3 Ergebnisse

3.1 Normalpopulation und Bioimpedanzanalyse

3.1.1  Deskriptive Statistik

↓43

Die BIA wurde in Rückenlage an beiden Körperseiten nach der Referenzmethode durchgeführt. Als Rohdaten wurden die RZ, die XC und der PA erfasst und in den Tabellen 3.1 und 3.2 als Quartile, Mittelwert () und Standardabweichung (s) für die linke und rechte Körperseite dargestellt. Eine Schülerin wurde nur auf der linken Seite gemessen.

↓44

Der Fokus der Untersuchung lag in der Beurteilung des Körperwassers. Aus diesem Grunde beschränkte sich die weitere Analyse der Daten auf die Resistanz.

3.1.2 Körpersymmetrie

Der menschliche Körper zeichnet sich äußerlich durch eine strenge Symmetrie aus. Die inneren Organe sind aber asymmetrisch angelegt, und dies könnte Einfluss auf die Impedanzmessung haben. Der Idealfall wäre durch die Differenz der Mittelwerte ( Diff.) = 0 Ω, die Differenz der Standardabweichung (s Diff.) = 0 Ω, den Korrelationskoeffizienten r li/re = 1 charakterisiert. Die Stichprobenergebnisse der Messungen auf der linken (n = 205) und der rechten (n = 204) Körperseite sind:

Diff = 6,8 Ω

s Diff = 16 Ω

r = 0.98

↓45

Die mittlere RZ der linken Seite lag über der mittleren RZ der rechten Seite. Die Differenz zwischen links und rechts betrug 6,8 Ω. Das sind 1,1% des Mittelwertes der RZ der linken Körperseite. Die Differenz zu den Erwartungswerten ist statistisch nicht signifikant von Null verschieden (p = 0,39, ungepaarter t-Test). Individuell waren Differenzen bis zu 45 Ω vorhanden, die durch Körperasymmetrien oder durch Messfehler verursacht sein können. Die einseitige Bestimmung ist für den gesamten Körper repräsentativ. Es ergibt sich allerdings die Möglichkeit, durch eine doppelseitige Bestimmung der RZ Messfehler zu reduzieren. Die Korrelation ist in Abb. 3.1 dargestellt.

Für die weitere Betrachtung wurde die RZ der linken Körperseite herangezogen.

Abb. 3.1 Korrelation der Resistanz [Ω] der linken und der rechten Körperseite, r = 0,98 (n = 204). Der Unterschied zwischen beiden Körperseiten war statistisch nicht signifikant (p = 0,39, ungepaarter t-Test).

↓46

Tab. 3.1 Linke Körperseite; Quartile, Mittelwert, Standardabweichung (s) für die Resistanz, Reaktanz und Phasenwinkel nach Geschlecht getrennt (SEM = Standardfehler des Mittelwertes).

linke
Körperseite

 

Resistanz [Ω]

Reaktanz [Ω]

Phasenwinkel [Grd.]

Geschlecht

w

m

w

m

w

m

Messungen

110

95

110

95

110

95

Minimum

500

412

51

49

4,1

4,6

25% Perzentile

626

570

63

58

5,2

5,2

Median

671

619

70

63

5,8

5,8

75% Perzentile

720

654

74

69

5,8

5,8

Maximum

834

818

94

79

8,1

7,5

Mittelwert

673

613

69

63

5,6

5,7

s

72

73

8,0

7,0

0,6

0,6

SEM

6,88

7,53

0,77

0,72

0,06

0,06

Tab. 3.2 Rechte Körperseite; Quartile, Mittelwert, Standardabweichung (s) für die Resistanz, Reaktanz und Phasenwinkel nach Geschlecht getrennt (SEM = Standardfehler des Mittelwertes).

rechte
Körperseite

 

Resistanz [Ω]

Reaktanz [Ω]

Phasenwinkel [Grd.]

Geschlecht

w

m

w

m

w

m

Messungen

109

95

109

95

109

95

Minimum

502

398

52

49

4,6

4,6

25% Perzentile

622

558

65

59

5,2

5,2

Median

667

612

69

64

5,8

5,8

75% Perzentile

707

652

75

68

6,8

6,4

Maximum

822

786

97

81

8,7

7,6

Mittelwert

667

606

69

64

5,8

5,8

s

73

71

8,5

7,0

0,6

0,6

SEM

7,0

7,8

0,8

0,7

0,06

0,06

3.1.3 Geschlechtsabhängigkeit

Die Körperzusammensetzung zwischen Frauen und Männern weist, wie im Abschnitt 1.2.1 beschrieben, deutliche Unterschiede auf. Im folgenden konnte gezeigt werden, dass die RZ in der Stichprobe unabhängig vom Alter zwischen Mädchen und Jungen unterschiedlich war. Die RZ bei den Mädchen lag im Mittel um 60 ± 10,1 (s) Ω höher als bei den Jungen. Die Beziehung der RZ zu den physischen Charakteristika wurde aus diesem Grunde für die Geschlechter getrennt analysiert. Die Verteilungen der RZ für die Mädchen und Jungen sind in Abb. 3.2 und 3.3 gegeben.

3.1.4  Korrelation der Resistanz mit den physischen Charakteristika

↓47

Die RZ ist als elektrischer Widerstand neben den Ladungsträgern und deren Verfügbarkeit von der Länge und dem Querschnitt des Leiters abhängig. In der Entwicklung kommt es proportional zum Alter zu einer Gewichtszunahme und somit zu einem absoluten Anstieg des Körperwassers und der Ladungsträger. Demgegenüber steht die Zunahme der Körperlänge und der Zellsubstanz. In der Untersuchungsgruppe zeigte sich eine negative Korrelation der RZ zu Alter, KG, KL, KOF und BMI. Die Korrelationskoeffizienten sind nach Geschlecht getrennt in der Tab. 3.3 dargestellt. Die negative Korrelation der RZ zu den physischen Charakteristika deutet an, dass in der Wachstumsphase die Zunahme des Körperwassers den stärksten Einfluss auf die RZ hat. Dabei scheint der Zunahme der Muskelmasse die größte Bedeutung zuzukommen.

Die Normalwerte der RZ sollen zum Vergleich mit Dialysepatienten dienen. Um der starken Abhängigkeit von den physischen Charakteristika Rechnung zu tragen, muss eine anthropometrische Bezugsgröße ausgewählt werden. Eine altersabhängige Darstellung, die üblicherweise benutzt wird, ist aufgrund der Wachstumsretardierung und der verzögerten Pubertät der Dialysepatienten ungeeignet. Welche Bezugsgröße im Vergleich zwischen Gesunden und Patienten am geeignetsten ist, wird noch zu klären sein.

Tab. 3.3 Korrelation zwischen der Resistanz und den physischen Charakteristika nach Geschlecht getrennt.

  

Alter [a]

KG [kg]

KL [cm]

KOF [m²]

vBMI [kg/m²]

RZ

Mädchen (n = 110)

r = -0,55

r = -0,67

r = -0,58

r = -0,66

r = -0,70

Jungen (n = 95)

r = -0,66

r = -0,76

r = -0,70

>r = -0,76

r = -0,65

↓48

Abb. 3.2 Verteilung der RZ für die Mädchen (n = 110).

Abb. 3.3 Verteilung der RZ für die Jungen (n = 95).

3.1.5  Vergleichswerte

Die Resistanzwerte der gesunden Kinder sind Normalwerte, die zur Beurteilung der RZ der Dialysepatienten herangezogen werden können. Aufgrund der ausgeprägten Abhängigkeit der RZ von den physischen Charakteristika muss die RZ mit einem dieser Parameter in Bezug gesetzt werden. Ausgehend von der Stärke der Korrelation kommen das KG, der BMI oder die KOF in Frage. Das Alter scheidet wegen der Wachstumsretardierung und der verzögerten Pubertät der Dialysepatienten aus. Die Korrelationen sind für die Geschlechter getrennt mit Regressionsgerade und 95%-Konfidenzintervall (CI) in Abb. 3.4 bis 3.6 dargestellt. Die Regressionsgleichungen für die mittlere Resistanz (RZ)sind gegeben. Das 95%-CI der RZentspricht der 2-fachen Standardabweichung vom RZ. Die einfache Standardabweichung ist in den Abbildungen angegeben. Die Angaben ermöglichen, für beliebige Werte des KG, des BMI oder der KOF den korrespondierenden Normalwert der RZ und des 95%-CI zu berechnen.

3.1.6  Beobachtervarianz

↓49

Die Reproduzierbarkeit der BIA war sehr gut. Die Beobachtervarianz wurde als Varianz-Koeffizient für die RZ auf der linken Körperseite bestimmt und war mit 0,08% minimal.

Abb. 3.4 Normalwerte der RZ in Bezug auf das KG mit Regressionsgerade und 95% Konfidenzintervall für Mädchen (n = 110) und Jungen (n = 95).

Abb. 3.5 Normalwerte der RZ in Bezug auf den BMI mit Regressionsgerade und 95% Konfidenzintervall für Mädchen (n = 110) und Jungen (n = 95).

↓50

Abb. 3.6 Normalwerte der RZ in Bezug auf die KOF mit Regressionsgerade und 95% Konfidenzintervall für Mädchen (n = 110) und Jungen (n = 95).

3.2 Normalpopulation und Durchmesser der Vena cava inferior

3.2.1  Messmethoden

Der IVCD ist nicht nur vom Füllungszustand des Gefäßes, sondern auch von der Höhe des betrachteten Segmentes und den umgebenden Druckverhältnissen abhängig. Im abdominellen Teil ist der Querschnitt meist kommaförmig, im Bereich des Durchtrittes durch das Zwerchfell überwiegend oval bis rund. Im diaphragmalen Abschnitt ist das Gefäß lose fixiert. Ein wichtiger Orientierungspunkt ist das Ligamentum venae cavae. Die Venen gehören zum Niederdrucksystem und der Wandaufbau ist wenig muskulös. Durch einen Lagerungswechsel kann es zu veränderten Druckverhältnissen kommen, die ihrerseits die Form und den Durchmesser beeinflussen. Um den maximalen Durchmesser möglicht genau zu erfassen, erfolgte die sonographische Darstellung der VCI in Rücken- und Linksseitenlage. Bei 9 Kindern konnte der IVCD mindestens einmal nicht nach der Referenzmethode eingestellt werden.

Der maximale Durchmesser der VCI wurde in endexpiratorischer Atemruhelage simultan im B- und M-Mode bestimmt. Es zeigte sich ein Korrelationskoeffizient von r = 0,98. Die Streuung um die Regressionsgerade war symmetrisch und betrug maximal 1,4 mm. Sie war unabhängig von der Weite des Durchmessers. Die Korrelation ist in Abb. 3.7 dargestellt. Die Werte im B- und M-Mode waren nicht signifikant voneinander verschieden (p = 0,73, gepaarter t-Test).

↓51

Daraus ergibt sich, dass die Darstellungen im B- und M-Mode für den geübten Untersucher gleichwertig sind.

Für die weiteren Betrachtungen sind die im M-Mode ermittelten Werte eingeflossen.

Der maximale Durchmesser wird im Folgenden als IVCD bezeichnet.

3.2.2  Deskriptive Statistik

↓52

Der IVCD wurde in Rücken- und Seitenlage nach der Referenzmethode bestimmt. In der Tabelle 3.4 sind die Quartile, Mittelwert () und Standardabweichung (s) für den IVCD in Rücken- und Seitenlage für Mädchen und Jungen gegeben.

Abb. 3.7 Der maximale Durchmessers der Vena cava inferior, gemessen im M-Mode und B-Mode, zeigte eine Korrelation von r = 0.98

↓53

Tab. 3.4 Quartile, Mittelwert, Standardabweichung (s) für den IVCD in Rücken- und Seitenlage, SEM = Standardfehler des Mittelwertes. Angaben in [mm].

 

IVCD Rückenlage

IVCD Seitenlage

Geschlecht

w

m

w

m

Messungen

106

90

106

90

Minimum

6,6

8,1

6,3

7,2

25% Perzentile

10,5

11,3

10,2

11,1

Median

12,3

13,2

11,7

12,3

75% Perzentile

14,7

15,5

13,8

14,4

Maximum

19,5

22,0

17,1

18,5

Mittelwert

12,7

13,4

12,0

12,6

s

2,7

2,8

2,4

2,4

SEM

0,26

0,30

0,23

0,26

3.2.3  Geschlechtsabhängigkeit

Der IVCD der Mädchen und Jungen lag bei 12,7 ± 2,7 (s) mm und 13,4 ± 2,8 (s) mm in Rückenlage sowie 12,0 ± 2,4 (s) mm und 12,6 ± 2,4 (s) mm in Seitenlage. Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern waren nicht signifikant (p = 0,06 bzw. 0,07, ungepaarter t-Test). Es wurde der Index des Durchmessers der Vena cava inferior (IVCI) als IVCD/KOF berechnet. Der IVCI für Mädchen und Jungen betrug 10,3 ± 1,7 (s) mm/m² und 10,6 ± 1,3 (s) mm/m² in Rückenlage sowie 9,8 ± 1,6 (s) mm/m² und 10,1 ± 1,7 (s) mm/m² in Seitenlage. Bezogen auf die KOF ergab sich ebenfalls weder in Rückenlage noch in Seitenlage ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen Mädchen und Jungen (p = 0,18 bzw. 0,25, ungepaarter t-Test). Daraus ergibt sich in der Konsequenz, dass die Normalwerte des IVCD nicht geschlechtsspezifisch sind.

Die Analyse des IVCD erfolgte für Mädchen und Jungen kombiniert.

3.2.4  Körperlage

↓54

Wie bereits unter 2.4.1 beschrieben führen Druckveränderungen im Gefäß, aber auch in den angrenzenden Körperhöhlen zur Verformung der VCI. Der Verlauf caudal der Leber ist sehr variabel. Die Vorstellung, dass die Körperlage einen Einfluss auf den Querschnitt der Vena cava hat liegt nahe.

In der Untersuchungsgruppe ergab sich eine Abhängigkeit des IVCD von der Körperlage. In der Rückenlage war der Durchmesser im Mittel um 0,7 ± 1,5 (s) mm weiter als in der Seitenlage. Der Korrelationskoeffizient war r = 0,83. Die Korrelation und das Bland-Altman-Diagramm [84] sind in Abb. 3.8 und 3.9 dargestellt. Der Unterschied des IVCD in Rücken- und Seitenlage war statistisch signifikant (p < 0,0001, gepaarter t-Test).

Die Abweichung im Mittel von 0,7 mm entspricht 5,3% des mittleren IVCD in Rückenlage. Wie aus Abb. 3.9 ersichtlich traten im Extremfall Differenzen zwischen -4,2 und 6,9 mm auf. Eine Bestimmung des IVCD in Rücken- und Seitenlage und die Mittelung der Werte ist zur Minimierung des systematischen Fehlers empfohlen. Für die Untersuchungsgruppe ergibt sich ein Durchschnitt aus Rücken und Seitenlage von IVCD = 12,6 ± 2,5 (s) mm. Die Verteilung des IVCD ist in Abbildung 3.10 dargestellt.

↓55

Abb. 3.8 Korrelation des maximalen IVCD in Rücken- und Seitenlage. Der Korrelationskoeffizient war r = 0,83

Abb. 3.9 Die mittlere Differenz des IVCD in Rücken und Seitenlage beträgt 0,7 mm. Die maximale Streuung reicht von -4,2 bis 6,9 mm.

Abb. 3.10 Verteilung des ∅IVCD aus Rücken- und Seitenlage (n = 196).

3.2.5  Korrelation des IVCD mit den physischen Charakteristika

↓56

Der IVCD korrelierte signifikant mit den physischen Charakteristika, dem systolischen Blutdruck, aber nicht signifikant mit dem diastolischen Blutdruck. Eine inverse Korrelation bestand mit der Resistanz und schwach mit dem Puls. IVCD und der IVCD in Rückenlage erbrachten nahezu identische Ergebnisse. Der IVCD in Seitenlage zeigte schwächere Zusammenhänge. Die engste Korrelation bestand zur KL dicht gefolgt von der KOF und dem KG. Die Korrelationskoeffizienten sind in der Tab. 3.5 gegeben.

3.2.6  Vergleichswerte

Wie schon für die Resistanz, so zeigte sich auch für den IVCD ein enger Zusammenhang zu der KOF, dem KG sowie der KL, aber weniger stark ausgeprägt zum BMI.

Es wurde für das KG, die KL und die KOF die Regression berechnet und das 95%-CI ermittelt. Die Korrelation ist mit Regressionsgerade und 95%-CI in Abb. 3.11 bis 3.13 dargestellt. Die Regressionsgleichungen für den mittleren IVCD (IVCD)sind gegeben. Das 95%-CI des IVCDentspricht der 2-fachen Standardabweichung vom IVCD. Die einfache Standardabweichung ist in den Abbildungen gegeben. Die Angaben ermöglichen, für beliebige Werte des KG, der KL oder der KOF den korrespondierenden Normalwert des IVCD und des 95%-CI zu berechnen.

3.2.7  Beobachtervarianz

↓57

Der Beobachtervarianz für den IVCD max. wurde in Rückenlage als Varianzkoeffizient berechnet und lag bei 7,1 %.

Tab. 3.5 Korrelation des IVCD mit den physischen Charakteristika sowie Blutdruck, Puls und RZ.

 

IVCD
Rückenlage

IVCD
Seitenlage

IVCD
Rücken- und Seitenlage

Alter

r = 0,76

r = 0,71

r = 0,77

KG

r = 0,77

r = 0,70

r = 0,77

KL

r = 0,81

r = 0,73

r = 0,81

KOF

r = 0,81

r = 0,72

r = 0,79

BMI

r = 0,55

r = 0,50

r = 0,54

RR syst.

r = 0,51

r = 0,41

r = 0,48

RR diast.

r = 0,24

r = 0,17

r = 0,22

Puls

r = -0,35

r = -0,41

r = -0,40

Resistanz

r = -0,58

r = -0,57

r = -0,60

Abb. 3.11 Normalwerte des IVCD in Bezug auf das KG mit Regressionsgerade und 95%-CI (n = 196).

↓58

Abb. 3.12 Normalwerte des IVCD in Bezug auf die KL mit Regressionsgerade und 95%-CI (n = 196).

Abb. 3.13 Normalwerte des IVCD in Bezug auf die KOF mit Regressionsgerade und 95%-CI (n = 196).

3.3 Dialysepatienten und Gewichtsverlauf

Das KG wurde vor und unmittelbar nach der Dialyse mit einer Seca Präzisionswaage (s.o.) bestimmt. Das mittlere KG der HD-Patienten war 41,8 ± 12,1 (s) kg vor und 40,3 ± 12,0 (s) kg nach der Dialysesitzung. Die Patienten an der PD wurden am Abend vor dem Einlassen und am Morgen nach dem Ablassen des Dialysates gewogen. Das mittlere KG betrug 48,9 ± 9,7 (s) kg bzw. 47,9 ± 9,8 (s) kg. Die Gewichtsabnahme (Δ KG) in beiden Gruppen, war signifikant (p < 0,0001, gepaarter t-Test). Δ KG der HD- und der PD-Patienten lag bei -1,5 ± 0,96 (s) kg respektive -1,0 ± 0,6 (s) kg.

↓59

Bei 62 Messungen an der HD konnte das entzogene Ultrafiltrat ermittelt und mit dem Δ KG verglichen werden. Idealerweise sollte das Δ KG genau um die Menge des UF abnehmen. Statistisch ausgedrückt ergäbe sich ein Korrelationskoeffizient von r = -1 (Identitätslinie Abb. 3.14). Bei der HD korrelierte Δ KG invers mit der Menge des UF, r = - 0,89. Das mittlere Ultrafiltrat an der HD betrug 2,3 ± 1,0 (s) l. Daraus ergibt sich für die UF bezogen auf das Gewicht eine positive Bilanz von 0,8 l. Der Zusammenhang zwischen Gewichtsabnahme und Ultrafiltrat ist graphisch in Abb. 3.14 dargestellt. Die Störfaktoren sind die Nahrungsaufnahme unter der Behandlung, die Restdiurese und die Perspiratio insensibilis.

Abb. 3.14 Die Korrelation von Gewichtsabnahme (Δ KG) und Ultrafiltrat an der HD erbrachte bei 62 Messungen einen Korrelationskoeffizienten von r = - 0,89.

3.4 Dialysepatienten und Blutdruck

Blutdruck und Puls wurden vor und direkt nach jeder Dialyse oszillometrisch mittels eines „Critikon“-Gerätes (s.o.) gemessen und aufgezeichnet. Der BP der HD-Patienten war vor und nach der Dialyse systolisch/diastolisch 140 ± 25 (s) / 91 ± 13 (s)mmHg respektive 127 ± 17 (s) / 80 ± 15 (s) mmHg. Der systolische BP nahm im Mittel um 14 ± 9 (s) und der diastolische BP im Mittel um 11 ± 9 mmHg ab.

↓60

Der Blutdruck der PD Patienten war vor und nach der Behandlung 142 ± 9 (s) / 83 ± 16 (s) mm Hg respektive 138 ± 18 (s) / 77 ± 7 mmHg. Der systolische und diastolische Blutdruck vor und nach der Dialyse nahmen im Mittel um 4 ± 10 (s) und 7 ± 9 (s) mmHg ab.

3.4.1  Blutdruck und Hämodialyse

Aus 77 Messungen vor und 76 Messungen nach der HD ergab sich folgendes Blutdruckprofil. 55 mal (71%) war der BP vor und 63 mal (83%) nach der Behandlung im Normbereich. In 12 Fällen (16%) konnte der BP durch die Behandlung normalisiert werden und bei 3 Messungen (4%) war erst nach der Dialyse der BP erhöht. In 10 Fällen (13%) hatte der Bluthochdruck vor und nach der Behandlung Bestand. Ein Patient versäumte aufgrund einer verkürzten Behandlungsdauer die Messung nach der Dialyse.

Bezogen auf die 26 HD-Patienten ergab sich folgende Verteilung. 13 Patienten (50%) waren nicht hypertensiv. Von den anderen 13 Patienten (50%) konnte bei 8 Patienten (31%) des BP mindestens bei einer Sitzung der BP durch die Dialyse normalisiert werden. Bei 5 Patienten (19%) blieb der BP erhöht und bei 3 Patienten (12%) kam es im Anschluss an die Therapie zu einem Blutdruckanstieg.

↓61

Als Hypotonie wurden Episoden mit Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Kopfschmerz oder Muskelkrämpfen gewertet, die eine intravenöse Flüssigkeitsgabe notwendig machten.

Laut dieser Definition kam es 28 mal (36%) zu einer Hypotonie. Diese Episoden verteilten sich auf 12 Patienten (33%).

3.4.2  Blutdruck und Peritonealdialyse

Aus 12 Messungen vor und nach der Behandlung ergaben sich folgende Zusammenhänge. 10 mal (83%) bestand vor und 9 mal (75%) nach der Dialyse einen normaler BP. In einem Fall wurde der BP durch die Behandlung normalisiert und 2 mal trat die Hypertonie erst nach der Dialyse auf. Hypotonien wurden nicht beobachtet.

↓62

Auf die Patienten bezogen waren 3/5 vor und nach der Behandlung normoton.

3.5 Dialysepatienten und Bioimpedanzanalyse

3.5.1  Deskriptive Statistik Hämodialyse

Die BIA wurde direkt vor der Dialyse und unmittelbar nach dem Abschließen von der Maschine durchgeführt. Die RZ wurde 77 mal vor und 76 mal nach der Behandlung, getrennt nach der Seite mit und ohne Fistel erfasst. 24 Patientinnen und Patienten wurden an drei Behandlungstagen untersucht. Eine Patientin brach die Untersuchung nach einem Tag aus persönlichen Gründen ab. Ein Patient wurde an vier Tagen untersucht. Ein weiterer versäumte wegen einer verkürzten Behandlungsdauer die Messung nach der Dialyse. Die Quartile, Mittelwert, und Standardabweichung für die Resistanz vor und nach der Dialyse, getrennt nach der Körperseite ohne und mit arteriovenöser Fistel sowie Geschlecht sind in Tab. 3.6 gegeben.

3.5.2  Deskriptive Statistik Peritonealdialyse

Die BIA wurde am Abend vor dem Einlassen und am Morgen nach dem Auslauf des Dialysates bestimmt. Die RZ wurde 12 mal vor sowie nach der Dialyse an beiden Körperseiten gemessen. Eine Patientin und ein Patient wurden während drei Zyklen die weiteren während zwei Zyklen untersucht. Quartile, Mittelwert und Standardabweichung für die Resistanz vor und nach der Dialyse getrennt nach dem Geschlecht sind in Tab. 3.7 gegeben.

3.5.3 Körpersymmetrie bei Dialysepatienten

↓63

Patienten an der HD haben an den Extremitäten einen arteriovenösen Kurzschluss (Shunt oder Fistel genannt), der zu einem erhöhtem Blutfluss führt und als Zugangsstelle für den extrakorporalen Kreislauf dient. Dieser Shunt könnte die RZ beeinflussen. Auf der Körperseite ohne Fistel war die Gesamt-RZ aus weiblichen und männlichen Patienten vor der Dialyse im Mittel um 16 Ω höher als auf der Gegenseite. Nach der Dialyse lag sie auf der Seite ohne Fistel um 2 Ω unter der RZ der Gegenseite. Allerdings waren die Unterschiede zwischen den Körperseiten weder vor noch nach der Dialyse statistisch signifikant (p = 0,26 bzw. p = 0,89, ungepaarter t-Test). Zur Vermeidung eines systematischen Fehlers und zur besseren Vergleichbarkeit mit der Normalpopulation wurde die RZ der Körperseite ohne Fistel für die Analyse verwendet.

Die PD-Patienten zeigten an der linken Körperseite vor und nach der Dialyse eine RZ die um 5 ± 32 (s) Ω respektive 6 ± 33 (s) Ω über der, der Gegenseite lagen. Die Unterschiede entsprechen den Abweichungen in der Normalpopulation und sind statistisch nicht signifikant (p = 0,87 bzw. 0,86, ungepaarter t-Test). Für die weitere Analyse wurde die RZ der Körperseite ohne Fistel verwendet.

3.6 Dialysepatienten und Durchmesser der Vena cava inferior

In der Normalpopulation war weder für den IVCD noch für den IVCI ein Unterschied, zwischen Mädchen und Jungen nachzuweisen. Aus diesem Grund wurde darauf verzichtet, den IVCD in der Patientengruppe geschlechtsspezifisch zu erfassen.

3.6.1  Deskriptive Statistik Hämodialyse

↓64

Der IVCD wurde vor und direkt nach der Dialyse jeweils in Rücken und Seitenlage sonographisch gemessen. Bei den 77 Untersuchungen ließ sich 1 mal vor der Dialyse (weder in Rücken- noch in Seitenlage) und nach der Behandlung (9 mal in Rückenlage sowie 5 mal in Seitenlage) die Referenzposition nicht einstellen. Ursache war die Überlagerung des Schallfensters mit Darmluft. Quartile, Mittelwert, und Standardabweichung (s) für IVCD vor und nach der Hämodialyse sind in Tab. 3.8 gegeben.

Der Unterschied des IVCD zwischen Rücken- und Seitenlage war vor und nach der Dialyse statistisch signifikant (p < 0,0001, gepaarter t-Test). Zur Minimierung des Einflusses der Körperlage wurde der Durchschnitt des IVCD (IVCD) aus Rücken- und Seitenlage berechnet. Es ergab sich IVCD vor Dialyse von 14,5 ± 3,0 (s) mm und nach Dialyse von 10,7 ± 3,2 (s) mm.

Für die weitere Analyse wurde der IVCD verwendet.

3.6.2 Deskriptive Statistik Peritonealdialyse

↓65

Die Sonographie der VCI fand am Abend vor dem Einlauf des Dialysates in den Bauchraum und am darauffolgenden Morgen nach dem Ablassen der Flüssigkeit in Rücken- und Seitenlage statt.

Im Gegensatz zu den Patienten an der HD gab es weder vor noch nach der Dialyse einen Unterschied des IVCD zwischen Rücken- und Seitenlage (p = 0,52, respektive 0,59, gepaarter t-Test). Quartile , Mittelwert, und Standardabweichung (s) sind in Tab 3.9 dargestellt. Um zwischen HD und PD vergleichbare Werte zu erhalten, wurde ebenfalls der IVCD aus den Werten vor und nach der Behandlung berechnet. Es ergab sich IVCD 13,8 ± 3,2 respektive 12,8 ± 2,4 (s) mm.

Tab. 3.6 Quartile, Mittelwert, Standardabweichung (s) für die Resistanz vor und nach der Dialyse auf der Körperseite ohne und mit Fistel, nach Geschlecht getrennt, SEM = Standardfehler des Mittelwertes.

HD

RZ vor Dialyse [Ω]

RZ nach Dialyse [Ω]

Fistel

ohne

mit

ohne

mit

Geschlecht

w

m

w

m

w

m

w

m

Messungen

28

49

28

49

28

48

28

48

Minimum

508

470

489

466

617

505

623

511

25% Perzentile

596

544

578

524

712

618

722

630

Median

640

571

615

556

770

684

761

679

75% Perzentile

680

627

656

618

813

744

796

739

Maximum

922

791

925

796

912

870

985

870

Mittelwert

652

593

632

580

762

682

764

684

s

92,8

76,7

86,1

81,8

81,1

85,3

83,2

82,6

SEM

17,54

10,95

16,28

11,68

15,33

12,31

15,72

11,92

↓66

Tab. 3.7 Quartile , Mittelwert, Standardabweichung (s) für die Resistanz auf der linken Körperseite, vor und nach der Dialyse getrennt nach dem Geschlecht (Angaben in [Ω]). SEM = Standardfehler des Mittelwertes.

PD

RZ vor Dialyse [Ω]

RZ nach Dialyse [Ω]

Geschlecht

w

m

w

m

Messungen

5

7

5

7

Minimum

577

474

652

504

25% Perzentile

*

546

*

562

Median

640

661

697

678

75% Perzentile

*

690

*

732

Maximum

660

723

737

744

Mittelwert

627

619

688

645

s

36,7

102,8

35,2

102,3

SEM

16,41

38,87

15,73

38,68

* ungenügende Anzahl von Werten für die Berechnung

Tab. 3.8 Quartile , Mittelwert, und Standardabweichung (s) für IVCD vor und nach der Hämodialyse in Rücken- und Seitenlage, SEM = Fehler des Mittelwertes.

HD

IVCD vor Dialyse [mm]

IVCD nach Dialyse [mm]

 

Rückenlage

Seitenlage

Rückenlage

Seitenlage

Messungen

76

76

68

72

Minimum

7,2

7,6

5,1

6,2

25% Perzentile

12,9

12,4

9,1

7,8

Median

15,0

14,6

11,0

9,6

75% Perzentile

16,5

16,2

13,2

11,9

Maximum

21,1

21,3

19,1

17,7

Mittelwert

14,7

14,3

11,3

10,1

s

3,12

2,92

3,36

2,98

SEM

0,36

0,33

0,41

0,35

Tab. 3.9 Quartile , Mittelwert, und Standardabweichung (s) für IVCD vor und nach der Peritonealdialyse in Rücken- und Seitenlage, SEM = Fehler des Mittelwertes.

PD

IVCD vor Dialyse [mm]

IVCD nach Dialyse [mm]

 

Rückenlage

Seitenlage

Rückenlage

Seitenlage

Messungen

12

12

12

12

Minimum

8,4

10,5

9,6

10,8

25% Perzentile

11,7

12,0

11,4

10,8

Median

13,4

13,5

11,9

12,5

75% Perzentile

15,5

15,2

13,5

14,1

Maximum

19,2

19,8

17,7

17,1

Mittelwert

13,6

13,9

12,7

12,9

s

3,4

3,0

2,5

2,3

SEM

0,99

0,87

0,71

0,65

3.7 Veränderung der Resistanz unter der Hämodialyse

↓67

Die Bioimpedanzanalyse beansprucht für sich, Schwankungen im Wasserhaushaltes des Menschen erkennen zu können. Unter der Dialyse wird dem Körper Flüssigkeit durch Ultrafiltration entzogen. Nach den Prinzipien der Impedanzmessung sollte dies unter sonst gleichen Bedingungen in einer Zunahme der RZ resultieren. Störgrößen sind die Nahrungsaufnahme, Zentralisation des Kreislaufs, Flüssigkeitsverschiebung zwischen den Kompartimenten, die Restdiurese und die Perspiratio insensibilis.

In der Studienpopulation führte der Flüssigkeitsentzug bei den Patienten an der HD zu einem Anstieg der RZ um 94 ± 51 (s) Ω. Dieser Unterschied war statistisch signifikant (p < 0,0001, gepaarter t-Test).

3.7.1 Zusammenhang zwischen Blutdruck- und Resistanzveränderungen

Der Blutdruck ist ein wichtiges Kriterium zur Festlegung des Dialysezielgewichtes. Idealerweise kommt es bei einem optimalen Trockengewicht weder zu hypotonen Episoden unter der Behandlung noch zu einer Hypertonie im interdialytischen Intervall. In der Untersuchungsgruppe wurde bei jedem 2. Patienten vor der Dialyse ein erhöhter BP beobachtet und bei jedem 3. Patienten trat eine interventionsbedürftige Hypotonie auf. Die Kriterien, ab wann bei Symptomen einer Hypotonie intravenös Flüssigkeit gegeben wurde, variierten zwischen den Zentren erheblich. Dadurch war eine sinnvolle Auswertung dieser Daten nicht möglich.

↓68

Zur Beurteilung, ob ein erhöhter BP sich auch in einer veränderten RZ niederschlägt, wurden die Patienten in hyperton und normoton vor und nach der Behandlung gruppiert. Die RZ wurde mit der KOF korreliert, die Regressionsanalyse durchgeführt und die Regressionsgeraden verglichen. In der Gruppe der männlichen Patienten zeigte sich weder vor noch nach der Behandlung ein signifikanter Unterschied zwischen normotonen und hypotonen Patienten.

Bei den weiblichen Patienten war vor der Dialyse der Anstieg der Regressionsgeraden so extrem verschieden, dass ein Vergleich des Schnittpunktes mit der Y-Achse nicht möglich war. Nach der Behandlung waren die Daten für eine Analyse nicht ausreichend.

3.7.2 Zusammenhang zwischen Ultrafiltrat und Resistanzveränderung

Die UF entzieht dem Körper Wasser, welches sich in der Menge des Ultrafiltrates widerspiegelt. Wird die BIA bei Dialysepatienten angewandt, sollte idealerweise die Differenz der RZ (Δ RZ) vor und nach der Dialyse direkt proportional zum Ultrafiltrat sein. Der Grad der Übereinstimmung ist somit ein gutes Maß für die Verlässlichkeit der Meßmethode. Der Korrelationskoeffizient war r = 0,70. In Abb. 3.15 ist die Korrelation für die RZ und das Ultrafiltrat dargestellt.

↓69

Abb. 3.15 Korrelation der RZ und des Ultrafiltrates der HD-Patienten. Der Korrelationskoeffizient betrug r = 0,70 (n = 61).

3.8  Veränderung des IVCD unter der Hämodialyse

Dem Körper des Patienten wird unter der Dialyse Flüssigkeit entzogen. Falls die Bilanz zwischen Zufuhr und Ultrafiltration negativ ist, sollte eine Abnahme des IVCD folgen. Die HD führte zu einer signifikanten Abnahme des IVCD (ΔIVCD) um 3,6 ± 2,3 (s) mm (p < 0,0001, gepaarter t-Test).

3.8.1 Zusammenhang zwischen Blutdruck- und IVCD-Veränderung

↓70

Die Füllung des Gefäßsystems ist ein wesentlicher Einflussfaktor für den BP. Um zu ermitteln, ob ein Zusammenhang zwischen dem IVCD und dem BP bestand, wurden die HD-Patienten in normoton und hyperton gruppiert. Vor der Dialyse ließ sich dem BP 75 mal (96%) ein IVCD zuordnen. Es bestand 53 mal (68 %) ein normaler BP mit einem IVCD von 14,3 ± 2,9 (s) mm {IVCI = 10,8 ± 1,76 (s) mm/m²} und 22 mal (32%) lag entweder ein systolischer oder diastolischer Bluthochdruck mit einem IVCD von 15,2 ± 2,9 (s) mm {IVCI = 13,0 ± 1,92 (s) mm/m²} vor. Nach der Dialyse konnten 68 (87%) Messpaare gebildet werden. 55 mal (81%) war der BP mit einem IVCD von 10,3 ± 3,0 (s) mm {IVCI = 8,2 ± 1,83 (s) mm/m²} im Normbereich. 13 mal (19%) war der BP systolisch oder diastolisch erhöht. Der IVCD betrug 12,5 ± 2,6 (s) mm {IVCI = 11,2 ± 2,25 (s) mm/m²}. Um dem starken Einfluss der physischen Charakteristika auf den IVCD Rechnung zu tragen, wurde der IVCD mit der KOF korreliert und die Regressionsanalyse für die Patienten mit und ohne Hypertonie durchgeführt. Die Regressionsgeraden sind vor und nach der Behandlung im Schnittpunkt mit der Y-Achse extrem verschieden (p = 0,0004 respektive p = 0,0004). Der Anstieg dagegen war nicht signifikant verschieden (p = 0,42, respektive p = 0,92). Daraus folgt, dass der IVCD bezogen auf die KOF bei Hypertonie signifikant gegenüber den normotonen Patienten erweitert war. Die Korrelationen mit den Regressionsgeraden sind in der Abb. 3.16 und 3.17 dargestellt.

3.8.2 Zusammenhang zwischen UF- und IVCD-Veränderung

Der IVCD wird mit dem zirkulierenden Blutvolumen in Zusammenhang gebracht. Unter der Dialyse wird dem Körper Flüssigkeit direkt aus dem Intravasalraum (IVR) entzogen. Dementsprechend sollte ΔIVCD mit dem Ultrafiltrat negativ proportional sein. Die Korrelation war mit r = - 0,48 geringer ausgeprägt, als zwischen RZ und Ultrafiltrat. Störfaktor ist die Volumenbewegung, besonders aus dem Interstitium, in den IVR. Die Korrelation für ΔIVCD und UF ist in Abb. 3.18 gegeben.

3.9 Zusammenhang zwischen RZ- und IVCD-Veränderung

Die vorher geschilderten Ergebnisse lassen einen engen Zusammenhang zwischen ΔIVCD und ΔRZ erwarten. Der Korrelationskoeffizient für die gesamten Dialysepatienten war r = - 0,58. Die Korrelation ist in Abb. 3.19 gegeben.

↓71

Abb. 3.16 Vergleich des ∅IVCD normotoner (n = 53) und hypertoner (n = 22) Patienten vor der HD. Es zeigt sich ein signifikant weiterer ∅IVCD in der Gruppe mit einem Hypertonus.

Abb. 3.17 Vergleich des ∅IVCD normotoner (n = 55) und hypertoner (n = 13) Patienten nach der HD. Es zeigt sich ein signifikant weiterer ∅IVCD in der Gruppe mit einem Hypertonus.

Abb. 3.18 Korrelation für Ultrafiltrat und ΔIVCD der HD-Patienten. Der Korrelationskoeffizient war r = -0,48 (n = 54).

↓72

Abb. 3.19 Korrelation für ΔIVCD und ΔRZ der HD-Patienten. Der Korrelationskoeffizient war r = -0,58 (n = 66).

3.10 Resistanz bei Dialysepatienten und Gesunden

Die vorangegangene Darstellung belegt den engen Zusammenhang zwischen den Veränderungen des Körperwassers und der RZ. Der Vergleich der RZ von Patienten mit den Normalwerten Gesunder könnte somit eine hilfreiche Methode zur Festlegung des Trockengewichtes sein. Es ergibt sich allerdings die Frage, ob Gesunde und Patienten vergleichbar sind. Für die Dialysepatienten gilt, dass die RZ weder vor noch nach der Dialyse einen physiologischen Zustand erfasst. Sie bildet die Situation der Hyperhydratation vor und die der gezielten Dehydratation nach der Behandlung ab und stellt keinen adäquaten Vergleichsparameter dar. Im inter- wie im intradialytischen Intervall erreichen die Patienten zu einem nicht zu definierenden Zeitpunkt ihr „physiologisches Trockengewicht“. Um die Werte der Patienten mit denen der Normalpopulation vergleichen zu können, wurde aus der RZ vor und nach der Dialyse der Mittelwert (μRZ v/n) berechnet. Dieser Mittelwert kommt dem „physiologischen Trockengewicht“ im intradialytischen Intervall näher und ist mit dem Zustand der gesunden Kinder besser vergleichbar.

Quartile, Mittelwert und Standardabweichung (s) für μRZ v/n der stabilen und der instabilen Patienten sind in Tab. 3.10 und 3.11 gegeben. Die RZ der stabilen weiblichen HD-Patienten lag im Mittel um 34 ± 16 (s) Ω und damit statistisch signifikant (p = 0,03, ungepaarter t-Test) über der mittleren RZ der Normalpopulation. Die RZ der stabilen männlichen HD- Patienten lag im Mittel um 26 ± 13 (s) Ω über der Vergleichsgruppe. Dieser Unterschied war statistisch nicht signifikant (p = 0,06, ungepaarter t-Test).

↓73

Idealerweise sollten sich die stabilen Patienten mit ihren Werten innerhalb und die instabilen Patienten außerhalb der Normogramme abbilden. Um zu klären, welche Bezugsgröße (KG, BMI, KOF) die beste Übereinstimmung mit dieser Annahme erbringt, wurde μ RZ v/n für die Geschlechter getrennt in die Normogramme in Abb. 3.20 bis 3.22 übertragen. Dabei zeigte sich, dass mit den Bezugsgrößen KG und KOF die Werte nahezu identisch abgebildet wurden. Bei den stabilen weiblichen und männlichen Patienten lagen 7/31 Messpaare (3/11 Patientinnen) bzw. 5/52 Messpaare (2/18 Patienten) außerhalb der zweifachen Standardabweichung. Daraus ergibt sich für die stabile Patientengruppe, dass 14% der Messungen nicht im Normalbereich lagen. Demgegenüber befanden sich mit dem BMI als Bezugsgröße bei den stabilen weiblichen und männlichen Patienten 7/31 Messpaare (4/11 Patientinnen) bzw. 4/52 Messpaaren (3/18 Patienten) außerhalb der zweifachen Standardabweichung. Prozentual gesehen sind dies 13% der Messungen. Der Erwartungswert liegt bei 5%.

Die Muskelmasse der Extremitäten mit ihren Gefäßen hat den stärksten Einfluss auf die RZ des gesamten Körpers. Der BMI ist ein Marker, in dem sich der Körperbau bedingt widerspiegelt. 2/10 der weiblichen (4/28 Messungen) und 3/16 der männlichen HD-Patienten (9/48 Messungen) hatten einen BMI < 3. P (Perzentile). Bei den PD-Patienten lagen beide weiblichen und einer der männlichen Patienten unterhalb der 3. P.

Werden die Messpaare der Patienten mit einem BMI < 3. P eliminiert, liegen die Messungen aller stabilen Patienten im Normalbereich. Der Unterschied der mittleren μRZ v/n der weiblichen und männlichen Patienten zu der RZ der Normalpopulation nimmt mit der Elimination der Patienten mit BMI < 3. P auf 8 ± 16 (s) Ω bzw. 11 ± 14 (s) Ω ab und war damit statistisch nicht signifikant (p = 0,62, respektive p = 0,44, ungepaarter t-Test).

↓74

Zwei PD Patienten wurden klinisch als instabil eingestuft. Eine Patientin hatte klinische Zeichen einer Flüssigkeitsüberladung und lag über ihrem angestrebten TG. Der zweite Patient war akut erkrankt und das TG musste täglich neu festgelegt werden.

Im Vergleich mit den Normalwerten lagen 2/3 Messungen eines Patienten oberhalb 2 s. Die 2 Messungen der hyperhydrierten Patienten lagen innerhalb 2 s. Diese Patientin hatte einen BMI < 3. P.

Tab. 3.10 Messungen stabiler Patienten Quartile, Mittelwert und Standardabweichung (s) des Durchschnittwertes der RZ für HD und PD. Der Durchschnitt ergibt sich als μRZ v/n aus der RZ vor und nach der Dialyse, SEM = Standardfehler des Mittelwertes.

 

HD μRZ v/n

PD μRZ v/n

Geschlecht

w

m

w

m

Messungen

28

48

3

4

Minimum

565

488

669

492

25% Perzentile

665

588

*

*

Median

699

625

677

599

75% Perzentile

730

686

*

*

Maximum

901

825

699

717

Mittelwert

707

639

681

602

s

82,9

77,2

15,5

124

SEM

15,7

11,2

8,9

61,8

↓75

Tab. 3.11 Messungen instabiler Patienten Quartile, Mittelwert und Standardabweichung (s) des Durchschnittwertes der RZ für HD und PD. Der Durchschnitt ergibt sich als μRZ v/n aus der RZ vor und nach der Dialyse, SEM = Standardfehler des Mittelwertes.

 

PD μRZ v/n

Geschlecht

w

m

Messungen

2

3

Minimum

615

607

25% Perzentile

*

*

Median

621

685

75% Perzentile

*

*

Maximum

628

724

Mittelwert

621

672

s

9,2

59,5

SEM

6,5

34,4

Abb. 3.20 Die Mittelwerte der RZ von weiblichen und männlichen Dialysepatienten vor und nach Dialyse (μRZ v/n ) in Bezug zum Gewicht. Die Darstellung erfolgt im bereits beschriebenen Normogramm (s. S. 35)

Abb. 3.21 Die Mittelwerte der RZ von weiblichen und männlichen Dialysepatienten vor und nach Dialyse (μRZ v/n ) in Bezug zum BMI. Die Darstellung erfolgt im bereits beschriebenen Normogramm (s. S. 35)

↓76

Abb. 3.22 Die Mittelwerte der RZ von weiblichen und männlichen Dialysepatienten vor und nach Dialyse (μRZ v/n ) in Bezug zur KOF. Die Darstellung erfolgt im bereits beschriebenen Normogramm (s. S. 35)

3.11 IVCD der Dialysepatienten und Normalwerte

Wie bereits dargestellt, ist es notwendig, die Mittelwerte aus den Messungen vor und nach der Dialyse zu berechnen. Der Mittelwert wird als μIVCD v/n dargestellt. Die Geschlechter wurden gemeinsam beurteilt. Zwei PD Patienten waren klinisch instabil. Die Messwerte wurden besonders gekennzeichnet. Bei 9 Messungen konnte kein μIVCD v/n berechnet werden, da mindestens einmal der IVCD in der Referenzposition nicht dargestellt werden konnte. Wegen des vorzeitigen Endes einer Behandlung wurde einmal kein IVCD nach der Dialyse bestimmt.

Quartile, Mittelwert und Standardabweichung (s) für μIVCD v/n der stabilen, wie instabilen Patienten sind in Tab. 3.12 bzw. 3.13 gegeben. Wenn μIVCD v/n ein guter Vergleichsparameter ist, sollte er mit dem mittleren IVCD der Normalpopulation übereinstimmen. Der μIVCD der stabilen HD-Patienten war gegenüber der Normalpopulation mit -0,2 ± 0,3650 (s) mm nicht signifikant verschieden (p = 0,64, ungepaarter t-Test).

↓77

In Abb. 3.23 - 3.25 sind die μIVCD v/n der HD- und PD-Patienten im Normogramm dargestellt. Als Bezugsgrößen finden KG, KL und KOF Verwendung.

Bei den stabilen Patienten lagen je nach Bezugsgröße 13/71 (KG und KL) bzw. 14/71 (KOF) Messungen (8 Patienten) außerhalb 2 s. In der Gruppe der instabilen Patienten lag 1/5 Messungen nicht im Bereich der 2 s.

Tab. 3.12 Messungen stabiler Patienten Quartile, Mittelwert und Standardabweichung (s) des Durchschnittwertes des IVCD für HD und PD. Der Durchschnitt ergibt sich als μIVCD v/n aus dem IVCD vor und nach der Dialyse, SEM = Standardfehler des Mittelwertes.

 

HD μIVCD v/n

PD μIVCD v/n

Geschlecht

w

m

w

m

Messungen

21

43

3

4

Minimum

8,0

8,8

11,2

11,8

25% Perzentile

10,3

11,7

*

*

Median

11,6

13,6

13,7

15,5

75% Perzentile

13,4

15,3

*

*

Maximum

18,8

19,7

14,18

18,5

Mittelwert

12,0

13,8

13,03

15,3

s

2,29

2,85

1,618

3,40

SEM

0,50

0,44

0,93

1,70

↓78

Tab. 3.13 Messungen instabiler Patienten Quartile, Mittelwert und Standardabweichung (s) des Durchschnittwertes des IVCD für HD und PD. Der Durchschnitt ergibt sich als μIVCD v/n aus dem IVCD vor und nach der Dialyse, SEM = Standardfehler des Mittelwertes.

 

PD μIVCD v/n

Geschlecht

w

m

Messungen

2

3

Minimum

11,7

9,9

25% Perzentile

*

*

Median

12,1

11,9

75% Perzentile

*

*

Maximum

12,5

13,2

Mittelwert

12,1

11,7

s

0,53

1,70

SEM

0,38

0,96

Abb. 3.23 Die Mittelwerte des IVCD von Dialysepatienten vor und nach Dialyse (μIVCD v/n ) in Bezug zum Gewicht. Die Darstellung erfolgt im bereits beschriebenen Normogramm (s. S. 42)

Abb. 3.24 Die Mittelwerte des IVCD von Dialysepatienten vor und nach Dialyse (μIVCD v/n ) in Bezug zur Größe. Die Darstellung erfolgt im bereits beschriebenen Normogramm (s. S. 42)

↓79

Abb. 3.25 Die Mittelwerte des IVCD von Dialysepatienten vor und nach Dialyse (μIVCD v/n ) in Bezug zur KOF. Die Darstellung erfolgt im bereits beschriebenen Normogramm (s. S. 42)

3.12 Fallbeispiel eines Patienten an der Dialyse.

Der Patient war zur Zeit der Untersuchung 11 Jahre alt und hatte einen BMI zwischen 22,9 und 23,0 kg/m² (> 97. P). Er war akut an einem Nierenversagen erkrankt, welches in eine CNI überging. Der Patient wurde in den ersten Tagen bei nicht etabliertem Dialysezielgewicht mit einer Peritonealdialyse behandelt. Das KG nahm von ca. 52 kg auf ca. 54 kg zu. RZ und IVCD waren bei Behandlungsbeginn erhöht bzw. erniedrigt und wiesen übereinstimmend auf einen Flüssigkeitsmangel hin. Mit dem Anstieg des KG bewegten sich beide Parameter in den Normalbereich und auf den Mittelwert zu. Diese Konstellation wies auf einen Flüssigkeitsmangel hin und legte eine Erhöhung des Dialysezielgewichtes auf 54 kg nahe. Im Verlauf wurde der Patient auf die HD umgestellt. Am 46. Tag nach Dialysebeginn wurde der Patient bereits hämodialysiert und als klinisch stabil beurteilt. An den Tagen 46 und 48 lag das Dialysezielgewicht bei 52 kg und wurde durch die Behandlung erreicht oder unterschritten. Die RZ und der IVCD befanden sich im Bereich bzw. innerhalb der einfachen Standardabweichung. Diese Konstellation spricht für ein optimales Trockengewicht. Am Tag 51 wurde das Dialysezielgewicht nicht erreicht.

In der Abb. 3.26 sind die Verläufe von Gewicht, Resistanz und Durchmesser der Vena cava inferior gegenüber der Zeit in Tagen dargestellt. Im Diagramm sind die RZ bzw. der IVCD als Messwert vor und nach der Dialyse durch leere Kreise, welche mit einer durchgezogenen Linie verbunden sind, dargestellt. Die vollen Kreise kennzeichnen den Mittelwert aus RZ und IVCD vor und nach der Behandlung (μRZ v/n und μIVCD v/n). Die gestrichelte Linie zeichnet den Verlauf des Mittelwertes nach.

↓80

Abb. 3.26 Darstellung des Verlaufs von RZ und IVCD im Vergleich zum Gewicht am Beispiel eines Patienten mit akuter Niereninsuffizienz. Zu Beginn der Dialyse war das Trockengewicht inadäquat. Unter der Behandlung kam es zu einer Optimierung des TG. Die wird am kohärenten Verlauf von RZ und IVCD deutlich.


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13.12.2005