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4  Methoden

4.1 Planung und Durchführung der Studie

Die Hauptstudie ist in den Monaten Mai 2000 bis Ende April 2001 in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Krankenhauses Cottbus durchgeführt worden. Vorangegangen ist eine Pilotstudie in den Monaten Dezember 1999 bis Januar 2000. Während der Pilotstudie sind die Fragen auf ihre Verständlichkeit geprüft worden und zum Teil umformuliert worden. Die im Zusammenhang der Pilotstudie gewonnenen Daten sind in der Hauptstudie nicht berücksichtigt worden. Teilnehmer an der Hauptstudie sind innerhalb einer speziellen Therapieveranstaltung in die Bearbeitung der Fragebogenmappe eingeführt worden. Der Zeitpunkt der Bearbeitung der Fragen hat im Durchschnitt 10 Tage nach Aufnahme in die Klinik nach Abschluss der Entgiftungsphase gelegen. Die Einschluss- bzw. Ausschlusskriterien für die Teilnahme an der Studie sind von dem behandelnden Arzt in Rücksprache mit dem Autor der Studie geprüft worden. Der Autor der Studie hat die Studienteilnehmer in die Bearbeitung der Fragebogenmappe eingeführt.

4.2 Messinstrumente

Grundlage für die Studie sind vier Fragebögen. Diese sind in zwei Mappen zusammengefasst worden. Personen, die erstmals an einer Entgiftung teilgenommen haben sind als „Erstentgifter“ bezeichnet worden. Personen, die mehrfach an einer Entgiftung teilgenommen haben sind „Mehrfachentgifter“ genannt worden. Erstentgifter haben eine analoge, aber weniger umfangreiche Fragebogenmappe bearbeitet. Die Fragen zum Themenkomplex „Rückfall“ sind für Erstentgifter gestrichen worden. Mehrfachentgifter haben die Fragebogenmappe in ihrer vollen Länge unter Berücksichtigung des Rückfallaspektes bearbeitet.

4.2.1 Entgiftungsfragebogen

Im Entgiftungsfragebogen werden grundlegende Daten erhoben. Zum einen geht es hier um elementare soziodemographische Variablen. Zum anderen werden Fragen zu den Themenkomplexen „Konsumverhalten“, „Suchtverlauf“ und „Rückfall“ gestellt. Dabei werden die „Dokumentationsstandarts für die Behandlung von Abhängigen“ der „Deutschen Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie e.V“ teilweise verwendet. Fragen zum Rückfall nutzen teilweise das „Social Readjustment Rating Questionaire“ von Holmes und Rahe. [Seite 32↓]Die Formulierung der Fragen erfolgt in möglichst geschlossener Form. Mehrfachantworten kommen nicht vor.

4.2.2 DITS-40

Im DITS-40 wird die Häufigkeit des Trinkens in bestimmten Situationen erfasst.

Die Fragestellung lautet jeweils: „Im letzten Jahr trank ich exzessiv Alkohol, wenn…..“

Es folgen jeweils charakteristische Trinksituationen. Die Antwortabstufungen sind: „nie“, „selten“, „oft“ und „fast immer“. Ein Überblick über die Achsen des DITS-40 findet sich im Anhang 9.1.1. Der theoretische Hintergrund des DITS-40 liegt in den Arbeiten von Marlatt und Gordon (1985). Hierauf aufbauend ist in Kanada das „Inventory of Drinking Situations“ von Annis, Graham und Davis (1987) entwickelt worden. Victorio-Estrada (1993) hat das „Inventory of Drinking Situations“ ins Deutsche übersetzt und auf deutsche Verhältnisse übertragen. Die deutschsprachige Langform der kanadischen Orginalversion heißt bei Victorio-Estrada „Deutsches Inventar der Trinksituationen“ (DITS) und umfasst 100 Items. Das DITS-40 ist eine Kurzform des „Deutschen Inventars der Trinksituationen“ und beinhaltet 40 Fragen. Die ursprüngliche Achsenstruktur der Langform wird hierbei beibehalten. Hinsichtlich der Itemzusammensetzung ergeben sich im DITS-40 deutliche Veränderungen gegenüber der kanadischen Orginalversion. Genauere Angaben hierüber und Überlegungen zur faktoriellen Struktur finden sich bei Victorio-Estrada (1993).

Folgende Aussagen zur Güte des DITS-40 lassen sich aufbauend auf den Arbeiten Victorio-Estradas machen:

In der vorliegenden Studie wird das DITS-40 verwendet, um das Trinkverlangen situationsabhängig zu erfassen und zu quantifizieren.

4.2.3 TPF

Der TPF folgt der Tradition der klinischen Persönlichkeitspsychologie. Im TPF werden Aussagen zur eigenen Person vorgegeben. Der Proband hat die Möglichkeit zwischen vier Abstufungen zu wählen. Als Veranschaulichung kann folgendes Beispiel herangezogen werden:

„Ich bin ….offen für Kritik an meiner Person.“ Die Antwortabstufungen sind: „immer“, „oft“, „manchmal“ und „nie“. Ein Überblick über die Achsen des TPF findet sich im Anhang 9.1.2.

Der theoretische Hintergrund des TPF liegt in den Arbeiten von Peter Becker (1989). Dieser geht von einem Konzept der seelischen Gesundheit aus. Erst in einem zweiten Schritt wird das theoretische Konzept faktorenanalytisch fundiert. Dabei werden in einem ersten Teilschritt zwei übergeordnete Faktoren aufgestellt. Diese lauten:

In einem zweiten Schritt wird der Faktor „seelische Gesundheit“ nochmals in drei Teilbereiche aufgegliedert:

In einem dritten Schritt wird jeder der drei Teilbereiche nochmals untergliedert:

Inhaltlich lassen sich somit sieben Indikatorbereiche seelischer Gesundheit abgrenzen.

Fiedler (1997) weist darauf hin, dass sich im TPF die beiden Orthogonalfaktoren der interpersonellen Circumplexmodelle in Gestalt der Achsen „Selbstaktualisierung“ und „selbst bzw. fremdbezogene Wertschätzung“ wieder finden. Dies ist unter anderem dann bedeutsam, wenn therapeutische Schlussfolgerungen gezogen werden.

Zu den Gütekriterien des TPF lässt sich folgendes sagen:

4.2.4 SKID-II

Der SKID-II folgt der Tradition der psychopathologischen Persönlichkeitsdiagnostik. Im SKID-II werden Fragen zur eigenen Person gestellt. Als Beispiel kann folgende Frage dienen:

„Stehen Sie gern im Mittelpunkt?“ Der Proband hat die Möglichkeit zwischen „ja“ und „nein“ auszuwählen. Ein Überblick über die Kategorien des SKID-II findet sich im Anhang 9.1.3.

Der SKID-II ist Teil einer komplexen Diagnostik nach DSM-IV. Auf das sehr aufwendige komplette SKID ist in der Studie verzichtet worden. Diese stützt sich lediglich auf den SKID-II Fragebogen ohne vorangehende strukturierte Interviews auf den Achsen I und II des DSM.


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Es gibt zwei Auswertungsmöglichkeiten des SKID-II Fragebogens:

Die vorliegende Studie arbeitet mit einer dimensionalen Auswertung des SKID-II Fragebogens. Zur Güte der Persönlichkeitsdiagnostik auf der Basis des SKID-II Fragebogens lassen sich folgende Aussagen machen:

4.3 Datenbearbeitung und Statistik

In einem ersten Schritt sind die Rohdaten nach Eingabe in den Rechner aufbereitet worden.

In einem zweiten Schritt sind spezielle statistische Prozeduren angewandt worden.

4.3.1 Datenbearbeitung

Fehlende Werte sind kriteriengeleitet ersetzt worden.

Darüber hinaus sind Plausibilitäten definiert worden und unplausible Daten korrigiert worden.

4.3.1.1 Entgiftungsfragebogen

Fehlende Werte im Zusammenhang der Themenkomplexe „Konsumverhalten“, „Suchtverlauf“ und „Rückfall“ werden durch die entsprechenden Mittelwerte ersetzt.


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4.3.1.2  DITS-40

Die Antworten auf die Fragen des DITS-40 sind wie folgt kodiert: nie=0, selten=1, oft=2, fast immer=3. Im ersten Schritt erfolgt die Ermittlung der Skalenrohwerte. Die Rohwerte der Skalen errechnen sich aus den Kodewerten der entsprechenden Fragen durch Aufsummieren. Im zweiten Schritt werden Subskalen Indizes wie folgt gebildet:

Subskalen Index = (Rohwert/ max Wert der jeweiligen Skala) x 100.

Fehlende Werte werden durch den Mittelwert der vorhandenen Werte der jeweiligen Achse ersetzt. In den Auswertungen wird mit den Subskalen Indizes gearbeitet.

4.3.1.3 TPF

Die Einzelfragen sind wie folgt kodiert: immer = 4 , oft = 3, manchmal = 2 , nie = 1 .

Die Substitution fehlender Werte wird auf eine nicht ganz einfache aber in der Handanweisung des Fragebogens eindeutig definierte Form vorgenommen. Dabei tritt für bestimmte Items eine Umkehrung der Schlüsselrichtung auf. Das heißt, die im ersten Schritt zugeordnete Kodierung (1, 2, 3, 4) wird von 5 subtrahiert.

Fehlende Werte werden auf eine exakt in der Handanweisung des Fragebogens definierte Form ersetzt. Die so gebildeten Itemwerte einer Skala werden summiert. Auf diese Weise werden Skalenrohwerte für jeden Probanden erhalten. Diese werden in Alter und Geschlecht adaptiert und entsprechenden T-Werten zugeordnet.

4.3.1.4 SKID-II

Die Kodierung der Einzelfragen erfolgt so, dass „ja“ mit „1“ und „nein“ mit „0“ verschlüsselt wird. Fehlende Werte der jeweiligen Achse werden durch den Mittelwert der vorhandenen Werte der jeweiligen Achse ersetzt. Die Skalenrohwerte errechnen sich als die Summe der Kodierungen über der jeweiligen Achse. Die Skalenindizes errechnen sich aus den Rohwerten wie folgt:

Skalenindex = (Skalenrohwert/ Anzahl der Items der Skala) x 100

Die statistischen Auswertungen arbeiten mit den Skalenindizes

4.3.2 Statistik

Die Auswertung der Daten erfolgt EDV- gestützt über das Statistikpaket SPSS.

Für die Beschreibung der Stichprobe werden einfache Mittel der deskriptiven Statistik eingesetzt. Die weitere Analyse folgt einer Zweistufigkeit der Auswertung. In einer explorativen Datenanalyse werden grundlegende Datenstrukturen erfasst. In der dann folgenden quantitativen [Seite 37↓]Datenanalyse werden quantitative Aussagen möglich. Dabei wird ein logistisches Modell zugrunde gelegt.

Die explorative Datenanalyse stützt sich auf folgende Prozeduren:

Die quantitative Datenanalyse stützt sich ganz wesentlich auf folgende Prozedur:


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27.05.2005