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3  Präzisierte Fragestellung und Hypothesen

Welche Rolle spielt die Persönlichkeit des Alkoholabhängigen? Lässt sich Persönlichkeit bei Personen mit Alkoholmissbrauch oder Alkoholabhängigkeit als Risikofaktor verstehen?

Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der vorliegenden Studie. Alkoholabhängigkeit wird hierbei in unterschiedliche Teilaspekte aufgegliedert. Das Alter bei erstmaliger Entgiftung, die Anzahl an Entgiftungsbehandlungen, die Trinkmenge, die Trinkhäufigkeit sind einige der untersuchten Variablen. Das Rückfallgeschehen wird ebenfalls untersucht. Hierbei wird zunächst die Anzahl an Trinkrückfällen in einem vorgegebenen Zeitraum analysiert. Weiterhin werden konkrete Rückfallsituationen in die Untersuchung einbezogen. Persönlichkeit wird aus unterschiedlichen Perspektiven gesehen. Auf der einen Seite wird der Standpunkt der klinischen Psychologie über den TPF aufgenommen. Andererseits wird der Standpunkt der klinischen Psychopathologie über den SKID-II erfasst. Zuletzt werden auch Trinksituationen, die im Kontext der Studie als Trinkmotivationen gedeutet werden, über das DITS-40 in die Analyse einbezogen. Insgesamt folgt die weitere Analyse methodisch einer Zweistufigkeit des Vorgehens:Im ersten Schritt geht es um eine explorative Herangehensweise. Grundlegende Datenstrukturen werden beschrieben und die bedeutsamen Suchtvariablen werden herausgearbeitet.Im zweiten Schritt wird eine Risikofaktoranalyse durchgeführt. Dabei werden die im ersten Schritt als bedeutsam erkannten Variablen dichotomisiert und in einem binär logistischen Modell neu analysiert. Prädiktoren der logistischen Modelle werden als Risikofaktoren interpretiert. Inhaltlich wird hierbei von der allgemeinen Hypothese ausgegangen, dass die Persönlichkeit des Alkoholabhängigen in sämtlichen Bereichen des Suchtverhaltens einen Einfluss haben kann. Im einzelnen orientiert sich die weitere Analyse an folgenden Hypothesen:

Hypothese 1: Das Alter bei erstmaliger Entgiftung hängt von Variablen der Persönlichkeit ab und ist bei Personen mit starker Persönlichkeitsakzentuierung niedriger als bei Personen ohne entsprechende Persönlichkeitsakzentuierung.

Hypothese 2: Die Anzahl an Entgiftungsbehandlungen hängt von Variablen der Persönlichkeit ab und ist bei Personen mit starker Persönlichkeitsakzentuierung höher als bei Personen ohne entsprechende Persönlichkeitsakzentuierung.


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Hypothese 3: Die Trinkmenge hängt von Variablen der Persönlichkeit ab und liegt bei Personen mit starker Persönlichkeitsakzentuierung höher als bei Personen ohne entsprechende Persönlichkeitsakzentuierung.

Hypothese 4: Die Anzahl der Abstinenztage hängt von Variablen der Persönlichkeit ab und liegt bei Personen mit starker Persönlichkeitsakzentuierung niedriger als bei Personen ohne entsprechende Persönlichkeitsakzentuierung.

Hypothese 5: Die Anzahl an Rückfällen hängt von Variablen der Persönlichkeit ab und ist bei Personen mit starker Persönlichkeitsakzentuierung höher als bei Personen ohne entsprechende Persönlichkeitsakzentuierung.

Fraglich und bisher viel weniger gut untersucht ist die Bedeutsamkeit von Persönlichkeitsakzentuierungen in Bezug auf konkrete Rückfallsituationen der Probanden.

Hierauf beziehen sich die Hypothese 6 und Hypothese 7:

Hypothese 6: Personen mit einem späten erstmaligen Entgiftungszeitpunkt haben oft eine lange adaptierte Suchtvorgeschichte. Es sind oft schizoid akzentuierte Personen, die durch ein kritisches Lebensereignis aus der Bahn geworfen worden sind.

Hypothese 7: Die Persönlichkeit des Alkoholabhängigen hat einen Einfluss auf die konkrete Rückfallsituation des Betroffenen.

Die Hypothesen stützen sich auf die Auswertung der Literatur und sind vom Autor der Studie aufgestellt worden.


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27.05.2005