mehrheit von Bwa leben ethnische Minderheiten der Dafings, der Fulbe, der Dogon, der Minianka usw. in der Region. Alle diese ethnischen Gruppierungen, ausser den Fulben (Viehzüchter), sind typische Hackbauern, die den Ackerbau als Hauptbeschäftigung betreiben. Zusatzaktivitäten sind Kleinhandel, Arbeitsmigration, Tierhaltung, Sammeln von Wildpflanzenerzeugnisse und Handwerk.

Die dörflichen Gemeinschaften des Bwa-Landes, besonders die der Bwa gelten als konservativ. Sie sind auch wenig geforscht, in der Minderheit und in Mali administrativ vernachlässigt. Aus diesen Gründen betrachten viele oberflächliche Beobachter sie als Hindernis für die ländliche Modernisierung bzw. für jegliche Änderung.

Die Analyse der erfahrenen und präsenten sozialen Realitäten der Bauern in der Zone zeigt, dass auch das Bwa-Land dem Gesetz der natürlichen (endogenen) Dynamik und der externen (exogenen) Änderungen (Neuerungen) nicht entgeht. Eigentlich hat das Bwa-Land einer gewissen Autonomie geerbt und besitzt eigene Strategien und Zielsetzungen, die sich inter-aktiv mit seinem agrarischen, sozialen, und politischen Umfeld sehr offen entwickeln.

Davon ausgehend bestehen unsere Basisziele für diese Arbeit im Folgenden:

Um diese sozialdynamische Problematik des Bwa-Landes zu erfassen, wurde ein Forschungsarbeit durchgeführt, die eine Kombination der Methoden und Instrumente der Empirischen Sozialforschung erfordert: Fragebögen (formelle und informelle Interviews), Beobachtung (qualitative Technik der teilnehmenden, halb-formelle und informellen Beobachtung), Literaturrecherche (Inhaltsanalyse und Interpretation bäuerlicher Ausdrücke), Interpretation der Daten mittels des Programms WinMax-QDA.

Der Organisationsplan der Arbeit bis zum Ende bestand aus mehreren Phasen:

  1. Theoretische Vorbereitung,
  2. Zwei getrennte Forschungsaufenthalte in der Forschungsregion in Kreis Tominian in Mali,
  3. Interpretation und Schlussauswertung der gesammelten Daten,
  4. Redaktion der Arbeit

Nach der Analyse der Ergebnisse dieser Arbeit konnten wir die Problematik des Vorgangs der sozialen Dynamik der Dorfgemeinschaften im Bwa-Land beobachten. Ausdrücklich wurde die Entwicklungsstufen der internen Sozialdynamik der Bwa- und Dafingdorfgemeinden in ihrem natürlichen sozialen Umfeld (Änderung der Hierarchie und der Organisation der Dorfgemeinschaft der Bwa und der Dafing, Klimatische Variation, Degradierung der natürlichen Umwelt, etc) und ihr unterschiedliches Verhalten gegenüber der Invasion von externen Änderungsfaktoren (Staat, Migration, Religion, Gesundheits- und Bildungseinrichtungen, Entwicklungshilfe usw.) beobachtet.

Durch die Allgegenwärtigkeit und die lokale Diversität der Änderung können wir bestätigen, dass das pejorative Image (modernisierungsfeindlich und sehr konservativ) des Bwa-Landes nur auf einer sehr schwachen Basis steht. Den beobachteten Fakten zur Folge leben die bäuerlichen Gemeinschaften, wie überall, seit dem Anfang der Zeit in einem dialektischen Verhältnis mit der natürlichen sozialen Umfeld, ohne den widersprüchlichen bzw. vorteilhaften Verhältnissen, die sie mit dem natürlichen sozialen, dem regionalen und dem nationalen Umfeld haben, zu entgehen.

Wir haben festgestellt, dass die Bauern im Forschungsgebiet gegenüber der wachsenden Tendenz der sozialen, geografischen und klimatischen Bedingungen eine Vielzahl von Reaktionen entwickelt haben, um ihre Identität zu bewahren und auszudrücken und um zu überleben.

Ausserdem hat uns der Vergleich zwischen den lokalen Veränderungen des Produktionssystems und derer des Sozialsystems erlaubt festzustellen, dass das Produktionssystem sensibler bzw. anfälliger auf Änderungen reagiert als das Sozialsystem: Vor der agro-klimatischen Bedingungendegradierungen oder der Unsicherheit der landwirtschaftlichen Produktion, sind die untergenommenen Änderungen des Produktionssystems keinen freiwillen Auswahl, sondern ein lebenswichtiges Bedürfnis bzw. eine Pflicht. Hingegen sind die sozialen Änderungen moderater bzw. nur teilweise und langsam. Ausserdem werden sie von den Bauern als Anpassungsstrategien des sozialen Rahmens auf die neuen natürlichen und sozialen Bedingungen gesehen.

Des Weiteren zeigen sich die internen sozialen Veränderungen in der Bauerngemeinschaft der Bwa und Dafing als Veränderungsprozess, der das ganze malische Territorium berührt: die unvermeidbare Integration der Untersuchungsregion in die malische Sozialdynamik. Wir haben diese Entwicklung mittels der sozio-ökonomischen Fakten wie Migration, Verhältnisse mit staatlicher Verwaltung, nicht-staatlichen Institutionen, religiösen Tendenzen, Austauschbeziehungen mit den Nachbarethnien und den städtischen Zentren erhoben. Die externen, im Grunde genommen unvermeidlichen, Änderungsfaktoren agieren (positiv und oder negativ) auf die interne Sozialdynamik. Daher zwingen sie die Bauern dazu, eine Vielzahl von Verteidigungs- und/oder Anpassungsstrategien zu entwickeln um ihre sozio-kulturelle Identität zu schützen und/oder ihr Überleben zu sichern. Wir haben beobachtet, dass diese externen Einflüsse je nach Möglichkeit und Vorteilen dringenden Bedürfnissen von der Bevölkerung angenommen werden. In anderen Worten, eine Änderung wird angenommen oder ihr wird widersprochen je nach dem Risikograd, welches dies für das Sozialsystem im Allgemeinen bedeutet.

Schlussfolgerungen: Im Bezug auf die Ergebnisse dieser Arbeit können wir sagen, dass theoretisch die interne Veränderung innerhalb der Gesamtheit der nationalen Veränderung allen Ethnien, an allen Orten und allen sozialen Schichten – kurz gesagt für alle Lebenden - zueignen ist. Aber sie stellt eine lokale, kulturelle und wirtschaftliche Vielzahl dar. Diese erfordert eine gewisse Vorsicht in der Analyse des Verständnisses auf welcher Ebene es sein macht. Eigentlich ist dieses Verständnis von großer Bedeutung für jede Person, die das Interesse hat, das sozio-ökonomische Funktionieren des ländlichen Raums in unserem Fall und auf allen Ebenen aufzuzeichnen. Da es der Schlüssel für den Erfolg jeder Zusammenarbeit mit dem ländlichen Raum ist. Daher schlagen wir vor, dass eine Analyse der Sozialdynamik jeder Intervention im ländlichen Raum vorausgehen soll.

Ebenso durch Extrapolation bestätigen wir, dass die interne Sozialdynamik nicht nur eine Eigenart des ländlichen Raumes ist. Sie zeichnet auch die interne/allgemeine Sozialentwicklung von Städten, von Ländern, von Unterregionen und von Kontinenten aus. z. B. sind keine Folge des Zufalls die Realitäten Malis wie: das „Bastlerwesen“ (débrouillardise) des Maliers zum Überleben im wirtschaftlich und geografisch ausgebluteten Mali, der bedeutende Beitrag der malischen Migranten und der Entwicklungshelfern zur Verbesserung der Lebensbedingungen der heutigen Leute Malis, oder Mali in seiner sozio-ökonomischen Realität im sozio-ökonomischen Netzwerk Westafrikas,etc. Diese sind die Ergebnisse der Strategien des malischen Genies im Unsicherheitsmanagement.


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28.11.2006